Familie Gastroenterologie

Interview mit Stefanie Reichermeier

1987
Oberärztin am Klinikum St. Marien Amberg
verheiratet

Themenkomplex I: Zeitpunkt und Bekanntgabe der Schwangerschaft

Ich war zum Zeitpunkt der Schwangerschaft als Oberärztin in der Klinik und auch im angegliederten MVZ tätig. Den Zeitpunkt für die Familienplanung habe ich bewusst auf das Ende der Facharztweiterbildung bzw. das Erreichen bestimmter beruflicher Ziele ausgerichtet. Ich habe die Schwangerschaft circa in der 10. SSW bekannt gegeben. Die Reaktion darauf war sehr positiv und wohlwollend.

Themenkomplex II: Endoskopieren während der Schwangerschaft und Anpassungen des Arbeitsplatzes

Nachdem für mich von Anfang an feststand, dass ich weiterhin endoskopieren möchte, habe ich dies im ersten Gespräch über die Schwangerschaft sofort an meinen Chef kommuniziert. Gemeinsam mit ihm habe ich dann die Gefährdungsbeurteilung erstellt und eventuelle Risiken am Arbeitsplatz identifiziert. Die Betriebsärztin wurde von mir zwar konsultiert, hat dann aber nicht wesentlich Einfluss genommen. Konkret legten wir fest, dass ich nicht mehr am endoskopischen Hintergrunddienst teilnahm, keine Untersuchungen mit Röntgenstrahlung mehr durchführte und mich peu à peu aus dem MVZ zurückzog. Generell sehe ich zwar niedergelassenes Arbeiten als fast idealer in der Schwangerschaft an aufgrund der besseren Planbarkeit, aber galt es in meinem Fall vor allem den Stress von zwei separaten Arbeitsplätzen zu reduzieren. In der täglichen endoskopischen Arbeit, an der ich bis zum Mutterschutz teilnahm, verzichtete ich zunehmend auf langwierigere Prozeduren, wobei kleinere Interventionen (Polypektomien, PEG-Anlagen, EUS-Punktionen…) weiterhin von mir durchgeführt wurden. Außerdem kristallisierte sich im Verlauf heraus, dass sich die Schwangerschaft gut für die Supervision und Anleitung jüngerer Kollegen oder Assistenzärzte eignet. Insgesamt wurde in meiner Abteilung immer Rücksicht von Kollegen und Assistenzpersonal genommen, so dass beispielsweise eine kurzfristige Ablösung immer möglich war.

Mit klarer Kommunikation und dem Mut, eigene Wünsche zu äußern, lassen sich in der Schwangerschaft viele Probleme umgehen.

Themenkomplex III: Nach der Schwangerschaft

Bezüglich des Arbeitens nach der Schwangerschaft kann ich noch nichts berichten, da ich momentan noch in Elternzeit bin. Allerdings stehe ich in regelmäßigem Kontakt zu meinem Chef, da ich auch in der Elternzeit versuche, gemeinsame Projekte voranzutreiben und zum Beispiel an abteilungsinternen Fortbildungen teilnehme.

Tipps und Empfehlungen:

Ich denke mit einer guten Kommunikation kann man viele Probleme umgehen. Allerdings empfehle ich auch, von vornherein die Wünsche für das Arbeiten in und nach der Schwangerschaft klar und deutlich zu äußern und ggf. auch einzufordern. Während der Abwesenheit finde ich wichtig den Kontakt zur Abteilung aufrecht zu erhalten und immer wieder Präsenz zu zeigen.

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