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S2k-Leitlinie

Gastrointestinale Infektionen

AWMF-Registernummer 021 – 024

Version 2.0

11/2023Leitlinie aktualisiert

Stammdaten zur Leitlinie

Allgemeine Angaben

Koordinierende

Prof. Marylyn M. Addo
Prof. Ansgar W. Lohse
Prof. Andreas Stallmach

Autoren

Carolin Manthey¹˒², Hans-Jörg Epple³, Klaus-Michael Keller⁴, Christoph Lübbert⁵, Carsten Posovszky⁶, Michael Ramharter⁷, Philipp Reuken⁸, Sebastian Suerbaum⁹, Maria Vehreschild¹⁰, Thomas Weinke¹¹, Marylyn M. Addo⁷˒¹², Andreas Stallmach⁸, Ansgar W. Lohse⁷


Kollaboratoren

Rüdiger Adam, Christian Bogdan, Antje Flieger, Fabian Frost, Angelika Fruth, Stefan Hagel, Katrin Katzer, Jens M. Kittner, Gerd Klock, Benno Kreuels, Luise Martin, Jakob Heinrich Malsy, Harald Matthes, Markus Menges, Mark Oette, Jutta Riemer, Camilla Rothe, Stefan Schmiedel, Volker Schmitz, Peter Walger


Korrespondenzanschrift

Prof. Dr. med. Ansgar W. Lohse

I. Medizinische Klinik und Poliklinik Gastroenterologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg, Deutschland

040-74 10 53 910 040-74 10 58 531

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Empfehlungen

Empfehlungen

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3. Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis

Empfehlung 3.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Keine routinemäßige Erregerdiagnostik

Eine Erregerdiagnostik soll nur dann durchgeführt werden, wenn sich aus dem Ergebnis erwartungsgemäß medizinische, organisatorische oder melderechtliche Konsequenzen ergeben.

Empfehlung 3.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Indikationen zur Erregerdiagnostik

Bei Verdacht auf eine infektiöse Gastroenteritis sollte insbesondere in folgenden Situationen eine Erregerdiagnostik erfolgen:

  • blutige Diarrhö
  • schweres Krankheitsbild (z. B. Fieber, Dehydrierung, SIRS/Sepsis, HUS)
  • Dauer der Diarrhö länger als 14 Tage
  • Komorbiditäten, die bei einer infektiösen Gastroenteritis mit einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert sind
  • Immundefizienz
  • Antibiotikaeinnahme innerhalb der letzten 3 Monate oder sonstige Risikofaktoren für eine C. difficile-Infektion (siehe Empfehlung 3.5)
  • nosokomiale Diarrhö
  • vor Einleitung einer empirischen antibiotischen Therapie der Durchfallerkrankung
  • Arbeit in Nahrungsmittelverarbeitung oder Gemeinschaftseinrichtung
  • Fallhäufung (≥ 2 Fälle) mit vermutetem epidemiologischem Zusammenhang

Empfehlung 3.3

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der Erregerdiagnostik

Die sich aus Empfehlung 3.1 und 3.2 ergebende Basisdiagnostik sollte Untersuchungen auf Campylobacter, Salmonellen, Rotaviren und Noroviren umfassen (Ausnahme nosokomiale Diarrhö, siehe Kapitel "Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile").

Empfehlung 3.4

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Diagnostik bei Verdacht auf Clostridioides difficile

Der diagnostische Algorithmus bei Verdacht auf Clostridioides difficile-Infektion soll sowohl ein hoch sensitives als auch ein hoch spezifisches Testverfahren beinhalten.

Empfehlung 3.5

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


Stellenwert nicht-mikrobiologischer Diagnostik

Zur Klärung der Ätiologie und/oder zur Einschätzung der Schwere des Krankheitsbildes, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren (siehe Empfehlung 3.2), kann die Diagnostik um laborchemische, bildgebende und/oder endoskopische Verfahren erweitert werden.

Empfehlung 3.6

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Gestuftes Vorgehen der Erregerdiagnostik

Der mikrobiologische Nachweis von Durchfallerregern erfolgt aus Stuhlproben und in Ausnahmefällen aus Rektalabstrichen.

Zur ätiologischen Klärung bei akuter Gastroenteritis sollte im Regelfall 1 Stuhlprobe auf relevante Erreger untersucht werden.

Das Spektrum der angeforderten Untersuchungen sollte der klinischen Symptomatik, Anamnese und der epidemiologischen Situation angepasst sein und die Diagnostik in Stufen erfolgen.

Bei Verdacht auf eine Parasitose sollten in der Regel 3 Proben aus unterschiedlichen Stuhlgängen untersucht werden.

Empfehlung 3.7

Neu 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Der Einsatz einer molekularen Gastroenteritis-Panel-Diagnostik

Nukleinsäuren-basierte Nachweisverfahren, die eine simultane Testung auf einer Vielzahl von bakteriellen, viralen und parasitären Enteropathogenen leisten (sogenannte „Gastroenteritis-Panels“), sind kein Bestandteil der Basisdiagnostik. In begründeten Einzelfällen können sie zusätzlich eingesetzt werden.

Empfehlung 3.8

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Maßnahmen bei Entlassung aus dem Krankenhaus

Bei Patienten, die mit einer infektiösen Gastroenteritis im Krankenhaus betreut wurden, sollte vor Entlassung, insbesondere wenn die Entlassung in eine Gemeinschaftseinrichtung erfolgt, eine ärztliche Einschätzung der Kontagiosität durchgeführt werden.

[1. Klug entscheiden]

Empfehlung 3.9

Modifiziert 2023

Empfehlung

Konsens


Chronische Diarrhö

Bei chronischer Diarrhö sollte eine infektiöse Ursache ausgeschlossen werden.
4. Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen

Empfehlung 4.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute infektiöse Gastroenteritis (AGE) ist durch eine plötzliche Änderung der Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz über das individuell übliche Maß hinaus (über 3x täglich) und fakultativ auch mit Erbrechen und Fieber gekennzeichnet und soll primär mit einer ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution behandelt werden.

Empfehlung 4.2

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine stationäre Aufnahme von Patienten mit akuter Gastroenteritis soll erfolgen bei schwerer Dehydration (> 9 % Körpergewicht), Kreislaufschock, Bewusstseinsstörungen, unkontrollierbarem Erbrechen, gescheiterter oraler Rehydration und/oder drohender Dekompensation.

Empfehlung 4.3

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer akuten Gastroenteritis ohne Dehydration sollten keine spezifischen diätetischen Restriktionen empfohlen werden.

Empfehlung 4.4

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Eine orale Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten sollte, wenn möglich, auch bei stationären Patienten einer parenteralen Substitution vorgezogen werden.

[2. Klug entscheiden]

Empfehlung 4.5

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Die Rehydration soll unter Berücksichtigung der Bilanzierung, Urinproduktion, Kreislaufparameter, ggf. über Gewichtskontrolle, erfolgen. Mit der Evaluierung der oralen Rehydration soll zu Hause, in der Pflegeeinrichtung bzw. Krankenhaus unverzüglich begonnen werden.
  • Bei Hypovolämie sollen bis zu 4 Liter orale Rehydrationslösung (ORL) in den ersten 4 Stunden unter Berücksichtigung der kardialen Funktion verabreicht werden.

Empfehlung 4.6

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine intravenöse Rehydration soll erfolgen:

  • Bei > 10 % Gewichtsverlust
  • bei Scheitern einer oralen oder nasogastralen Rehydration
  • bei persistierendem Erbrechen (> 5x/Tag)
  • bei Schockzustand
  • bei Vigilanzeinschränkung / Aspirationsgefahr
  • bei schwerer Azidose (pH < 7,25; BE < -15mmol/l) oder Hypo- oder Hypernatriämie
  • bei Symptomen eines Ileus/Passagestörung

Empfehlung 4.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Probiotika sollen bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Antiemetika können im Erwachsenenalter kurzfristig zum Einsatz kommen
  • Antiemetika sollen im Kindesalter nicht zur Therapie der akuten Gastroenteritis verwendet werden.

Empfehlung 4.9

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Loperamid kann bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für < 48 Stunden verwendet werden.

Empfehlung 4.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Loperamid soll bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die anderen erhältlichen Antidiarrhoika wie z. B. pflanzliche Substanzen (Uzara, getrocknetes Apfelpulver) oder Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe sollen bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.12

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine symptomatische analgetische/spasmolytische Therapie kann gemäß des Stufenschemas der WHO mit Paracetamol, Opioiden sowie Butylscopolamin intravenös durchgeführt werden.

Empfehlung 4.13

2023

Empfehlung

Starker Konsens


Metamizol sollte aufgrund seines Nebenwirkungsprofils (u. a. Agranulozytose, medikamenten-allergisches Leberversagen) in dieser Indikation nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.14

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

[3. Klug entscheiden]

Empfehlung 4.15

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Die initiale empirische antimikrobielle Therapie sollte - nach Durchführung einer Erregerdiagnostik - mit Azithromycin (500 mg/d p. o. für 3 Tage oder 1000 mg p. o. Einmaldosis) erfolgen.

Empfehlung 4.16

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Als Alternative kann ein Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor i. v. gegeben werden.

Empfehlung 4.17

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Cephalosporine der Gruppe 3a (z. B. Ceftriaxon) sollten aufgrund sehr häufiger Resistenzen bei Campylobacter nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Fluorchinolone sollen in der Erstlinie zur empirischen Therapie nicht mehr verwendet werden.

Empfehlung 4.19

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Bei Noro- oder Rotavirusnachweis ist keine spezifische Therapie außer einer Rehydration notwendig (s. Empfehlung 6.12).

Empfehlung 4.20

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Metronidazol hat keinen Stellenwert in der empirischen antiinfektiven Therapie der akuten Gastroenteritis.

Empfehlung 4.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter Campylobacter-Infektion soll keine antimikrobielle Therapie eingeleitet werden, wenn es bis zum Erhalt des mikrobiologischen Nachweises bereits zu einer Besserung der klinischen Symptome gekommen ist.
  • Nur bei schwerem Krankheitsbild und fehlender klinischer Besserung sollte eine antimikrobielle Therapie mit Azithromycin 1000 mg p. o. einmalig (Kontraindikationen beachten) eingeleitet werden. Nach vorliegendem Antibiogramm ist die Therapie zu evaluieren.

Empfehlung 4.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion ohne Hinweis auf systemische Infektion soll in der Regel keine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden
  • Eine antimikrobielle Therapie soll bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion in folgenden Fällen erfolgen:
  • Nachweis einer Bakteriämie und bei Zeichen systemischer Infektion (z. B. Fieber > 38.5°C) zum Zeitpunkt anhaltender klinischer Beschwerden
  • Zusätzlich soll eine antiinfektive Therapie in ausreichender Dauer bei positiver Blutkultur und/oder Gefäßprothesen/Fremdmaterial mit Gefahr der septischen Absiedlung erfolgen.

Empfehlung 4.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei STEC/EHEC Nachweis soll keine antibiotische Therapie stattfinden, außer es liegen zusätzliche extraintestinale Infektionen vor.
  • Eine „Eradikation“ von Erregern bei asymptomatischen STEC-Trägern soll nicht durchgeführt werden.

Empfehlung 4.24

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei Nachweis einer akuten Shigellen-Infektion soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden, falls noch klinische Symptome bestehen. Hierdurch sollen schwere Verläufe vermieden werden und die Infektiosität beendet werden.
  • Die antimikrobielle Therapie soll in Abhängigkeit von der Resistenztestung erfolgen. In Frage kommen Azithromycin (500 mg/Tag p. o.) für 3 Tage, Ceftriaxon (2 g/Tag i. v.) für 5 Tage oder Pivmecillinam 3x400 mg p. o. für 5 Tage.

Empfehlung 4.25

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Bei akuter Yersinien-Infektion ohne Hinweis auf Sepsis oder komplizierten Verlauf soll keine antimikrobielle Therapie erfolgen.
  • Bei schwerer oder protrahierter Symptomatik kann, bei Bakteriämie/Sepsis soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden (Antibiogramm beachten)
    • Ceftriaxon (2 g/Tag i. v. für 7 – 14 Tage), bei Allergie Ciprofloxacin 3 x 400 mg i. v. für insgesamt 7 – 14 Tage
5. Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile

Empfehlung 5.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ursachen der infektiösen nosokomialen Gastroenteritis

Als infektiöse Ursachen einer nosokomialen Diarrhö sollen im Rahmen der primären Labordiagnostik frühzeitig Clostridioides difficile und Noroviren abgeklärt werden.

Empfehlung 5.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Konsens


Diagnostik bei Norovirus-Ausbrüchen

Im Rahmen von Norovirus-Ausbrüchen sollte die Diagnose weiterer Infektionsfälle rein klinisch gestellt werden.

Empfehlung 5.3

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Definition und Prädiktion der schweren CDI

Eine CDI wird als schwer klassifiziert, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • Fieber, definiert als > 38,5°C
  • Leukozytose, definiert als > 15 x 109/L
  • Anstieg des Serumkreatinins auf > 50 % des Ausgangswertes
Die komplizierte (oder fulminante) CDI ist gekennzeichnet durch das Vorliegen mindestens eines der folgenden Kriterien:

  • Hypotension (systolischer Blutdruck < 100 mmHg)
  • Septischer Schock
  • Erhöhtes Serum Laktat (≥ 20 mg/dl bzw. ≥ 2,2 mmol/l)
  • Ileus
  • Toxisches Megakolon
  • Perforation
  • Fulminante Krankheitsdynamik
Die wichtigsten Prädiktoren für die Vorhersage einer schweren CDI sind:

  • Alter >65 Jahre
  • Multiple signifikante Komorbidität (z. B. Niereninsuffizienz, Immunsuppression u.a.)

Empfehlung 5.4

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei Vorliegen einer nosokomialen Gastroenteritis sollten folgende supportive Maßnahmen ergriffen werden:

  • Substitution von Volumen (kristalloide Lösungen) und Elektrolyten
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Absetzen der auslösenden Antibiotika (falls möglich)
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Verzicht auf Motilitätshemmer, inklusive Opiate (soweit möglich)
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Verzicht auf Protonenpumpeninhibitoren erwägen

Empfehlung 5.5

Modifiziert 2023

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Antimikrobielle Therapie der Clostridioides difficile-Infektion

Folgende Empfehlungen gelten für die Therapie-Indikation bei CDI:

  • Nur bei leichtem Krankheitsbild kann bei Patienten ohne Risikofaktoren nach Absetzen des auslösenden Antibiotikums und unter engmaschiger klinischer Beobachtung der Spontanverlauf abgewartet und auf eine spezifische Therapie verzichtet werden.
  • In allen anderen Fällen sollte frühzeitig eine spezifische Therapie initiiert werden.
  • Bei schwerem Krankheitsbild und hochgradigem Verdacht auf eine CDI kann eine spezifische Therapie bereits unmittelbar im Anschluss an die Abgabe einer Stuhlprobe zur Diagnostik eingeleitet werden.

Empfehlung 5.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Risikofaktoren für eine rezidivierende CDI

In der Betreuung von Patienten mit CDI soll eine sorgfältige Abschätzung des Rezidivrisikos erfolgen, da dies Einfluss auf die therapeutische Entscheidung hat (siehe Tabelle im Hintergrundtext).

Empfehlung 5.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Primärtherapie der Clostridioides difficile-Infektion: Antibiotika

Für die spezifische Primärtherapie der CDI werden folgende Empfehlungen gegeben:

  • Die Primärtherapie soll mit Fidaxomicin 2 x 200 mg / Tag p. o. oder Vancomycin 4 x 125 mg / Tag p. o. über 10 Tage erfolgen.

Empfehlung 5.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko soll Fidaxomicin eingesetzt werden (siehe Empfehlung 5.14 – 5.16).

Empfehlung 5.9

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Eine Behandlung mit Metronidazol 3 x 400 mg / Tag p. o. über 10 Tage kann bei nicht schwerem Krankheitsbild, fehlenden Risikofaktoren für einen schweren Verlauf und guter Compliance des Patienten erwogen werden.

Empfehlung 5.10

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko kann eine zusätzliche Behandlung mit Bezlotoxumab* (einmalig 10 mg/kg KG i. v.) zur Sekundärprophylaxe erfolgen.


*seit Januar 2024 in Deutschland nicht mehr verfügbar, in Einzelfällen über die internationale Apotheke zu bestellen

Empfehlung 5.11

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Wenn keine enterale Therapie möglich ist, kann eine parenterale Therapie mit Metronidazol 3 x 500 mg i. v. / Tag oder Tigecyclin 2 x 50 mg i. v. / Tag (Startdosis 100 mg i. v.) erfolgen.

Empfehlung 5.12

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie der schweren und/oder komplizierten CDI

  • Im Falle einer komplizierten CDI (siehe Empfehlung 5.3) sollte notfallmäßig eine chirurgische Vorstellung erfolgen.

Empfehlung 5.13

Neu 2023

Empfehlung

Konsens


  • Bei Patienten mit signifikanter Kolondilatation (> 6 cm) und/oder (Sub-) Ileus sollte eine enterale Therapie via Sonde mit Fidaxomicin oder Vancomycin (antegrad per Magen-/Duodenalsonde oder retrograd per Kolonsonde) durchgeführt werden.

Empfehlung 5.14

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Rezidiven

Für die Therapie des ersten Rezidivs einer CDI gelten folgende Empfehlungen:

  • Wurde die initiale Episode mit Vancomycin oder Metronidazol behandelt, sollte eine Therapie mit Fidaxomicin (2 x 200 mg p. o. / Tag über 10 Tage) erfolgen.

Empfehlung 5.15

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Wurde die initiale Episode mit Fidaxomicin behandelt, kann das Rezidiv zusätzlich zur Therapie mit Fidaxomicin mit Bezlotoxumab* (einmalig 10 mg/kg KG i. v.) als Sekundärprophylaxe behandelt werden.
*seit Januar 2024 in Deutschland nicht mehr verfügbar, in Einzelfällen über die internationale Apotheke zu bestellen

Empfehlung 5.16

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Für die Therapie einer multipel rezidivierenden CDI gilt folgende Empfehlung:

  • Bei multiplen Rezidiven kann ein fäkaler Mikrobiotatransfer (FMT) im Anschluss an eine Standardtherapie erfolgen.

Empfehlung 5.17

Geprüft 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Voraussetzungen zum Management von Patienten mit infektiöser Gastroenteritis

Ein Hygieneteam, ein Antibiotic Stewardship Team und eine ausreichende Anzahl von Zimmern, in denen Patienten kontaktisoliert werden können, sollten vorhanden sein bzw. etabliert werden.

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Hygienemaßnahmen bei infektiöser Gastroenteritis

Bei Verdacht auf oder bestätigte infektiöse Gastroenteritis sollen folgende über die Standardhygiene hinausgehenden Maßnahmen ergriffen werden (Kontaktisolierung):

  • Patienten sollen im Einzelzimmer (mit eigener Nasszelle) untergebracht werden; bei Ausbrüchen ggf. Kohortenisolierung.

Empfehlung 5.19

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Wenn eine Einzelunterbringung nicht möglich ist, kann auch eine Unterbringung im Mehrbettzimmer erfolgen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Hygienemaßnahmen adäquat eingehalten werden: Strikte Händedesinfektion (idealerweise zusätzlich Waschen der Hände mit Seife), Kittel- und Handschuhpflege.

Empfehlung 5.20

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollen eine eigene Toilette benutzen.

Empfehlung 5.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei direktem Kontakt mit dem Patienten oder der patientennahen Umgebung sollen Schutzkittel und Handschuhe getragen werden.

Empfehlung 5.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei zusätzlichem Erbrechen soll ein Mund-/Nasenschutz getragen werden.

Empfehlung 5.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Geräte wie Stethoskop, RR-Manschette etc. sollen patientenbezogen eingesetzt werden.

Empfehlung 5.24

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollten bis 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptomatik kontaktisoliert werden.

Empfehlung 5.25

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Stellenwert von Probiotika zur Prophylaxe der CDI

Eine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Probiotika kann nicht gegeben werden.

Empfehlung 5.26

Neu 2023

Starker Konsens


Stellenwert von Antibiotika zur Prophylaxe der CDI

Der prophylaktische Einsatz von Clostridioides difficile-spezifischen Antibiotika zur Prävention einer Clostridioides difficile-Erkrankung wird nicht empfohlen.
6. Diarrhö bei Immundefizienz

Empfehlung 6.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz und Diarrhö soll eine Medikamentenanamnese im Hinblick auf potenzielle Ursachen der Diarrhö erhoben werden und ggf. eine Umstellung, Dosisanpassung oder Pausieren dieser Medikamente erfolgen.

Empfehlung 6.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz sollten Besonderheiten hinsichtlich Erregerspektrum, Verlauf und Therapie/Prävention infektiöser Enteritiden beachtet werden.

Empfehlung 6.3

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Erweiterte Stufendiagnostik

Bei Patienten mit Immundefizienz und Diarrhö soll eine erweiterte Diagnostik stufenweise in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf durchgeführt werden.

Empfehlung 6.4

Geprüft 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Gezielte Infektiologische Diagnostik

In Abhängigkeit von Symptomen, Anamnese (Medikamentenanamnese, Reiseanamnese, Beruf, Kontakt mit Tieren, Erkrankungen im sozialen Umfeld ggf. sexuelle Praktiken) und Art des Immundefektes sollte auf die in Tabelle "Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz" aufgeführten Pathogene untersucht werden.

Empfehlung 6.5

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Supportive Maßnahmen

Maßnahmen zur Verbesserung der reduzierten Immunfunktion sollten geprüft werden.

Empfehlung 6.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische antiinfektive Therapie (identisch mit Empfehlung 4.14 dieser Leitlinie)

Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

Empfehlung 6.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


CMV-Enterocolitis

Bei immundefizienten Patienten mit nachgewiesener CMV-Enterocolitis soll eine antivirale Therapie durchgeführt werden.

Empfehlung 6.8

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Vorgehen bei Adenovirus-Infektion

Bei immundefizienten Patienten mit schwerem Krankheitsbild kann eine frühzeitige antivirale Therapie der Adenovirus-Infektion erwogen werden. Eine etablierte Therapie der Adenovirus-Infektion existiert nicht.

Empfehlung 6.9

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Mykobakterium Avium Komplex

Die Therapie einer Mycobacterium avium Komplex (MAK) Infektion sollte in Rücksprache mit einer/m Kollegen/in mit infektiologischer Expertise mit Clarithromycin, Ethambutol und Rifabutin erfolgen. Medikamenteninteraktionen sind zu beachten.

Empfehlung 6.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


Therapie von Clostridioides difficile

Die Therapie der Clostridioides difficile-Infektion soll bei immundefizienten Patienten primär mit Fidaxomicin oder alternativ Vancomycin erfolgen.

Empfehlung 6.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Kryptosporidien

Die Verbesserung des Immunstatus ist die wirksamste Maßnahme zur Behandlung der intestinalen Kryptosporidiose. Diese soll angestrebt werden.

Empfehlung 6.12

Neu 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Therapie von Noroviren

Eine gesicherte Therapie-Empfehlung der Infektion mit Noroviren kann nicht ausgesprochen werden. Im Vordergrund stehen die symptomatische Therapie und Maßnahmen zur Verbesserung des Immunstatus.

Empfehlung 6.13

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Isolationsmaßnahmen

Hygienemaßnahmen sollten die Langzeit- und Dauerausscheidung der Erreger bei immundefizienten Patienten in Betracht ziehen.
7. Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern

Empfehlung 7.1

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Definition

Eine Reisediarrhö liegt bei ≥ 3 ungeformten Stühlen pro Tag im Reiseland vor. Wenn eine Diarrhö nach Reiseende persistiert, wird von einer Diarrhö beim Reiserückkehrer gesprochen.

Zur Abgrenzung leichterer von klinisch schwereren und möglicherweise komplikationsträchtigen Verläufen einer Reisediarrhö sollten folgende Parameter herangezogen werden: fieberhafte Durchfallepisoden, blutige Diarrhö, vorbestehende Komorbidität (Immunsuppression etc.) und das Alter des Patienten (Risikogruppen: Säuglinge, Senioren).

Empfehlung 7.2

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ätiologie

Das Erregerspektrum der Reisediarrhö unterscheidet sich vom Spektrum der ambulant erworbenen Diarrhö in Mitteleuropa. Bei der Reisediarrhö sollen je nach Reiseregion folgende Erreger stärker bedacht werden: Enterotoxin-bildende E. coli-Stämme (ETEC), andere pathogene E. coli-Stämme (EAEC, EIEC), Shigellen und Protozoen (Lamblien, E. histolytica). In den letzten Jahren werden zunehmend auch Noroviren bei Reisenden beschrieben.

Empfehlung 7.3

Geprüft 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Indikation zur mikrobiologischen Diagnostik

Eine mikrobiologische Diagnostik sollte beim Reiserückkehrer in folgenden Konstellationen erfolgen: Fieberhafte Diarrhö, blutige Diarrhö, Diarrhödauer länger als 5 Tage, schwere klinische Verläufe (Exsikkose, Hypotonie, Tenesmen) oder bei Gruppenerkrankungen/Ausbruchssituationen (dann aus epidemiologischen Gründen).

Empfehlung 7.4

Geprüft 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Indikation zur mikrobiologischen Diagnostik II

Bei einem Tropenrückkehrer mit fieberhafter Diarrhö nach Reise in Malariagebiete soll eine sofortige Malariadiagnostik erfolgen. Bei jeder fieberhaften Diarrhö (> 38,5° C) sollten Blutkulturen gewonnen werden.

Empfehlung 7.5

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der mikrobiologischen Diagnostik

Beim Reiserückkehrer mit fieberhafter und/oder blutiger Diarrhö soll eine Stuhldiagnostik auf bakterielle Erreger (Shigellen, Campylobacter, Salmonellen) und Amöben (Entamoeba histolytica) erfolgen.

Empfehlung 7.6

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Mikrobiologische Diagnostik bei persistierender Reisediarrhö

Bei persistierender Diarrhö (> 14 Tage) nach vorangegangener Fernreise sollte eine Diagnostik zum Ausschluss folgender Erreger oder Erkrankungen erfolgen: Bakterielle Erreger (Shigellen, Salmonellen, Campylobacter), Amöben (Entamoeba histolytica), Lamblien (Giardia lamblia).

Eine zusätzliche Diagnostik sollte in speziellen klinischen Situationen zum Ausschluss folgender Erreger oder Erkrankungen erfolgen:

a) Bei initial erfolgloser Diagnostik und insbesondere bei Immunsuppression:

    • Yersinien, Mykobakterien, Kryptosporidien, Cyclospora, Mikrosporidien, Cystoisospora belli und Helminthen.
b) Bei vorangegangener Antibiotikatherapie oder Chemotherapie:

    • Clostridioides difficile
c) Bei Eosinophilie

    • Strongyloides stercoralis, Isospora belli
d) Bei Langzeitaufenthalt im Reiseland:

    • Tropische Sprue
e) spezifische Erreger-Diagnostik bei besonderem Risikoprofil

Empfehlung 7.7

Modifiziert 2023

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Eine empirische Antibiotikatherapie sollte bei Diarrhö mit Fieber und/oder Blutabgängen oder bei Risikopatienten für Komplikationen eingesetzt werden.

In der Therapie sollte eine möglichst kurze Therapiedauer gewählt werden (Azithromycin 1 x 1000 mg p. o. als Einzeldosis). Bei nicht blutiger Diarrhö kann auch Rifamycin oder Rifaximin als nicht resorbierbares Antibiotikum eingesetzt werden.

Empfehlung 7.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Entamoeba histolytica soll eine mikrobielle Diagnostik vor Beginn der antibiotischen Therapie durchgeführt werden. Bei schwerem Krankheitsbild ist auch eine empirische Therapie nach Einleitung der Diagnostik gerechtfertigt. Zur Therapie soll eine Behandlung mit Metronidazol (3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3 x 800 mg) i. v. oder p. o. über 10 Tage und anschließend zur Zystenelimination Paromomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag p. o. über 7 – 10 Tage durchgeführt werden.

Empfehlung 7.9

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Selbsttherapie

Zur Selbsttherapie der Reisediarrhö im Reiseland soll eine ausführliche Aufklärung vor der Reise erfolgen. Der Reisende soll darauf hingewiesen werden, dass die Reisediarrhö in den meisten Fällen mild und selbstlimitierend ist. Als Primärtherapie soll die orale Rehydration empfohlen werden.

Empfehlung 7.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei ausgeprägter Durchfallsymptomatik (ohne Fieber und Blutabgang) können Motilitätshemmer eingesetzt werden. Der Einsatz soll nur kurzfristig (maximal 2 Tage) erfolgen. Reisende sollen vorab aufgeklärt werden, dass es sich hierbei um eine symptomatische und nicht kausale Therapie handelt. Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Einnahme von Motilitätshemmern bei schwerer Reisediarrhö mit Fieber und Blutabgang kontraindiziert ist.

Empfehlung 7.11

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Reiseberatung zur Prophylaxe der Reisediarrhö

Die Reiseberatung zur Prophylaxe der Reisediarrhö sollte folgende Informationen enthalten: Bedeutung und Häufigkeit der Reisediarrhö, Betonung der Nahrungsmittelhygiene, individuelle Risikofaktoren und das Herausstellen der Primärtherapie mit oraler Rehydration. Zur Nachhaltigkeit der vermittelten Empfehlung sollten schriftliche Informationen mitgegeben werden.

Empfehlung 7.12

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


Stellenwert von Probiotika zur Prophylaxe der CDI

Eine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Probiotika kann nicht gegeben werden.

(siehe auch Empfehlung 4.7 und 5.25)

Empfehlung 7.13

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Chemoprophylaxe

Eine antimikrobielle Chemoprophylaxe der Reisediarrhö soll generell nicht durchgeführt werden.

Neue und modifizierte Empfehlungen

3. Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis

Empfehlung 3.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Keine routinemäßige Erregerdiagnostik

Eine Erregerdiagnostik soll nur dann durchgeführt werden, wenn sich aus dem Ergebnis erwartungsgemäß medizinische, organisatorische oder melderechtliche Konsequenzen ergeben.

Empfehlung 3.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Indikationen zur Erregerdiagnostik

Bei Verdacht auf eine infektiöse Gastroenteritis sollte insbesondere in folgenden Situationen eine Erregerdiagnostik erfolgen:

  • blutige Diarrhö
  • schweres Krankheitsbild (z. B. Fieber, Dehydrierung, SIRS/Sepsis, HUS)
  • Dauer der Diarrhö länger als 14 Tage
  • Komorbiditäten, die bei einer infektiösen Gastroenteritis mit einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert sind
  • Immundefizienz
  • Antibiotikaeinnahme innerhalb der letzten 3 Monate oder sonstige Risikofaktoren für eine C. difficile-Infektion (siehe Empfehlung 3.5)
  • nosokomiale Diarrhö
  • vor Einleitung einer empirischen antibiotischen Therapie der Durchfallerkrankung
  • Arbeit in Nahrungsmittelverarbeitung oder Gemeinschaftseinrichtung
  • Fallhäufung (≥ 2 Fälle) mit vermutetem epidemiologischem Zusammenhang

Empfehlung 3.3

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der Erregerdiagnostik

Die sich aus Empfehlung 3.1 und 3.2 ergebende Basisdiagnostik sollte Untersuchungen auf Campylobacter, Salmonellen, Rotaviren und Noroviren umfassen (Ausnahme nosokomiale Diarrhö, siehe Kapitel "Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile").

Empfehlung 3.4

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Diagnostik bei Verdacht auf Clostridioides difficile

Der diagnostische Algorithmus bei Verdacht auf Clostridioides difficile-Infektion soll sowohl ein hoch sensitives als auch ein hoch spezifisches Testverfahren beinhalten.

Empfehlung 3.5

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


Stellenwert nicht-mikrobiologischer Diagnostik

Zur Klärung der Ätiologie und/oder zur Einschätzung der Schwere des Krankheitsbildes, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren (siehe Empfehlung 3.2), kann die Diagnostik um laborchemische, bildgebende und/oder endoskopische Verfahren erweitert werden.

Empfehlung 3.6

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Gestuftes Vorgehen der Erregerdiagnostik

Der mikrobiologische Nachweis von Durchfallerregern erfolgt aus Stuhlproben und in Ausnahmefällen aus Rektalabstrichen.

Zur ätiologischen Klärung bei akuter Gastroenteritis sollte im Regelfall 1 Stuhlprobe auf relevante Erreger untersucht werden.

Das Spektrum der angeforderten Untersuchungen sollte der klinischen Symptomatik, Anamnese und der epidemiologischen Situation angepasst sein und die Diagnostik in Stufen erfolgen.

Bei Verdacht auf eine Parasitose sollten in der Regel 3 Proben aus unterschiedlichen Stuhlgängen untersucht werden.

Empfehlung 3.7

Neu 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Der Einsatz einer molekularen Gastroenteritis-Panel-Diagnostik

Nukleinsäuren-basierte Nachweisverfahren, die eine simultane Testung auf einer Vielzahl von bakteriellen, viralen und parasitären Enteropathogenen leisten (sogenannte „Gastroenteritis-Panels“), sind kein Bestandteil der Basisdiagnostik. In begründeten Einzelfällen können sie zusätzlich eingesetzt werden.

Empfehlung 3.8

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Maßnahmen bei Entlassung aus dem Krankenhaus

Bei Patienten, die mit einer infektiösen Gastroenteritis im Krankenhaus betreut wurden, sollte vor Entlassung, insbesondere wenn die Entlassung in eine Gemeinschaftseinrichtung erfolgt, eine ärztliche Einschätzung der Kontagiosität durchgeführt werden.

[1. Klug entscheiden]

Empfehlung 3.9

Modifiziert 2023

Empfehlung

Konsens


Chronische Diarrhö

Bei chronischer Diarrhö sollte eine infektiöse Ursache ausgeschlossen werden.
4. Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen

Empfehlung 4.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute infektiöse Gastroenteritis (AGE) ist durch eine plötzliche Änderung der Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz über das individuell übliche Maß hinaus (über 3x täglich) und fakultativ auch mit Erbrechen und Fieber gekennzeichnet und soll primär mit einer ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution behandelt werden.

Empfehlung 4.2

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine stationäre Aufnahme von Patienten mit akuter Gastroenteritis soll erfolgen bei schwerer Dehydration (> 9 % Körpergewicht), Kreislaufschock, Bewusstseinsstörungen, unkontrollierbarem Erbrechen, gescheiterter oraler Rehydration und/oder drohender Dekompensation.

Empfehlung 4.3

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer akuten Gastroenteritis ohne Dehydration sollten keine spezifischen diätetischen Restriktionen empfohlen werden.

Empfehlung 4.4

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Eine orale Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten sollte, wenn möglich, auch bei stationären Patienten einer parenteralen Substitution vorgezogen werden.

[2. Klug entscheiden]

Empfehlung 4.5

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Die Rehydration soll unter Berücksichtigung der Bilanzierung, Urinproduktion, Kreislaufparameter, ggf. über Gewichtskontrolle, erfolgen. Mit der Evaluierung der oralen Rehydration soll zu Hause, in der Pflegeeinrichtung bzw. Krankenhaus unverzüglich begonnen werden.
  • Bei Hypovolämie sollen bis zu 4 Liter orale Rehydrationslösung (ORL) in den ersten 4 Stunden unter Berücksichtigung der kardialen Funktion verabreicht werden.

Empfehlung 4.6

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine intravenöse Rehydration soll erfolgen:

  • Bei > 10 % Gewichtsverlust
  • bei Scheitern einer oralen oder nasogastralen Rehydration
  • bei persistierendem Erbrechen (> 5x/Tag)
  • bei Schockzustand
  • bei Vigilanzeinschränkung / Aspirationsgefahr
  • bei schwerer Azidose (pH < 7,25; BE < -15mmol/l) oder Hypo- oder Hypernatriämie
  • bei Symptomen eines Ileus/Passagestörung

Empfehlung 4.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Probiotika sollen bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Antiemetika können im Erwachsenenalter kurzfristig zum Einsatz kommen
  • Antiemetika sollen im Kindesalter nicht zur Therapie der akuten Gastroenteritis verwendet werden.

Empfehlung 4.9

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Loperamid kann bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für < 48 Stunden verwendet werden.

Empfehlung 4.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Loperamid soll bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die anderen erhältlichen Antidiarrhoika wie z. B. pflanzliche Substanzen (Uzara, getrocknetes Apfelpulver) oder Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe sollen bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.12

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine symptomatische analgetische/spasmolytische Therapie kann gemäß des Stufenschemas der WHO mit Paracetamol, Opioiden sowie Butylscopolamin intravenös durchgeführt werden.

Empfehlung 4.14

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

[3. Klug entscheiden]

Empfehlung 4.15

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Die initiale empirische antimikrobielle Therapie sollte - nach Durchführung einer Erregerdiagnostik - mit Azithromycin (500 mg/d p. o. für 3 Tage oder 1000 mg p. o. Einmaldosis) erfolgen.

Empfehlung 4.16

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Als Alternative kann ein Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor i. v. gegeben werden.

Empfehlung 4.17

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Cephalosporine der Gruppe 3a (z. B. Ceftriaxon) sollten aufgrund sehr häufiger Resistenzen bei Campylobacter nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Fluorchinolone sollen in der Erstlinie zur empirischen Therapie nicht mehr verwendet werden.

Empfehlung 4.19

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Bei Noro- oder Rotavirusnachweis ist keine spezifische Therapie außer einer Rehydration notwendig (s. Empfehlung 6.12).

Empfehlung 4.20

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Metronidazol hat keinen Stellenwert in der empirischen antiinfektiven Therapie der akuten Gastroenteritis.

Empfehlung 4.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter Campylobacter-Infektion soll keine antimikrobielle Therapie eingeleitet werden, wenn es bis zum Erhalt des mikrobiologischen Nachweises bereits zu einer Besserung der klinischen Symptome gekommen ist.
  • Nur bei schwerem Krankheitsbild und fehlender klinischer Besserung sollte eine antimikrobielle Therapie mit Azithromycin 1000 mg p. o. einmalig (Kontraindikationen beachten) eingeleitet werden. Nach vorliegendem Antibiogramm ist die Therapie zu evaluieren.

Empfehlung 4.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion ohne Hinweis auf systemische Infektion soll in der Regel keine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden
  • Eine antimikrobielle Therapie soll bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion in folgenden Fällen erfolgen:
  • Nachweis einer Bakteriämie und bei Zeichen systemischer Infektion (z. B. Fieber > 38.5°C) zum Zeitpunkt anhaltender klinischer Beschwerden
  • Zusätzlich soll eine antiinfektive Therapie in ausreichender Dauer bei positiver Blutkultur und/oder Gefäßprothesen/Fremdmaterial mit Gefahr der septischen Absiedlung erfolgen.

Empfehlung 4.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei STEC/EHEC Nachweis soll keine antibiotische Therapie stattfinden, außer es liegen zusätzliche extraintestinale Infektionen vor.
  • Eine „Eradikation“ von Erregern bei asymptomatischen STEC-Trägern soll nicht durchgeführt werden.

Empfehlung 4.24

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei Nachweis einer akuten Shigellen-Infektion soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden, falls noch klinische Symptome bestehen. Hierdurch sollen schwere Verläufe vermieden werden und die Infektiosität beendet werden.
  • Die antimikrobielle Therapie soll in Abhängigkeit von der Resistenztestung erfolgen. In Frage kommen Azithromycin (500 mg/Tag p. o.) für 3 Tage, Ceftriaxon (2 g/Tag i. v.) für 5 Tage oder Pivmecillinam 3x400 mg p. o. für 5 Tage.

Empfehlung 4.25

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Bei akuter Yersinien-Infektion ohne Hinweis auf Sepsis oder komplizierten Verlauf soll keine antimikrobielle Therapie erfolgen.
  • Bei schwerer oder protrahierter Symptomatik kann, bei Bakteriämie/Sepsis soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden (Antibiogramm beachten)
    • Ceftriaxon (2 g/Tag i. v. für 7 – 14 Tage), bei Allergie Ciprofloxacin 3 x 400 mg i. v. für insgesamt 7 – 14 Tage
5. Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile

Empfehlung 5.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ursachen der infektiösen nosokomialen Gastroenteritis

Als infektiöse Ursachen einer nosokomialen Diarrhö sollen im Rahmen der primären Labordiagnostik frühzeitig Clostridioides difficile und Noroviren abgeklärt werden.

Empfehlung 5.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Konsens


Diagnostik bei Norovirus-Ausbrüchen

Im Rahmen von Norovirus-Ausbrüchen sollte die Diagnose weiterer Infektionsfälle rein klinisch gestellt werden.

Empfehlung 5.3

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Definition und Prädiktion der schweren CDI

Eine CDI wird als schwer klassifiziert, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • Fieber, definiert als > 38,5°C
  • Leukozytose, definiert als > 15 x 109/L
  • Anstieg des Serumkreatinins auf > 50 % des Ausgangswertes
Die komplizierte (oder fulminante) CDI ist gekennzeichnet durch das Vorliegen mindestens eines der folgenden Kriterien:

  • Hypotension (systolischer Blutdruck < 100 mmHg)
  • Septischer Schock
  • Erhöhtes Serum Laktat (≥ 20 mg/dl bzw. ≥ 2,2 mmol/l)
  • Ileus
  • Toxisches Megakolon
  • Perforation
  • Fulminante Krankheitsdynamik
Die wichtigsten Prädiktoren für die Vorhersage einer schweren CDI sind:

  • Alter >65 Jahre
  • Multiple signifikante Komorbidität (z. B. Niereninsuffizienz, Immunsuppression u.a.)

Empfehlung 5.4

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei Vorliegen einer nosokomialen Gastroenteritis sollten folgende supportive Maßnahmen ergriffen werden:

  • Substitution von Volumen (kristalloide Lösungen) und Elektrolyten
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Absetzen der auslösenden Antibiotika (falls möglich)
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Verzicht auf Motilitätshemmer, inklusive Opiate (soweit möglich)
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Verzicht auf Protonenpumpeninhibitoren erwägen

Empfehlung 5.5

Modifiziert 2023

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Antimikrobielle Therapie der Clostridioides difficile-Infektion

Folgende Empfehlungen gelten für die Therapie-Indikation bei CDI:

  • Nur bei leichtem Krankheitsbild kann bei Patienten ohne Risikofaktoren nach Absetzen des auslösenden Antibiotikums und unter engmaschiger klinischer Beobachtung der Spontanverlauf abgewartet und auf eine spezifische Therapie verzichtet werden.
  • In allen anderen Fällen sollte frühzeitig eine spezifische Therapie initiiert werden.
  • Bei schwerem Krankheitsbild und hochgradigem Verdacht auf eine CDI kann eine spezifische Therapie bereits unmittelbar im Anschluss an die Abgabe einer Stuhlprobe zur Diagnostik eingeleitet werden.

Empfehlung 5.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Risikofaktoren für eine rezidivierende CDI

In der Betreuung von Patienten mit CDI soll eine sorgfältige Abschätzung des Rezidivrisikos erfolgen, da dies Einfluss auf die therapeutische Entscheidung hat (siehe Tabelle im Hintergrundtext).

Empfehlung 5.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Primärtherapie der Clostridioides difficile-Infektion: Antibiotika

Für die spezifische Primärtherapie der CDI werden folgende Empfehlungen gegeben:

  • Die Primärtherapie soll mit Fidaxomicin 2 x 200 mg / Tag p. o. oder Vancomycin 4 x 125 mg / Tag p. o. über 10 Tage erfolgen.

Empfehlung 5.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko soll Fidaxomicin eingesetzt werden (siehe Empfehlung 5.14 – 5.16).

Empfehlung 5.9

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Eine Behandlung mit Metronidazol 3 x 400 mg / Tag p. o. über 10 Tage kann bei nicht schwerem Krankheitsbild, fehlenden Risikofaktoren für einen schweren Verlauf und guter Compliance des Patienten erwogen werden.

Empfehlung 5.10

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko kann eine zusätzliche Behandlung mit Bezlotoxumab* (einmalig 10 mg/kg KG i. v.) zur Sekundärprophylaxe erfolgen.


*seit Januar 2024 in Deutschland nicht mehr verfügbar, in Einzelfällen über die internationale Apotheke zu bestellen

Empfehlung 5.11

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Wenn keine enterale Therapie möglich ist, kann eine parenterale Therapie mit Metronidazol 3 x 500 mg i. v. / Tag oder Tigecyclin 2 x 50 mg i. v. / Tag (Startdosis 100 mg i. v.) erfolgen.

Empfehlung 5.12

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie der schweren und/oder komplizierten CDI

  • Im Falle einer komplizierten CDI (siehe Empfehlung 5.3) sollte notfallmäßig eine chirurgische Vorstellung erfolgen.

Empfehlung 5.13

Neu 2023

Empfehlung

Konsens


  • Bei Patienten mit signifikanter Kolondilatation (> 6 cm) und/oder (Sub-) Ileus sollte eine enterale Therapie via Sonde mit Fidaxomicin oder Vancomycin (antegrad per Magen-/Duodenalsonde oder retrograd per Kolonsonde) durchgeführt werden.

Empfehlung 5.14

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Rezidiven

Für die Therapie des ersten Rezidivs einer CDI gelten folgende Empfehlungen:

  • Wurde die initiale Episode mit Vancomycin oder Metronidazol behandelt, sollte eine Therapie mit Fidaxomicin (2 x 200 mg p. o. / Tag über 10 Tage) erfolgen.

Empfehlung 5.15

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Wurde die initiale Episode mit Fidaxomicin behandelt, kann das Rezidiv zusätzlich zur Therapie mit Fidaxomicin mit Bezlotoxumab* (einmalig 10 mg/kg KG i. v.) als Sekundärprophylaxe behandelt werden.
*seit Januar 2024 in Deutschland nicht mehr verfügbar, in Einzelfällen über die internationale Apotheke zu bestellen

Empfehlung 5.16

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Für die Therapie einer multipel rezidivierenden CDI gilt folgende Empfehlung:

  • Bei multiplen Rezidiven kann ein fäkaler Mikrobiotatransfer (FMT) im Anschluss an eine Standardtherapie erfolgen.

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Hygienemaßnahmen bei infektiöser Gastroenteritis

Bei Verdacht auf oder bestätigte infektiöse Gastroenteritis sollen folgende über die Standardhygiene hinausgehenden Maßnahmen ergriffen werden (Kontaktisolierung):

  • Patienten sollen im Einzelzimmer (mit eigener Nasszelle) untergebracht werden; bei Ausbrüchen ggf. Kohortenisolierung.

Empfehlung 5.19

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Wenn eine Einzelunterbringung nicht möglich ist, kann auch eine Unterbringung im Mehrbettzimmer erfolgen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Hygienemaßnahmen adäquat eingehalten werden: Strikte Händedesinfektion (idealerweise zusätzlich Waschen der Hände mit Seife), Kittel- und Handschuhpflege.

Empfehlung 5.20

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollen eine eigene Toilette benutzen.

Empfehlung 5.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei direktem Kontakt mit dem Patienten oder der patientennahen Umgebung sollen Schutzkittel und Handschuhe getragen werden.

Empfehlung 5.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei zusätzlichem Erbrechen soll ein Mund-/Nasenschutz getragen werden.

Empfehlung 5.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Geräte wie Stethoskop, RR-Manschette etc. sollen patientenbezogen eingesetzt werden.

Empfehlung 5.24

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollten bis 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptomatik kontaktisoliert werden.

Empfehlung 5.25

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Stellenwert von Probiotika zur Prophylaxe der CDI

Eine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Probiotika kann nicht gegeben werden.

Empfehlung 5.26

Neu 2023

Starker Konsens


Stellenwert von Antibiotika zur Prophylaxe der CDI

Der prophylaktische Einsatz von Clostridioides difficile-spezifischen Antibiotika zur Prävention einer Clostridioides difficile-Erkrankung wird nicht empfohlen.
6. Diarrhö bei Immundefizienz

Empfehlung 6.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz und Diarrhö soll eine Medikamentenanamnese im Hinblick auf potenzielle Ursachen der Diarrhö erhoben werden und ggf. eine Umstellung, Dosisanpassung oder Pausieren dieser Medikamente erfolgen.

Empfehlung 6.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz sollten Besonderheiten hinsichtlich Erregerspektrum, Verlauf und Therapie/Prävention infektiöser Enteritiden beachtet werden.

Empfehlung 6.3

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Erweiterte Stufendiagnostik

Bei Patienten mit Immundefizienz und Diarrhö soll eine erweiterte Diagnostik stufenweise in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf durchgeführt werden.

Empfehlung 6.5

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Supportive Maßnahmen

Maßnahmen zur Verbesserung der reduzierten Immunfunktion sollten geprüft werden.

Empfehlung 6.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische antiinfektive Therapie (identisch mit Empfehlung 4.14 dieser Leitlinie)

Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

Empfehlung 6.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


CMV-Enterocolitis

Bei immundefizienten Patienten mit nachgewiesener CMV-Enterocolitis soll eine antivirale Therapie durchgeführt werden.

Empfehlung 6.8

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Vorgehen bei Adenovirus-Infektion

Bei immundefizienten Patienten mit schwerem Krankheitsbild kann eine frühzeitige antivirale Therapie der Adenovirus-Infektion erwogen werden. Eine etablierte Therapie der Adenovirus-Infektion existiert nicht.

Empfehlung 6.9

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Mykobakterium Avium Komplex

Die Therapie einer Mycobacterium avium Komplex (MAK) Infektion sollte in Rücksprache mit einer/m Kollegen/in mit infektiologischer Expertise mit Clarithromycin, Ethambutol und Rifabutin erfolgen. Medikamenteninteraktionen sind zu beachten.

Empfehlung 6.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


Therapie von Clostridioides difficile

Die Therapie der Clostridioides difficile-Infektion soll bei immundefizienten Patienten primär mit Fidaxomicin oder alternativ Vancomycin erfolgen.

Empfehlung 6.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Kryptosporidien

Die Verbesserung des Immunstatus ist die wirksamste Maßnahme zur Behandlung der intestinalen Kryptosporidiose. Diese soll angestrebt werden.

Empfehlung 6.12

Neu 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Therapie von Noroviren

Eine gesicherte Therapie-Empfehlung der Infektion mit Noroviren kann nicht ausgesprochen werden. Im Vordergrund stehen die symptomatische Therapie und Maßnahmen zur Verbesserung des Immunstatus.

Empfehlung 6.13

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Isolationsmaßnahmen

Hygienemaßnahmen sollten die Langzeit- und Dauerausscheidung der Erreger bei immundefizienten Patienten in Betracht ziehen.
7. Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern

Empfehlung 7.1

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Definition

Eine Reisediarrhö liegt bei ≥ 3 ungeformten Stühlen pro Tag im Reiseland vor. Wenn eine Diarrhö nach Reiseende persistiert, wird von einer Diarrhö beim Reiserückkehrer gesprochen.

Zur Abgrenzung leichterer von klinisch schwereren und möglicherweise komplikationsträchtigen Verläufen einer Reisediarrhö sollten folgende Parameter herangezogen werden: fieberhafte Durchfallepisoden, blutige Diarrhö, vorbestehende Komorbidität (Immunsuppression etc.) und das Alter des Patienten (Risikogruppen: Säuglinge, Senioren).

Empfehlung 7.2

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ätiologie

Das Erregerspektrum der Reisediarrhö unterscheidet sich vom Spektrum der ambulant erworbenen Diarrhö in Mitteleuropa. Bei der Reisediarrhö sollen je nach Reiseregion folgende Erreger stärker bedacht werden: Enterotoxin-bildende E. coli-Stämme (ETEC), andere pathogene E. coli-Stämme (EAEC, EIEC), Shigellen und Protozoen (Lamblien, E. histolytica). In den letzten Jahren werden zunehmend auch Noroviren bei Reisenden beschrieben.

Empfehlung 7.5

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der mikrobiologischen Diagnostik

Beim Reiserückkehrer mit fieberhafter und/oder blutiger Diarrhö soll eine Stuhldiagnostik auf bakterielle Erreger (Shigellen, Campylobacter, Salmonellen) und Amöben (Entamoeba histolytica) erfolgen.

Empfehlung 7.6

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Mikrobiologische Diagnostik bei persistierender Reisediarrhö

Bei persistierender Diarrhö (> 14 Tage) nach vorangegangener Fernreise sollte eine Diagnostik zum Ausschluss folgender Erreger oder Erkrankungen erfolgen: Bakterielle Erreger (Shigellen, Salmonellen, Campylobacter), Amöben (Entamoeba histolytica), Lamblien (Giardia lamblia).

Eine zusätzliche Diagnostik sollte in speziellen klinischen Situationen zum Ausschluss folgender Erreger oder Erkrankungen erfolgen:

a) Bei initial erfolgloser Diagnostik und insbesondere bei Immunsuppression:

    • Yersinien, Mykobakterien, Kryptosporidien, Cyclospora, Mikrosporidien, Cystoisospora belli und Helminthen.
b) Bei vorangegangener Antibiotikatherapie oder Chemotherapie:

    • Clostridioides difficile
c) Bei Eosinophilie

    • Strongyloides stercoralis, Isospora belli
d) Bei Langzeitaufenthalt im Reiseland:

    • Tropische Sprue
e) spezifische Erreger-Diagnostik bei besonderem Risikoprofil

Empfehlung 7.7

Modifiziert 2023

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Eine empirische Antibiotikatherapie sollte bei Diarrhö mit Fieber und/oder Blutabgängen oder bei Risikopatienten für Komplikationen eingesetzt werden.

In der Therapie sollte eine möglichst kurze Therapiedauer gewählt werden (Azithromycin 1 x 1000 mg p. o. als Einzeldosis). Bei nicht blutiger Diarrhö kann auch Rifamycin oder Rifaximin als nicht resorbierbares Antibiotikum eingesetzt werden.

Empfehlung 7.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Entamoeba histolytica soll eine mikrobielle Diagnostik vor Beginn der antibiotischen Therapie durchgeführt werden. Bei schwerem Krankheitsbild ist auch eine empirische Therapie nach Einleitung der Diagnostik gerechtfertigt. Zur Therapie soll eine Behandlung mit Metronidazol (3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3 x 800 mg) i. v. oder p. o. über 10 Tage und anschließend zur Zystenelimination Paromomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag p. o. über 7 – 10 Tage durchgeführt werden.

Empfehlung 7.9

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Selbsttherapie

Zur Selbsttherapie der Reisediarrhö im Reiseland soll eine ausführliche Aufklärung vor der Reise erfolgen. Der Reisende soll darauf hingewiesen werden, dass die Reisediarrhö in den meisten Fällen mild und selbstlimitierend ist. Als Primärtherapie soll die orale Rehydration empfohlen werden.

Empfehlung 7.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei ausgeprägter Durchfallsymptomatik (ohne Fieber und Blutabgang) können Motilitätshemmer eingesetzt werden. Der Einsatz soll nur kurzfristig (maximal 2 Tage) erfolgen. Reisende sollen vorab aufgeklärt werden, dass es sich hierbei um eine symptomatische und nicht kausale Therapie handelt. Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Einnahme von Motilitätshemmern bei schwerer Reisediarrhö mit Fieber und Blutabgang kontraindiziert ist.

Empfehlung 7.11

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Reiseberatung zur Prophylaxe der Reisediarrhö

Die Reiseberatung zur Prophylaxe der Reisediarrhö sollte folgende Informationen enthalten: Bedeutung und Häufigkeit der Reisediarrhö, Betonung der Nahrungsmittelhygiene, individuelle Risikofaktoren und das Herausstellen der Primärtherapie mit oraler Rehydration. Zur Nachhaltigkeit der vermittelten Empfehlung sollten schriftliche Informationen mitgegeben werden.

Empfehlung 7.12

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


Stellenwert von Probiotika zur Prophylaxe der CDI

Eine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Probiotika kann nicht gegeben werden.

(siehe auch Empfehlung 4.7 und 5.25)

Empfehlung 7.13

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Chemoprophylaxe

Eine antimikrobielle Chemoprophylaxe der Reisediarrhö soll generell nicht durchgeführt werden.

Starke Empfehlung und Empfehlungsgrad A

3. Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis

Empfehlung 3.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Keine routinemäßige Erregerdiagnostik

Eine Erregerdiagnostik soll nur dann durchgeführt werden, wenn sich aus dem Ergebnis erwartungsgemäß medizinische, organisatorische oder melderechtliche Konsequenzen ergeben.

Empfehlung 3.4

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Diagnostik bei Verdacht auf Clostridioides difficile

Der diagnostische Algorithmus bei Verdacht auf Clostridioides difficile-Infektion soll sowohl ein hoch sensitives als auch ein hoch spezifisches Testverfahren beinhalten.
4. Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen

Empfehlung 4.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute infektiöse Gastroenteritis (AGE) ist durch eine plötzliche Änderung der Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz über das individuell übliche Maß hinaus (über 3x täglich) und fakultativ auch mit Erbrechen und Fieber gekennzeichnet und soll primär mit einer ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution behandelt werden.

Empfehlung 4.2

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine stationäre Aufnahme von Patienten mit akuter Gastroenteritis soll erfolgen bei schwerer Dehydration (> 9 % Körpergewicht), Kreislaufschock, Bewusstseinsstörungen, unkontrollierbarem Erbrechen, gescheiterter oraler Rehydration und/oder drohender Dekompensation.

Empfehlung 4.5

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Die Rehydration soll unter Berücksichtigung der Bilanzierung, Urinproduktion, Kreislaufparameter, ggf. über Gewichtskontrolle, erfolgen. Mit der Evaluierung der oralen Rehydration soll zu Hause, in der Pflegeeinrichtung bzw. Krankenhaus unverzüglich begonnen werden.
  • Bei Hypovolämie sollen bis zu 4 Liter orale Rehydrationslösung (ORL) in den ersten 4 Stunden unter Berücksichtigung der kardialen Funktion verabreicht werden.

Empfehlung 4.6

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine intravenöse Rehydration soll erfolgen:

  • Bei > 10 % Gewichtsverlust
  • bei Scheitern einer oralen oder nasogastralen Rehydration
  • bei persistierendem Erbrechen (> 5x/Tag)
  • bei Schockzustand
  • bei Vigilanzeinschränkung / Aspirationsgefahr
  • bei schwerer Azidose (pH < 7,25; BE < -15mmol/l) oder Hypo- oder Hypernatriämie
  • bei Symptomen eines Ileus/Passagestörung

Empfehlung 4.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Probiotika sollen bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Antiemetika können im Erwachsenenalter kurzfristig zum Einsatz kommen
  • Antiemetika sollen im Kindesalter nicht zur Therapie der akuten Gastroenteritis verwendet werden.

Empfehlung 4.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Loperamid soll bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die anderen erhältlichen Antidiarrhoika wie z. B. pflanzliche Substanzen (Uzara, getrocknetes Apfelpulver) oder Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe sollen bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Empfehlung 4.14

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

[3. Klug entscheiden]

Empfehlung 4.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Fluorchinolone sollen in der Erstlinie zur empirischen Therapie nicht mehr verwendet werden.

Empfehlung 4.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter Campylobacter-Infektion soll keine antimikrobielle Therapie eingeleitet werden, wenn es bis zum Erhalt des mikrobiologischen Nachweises bereits zu einer Besserung der klinischen Symptome gekommen ist.
  • Nur bei schwerem Krankheitsbild und fehlender klinischer Besserung sollte eine antimikrobielle Therapie mit Azithromycin 1000 mg p. o. einmalig (Kontraindikationen beachten) eingeleitet werden. Nach vorliegendem Antibiogramm ist die Therapie zu evaluieren.

Empfehlung 4.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion ohne Hinweis auf systemische Infektion soll in der Regel keine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden
  • Eine antimikrobielle Therapie soll bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion in folgenden Fällen erfolgen:
  • Nachweis einer Bakteriämie und bei Zeichen systemischer Infektion (z. B. Fieber > 38.5°C) zum Zeitpunkt anhaltender klinischer Beschwerden
  • Zusätzlich soll eine antiinfektive Therapie in ausreichender Dauer bei positiver Blutkultur und/oder Gefäßprothesen/Fremdmaterial mit Gefahr der septischen Absiedlung erfolgen.

Empfehlung 4.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei STEC/EHEC Nachweis soll keine antibiotische Therapie stattfinden, außer es liegen zusätzliche extraintestinale Infektionen vor.
  • Eine „Eradikation“ von Erregern bei asymptomatischen STEC-Trägern soll nicht durchgeführt werden.

Empfehlung 4.24

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei Nachweis einer akuten Shigellen-Infektion soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden, falls noch klinische Symptome bestehen. Hierdurch sollen schwere Verläufe vermieden werden und die Infektiosität beendet werden.
  • Die antimikrobielle Therapie soll in Abhängigkeit von der Resistenztestung erfolgen. In Frage kommen Azithromycin (500 mg/Tag p. o.) für 3 Tage, Ceftriaxon (2 g/Tag i. v.) für 5 Tage oder Pivmecillinam 3x400 mg p. o. für 5 Tage.

Empfehlung 4.25

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Bei akuter Yersinien-Infektion ohne Hinweis auf Sepsis oder komplizierten Verlauf soll keine antimikrobielle Therapie erfolgen.
  • Bei schwerer oder protrahierter Symptomatik kann, bei Bakteriämie/Sepsis soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden (Antibiogramm beachten)
    • Ceftriaxon (2 g/Tag i. v. für 7 – 14 Tage), bei Allergie Ciprofloxacin 3 x 400 mg i. v. für insgesamt 7 – 14 Tage
5. Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile

Empfehlung 5.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ursachen der infektiösen nosokomialen Gastroenteritis

Als infektiöse Ursachen einer nosokomialen Diarrhö sollen im Rahmen der primären Labordiagnostik frühzeitig Clostridioides difficile und Noroviren abgeklärt werden.

Empfehlung 5.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Risikofaktoren für eine rezidivierende CDI

In der Betreuung von Patienten mit CDI soll eine sorgfältige Abschätzung des Rezidivrisikos erfolgen, da dies Einfluss auf die therapeutische Entscheidung hat (siehe Tabelle im Hintergrundtext).

Empfehlung 5.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Primärtherapie der Clostridioides difficile-Infektion: Antibiotika

Für die spezifische Primärtherapie der CDI werden folgende Empfehlungen gegeben:

  • Die Primärtherapie soll mit Fidaxomicin 2 x 200 mg / Tag p. o. oder Vancomycin 4 x 125 mg / Tag p. o. über 10 Tage erfolgen.

Empfehlung 5.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko soll Fidaxomicin eingesetzt werden (siehe Empfehlung 5.14 – 5.16).

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Hygienemaßnahmen bei infektiöser Gastroenteritis

Bei Verdacht auf oder bestätigte infektiöse Gastroenteritis sollen folgende über die Standardhygiene hinausgehenden Maßnahmen ergriffen werden (Kontaktisolierung):

  • Patienten sollen im Einzelzimmer (mit eigener Nasszelle) untergebracht werden; bei Ausbrüchen ggf. Kohortenisolierung.

Empfehlung 5.20

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollen eine eigene Toilette benutzen.

Empfehlung 5.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei direktem Kontakt mit dem Patienten oder der patientennahen Umgebung sollen Schutzkittel und Handschuhe getragen werden.

Empfehlung 5.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei zusätzlichem Erbrechen soll ein Mund-/Nasenschutz getragen werden.

Empfehlung 5.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Geräte wie Stethoskop, RR-Manschette etc. sollen patientenbezogen eingesetzt werden.
6. Diarrhö bei Immundefizienz

Empfehlung 6.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz und Diarrhö soll eine Medikamentenanamnese im Hinblick auf potenzielle Ursachen der Diarrhö erhoben werden und ggf. eine Umstellung, Dosisanpassung oder Pausieren dieser Medikamente erfolgen.

Empfehlung 6.3

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Erweiterte Stufendiagnostik

Bei Patienten mit Immundefizienz und Diarrhö soll eine erweiterte Diagnostik stufenweise in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf durchgeführt werden.

Empfehlung 6.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische antiinfektive Therapie (identisch mit Empfehlung 4.14 dieser Leitlinie)

Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

Empfehlung 6.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


CMV-Enterocolitis

Bei immundefizienten Patienten mit nachgewiesener CMV-Enterocolitis soll eine antivirale Therapie durchgeführt werden.

Empfehlung 6.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


Therapie von Clostridioides difficile

Die Therapie der Clostridioides difficile-Infektion soll bei immundefizienten Patienten primär mit Fidaxomicin oder alternativ Vancomycin erfolgen.

Empfehlung 6.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Kryptosporidien

Die Verbesserung des Immunstatus ist die wirksamste Maßnahme zur Behandlung der intestinalen Kryptosporidiose. Diese soll angestrebt werden.
7. Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern

Empfehlung 7.2

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ätiologie

Das Erregerspektrum der Reisediarrhö unterscheidet sich vom Spektrum der ambulant erworbenen Diarrhö in Mitteleuropa. Bei der Reisediarrhö sollen je nach Reiseregion folgende Erreger stärker bedacht werden: Enterotoxin-bildende E. coli-Stämme (ETEC), andere pathogene E. coli-Stämme (EAEC, EIEC), Shigellen und Protozoen (Lamblien, E. histolytica). In den letzten Jahren werden zunehmend auch Noroviren bei Reisenden beschrieben.

Empfehlung 7.4

Geprüft 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Indikation zur mikrobiologischen Diagnostik II

Bei einem Tropenrückkehrer mit fieberhafter Diarrhö nach Reise in Malariagebiete soll eine sofortige Malariadiagnostik erfolgen. Bei jeder fieberhaften Diarrhö (> 38,5° C) sollten Blutkulturen gewonnen werden.

Empfehlung 7.5

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der mikrobiologischen Diagnostik

Beim Reiserückkehrer mit fieberhafter und/oder blutiger Diarrhö soll eine Stuhldiagnostik auf bakterielle Erreger (Shigellen, Campylobacter, Salmonellen) und Amöben (Entamoeba histolytica) erfolgen.

Empfehlung 7.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Entamoeba histolytica soll eine mikrobielle Diagnostik vor Beginn der antibiotischen Therapie durchgeführt werden. Bei schwerem Krankheitsbild ist auch eine empirische Therapie nach Einleitung der Diagnostik gerechtfertigt. Zur Therapie soll eine Behandlung mit Metronidazol (3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3 x 800 mg) i. v. oder p. o. über 10 Tage und anschließend zur Zystenelimination Paromomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag p. o. über 7 – 10 Tage durchgeführt werden.

Empfehlung 7.9

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Selbsttherapie

Zur Selbsttherapie der Reisediarrhö im Reiseland soll eine ausführliche Aufklärung vor der Reise erfolgen. Der Reisende soll darauf hingewiesen werden, dass die Reisediarrhö in den meisten Fällen mild und selbstlimitierend ist. Als Primärtherapie soll die orale Rehydration empfohlen werden.

Empfehlung 7.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei ausgeprägter Durchfallsymptomatik (ohne Fieber und Blutabgang) können Motilitätshemmer eingesetzt werden. Der Einsatz soll nur kurzfristig (maximal 2 Tage) erfolgen. Reisende sollen vorab aufgeklärt werden, dass es sich hierbei um eine symptomatische und nicht kausale Therapie handelt. Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Einnahme von Motilitätshemmern bei schwerer Reisediarrhö mit Fieber und Blutabgang kontraindiziert ist.

Empfehlung 7.13

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Chemoprophylaxe

Eine antimikrobielle Chemoprophylaxe der Reisediarrhö soll generell nicht durchgeführt werden.

Leitlinie

Gastrointestinale Infektionen

1. Informationen zur Leitlinie

Die Informationen zur Leitlinie sind in dieser digitalen Kurzfassung nicht enthalten. Sie finden diese in der Original-PDF-Fassung der Leitlinie hier.

Besonderer Hinweis:

Die Medizin unterliegt einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle Angaben, insbesondere zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren, immer nur dem Wissensstand zurzeit der Drucklegung der Leitlinie entsprechen können. Hinsichtlich der angegebenen Empfehlungen zur Therapie und der Auswahl sowie Dosierung von Medikamenten wurde in allen unseren Leitlinien die größtmögliche Sorgfalt beachtet. Gleichwohl werden die Benutzerinnen und Benutzer aufgefordert, die Beipackzettel und Fachinformationen der Hersteller zur Kontrolle heranzuziehen und im Zweifelsfall einen Spezialisten zu konsultieren. Fragliche Unstimmigkeiten sollen bitte im allgemeinen Interesse der DGVS mitgeteilt werden. Der Benutzerinnen und Benutzer selbst bleiben verantwortlich für jede diagnostische und therapeutische Applikation, Medikation und Dosierung. In allen unseren Leitlinien sind eingetragene Warenzeichen (geschützte Warennamen) nicht besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus dem Fehlen eines entsprechenden Hinweises nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Unsere Leitlinien sind in allen ihren Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Bestimmung des Urhebergesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der DGVS unzulässig und strafbar. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung reproduziert werden. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung, Nutzung und Verwertung in elektronischen Systemen, Intranets und dem Internet.

2. Methodologisches Vorgehen

Die methodischen Details sind in dieser digitalen Kurzfassung nicht enthalten.  Sie finden diese in der Original-PDF-Fassung der Leitlinie und im Leitlinienreport hier.

3. Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis

Konsensbasierte Empfehlung 3.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Keine routinemäßige Erregerdiagnostik

Eine Erregerdiagnostik soll nur dann durchgeführt werden, wenn sich aus dem Ergebnis erwartungsgemäß medizinische, organisatorische oder melderechtliche Konsequenzen ergeben.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis I

Hintergrund

Eine sorgfältige Anamneseerhebung ist die wichtigste Voraussetzung für eine evidenzbasierte und kosteneffektive Diagnostik. Die Anamnese sollte klinische, demographische und epidemiologische Faktoren aktiv erfassen * Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A., ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol, 2016. 111(5): p. 602-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27068718* Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529, die

  • möglicherweise Rückschlüsse auf Infektionsquelle und Transmissionsketten erlauben (Reiseaktivität, Nahrungsmittelanamnese, Erkrankungen im sozialen Umfeld, Tierkontakt),
  • Risikofaktoren für eine C. difficile-Infektion oder einen schweren Verlauf darstellen (Antibiotikaexposition, dysenterische Beschwerden, Fieber, Blutbeimengungen im Stuhl, Immunsuppression, Komorbiditäten)
  • eine epidemiologische Häufung erkennen lassen (Arztmeldepflicht nach §6 IfSG)
  • ggfs. zur Verhinderung weiterer Infektionen beitragen können (beruflicher Umgang mit Nahrungsmitteln, Tätigkeit im Bereich einer nicht-privaten Gemeinschaftsverpflegung; Arztmeldepflicht nach §6 und §42 IfSG).

In Übereinstimmung mit den Prinzipien des „Klug Entscheidens“ * Hasenfuß, G, Märker-Hermann, E, Hallek, M, Sieber, CC, Fölsch, UR, Klug entscheiden – evidenzbasiert.. Der Internist, 2017. 58(6): p. 525–6. sollte eine Erregerdiagnostik nur dann durchgeführt werden, wenn ihr Ergebnis erwartungsgemäß therapeutische Konsequenzen nach sich zieht, zu einer Änderung des Hygienemanagements führt oder für das öffentliche Gesundheitswesen von Bedeutung sein kann. Folgende allgemeine Gesichtspunkte sind für die Beurteilung der Indikation zur mikrobiologischen Abklärung wichtig:

  1. Die meisten Episoden einer infektiösen Gastroenteritis sind selbstlimitierend. Ihre Therapie ist supportiv. Eine Diagnostik mit Sicherung des Erregers hat meist keine therapeutische Konsequenz * Koplan, J. P., Fineberg, H. V., Ferraro, M. J., Rosenberg, M. L., Value of stool cultures. Lancet, 1980. 2(8191): p. 413-6., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6105529* Riaz, M. M., Patel, M. J., Khan, M. S., Anwar, M. A., Tariq, M., Hilal, H., et.al. Clinical characteristics and predictors of positive stool culture in adult patients with acute gastroenteritis. J Pak Med Assoc, 2012. 62(1): p. 20-4., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22352095.
  2. Die infektiöse Gastroenteritis ist ein sehr häufiges Krankheitsbild * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019, 2019. 2021:* Epple, HJ, Inefktiöse Gastroenteritis, in Referenz Gastroenterologie, 1. Auflage, J.F. Riemann, W. Fischbach, P.R. Galle, J. Mössner , Editor. 2019, Thieme: Stuttgart, New York. 1: p. 423-430. und das Spektrum möglicher auslösender Pathogene ist umfangreich (siehe Tabelle „Erreger infektiöser Gastroenteritiden mit Verweis auf Meldepflicht bei Nachweis im Stuhl“).
  3. Eine umfassende mikrobiologische Abklärung aller Patienten mit infektiöser Gastroenteritis wäre in Anbetracht des insgesamt geringen therapeutischen Nutzens gesundheitsökonomisch nicht zu vertreten.
  4. In Deutschland wird die infektiöse Gastroenteritis am häufigsten durch enteropathogene Viren verursacht. Für diese Erreger steht derzeit keine spezifische Therapie zur Verfügung.
  5. Auch infektionsepidemiologische Gründe (z. B. Ausbruchsverdacht) oder die Prävention möglicher Übertragungen (z. B. nosokomiales Auftreten, Beschäftigte in Nahrungsmittelverarbeitung) stellen mögliche Indikationen für eine Erregerdiagnostik dar. Im Rahmen einer Ausbruchsabklärung sind Isolierung und Anzucht des Erregers für die Bereitstellung des Erregers an das zuständige Nationale Referenzzentrum bzw. Konsiliarlabor von Bedeutung.

In der Regel suchen Patienten mit akuter Diarrhö im Mittel nach zwei Tagen einen Arzt auf * Caspary, W. F., Lüpke, N. P., Oldiges, F. J., Wahlke, K., Diarrhoe in der ärztlichen Praxis. Eine Bestandsaufnahme. Med. Wochenschr., 1995. 137: p. 411-5.. Wenn keine Risiken für einen schweren Verlauf erkennbar sind und keine Hinweise für einen Ausbruch oder eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit vorliegen, wird ein Zuwarten ohne spezifische Diagnostik und Therapie empfohlen * Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A., ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol, 2016. 111(5): p. 602-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27068718* Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529. Im Gegensatz zu diesem, den Spontanverlauf abwartenden Vorgehen, ist bei Patienten mit den nachfolgend in Empfehlung 3.2 aufgeführten Konstellationen eine zeitnahe diagnostische Abklärung indiziert.

Vor dem Hintergrund der Meldepflicht nach §7 IfSG für eine Reihe der in Tabelle „Erreger infektiöser Gastroenteritiden mit Verweis auf Meldepflicht bei Nachweis im Stuhl“ „Erreger infektiöser Gastroenteritiden mit Verweis auf Meldepflicht bei Nachweis im Stuhl“aufgeführten Erreger sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass der Anamneseerhebung eine besondere Bedeutung zukommt. Die namentliche Übermittlung einer akuten Erkrankung an das zuständige Gesundheitsamt wird durch das diagnostizierende Labor vollzogen (Labormeldepflicht), was jedoch die Probennahme und Anforderung einer Erregerdiagnostik durch den behandelnden Arzt voraussetzt. Für das klinische Bild des HUS und die Erkrankung sowie der Tod an einer C. difficile-Infektion mit klinisch schwerem Verlauf besteht zusätzlich eine Arztmeldepflicht nach §6 IfSG (siehe auch * Robert-Koch-Institut, Meldepflichtige Krankheiten und Krankheitserreger, 2020. 2021:).

Literatur

[1]

Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A.. ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol 2016; 111: 602-22

[2]

Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., et al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis 2017; 65: 1963-1973

[3]

Hasenfuß, G, Märker-Hermann, E, Hallek, M, Sieber, CC, Fölsch, UR. Klug entscheiden – evidenzbasiert.. Der Internist 2017; 58: 525–6

[4]

Koplan, J. P., Fineberg, H. V., Ferraro, M. J., et al. Value of stool cultures. Lancet 1980; 2: 413-6

[5]

Riaz, M. M., Patel, M. J., Khan, M. S., et al. Clinical characteristics and predictors of positive stool culture in adult patients with acute gastroenteritis. J Pak Med Assoc 2012; 62: 20-4

[6]

Robert-Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019. 2019; 2021:

[7]

Epple, HJ. Inefktiöse Gastroenteritis. Referenz Gastroenterologie, 1. Auflage 2019; 1: 423-430

[8]

Caspary, W. F., Lüpke, N. P., Oldiges, F. J., et al. Diarrhoe in der ärztlichen Praxis. Eine Bestandsaufnahme. Med. Wochenschr. 1995; 137: 411-5

[9]

Robert-Koch-Institut. Meldepflichtige Krankheiten und Krankheitserreger. 2020; 2021:

Tabelle 1: Erreger infektiöser Gastroenteritiden mit Verweis auf Meldepflicht bei Nachweis im Stuhl.

Bakterien

Verursacher einer
Lebensmittelvergiftung

Viren

Protozoen

Helminthen
(Würmer)

Escherichia coli (EC):
  • Enterotoxinbildende EC (ETEC)*
  • Enteroinvasive EC (EIEC)*
  • Enterohämorrhagische EC(EHEC)*
  • Enteropathogene EC (EPEC)*
  • Enteroaggregative EC (EAEC)*

Yersinia enterocolitica*

Y. pseudotuberculosis*

Clostridioides difficile #

Campylobacter jejuni*

Campylobacter coli*

Salmonellen*

Shigellen*

Vibrio cholerae*

Aeromonas

Plesiomonas

Listerien **

Tropheryma whipplei

Staphylococcus aureus

Bacillus cereus

Clostridioides perfringens

Rotaviren*

Adenoviren

Noroviren*

Sapoviren

Cytomegalievirus

Giardia lamblia*

Cryptosporidiumparvum

Entamoeba histolytica

Cyclospora cayetanensis

Isospora belli

Plathelminthen (Trematoden (Schistosoma), Zestoden)

Trichinellen*

Strongyloidesstercoralis

* Meldepflicht nach § 7 IfSG, # Meldepflicht nach § 6 IfSG.

** Listeria monocytogenes; Meldepflicht für Nachweis aus dem Stuhl nur bei Ausbrüchen. Ansonsten Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Blut,Liquor oder anderen normalerweise sterilen klinischen Materialien.

Konsensbasierte Empfehlung 3.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Indikationen zur Erregerdiagnostik

Bei Verdacht auf eine infektiöse Gastroenteritis sollte insbesondere in folgenden Situationen eine Erregerdiagnostik erfolgen:

  • blutige Diarrhö
  • schweres Krankheitsbild (z. B. Fieber, Dehydrierung, SIRS/Sepsis, HUS)
  • Dauer der Diarrhö länger als 14 Tage
  • Komorbiditäten, die bei einer infektiösen Gastroenteritis mit einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert sind
  • Immundefizienz
  • Antibiotikaeinnahme innerhalb der letzten 3 Monate oder sonstige Risikofaktoren für eine C. difficile-Infektion (siehe Empfehlung 3.5)
  • nosokomiale Diarrhö
  • vor Einleitung einer empirischen antibiotischen Therapie der Durchfallerkrankung
  • Arbeit in Nahrungsmittelverarbeitung oder Gemeinschaftseinrichtung
  • Fallhäufung (≥ 2 Fälle) mit vermutetem epidemiologischem Zusammenhang

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis II

Hintergrund

Wie oben ausgeführt, ergibt sich die Sinnhaftigkeit einer ätiologischen Klärung der infektiösen Gastroenteritis aufgrund individualmedizinischer Aspekte oder aus dem Schutz Dritter. Daher sollte bei Zeichen eines schweren oder protrahierten Verlaufs, bei Vorliegen von Risikofaktoren für Komplikationen und auch bei erkennbarem Risiko für eine C. difficile-Infektion eine Erregerdiagnostik durchgeführt werden * Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A., ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol, 2016. 111(5): p. 602-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27068718* Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529. Darüber hinaus ist es sinnvoll, vor Beginn einer kalkulierten Antibiotikatherapie eine Erregerdiagnostik durchzuführen, um die Vermutung eines bakteriellen Erregers gegebenenfalls zu erhärten, die antiinfektive Therapie auf den eventuell gefundenen Erreger zu fokussieren, aber auch, um bei Nachweis einer viralen Genese eine empirisch eingeleitete Antibiotikatherapie umgehend zu beenden. Die Diagnostik bei Patienten, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder lebensmittelverarbeitenden Institutionen arbeiten, dient klassischen infektionspräventiven Maßnahmen und ist bei positivem Nachweis gemäß §6 und §42 des IfSG mit einer namentlichen Meldepflicht verbunden. Ebenso ist eine Diagnostik beim Verdacht auf Ausbruchssituationen unerlässlich. Auch hier besteht nach §6 IfSG eine namentliche Meldepflicht bei Auftreten von zwei oder mehr gleichartigen Erkrankungen mit epidemiologischem Zusammenhang.

Die Dauer der Diarrhö bei einer Salmonellen- oder Campylobacter-Enteritis liegt im Mittel bei ca. 7 – 8 Tagen * Onwuezobe, I. A., Oshun, P. O., Odigwe, C. C., Antimicrobials for treating symptomatic non-typhoidal Salmonella infection. Cochrane Database Syst Rev, 2012. 11: p. CD001167., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23152205, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6532567/pdf/CD001167.pdf* Ternhag, A., Asikainen, T., Giesecke, J., Ekdahl, K., A meta-analysis on the effects of antibiotic treatment on duration of symptoms caused by infection with Campylobacter species. Clin Infect Dis, 2007. 44(5): p. 696-700., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17278062. Auch bei schwerem Krankheitsbild sistieren die Symptome meist nach 14 Tagen * Dryden, M. S., Gabb, R. J., Wright, S. K., Empirical treatment of severe acute community-acquired gastroenteritis with ciprofloxacin. Clin Infect Dis, 1996. 22(6): p. 1019-25., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8783703. Aus differentialdiagnostischen Gründen wird daher bei länger als 14 Tage anhaltender Diarrhö eine Erreger-Diagnostik empfohlen.

Unabhängig von den oben genannten Aspekten ist eine Erregerdiagnostik sinnvoll auch bei Patienten, die aufgrund einer akuten Gastroenteritis hospitalisiert werden. Zwar besteht bei Patienten mit akuter Diarrhö unabhängig eines potenziellen Erregernachweises schon per se eine Isolierungspflicht. Aus der Kenntnis des Erregers ergeben sich aber dennoch möglicherweise Konsequenzen für das Hygienemanagement im Krankenhaus (z. B. mögliche Aerosol-Übertragung bei Norovirus). Sie ist zudem hilfreich, um ein mögliches Ausbruchsgeschehen erkennen zu können.

Bezüglich Indikation und Umfang der Diagnostik bei Patienten mit nosokomialer Gastroenteritis oder Immundefizienz sei auf die Empfehlungen 5.1 und 6.2 – 6.5 verwiesen.

Literatur

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Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A.. ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol 2016; 111: 602-22

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Dryden, M. S., Gabb, R. J., Wright, S. K.. Empirical treatment of severe acute community-acquired gastroenteritis with ciprofloxacin. Clin Infect Dis 1996; 22: 1019-25

Konsensbasierte Empfehlung 3.3

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der Erregerdiagnostik

Die sich aus Empfehlung 3.1 und 3.2 ergebende Basisdiagnostik sollte Untersuchungen auf Campylobacter, Salmonellen, Rotaviren und Noroviren umfassen (Ausnahme nosokomiale Diarrhö, siehe Kapitel „Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile“).

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis III

Hintergrund

Wenn bei gegebener Indikation (siehe Empfehlung 3.2) eine Erregerdiagnostik durchgeführt wird, sollte sie die häufigsten Erreger erfassen („Basisdiagnostik“). Eine Erweiterung der Erregerdiagnostik kann bei Vorliegen bestimmter Symptome oder Risikofaktoren sinnvoll sein (siehe Tabelle).

In einer prospektiven Studie aus Berlin vom August 2005 bis August 2007 zeigte sich, dass bei Patienten mit ambulant erworbener Gastroenteritis, die zur stationären Betreuung aufgenommen wurden, Campylobacter spp. (35 %) gefolgt von Noroviren (23 %), Salmonella spp. (20 %) und Rotaviren (15 %) die häufigsten Erreger sind * Jansen, A., Stark, K., Kunkel, J., Schreier, E., Ignatius, R., Liesenfeld, O., et.al. Aetiology of community-acquired, acute gastroenteritis in hospitalised adults: a prospective cohort study. BMC Infect Dis, 2008. 8:. Unter Betrachtung der Meldezahlen nach IfSG (siehe Abbildung) und vor dem Hintergrund der begrenzten diagnostischen Sensitivität und klinischen Konsequenz sollte somit in der rationalen und rationellen Diagnostik zunächst nach diesen häufigsten Erregern gesucht werden.

In Deutschland sind Norovirus-Infektionen als häufigste Ursache der Gastroenteritis gesichert. Die Viren sind hochinfektiös und zeichnen sich durch eine hohe Umweltresistenz aus. Sie werden von infizierten Personen über den Stuhl und mit Erbrochenem ausgeschieden. Eine Übertragung kann durch Schmierinfektionen (von Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Lebensmittel bzw. Wasser) oder auch durch virushaltige Aerosole nach Erbrechen erfolgen. Norovirus-Infektionen betreffen alle Altersgruppen, aber am stärksten die Altersgruppen < 5 und > 79 Jahre, und führen besonders in den Wintermonaten zu Erkrankungen inkl. größeren Gruppenerkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen wie z. B. Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Krankenhäusern * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Norovirus-Gastroenteritis, 2008. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Noroviren.html. Zum Nachweis einer Norovirus-Infektion werden molekularbiologische Methoden (i. d. R. PCR) wegen ihrer hohen Sensitivität bevorzugt * McAuliffe, G. N., Anderson, T. P., Stevens, M., Adams, J., Coleman, R., Mahagamasekera, P., et.al. Systematic application of multiplex PCR enhances the detection of bacteria, parasites, and viruses in stool samples. J Infect, 2013. 67(2): p. 122-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23603249, dennoch haben auch ELISA-basierte Antigennachweise ihre Vorteile (geringe Kosten, einfache Handhabung * Richards, A. F., Lopman, B., Gunn, A., Curry, A., Ellis, D., Cotterill, H., et.al. Evaluation of a commercial ELISA for detecting Norwalk-like virus antigen in faeces. J Clin Virol, 2003. 26(1): p. 109-15., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12589841) bergen aber auch das Risiko von falsch positiven Ergebnissen * Lennon, G., Reidy, N., Collins, P. J., Gunn, L., Coyle, P. V., Cryan, B., et.al. A comparison of the efficiency of ELISA and selected primer sets to detect Norovirus isolates in southern Ireland over a four-year period (2002-2006): variation in detection rates and evidence for continuing predominance of NoV GII.4 genotype. Arch Virol, 2014. 159(7): p. 1697-705., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24473708* Wiechers, C., Bissinger, A. L., Hamprecht, K., Kimmig, P., Jahn, G., Poets, C. F., Apparently non-specific results found using a norovirus antigen immunoassay for fecal specimens from neonates. J Perinatol, 2008. 28(1): p. 79-81., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18165834 und sollten daher nicht als alleiniges Diagnostikum verwendet werden. Die Diagnostik ist insbesondere aus krankenhaushygienischen Gründen notwendig, da bei Verdacht auf Norovirus-Infektion bzw. bei bestätigtem Virusnachweis besondere Hygienemaßnahmen (z. B. Einzelzimmerunterbringung, Tragen eines Mundschutzes, viruzides Händedesinfektionsmittel) notwendig sind.

Die Campylobacter-Enteritis ist die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland. Die Sicherung der Diagnose durch Nachweis des Erregers erfolgt in der Regel durch Anzucht aus möglichst frischem Stuhl. Die Transportzeit der Probe ist auf Grund der Empfindlichkeit der Erreger gegenüber Temperaturschwankungen ein relevanter Faktor. Es ist grundsätzlich anzustreben, Proben für die Erregerdiagnostik im Stadium der akuten Symptomatik zu gewinnen und diese dem Labor so zeitnah wie möglich zuzustellen * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Campylobacter-Enteritis, 2018. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Campylobacter.html.

Enteritische Salmonellen sind in Deutschland der zweithäufigste bakterielle Erreger der infektiösen Gastroenteritis. Innerhalb der hier adressierten Erreger verursachen sie die höchste Mortalität * Werber, D., Hille, K., Frank, C., Dehnert, M., Altmann, D., Muller-Nordhorn, J., et.al. Years of potential life lost for six major enteric pathogens, Germany, 2004-2008. Epidemiol Infect, 2013. 141(5): p. 961-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22813426. Erkrankungen treten als sporadische Fälle, Fallhäufungen z. B. in Familien oder größere Ausbrüche auf * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Salmonellose, 2016. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Salmonellose.html. Finden sich in der Basisdiagnostik Salmonellen, sollte aus epidemiologischen Gründen (Aufdeckung von Infektionsquellen und Verfolgung von Infektionswegen und -ketten) eine Serotypisierung durchgeführt werden. Mit ca. 70 – 80 % Anteil sind S. Enteritidis und S. Typhimurium in Deutschland die beiden häufigsten Salmonellenserovare bei Infektionen des Menschen * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019, 2019. 2021:.

Die Rotavirus-bedingte Enteritis ist klinisch nicht von anderen infektionsbedingten Gastroenteritiden zu unterscheiden. Rotaviren stehen nach den Meldedaten des RKI an 3. Stelle der häufigen Gastroenteritiden verursachenden Erreger (siehe Abbildung); dieses spricht für die Diagnostik bei Patienten mit Gastroenteritis. Die Rotavirus-Gastroenteritis ist vornehmlich eine Erkrankung des Kindesalters und betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Alter < 5 Jahren. Höhere Inzidenzen waren auch bei Personen > 69 Jahren zu beobachten; in dieser Altersgruppe verstarben auch vereinzelt Personen an einer Rotavirus-Gastroenteritis * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019, 2019. 2021:. Nach der Einführung der Impfung wurde in einer australischen Studie eine Reduktion der Hospitalisierung von Kindern < 5 Jahren beobachtet, aber auch ein Anstieg ab der Altersgruppe ≥ 45 (insb. ≥ 65) Jahren * Fathima, P., Jones, M. A., Moore, H. C., Blyth, C. C., Gibbs, R. A., Snelling, T. L., Impact of rotavirus vaccines on gastroenteritis hospitalisations in Western Australia: a time-series analysis. J Epidemiol, 2020., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32801278. Ähnliche Trends (Anstieg des Altersmedians bei den Erkrankungen) werden auch in Deutschland gesehen. Bemerkenswert ist ebenso, dass in den letzten Jahren eine gestiegene Anzahl von Fällen in Ausbrüchen zu beobachten war; wobei in 2019 38 % der Ausbrüche in Pflege- und Altenheimen auftraten * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019, 2019. 2021:. Aufgrund ähnlicher Transmissionswege wie bei der Norovirusinfektion ist die Erregerdiagnostik bei der Rotavirusinfektion insbesondere auch aus Gründen der Krankenhaushygiene, bedeutsam.

Literatur

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Jansen, A., Stark, K., Kunkel, J., et al. Aetiology of community-acquired, acute gastroenteritis in hospitalised adults: a prospective cohort study. BMC Infect Dis 2008; 8:

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Werber, D., Hille, K., Frank, C., et al. Years of potential life lost for six major enteric pathogens, Germany, 2004-2008. Epidemiol Infect 2013; 141: 961-8

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Fathima, P., Jones, M. A., Moore, H. C., et al. Impact of rotavirus vaccines on gastroenteritis hospitalisations in Western Australia: a time-series analysis. J Epidemiol 2020; :

Statistik meldepflichtiger infektiöser Gastroenteritiden 2022. Im Jahr 2022 wurden 72 HUS-, 571 Listeriose- und 343 Shigellose-Erkrankungen übermittelt, die die Referenzdefinition erfüllten.

Abbildung I

Abbildung 1 aus * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019, 2019. 2021:

Literatur

[1]

Robert-Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019. 2019; 2021:

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis III

Außer Campylobacter, Salmonellen, Rota- und Noroviren gibt es weitere Gastroenteritis-Erreger, die in Deutschland autochthone Infektionen auslösen können. Aus manchen Symptomen und/oder Risikofaktoren können sich Hinweise auf das auslösende Enteropathogen ergeben. Von besonderer Bedeutung sind die blutige Diarrhö, Anzeichen eines schweren inflammatorischen Krankheitsbilds, mikroangiopathische Komplikationen, Antibiotika-Exposition, und das Vorliegen einer Immundefizienz. Tabelle „Assoziation von bestimmten Symptomen und Risikofaktoren mit in Deutschland als autochthone Infektionen auftretenden Enteropathogenen“ bietet eine Auflistung von mit diesen Erregern assoziierten Symptomen und Risikofaktoren, die ggfs. zur gezielten Erweiterung der Diagnostik genutzt werden können.

Tabelle 2: Assoziation von bestimmten Symptomen und Risikofaktoren mit in Deutschland als autochthone Infektionen auftretenden Enteropathogenen. HUS: Hämolytisch-urämisches Syndrom; TTP: Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura; MSM: Mann, der Sex mit Männern hat.

Symptome/RisikofaktorenErreger
Blutige Diarrhö und schweres inflammatorisches KrankheitsbildEnterohämorrhagische E. coli (EHEC)
Shigellen
Entamoeba histolytica (siehe KapitelAkute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern)
Hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, mikroangiopathischeKomplikationen (HUS, TTP)Enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
Antibiotika-ExpositionClostridioides difficile (siehe Empfehlung 3.4)
Diarrhödauer > 14 TageGiardia lamblia
Kryptosporidien
MSMShigellen
Giardia lamblia
Campylobacter spp.
Hämochromatose und andere EisenüberladungssyndromeYersinia spp
ImmundefizienzVielzahl möglicher Erreger, unter anderem Listeria monocytogenes. Siehe an-
sonsten Kapitel Diarrhö bei Immundefizienz.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis III

Enterohämorrhagische Escherichia (E.) coli besitzen die grundsätzliche Eigenschaft zur Bildung der Shigatoxine (Stx). Es gibt zwei Typen von Stx (stx1- und stx2Gen-kodiert) und die stx-Gene können in weitere Subtypen unterteilt werden (stx1a bis stx1d und stx2a bis stx2i). Schwere Erkrankungen, insbesondere blutige Durchfälle und Komplikationen wie hämorrhagische Kolitis und HUS, werden fast ausschließlich durch stx2-positive EHEC-Stämme des Subtyps stx2a und seltener stx2c oder stx2d hervorgerufen. Um eine Risikobewertung der Virulenz des Stammes (Bedeutung für die Prognose des Erkrankungsverlaufs und Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen * K, Pörtner, A, Fruth, A, Flieger, B, Middendorf-Bauchart, A, Mellmann, G, Falkenhorst, Überarbeitung der RKI Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 IfSG nach EHECInfektion.. Epid Bulletin, 2019. 47: p. 506-9.) vorzunehmen, ist eine Subtypisierung der stx-Gene molekular mittels PCR möglich. Die weltweit bedeutendste EHEC-Serogruppe hinsichtlich schwerwiegender Erkrankungen ist O157. Aber auch andere Serotypen können schwerwiegende Erkrankungen verursachen. Eine schwere EHEC-Epidemie in Deutschland im Jahr 2011 wurde durch den Serotyp O104:H4 hervorgerufen * Bielaszewska, M., Mellmann, A., Zhang, W., Kock, R., Fruth, A., Bauwens, A., et.al. Characterisation of the Escherichia coli strain associated with an outbreak of haemolytic uraemic syndrome in Germany, 2011: a microbiological study. Lancet Infect Dis, 2011. 11(9): p. 671-6.* Frank, C., Werber, D., Cramer, J. P., Askar, M., Faber, M., an der Heiden, M., et.al. Epidemic profile of Shiga-toxin-producing Escherichia coli O104:H4 outbreak in Germany. N Engl J Med, 2011. 365(19): p. 1771-80..

Bei Verdacht auf EHEC-Infektion, insbesondere bei der klinischen Trias: blutige Diarrhö, hämolytische Anämie und Thrombozytenabfall, oder wenn es sich um Personen handelt, die im Lebensmittelbereich tätig sind oder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, ist dringend eine Diagnostik auf EHEC durchzuführen (§ 42 IfSG). Außerdem besteht eine namentliche Meldepflicht bereits bei Krankheitsverdacht (§ 6 IfSG). Die mikrobiologische Diagnostik von EHEC ist komplex; es gibt kein einfach nachzuweisendes phänotypisches Merkmal, mit dem EHEC schnell und sicher aus einer Stuhlanreicherungskultur diagnostiziert werden kann. Mittel der Wahl sind molekulare Verfahren zur Detektion der Shigatoxin (stx)-Gene. Die Nachweisbarkeit von EHEC mittels direkter PCR aus der Stuhlprobe hängt von der Erregerdichte ab (siehe auch MiQ: Qualitätsstandards in der mikrobiologischen Diagnostik, Gastrointestinale Infektionen * Kist, M., Mauch, H., Podbielski, A., Herrmann, M., Kniehl, E., Mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards (MiQ), MIQ 09: Gastrointestinale InfektionenElsevier, Urban & Fischer, 2013.). In der Regel wird eine Anreicherung des Erregers durch geeignete Kulturen empfohlen. Zur notwendigen und sinnvollen Kombination der verschiedenen Testverfahren wird auf die Empfehlungen des RKI und BfR verwiesen * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: EHEC-Erkrankung, 2011. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_EHEC.html.

Shigellosen sind in Deutschland relativ selten und werden hauptsächlich durch S. sonnei (Anteil gegenwärtig etwa 70 %) und S. flexneri (Anteil gegenwärtig etwa 20 %) verursacht. Diese beiden Spezies führen überwiegend zu leichteren Erkrankungen, die aber hoch akut beginnen und sehr infektiös sein können. Die Mehrzahl der Shigellosen wird von Reisenden importiert (etwa 60 – 70 % der übermittelten Fälle, Prozentsatz rückläufig). Shigella dysenteriae 1-4 sowie einige Shigella flexneri 2a können zudem Shigatoxin bilden. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral durch Kontakt- oder Schmierinfektion im Rahmen enger Personenkontakte, z. B. im Kindergarten, im gemeinsamen Haushalt, oder durch kontaminierte Lebensmittel, (Trink-)Wasser oder Gebrauchsgegenstände. Auch bei sexuellem Analkontakt sowie gelegentlich durch medizinische Geräte kann der Erreger übertragen werden. Aufgrund der zunehmenden Resistenzproblematik bei Shigellen sollte die Therapie nach Durchführung einer Resistenztestung erfolgen. Der Anteil hochresistenter Shigellen ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen (3-MRGN und 4-MRGN Isolate) * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Shigellose, 2012. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Shigellose.html.

Bei immunkompetenten Menschen kann sich aufgrund einer Infektion mit Listeria monocytogenes innerhalb weniger Stunden bis zu zwei Tagen eine schwere, fieberhafte, selbstlimitierende Gastroenteritis einstellen. Die Gefahr einer manifesten Erkrankung besteht hauptsächlich für abwehrgeschwächte Personen wie Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen (z. B. Tumoren, AIDS), Patienten unter Glukokortikoid-Therapie, Transplantierte und Schwangere. Die manifeste Listeriose äußert sich mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Muskelschmerzen sowie unter Umständen auch mit Erbrechen und Durchfall. Es kann zur Sepsis kommen. Daher sollte die Diagnostik im Verdachtsfall zwingend Blutkulturen beinhalten. Eine weitere wesentliche Manifestation ist die Meningoencephalitis mit variabler Symptomatik oft auch ohne die typischen Zeichen einer bakteriellen Meningitis. Grundsätzlich kann im Verlauf einer Listeriose jedes Organ befallen werden und es können verschiedene lokalisierte, eitrige Infektionen wie z. B. Arthritis, Endokarditis oder Konjunktivitis auftreten. Bei Schwangeren verläuft die Erkrankung in der Regel unter einem relativ unauffälligen grippeähnlichen Bild oder zum Teil sogar symptomfrei. Dabei besteht die Möglichkeit eines Überganges der Infektion auf das ungeborene Kind mit der Gefahr, dass das Kind infiziert zur Welt kommt oder es zu einer Früh- oder Totgeburt kommt * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Listeriose, 2010. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Listeriose.html.

Die Mehrzahl der Yersiniosen wird durch darmpathogene Y. enterocolitica verursacht (> 90 %), seltener durch Y. pseudotuberculosis. Bei der Mehrzahl der Y. -enterocolitica-Infektionen treten Symptome einer Enterokolitis auf. Typisch sind Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber. Vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen kann eine Infektion zu mesenterischer Lymphadenitis (Schwellung der Lymphknoten) und terminaler Ileitis mit Fieber und Schmerzen im rechten Unterbauch führen. Klinisch sind diese Symptome nicht von einer akuten Appendizitis zu unterscheiden (so genannte Pseudoappendizitis). Bei Erwachsenen kommen auch Rachenentzündungen mit grippalen Symptomen vor. Bei immunsupprimierten Patienten wurden Leberabszesse und Entzündungen verschiedener Organe (Perikard, Pleura etc.) beschrieben * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Yersiniose, 2019. 2012:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Yersiniose.html. Patienten mit Eisenüberladungssyndrom sind empfänglicher für eine Yersinia-Infektion und auch für schwere, disseminierte Verlaufsformen der Infektion * Weinberg, E. D., Iron loading and disease surveillance. Emerg Infect Dis, 1999. 5(3): p. 346-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10341171* Thwaites, P. A., Woods, M. L., Sepsis and siderosis, Yersinia enterocolitica and hereditary haemochromatosis. BMJ Case Rep, 2017. 2017:, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28052950.

Aufgrund der Expression des ACE2-Rezeptors und des Enzyms TMPRSS2 sind Enterozyten potenzielle Zielzellen des SARS-Coronavirus-2. Deshalb können im Rahmen einer Infektion auch Symptome einer akuten Gastroenteritis (Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen) auftreten * Cheung, K. S., Hung, I. F. N., Chan, P. P. Y., Lung, K. C., Tso, E., Liu, R., et.al. Gastrointestinal Manifestations of SARS-CoV-2 Infection and Virus Load in Fecal Samples From a Hong Kong Cohort: Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology, 2020. 159(1): p. 81-95., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32251668* D'Amico, F., Baumgart, D. C., Danese, S., Peyrin-Biroulet, L., Diarrhea During COVID-19 Infection: Pathogenesis, Epidemiology, Prevention, and Management. Clin Gastroenterol Hepatol, 2020. 18(8): p. 1663-1672., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32278065, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7141637/pdf/main.pdf. Retrospektive Studien aus China aus der Anfangszeit der Pandemie berichten sehr variable Inzidenzen von 2 % bis 50 % der eingeschlossenen COVID-Infektionen * D'Amico, F., Baumgart, D. C., Danese, S., Peyrin-Biroulet, L., Diarrhea During COVID-19 Infection: Pathogenesis, Epidemiology, Prevention, and Management. Clin Gastroenterol Hepatol, 2020. 18(8): p. 1663-1672., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32278065, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7141637/pdf/main.pdf. In Meta-Analysen lag sie zwischen 10 % und 20 % * Cheung, K. S., Hung, I. F. N., Chan, P. P. Y., Lung, K. C., Tso, E., Liu, R., et.al. Gastrointestinal Manifestations of SARS-CoV-2 Infection and Virus Load in Fecal Samples From a Hong Kong Cohort: Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology, 2020. 159(1): p. 81-95., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32251668* Li, L. Q., Huang, T., Wang, Y. Q., Wang, Z. P., Liang, Y., Huang, T. B., et.al. COVID-19 patients' clinical characteristics, discharge rate, and fatality rate of meta-analysis. J Med Virol, 2020. 92(6): p. 577-583., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32162702, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7228329/pdf/JMV-9999-na.pdf. Meistens sind die gastrointestinalen Symptome im Rahmen einer SARS-Coronavirus 2-Infektion ein Begleitsymptom der respiratorischen Erkrankung. Es wurden jedoch auch Fälle berichtet, in denen infizierte Patienten – zumindest zum Zeitpunkt der Diagnosestellung – nur gastrointestinale Symptome aufwiesen * An, P., Chen, H., Ren, H., Su, J., Ji, M., Kang, J., et.al. Gastrointestinal Symptoms Onset in COVID-19 Patients in Wuhan, China. Dig Dis Sci, 2021. 66(10): p. 3578-3587., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33180244 In ca. Hälfte der Patienten mit COVID-19 kann virale RNA im Stuhl nachgewiesen werden, jedoch ohne, dass es zur fäkalen Ausscheidung infektiöser Viren kommt * Wolfel, R., Corman, V. M., Guggemos, W., Seilmaier, M., Zange, S., Muller, M. A., et.al. Virological assessment of hospitalized patients with COVID-2019. Nature, 2020. 581(7809): p. 465-469., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32235945. Deshalb scheint der fäkal-orale Weg keine wesentliche Rolle bei der Transmission des SARS Coronavirus 2 zu spielen.

Unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Empfehlungen zu Indikation und Durchführung der COVID-19-Diagnostik kann bei Patienten mit akuter Gastroenteritis in zeitlichem Zusammenhang mit dem Auftreten respiratorischer Symptome die Durchführung eines sensitiven Tests (z. B. PCR) auf das SARS-Coronavirus 2 aus einem Nasen-Rachen-Abstrich ggf. sinnvoll sein. Der Nachweis von Coronavirus-RNA ist auch in fäkalen Proben möglich. Jedoch ist die Sensitivität des Stuhl-Nachweises zu schlecht * Cheung, K. S., Hung, I. F. N., Chan, P. P. Y., Lung, K. C., Tso, E., Liu, R., et.al. Gastrointestinal Manifestations of SARS-CoV-2 Infection and Virus Load in Fecal Samples From a Hong Kong Cohort: Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology, 2020. 159(1): p. 81-95., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32251668, um das Verfahren für die Primärdiagnostik zu empfehlen.

Das Symptom Fieber bei einer infektiösen Gastroenteritis ist oft nicht charakteristisch für einen bestimmten Erreger. Viren, Bakterien und parasitische Infektionen können Fieber verursachen. Länger bestehendes Fieber erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine nicht-virale Genese * Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529.

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Konsensbasierte Empfehlung 3.4

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Diagnostik bei Verdacht auf Clostridioides difficile

Der diagnostische Algorithmus bei Verdacht auf Clostridioides difficile-Infektion soll sowohl ein hoch sensitives als auch ein hoch spezifisches Testverfahren beinhalten.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis IV

Hintergrund

Die C. difficile-Infektion (CDI) ist die häufigste erregerbedingte Ursache der nosokomialen Diarrhö (siehe AG 3 – Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile), kann aber bei Vorliegen von Risikofaktoren auch bei ambulanten Patienten auftreten. Aufgrund der mit ihr verbundenen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiken stellt die Diagnose einer CDI in der Regel eine Indikation für eine spezifische Therapie der Infektion dar. Daher ist bei Patienten mit nosokomialer Diarrhö und bei ambulanten Patienten mit akuter Diarrhö und Risikofaktoren zeitnah eine sensitive Diagnostik durchzuführen * McDonald, L. C., Gerding, D. N., Johnson, S., Bakken, J. S., Carroll, K. C., Coffin, S. E., et.al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis, 2018. 66(7): p. 987-994., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29562266* Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529. Dabei sind die nachfolgend aufgeführten Risikofaktoren für eine CDI besonders relevant * Raveh, D., Rabinowitz, B., Breuer, G. S., Rudensky, B., Yinnon, A. M., Risk factors for Clostridium difficile toxin-positive nosocomial diarrhoea. Int J Antimicrob Agents, 2006. 28(3): p. 231-7.* Singh, H., Nugent, Z., Yu, B. N., Lix, L. M., Targownik, L. E., Bernstein, C. N., Higher Incidence of Clostridium difficile Infection Among Individuals With Inflammatory Bowel Disease. Gastroenterology, 2017. 153(2): p. 430-438 e2., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28479377:

  • aktuelle oder stattgehabte Antibiotikatherapie innerhalb der letzten 3 Monate
  • stattgehabte C. difficile-Infektion innerhalb der letzten 12 Monate
  • hohes Lebensalter (über 65 Jahre)
  • Hospitalisierung bzw. stattgehabte Hospitalisierung innerhalb der letzten drei Monate bzw. Unterbringung in Gemeinschaftseinrichtungen des Gesundheitssystems
  • Zustand nach Stammzell- oder Organtransplantation
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankung
  • Chronische internistische Komorbiditäten

Unzweifelhaft ist der Gebrauch von Antibiotika der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung einer CDI. Zwei Metaanalysen zeigen, dass das Risiko, eine ambulant erworbene CDI auszulösen, für verschiedene Antibiotika unterschiedlich ist * Brown, K. A., Khanafer, N., Daneman, N., Fisman, D. N., Meta-analysis of antibiotics and the risk of community-associated Clostridium difficile infection. Antimicrob Agents Chemother, 2013. 57(5): p. 2326-32., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23478961* Deshpande, A., Pasupuleti, V., Thota, P., Pant, C., Rolston, D. D., Sferra, T. J., et.al. Community-associated Clostridium difficile infection and antibiotics: a meta-analysis. J Antimicrob Chemother, 2013. 68(9): p. 1951-61., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23620467. Das höchste Risiko ist mit dem Einsatz von Clindamycin (Odds Ratio 16,8-20,4), Fluorchinolonen (OR 5,5-5,7) und Cephalosporinen (OR 4,5-5,7) verbunden. Penicillinderivate (OR 2,7-3,3), Makrolide (OR 2,5-2,7) und Cotrimoxazol (OR 1,8) haben ein geringeres Risiko.

Neben einer Medikation mit Antibiotika wird die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) als Risikofaktor für die Entwicklung einer CDI postuliert * Pakyz, Amy L., Jawahar, Rachel, Wang, Qin, Harpe, Spencer E., Medication risk factors associated with healthcare-associated Clostridium difficile infection: a multilevel model case-control study among 64 US academic medical centres. The Journal of Antimicrobial Chemotherapy, 2014. 69(4): p. 1127-1131., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24327619. Metaanalysen zeigen eine Assoziation zwischen PPI-Exposition und dem Risiko für eine CDI * Garey, K. W., Sethi, S., Yadav, Y., DuPont, H. L., Meta-analysis to assess risk factors for recurrent Clostridium difficile infection. J Hosp Infect, 2008. 70(4): p. 298-304.* Janarthanan, S., Ditah, I., Adler, D. G., Ehrinpreis, M. N., Clostridium difficile-associated diarrhea and proton pump inhibitor therapy: a meta-analysis. Am J Gastroenterol, 2012. 107(7): p. 1001-10., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22710578* Kwok, C. S., Arthur, A. K., Anibueze, C. I., Singh, S., Cavallazzi, R., Loke, Y. K., Risk of Clostridium difficile infection with acid suppressing drugs and antibiotics: meta-analysis. Am J Gastroenterol, 2012. 107(7): p. 1011-9.. Weil aber der Einsatz von PPI auch mit Faktoren assoziiert war, die ihrerseits eine CDI begünstigen (Beispiele sind internistische Komorbidität und Hospitalisierungsdauer), ist eine kausale Beziehung derzeit nicht gesichert * Novack, L., Kogan, S., Gimpelevich, L., Howell, M., Borer, A., Kelly, C. P., et.al. Acid suppression therapy does not predispose to Clostridium difficile infection: the case of the potential bias. PLoS One, 2014. 9(10): p. e110790., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25343667* Weiss, K., Louie, T., Miller, M. A., Mullane, K., Crook, D. W., Gorbach, S. L., Effects of proton pump inhibitors and histamine-2 receptor antagonists on response to fidaxomicin or vancomycin in patients with Clostridium difficile-associated diarrhoea. BMJ Open Gastroenterol, 2015. 2(1): p. e000028., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26462279.

Um zeitnah eine spezifische Therapie einleiten zu können, sollte bei Verdacht auf eine CDI frühzeitig und sensitiv der mikrobiologische Nachweis der Infektion geführt werden. Hierfür reicht in der Regel eine breiig-flüssige Stuhlprobe. Die Untersuchung mehrerer Stuhlproben führt im unselektionierten Patientengut nicht zu einer höheren Sensitivität, erhöht aber das Risiko für falsch positive Tests * Gateau, C., Couturier, J., Coia, J., Barbut, F., How to: diagnose infection caused by Clostridium difficile. Clin Microbiol Infect, 2018. 24(5): p. 463-468., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29269092. Eine Diagnostik aus geformtem Stuhl ist nicht indiziert. In besonderen Situationen, z. B. bei Patienten mit einem Ileus, können mit einer gewissen Sensitivitätseinbuße Rektalabstriche verwandt werden.

Keiner der derzeit verfügbaren Tests weist eine gleichermaßen hohe Sensitivität und Spezifität auf. Daher wird von internationalen Leitlinien eine Kombination von Testverfahren empfohlen * McDonald, L. C., Gerding, D. N., Johnson, S., Bakken, J. S., Carroll, K. C., Coffin, S. E., et.al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis, 2018. 66(7): p. 987-994., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29562266* Crobach, M. J., Planche, T., Eckert, C., Barbut, F., Terveer, E. M., Dekkers, O. M., et.al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: update of the diagnostic guidance document for Clostridium difficile infection. Clin Microbiol Infect, 2016. 22 Suppl 4: p. S63-81., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27460910. Ein allgemein akzeptierter labordiagnostischer Algorithmus existiert jedoch nicht. Grundsätzlich ist zwischen einem ein- und einem mehrstufigen Vorgehen zu unterscheiden. Als sensitiver Screening-Test wird in Deutschland häufig der immunologische Nachweis der Glutamat-Dehydrogenase (GDH) im Stuhl verwendet. Möglich wäre auch – bei allerdings höheren Kosten – der ebenfalls hoch sensitive Toxin-Gen-Nachweis mit einem Nukleinsäureamplifikationstest (NAT). Beide Verfahren sind aufgrund ihrer hohen Sensitivität sehr gut zur Ausschlussdiagnostik geeignet. Da die GDH als „Common Antigen“ sowohl bei toxigenen als auch bei nicht-toxigenen C. difficile-Stämmen auftritt und NAT zwar Toxin-Gene, nicht aber die Toxine selbst detektieren, sind GDH-Nachweis und Toxin-NAT allerdings im positiven Fall nicht beweisend für eine CDI. Hierfür ist der direkte immunologische Nachweis der Enterotoxine A und/oder B entweder im Stuhl oder der Nachweis der Toxinbildung in der Kultur (so genannte toxigene Kultur) notwendig. Mehrere kommerziell verfügbare, EIA-basierte Testsysteme erlauben die simultane Detektion des GDH-Antigens sowie der Toxine A und B. Ist sowohl GDH- als auch Toxin-Nachweis positiv, gilt die Diagnose als gesichert. Bei diskrepantem Ergebnis, also positivem GDH- aber negativem Toxin-Nachweis, kann eine Klärung durch die toxigene Kultur erreicht werden * Gateau, C., Couturier, J., Coia, J., Barbut, F., How to: diagnose infection caused by Clostridium difficile. Clin Microbiol Infect, 2018. 24(5): p. 463-468., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29269092.

Bei schweren Infektionen, bei Patienten mit wiederholten Rezidiven und im Rahmen nosokomialer Ausbrüche sollte zusätzlich ein kultureller Nachweis angestrebt werden. Die Typisierung der Isolate erlaubt die Identifikation von Infektionsketten und den Nachweis epidemiologisch besonders bedeutsamer Stämme * Couturier, J., Davies, K., Gateau, C., Barbut, F., Ribotypes and New Virulent Strains Across Europe. Adv Exp Med Biol, 2018. 1050: p. 45-58., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29383663.

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Couturier, J., Davies, K., Gateau, C., et al. Ribotypes and New Virulent Strains Across Europe. Adv Exp Med Biol 2018; 1050: 45-58

Konsensbasierte Empfehlung 3.5

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


Stellenwert nicht-mikrobiologischer Diagnostik

Zur Klärung der Ätiologie und/oder zur Einschätzung der Schwere des Krankheitsbildes, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren (siehe Empfehlung 3.2), kann die Diagnostik um laborchemische, bildgebende und/oder endoskopische Verfahren erweitert werden.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis V

Hintergrund

Laboruntersuchungen sind sinnvoll zur Erfassung des Schweregrades der Infektion (Blutbild einschließlich Differenzialblutbild, Elektrolyte, Retentionswerte, C-reaktives Protein, Procalcitonin, Säure-Basen-Haushalt). Bei Verdacht auf HUS oder bestätigter Infektion mit einem Shigatoxinbildner (z. B. EHEC) sollten Hämolyseparameter, Blutbild, LDH und Retentionsparameter regelmäßig kontrolliert werden. Der Nachweis von Fragmentozyten unterstützt die Diagnose eines HUS. Bei Anstieg der Retentionsparameter sollte die tägliche Urinausscheidung quantifiziert, bei Fieber und systemischer Inflammation sollten Blutkulturen abgenommen werden. Fäkale Entzündungsparameter sind in der Regel nicht hilfreich. Sie helfen nicht in der differenzialdiagnostischen Abklärung und korrelieren nicht gut mit der Schwere des Krankheitsbildes. Ihre Bedeutung liegt stattdessen in der Abgrenzung funktioneller Beschwerden von entzündlichen Erkrankungen und haben deshalb vor allem in der Abklärung einer chronischen Diarrhö einen Stellenwert * Pavlidis, P., Chedgy, F. J., Tibble, J. A., Diagnostic accuracy and clinical application of faecal calprotectin in adult patients presenting with gastrointestinal symptoms in primary care. Scand J Gastroenterol, 2013. 48(9): p. 1048-54., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23883068. Serologische Untersuchungen (z. B. Campylobacter spp.) haben bei der Abklärung der akuten Gastroenteritis keinen Stellenwert * Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529, auch wenn sie zu epidemiologisch-relevanten Abklärungen einen Beitrag liefern können * Jansen, A., Stark, K., Kunkel, J., Schreier, E., Ignatius, R., Liesenfeld, O., et.al. Aetiology of community-acquired, acute gastroenteritis in hospitalised adults: a prospective cohort study. BMC Infect Dis, 2008. 8:. Untersuchungen auf Pilze im Stuhl sind nicht indiziert.

Bildgebende Verfahren wie die transabdominelle Sonografie (Frage nach dilatierten Darmschlingen, Peristaltik, freier Flüssigkeit, Lymphknotenvergrößerungen etc.) oder abdominelle Computertomografie (Peritonitis, Perforation, extraintestinale Absiedlungen bei invasiven Salmonellen oder Yersinien-Infektion etc.) sind wichtig in der Abschätzung der Schwere des Krankheitsbildes * Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529. Sie sind diagnostisch bei Entwicklung eines toxischen Megakolons (z. B. bei schwerer C. difficile-Infektion). Bei nachgewiesener Infektion mit Entamoeba histolytica ist eine Bildgebung der Leber mit Frage nach Amöbenleberabszess obligat.

Die Endoskopie hat nur in bestimmten klinischen Situationen eine Bedeutung. Sie ist indiziert bei immundefizienten Patienten mit unerklärter Diarrhö und negativen Stuhluntersuchungen (siehe Empfehlungen 6.3 und 6.6). Biopsien aus Dünndarm oder Dickdarm können hier wichtige differentialdiagnostische Hinweise liefern. Wichtig ist sie bei der differentialdiagnostischen Abklärung der chronischen Diarrhö (siehe Empfehlung 5.14 – 5.16) * Shah, R. J., Fenoglio-Preiser, C., Bleau, B. L., Giannella, R. A., Usefulness of colonoscopy with biopsy in the evaluation of patients with chronic diarrhea. Am J Gastroenterol, 2001. 96(4): p. 1091-5.. In der Abklärung einer CDI ist sie hingegen nicht indiziert. Bei Patienten mit durch Stuhluntersuchungen gesicherter CDI finden sich in nur 40 % der Fälle typische Pseudomembranen * Berdichevski, T., Keller, N., Rahav, G., Bar-Meir, S., Eliakim, R., Ben-Horin, S., The impact of pseudomembrane formation on the outcome of Clostridium difficile-associated disease. Infection, 2013. 41(5): p. 969-77., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23709307. Bei Patienten mit Immundefizienz oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist der Nachweis von Pseudomembranen bei einer CDI noch seltener * Ben-Horin, S., Margalit, M., Bossuyt, P., Maul, J., Shapira, Y., Bojic, D., et.al. Prevalence and clinical impact of endoscopic pseudomembranes in patients with inflammatory bowel disease and Clostridium difficile infection. J Crohns Colitis, 2010. 4(2): p. 194-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21122505* Nomura, Kenichi, Fujimoto, Yoshiko, Yamashita, Mihoko, Morimoto, Yasutaka, Ohshiro, Muneo, Sato, Kazumi, et.al. Absence of pseudomembranes in Clostridium difficile-associated diarrhea in patients using immunosuppression agents. Scandinavian Journal of Gastroenterology, 2009. 44(1): p. 74-78., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18781540. Die Untersuchung des Duodenalaspirats auf Lamblien bei vermuteter Lambliasis ist eher von historischer Bedeutung, da moderne Stuhluntersuchungen eine höhere Sensitivität aufweisen * Wahnschaffe, U., Ignatius, R., Loddenkemper, C., Liesenfeld, O., Muehlen, M., Jelinek, T., et.al. Diagnostic value of endoscopy for the diagnosis of giardiasis and other intestinal diseases in patients with persistent diarrhea from tropical or subtropical areas. Scand J Gastroenterol, 2007. 42(3): p. 391-6., https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00365520600881193?needAccess=true.

Literatur

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Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., et al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis 2017; 65: 1963-1973

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Jansen, A., Stark, K., Kunkel, J., et al. Aetiology of community-acquired, acute gastroenteritis in hospitalised adults: a prospective cohort study. BMC Infect Dis 2008; 8:

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Shah, R. J., Fenoglio-Preiser, C., Bleau, B. L., et al. Usefulness of colonoscopy with biopsy in the evaluation of patients with chronic diarrhea. Am J Gastroenterol 2001; 96: 1091-5

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Berdichevski, T., Keller, N., Rahav, G., et al. The impact of pseudomembrane formation on the outcome of Clostridium difficile-associated disease. Infection 2013; 41: 969-77

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Ben-Horin, S., Margalit, M., Bossuyt, P., et al. Prevalence and clinical impact of endoscopic pseudomembranes in patients with inflammatory bowel disease and Clostridium difficile infection. J Crohns Colitis 2010; 4: 194-8

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Nomura, Kenichi, Fujimoto, Yoshiko, Yamashita, Mihoko, Morimoto, Yasutaka, Ohshiro, Muneo, Sato, Kazumi, Oyake, Tatsuo, Kowata, Shugo, Konishi, Hideyuki, Yoshikawa, Toshikazu, Ishida, Yoji, Taniwaki, Masafumi, Japan Hematology/Oncology Study Group, Kyoto. Absence of pseudomembranes in Clostridium difficile-associated diarrhea in patients using immunosuppression agents. Scandinavian Journal of Gastroenterology 2009; 44: 74-78

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Wahnschaffe, U., Ignatius, R., Loddenkemper, C., et al. Diagnostic value of endoscopy for the diagnosis of giardiasis and other intestinal diseases in patients with persistent diarrhea from tropical or subtropical areas. Scand J Gastroenterol 2007; 42: 391-6

Konsensbasierte Empfehlung 3.6

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Gestuftes Vorgehen der Erregerdiagnostik

Der mikrobiologische Nachweis von Durchfallerregern erfolgt aus Stuhlproben und in Ausnahmefällen aus Rektalabstrichen.

Zur ätiologischen Klärung bei akuter Gastroenteritis sollte im Regelfall 1 Stuhlprobe auf relevante Erreger untersucht werden.

Das Spektrum der angeforderten Untersuchungen sollte der klinischen Symptomatik, Anamnese und der epidemiologischen Situation angepasst sein und die Diagnostik in Stufen erfolgen.

Bei Verdacht auf eine Parasitose sollten in der Regel 3 Proben aus unterschiedlichen Stuhlgängen untersucht werden.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis VI

Hintergrund

Die Ausscheidung der Durchfallerreger im Stuhl ist von der Schwere des Befalls und dem Zeitpunkt nach Infektion sowie des Immunstatus des Patienten abhängig. In der Regel nimmt die Erregerdichte im Stuhl mit Einsetzen einer spezifischen Immunantwort und dem Sistieren der Durchfälle deutlich ab. Dieses beeinflusst die Wahrscheinlichkeit des Erregernachweises. Auch ist die Transportzeit der Probe ein relevanter Faktor. Campylobacter spp. und Shigellen sind Beispiele für Bakterien, die durch eine lange Transportzeit und Temperaturschwankungen beim Transport der Probe so geschädigt werden können, dass ihr Nachweis erheblich beeinträchtigt wird. Salmonellen sind gegenüber längeren Transportzeiten weniger empfindlich * Berenger, B. M., Ferrato, C., Chui, L., Viability of bacterial enteropathogens in fecal samples in the presence or absence of different types of transport media. Diagn Microbiol Infect Dis, 2019. 95(3): p. 114862., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31375249* Wasfy, M., Oyofo, B., Elgindy, A., Churilla, A., Comparison of preservation media for storage of stool samples. J Clin Microbiol, 1995. 33(8): p. 2176-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7559972. Es ist daher grundsätzlich anzustreben, Proben für die Erregerdiagnostik im Stadium der akuten Symptomatik zu gewinnen, diese dem Labor so schnell wie möglich zuzuführen und ein sensitives und möglichst wenig störanfälliges Nachweisverfahren zu wählen. Dabei sind Transportzeiten unter 12 – 24 Stunden in jedem Falle anzustreben (Abnahmezeitpunkt dokumentieren) * Taylor, W. I., Schelhart, D., Effect of temperature of incubation on performance of media in the detection of enteric pathogens. Appl Microbiol, 1973. 25(6): p. 940-4., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/4577490. Angemerkt sei, dass ortsferne mikrobiologische Laborgemeinschaften mit längeren Transportwegen diese Forderungen wohl nicht immer erfüllen können.

Bei adäquaten Prozessabläufen und kurzer Transportzeit reicht für die Diagnostik von pathogenen Bakterien oder Viren eine Stuhlprobe aus. Eine systematische Auswertung von 59500 Stuhlproben hospitalisierter Patienten zeigte bei 3808 (6,4 %) Proben einen pathologischen bakteriologischen Befund. Dabei wurden 96,9 % der positiven Nachweise bereits mit der ersten Probe geführt. Mit der zweiten Stuhlprobe erhöhte sich die Ausbeute auf 99,0 %, mit der dritten auf 99,3 %. Der diagnostische Mehrgewinn durch Einsendung mehrerer Stuhlproben zur Detektion bakterieller Enteritiserreger ist somit gering * Valenstein, P., Pfaller, M., Yungbluth, M., The use and abuse of routine stool microbiology: a College of American Pathologists Q-probes study of 601 institutions. Arch Pathol Lab Med, 1996. 120(2): p. 206-11., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8712901. Bei negativem Ergebnis der Stuhlkultur und fortbestehendem Verdacht auf infektiöse Enteritis kann die Untersuchung weiterer Stuhlproben im Einzelfall sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn bei der Prozessierung der ersten Probe Probleme der Präanalytik erkennbar waren * Valenstein, P., Pfaller, M., Yungbluth, M., The use and abuse of routine stool microbiology: a College of American Pathologists Q-probes study of 601 institutions. Arch Pathol Lab Med, 1996. 120(2): p. 206-11., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8712901. Auch für Patienten mit CDI gilt, dass sich aus der Untersuchung über die erste Stuhlprobe hinausgehender Proben nur mit niedriger Wahrscheinlichkeit positive Ergebnisse erheben lassen * Khanna, S., Pardi, D. S., Rosenblatt, J. E., Patel, R., Kammer, P. P., Baddour, L. M., An evaluation of repeat stool testing for Clostridium difficile infection by polymerase chain reaction. J Clin Gastroenterol, 2012. 46(10): p. 846-9.. Diese Erläuterungen gelten jedoch nicht für den Nachweis von Erregern bei symptomlosen Dauerausscheidern. Hier werden aus epidemiologischen Gründen nach wie vor drei konsekutive Stuhluntersuchungen gefordert, um das Vorhandensein der Erreger mit höchster Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Auch sind bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zum Ausschluss einer CDI 3 Stuhlproben sinnvoll * Deshpande, A., Pasupuleti, V., Patel, P., Pant, C., Pagadala, M., Hall, G., et.al. Repeat stool testing for Clostridium difficile using enzyme immunoassay in patients with inflammatory bowel disease increases diagnostic yield. Curr Med Res Opin, 2012. 28(9): p. 1553-60.. Offensichtlich reichen bei diesen Patienten niedrigere Toxinmengen, die einer Diagnostik entgehen können, aus, um eine symptomatische CDI zu verursachen.

Bei Durchfällen durch Parasiten erfolgt die Erregerausscheidung abhängig vom Erreger (z. B. Protozoenzysten, Wurmeier) diskontinuierlich. Bei Verdacht auf eine parasitär verursachte (chronische) Diarrhö zeigt die Untersuchung mehrerer Proben, die an verschiedenen Tagen gewonnen wurden, daher eine relevant höhere Sensitivität * Hiatt, R. A., Markell, E. K., Ng, E., How many stool examinations are necessary to detect pathogenic intestinal protozoa?. Am J Trop Med Hyg, 1995. 53(1): p. 36-9..

Literatur

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Berenger, B. M., Ferrato, C., Chui, L.. Viability of bacterial enteropathogens in fecal samples in the presence or absence of different types of transport media. Diagn Microbiol Infect Dis 2019; 95: 114862

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Wasfy, M., Oyofo, B., Elgindy, A., et al. Comparison of preservation media for storage of stool samples. J Clin Microbiol 1995; 33: 2176-8

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Taylor, W. I., Schelhart, D.. Effect of temperature of incubation on performance of media in the detection of enteric pathogens. Appl Microbiol 1973; 25: 940-4

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Valenstein, P., Pfaller, M., Yungbluth, M.. The use and abuse of routine stool microbiology: a College of American Pathologists Q-probes study of 601 institutions. Arch Pathol Lab Med 1996; 120: 206-11

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Khanna, S., Pardi, D. S., Rosenblatt, J. E., et al. An evaluation of repeat stool testing for Clostridium difficile infection by polymerase chain reaction. J Clin Gastroenterol 2012; 46: 846-9

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Deshpande, A., Pasupuleti, V., Patel, P., et al. Repeat stool testing for Clostridium difficile using enzyme immunoassay in patients with inflammatory bowel disease increases diagnostic yield. Curr Med Res Opin 2012; 28: 1553-60

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Hiatt, R. A., Markell, E. K., Ng, E.. How many stool examinations are necessary to detect pathogenic intestinal protozoa?. Am J Trop Med Hyg 1995; 53: 36-9

Konsensbasierte Empfehlung 3.7

Neu 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Der Einsatz einer molekularen Gastroenteritis-Panel-Diagnostik

Nukleinsäuren-basierte Nachweisverfahren, die eine simultane Testung auf einer Vielzahl von bakteriellen, viralen und parasitären Enteropathogenen leisten (sogenannte „Gastroenteritis-Panels“), sind kein Bestandteil der Basisdiagnostik. In begründeten Einzelfällen können sie zusätzlich eingesetzt werden.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis VII

Hintergrund

Die wichtigsten Nachweismethoden der konventionellen Stuhldiagnostik sind die Stuhlkultur, der Antigen-Nachweis durch einen Immunoassay und der molekulare Nachweis mittels Polymerasekettenreation (Polymerase Chain Reaction, PCR). In den letzten Jahren wurde durch Kombination mehrerer PCR-Tests (so genannte „Multiplex-PCR“) Verfahren entwickelt, die viele verschiedene Gastroenteritis-Erreger in einem Ansatz simultan detektieren können. Mehrere solcher, jeweils etwas unterschiedlich kombinierter Tests wurden zur Zulassung gebracht und werden nun als sogenannte Gastroenteritis-Panels kommerziell vertrieben. Vorteile der Gastroenteritis-Panels sind ihre kurze Laborprozessierungszeit, die eine rasche Verfügbarkeit der Ergebnisse erleichtert, und die Testung auf eine Vielzahl von Erregern in einer einzigen Probe * Muche, M, Siegmund, B, Epple, HJ, Molekulare Diagnostik der infektiösen Gastroenteritis.. Der Gastroenterologe, 2020. 15: p. 153-8..

In vergleichenden Studien zeigten Gastroenteritis-Panels im Vergleich zur konventionellen Diagnostik höhere Detektionsraten * Freeman, K., Mistry, H., Tsertsvadze, A., Royle, P., McCarthy, N., Taylor-Phillips, S., et.al. Multiplex tests to identify gastrointestinal bacteria, viruses and parasites in people with suspected infectious gastroenteritis: a systematic review and economic analysis. Health Technol Assess, 2017. 21(23): p. 1-188., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28619124, https://njl-admin.nihr.ac.uk/document/download/2010487* Spina, A., Kerr, K. G., Cormican, M., Barbut, F., Eigentler, A., Zerva, L., et.al. Spectrum of enteropathogens detected by the FilmArray GI Panel in a multicentre study of community-acquired gastroenteritis. Clin Microbiol Infect, 2015. 21(8): p. 719-28., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25908431. Als Nukleinsäure-basiertes Verfahren bieten die Panels einen diagnostischen Vorteil bei Erregern, die schwer kultivierbar sind oder nur durch Methoden, die nicht in der Routinediagnostik enthalten sind, nachgewiesen werden können. Hierzu gehört beispielsweise die Gruppe der verschiedenen darmpathogenen E. coli, die sich von kommensalen E. coli allein durch Expression bestimmter Virulenzfaktoren unterscheiden. Die Identifikation darmpathogener E. coli erfordert deshalb den Einsatz gezielter Methoden, weshalb sie in der Routinediagnostik häufig nicht erfasst werden. So waren in einer europäischen Multicenterstudie enteropathogene E. coli (EPEC) in der Panel-Diagnostik noch vor Camplyobacter der am häufigsten nachgewiesene Erreger. In der konventionellen Diagnostik wurden EPEC hingegen lediglich in 3 von 709 Stuhlproben detektiert (zum Vergleich: Campylobacter in 56 von 709). Eine ähnliche Diskrepanz zeigte sich für enteroaggregative E. coli (EAEC). Sie waren der vierthäufigste Erreger in der Panel-Diagnostik und wurden in der den jeweiligen Laborstandardalgorithmen folgenden konventionellen Diagnostik gar nicht nachgewiesen * Spina, A., Kerr, K. G., Cormican, M., Barbut, F., Eigentler, A., Zerva, L., et.al. Spectrum of enteropathogens detected by the FilmArray GI Panel in a multicentre study of community-acquired gastroenteritis. Clin Microbiol Infect, 2015. 21(8): p. 719-28., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25908431.

Diese überraschenden Ergebnisse verdeutlichen aber auch ein Problem der Panel-Diagnostik. Die Methode weist lediglich das Vorhandensein bestimmter genetischer Elemente nach, nicht aber ob diese auch zu einem vitalen Erreger in vivo gehören und von diesem exprimiert werden. Deshalb und auch aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Methode ist die Vorhersagekraft der Paneldiagnostik in Bezug auf die klinische Symptomatik nicht einfach einzuschätzen. In einer prospektiven Studie, in der Stuhlproben aus Ländern mit hoher Inzidenz einer infektiösen Gastroenteritis untersucht wurden, korrelierten die Ergebnisse einer positiven Paneldiagnostik deutlich schlechter mit dem Vorliegen einer Diarrhoe als die konventionellen Komparator-Methoden * Liu, J., Kabir, F., Manneh, J., Lertsethtakarn, P., Begum, S., Gratz, J., et.al. Development and assessment of molecular diagnostic tests for 15 enteropathogens causing childhood diarrhoea: a multicentre study. Lancet Infect Dis, 2014. 14(8): p. 716-724., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25022434. Die in dieser Studie eingesetzten Panels detektierten auch in einem hohen Anteil von Kontroll-Stuhlproben, die von Patienten ohne Diarrhoe gewonnen wurden, Enteropathogene. Beispielsweise fand sich das eae-Gen von EPEC in ca. 60 % der Proben sowohl in der Diarrhoe- als auch der Kontroll-Gruppe. In ähnlicher Weise wurde in einer Multizenter-Studie mit zufällig ausgewählten niederländischen Kindern, die eine Kindertagesstätte besuchten, mit einer Paneldiagnostik in 80 % der mehr als 5.000 untersuchten Stuhlproben ein Enteropathogen detektiert, wobei nur bei 5 % der Kinder zum Zeitpunkt der Probenentnahme eine Diarrhoe vorlag * Enserink, R., Scholts, R., Bruijning-Verhagen, P., Duizer, E., Vennema, H., de Boer, R., et.al. High detection rates of enteropathogens in asymptomatic children attending day care. PLoS One, 2014. 9(2): p. e89496., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24586825. Es besteht also bei Einsatz der Paneldiagnosik das Problem einer signifikanten Überdiagnostik, deren Bedeutung in Ermangelung klinischer Studien, die sich diesem Problem systematisch widmen, derzeit schlecht eingeschätzt werden kann. Zudem zeigen die Gastroenteritis-Panels häufig die Konstellation einer vermeintlichen Mischinfektion * Spina, A., Kerr, K. G., Cormican, M., Barbut, F., Eigentler, A., Zerva, L., et.al. Spectrum of enteropathogens detected by the FilmArray GI Panel in a multicentre study of community-acquired gastroenteritis. Clin Microbiol Infect, 2015. 21(8): p. 719-28., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25908431* Axelrad, J. E., Freedberg, D. E., Whittier, S., Greendyke, W., Lebwohl, B., Green, D. A., Impact of Gastrointestinal Panel Implementation on Health Care Utilization and Outcomes. J Clin Microbiol, 2019. 57(3):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30651393, dabei oft auch mit positivem Nachweis exotischer Erreger unklarer Bedeutung. Insgesamt ist also bei Einsatz eines Gastroenteritis-Panels mit einem erhöhten Anteil an positiven Befunden zu rechnen, deren prädiktiver Wert für das Vorliegen einer klinisch relevanten Infektion unklar ist * Freeman, K., Mistry, H., Tsertsvadze, A., Royle, P., McCarthy, N., Taylor-Phillips, S., et.al. Multiplex tests to identify gastrointestinal bacteria, viruses and parasites in people with suspected infectious gastroenteritis: a systematic review and economic analysis. Health Technol Assess, 2017. 21(23): p. 1-188., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28619124, https://njl-admin.nihr.ac.uk/document/download/2010487* Hitchcock, M. M., Gomez, C. A., Banaei, N., Low Yield of FilmArray GI Panel in Hospitalized Patients with Diarrhea: an Opportunity for Diagnostic Stewardship Intervention. J Clin Microbiol, 2018. 56(3):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29237784. Während bei positivem Nachweis in der konventionellen Diagnostik meist eine klare Infektionsdiagnose gestellt werden kann, müssen daher die Ergebnisse der Panel-Diagnostik im klinischen Zusammenhang kritisch bewertet und interpretiert werden.

Zusammenfassend steht den unbestreitbaren Vorteilen der Panel-Diagnostik – rasche Verfügbarkeit der Ergebnisse und breite Erregerabdeckung – der Nachteil einer schwer abzuschätzenden Rate unspezifischer und falsch positiver Ergebnisse entgegen, sodass die Methode als primäre Methode für einen Einsatz in der Basisdiagnostik nicht empfohlen wird. Bei gezieltem Einsatz unter Kenntnis der erläuterten Test-Charakteristika ist sie aber in bestimmten klinischen Situationen (z. B. schwere Erkrankung mit der Notwendigkeit einer raschen gezielten Therapie, schwere Diarrhö eines Reiserückkehrers, schwere Erkrankung und Verdacht auf Infektion mit einem schwer kultivierbaren oder hoch-infektiösen Erreger, Ausschlussdiagnostik bei stammzelltransplantierten Patienten mit Diarrhö, schwere Erkrankung bei Patient mit Immundefizienz (siehe Empfehlung 6.5) eine wertvolle Ergänzung des diagnostischen Methodenspektrums.

Literatur

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Muche, M, Siegmund, B, Epple, HJ. Molekulare Diagnostik der infektiösen Gastroenteritis.. Der Gastroenterologe 2020; 15: 153-8

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Freeman, K., Mistry, H., Tsertsvadze, A., et al. Multiplex tests to identify gastrointestinal bacteria, viruses and parasites in people with suspected infectious gastroenteritis: a systematic review and economic analysis. Health Technol Assess 2017; 21: 1-188

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Spina, A., Kerr, K. G., Cormican, M., et al. Spectrum of enteropathogens detected by the FilmArray GI Panel in a multicentre study of community-acquired gastroenteritis. Clin Microbiol Infect 2015; 21: 719-28

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Liu, J., Kabir, F., Manneh, J., et al. Development and assessment of molecular diagnostic tests for 15 enteropathogens causing childhood diarrhoea: a multicentre study. Lancet Infect Dis 2014; 14: 716-724

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Enserink, R., Scholts, R., Bruijning-Verhagen, P., et al. High detection rates of enteropathogens in asymptomatic children attending day care. PLoS One 2014; 9: e89496

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Axelrad, J. E., Freedberg, D. E., Whittier, S., et al. Impact of Gastrointestinal Panel Implementation on Health Care Utilization and Outcomes. J Clin Microbiol 2019; 57:

[7]

Hitchcock, M. M., Gomez, C. A., Banaei, N.. Low Yield of FilmArray GI Panel in Hospitalized Patients with Diarrhea: an Opportunity for Diagnostic Stewardship Intervention. J Clin Microbiol 2018; 56:

Konsensbasierte Empfehlung 3.8

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Maßnahmen bei Entlassung aus dem Krankenhaus

Bei Patienten, die mit einer infektiösen Gastroenteritis im Krankenhaus betreut wurden, sollte vor Entlassung, insbesondere wenn die Entlassung in eine Gemeinschaftseinrichtung erfolgt, eine ärztliche Einschätzung der Kontagiosität durchgeführt werden.

[1. Klug entscheiden]

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis VIII

Hintergrund

Werden Patienten aufgrund einer infektiösen Gastroenteritis im Krankenhaus behandelt und besteht nach Besserung des klinischen Bildes die Möglichkeit zur Entlassung in Gemeinschaftseinrichtungen des Gesundheitssystems (Alten- und Pflegeheime, Kurzzeitpflegeinrichtungen etc.), ist die Frage der Kontagiosität bzw. die Übertragungsgefahr auf Mitbewohner und Beschäftigte zu adressieren. Häufig werden „negative Stuhlkulturen“ gefordert, bevor eine Rückverlegung möglich ist. Da Erreger oder auch Toxine teilweise noch Wochen (bei immunsupprimierten Patienten unter Umständen sogar Monate) nach der akuten Erkrankung im Stuhl nachzuweisen sind, führt dieser Ansatz regelhaft zu Problemen. So wird z. B. bei Erkrankten mit Norovirus-Infektionen das Virus in der Regel noch 7 – 14 Tage, in Ausnahmefällen (z. B. bei Immunsuppression) aber auch noch über Wochen nach einer akuten Erkrankung über den Stuhl ausgeschieden. Bei Patienten mit CDI bleibt selbst nach adäquater Therapie und Sistieren der Symptomatik bei bis zu 30 % der Patienten der Toxinnachweis positiv * McFarland, L. V., Mulligan, M. E., Kwok, R. Y., Stamm, W. E., Nosocomial acquisition of Clostridium difficile infection. N Engl J Med, 1989. 320(4): p. 204-10..

Nach Expertenmeinung gilt, dass 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptomatik (Erbrechen, Diarrhö) die Kontagiosität des Patienten so stark reduziert ist, dass bei Einhaltung der üblichen hygienischen Maßnahmen (Basishygienemaßnahmen) weder für Familienangehörige, Mitbewohner und Pflegende, noch für andere Patienten ein erhöhtes Risiko besteht, und eine Unterbringung in Mehrbettzimmern in Krankenhäusern bzw. eine Entlassung in das häusliche Umfeld oder die Gemeinschaftseinrichtung möglich ist. Eine nach ärztlicher Einschätzung bei Entlassung noch bestehende Kontagiosität ist in Übereinstimmung mit den im Rahmenvertrag Entlassmanagement (nach § 39 Abs. 1a SGB V) dargelegten Prinzipien im Entlassungsbrief und im Pflegeüberleitungsbogen mitzuteilen.

Bei der Betreuung von Personen mit eingeschränktem Hygienebewusstsein (z. B. Personen mit Demenz) in Gemeinschaftseinrichtungen sind weitergehende hygienische Maßnahmen ggf. nach Maßgabe des im Einzelfall zuständigen und einbezogenen Gesundheitsamtes zu erwägen. Im Infektionsschutzgesetz ist geregelt, dass an Cholera-, Enteritis durch enterohämorrhagische E. coli (EHEC), Typhus abdominalis, Paratyphus oder Shigellose erkrankte Personen in Gemeinschaftseinrichtungen keine Tätigkeiten ausüben dürfen, bei denen sie Kontakt zu den dort betreuten Patienten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit ausgeschlossen werden kann. In der Regel werden hierfür von den Gesundheitsämtern 2 – 3 negative Stuhluntersuchungen gefordert. Nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts kann nach durchgemachter EHEC-Infektion auf Stuhluntersuchungen vor Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen verzichtet werden, wenn mittels NAT bereits in der Primärdiagnostik die Infektion mit einem HUS-assoziierten Shigatoxin-bildenden Stamm ausgeschlossen wurde * Pörtner K, Fruth A, Flieger A, Middendorf-Bauchart B, Mellmann A, Falkenhorst G, Aktualisierung der RKI-Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 IfSG. Epidemiol Bulletin, 2019. 47: p. 506-509..

Literatur

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McFarland, L. V., Mulligan, M. E., Kwok, R. Y., et al. Nosocomial acquisition of Clostridium difficile infection. N Engl J Med 1989; 320: 204-10

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Pörtner K, Fruth A, Flieger A, Middendorf-Bauchart B, Mellmann A, Falkenhorst G. Aktualisierung der RKI-Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 IfSG. Epidemiol Bulletin 2019; 47: 506-509

Konsensbasierte Empfehlung 3.9

Modifiziert 2023

Empfehlung

Konsens


Chronische Diarrhö

Bei chronischer Diarrhö sollte eine infektiöse Ursache ausgeschlossen werden.

Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis IX

Hintergrund

Beim Erwachsenen spricht man von einer chronischen Diarrhö, wenn die Durchfallsymptomatik länger als 4 Wochen besteht. Bei Kindern ist die Definition der chronischen Diarrhö bereits ab einer Dauer von 14 Tagen erfüllt. Die Ursachen der chronischen Diarrhö sind vielfältig und umfassen sowohl mikrobielle als auch nicht-mikrobielle Ursachen. Bei den ersteren nehmen intestinale Protozoen, wie Giardia lamblia, Cryptosporidium spp, und Entamoeba histolytica, eine besondere Rolle ein.

Die meisten mikrobiell bedingten Durchfälle werden beim Immungesunden innerhalb von 1 – 2 Wochen (durch die spezifischen Immunreaktionen) überwunden. Chronische Durchfälle können insbesondere bei Patienten mit Immundefekten (z. B. angeborene Immundefekte oder AIDS) auftreten. Begleitsymptome (z. B. blutige Stühle bei Infektion mit E. histolytica; Flatulenz bei G. lamblia) und vorbestehende Erkrankungen (z. B. HIV-Infektion bei Infektion mit Isospora belli oder Cryptosporidium ssp.) sowie Auslandsaufenthalte beeinflussen das differenzialdiagnostische Spektrum. Zum Erregerspektrum und der entsprechenden Diagnostik sei auf die Empfehlung und Hintergrundtexte im Kapitel „Diarrhö bei Immundefizienz“ verwiesen.

Der Nachweis intestinaler Protozoen erfolgt üblicherweise durch die mikroskopische Analyse des Stuhls. Da die Ausscheidung intermittierend sein kann und die mikroskopische Diagnostik eine geringe Sensitivität besitzt, sollten in der Regel drei Stuhlproben an verschiedenen Tagen untersucht werden. Darüber hinaus sind Koproantigennachweise in Form von Immunfluoreszenztests und ELISA-Kits verfügbar. Wegen der besseren Sensitivität und Spezifität werden in den letzten Jahren vermehrt Nukleinsäureamplifikationsverfahren (NAT) wie PCR oder LAMP (loop-mediated isothermal amplification) eingesetzt * Momcilovic, S., Cantacessi, C., Arsic-Arsenijevic, V., Otranto, D., Tasic-Otasevic, S., Rapid diagnosis of parasitic diseases: current scenario and future needs. Clin Microbiol Infect, 2019. 25(3): p. 290-309., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29730224. Weiterhin kann die Diagnose histologisch aus endoskopisch gewonnenen Gewebeproben (Dünndarm (Giardia) oder Dickdarm (Entamoeba)) gestellt werden * Wahnschaffe, U., Ignatius, R., Loddenkemper, C., Liesenfeld, O., Muehlen, M., Jelinek, T., et.al. Diagnostic value of endoscopy for the diagnosis of giardiasis and other intestinal diseases in patients with persistent diarrhea from tropical or subtropical areas. Scand J Gastroenterol, 2007. 42(3): p. 391-6., https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00365520600881193?needAccess=true* Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Kryptosporidiose, 2019. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Kryptosporidiose.html. Bzgl. der Diagnostik der infektiösen Gastroenteritis bei Reiserückkehrern wird auf Kapitel „Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern“ der Leitlinie verwiesen.

Literatur

[1]

Momcilovic, S., Cantacessi, C., Arsic-Arsenijevic, V., et al. Rapid diagnosis of parasitic diseases: current scenario and future needs. Clin Microbiol Infect 2019; 25: 290-309

[2]

Wahnschaffe, U., Ignatius, R., Loddenkemper, C., et al. Diagnostic value of endoscopy for the diagnosis of giardiasis and other intestinal diseases in patients with persistent diarrhea from tropical or subtropical areas. Scand J Gastroenterol 2007; 42: 391-6

[3]

Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Kryptosporidiose. 2019; 2021:

4. Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen

Klinisches Bild

Klinisches Bild

Konsensbasierte Empfehlung 4.1

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starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute infektiöse Gastroenteritis (AGE) ist durch eine plötzliche Änderung der Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz über das individuell übliche Maß hinaus (über 3x täglich) und fakultativ auch mit Erbrechen und Fieber gekennzeichnet und soll primär mit einer ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution behandelt werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen I

Hintergrund

In einer Studie bei Patienten, die sich wegen akuter Gastroenteritis in einer Notaufnahme vorstellten, war es bei 93 % zu Übelkeit gekommen, bei 89 % zu Durchfällen, bei 81 % zu Erbrechen und bei 76 % zu Bauchschmerzen * Bresee, J. S., Marcus, R., Venezia, R. A., Keene, W. E., Morse, D., Thanassi, M., et.al. The etiology of severe acute gastroenteritis among adults visiting emergency departments in the United States. J Infect Dis, 2012. 205(9): p. 1374-81., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22454468.

Abhängig vom Ausmaß der Diarrhö kann eine infektiöse Gastroenteritis auch beim Erwachsenen mit einem starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlust einhergehen, wobei insbesondere Patienten mit Komorbiditäten und ältere Patienten gefährdet sind. In der oben genannten Studie aus den USA war das allerdings nur bei 10 % der Patienten zutreffend.

Zeichen der Exsikkose und hierdurch bedingte Komplikationen bei älteren Patienten sind:

  • Stehende Hautfalten
  • Verzögerte Rekapillarisierungszeit (> 2sec)
  • Orthostatische Dysregulation und Stürze
  • Bewusstseinsstörungen, Delir
  • Nierenfunktionsstörungen, Oligurie bis hin zu einem akuten Nierenversagen
  • Obstipation
  • Rhabdomyolyse
  • Verschlechterung der Rheologie mit in der Folge erhöhter Gefahr eines akuten Myokardinfarktes oder apoplektischen Insults
  • Erhöhtes Dekubitusrisiko

Die wichtigste therapeutische Maßnahme bei allen Patienten mit infektiöser Gastroenteritis besteht in erster Linie aus einer ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution. Bei milden Fällen von akuter Gastroenteritis kann es ausreichend sein, zum Beispiel verdünnte Säfte mit Salzstangen oder Hühnerbrühe zu sich zu nehmen * Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A., ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol, 2016. 111(5): p. 602-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27068718. Bei Dehydration sollte die Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten primär in Form einer oralen Rehydration mithilfe einer speziellen glukose- oder komplexen kohlenhydratbasierten Elektrolytlösung erfolgen * Avery, M. E., Snyder, J. D., Oral therapy for acute diarrhea. The underused simple solution. N Engl J Med, 1990. 323(13): p. 891-4., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2203965* Carpenter, C. C., Greenough, W. B., Pierce, N. F., Oral-rehydration therapy--the role of polymeric substrates. N Engl J Med, 1988. 319(20): p. 1346-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3185638. Die WHO empfiehlt eine Salz- und Glukosetrinklösung (orale Rehydrationslösung (ORL), „WHO-Trinklösung“) mit einer Osmolarität von 245 mOsm/L und folgender Zusammensetzung: Glukose 13,5 g/L, Natriumchlorid 2,6 g/L, Kaliumchlorid 1,5 g/L und Natriumcitrat 2,6 g/L. Die WHO hat ihre ORL mittlerweile von ursprünglich 90 mmol/l Natrium (im Jahr 1975) auf 75 mmol/l (im Jahr 2002) angepasst an die typischen Verluste durch akute Cholera. Die europäische Kindergastroenterologengesellschaft ESPGHAN empfiehlt eine ORL mit einem Natriumgehalt von 60 mmol/L angepasst an die durch Rotavirusgastroenteritis zu erwartenden Natriumverluste. Die physiologische Grundlage für dieses Therapieprinzip ist mit dem in den Enterozyten vorhandenen, gekoppelten Kotransport von Natrium und Glukose verbunden. Natrium wird über den SGLT-1-Transporter effektiver aus dem Darmlumen aufgenommen, wenn es mit Glukose oder Galaktose transportiert werden kann. Wasser folgt dem gerichteten Natriumstrom passiv nach. In der ORL ist das Verhältnis von Natrium und Glukose so optimiert, dass eine maximale Natriumresorption und damit Wasseraufnahme erreicht wird. Die Rehydrationslösung sollte daher in der vorgeschriebenen Verdünnung in Wasser und nicht in anderen Getränken (z. B. Milch, Limonade) verabreicht werden. Aufgrund der optimierten Zusammensetzung und durch wissenschaftliche Studien belegten Wirksamkeit ist diese standardisierte ORL anderen Zubereitungen (z. B. gesüßter Tee in Kombination mit Salzgebäck oder mit Zucker und Salz angereicherter Fruchtsaftverdünnung) vorzuziehen. Ungeeignet zur oralen Rehydration sind reine Fruchtsäfte, Leitungswasser oder Limonade (z. B. Cola). Sie enthalten entweder zu viel Zucker, was die Diarrhösymptomatik durch osmotische Wirkung der Zucker verstärken kann, oder zu wenig bzw. im falschen Verhältnis Elektrolyte. Die Anwendung der ORL ist nahezu ausschließlich in der Pädiatrie wissenschaftlich untersucht worden * Posovszky, C., Buderus, S., Classen, M., Lawrenz, B., Keller, K. M., Koletzko, S., Acute Infectious Gastroenteritis in Infancy and Childhood. Dtsch Arztebl Int, 2020. 117(37): p. 615-624., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33263539. Die Ergebnisse und ihre praktische Umsetzung können jedoch ohne Einschränkungen auf erwachsene Patienten übertragen werden * Rao, S. S., Summers, R. W., Rao, G. R., Ramana, S., Devi, U., Zimmerman, B., et.al. Oral rehydration for viral gastroenteritis in adults: a randomized, controlled trial of 3 solutions. JPEN J Parenter Enteral Nutr, 2006. 30(5): p. 433-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16931613.

Literatur

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Bresee, J. S., Marcus, R., Venezia, R. A., et al. The etiology of severe acute gastroenteritis among adults visiting emergency departments in the United States. J Infect Dis 2012; 205: 1374-81

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Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A.. ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol 2016; 111: 602-22

[3]

Avery, M. E., Snyder, J. D.. Oral therapy for acute diarrhea. The underused simple solution. N Engl J Med 1990; 323: 891-4

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Carpenter, C. C., Greenough, W. B., Pierce, N. F.. Oral-rehydration therapy–the role of polymeric substrates. N Engl J Med 1988; 319: 1346-8

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Posovszky, C., Buderus, S., Classen, M., et al. Acute Infectious Gastroenteritis in Infancy and Childhood. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 615-624

[6]

Rao, S. S., Summers, R. W., Rao, G. R., et al. Oral rehydration for viral gastroenteritis in adults: a randomized, controlled trial of 3 solutions. JPEN J Parenter Enteral Nutr 2006; 30: 433-9

Konsensbasierte Empfehlung 4.2

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine stationäre Aufnahme von Patienten mit akuter Gastroenteritis soll erfolgen bei schwerer Dehydration (> 9 % Körpergewicht), Kreislaufschock, Bewusstseinsstörungen, unkontrollierbarem Erbrechen, gescheiterter oraler Rehydration und/oder drohender Dekompensation.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen II

Hintergrund

Als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sollen folgende Kriterien bewertet werden (Tabelle „Kriterien, die für eine stationäre Aufnahme sprechen“)

Tabelle 3: Kriterien, die für eine stationäre Aufnahme sprechen

  • schwere Dehydration (Gewichtsverlust > 9 %)
  • Volumenmangel-Schock
  • Schwere Bauchschmerzen, Subileus
  • Neurologische Symptome (Delir, Lethargie, Koma)
  • Zusätzliche Risikofaktoren (Alter >70 Jahre)
  • Komorbiditäten (z. B. Diabetes mellitus, Immunsuppression, Kurzdarmsyndrom, onkologische Grunderkrankung, Schwangerschaft)
  • nach Scheitern einer oralen Rehydration
  • bei nicht gesicherter adäquater ambulanter Umsetzung der Rehydration durch Betreuungsperson/en
  • bei Hinweis auf Ileus oder intestinale Transportstörung (z. B. Invagination)
  • bei anhaltend blutiger Diarrhö

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen II

Bei bestimmten akuten bakteriellen akuten Gastroenteritiden (z. B. durch Yersinien, EHEC, Campylobacter, Salmonellen) soll auf erregerspezifische Komplikationen wie Sepsis, Krampfanfälle oder, Nierenversagen, sowie mikroangiopathische (z. B. HUS, TTP), rheumatische und neurologische Folgeerkrankungen (z. B. Guillain-Barré-Syndrom, reaktive Arthritis) geachtet werden (Tabelle „Typische Komplikationen und Folgeerkrankungen bakterieller akuter Gastroenteritis“).

Tabelle 4: Typische Komplikationen und Folgeerkrankungen bakterieller akuter Gastroenteritis (Erreger in alphabetischer Reihenfolge)

* DGfPI, (DGPI), DGPI Handbuch - Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. , 6. Auflage edn:. Georg Thieme Verlag Stuttgart - New York, 2013.
ErregerKomplikationenBesonderheiten
Campylobacter spp.Cholezystitis, Vaskulitis, Erythema nodosum, Perikarditis, MyokarditisSelten
Septische Arthritis, WeichteilinfektionenSelten
PeritonitisInsbesondere bei Peritonealdialyse
Endokarditis, MeningitisNeugeborene
BakteriämienNeugeborene, Immundefizienz
AbortSehr selten, durch Campylobacter fetus
Hämolytische Anämie
Reaktive Arthritis, Reiter-Syndrom3 %, insbesondere bei HLA-B27-Nachwei
IgA-Nephropathie, Glomerulonephritis
Guillain-Barré-Syndrom, Miller-Fisher-Syndrom0,06 – 0,1 %
Häufig AK gegen GM1-Gangliosid
Postinfektiöses Reizdarmsyndrom* Scallan Walter, E. J., Crim, S. M., Bruce, B. B., Griffin, P. M., Postinfectious Irritable Bowel Syndrome After Campylobacter Infection. Am J Gastroenterol, 2019. 114(10): p. 1649-1656., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31567167
Clostridioides spp. Pseudomembranöse Kolitis, ggf. mit toxischemMegakolon und/oder DarmperforationDurch Clostridioides difficile, meist 4–10 Tage nach Antibiotikatherapie, selten bis 10 Wochen danach oder schon während der Antibiotikatherapie
Enteritis necroticansDurch Clostridioides perfringens Typ C
Ileus, Darmperforation, gastrointestinale Massenblutung
Tetraplegie, Bulbärparalyse
Septisch-toxisches Herz-Kreislaufversagen
Letalität 15 – 25 %
EHECHämorrhagische KolitisNicht selten, alle Altersgruppen
Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS)5 – 15 % der Kinder bis 6 Jahre mit EHEC-Infektion, seltener bei älterenMenschen, Niereninsuffizienz, 10–30 % terminal
Thrombotisch-Thrombozytopenische Purpura (TTP)Eher bei älteren Patienten
ListerienMeningitis, Meningoenzephalitis, Hirnabszess, Sepsis, Endokarditis, Hepatitis, Leberabszess, Endophthalmitis, Lymphadenitis, endovasale Infektionen von GefäßprothesenSehr selten, bei Immundefizienz oder Implantaten (Gelenke, Herz-
klappen, etc.)
Salmonella spp.BakteriämieBei jungen Säuglingen 10 %, sonst 5 – 6 %
Fokale Infektionen: Osteomyelitis
Hirnabszesse und Meningitis
Pneumonie und Pleuraempyem
Nierenabszesse
Endo-/Perikarditis
Eitrige Arthritis
Bakteriämie bei 10 % der Fälle, besonders bei Sichelzellkrankheit
Säuglingen und Immundefizienz
Besiedlung von endovasalem PlastikmaterialZentralvenöse Katheter, Kunststoffmaterial nach Herz- und Gefäß-Operationen
Prolongierte oder rezidivierende BakteriämieBei chronischer Bilharziose (Infektion mit Schistosomen (S. mansoni)
mit Salmonellen und somit einer Escape Option gegenüber der Anti-
biotikatherapie)
Reaktive ArthritisSelten in der ersten Lebensdekade, häufiger bei HLA-B27-Positiven
Erythema nodosum
Shigella spp.Toxisches Megakolon mit Darmperforation
RektumprolapsBei Kleinkindern
Atypische VerläufeBei Neugeborenen und jungen Säuglingen, erhöhte Letalität
Enzephalopathie mit Kopfschmerzen, Lethargie,Verwirrtheit und KrampfanfällenHäufiger bei Säuglingen und Kleinkindern, seltener bei älteren Kindern, kann letal verlaufen, Pathogenese ungeklärt
SepsisSelten, eher bei Malnutrition, meist S. dysenteriae-1-assoziiert
Bronchopneumonie, Myokarditis
Hämolytisch-Urämisches SyndromMeist durch S. dysenteriae 1
Disseminierte intravasale Gerinnung, Multiorganversagen
Reaktive Arthritis, Reiter-SyndromVor allem im Zusammenhang mit S. flexneri-Infektionen und HLA-B27
Glomerulonephritis
Staphylococcus aureusLebensmittelintoxikationMeist Enterotoxin-A bis E-assoziiert (Enterotoxine werden von 30 %
aller S. aureus-Stämme gebildet)
Toxisches Schock-Syndrom (TSS)Durch TSS-Toxin -1-bildende S. aureus
Selten, eher bei jüngeren Erwachsenen;
Gastroenteritis möglich, aber nicht obligat
YersinienIntestinale Blutung, Invagination, Ileumperforation
BakteriämieBei Säuglingen < 3 Monate bis zu 30 %
Sepsis mit Leber- und Milz-AbszessenSehr selten, eher bei Eisenüberladung mit und ohne Chelat-Therapie
Kawasaki-ähnliche SymptomeBei Kleinkindern
Erythema nodosum, Uveitis anterior, tubulo-interstitielle Nephritis, Glomerulonephritis, hämolytischeAnämieHäufiger bei Adoleszenten
Reaktive ArthritisHäufiger bei HLA-B27-positiven Kindern ab 6 Jahren, Übergang in
chronische juvenile Spondylarthritis möglich

Konsensbasierte Empfehlung 4.3

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Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer akuten Gastroenteritis ohne Dehydration sollten keine spezifischen diätetischen Restriktionen empfohlen werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen III

Hintergrund

Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis wird von restriktiven Diäten oder gar Teepausen abgeraten. Die Betroffenen dürfen alles essen, was sie vorher gewohnt waren und was sie tolerieren. Kleinere Mahlzeiten sind vermutlich günstiger als große bezüglich Übelkeit und Erbrechen. Bei anhaltendem Erbrechen sollte bei abdominellen Voroperationen auch an einen möglichen Bridenileus gedacht werden. Blande, ballaststoffarme und fettreduzierte Kost wie z. B. gekochte Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Hafer mit etwas Salz ist besonders geeignet, genauso Suppen, gekochtes Gemüse, Salzstangen, Bananen oder blander Joghurt. Die Sinnhaftigkeit der Empfehlung, Milch und Milchprodukte während und wochenlang nach einer akuten Gastroenteritis wegzulassen, wird fortwährend diskutiert, die Datenbasis ist aber sehr schwach * DuPont, H. L., Guidelines on acute infectious diarrhea in adults. The Practice Parameters Committee of the American College of Gastroenterology. Am J Gastroenterol, 1997. 92(11): p. 1962-75., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9362174* Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Lo Vecchio, A., Shamir, R., Szajewska, H., et.al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2014. 59(1): p. 132-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24739189. In einer Metaanalyse aus 2013 wird allerdings festgestellt, dass die Vermeidung von Laktose zu einer Verkürzung der Durchfalldauer bei Kindern beitragen kann * MacGillivray, S., Fahey, T., McGuire, W., Lactose avoidance for young children with acute diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev, 2013. p. CD005433., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24173771. Dennoch reicht die Evidenz nicht aus, um eine bestimmte Diät zu empfehlen.

Literatur

[1]

DuPont, H. L.. Guidelines on acute infectious diarrhea in adults. The Practice Parameters Committee of the American College of Gastroenterology. Am J Gastroenterol 1997; 92: 1962-75

[2]

Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., et al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014; 59: 132-52

[3]

MacGillivray, S., Fahey, T., McGuire, W.. Lactose avoidance for young children with acute diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2013; : CD005433

Konsensbasierte Empfehlung 4.4

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Eine orale Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten sollte, wenn möglich, auch bei stationären Patienten einer parenteralen Substitution vorgezogen werden.

[2. Klug entscheiden]

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen IV

Hintergrund

Erbrechen ist kein Symptom, das per se eine intravenöse Flüssigkeitstherapie notwendig macht. Die detaillierte und praxisorientierte Darstellung der oralen Rehydration im ausführlichen Bericht des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) belegt die Wirksamkeit der oben beschriebenen Vorgehensweise * King, C. K., Glass, R., Bresee, J. S., Duggan, C., Centers for Disease, Control, Prevention, Managing acute gastroenteritis among children: oral rehydration, maintenance, and nutritional therapy. MMWR Recomm Rep, 2003. 52(RR-16): p. 1-16., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14627948. Eine Kühlung erhöht die Akzeptanz der ORT (orale Rehydrationstherapie). Sollte das häufige Anbieten von Flüssigkeit in kleinen Mengen vom Löffel oder aus der Tasse nicht gelingen, kann alternativ eine kontinuierliche Rehydration über eine nasogastrale Sonde angeboten werden. In einer Studie bei Kindern mit akuter Gastroenteritis konnte gezeigt werden, dass die schnelle nasogastrale Rehydration ebenso sicher und effektiv ist wie die intravenöse Therapie * Nager, A. L., Wang, V. J., Comparison of nasogastric and intravenous methods of rehydration in pediatric patients with acute dehydration. Pediatrics, 2002. 109(4): p. 566-72., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11927697.

Metaanalysen bestätigen die Gleichwertigkeit der ORT (orale Rehydrationstherapie) und der intravenösen Rehydration bei der Behandlung dehydrierter Kinder * Fonseca, B. K., Holdgate, A., Craig, J. C., Enteral vs intravenous rehydration therapy for children with gastroenteritis: a meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Pediatr Adolesc Med, 2004. 158(5): p. 483-90., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15123483* Hartling, L., Bellemare, S., Wiebe, N., Russell, K., Klassen, T. P., Craig, W., Oral versus intravenous rehydration for treating dehydration due to gastroenteritis in children. Cochrane Database Syst Rev, 2006. p. CD004390., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16856044. Diese Empfehlungen und Beurteilungen sind auch Bestandteil der evidenzbasierten Leitlinie der ESPGHAN zur akuten Gastroenteritis von 2008 und ihrer Aktualisierung 2014 * Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Lo Vecchio, A., Shamir, R., Szajewska, H., et.al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2014. 59(1): p. 132-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24739189* Guarino, A., Albano, F., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Hoekstra, J.H., Shamir, R., et.al. European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Paediatric Infectious Diseases Evidence-based Guidelines for the Management of Acute Gastroenteritis in Children in Europe. JPGN, 2008. 46:: p. S81–S122..

Die Risiken und Nebenwirkungen einer intravenösen Therapie sind hinlänglich bekannt und nicht zu unterschätzen, eine Anleitung zur Vermeidung von Nebenwirkungen gibt es u. a. bereitgestellt durch das Robert-Koch-Institut (RKI) sowie von internationalen Gesellschaften, z. B. (CDC). Ein besonderes Risiko besteht in der Entwicklung von Blutstrominfektionen, insbesondere Infektionen mit Staphylococcus aureus * Sato, A., Nakamura, I., Fujita, H., Tsukimori, A., Kobayashi, T., Fukushima, S., et.al. Peripheral venous catheter-related bloodstream infection is associated with severe complications and potential death: a retrospective observational study. BMC Infect Dis, 2017. 17(1): p. 434., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28623882. Somit sollte die Indikation zur intravenösen Flüssigkeitstherapie sorgfältig gestellt werden.

Die Mengenangaben zur Flüssigkeitstherapie basieren auf Flüssigkeitsdefiziten, die bei leichter bis mäßiger Dehydration im Rahmen einer akuten Gastroenteritis bestehen und in den Studien verwendet wurden, die der Leitlinie zugrunde liegen. Die schnelle Rehydration über 4 Stunden ist praktikabel und besonders geeignet, den Erfolg der ORT im ambulanten Setting zu überprüfen, oder im prästationären Setting zu entscheiden, ob doch eine vollstationäre Versorgung notwendig ist.

Studiendaten belegen, dass die ORT gegenüber der intravenösen Rehydration schneller in der Notaufnahme begonnen wird und nach 4 Stunden weniger Kinder der ORT Gruppe eine stationäre Aufnahme benötigen (30,6 % im Vergleich zu 48,7 %) * Spandorfer, P. R., Alessandrini, E. A., Joffe, M. D., Localio, R., Shaw, K. N., Oral versus intravenous rehydration of moderately dehydrated children: a randomized, controlled trial. Pediatrics, 2005. 115(2): p. 295-301., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15687435.

Literatur

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King, C. K., Glass, R., Bresee, J. S., et al. Managing acute gastroenteritis among children: oral rehydration, maintenance, and nutritional therapy. MMWR Recomm Rep 2003; 52: 1-16

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Nager, A. L., Wang, V. J.. Comparison of nasogastric and intravenous methods of rehydration in pediatric patients with acute dehydration. Pediatrics 2002; 109: 566-72

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Fonseca, B. K., Holdgate, A., Craig, J. C.. Enteral vs intravenous rehydration therapy for children with gastroenteritis: a meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Pediatr Adolesc Med 2004; 158: 483-90

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Hartling, L., Bellemare, S., Wiebe, N., et al. Oral versus intravenous rehydration for treating dehydration due to gastroenteritis in children. Cochrane Database Syst Rev 2006; : CD004390

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Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., et al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014; 59: 132-52

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Guarino, A., Albano, F., Ashkenazi, S., et al. European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Paediatric Infectious Diseases Evidence-based Guidelines for the Management of Acute Gastroenteritis in Children in Europe. JPGN 2008; 46:: S81–S122

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Sato, A., Nakamura, I., Fujita, H., et al. Peripheral venous catheter-related bloodstream infection is associated with severe complications and potential death: a retrospective observational study. BMC Infect Dis 2017; 17: 434

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Spandorfer, P. R., Alessandrini, E. A., Joffe, M. D., et al. Oral versus intravenous rehydration of moderately dehydrated children: a randomized, controlled trial. Pediatrics 2005; 115: 295-301

Empfehlung 4.5

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Die Rehydration soll unter Berücksichtigung der Bilanzierung, Urinproduktion, Kreislaufparameter, ggf. über Gewichtskontrolle, erfolgen. Mit der Evaluierung der oralen Rehydration soll zu Hause, in der Pflegeeinrichtung bzw. Krankenhaus unverzüglich begonnen werden.
  • Bei Hypovolämie sollen bis zu 4 Liter orale Rehydrationslösung (ORL) in den ersten 4 Stunden unter Berücksichtigung der kardialen Funktion verabreicht werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen V

Hintergrund

In der Häuslichkeit können bei milder akuter Gastroenteritis primär Wasser, Tees und verdünnte Fruchtsäfte als Flüssigkeitssubstitution zum Einsatz kommen, bis ORL aus der Apotheke zur Verfügung stehen. Andererseits sollten in jeder Hausapotheke auch 1 – 2 Packungen einer ORL vorrätig sein, die bei unbeschädigter Verpackung sehr lange haltbar sind. In den Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollte es kein Problem sein, diese günstigen und effektiven Medikamente auf Station vorzuhalten neben klaren schriftlichen Anweisungen für den korrekten Einsatz (SOP) sowie ggfs. für die Anlage einer Magensonde.

Der Erwachsene mit akuter Gastroenteritis zu Hause soll darauf achten, nach jedem Stuhlgang Wasser/Tees/verdünnte Fruchtsäfte in ausreichender Menge (> 2 l pro 24 h) zu sich zu nehmen. In der ESPEN-Leitlinie von 2018 wird für geriatrische Patienten ein täglicher Grundbedarf von 2,0 Liter für Männer und 1,6 Liter für Frauen angegeben * Volkert, D., Beck, A. M., Cederholm, T., Cruz-Jentoft, A., Goisser, S., Hooper, L., et.al. ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr, 2019. 38(1): p. 10-47., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30005900.

Die in den Apotheken verfügbaren ORL sind sicher und effektiv – sowohl in der Häuslichkeit als auch in Kliniken und Altersheimen – werden aber in den westlichen Ländern im Gegensatz zu unterprivilegierten Ländern unterdurchschnittlich eingesetzt. Intersektorale Hemmnisse im Gesundheitssystem und der Mangel an Pflegekräften sind dafür ursächlich.

Es gibt die Möglichkeit, eine ORL nach WHO-Angaben selbst herzustellen, was aber im individuellen Herstellungsprozess naturgemäß mit Unsicherheiten und Fehlerhaftigkeit behaftet ist (z. B. Tassengröße, Teelöffel flach versus gehäuft). Die WHO empfiehlt, auf 1 Liter Wasser 4 Teelöffel Haushaltszucker, einen ¾ Teelöffel Salz und 1 Tasse Orangensaft oder 2 zerdrückte Bananen zuzugeben. Für Empfehlungen zur Rehydration bei Säuglingen und Kleinkindern wird auf die entsprechende Leitlinie der ESPGHAN zur akuten Gastroenteritis von 2008 und ihrer Aktualisierung 2014 verwiesen * Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Lo Vecchio, A., Shamir, R., Szajewska, H., et.al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2014. 59(1): p. 132-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24739189* Guarino, A., Albano, F., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Hoekstra, J.H., Shamir, R., et.al. European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Paediatric Infectious Diseases Evidence-based Guidelines for the Management of Acute Gastroenteritis in Children in Europe. JPGN, 2008. 46:: p. S81–S122..

Literatur

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Volkert, D., Beck, A. M., Cederholm, T., et al. ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr 2019; 38: 10-47

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Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., et al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014; 59: 132-52

[3]

Guarino, A., Albano, F., Ashkenazi, S., et al. European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Paediatric Infectious Diseases Evidence-based Guidelines for the Management of Acute Gastroenteritis in Children in Europe. JPGN 2008; 46:: S81–S122

Konsensbasierte Empfehlung 4.6

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine intravenöse Rehydration soll erfolgen:

  • Bei > 10 % Gewichtsverlust
  • bei Scheitern einer oralen oder nasogastralen Rehydration
  • bei persistierendem Erbrechen (> 5x/Tag)
  • bei Schockzustand
  • bei Vigilanzeinschränkung / Aspirationsgefahr
  • bei schwerer Azidose (pH < 7,25; BE < -15mmol/l) oder Hypo- oder Hypernatriämie
  • bei Symptomen eines Ileus/Passagestörung

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen VI

Hintergrund

Trotz Erbrechens gelingt meist die orale Aufnahme von kleinen Mengen gekühlter ORL in häufigen, kürzeren Abständen (trinken oder per Löffel), als Alternative bietet sich – z. B. auch bei Schluckstörungen – die Anlage einer nasogastralen Sonde an.

Bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz und Senioren > 80 Jahre kann auch bereits bei einer akuten Gastroenteritis und nur 5 – 7 % Gewichtsverlust eine intravenöse Rehydration bei Klinikvorstellung erwogen werden.

Eine intravenöse Rehydration soll nicht mit hypotonen, sondern stets mit Vollelektrolytlösungen, z. B. Ringer-Lösung, erfolgen. Liegt kein Schock vor, soll mit einer schnellen Phase von 20 ml/kg KG isotoner Infusionslösung über 2 – 4 Stunden begonnen werden, im Schock sollen 20 – 40ml/kg KG über 15 – 30 Minuten verabreicht werden. Nach der initialen Schockbehandlung wird die intravenöse Erhaltungstherapie fortgesetzt bzw. es sollte versucht werden, auch eine orale Rehydrationstherapie zu beginnen * Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Lo Vecchio, A., Shamir, R., Szajewska, H., et.al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2014. 59(1): p. 132-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24739189.

Bei Patienten mit intravenösem Rehydrationsbedarf ist es sinnvoll, die Serumelektrolyte, Kreatinin, Harnstoff, Säure-Basen-Status, Blutzucker und Blutbild zu bestimmen. Insbesondere der Natriumspiegel beeinflusst die Rehydration. Erhöhte Werte für Natrium, Kalium, Blutzucker, Kreatinin und Harnstoff korrelieren mit dem Grad der Dehydration * Hayajneh, W. A., Jdaitawi, H., Al Shurman, A., Hayajneh, Y. A., Comparison of clinical associations and laboratory abnormalities in children with moderate and severe dehydration. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2010. 50(3): p. 290-4., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19644395. Alltagspraktisch geeignet ist die Bestimmung von Elektrolyten, Blutzucker, Hb und des Säurebasenhaushalts bei der intravenösen Infusionsanlage. Für detaillierte Angaben zum Vorgehen bei Kindern mit akuter Gastroenteritis sei auf die pädiatrische Leitlinie akute Gastroenteritis verwiesen * Posovszky, C., Buderus, S., Classen, M., Lawrenz, B., Keller, K. M., Koletzko, S., Acute Infectious Gastroenteritis in Infancy and Childhood. Dtsch Arztebl Int, 2020. 117(37): p. 615-624., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33263539.

Eine Hypokaliämie sollte unter Berücksichtigung der Nierenfunktion ausgeglichen werden.

Offenbar genügt es in den Fällen von akuter Gastroenteritis mit erfolgreicher oraler Rehydration, zur Korrektur einer Hypokaliämie ausschließlich ORL einzusetzen: In einer randomisierten Studie aus Indien mit 60 Erwachsenen und akuter Gastroenteritis mit Dehydration und Rehydration mit 2 verschiedenen ORL vs. einem Sportdrink konnte dokumentiert werden, dass bei allen drei Konzepten eine Verbesserung der Durchfallsymptome und des Gewichts erreicht werden konnte, eine Korrektur der Hypokaliämie gelang jedoch nur mit definierten ORL * Rao, S. S., Summers, R. W., Rao, G. R., Ramana, S., Devi, U., Zimmerman, B., et.al. Oral rehydration for viral gastroenteritis in adults: a randomized, controlled trial of 3 solutions. JPEN J Parenter Enteral Nutr, 2006. 30(5): p. 433-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16931613.

Eine Anhebung der Kaliumkonzentration in der Infusionslösung auf 20 mmol/l sollte bei erhöhtem Kaliumbedarf erst nach Einsetzen der Urinproduktion erfolgen. Kaliumkontrollen im Rahmen der intravenösen Rehydration sind erforderlich. Patienten können auch bei Oligurie/Anurie eine bedrohliche substitutionspflichtige Hypokaliämie infolge Diarrhö und Erbrechen entwickeln, so dass sie engmaschig überwacht werden müssen.

Bei Patienten mit schwerem Krankheitsbild ist eine regelmäßige Re-Evaluation alle 4 – 8 Stunden bis zur klinischen Besserung erforderlich. Dazu gehören:

  • Klinische Einschätzung (CDS-Score, Bewusstseinszustand, Ödeme)
  • Gewicht
  • Urinproduktion
  • Laborkontrollen in Abhängigkeit von Initialbefunden und Schweregrad der Erkrankung

Literatur

[1]

Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., et al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014; 59: 132-52

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Hayajneh, W. A., Jdaitawi, H., Al Shurman, A., et al. Comparison of clinical associations and laboratory abnormalities in children with moderate and severe dehydration. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2010; 50: 290-4

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Posovszky, C., Buderus, S., Classen, M., et al. Acute Infectious Gastroenteritis in Infancy and Childhood. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 615-624

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Rao, S. S., Summers, R. W., Rao, G. R., et al. Oral rehydration for viral gastroenteritis in adults: a randomized, controlled trial of 3 solutions. JPEN J Parenter Enteral Nutr 2006; 30: 433-9

Supplementäre und medikamentöse Therapie bei akuter infektiöser Gastroenteritis

Supplementäre und medikamentöse Therapie bei akuter infektiöser Gastroenteritis

Konsensbasierte Empfehlung 4.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Probiotika sollen bei akuter Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen VII

Hintergrund

Probiotika werden entweder als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, einzelne Probiotika mit definierter Spezies auch als Arzneimittel angeboten * Passariello, Annalisa, Agricole, Pascal, Malfertheiner, Peter, A critical appraisal of probiotics (as drugs or food supplements) in gastrointestinal diseases. Current Medical Research and Opinion, 2014. 30(6): p. 1055-1064., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24568124. Sie stellen eine heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Mikroorganismen (Bakterien, Hefen etc.) dar, die miteinander kaum vergleichbar sind.

Ein älterer Cochrane-Review von 2010, in dem 63 RCTs mit insgesamt 8014 behandelten Patienten analysiert wurden, deutete zunächst darauf hin, dass der Verlauf einer akuten infektiösen Gastroenteritis durch die Gabe von Probiotika positiv beeinflusst werden könnte. Von den insgesamt 8014 eingeschlossenen Studienteilnehmern waren jedoch nur 352 Patienten älter als 18 Jahre, daher war eine Aussage für Erwachsene nicht möglich. Darüber hinaus konstatieren die Autoren eine hohe Heterogenität der zusammengefassten Studien, in erster Linie bezüglich der verwendeten Präparate (u.a. Bifidobakterien, Lactobacillus spp., E. coli Nissle 1917, Saccharomyces boulardii), aber auch die Studienendpunkte betreffend. Die methodische Qualität einiger der bis dahin durchgeführten Studien war limitiert und die Zahl der eingeschlossenen Probanden gering. Zusätzlich bestanden Bedenken bezüglich eines möglichen Bias hinsichtlich der vorzugsweisen Publikation von Positivergebnissen. Es zeigte sich deutlich die Notwendigkeit für neue groß angelegte und hochqualitative Studien.

In zwei aufwändig durchgeführten, in 2018 publizierten randomisierten, doppel-blinden Studien wurde der Effekt einer probiotischen Therapie mit Lactobacillus spp. auf den Verlauf einer akuten Gastroenteritis bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu einem Alter von 4 Jahren untersucht * Freedman, S. B., Williamson-Urquhart, S., Farion, K. J., Gouin, S., Willan, A. R., Poonai, N., et.al. Multicenter Trial of a Combination Probiotic for Children with Gastroenteritis. N Engl J Med, 2018. 379(21): p. 2015-2026., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30462939* Schnadower, D., Tarr, P. I., Casper, T. C., Gorelick, M. H., Dean, J. M., O'Connell, K. J., et.al. Lactobacillus rhamnosus GG versus Placebo for Acute Gastroenteritis in Children. N Engl J Med, 2018. 379(21): p. 2002-2014., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30462938. In diese Studien wurden 886 bzw. 971 Patienten eingeschlossen. Die Therapie mit einem Probiotikum hatte in beiden Studien weder einen Effekt auf die Dauer der Diarrhö noch auf die anderen untersuchten Endpunkte. Auf Basis dieser und anderer zwischenzeitlich publizierter Studien wurde im aktualisierten Cochrane-Review von 2020 * Collinson, S., Deans, A., Padua-Zamora, A., Gregorio, G. V., Li, C., Dans, L. F., et.al. Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev, 2020. 12: p. CD003048., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33295643 die Evidenz für die Therapie der akuten infektiösen Diarrhö mit Probiotika erneut untersucht. Insgesamt wurden 82 Studien mit 12.127 Patienten eingeschlossen. Der Schwerpunkt lag erneut im pädiatrischen Patientenkollektiv (n = 11.526) und nur 412 Patienten waren Erwachsene. Es konnte wiederum kein Effekt auf die Dauer der Diarrhö, die Wahrscheinlichkeit der Hospitalisierung oder die Häufigkeit des Auftretens persistierender Diarrhö ≥ 14 Tage festgestellt werden. Lediglich die Dauer des Krankenhausaufenthaltes zeigte sich unter Probiotikatherapie leicht verringert bei allerdings erheblicher Heterogenität zwischen den Studien, weshalb die Autoren schlussfolgerten, dass unklar sei, ob Probiotika wirklich die Dauer des Krankenhausaufenthalts verringern können. Schwere Nebenwirkungen infolge der Probiotikatherapie wurden indes nicht berichtet.

Die Autoren des Cochrane-Reviews konstatierten, dass es in dieser Fragestellung wahrscheinlich zu einem Publikationsbias zugunsten der Veröffentlichung von (kleineren) Studien mit Positivergebnissen kommt und insgesamt die Ergebnisse des Reviews die Nutzung von Probiotika in dieser Indikation nicht unterstützen.

Studien zum Einsatz von Probiotika in dieser Indikation bei Erwachsenen sind weiterhin kaum publiziert. 

In der 2019 veröffentlichten pädiatrischen S2k-Leitlinie zur akuten infektiösen Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter (AWMF 068-003) wurde noch die Empfehlung II.3.1 formuliert: “Der Einsatz bestimmter Probiotika in Ergänzung zur Rehydration kann erwogen werden.” Diese Empfehlung basierte auf der damals vorhandenen Literatur sowie dem ersten Cochrane Review von 2010, in dem noch Hinweise auf einen möglichen Nutzen der Probiotika gesehen wurden * Allen, S. J., Martinez, E. G., Gregorio, G. V., Dans, L. F., Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev, 2010. 2010(11): p. CD003048., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21069673. Die mittlerweile vorliegenden oben genannten großen Negativstudien * Freedman, S. B., Williamson-Urquhart, S., Farion, K. J., Gouin, S., Willan, A. R., Poonai, N., et.al. Multicenter Trial of a Combination Probiotic for Children with Gastroenteritis. N Engl J Med, 2018. 379(21): p. 2015-2026., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30462939* Schnadower, D., Tarr, P. I., Casper, T. C., Gorelick, M. H., Dean, J. M., O'Connell, K. J., et.al. Lactobacillus rhamnosus GG versus Placebo for Acute Gastroenteritis in Children. N Engl J Med, 2018. 379(21): p. 2002-2014., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30462938 werden daher erst in die nächste pädiatrische Leitlinie eingearbeitet werden. Zusätzlich haben auch weitere neuere Untersuchungen einen Nutzen von Probiotika bei akuter Gastroenteritis ebenfalls nicht belegen können. So hat eine Arbeitsgruppe der europäischen pädiatrischen Gastroenterologen (ESPGHAN), festgestellt, dass der Einsatz verschiedener Probiotika für Kinder mit akuter Gastroenteritis allenfalls nur schwache, für andere wie Lactobacillus rhamnosus R0011 und Lactobacillus helveticus R0052 gar keine Vorteile bietet * Szajewska, H., Guarino, A., Hojsak, I., Indrio, F., Kolacek, S., Orel, R., et.al. Use of Probiotics for the Management of Acute Gastroenteritis in Children: An Update. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2020. 71(2): p. 261-269., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32349041. Ähnlich waren auch die Schlussfolgerungen eines AGA technical review * Preidis, G. A., Weizman, A. V., Kashyap, P. C., Morgan, R. L., AGA Technical Review on the Role of Probiotics in the Management of Gastrointestinal Disorders. Gastroenterology, 2020. 159(2): p. 708-738 e4., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32531292.

Zusammenfassend gibt es daher weder bei Kindern noch bei Erwachsenen hinreichende Evidenz, die den routinemäßigen Einsatz von Probiotika zur Therapie der akuten infektiösen Gastroenteritis bei Kindern oder Erwachsenen außerhalb von klinischen Studien rechtfertigt.

Literatur

[1]

Passariello, Annalisa, Agricole, Pascal, Malfertheiner, Peter. A critical appraisal of probiotics (as drugs or food supplements) in gastrointestinal diseases. Current Medical Research and Opinion 2014; 30: 1055-1064

[2]

Freedman, S. B., Williamson-Urquhart, S., Farion, K. J., et al. Multicenter Trial of a Combination Probiotic for Children with Gastroenteritis. N Engl J Med 2018; 379: 2015-2026

[3]

Schnadower, D., Tarr, P. I., Casper, T. C., et al. Lactobacillus rhamnosus GG versus Placebo for Acute Gastroenteritis in Children. N Engl J Med 2018; 379: 2002-2014

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Collinson, S., Deans, A., Padua-Zamora, A., et al. Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2020; 12: CD003048

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Allen, S. J., Martinez, E. G., Gregorio, G. V., et al. Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2010; 2010: CD003048

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Szajewska, H., Guarino, A., Hojsak, I., et al. Use of Probiotics for the Management of Acute Gastroenteritis in Children: An Update. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2020; 71: 261-269

[7]

Preidis, G. A., Weizman, A. V., Kashyap, P. C., et al. AGA Technical Review on the Role of Probiotics in the Management of Gastrointestinal Disorders. Gastroenterology 2020; 159: 708-738 e4

Empfehlung 4.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Antiemetika können im Erwachsenenalter kurzfristig zum Einsatz kommen
  • Antiemetika sollen im Kindesalter nicht zur Therapie der akuten Gastroenteritis verwendet werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen VIII

Hintergrund

Obwohl kontrollierte Studien zur antiemetischen Therapie bei akuter infektiöser Gastroenteritis mit rezidivierendem Erbrechen bei erwachsenen Patienten nicht vorliegen, kann zusätzlich zu einer oralen Rehydrierung eine antiemetische Therapie mit zum Beispiel Metoclopramid oder Ondansetron versucht werden. Studien aus dem Bereich der Pädiatrie zeigen, dass eine orale oder parenterale Therapie mit diesen Substanzen die Symptomatik erfolgreich reduziert und Krankenhausaufenthalte vermindert * Fedorowicz, Z., Jagannath, V. A., Carter, B., Antiemetics for reducing vomiting related to acute gastroenteritis in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev, 2011. p. CD005506., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21901699. Metoclopramid soll nur kurzfristig und vorübergehend eingesetzt werden, zu beachten ist auch die prokinetische Wirkung, die möglicherweise begleitende Diarrhöen verstärken kann.

In der Pädiatrie liegen Studien zur Symptomkontrolle von Nausea und Emesis unter Ondansetron vor * Florez, I. D., Nino-Serna, L. F., Beltran-Arroyave, C. P., Acute Infectious Diarrhea and Gastroenteritis in Children. Curr Infect Dis Rep, 2020. 22(2): p. 4., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31993758, jedoch kann eine Empfehlung zum Einsatz beim Erwachsenen mangels Daten nicht eindeutig ausgesprochen werden. So gibt es in den pädiatrischen Studien Hinweise, dass Ondansetron die Rate erfolgreicher oraler Rehydration verbessern und die Notwendigkeit von intravenöse Flüssigkeitstherapie reduzieren kann. Eine Metaanalyse * Das, J. K., Kumar, R., Salam, R. A., Freedman, S., Bhutta, Z. A., The effect of antiemetics in childhood gastroenteritis. BMC Public Health, 2013. 13 Suppl 3: p. S9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24564795 belegt, dass die Rate des Erbrechens und die Notwendigkeit einer Hospitalisierung etwa halbiert werden kann. Obwohl in Studien die Effektivität nachgewiesen wurde, besteht für den Einsatz bei Kleinkindern große Zurückhaltung im Hinblick auf QTc-Zeit-Verlängerungen. Daher wird es in den aktuellen pädiatrischen Leitlinien nicht berücksichtigt * Dalby-Payne, J. R., Elliott, E. J., Gastroenteritis in children. BMJ Clin Evid, 2011. 2011:, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21791124* Lo Vecchio, A., Vandenplas, Y., Benninga, M., Broekaert, I., Falconer, J., Gottrand, F., et.al. An international consensus report on a new algorithm for the management of infant diarrhoea. Acta Paediatr, 2016. 105(8): p. e384-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27101938. 2012 und 2013 wurde in Deutschland ein „Rote-Hand-Brief“ des Herstellers des Originalpräparates veröffentlicht mit dem Hinweis auf QTc-Zeit-Verlängerungen vor allem bei älteren Patienten, die das Medikament intravenös erhielten * BfArM, Information Letter on Zofran® (ondansetron) and generic medicinal products: Risk of QTc prolongation, 2018. p. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/EN/RHB/2013/info-zofran.html).. Dort wird darauf verwiesen, dass insbesondere Patienten mit Elektrolytstörungen ein erhöhtes Risiko aufwiesen, so dass empfohlen wird, eine Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie vor Einsatz von Ondansetron zu korrigieren. Die FDA hat aus ähnlichen Beweggründen 2011 empfohlen, vor der Verwendung von Ondansetron ein EKG zu schreiben * MedWatch, The FDA Safety Information and Adverse Event Reporting Program. Zofran (ondansetron): Drug Safety Communication—Risk of Abnormal Heart Rhythms, 2011.. Weiterhin besitzt Ondansetron keine Zulassung für die Indikation „Erbrechen bei akuter Gastroenteritis“ in Deutschland und Österreich. Somit handelt es sich bei der Verabreichung im Rahmen einer akuten Gastroenteritis um einen aufklärungspflichtigen „off-label-use“.

Traditionell wird in Deutschland als Antiemetikum zusätzlich Dimenhydrinat verwendet, welches in einer Studie die Rate an Erbrechen signifikant reduzierte, aber zu keiner signifikanten Reduktion der Krankenhausaufnahmerate führte * Uhlig, U., Pfeil, N., Gelbrich, G., Spranger, C., Syrbe, S., Huegle, B., et.al. Dimenhydrinate in children with infectious gastroenteritis: a prospective, RCT. Pediatrics, 2009. 124(4): p. e622-32., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19752076. Im Hinblick auf den vermutlich geringen Nutzen von Dimenhydrinat und der gleichzeitig sedierenden Wirkung, die die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren kann, sowie angesichts einer möglichen toxischen Wirkung sollte das Medikament nicht bei Kindern mit einer banalen akuten Gastroenteritis eingesetzt werden * Posovszky, C., Buderus, S., Classen, M., Lawrenz, B., Keller, K. M., Koletzko, S., Acute Infectious Gastroenteritis in Infancy and Childhood. Dtsch Arztebl Int, 2020. 117(37): p. 615-624., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33263539.

Literatur

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Fedorowicz, Z., Jagannath, V. A., Carter, B.. Antiemetics for reducing vomiting related to acute gastroenteritis in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2011; : CD005506

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Florez, I. D., Nino-Serna, L. F., Beltran-Arroyave, C. P.. Acute Infectious Diarrhea and Gastroenteritis in Children. Curr Infect Dis Rep 2020; 22: 4

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Das, J. K., Kumar, R., Salam, R. A., et al. The effect of antiemetics in childhood gastroenteritis. BMC Public Health 2013; 13 Suppl 3: S9

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Dalby-Payne, J. R., Elliott, E. J.. Gastroenteritis in children. BMJ Clin Evid 2011; 2011:

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Lo Vecchio, A., Vandenplas, Y., Benninga, M., et al. An international consensus report on a new algorithm for the management of infant diarrhoea. Acta Paediatr 2016; 105: e384-9

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BfArM. Information Letter on Zofran® (ondansetron) and generic medicinal products: Risk of QTc prolongation. 2018; : https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/EN/RHB/2013/info-zofran.html)

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MedWatch. The FDA Safety Information and Adverse Event Reporting Program. Zofran (ondansetron): Drug Safety Communication—Risk of Abnormal Heart Rhythms. 2011; :

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Uhlig, U., Pfeil, N., Gelbrich, G., et al. Dimenhydrinate in children with infectious gastroenteritis: a prospective, RCT. Pediatrics 2009; 124: e622-32

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Posovszky, C., Buderus, S., Classen, M., et al. Acute Infectious Gastroenteritis in Infancy and Childhood. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 615-624

Konsensbasierte Empfehlung 4.9

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Loperamid kann bei Erwachsenen mit akuter Gastroenteritis ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl für < 48 Stunden verwendet werden.

Konsensbasierte Empfehlung 4.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Loperamid soll bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter nicht eingesetzt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 4.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die anderen erhältlichen Antidiarrhoika wie z. B. pflanzliche Substanzen (Uzara, getrocknetes Apfelpulver) oder Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe sollen bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 4.12

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine symptomatische analgetische/spasmolytische Therapie kann gemäß des Stufenschemas der WHO mit Paracetamol, Opioiden sowie Butylscopolamin intravenös durchgeführt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 4.13

2023

Empfehlung

Starker Konsens


Metamizol sollte aufgrund seines Nebenwirkungsprofils (u. a. Agranulozytose, medikamenten-allergisches Leberversagen) in dieser Indikation nicht eingesetzt werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XIII

Hintergrund

Loperamid ist ein oral wirksames synthetisches Antidiarrhoikum, das zur symptomatischen Therapie des Krankheitsbilds angewendet werden kann. Es bindet sich an die µ-Opiatrezeptoren in der Darmwand und zeichnet sich durch einen raschen Wirkungseintritt aus. Loperamid blockiert einerseits die Freisetzung von Acetylcholin und Prostaglandin, wodurch die propulsive Peristaltik durch segmentale Kontraktion gehemmt und so die intestinale Transitzeit verlängert wird * Schiller, L. R., Santa Ana, C. A., Morawski, S. G., Fordtran, J. S., Mechanism of the antidiarrheal effect of loperamide. Gastroenterology, 1984. 86(6): p. 1475-80., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6714575. Zusätzlich wird der Tonus des Analsphinkters erhöht, was eine Inkontinenzsymptomatik reduziert und den Stuhldrang herabsetzt. Daneben wird der Substanz durch die Hemmung von Calmodulin und Beeinflussung der intrazellulären Kalziumkonzentration antisekretorische Wirkung zu geschrieben * Stoll, R., Ruppin, H., Domschke, W., Calmodulin-mediated effects of loperamide on chloride transport by brush border membrane vesicles from human ileum. Gastroenterology, 1988. 95(1): p. 69-76., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2836258.

Obwohl ein Großteil des eingenommenen Loperamids über den Darm absorbiert wird, liegt die systemische Verfügbarkeit aufgrund eines ausgeprägten First-Pass-Effekts nur bei rund 0,3 %. Studien zur Anwendung von Loperamid wurden in der Mehrzahl der Fälle in Kombination mit einem Antibiotikum (Rifaximin, Trimethoprim–Sulfamethoxazol, Fluorchinolone, Azithromycin) bei Patienten mit Reisediarrhö durchgeführt * Murphy, G. S., Bodhidatta, L., Echeverria, P., Tansuphaswadikul, S., Hoge, C. W., Imlarp, S., et.al. Ciprofloxacin and loperamide in the treatment of bacillary dysentery. Annals of Internal Medicine, 1993. 118(8): p. 582-586., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8452323* Sanders, John W., Frenck, Robert W., Putnam, Shannon D., Riddle, Mark S., Johnston, James R., Ulukan, Sefa, et.al. Azithromycin and loperamide are comparable to levofloxacin and loperamide for the treatment of traveler's diarrhea in United States military personnel in Turkey. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America, 2007. 45(3): p. 294-301., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18688944. Nur wenige Studien untersuchten Loperamid in einem Plazebo-kontrollierten Design * Bergstrom, T., Alestig, K., Thoren, K., Trollfors, B., Symptomatic treatment of acute infectious diarrhoea: loperamide versus placebo in a double-blind trial. J Infect, 1986. 12(1): p. 35-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3514770. Die Ergebnisse der Studien sind heterogen, zeigen jedoch eine statistisch signifikante Abnahme der Stuhlfrequenz um 1 – 2 Stuhlentleerungen/24 Stunden und Verkürzung der Symptomdauer, je nach Studie um bis zu 48 Stunden * Ericsson, C. D., DuPont, H. L., Okhuysen, P. C., Jiang, Z. D., DuPont, M. W., Loperamide plus azithromycin more effectively treats travelers' diarrhea in Mexico than azithromycin alone. J Travel Med, 2007. 14(5): p. 312-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17883462. Bei Dysenterie (Diarrhö mit blutigem Stuhl und/oder Fieber) und bei Patienten mit einer Enterocolitis durch Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Entamoeba spp, C. difficile wird die motilitätshemmende Therapie zurückhaltend gesehen. Diese Empfehlung basiert auf Fallberichten, in denen das Auftreten eines toxischen Megakolons unter einer Therapie mit Loperamid beschrieben wurde * Eronen, M., Putkonen, H., Hallikainen, T., Vartiainen, H., Lethal gastroenteritis associated with clozapine and loperamide. Am J Psychiatry, 2003. 160(12): p. 2242-3., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14638602* Kato, H., Kato, H., Nakamura, M., Nakamura, A., A case of toxic megacolon secondary to Clostridium difficile-associated diarrhea worsened after administration of an antimotility agent and molecular analysis of recovered isolates. J Gastroenterol, 2007. 42(6): p. 507-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17671768* McGregor, A., Brown, M., Thway, K., Wright, S. G., Fulminant amoebic colitis following loperamide use. J Travel Med, 2007. 14(1): p. 61-2., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17241255* Schneider, A., Runzi, M., Peitgen, K., von Birgelen, C., Gerken, G., Campylobacter jejuni-induced severe colitis--a rare cause of toxic megacolon. Z Gastroenterol, 2000. 38(4): p. 307-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10820863. Letztlich konnten diese Befürchtungen bisher in keiner plazebokontrollierten Studie bestätigt werden. In einer doppelblinden plazebokontrollierten Studie aus Thailand bei 88 Patienten mit akuter Dysenterie wurden alle Patienten mit Ciprofloxacin behandelt und bekamen in der Studiengruppe zusätzlich Loperamid (max. 16 mg/Tag) verabreicht. In ca. 50 % der Fälle konnten Shigellen und enteroinvasive E. coli, in 16 % Vibrio parahaemolyticus und in 7 % Salmonellen nachgewiesen werden. In keinem Fall kam es unter der Therapie mit Loperamid zu einer Komplikation * Murphy, G. S., Bodhidatta, L., Echeverria, P., Tansuphaswadikul, S., Hoge, C. W., Imlarp, S., et.al. Ciprofloxacin and loperamide in the treatment of bacillary dysentery. Annals of Internal Medicine, 1993. 118(8): p. 582-586., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8452323. Auch wenn sich somit die Negativ-Empfehlung nur auf Fallberichte stützt und beschriebene Komplikationen möglicherweise dem mikrobiologischen Pathogen zuzuschreiben ist, rät auch die jüngste ACG Clinical Guideline weiter von der Verwendung von Loperamid bei dysenterischen Verläufen ab, die Behandlung sollte auf 48 Stunden begrenzt bleiben * Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A., ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol, 2016. 111(5): p. 602-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27068718.

Aufgrund der einschlägigen anderslautenden, oftmals tradierten Leitlinienempfehlungen und der in der Fachinformation genannten Kontraindikation Dysenterie ist eine nötige klärende randomisierte Studie nicht zu erwarten. Die Hypothese eines möglichen Vorteils durch Reduktion der insbesondere für ältere Personen gefährdenden Symptomatik mit Flüssigkeits- und Appetitverlust, Exsikkose und Elektrolytentgleisung häufig gefolgt von einem akuten Nierenfunktionsverlust (AKI) bleibt so unbeantwortet. Darüber hinaus konnte für Kinder mit einer enterohämorrhagischen Escherichia coli-Infektion und Loperamid-Therapie ein erhöhtes Risiko für ein Hämolytisch-Urämisches Syndrom gezeigt werden. Daher wird Loperamid weltweit in den Leitlinien aufgrund seines Risikoprofils und der Studienlage bei Kindern nicht * Dalby-Payne, J. R., Elliott, E. J., Gastroenteritis in children. BMJ Clin Evid, 2011. 2011:, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21791124* Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Lo Vecchio, A., Shamir, R., Szajewska, H., et.al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2014. 59(1): p. 132-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24739189 oder nur sehr eingeschränkt empfohlen * Lo Vecchio, A., Dias, J. A., Berkley, J. A., Boey, C., Cohen, M. B., Cruchet, S., et.al. Comparison of Recommendations in Clinical Practice Guidelines for Acute Gastroenteritis in Children. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2016. 63(2): p. 226-35., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26835905. Eine Metaanalyse der Studiendaten ergibt für die Substanz eine Verkürzung der Durchfalldauer von 0,8 Tagen und insgesamt geringere Stuhlhäufigkeit nach 24 Stunden * Li, S. T., Grossman, D. C., Cummings, P., Loperamide therapy for acute diarrhea in children: systematic review and meta-analysis. PLoS Med, 2007. 4(3): p. e98., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17388664. Jedoch kam es bei 9 von 927 behandelten Kindern zu schweren Nebenwirkungen wie Ileus, Bewusstseinsstörungen oder Tod, die nicht bei den 764 mit Placebo behandelten Kindern auftraten. Die von diesen schweren Nebenwirkungen betroffenen Kinder waren jünger als 3 Jahre. Daher sollte diese Substanz im Kindesalter generell nicht eingesetzt werden * Li, S. T., Grossman, D. C., Cummings, P., Loperamide therapy for acute diarrhea in children: systematic review and meta-analysis. PLoS Med, 2007. 4(3): p. e98., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17388664* Lo Vecchio, A., Dias, J. A., Berkley, J. A., Boey, C., Cohen, M. B., Cruchet, S., et.al. Comparison of Recommendations in Clinical Practice Guidelines for Acute Gastroenteritis in Children. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2016. 63(2): p. 226-35., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26835905.

Racecadotril, welches nach oraler Gabe und hydrolytischer Spaltung zum Metaboliten Thiorphan aktiviert wird, ist ein Enkephalinase-Hemmer, der den Abbau körpereigener Enkephaline hemmt und eine Alternative zu Loperamid darstellt * Wang, H. H., Shieh, M. J., Liao, K. F., A blind, randomized comparison of racecadotril and loperamide for stopping acute diarrhea in adults. World J Gastroenterol, 2005. 11(10): p. 1540-3., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15770734. Enkephaline hemmen über δ-Opiatrezeptoren die Sekretion von Wasser und Elektrolyten in das Darmlumen. In Studien war die klinische Wirksamkeit vergleichbar zu Loperamid, das Präparat wird in Reiseberichten empfohlen, in Deutschland aber weiterhin im Praxisalltag kaum eingesetzt.

Bismuth-Subsalicylat steht in Deutschland als anti-sekretorische Substanz nicht zur Verfügung, wird aber aufgrund seiner Potenz, die Stuhlfrequenz um ca. 40 % bei leichter und milder Diarrhö zu reduzieren, und guten Verträglichkeit in den ACG Clinical Guidelines noch vorrangig vor der Verwendung von Loperamid empfohlen * Riddle, M. S., DuPont, H. L., Connor, B. A., ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol, 2016. 111(5): p. 602-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27068718.

Für die anderen erhältlichen Antidiarrhoika wie z. B. pflanzliche Substanzen (Uzara, getrocknetes Apfelpulver) oder Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe liegen keine kontrollierten Studien vor. Als nicht verschreibungspflichtige „Hausmittel“ ist deren Eigenanwendung durch den Patienten selbst kaum einzuschätzen, auch wenn Nebenwirkungen nicht bekannt sind.

Auch wenn zur symptomatischen analgetischen/spasmolytischen Therapie bei infektiöser Gastroenteritis keine randomisierten Daten vorliegen, kann diese Therapie auf individueller Basis nach den allgemeinen klinischen Erfahrungen mit anderen akuten Schmerzsyndromen eingesetzt werden. Bei der Therapie mit Opioiden sind relative Kontraindikationen (z. B. Ileussymptomatik, toxisches Megakolon) sowie einschlägige Nebenwirkungen (Sedierung, missbräuchliche Verwendung) zu beachten. Fraglich ist, ob Einzelberichte über gastrointestinale Beschwerden nach Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAIDs) oder Coxiben zur Symptomkontrolle grundsätzlich rechtfertigen, diese Substanzgruppen nicht einzusetzen * Etienney, I., Beaugerie, L., Viboud, C., Flahault, A., Non-steroidal anti-inflammatory drugs as a risk factor for acute diarrhoea: a case crossover study. Gut, 2003. 52(2): p. 260-3., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12524410. Diese Vorgabe spiegelt eher eine geübte klinische Praxis wider, ist aber nicht Evidenz basiert.

Mebeverin findet als Anticholinergikum mit spasmolytischer Wirkung insbesondere beim Reizdarmsydrom Anwendung, gemäß Fachinformation wäre ein symptomatischer Einsatz auch zur gastrointestinalen Spasmolyse möglich. Aufgrund fehlender Daten für die hier behandelte Fragestellung, kann eine Empfehlung nicht ausgesprochen werden, der Einsatz bleibt individualisiert möglich.

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Konsensbasierte Empfehlung 4.14

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

[3. Klug entscheiden]

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XIV

Hintergrund

Besondere Ausnahmefälle können darstellen:

  • Schweres Krankheitsbild mit z. B. hohem Fieber oder anderen Hinweisen für eine invasive bakterielle Infektion (blutig-schleimige Stühle, Sepsis)
  • funktionell relevante Immundefizienz. Zu Details wird verwiesen auf die Behandlungsempfehlungen der AG 4, Empfehlung 6.6 zur antiinfektiven Therapie bei Menschen mit Immundefekt.

Konsensbasierte Empfehlung 4.15

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Die initiale empirische antimikrobielle Therapie sollte – nach Durchführung einer Erregerdiagnostik – mit Azithromycin (500 mg/d p. o. für 3 Tage oder 1000 mg p. o. Einmaldosis) erfolgen.

Konsensbasierte Empfehlung 4.16

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Als Alternative kann ein Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor i. v. gegeben werden.

Konsensbasierte Empfehlung 4.17

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Cephalosporine der Gruppe 3a (z. B. Ceftriaxon) sollten aufgrund sehr häufiger Resistenzen bei Campylobacter nicht eingesetzt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 4.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Fluorchinolone sollen in der Erstlinie zur empirischen Therapie nicht mehr verwendet werden.

Konsensbasiertes Statement 4.19

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Bei Noro- oder Rotavirusnachweis ist keine spezifische Therapie außer einer Rehydration notwendig (s. Empfehlung 6.12).

Konsensbasiertes Statement 4.20

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Metronidazol hat keinen Stellenwert in der empirischen antiinfektiven Therapie der akuten Gastroenteritis.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XX

Hintergrund

Bei der Erwägung einer Antibiotikatherapie gilt grundsätzlich, dass die meisten Fälle einer infektiösen Gastroenteritis selbstlimitierend sind und ausreichend mit Flüssigkeits- und Elektrolytersatz behandelt werden können. Ein großer Teil der Fälle ist zudem ohnehin viraler Genese (v. a. Noro- und Rotaviren). Nur wenige Studien haben die empirische Antibiotikatherapie bei infektiöser Gastroenteritis ohne Reiseanamnese untersucht * Goodman, L. J., Trenholme, G. M., Kaplan, R. L., Segreti, J., Hines, D., Petrak, R., et.al. Empiric antimicrobial therapy of domestically acquired acute diarrhea in urban adults. Archives of Internal Medicine, 1990. 150(3): p. 541-546., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2178582* Dryden, M. S., Gabb, R. J., Wright, S. K., Empirical treatment of severe acute community-acquired gastroenteritis with ciprofloxacin. Clin Infect Dis, 1996. 22(6): p. 1019-25., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8783703* Pichler, H., Diridl, G., Wolf, D., Ciprofloxacin in the treatment of acute bacterial diarrhea: a double blind study. European Journal of Clinical Microbiology, 1986. 5(2): p. 241-243., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2941290* Pichler, H. E., Diridl, G., Stickler, K., Wolf, D., Clinical efficacy of ciprofloxacin compared with placebo in bacterial diarrhea. The American Journal of Medicine, 1987. 82(4A): p. 329-332., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3555057. In diesen Studien führte der empirische Einsatz von Antibiotika, vorwiegend Ciprofloxacin, zu einer Verkürzung der Diarrhö um 24 bis 48 Stunden und der Erregerausscheidung im Stuhl. Untersuchungen zur Effektivität von Azithromycin im Vergleich zu Fluorchinolonen (Ciprofloxacin oder Levofloxacin) stammen vor allem aus Kollektiven von Reisenden * Adachi, J. A., Ericsson, C. D., Jiang, Z. D., DuPont, M. W., Martinez-Sandoval, F., Knirsch, C., et.al. Azithromycin found to be comparable to levofloxacin for the treatment of US travelers with acute diarrhea acquired in Mexico. Clin Infect Dis, 2003. 37(9): p. 1165-71.* Sanders, John W., Frenck, Robert W., Putnam, Shannon D., Riddle, Mark S., Johnston, James R., Ulukan, Sefa, et.al. Azithromycin and loperamide are comparable to levofloxacin and loperamide for the treatment of traveler's diarrhea in United States military personnel in Turkey. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America, 2007. 45(3): p. 294-301., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18688944* Tribble, D. R., Sanders, J. W., Pang, L. W., Mason, C., Pitarangsi, C., Baqar, S., et.al. Traveler's diarrhea in Thailand: randomized, double-blind trial comparing single-dose and 3-day azithromycin-based regimens with a 3-day levofloxacin regimen. Clin Infect Dis, 2007. 44(3): p. 338-46., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17205438* Kuschner, R. A., Trofa, A. F., Thomas, R. J., Hoge, C. W., Pitarangsi, C., Amato, S., et.al. Use of azithromycin for the treatment of Campylobacter enteritis in travelers to Thailand, an area where ciprofloxacin resistance is prevalent. Clin Infect Dis, 1995. 21(3): p. 536-41., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8527539 und zeigten eine vergleichbare Effektivität beider Substanzklassen. Allerdings wurde der Großteil der Studien bereits vor vielen Jahren durchgeführt, weshalb das zwischenzeitlich geänderte Resistenzspektrum insbesondere die Effektivität der Fluorchinolone beeinträchtigen könnte. Antibiotika sollten jedoch bei akuter Gastroenteritis im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen (inkl. C. difficile-assoziierter Diarrhö) und angesichts der Zunahme von Antibiotikaresistenzen grundsätzlich nur mit Zurückhaltung eingesetzt (siehe auch Tabelle „Resistenzquoten von Salmonella enterica Subspezies enterica“ und Tabelle „Resistenzquoten von Campylobacter jejuni und C. coli“) und individuell bei jedem Patienten kritisch hinterfragt werden. In der Regel ist eine antibiotische Therapie im Rahmen einer infektiösen Gastroenteritis nicht indiziert.

Diese Regel gilt primär auch für Menschen mit Immundefizit (vgl. AG 4).

Bei Patienten mit funktionellem Immundefizit, Anzeichen für eine systemische Infektion (z. B. Fieber > 38,5 °C) oder Vorliegen einer Dysenterie (blutige Diarrhö) kann eine empirische Antibiotikatherapie unter der Vorstellung erfolgen, dass eine frühzeitige empirische Antibiotikatherapie eine weitere Progression zu einem schweren Verlauf abwenden kann * Dryden, M. S., Gabb, R. J., Wright, S. K., Empirical treatment of severe acute community-acquired gastroenteritis with ciprofloxacin. Clin Infect Dis, 1996. 22(6): p. 1019-25., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8783703. In solchen Fällen sollte nach Probenentnahme zur Erregerdiagnostik (inkl. Blutkultur), eine Therapie mit Azithromycin (500 mg/Tag p. o.) für 3 Tage durchgeführt werden, alternativ kann eine einmalige Therapie mit Azithromycin 1000 mg erfolgen. Hierbei handelt es sich um eine Expertenmeinung. Zu beachten sind die in der Fachinformation genannten Gegenanzeigen und Warnhinweise. Fluorchinolone (z. B. Ciprofloxacin) sollen in der Erstlinie zur empirischen Therapie explizit nicht mehr verwendet werden. Hintergrund sind Bedenken bezüglich des Nutzen-Risiko-Verhältnis im Hinblick auf die Lebensqualität beeinträchtigenden, langanhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen * BfArM, Systemisch und inhalativ angewendete Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika: Risiko von die Lebensqualität beeinträchtigenden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen - Anwendungsbeschränkungen, 2019. (Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika, 08.04.2019, BfArM) sowie die ansteigenden Resistenzraten hinsichtlich Infektionen mit Campylobacter spp. Ergibt sich aus einer mikrobiologischen Untersuchung ein spezifischer Erregernachweis einschließlich der Resistenzbestimmung, sind in Abhängigkeit von bestimmten Konstellationen beim Patienten und des Erregers spezifische Therapie- bzw. Nicht-Therapieindikationen gegeben, die im Folgenden diskutiert werden sollen.

Auch bei sonst gesunden, nicht immunsupprimierten Kindern wird in der Regel eine antibiotische Therapie bei unkomplizierter infektiöser Gastroenteritis nicht empfohlen, da der Verlauf der akuten Gastroenteritis bei Kindern ohne zugrundeliegende Erkrankung in der Regel unabhängig von der Ätiologie selbstlimitierend ist und es keine Evidenz für einen signifikanten Nutzen einer primären antibiotischen Behandlung gibt * Guarino, A., Ashkenazi, S., Gendrel, D., Lo Vecchio, A., Shamir, R., Szajewska, H., et.al. European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Pediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: update 2014. J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2014. 59(1): p. 132-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24739189.

Zur Resistenzsituation von Campylobacter und anderen bakteriellen Enteritiserregern in Deutschland kann man sich an das Nationale Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am Robert-Koch-Institut (Bereich Wernigerode) wenden (Adresse: Burgstr. 37, 38855 Wernigerode, Tel: 030 – 18754-2522 oder -4206, E-Mail: NRZ-Salm-FG11@rki.de).

Literatur

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Sanders, John W., Frenck, Robert W., Putnam, Shannon D., et al. Azithromycin and loperamide are comparable to levofloxacin and loperamide for the treatment of traveler's diarrhea in United States military personnel in Turkey. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America 2007; 45: 294-301

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Therapie bei nachgewiesenem Erreger

Therapie bei nachgewiesenem Erreger

Empfehlung 4.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter Campylobacter-Infektion soll keine antimikrobielle Therapie eingeleitet werden, wenn es bis zum Erhalt des mikrobiologischen Nachweises bereits zu einer Besserung der klinischen Symptome gekommen ist.
  • Nur bei schwerem Krankheitsbild und fehlender klinischer Besserung sollte eine antimikrobielle Therapie mit Azithromycin 1000 mg p. o. einmalig (Kontraindikationen beachten) eingeleitet werden. Nach vorliegendem Antibiogramm ist die Therapie zu evaluieren.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XXI

Hintergrund

Campylobacter ist ein gramnegatives Bakterium mit stäbchenförmiger, spiraliger Gestalt. In Deutschland kommen hauptsächlich Infektionen mit C. jejuni und C. coli vor, diese gehören zu den am häufigsten gemeldeten bakteriellen Enteritiserregern. Campylobacter-Infektionen des Menschen sind fast immer lebensmittelbedingt. Unzureichend erhitztes oder kontaminiertes Geflügelfleisch und ­-produkte (nicht aber Eier) stellen die Hauptinfektionsquelle dar. Weitere Infektionsquellen sind nicht pasteurisierte Milch, kontaminiertes Trink- oder Oberflächenwasser, Haustiere sowie rohes Hackfleisch. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist wegen der geringen krankheitsauslösenden Infektionsdosis von < 500 Keimen insbesondere bei Kindern möglich * Robert, Koch-Institut, Campylobacter: Ratgeber für Ärzte, http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Campylobacter.html. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 – 5 Tage, in Einzelfällen 1 – 10 Tage. Die mittlere Ausscheidungsdauer beträgt 2 – 5 Wochen, in dieser Zeit gelten Patienten als potenziell infektiös * Kapperud, G., Lassen, J., Ostroff, S. M., Aasen, S., Clinical features of sporadic Campylobacter infections in Norway. Scandinavian Journal of Infectious Diseases, 1992. 24(6): p. 741-749., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1287808.

Die Krankheit variiert zwischen asymptomatischen Verläufen und schweren Erkrankungen mit Fieber, Bauchschmerzen und schwerer, breiig bis massiv wässriger Diarrhö, die nicht selten auch blutig sein kann. Bis zu einem Drittel der Patienten berichten 12 – 24 Stunden vor Auftreten der enteritischen Symptome über Prodromi mit Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien und Müdigkeit. Die Krankheit dauert in der Regel wenige Tage bis eine Woche. Bei immungeschwächten Personen, z. B. bei AIDS-Patienten, kann es zu protrahierten oder chronischen Verläufen kommen * Molina, J., Casin, I., Hausfater, P., Giretti, E., Welker, Y., Decazes, J., et.al. Campylobacter infections in HIV-infected patients: clinical and bacteriological features. AIDS (London, England), 1995. 9(8): p. 881-885., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7576322.

In weniger als 1 % der Fälle kommt es zu einer Bakteriämie, dies vor allem bei Patienten mit einer Immunsuppression oder schweren Begleiterkrankungen * Louwen, R., van Baarlen, P., van Vliet, A. H., van Belkum, A., Hays, J. P., Endtz, H. P., Campylobacter bacteremia: a rare and under-reported event?. Eur J Microbiol Immunol (Bp), 2012. 2(1): p. 76-87., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24611124. Als seltene Komplikation können im Verlauf ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS), eine reaktive Arthritis oder eine Myokarditis auftreten. Auf der anderen Seite lässt sich bei bis zu 50 % der Patienten mit GBS Campylobacter jenuni im Stuhl nachweisen * Nyati, K. K., Nyati, R., Role of Campylobacter jejuni infection in the pathogenesis of Guillain-Barre syndrome: an update. Biomed Res Int, 2013. 2013: p. 852195., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24000328. Eine antibiotische Therapie schützt wahrscheinlich nicht vor möglichen postinfektiösen Komplikationen. Eine zusätzliche Therapie mit PPI scheint aber das Risiko für ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom zu erhöhen, insbesondere bei jüngeren Frauen, wie eine kürzlich erschienene Kohortenstudie aus England zeigen konnte * Esan, O. B., Perera, R., McCarthy, N., Violato, M., Fanshawe, T. R., Incidence, risk factors, and health service burden of sequelae of campylobacter and non-typhoidal salmonella infections in England, 2000-2015: A retrospective cohort study using linked electronic health records. J Infect, 2020. 81(2): p. 221-230., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32445725. Als häufigere Folgeerkrankung nach Campylobacter-Infektionen muss auch an die Entwicklung von Reizdarmsymptomen gedacht werden * Scallan Walter, E. J., Crim, S. M., Bruce, B. B., Griffin, P. M., Postinfectious Irritable Bowel Syndrome After Campylobacter Infection. Am J Gastroenterol, 2019. 114(10): p. 1649-1656., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31567167

Eine Antibiotikatherapie wird nur bei Patienten mit schwerem Krankheitsbild und fehlender klinischer Besserung empfohlen. Hier gilt aber, dass eine individuelle Entscheidung getroffen werden muss, da nicht jeder Patient mit blutiger Diarrhö oder Fieber eine Therapie benötigt.

Obwohl Daten aus einer Metaanalyse eine verkürzte Diarrhödauer unter Antibiose zeigen, sollte in Anbetracht der steigenden Resistenzraten und dem meist selbstlimitierenden Charakter der Krankheit eine antibiotische Therapie nur im Einzelfall durchgeführt werden.

In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Resistenztestung sollte die antimikrobielle Therapie mit Azithromycin 1000 mg einmalig p. o. erfolgen. Die Empfehlung zur einmaligen Gabe ist eine Expertenmeinung und gründet sich auf die Verwendung in klinischen Studien * Sanders, John W., Frenck, Robert W., Putnam, Shannon D., Riddle, Mark S., Johnston, James R., Ulukan, Sefa, et.al. Azithromycin and loperamide are comparable to levofloxacin and loperamide for the treatment of traveler's diarrhea in United States military personnel in Turkey. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America, 2007. 45(3): p. 294-301., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18688944. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (u. a. Antazida, Digoxin, Statine) sowie Kontraindikationen (QT-Verlängerung, Schwangerschaft, Stillzeit) müssen beachtet werden.

Ciprofloxacin 1 g/Tag p. o. für 3 Tage sollte nur bei nachgewiesener Suszeptibilität zum Einsatz kommen. Die Resistenzraten gegenüber Fluorchinolonen sind weiter steigend. Eine Therapie mit Erythromycin wird aufgrund des Nebenwirkungsspektrums, inkl. erhöhter Darmmotilität, und Interaktionspotential nicht mehr als Mittel der Wahl gesehen, zumal sich in einer pädiatrischen Studie die Substanz einer Therapie mit Azithromycin unterlegen zeigte * Vukelic, Dalibor, Trkulja, Vladimir, Salkovic-Petrisic, Melita, Single oral dose of azithromycin versus 5 days of oral erythromycin or no antibiotic in treatment of campylobacter enterocolitis in children: a prospective randomized assessor-blind study. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2010. 50(4): p. 404-410., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19881393. Eine Beachtung der Resistenztestung ist notwendig, wobei es kaum klinische Erfahrungen mit alternativen Substanzen gibt. Cephalosporine zeigen eine unzureichende Aktivität gegenüber Campylobacter und sind daher nicht zur Therapie geeignet * Giacomelli, M., Salata, C., Martini, M., Montesissa, C., Piccirillo, A., Antimicrobial resistance of Campylobacter jejuni and Campylobacter coli from poultry in Italy. Microb Drug Resist, 2014. 20(2): p. 181-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24320689. Im Anhang ist eine Tabelle mit Resistenzquoten von Campylobacter spp.-Isolaten vom Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am Robert Koch Institut für die Jahre 2012 – 2022 zu finden.

Literatur

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Kapperud, G., Lassen, J., Ostroff, S. M., et al. Clinical features of sporadic Campylobacter infections in Norway. Scandinavian Journal of Infectious Diseases 1992; 24: 741-749

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Giacomelli, M., Salata, C., Martini, M., et al. Antimicrobial resistance of Campylobacter jejuni and Campylobacter coli from poultry in Italy. Microb Drug Resist 2014; 20: 181-8

Empfehlung 4.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion ohne Hinweis auf systemische Infektion soll in der Regel keine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden
  • Eine antimikrobielle Therapie soll bei akuter nichttyphoidaler Salmonellen-Infektion in folgenden Fällen erfolgen:
  • Nachweis einer Bakteriämie und bei Zeichen systemischer Infektion (z. B. Fieber > 38.5°C) zum Zeitpunkt anhaltender klinischer Beschwerden
  • Zusätzlich soll eine antiinfektive Therapie in ausreichender Dauer bei positiver Blutkultur und/oder Gefäßprothesen/Fremdmaterial mit Gefahr der septischen Absiedlung erfolgen.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XXI

Hintergrund

Enteritische Salmonellen verursachen beim Menschen in der Regel unkomplizierte Gastroenteritiden. Die beiden häufigsten Salmonellen-Serovare, die im Rahmen der IfSG-Meldepflicht an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden, sind S. Enteritidis (ca. 42 %) und S. Typhimurium (ca. 34 %) * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019. Berlin, 2020.. S. Typhus- und S. Paratyphus hingegen rufen systemische Infektionen mit meist sekundärer Darmbeteiligung hervor. Beide Infektionen kommen endemisch in Afrika, Mittel- und Südamerika, dem indischen Subkontinent und in Südostasien vor und sind nicht Gegenstand dieser Empfehlung. Enteritische Salmonellen führen dagegen primär zu einer Lokalinfektion des Darms. Die Infektion erfolgt durch orale Erregeraufnahme und gilt als klassische Lebensmittelinfektion (Eier bzw. eihaltige Speisen, rohes Fleisch bzw. nicht oder nicht ausreichend erhitzte Fleischerzeugnisse, aber auch Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs). Durch infizierte Menschen, Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder anderen kontaminierten Lebensmitteln können Lebensmittel auch zusätzlich kontaminiert werden (sogenannte „Kreuzkontamination“).

Selten ist die Übertragung durch direkten Kontakt mit Salmonellen ausscheidenden Tieren, z. B. in Streichelzoos. Dieser Übertragungsweg ist bei Haustieren häufiger, insbesondere bei der Haltung von Reptilien * Robert, Koch-Institut, Salmonellose (Salmonellen-Gastroenteritis): RKI-Ratgeber für Ärzte, http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Salmonellose.html. Eine direkte oder indirekte Übertragung von Mensch zu Mensch ist ggf. als nosokomiale Infektion bei besonders disponierten Personen oder unter hygienisch mangelhaften Bedingungen möglich, dies ist jedoch sehr selten * Olsen, S. J., DeBess, E. E., McGivern, T. E., Marano, N., Eby, T., Mauvais, S., et.al. A nosocomial outbreak of fluoroquinolone-resistant salmonella infection. The New England Journal of Medicine, 2001. 344(21): p. 1572-1579., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11372008.

Die Inkubationszeit der Salmonellen-Enteritis beträgt 6 – 72 Stunden, in der Regel 12 – 36 Stunden. Sie ist abhängig von der Infektionsdosis und dem Serovar * Robert, Koch-Institut, Salmonellose (Salmonellen-Gastroenteritis): RKI-Ratgeber für Ärzte, http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Salmonellose.html. Die Ausscheidung von Enteritis-Salmonellen dauert bei Erwachsenen im Durchschnitt einen Monat, bei Kindern unter fünf Jahren meist länger * Buchwald, D. S., Blaser, M. J., A review of human salmonellosis: II. Duration of excretion following infection with nontyphi Salmonella. Rev Infect Dis, 1984. 6(3): p. 345-56.. Die Salmonellose manifestiert sich meist als akute Darmentzündung mit plötzlich einsetzendem Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, Unwohlsein und manchmal Erbrechen. Häufig tritt leichtes Fieber auf. In den meisten Fällen handelt es sich um einen selbstlimitierenden Verlauf, wobei die Körpertemperatur sich nach 48 bis 72 Stunden normalisiert und die Diarrhö innerhalb von 4 bis 10 Tagen sistiert. In seltenen Fällen (seltener als 5 %) kann es zu einer Bakteriämie mit fokalen Absiedlungen der Erreger (Abszesse, Osteomyelitis, septische Arthritis, Cholezystitis, Endokarditis, Meningitis, Perikarditis, Pneumonie, Pyodermie oder Pyelonephritis) kommen (vgl. Tabelle „Typische Komplikationen und Folgeerkrankungen bakterieller akuter Gastroenteritis“ bei Empfehlung 4.2), insbesondere bei älteren und abwehrgeschwächten Patienten * Helms, Morten, Simonsen, Jacob, Molbak, Kare, Quinolone resistance is associated with increased risk of invasive illness or death during infection with Salmonella serotype Typhimurium. The Journal of Infectious Diseases, 2004. 190(9): p. 1652-1654., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15478071* Saphra, I., Winter, J. W., Clinical manifestations of salmonellosis in man; an evaluation of 7779 human infections identified at the New York Salmonella Center. The New England Journal of Medicine, 1957. 256(24): p. 1128-1134., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/13452006

Die Entscheidung zur Einleitung einer antibiotischen Therapie bei Nachweis von enteritischen Salmonellen im Stuhl richtet sich nach dem klinischen Verlauf und patientenspezifischen Risikofaktoren. Eine Cochrane-Analyse mit 767 ansonsten gesunden Patienten mit gesicherter Salmonellen-Enteritis kam zu dem Ergebnis, dass eine antibiotische Therapie keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung hat. In der Auswertung der 12 Plazebo-kontrollierten Studien fanden sich zwischen Plazebo- und Verumgruppe keine Unterschiede in der Dauer der Diarrhö, Dauer des Fiebers oder Schwere des Krankheitsverlaufs. Allerdings konnten bei Patienten, die mit einem Antibiotikum behandelt wurden, einen Monat nach Beendigung der Therapie signifikant häufiger Salmonellen im Stuhl nachgewiesen werden (RR 1,96, 95 % KI 1,29 – 2,98) * Onwuezobe, I. A., Oshun, P. O., Odigwe, C. C., Antimicrobials for treating symptomatic non-typhoidal Salmonella infection. Cochrane Database Syst Rev, 2012. 11: p. CD001167., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23152205, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6532567/pdf/CD001167.pdf. Bei akuter Salmonellen-Enteritis ohne Hinweis auf systemische Infektion soll daher keine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden.

Nur bei Patienten mit Zeichen einer systemischen Infektion (z. B. Fieber über 38,5 °C) und bei Nachweis der Erreger in Blutkulturen soll eine antimikrobielle Therapie erfolgen, um schwere systemische Verläufe sowie septische fokale Absiedlungen zu verhindern. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass es in bis zu 25 % der Patienten, die älter als 50 Jahre sind, und eine Salmonellen-Bakteriämie aufwiesen, zu einer sekundären Arteriitis vor allem der großen Gefäße (abdominelle und thorakale Aorta) oder einer Endokarditis kommen kann. Gefährdet sind hierbei insbesondere Patienten mit einer Arteriosklerose, Diabetes mellitus, angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Hämoglobinopathien und Zirrhose * Cohen, P. S., O'Brien, T. F., Schoenbaum, S. C., Medeiros, A. A., The risk of endothelial infection in adults with salmonella bacteremia. Annals of Internal Medicine, 1978. 89(6): p. 931-932., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/717990* Hsu, R. B., Lin, F. Y., Risk factors for bacteraemia and endovascular infection due to non-typhoid salmonella: a reappraisal. QJM, 2005. 98(11): p. 821-7., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16203825. Darüber hinaus sollte bei Risiko-Patienten, die für einen schweren Verlauf prädisponiert sind (z. B. angeborene oder erworbene Immundefekte, Hämodialyse), unabhängig von dem Vorliegen einer Bakteriämie oder der Schwere der Salmonellen-Enteritis, ebenfalls eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden. Bei Patienten mit Gefäßprothesen, Gefäßaneurysmen oder Vorliegen von Fremdmaterial (z. B. Gelenkprothesen) kann eine Therapie erwogen werden. Hintergrund für die beiden letztgenannten Empfehlungen ist die Tatsache, dass diese Patientengruppen ein erhöhtes Risiko für schwere systemische Verläufe und septische fokale Absiedlungen aufweisen und eine präemptive Therapie diese Komplikationen verhindern kann * Day, L. J., Qayyum, Q. J., Kauffman, C. A., Salmonella prosthetic joint septic arthritis. Clinical Microbiology and Infection: The Official Publication of the European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases, 2002. 8(7): p. 427-430., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12199853. Die Leitlinie der Infectious Diseases Society of America (IDSA) zur Therapie gastrointestinaler Infektionen empfiehlt eine Antibiotika-Therapie bei Säuglingen < 3 Monate, sowie allen Patienten über 50 Jahre mit Arteriosklerose und bei Patienten mit einer kardialen Vorerkrankung (Klappe oder endovaskulär), unabhängig vom Schweregrad der Salmonellen-Infektion * Shane, A. L., Mody, R. K., Crump, J. A., Tarr, P. I., Steiner, T. S., Kotloff, K., et.al. 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis, 2017. 65(12): p. 1963-1973., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29194529.

Bei Kindern sind häufiger Fälle von septischer Arthritis ausgelöst durch Salmonellen bei gleichzeitigem Vorliegen einer Sichelzellkrankheit beschrieben * Chambers, J. B., Forsythe, D. A., Bertrand, S. L., Iwinski, H. J., Steflik, D. E., Retrospective review of osteoarticular infections in a pediatric sickle cell age group. J Pediatr Orthop, 2000. 20(5): p. 682-5., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11008753. In diesen Fällen ist eine rasche Erregergewinnung aus dem betroffenen Gelenk indiziert.

Die antimikrobielle Therapie sollte primär mit Ceftriaxon (2 g/Tag i. v. für 5 – 7 Tage) oder Azithromycin 500 mg/Tag über 7 Tage * Crump, J. A., Sjolund-Karlsson, M., Gordon, M. A., Parry, C. M., Epidemiology, Clinical Presentation, Laboratory Diagnosis, Antimicrobial Resistance, and Antimicrobial Management of Invasive Salmonella Infections. Clin Microbiol Rev, 2015. 28(4): p. 901-37., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26180063 durchgeführt werden und muss ggf. in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Resistenztestung angepasst werden. Der Stellenwert von Ciprofloxacin muss aufgrund der steigenden Resistenzraten sehr kritisch gesehen werden und sollte nur gegeben werden, falls eine entsprechende Resistenztestung vorliegt. Laut dem aktuellen Bericht des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) liegt die Rate für eine Ciprofloxacin-Resistenz je nach Serotyp bei 13,1 % (S. Enteritidis) bzw. 5,9 % (S. Typhimurium) (www.efsa.europa.eu/efsajournal. EFSA-Journal 2020;18(3):6007).

Bei Patienten mit normalem Immunstatus sollte die Therapiedauer 5 – 7 Tage betragen, bei Patienten mit einem angeborenen oder erworbenen Immundefekt muss die Therapiedauer individuell festgelegt werden, sollte aber mindestens 14 Tage betragen. Für beide Empfehlungen liegen keine kontrollierten Studien vor; sie stützen sich auf Expertenmeinungen * Hohmann, E. L., Nontyphoidal salmonellosis. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America, 2001. 32(2): p. 263-269., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11170916. In Fällen von fokalen Absiedlungen (Abszesse, Osteomyelitis, septische Arthritis, Cholezystitis, Endokarditis, Meningitis, Perikarditis, Pneumonie, Pyodermie oder Pyelonephritis) muss die Therapiedauer individuell festgelegt werden. Im Anhang sind in Tabelle „Resistenzquoten von Salmonella enterica Subspezies enterica“ und Tabelle „Resistenzquoten von Campylobacter jejuni und C. coli“ Resistenzquoten von Salmonella spp.-Isolaten vom Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am Robert Koch Institut für die Jahre 2012 – 2022 zu finden.

Die Ausscheidung von Enteritis-Salmonellen dauert bei Erwachsenen im Durchschnitt vier Wochen ab Beginn der Infektion, in seltenen Fällen bis zu 12 Monate. In weniger als 1 % der Fälle beträgt die Ausscheidungsdauer länger als ein Jahr (sogenannte Dauerausscheider) * Buchwald, D. S., Blaser, M. J., A review of human salmonellosis: II. Duration of excretion following infection with nontyphi Salmonella. Rev Infect Dis, 1984. 6(3): p. 345-56.* Gal-Mor, O., Persistent Infection and Long-Term Carriage of Typhoidal and Nontyphoidal Salmonellae. Clin Microbiol Rev, 2019. 32(1):, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30487167. Das Risiko für eine verlängerte Ausscheidung von nichttyphoidalen Salmonellen kann, wie schon erwähnt, durch eine antibiotische Therapie der initialen Infektion erhöht sein * Marzel, A., Desai, P. T., Goren, A., Schorr, Y. I., Nissan, I., Porwollik, S., et.al. Persistent Infections by Nontyphoidal Salmonella in Humans: Epidemiology and Genetics. Clin Infect Dis, 2016. 62(7): p. 879-886., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26740515.

Es gibt keine kontrollierten Studien zur Therapie von Dauerausscheidern von nichttyphoidalen Salmonellen. In Analogie zu den Empfehlungen bei Dauerausscheidern von S. Typhi kann im Einzelfall eine 4-wöchige Therapie mit Fluorchinolonen (z. B. Ciprofloxacin) erwogen werden, wobei in den Studien eine Eradikation bei 75 – 93 % der Patienten gelang * Gotuzzo, E., Guerra, J. G., Benavente, L., Palomino, J. C., Carrillo, C., Lopera, J., et.al. Use of norfloxacin to treat chronic typhoid carriers. The Journal of Infectious Diseases, 1988. 157(6): p. 1221-1225., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3286783* Zavala Trujillo, I., Quiroz, C., Gutierrez, M. A., Arias, J., Renteria, M., Fluoroquinolones in the treatment of typhoid fever and the carrier state. European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases: Official Publication of the European Society of Clinical Microbiology, 1991. 10(4): p. 334-341., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1864294. In der Literatur wird ein häufigeres Auftreten von S. Typhi-Dauerausscheider bei Patienten mit Gallensteinleiden beschrieben, und die Vermutung besteht, dass die Gallenblase und Gallenwege, insbesondere bei pathologischen Veränderungen, als Reservoir dienen können * Gal-Mor, O., Persistent Infection and Long-Term Carriage of Typhoidal and Nontyphoidal Salmonellae. Clin Microbiol Rev, 2019. 32(1):, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30487167. Studien, welche die Empfehlung zur Durchführung einer Cholezystektomie zur verbesserten Ausscheidersanierung bei Patienten mit Trägerstatus von nichttyphoidalen Salmonellen stützen, liegen jedoch nicht vor, so dass es sich hier um Einzelfallentscheidungen handelt * Gunn, J. S., Marshall, J. M., Baker, S., Dongol, S., Charles, R. C., Ryan, E. T., Salmonella chronic carriage: epidemiology, diagnosis, and gallbladder persistence. Trends Microbiol, 2014. 22(11): p. 648-55., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25065707.

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Gunn, J. S., Marshall, J. M., Baker, S., et al. Salmonella chronic carriage: epidemiology, diagnosis, and gallbladder persistence. Trends Microbiol 2014; 22: 648-55

Empfehlung 4.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei STEC/EHEC Nachweis soll keine antibiotische Therapie stattfinden, außer es liegen zusätzliche extraintestinale Infektionen vor.
  • Eine „Eradikation“ von Erregern bei asymptomatischen STEC-Trägern soll nicht durchgeführt werden.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XXIII

Hintergrund

Enterohämorrhagische Escherichia coli sind gramnegative Stäbchen, welche Zytotoxine, die Shigatoxine (Synonyme: Shiga-like-Toxine – SLT, Verotoxine – VT) bilden. Sie werden unter dem Begriff Shigatoxin- bzw. Verotoxin-produzierende E. coli (STEC bzw. VTEC) zusammengefasst. Historisch wurden diejenigen STEC als EHEC bezeichnet, die in der Lage waren, schwere Erkrankungen (hämorrhagische Kolitis und das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS)) hervorzurufen * Robert, Koch-Institut, Erkrankungen durch Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC): Ratgeber für Ärzte, http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_EHEC.html. Durch enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) des Serotyps O104:H4 kam es von Mai bis Juli 2011 vor allem in Norddeutschland zu einer großen Zahl von Erkrankungen mit blutiger Diarrhö und Entwicklung eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) * Frank, C., Werber, D., Cramer, J. P., Askar, M., Faber, M., an der Heiden, M., et.al. Epidemic profile of Shiga-toxin-producing Escherichia coli O104:H4 outbreak in Germany. N Engl J Med, 2011. 365(19): p. 1771-80..

Bei einer nachgewiesenen STEC/EHEC-Infektion sollen primär keine Antibiotika eingesetzt werden. Ein günstiger Einfluss von Antibiotika auf den Krankheitsverlauf ist nicht beschrieben. Weiterhin ist unklar, ob eine Antibiotikatherapie sogar mit einer verlängerten Symptomdauer, und möglicherweise verlängerten EHEC-Ausscheidung und vermehrten Auftreten eines HUS einhergeht * Smith, K. E., Wilker, P. R., Reiter, P. L., Hedican, E. B., Bender, J. B., Hedberg, C. W., Antibiotic treatment of Escherichia coli O157 infection and the risk of hemolytic uremic syndrome, Minnesota. Pediatr Infect Dis J, 2012. 31(1): p. 37-41.* Wong, C. S., Mooney, J. C., Brandt, J. R., Staples, A. O., Jelacic, S., Boster, D. R., et.al. Risk factors for the hemolytic uremic syndrome in children infected with Escherichia coli O157:H7: a multivariable analysis. Clin Infect Dis, 2012. 55(1): p. 33-41., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22431799. Nur im Rahmen von extraintestinalen und generalisierten Infektionen durch EHEC selbst oder im Rahmen von sekundären Komplikationen/Infektionen durch andere Erreger sollte eine antibiotische Behandlung durchgeführt werden. Die Auswahl des einzusetzenden Antibiotikums kann nicht durch systematische Daten begründet werden. Mit niedriger Evidenz können aufgrund positiver Einzelberichte Carbapeneme empfohlen werden * Menne, J., Nitschke, M., Stingele, R., Abu-Tair, M., Beneke, J., Bramstedt, J., et.al. Validation of treatment strategies for enterohaemorrhagic Escherichia coli O104:H4 induced haemolytic uraemic syndrome: case-control study. BMJ, 2012. 345: p. e4565., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22815429. Hinzuweisen sei an dieser Stelle auch auf eine einzelne Studie, die einen positiven Effekt von Azithromycin mit Verkürzung der Ausscheidungsdauer beschreibt * Nitschke, M., Sayk, F., Hartel, C., Roseland, R. T., Hauswaldt, S., Steinhoff, J., et.al. Association between azithromycin therapy and duration of bacterial shedding among patients with Shiga toxin-producing enteroaggregative Escherichia coli O104:H4. JAMA, 2012. 307(10): p. 1046-52., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22416100.

Durch die zunehmende Implementierung der Multiplex-PCR Diagnostik in Stuhlproben kommt es zu einer erhöhten Rate an Detektion von STEC/EHEC * Jenssen, G. R., Veneti, L., Lange, H., Vold, L., Naseer, U., Brandal, L. T., Implementation of multiplex PCR diagnostics for gastrointestinal pathogens linked to increase of notified Shiga toxin-producing Escherichia coli cases in Norway, 2007-2017. Eur J Clin Microbiol Infect Dis, 2019. 38(4): p. 801-809., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30680573* Gould, L. H., Mody, R. K., Ong, K. L., Clogher, P., Cronquist, A. B., Garman, K. N., et.al. Increased recognition of non-O157 Shiga toxin-producing Escherichia coli infections in the United States during 2000-2010: epidemiologic features and comparison with E. coli O157 infections. Foodborne Pathog Dis, 2013. 10(5): p. 453-60., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23560425. Ohne eine schwere klinische Symptomatik sollte keine “antibiotische Eradikation” vorgenommen werden. Ein STEC/EHEC Nachweis bei Personen, die in der lebensmittelverarbeitenden Industrie arbeiten, ist eine besondere Situation. In Abstimmung mit den lokalen Gesundheitsbehörden soll eine mögliche Eradikation geprüft werden und überwacht werden, hierbei handelt es sich um eine Expertenmeinung.

Literatur

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Robert, Koch-Institut. Erkrankungen durch Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC): Ratgeber für Ärzte. ; :

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Gould, L. H., Mody, R. K., Ong, K. L., et al. Increased recognition of non-O157 Shiga toxin-producing Escherichia coli infections in the United States during 2000-2010: epidemiologic features and comparison with E. coli O157 infections. Foodborne Pathog Dis 2013; 10: 453-60

Empfehlung 4.24

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei Nachweis einer akuten Shigellen-Infektion soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden, falls noch klinische Symptome bestehen. Hierdurch sollen schwere Verläufe vermieden werden und die Infektiosität beendet werden.
  • Die antimikrobielle Therapie soll in Abhängigkeit von der Resistenztestung erfolgen. In Frage kommen Azithromycin (500 mg/Tag p. o.) für 3 Tage, Ceftriaxon (2 g/Tag i. v.) für 5 Tage oder Pivmecillinam 3×400 mg p. o. für 5 Tage.

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XXIV

Hintergrund

Die gramnegativen Shigellen sind eng mit E. coli verwandt. Sie sind Verursacher einer akut auftretenden schweren Diarrhö, wobei typischerweise sichtbares Blut im Stuhl bemerkt wird.

Die Einteilung der Shigellen erfolgt nach biochemischen Merkmalen und spezifischen O-Antigenen in die vier Serogruppen A-D bzw. S. dysenteriae, S.flexneri, S. boydii und S. sonnei, sowie multiplen Serotypen. Besonders S. dysenteriae ist weltweit für schwere Verläufe verantwortlich, mit vor allem für Kinder und ältere Menschen bedrohlichen Verläufen (z. B. HUS), während S. sonnei, die am häufigsten in Deutschland nachgewiesene Species, mit einem milderen Verlauf assoziiert ist.

Durch das Eindringen in das Darmepithel, intrazellulärer Vermehrung und lateraler Ausbreitung und die folgende Entzündungsreaktion führen Shigellen zu einer oberflächlichen Zerstörung der Mukosa insbesondere des distalen Colons. In der Folge treten blutig-schleimige Durchfälle auf (mikroskopisch typischerweise reich an Neutrophilen Granulozyten), begleitet von Fieber und starken krampfartigen Bauchschmerzen. Die Exsikkose steht nicht im Vordergrund. Schwere Komplikationen sind die bakterielle Translokation mit Sepsis, das toxische Megacolon und die Perforation.

Die Shigellose ist in Europa mit 6.337 (2017) und in Deutschland mit 627 Meldungen (2019) selten mit weiter abnehmender Tendenz. Ca. 60 % der Infektionen werden nach Deutschland importiert, schwerpunktmäßig aus Indien und Ägypten * Robert-Koch-Institut, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2019. Berlin, 2020.. Einziges Reservoir ist der Mensch. Es werden in Deutschland nur kleinere Ausbrüche beobachtet. Die Inkubationszeit beträgt 12 – 96 Stunden. Mit einer Infektionsdosis von nur 10 – 200 der säurestabilen Erreger sind Shigellen hochansteckend. Eine Übertragung erfolgt fäkal-oral, im direkten Kontakt, bei Sexualpraktiken (insbesondere bei Kontakt mit Stuhl), aber auch über Hausfliegen und über Badegewässer. Allerdings besteht nur eine geringe Stabilität des Erregers in der unbelebten Umwelt.

Eine Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Infektion und solange der Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden wird (bis zu 4 Wochen nach der akuten Krankheitsphase). Eine Ausscheidung über einen längeren Zeitraum ist selten, aber, wie neue Daten zeigen, ebenso möglich wie rekurrente Infektionen mit demselben Erreger * Allen, H., Mitchell, H. D., Simms, I., Baker, K. S., Foster, K., Hughes, G., et.al. Evidence for re-infection and persistent carriage of Shigella species in adult males reporting domestically acquired infection in England. Clin Microbiol Infect, 2021. 27(1): p. 126 e7-126 e13., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32247893. Ein Reiter-Syndrom (reaktive Arthritis, Urethritis, Uveitis) wird in etwa 3 % der Fälle beobachtet, und zwar nur nach Infektion mit S. flexneri.

S. dysenteriae Serovar 1 ist in der Lage, das Shiga-Toxin 1 (eng verwandt mit dem Shigatoxin 1 von EHEC-E. coli) zu bilden. Durch systemische mikrovaskuläre Schädigung kann hierdurch ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) ausgelöst werden. Die Sterblichkeit im Fall einer erforderlichen Hospitalisierung beträgt dann bis 15 % (www.who.int, 2005). Zusätzlich ist dieser Serovar besonders häufig mit Antibiotika-Resistenzen assoziiert.

Zwar wird die Erkrankung bei Patienten außerhalb der Risikogruppen (Kinder, Erwachsene > 50 Jahre, Immunsuppression) mit einer mittleren Dauer von 7 Tagen in der Regel ohne Antibiotikum gut überstanden, allerdings kommt es unter wirksamer Antibiose innerhalb von 48 h zu einer klinischen Besserung sowie der Elimination von Shigellen aus dem Stuhl, was die Ausscheidung mit dem Stuhl von etwa 4 Wochen auf nur 3 Tage verkürzt. Die Zahl der Studien ist überschaubar, aber der Unterschied ist klar: Diarrhö und Infektiosität verschwinden * Christopher, P. R., David, K. V., John, S. M., Sankarapandian, V., Antibiotic therapy for Shigella dysentery. Cochrane Database Syst Rev, 2010. p. CD006784., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20687081.

Konsekutiv zum häufigen Antibiotika-Einsatz wird weltweit eine problematische Resistenzenwicklung beobachtet, zum Beispiel gegenüber 3. Generations-Cephalosporinen, Makroliden und Fluorchinolonen * Nisa, I., Qasim, M., Yasin, N., Ullah, R., Ali, A., Shigella flexneri: an emerging pathogen. Folia Microbiol (Praha), 2020. 65(2): p. 275-291., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32026288. Auch in Deutschland werden wenige Isolate mit eingeschränkter Wirksamkeit von Carbapenemen gemeldet. Unter „men who have sex with men“ zirkulieren problematische Stämme mit Multiresistenz; Ausbrüche wurden beobachtet * Bardsley, M., Jenkins, C., Mitchell, H. D., Mikhail, A. F. W., Baker, K. S., Foster, K., et.al. Persistent Transmission of Shigellosis in England Is Associated with a Recently Emerged Multidrug-Resistant Strain of Shigella sonnei. J Clin Microbiol, 2020. 58(4):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31969425. Eine Resistenztestung ist daher obligat. Azithromycin ist erstes Mittel der Wahl, eine Wirksamkeit aber nicht immer gegeben * Brown, J. D., Willcox, S. J., Franklin, N., Hazelton, B., Howard, P., Reinten, T., et.al. Shigella species epidemiology and antimicrobial susceptibility: the implications of emerging azithromycin resistance for guiding treatment, guidelines and breakpoints. J Antimicrob Chemother, 2017. 72(11): p. 3181-3186., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28961759* Nuesch-Inderbinen, M., Heini, N., Zurfluh, K., Althaus, D., Hachler, H., Stephan, R., Shigella Antimicrobial Drug Resistance Mechanisms, 2004-2014. Emerg Infect Dis, 2016. 22(6): p. 1083-5., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27191035. Dritt-Generations-Cephalosporine können meist zum Einsatz kommen. Amoxicillin ist hingegen nicht wirksam. Alternativ zu Fluorchinolonen kann Pivmecillinam eingesetzt werden * Tickell, K. D., Brander, R. L., Atlas, H. E., Pernica, J. M., Walson, J. L., Pavlinac, P. B., Identification and management of Shigella infection in children with diarrhoea: a systematic review and meta-analysis. Lancet Glob Health, 2017. 5(12): p. e1235-e1248., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29132613. Bei Patienten mit einer Immunsuppression kann eine längere Therapiedauer erwogen werden.

Literatur

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Tickell, K. D., Brander, R. L., Atlas, H. E., et al. Identification and management of Shigella infection in children with diarrhoea: a systematic review and meta-analysis. Lancet Glob Health 2017; 5: e1235-e1248

Empfehlung 4.25

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Bei akuter Yersinien-Infektion ohne Hinweis auf Sepsis oder komplizierten Verlauf soll keine antimikrobielle Therapie erfolgen.
  • Bei schwerer oder protrahierter Symptomatik kann, bei Bakteriämie/Sepsis soll eine antimikrobielle Therapie durchgeführt werden (Antibiogramm beachten)
    • Ceftriaxon (2 g/Tag i. v. für 7 – 14 Tage), bei Allergie Ciprofloxacin 3 x 400 mg i. v. für insgesamt 7 – 14 Tage

Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen XXV

Hintergrund

Die Yersiniose wird durch Yersinia enterocolitica oder (seltener) Y. pseudotuberculosis ausgelöst. Die Infektion geht mit Erbrechen und Diarrhö einher mit eher subakutem Beginn. Der Erreger befällt das lymphatische System insbesondere im Bereich des Coecums, aber auch der Tonsillen. Entsprechend werden Fieber, Rachenschmerzen sowie rechtsseitige Unterbauchschmerzen beobachtet, auch als „Pseudoappendizitis“ beschrieben. Falls mit der Bildgebung (Sonographie, CT) keine sichere Darstellung der (üblicherweise unauffälligen) Appendix gelingt, kann zur Klärung dieser Differentialdiagnose eine explorative Laparoskopie unumgänglich sein. Falls im akuten Krankheitsstadium eine Coloskopie durchgeführt wird, zeigt sich typischerweise ein rechtsseitiger Colon-Befall, darüber hinaus Aphthen/Ulzerationen im terminalen Ileum, Blutungen können auftreten.

Ein septisches Krankheitsbild kann insbesondere bei Y. pseudotuberculosis auftreten, Abszessbildungen und lebensbedrohliche Verläufe sind möglich. Besonders bei Eisenüberladung / Hämochromatose sowie bei Leberzirrhose ist aufgrund der starken Eisenabhängigkeit des Erregers das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht * Thwaites, P. A., Woods, M. L., Sepsis and siderosis, Yersinia enterocolitica and hereditary haemochromatosis. BMJ Case Rep, 2017. 2017:, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28052950 * Rakin, A., Schneider, L., Podladchikova, O., Hunger for iron: the alternative siderophore iron scavenging systems in highly virulent Yersinia. Front Cell Infect Microbiol, 2012. 2: p. 151., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23226687.

Die Erkrankung ist – im Gegensatz zur globalen Situation – in Europa nicht häufig; so wurden im Jahr 2019 in der EU lediglich 7048 gesicherte Fälle gemeldet, davon 2154 in Deutschland. (“Yersiniosis Annual Epidemiological Report for 2019,” n.d.) Da die Mensch-zu Mensch-Übertragung praktisch keine Rolle spielt, werden nur sehr selten Ausbrüche beobachtet. Während Y. enterocolitica vor allem durch kontaminiertes Schweinefleisch bei nicht ausreichender Küchenhygiene übertragen wird, erfolgt die wesentlich seltenere Infektion mit Y. pseudotuberculosis durch von Wildtieren kontaminierte Lebensmittel * Reinhardt, M., Hammerl, J. A., Kunz, K., Barac, A., Nockler, K., Hertwig, S., Yersinia pseudotuberculosis Prevalence and Diversity in Wild Boars in Northeast Germany. Appl Environ Microbiol, 2018. 84(18):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29980552* Rosner, B. M., Werber, D., Hohle, M., Stark, K., Clinical aspects and self-reported symptoms of sequelae of Yersinia enterocolitica infections in a population-based study, Germany 2009-2010. BMC Infect Dis, 2013. 13: p. 236., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23701958. Aufgrund der Kältetoleranz des Erregers ist eine Vermehrung auch unter Kühlung möglich.

Die Inkubationszeit beträgt etwa 5 Tage (Zeitspanne 1 – 116 Tage). Es ist eine Erregerausscheidung von ca. 40 Tagen zu erwarten (17 – 116 Tage) * Ostroff, S. M., Kapperud, G., Lassen, J., Aasen, S., Tauxe, R. V., Clinical features of sporadic Yersinia enterocolitica infections in Norway. J Infect Dis, 1992. 166(4): p. 812-7., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1527416. Falls keine Diarrhö mehr besteht, kann – außer bei Personen in der Lebensmittelherstellung – bei der Einhaltung von Basishygienemaßnahmen auch eine Arbeitswiederaufnahme / ein Schulbesuch erlaubt werden.

Zur Diagnostik kann neben der (potenziell falsch-negativen) Stuhldiagnostik auch die Serologie (ELISA oder Immunoblot) eingesetzt werden: der Nachweis von IgM und IgA weist auf eine kürzlich zurückliegende Infektion hin; IgG persistiert hingegen lebenslang.

Tierexperimentelle Daten weisen auf ein partielles Abschalten von Pathogenitätsfaktoren hin, was eine Erregerpersistenz über eine akute Episode hinaus begünstigt, mit konsekutiver protrahierter Diarrhö und Schmerzsymptomatik * Heine, W., Beckstette, M., Heroven, A. K., Thiemann, S., Heise, U., Nuss, A. M., et.al. Loss of CNFY toxin-induced inflammation drives Yersinia pseudotuberculosis into persistency. PLoS Pathog, 2018. 14(2): p. e1006858., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29390040* Hoogkamp-Korstanje, J. A., de Koning, J., Heesemann, J., Persistence of Yersinia enterocolitica in man. Infection, 1988. 16(2): p. 81-5., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3286508.

Nur bei schwerer und protrahierter Symptomatik kann, bei Bakteriämie/Sepsis soll eine antibiotische Therapie erfolgen. Das optimale Therapieschema ist unbekannt. In der Regel besteht eine primäre Makrolid-Resistenz. Die Suszeptibilität variiert mit dem Serotyp. Entsprechend ist das jeweilige Antibiogramm zu beachten.

Eine reaktive Arthritis kann auftreten, die mit HLA-B27 assoziiert ist und auch klinisch der Gruppe der Spondylarthritiden zuzuordnen ist * Bentaleb, I., Abdelghani, K. B., Rostom, S., Amine, B., Laatar, A., Bahiri, R., Reactive Arthritis: Update. Curr Clin Microbiol Rep, 2020. 7(4): p. 124-132., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33014690. Je nach Intensität und Verlauf kann eine immunsuppressive Therapie erforderlich werden. Bei bis zu einem Drittel infizierter Patienten tritt ein Erythema nodosum auf, welches in der Regel spontan wieder abklingt. Diagnostisch kann ein Titeranstieg von Antikörpern gegen Yersinia Outer Protein-Antigen (YOP) genutzt werden. Auch eine protrahierte antibiotische Therapie bleibt ohne Effekt auf die Arthritis * Bentaleb, I., Abdelghani, K. B., Rostom, S., Amine, B., Laatar, A., Bahiri, R., Reactive Arthritis: Update. Curr Clin Microbiol Rep, 2020. 7(4): p. 124-132., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33014690. Im Übrigen gibt es keinen Hinweis darauf, dass eine frühzeitige Antibiotikatherapie eine reaktive Arthritis oder ein Erythema nodosum verhindern kann.

In der Regel kann mit Ceftriaxon 2 g/Tag für 7 – 14 Tage behandelt werden. Nur bei Kontraindikationen wie einer Medikamentenallergie und bei vorliegendem Antibiogramm kann alternativ eine Therapie mit Ciprofloxacin erfolgen. Sekundäre Resistenzen sind in Europa selten * Butler, T., Haemolytic uraemic syndrome during shigellosis. Trans R Soc Trop Med Hyg, 2012. 106(7): p. 395-9.. Es liegen keine kontrollierten Studien über die optimale Therapiedauer vor. Bei einer Enterokolitis wird zu einer Therapiedauer von 5 – 7 Tagen, bei einer Bakteriämie wird bis 7 – 14 Tagen geraten.

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Butler, T.. Haemolytic uraemic syndrome during shigellosis. Trans R Soc Trop Med Hyg 2012; 106: 395-9

Anhang

Anhang

Tabelle 5: Resistenzquoten von Salmonella enterica Subspezies enterica (Quelle: Nationales Referenzzentrum für Salmonellen und andere Enteritiserreger am Robert Koch Institut, Bereich Wernigerode; 2012 – 2019). Die Analyse der Antibiotikaresistenzdaten erfolgte für epidemiologische Zwecke.


2012 – 20142015 – 20172018 – 2019
n = 8307n = 8038n = 8931
SerovarTyphimuriumEnteritidisandereTyphimuriumEnteritidisandereTyphimuriumEnteritidisandere
% Anteil im Zeitraum341749281953242452
Antibiotikum*Grenzwerte
[mg/l]
Resistent (>)
% resistente Stämme der jeweiligen Serovare
Amikacin81,00,30,80,90,20,70,40,00,2
Ampicillin879,61,610,971,73,411,668,67,312,0
Ciprofloxacin0,066,76,510,44,78,517,46,411,917,4
Chloramphenicol813,80,75,29,40,85,210,50,75,5
Ceftazidim40,70,31,50,70,11,40,90,12,1
Cefotaxim20,80,31,60,90,11,91,70,12,6
Gentamicin21,90,43,02,00,44,31,80,04,0
Kanamycin82,50,01,52,00,11,63,00,02,4
Tetracyclin874,41,211,955,21,714,056,55,614,3
Trimethoprim- Sulfameracin414,20,68,79,60,57,810,30,28,1
*Azithromycin wurde für Salmonellen 2020 in das Panel der am NRZ getesteten antimikrobiellen Substanzen aufgenommen. Vorläufige Daten weisen sehr geringe Resistenzraten gegen Azithromycin aus. Für diepredominanten Serovare S. Enteritidis und S. Typhimurium liegen sie bei 0,06 % bzw. 0,31 % der am NRZ seit 2020 untersuchten Patientenisolate.

Tabelle 6: Resistenzquoten von Campylobacter jejuni und C. coli (Quelle: Nationales Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am Robert Koch Institut, Bereich Wernigerode, 2012 – 2022). Die Analyse der Antibiotikaresistenzdaten erfolgte für epidemiologische Zwecke.

2012 – 20152016 – 20192020 – 2022*
C. jejuniC. coliC. jejuniC. coliC. jejuniC. coli
n = 693n = 312n = 380n = 159n = 3792n = 588
AntibiotikumGrenzwerte[mg/l]
Resistent bzw.
Nicht-Wildtyp (>)
% resistente Stämme der jeweiligen Spezies
Erythromycin4/830,333,218,236,62,429,4
Ciprofloxacin0,556,566,152,963,469,871,8
Tetracyclin228,160,441,864,144,769,9
Fosfomycin6416,113,132,130,312,219,4
Gentamicin129,064,45,613,812,747,4
Clindamycin0,5/111,121,828,240,08,511,6
Ampicillin877,175,526,844,144,642,7
*Seit 2020 werden Isolate aus dem ganzen Bundesgebiet akquiriert (bundesweit repräsentative Daten), während die Isolate bis 2019 aus einem Bundeslandstammen (regionale Daten).

5. Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile Präambel

Präambel

Es gibt derzeit keine einheitliche Definition der nosokomialen Diarrhö. Gemäß der Definition des Robert Koch-Instituts liegt eine nosokomiale Diarrhö vor, wenn es zum Auftreten von ≥ 3 ungeformten Stühlen pro Tag mehr als 48 Stunden nach stationärer Aufnahme kommt (www.rki.de). Andere Autoren geben einen Zeitraum von 72 Stunden an * McFarland, L. V., Mulligan, M. E., Kwok, R. Y., Stamm, W. E., Nosocomial acquisition of Clostridium difficile infection. N Engl J Med, 1989. 320(4): p. 204-10.* Polage, C. R., Solnick, J. V., Cohen, S. H., Nosocomial diarrhea: evaluation and treatment of causes other than Clostridium difficile. Clin Infect Dis, 2012. 55(7): p. 982-9.* Gorkiewicz, G., Nosocomial and antibiotic-associated diarrhoea caused by organisms other than Clostridium difficile. Int J Antimicrob Agents, 2009. 33 Suppl 1: p. S37-41.. Diese Definitionen basieren auf der Tatsache, dass das Spektrum bakterieller Erreger ab 48 bis 72 Stunden nach stationärer Aufnahme quantitativ von C. difficile dominiert wird * Bauer, M. P., Notermans, D. W., van Benthem, B. H., Brazier, J. S., Wilcox, M. H., Rupnik, M., et.al. Clostridium difficile infection in Europe: a hospital-based survey. Lancet, 2011. 377(9759): p. 63-73., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21084111. Weil in der vorliegenden Leitlinie aber auch die Norovirusinfektion mit ihrer kurzen Inkubationszeit von 6 – 50 Stunden als Erreger der nosokomialen Gastroenteritis berücksichtigt wird und auch C. difficile häufig ambulant erworbene Durchfallerkrankungen verursacht, wurde auf die o. g. zeitlichen Einschränkungen verzichtet und jede im Krankenhaus sich erstmalig manifestierende Diarrhö als nosokomial bewertet. Es sei aber darauf hingewiesen, dass viele Diarrhön im Kontext einer nosokomialen Gastroenteritis auftreten, die auch mit anderen Symptomen assoziiert sein kann (z. B. Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Fieber, Motilitätsstörungen, Megakolon sowie eine Abweichung von der gewohnten Stuhlfrequenz und -konsistenz, die nicht die Diarrhökriterien erfüllt), die gegebenenfalls entsprechend differenzialdiagnostisch gewertet werden sollten.

Die nosokomiale Diarrhö ist eine häufige Komplikation hospitalisierter Patienten. Sie ist mit signifikanter Morbidität und Mortalität behaftet, verlängert die Krankenhausverweildauer und verursacht erhebliche Kosten * Polage, C. R., Solnick, J. V., Cohen, S. H., Nosocomial diarrhea: evaluation and treatment of causes other than Clostridium difficile. Clin Infect Dis, 2012. 55(7): p. 982-9.* Lima, N. L., Guerrant, R. L., Kaiser, D. L., Germanson, T., Farr, B. M., A retrospective cohort study of nosocomial diarrhea as a risk factor for nosocomial infection. J Infect Dis, 1990. 161(5): p. 948-52.. Besonders wichtig in der Behandlung von Patienten mit nosokomialer Diarrhö ist die Identifikation potenzieller Infektionsquellen, weil dies spezifische Maßnahmen in Diagnostik, Therapie und Hygienemanagement nach sich zieht. Die Abgrenzung der nosokomialen von der ambulant erworbenen infektiösen Gastroenteritis ist hinsichtlich eines deutlich unterschiedlichen Erregerspektrums sinnvoll. Eine herausragende Bedeutung kommt dabei C. difficile als einem der häufigsten Erreger nosokomialer Infektionen zu * Magill, S. S., Edwards, J. R., Bamberg, W., Beldavs, Z. G., Dumyati, G., Kainer, M. A., et.al. Multistate point-prevalence survey of health care-associated infections. N Engl J Med, 2014. 370(13): p. 1198-208.* Balsells, E., Shi, T., Leese, C., Lyell, I., Burrows, J., Wiuff, C., et.al. Global burden of Clostridium difficile infections: a systematic review and meta-analysis. J Glob Health, 2019. 9(1): p. 010407., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30603078. So ist die Inzidenz der nosokomialen C. difficile-Infektion in Deutschland mittlerweile doppelt so hoch wie diejenige für MRSA * Meyer, E., Gastmeier, P., Weizel-Kage, D., Schwab, F., Associations between nosocomial meticillin-resistant Staphylococcus aureus and nosocomial Clostridium difficile-associated diarrhoea in 89 German hospitals. J Hosp Infect, 2012. 82(3): p. 181-6.. Die Letalität der CDI ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen, möglicherweise auch aufgrund der zunehmenden Verbreitung hypervirulenter/epidemisch bedeutsamer Stämme * Jones, A. M., Kuijper, E. J., Wilcox, M. H., Clostridium difficile: a European perspective. J Infect, 2013. 66(2): p. 115-28.* Hensgens, M. P., Goorhuis, A., Dekkers, O. M., van Benthem, B. H., Kuijper, E. J., All-cause and disease-specific mortality in hospitalized patients with Clostridium difficile infection: a multicenter cohort study. Clin Infect Dis, 2013. 56(8): p. 1108-16.. Die durch CDI ausgelösten Mehrkosten in der stationären Versorgung in einem deutschen Krankenhaus liegen zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Fall * Vonberg, R. P., Reichardt, C., Behnke, M., Schwab, F., Zindler, S., Gastmeier, P., Costs of nosocomial Clostridium difficile-associated diarrhoea. J Hosp Infect, 2008. 70(1): p. 15-20..

Neben C. difficile sind Noroviren die wichtigsten Erreger der nosokomialen Diarrhö. Aufgrund ihrer hohen Infektiosität (geringe Infektionsdosis, hohe Umweltstabilität, Übertragung durch direkte und indirekte Kontaktinfektion) kommt es leicht zur Übertragung in Einrichtungen, in denen Menschen auf engem Raum zusammenleben, z. B. in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Um Krankenhausausbrüche so weit wie möglich zu vermeiden, ist bei der stationären Versorgung von Patienten mit einer Norovirus-Infektion dem Hygienemanagement besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Diarrhö ist aber auch eine unerwünschte Wirkung vieler Medikamente. Besonders häufig tritt sie beim Einsatz von Antibiotika auf. In einer prospektiven Multicenter-Studie mit mehr als 2800 Patienten, die eine parenterale Antibiotikatherapie erhielten, lag die Inzidenz der Antibiotika-assoziierten Diarrhö bei ca. 10 % * Allen, S. J., Wareham, K., Wang, D., Bradley, C., Hutchings, H., Harris, W., et.al. Lactobacilli and bifidobacteria in the prevention of antibiotic-associated diarrhoea and Clostridium difficile diarrhoea in older inpatients (PLACIDE): a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet, 2013. 382(9900): p. 1249-57., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23932219. Für die Praxis ist es wichtig, dass die Mehrzahl der Fälle (> 75 %) einer Antibiotika-assoziierten Diarrhö (AAD) nicht infektiöser Natur sondern durch Effekte der Antibiotika auf Mukosa und Motilität des Intestinums bedingt ist oder durch Störungen der intestinalen Mikrobiota mit sekundären trophischen und sekretionsfördernden Auswirkungen auf die Schleimhaut hervorgerufen wird * Polage, C. R., Solnick, J. V., Cohen, S. H., Nosocomial diarrhea: evaluation and treatment of causes other than Clostridium difficile. Clin Infect Dis, 2012. 55(7): p. 982-9..

Literatur

[1]

McFarland, L. V., Mulligan, M. E., Kwok, R. Y., et al. Nosocomial acquisition of Clostridium difficile infection. N Engl J Med 1989; 320: 204-10

[2]

Polage, C. R., Solnick, J. V., Cohen, S. H.. Nosocomial diarrhea: evaluation and treatment of causes other than Clostridium difficile. Clin Infect Dis 2012; 55: 982-9

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Gorkiewicz, G.. Nosocomial and antibiotic-associated diarrhoea caused by organisms other than Clostridium difficile. Int J Antimicrob Agents 2009; 33 Suppl 1: S37-41

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Bauer, M. P., Notermans, D. W., van Benthem, B. H., et al. Clostridium difficile infection in Europe: a hospital-based survey. Lancet 2011; 377: 63-73

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Lima, N. L., Guerrant, R. L., Kaiser, D. L., et al. A retrospective cohort study of nosocomial diarrhea as a risk factor for nosocomial infection. J Infect Dis 1990; 161: 948-52

[6]

Magill, S. S., Edwards, J. R., Bamberg, W., et al. Multistate point-prevalence survey of health care-associated infections. N Engl J Med 2014; 370: 1198-208

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Balsells, E., Shi, T., Leese, C., et al. Global burden of Clostridium difficile infections: a systematic review and meta-analysis. J Glob Health 2019; 9: 010407

[8]

Meyer, E., Gastmeier, P., Weizel-Kage, D., et al. Associations between nosocomial meticillin-resistant Staphylococcus aureus and nosocomial Clostridium difficile-associated diarrhoea in 89 German hospitals. J Hosp Infect 2012; 82: 181-6

[9]

Jones, A. M., Kuijper, E. J., Wilcox, M. H.. Clostridium difficile: a European perspective. J Infect 2013; 66: 115-28

[10]

Hensgens, M. P., Goorhuis, A., Dekkers, O. M., et al. All-cause and disease-specific mortality in hospitalized patients with Clostridium difficile infection: a multicenter cohort study. Clin Infect Dis 2013; 56: 1108-16

[11]

Vonberg, R. P., Reichardt, C., Behnke, M., et al. Costs of nosocomial Clostridium difficile-associated diarrhoea. J Hosp Infect 2008; 70: 15-20

[12]

Allen, S. J., Wareham, K., Wang, D., et al. Lactobacilli and bifidobacteria in the prevention of antibiotic-associated diarrhoea and Clostridium difficile diarrhoea in older inpatients (PLACIDE): a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet 2013; 382: 1249-57

Konsensbasierte Empfehlung 5.1

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ursachen der infektiösen nosokomialen Gastroenteritis

Als infektiöse Ursachen einer nosokomialen Diarrhö sollen im Rahmen der primären Labordiagnostik frühzeitig Clostridioides difficile und Noroviren abgeklärt werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile I

Hintergrund

Aufgrund der kurzen Inkubationszeit der meisten bakteriellen und viralen Durchfallerreger kann die Diagnostik bei nosokomialer Diarrhö auf wenige Erreger fokussiert werden, wenn Durchfälle erstmals mindestens 48 Stunden nach stationärer Aufnahme im Krankenhaus auftreten. Bei Durchfall innerhalb von 48 Stunden nach stationärer Aufnahme sollte das gesamte Keimspektrum in die differenzialdiagnostischen Erwägungen eingeschlossen werden. Entsprechend dieser „3-Tage-Regel“ sollte bei Diarrhöen, die später als 48 Stunden nach Aufnahme im Krankenhaus auftreten, die Primärdiagnostik auf das reduzierte Keimspektrum nosokomialer Diarrhö angepasst werden * Epple, H. J., Zeitz, M., [Infectious enteritis]. Internist (Berl), 2011. 52(9): p. 1038, 1040-4, 1046.. Die Primärdiagnostik sollte dabei immer C. difficile umfassen. Der Nachweis bzw. der Ausschluss von C. difficile hat unmittelbare Konsequenzen für spezifische Therapie- und Hygienemaßnahmen. Bei klinischem Hinweis, z. B. zusätzlichem Erbrechen oder epidemiologisch begründetem Verdacht, sollte immer eine Diagnostik für Noroviren erfolgen * Buchwald, D. S., Blaser, M. J., A review of human salmonellosis: II. Duration of excretion following infection with nontyphi Salmonella. Rev Infect Dis, 1984. 6(3): p. 345-56.* Bernard, H., Hohne, M., Niendorf, S., Altmann, D., Stark, K., Epidemiology of norovirus gastroenteritis in Germany 2001-2009: eight seasons of routine surveillance. Epidemiol Infect, 2014. 142(1): p. 63-74., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23517686. Im Sinne einer Stufendiagnostik kann bei negativer Initialdiagnostik das Erregerspektrum entsprechend der allgemeinen Empfehlung dieser Leitlinie erweitert werden.

Die C. difficile-Diagnostik sollte zeitnah mit sensitiven Testverfahren durchgeführt werden. Zu den verschiedenen diagnostischen Verfahren bzw. deren Kombination sei auf den Hintergrundtext zur Empfehlung 3.5 verwiesen. Die Norovirus-Diagnostik soll bei symptomatischen Patienten insbesondere aus krankenhaushygienischen Gründen innerhalb weniger Stunden als Schnelltest erfolgen. Dabei sind molekularbiologische Verfahren (z. B. PCR) den Antigentests überlegen und ermöglichen darüber hinaus auch eine Genotypisierung zur Charakterisierung von Ausbrüchen * Bernard, H., Hohne, M., Niendorf, S., Altmann, D., Stark, K., Epidemiology of norovirus gastroenteritis in Germany 2001-2009: eight seasons of routine surveillance. Epidemiol Infect, 2014. 142(1): p. 63-74., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23517686. Der Nachweis dieser meldepflichtigen Durchfallerkrankung hat unmittelbare Implikationen für das Hygienemanagement (Isoliermaßnahmen, viruzide Desinfektionsmittel) und die Identifikation möglicher weiterer Fälle (siehe Empfehlung 5.6). Der Therapieerfolg bei nosokomialen Durchfallerkrankungen soll ausschließlich klinisch beurteilt werden. Mikrobiologisch bzw. virologische Verlaufsuntersuchungen sind nicht indiziert, auch nicht als Kriterium/Voraussetzung für Verlegungen in andere Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen.

Während der Nachweis von Pseudomembranen in der Sigmoidoskopie/Koloskopie in der Vergangenheit eine wichtige diagnostische Rolle einnahm, ist diese heute aufgrund der hohen Geschwindigkeit und Sensitivität der verfügbaren Labordiagnostik in den Hintergrund getreten. Endoskopische Bestätigungsuntersuchungen (Sigmoidoskopie/Koloskopie) einer mikrobiologisch nachgewiesenen CDI sollen nicht durchgeführt werden, da sich daraus keine zusätzlichen Behandlungsoptionen ergeben.

Literatur

[1]

Epple, H. J., Zeitz, M.. [Infectious enteritis]. Internist (Berl) 2011; 52: 1038, 1040-4, 1046

[2]

Buchwald, D. S., Blaser, M. J.. A review of human salmonellosis: II. Duration of excretion following infection with nontyphi Salmonella. Rev Infect Dis 1984; 6: 345-56

[3]

Bernard, H., Hohne, M., Niendorf, S., et al. Epidemiology of norovirus gastroenteritis in Germany 2001-2009: eight seasons of routine surveillance. Epidemiol Infect 2014; 142: 63-74

Konsensbasierte Empfehlung 5.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Konsens


Diagnostik bei Norovirus-Ausbrüchen

Im Rahmen von Norovirus-Ausbrüchen sollte die Diagnose weiterer Infektionsfälle rein klinisch gestellt werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile II

Hintergrund

Zur ätiologischen Klärung ist die gezielte Diagnostik parallel zu den anderen üblichen Untersuchungen durchzuführen. Zurzeit gilt als sicherster Nachweis für Noroviren die PCR aus dem Stuhl (Goldstandard). Bei größeren Ausbrüchen ist es nicht notwendig, alle Betroffenen zu untersuchen. In diesen Fällen genügt der Nachweis in der Regel bei maximal 5 der betroffenen Personen, um dann bei den anderen Erkrankten aus der gleichen Umgebung mit ähnlichen Symptomen ebenfalls eine Norovirus-Infektion zu diagnostizieren. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass hygienische Maßnahmen auch nach Sistieren der akuten Symptomatik von ausschlaggebender Bedeutung sind. Der Erregernachweis im Stuhl kann noch Monate nach Abklingen der Symptomatik positiv sein, wobei die Infektiosität unklar ist. Auf eine sorgfältige Händehygiene muss daher im Folgezeitraum geachtet werden. Beim Auftreten von Norovirus-Erkrankungen in Krankenhäusern, Gemeinschaftseinrichtungen oder Altenheimen bildet die rasche klinische Abgrenzung auftretender Norovirus-Infektionen von anderen, z. B. durch Lebensmitteltoxine verursachten Gastroenteritiden, die Grundlage einer effektiven Ausbruchsprävention. Wenn die typische Symptomatik und die epidemiologischen Merkmale auf eine Norovirus-Infektion hindeuten, sollten aufgrund der epidemischen Potenz präventive Maßnahmen rasch und konsequent ergriffen werden, auch ohne die Bestätigung durch virologische Untersuchungen abzuwarten * Lopman, B. A., Reacher, M. H., Vipond, I. B., Sarangi, J., Brown, D. W., Clinical manifestation of norovirus gastroenteritis in health care settings. Clin Infect Dis, 2004. 39(3): p. 318-24..

Literatur

[1]

Lopman, B. A., Reacher, M. H., Vipond, I. B., et al. Clinical manifestation of norovirus gastroenteritis in health care settings. Clin Infect Dis 2004; 39: 318-24

Konsensbasiertes Statement 5.3

Modifiziert 2023

Starker Konsens


Definition und Prädiktion der schweren CDI

Eine CDI wird als schwer klassifiziert, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • Fieber, definiert als > 38,5°C
  • Leukozytose, definiert als > 15 x 109/L
  • Anstieg des Serumkreatinins auf > 50 % des Ausgangswertes
Die komplizierte (oder fulminante) CDI ist gekennzeichnet durch das Vorliegen mindestens eines der folgenden Kriterien:

  • Hypotension (systolischer Blutdruck < 100 mmHg)
  • Septischer Schock
  • Erhöhtes Serum Laktat (≥ 20 mg/dl bzw. ≥ 2,2 mmol/l)
  • Ileus
  • Toxisches Megakolon
  • Perforation
  • Fulminante Krankheitsdynamik
Die wichtigsten Prädiktoren für die Vorhersage einer schweren CDI sind:

  • Alter >65 Jahre
  • Multiple signifikante Komorbidität (z. B. Niereninsuffizienz, Immunsuppression u.a.)

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile III

Hintergrund

Die in internationalen Leitlinien genutzte Definition der schweren CDI ist nicht identisch mit der Definition, auf der die vom RKI definierte Meldepflicht in Deutschland beruht * van Prehn, J., Reigadas, E., Vogelzang, E. H., Bouza, E., Hristea, A., Guery, B., et.al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect, 2021. 27 Suppl 2: p. S1-S21., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34678515. Eine Meldepflicht gemäß IfSG besteht bei schwer verlaufenden Fällen, definiert als

  • Stationäre Behandlung einer ambulant erworbenen CDI (Symptombeginn vor oder am Tag der stationären Aufnahme, kein Aufenthalt in einer medizinischen Einrichtung innerhalb von 12 Wochen vor Symptombeginn)
  • Behandlung der CDI und ihrer Komplikationen auf einer Intensivstation
  • Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs, z. B. einer Kolektomie, aufgrund eines Megakolons, einer Perforation oder einer refraktären Kolitis
  • Tod innerhalb von 30 Tagen nach der Diagnosestellung mit CDI als direkte Todesursache oder zum Tode beitragende Erkrankung

Neben der Definition des schweren Verlaufes werden in der Literatur unterschiedliche Risikofaktoren für diesen diskutiert. Eine eindeutige Aussage diesbezüglich wird durch die bisher international uneinheitliche Definition des schweren Verlaufes, durch das meist retrospektive Design und die limitierten Fallzahlen der entsprechenden Erhebungen erschwert.

Ein höheres Lebensalter * Wilking, H., Spitznagel, H., Werber, D., Lange, C., Jansen, A., Stark, K., Acute gastrointestinal illness in adults in Germany: a population-based telephone survey. Epidemiol Infect, 2013. 141(11): p. 2365-75.* Lynen Jansen, P., Stallmach, A., Lohse, A. W., Lerch, M. M., [Development of gastrointestinal infectious diseases between 2000 and 2012]. Z Gastroenterol, 2014. 52(6): p. 549-57. und das Vorliegen multipler Vorerkrankungen * Lynen Jansen, P., Stallmach, A., Lohse, A. W., Lerch, M. M., [Development of gastrointestinal infectious diseases between 2000 and 2012]. Z Gastroenterol, 2014. 52(6): p. 549-57.* Lynen Jansen, P., Preiß, J. C., Muche-Borowski, C., Zeuzem, S., [The guidelines program of the DGVS]. Z Gastroenterol, 2013. 51(7): p. 643-50.* van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., Kuijper, E. J., Keller, J. J., et.al. Prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: a systematic review. Clin Microbiol Infect, 2022. 28(3): p. 321-331. werden trotz genannter Einschränkungen in der Literatur einheitlich als Risikofaktoren für schwere Verläufe identifiziert, wobei das Risiko mit steigendem Alter immer weiter zunimmt * Kist, M., Mauch, H., Podbielski, A., Herrmann, M., Kniehl, E., Mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards (MiQ), MIQ 09: Gastrointestinale InfektionenElsevier, Urban & Fischer, 2013.. Auch vorangegangene Hospitalisierungen * Wilking, H., Spitznagel, H., Werber, D., Lange, C., Jansen, A., Stark, K., Acute gastrointestinal illness in adults in Germany: a population-based telephone survey. Epidemiol Infect, 2013. 141(11): p. 2365-75. sowie die Behandlung auf einer Intensivstation * van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., Kuijper, E. J., Keller, J. J., et.al. Prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: a systematic review. Clin Microbiol Infect, 2022. 28(3): p. 321-331. und das Vorliegen des binären Toxins * Farthing, M., Lindberg, G., Dite, P., World Gastroenterology Organisation practice guideline: Acute diarrhea, http://www.worldgastroenterology.org/assets/downloads/en/pdf/guidelines/01_acute_diarrhea.pdf* Siegel, D. L., Edelstein, P. H., Nachamkin, I., Inappropriate testing for diarrheal diseases in the hospital. Jama, 1990. 263(7): p. 979-82. wurden in verschiedenen Arbeiten als Prädiktoren eines schweren Verlaufes identifiziert, die Datenlage ist jedoch weniger einheitlich.

Literatur

[1]

van Prehn, J., Reigadas, E., Vogelzang, E. H., et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect 2021; 27 Suppl 2: S1-S21

[2]

Wilking, H., Spitznagel, H., Werber, D., et al. Acute gastrointestinal illness in adults in Germany: a population-based telephone survey. Epidemiol Infect 2013; 141: 2365-75

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Lynen Jansen, P., Stallmach, A., Lohse, A. W., et al. [Development of gastrointestinal infectious diseases between 2000 and 2012]. Z Gastroenterol 2014; 52: 549-57

[4]

Lynen Jansen, P., Preiß, J. C., Muche-Borowski, C., et al. [The guidelines program of the DGVS]. Z Gastroenterol 2013; 51: 643-50

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van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., et al. Prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: a systematic review. Clin Microbiol Infect 2022; 28: 321-331

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Kist, M., Mauch, H., Podbielski, A., et al. Mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards (MiQ), MIQ 09: Gastrointestinale Infektionen. 2013; :

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Farthing, M., Lindberg, G., Dite, P.. World Gastroenterology Organisation practice guideline: Acute diarrhea. ; :

[8]

Siegel, D. L., Edelstein, P. H., Nachamkin, I.. Inappropriate testing for diarrheal diseases in the hospital. Jama 1990; 263: 979-82

Konsensbasierte Empfehlung 5.4

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei Vorliegen einer nosokomialen Gastroenteritis sollten folgende supportive Maßnahmen ergriffen werden:

  • Substitution von Volumen (kristalloide Lösungen) und Elektrolyten
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Absetzen der auslösenden Antibiotika (falls möglich)
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Verzicht auf Motilitätshemmer, inklusive Opiate (soweit möglich)
  • Bei Verdacht auf bzw. bei bestätigter CDI: Verzicht auf Protonenpumpeninhibitoren erwägen

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile IV

Hintergrund

Wegen des postulierten Zusammenhanges zwischen dem Einsatz von Motilitätshemmern und dem Risiko für die Entwicklung eines toxischen Megakolons gelten Motilitätshemmer bei der CDI als relativ kontraindiziert * Cohen, S. H., Gerding, D. N., Johnson, S., Kelly, C. P., Loo, V. G., McDonald, L. C., et.al. Clinical practice guidelines for Clostridium difficile infection in adults: 2010 update by the society for healthcare epidemiology of America (SHEA) and the infectious diseases society of America (IDSA). Infect Control Hosp Epidemiol, 2010. 31(5): p. 431-55.. Da die CDI durch luminale Toxine vermittelt wird, erscheint dieser Zusammenhang zwischen vermehrter Toxin-Retention nach Motilitätshemmung und schweren klinischen Verläufen auch pathogenetisch plausibel.

Literatur

[1]

Cohen, S. H., Gerding, D. N., Johnson, S., et al. Clinical practice guidelines for Clostridium difficile infection in adults: 2010 update by the society for healthcare epidemiology of America (SHEA) and the infectious diseases society of America (IDSA). Infect Control Hosp Epidemiol 2010; 31: 431-55

Konsensbasierte Empfehlung 5.5

Modifiziert 2023

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Antimikrobielle Therapie der Clostridioides difficile-Infektion

Folgende Empfehlungen gelten für die Therapie-Indikation bei CDI:

  • Nur bei leichtem Krankheitsbild kann bei Patienten ohne Risikofaktoren nach Absetzen des auslösenden Antibiotikums und unter engmaschiger klinischer Beobachtung der Spontanverlauf abgewartet und auf eine spezifische Therapie verzichtet werden.
  • In allen anderen Fällen sollte frühzeitig eine spezifische Therapie initiiert werden.
  • Bei schwerem Krankheitsbild und hochgradigem Verdacht auf eine CDI kann eine spezifische Therapie bereits unmittelbar im Anschluss an die Abgabe einer Stuhlprobe zur Diagnostik eingeleitet werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile V

Hintergrund

Die CDI zeigt noch immer eine hohe Mortalitätsrate von etwa 20 %. Daher sollte nur bei Patienten ohne Risikofaktoren und mit leichtem Krankheitsbild in einer Einzelfallentscheidung und unter engmaschiger klinischer Überwachung auf eine CDI-spezifische Therapie verzichtet werden. Bei klinischer Verschlechterung oder fehlender Verbesserung ist diese umgehend zu beginnen. Wie bei anderen Infektionskrankheiten auch ist bei schweren Verläufen oder bei besonders gefährdeten Patienten der Beginn einer frühzeitigen spezifischen Therapie essenziell.

Konsensbasierte Empfehlung 5.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Risikofaktoren für eine rezidivierende CDI

In der Betreuung von Patienten mit CDI soll eine sorgfältige Abschätzung des Rezidivrisikos erfolgen, da dies Einfluss auf die therapeutische Entscheidung hat (siehe Tabelle im Hintergrundtext).

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile VI

Hintergrund

Das Rezidiv einer CDI wird definiert als die erneute Diagnose einer CDI nach Sistieren der Symptome der vorhergehenden Episode. Allerdings definieren verschiedene Autoren die Zeiträume, innerhalb derer das Rezidiv auftreten muss, unterschiedlich, sodass hier je nach Quelle 4 bis 12 Wochen der Definition zu Grunde gelegt werden. Klinisch ist dabei nicht zu unterscheiden, ob es sich um eine Neuinfektion mit einem völlig neuen Stamm oder eine Re-aktivierung des bestehenden Stammes handelt. Dies kann nur molekularbiologisch eruiert werden.

In einem aktuellen systematischen Review erfolgte die Analyse aller verfügbaren Fall-Kontroll Studien und Kohorten (n = 136) zur Frage der Prognose eines CDI-Rezidivs. In dieser Analyse wurde ein Patientenalter > 65 Jahre als relevantester Risikofaktor für ein Rezidiv mit einer mittleren bis großen Effektstärke identifiziert. Eine vorhergehende CDI-Episode innerhalb der letzten 3 Monate wurde ebenfalls als relevanter Risikofaktor für ein Rezidiv identifiziert, genau wie eine nosokomial erworbene CDI. Im Einklang mit diesem Faktor steht auch die Identifizierung einer Hospitalisierung innerhalb der letzten 3 Monate als relevanter Risikofaktor. Die Evidenz bezüglich des Einsatzes von Protonenpumpeninhibitoren war weniger eindeutig bei niedriger Qualität der verfügbaren Evidenz. A. e. scheint hier jedoch die Gabe eines PPI während oder unmittelbar im Anschluss an die initiale CDI-Episode ein Risikofaktor zu sein. Ebenso widersprüchlich ist die Datenlage zur Fortführung einer nicht für die Therapie der CDI bestimmten Antibiotikatherapie parallel zur Therapie der CDI. Das Vorliegen einer schweren CDI und/oder von Komorbiditäten ließen sich als Risikofaktoren in dieser Analyse ebenso nicht bestätigen. Dies galt auch für das Vorliegen einer immunsupprimierenden Erkrankung oder Therapie * van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., Kuijper, E. J., Keller, J. J., et.al. Prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: a systematic review. Clin Microbiol Infect, 2022. 28(3): p. 321-331.. Die Tabelle „Therapierelevante Risikofaktoren für eine rezidivierende CDI“ gibt einen Überblick über die relevanten Risikofaktoren für ein Rezidiv unter Berücksichtigung der Qualität der zu Grunde liegenden Evidenz.

Literatur

[1]

van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., et al. Prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: a systematic review. Clin Microbiol Infect 2022; 28: 321-331

Tabelle 7: Therapierelevante Risikofaktoren für eine rezidivierende CDI

RisikofaktorQualität der Evidenz* van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., Kuijper, E. J., Keller, J. J., et.al. Prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: a systematic review. Clin Microbiol Infect, 2022. 28(3): p. 321-331.
Alter > 65 JahreModerat
Vorhergehendes Rezidiv (< 3 Monate)Moderat
Nosokomial erworbene CDINiedrig
Vorhergehende HospitalisierungNiedrig
PPI-Verschreibung während oder im Anschlussan CDI-EpisodeNiedrig

Konsensbasierte Empfehlung 5.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Primärtherapie der Clostridioides difficile-Infektion: Antibiotika

Für die spezifische Primärtherapie der CDI werden folgende Empfehlungen gegeben:

  • Die Primärtherapie soll mit Fidaxomicin 2 x 200 mg / Tag p. o. oder Vancomycin 4 x 125 mg / Tag p. o. über 10 Tage erfolgen.

Empfehlung 5.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko soll Fidaxomicin eingesetzt werden (siehe Empfehlung 5.14 – 5.16).

Empfehlung 5.9

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Eine Behandlung mit Metronidazol 3 x 400 mg / Tag p. o. über 10 Tage kann bei nicht schwerem Krankheitsbild, fehlenden Risikofaktoren für einen schweren Verlauf und guter Compliance des Patienten erwogen werden.

Konsensbasierte Empfehlung 5.10

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Bei erhöhtem Rezidivrisiko kann eine zusätzliche Behandlung mit Bezlotoxumab* (einmalig 10 mg/kg KG i. v.) zur Sekundärprophylaxe erfolgen.


*seit Januar 2024 in Deutschland nicht mehr verfügbar, in Einzelfällen über die internationale Apotheke zu bestellen

Empfehlung 5.11

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Wenn keine enterale Therapie möglich ist, kann eine parenterale Therapie mit Metronidazol 3 x 500 mg i. v. / Tag oder Tigecyclin 2 x 50 mg i. v. / Tag (Startdosis 100 mg i. v.) erfolgen.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XI

Hintergrund

Metronidazol oder Vancomycin oral wurden über Jahrzehnte als Goldstandard für die Therapie der nicht schweren bzw. schweren CDI empfohlen * McDonald, L. C., Gerding, D. N., Johnson, S., Bakken, J. S., Carroll, K. C., Coffin, S. E., et.al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis, 2018. 66(7): p. 987-994., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29562266* Debast, S. B., Bauer, M. P., Kuijper, E. J., European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: update of the treatment guidance document for Clostridium difficile infection. Clin Microbiol Infect, 2014. 20 Suppl 2: p. 1-26.. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch zunehmend Daten im Rahmen von randomisierten kontrollierten Studien generiert worden, die ein signifikant vermindertes Therapieansprechen auf Metronidazol im Vergleich zu Vancomycin belegen * Johnson, S., Louie, T. J., Gerding, D. N., Cornely, O. A., Chasan-Taber, S., Fitts, D., et.al. Vancomycin, metronidazole, or tolevamer for Clostridium difficile infection: results from two multinational, randomized, controlled trials. Clin Infect Dis, 2014. 59(3): p. 345-54.* Zar, F. A., Bakkanagari, S. R., Moorthi, K. M., Davis, M. B., A comparison of vancomycin and metronidazole for the treatment of Clostridium difficile-associated diarrhea, stratified by disease severity. Clin Infect Dis, 2007. 45(3): p. 302-7.* Musher, D. M., Aslam, S., Logan, N., Nallacheru, S., Bhaila, I., Borchert, F., et.al. Relatively poor outcome after treatment of Clostridium difficile colitis with metronidazole. Clin Infect Dis, 2005. 40(11): p. 1586-90.* Pepin, J., Alary, M. E., Valiquette, L., Raiche, E., Ruel, J., Fulop, K., et.al. Increasing risk of relapse after treatment of Clostridium difficile colitis in Quebec, Canada. Clin Infect Dis, 2005. 40(11): p. 1591-7.. Diese Ergebnisse einzelner Studien werden durch eine entsprechende Meta-analyse unterstützt, die bzgl. einer Therapie mit Vancomycin ein signifikant höheres Ansprechen auf die Therapie sowie eine signifikant niedrigere Rezidivrate darstellen konnte. Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass in dieser Meta-analyse nicht zwischen den Kategorien schwer und nicht-schwer unterschieden wurde, sondern Fälle mit verschiedener Schwere gepoolt wurden * McDonald, L. C., Gerding, D. N., Johnson, S., Bakken, J. S., Carroll, K. C., Coffin, S. E., et.al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis, 2018. 66(7): p. 987-994., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29562266.

Zusätzlich mehren sich Daten aus randomisierten kontrollierten Studien, die eine signifikant reduzierte Rezidivrate nach einer Therapie mit Fidaxomicin im Vergleich zu Vancomycin dokumentieren, bei gleichzeitig ähnlichen Ansprechraten nach 10 Tagen Therapie * Louie, T. J., Miller, M. A., Mullane, K. M., Weiss, K., Lentnek, A., Golan, Y., et.al. Fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection. N Engl J Med, 2011. 364(5): p. 422-31.* Cornely, O. A., Crook, D. W., Esposito, R., Poirier, A., Somero, M. S., Weiss, K., et.al. Fidaxomicin versus vancomycin for infection with Clostridium difficile in Europe, Canada, and the USA: a double-blind, non-inferiority, randomised controlled trial. Lancet Infect Dis, 2012. 12(4): p. 281-9.. Dieser Effekt wird vermittelt über das deutlich schmalere Wirkspektrum von Fidaxomicin, welches eine Aufrechterhaltung der Diversität der Mikrobiota begünstigt. Über diesen Mechanismus kann sowohl die Rezidivrate als auch die Selektion von multiresistenten Bakterien reduziert werden * Nerandzic, M. M., Mullane, K., Miller, M. A., Babakhani, F., Donskey, C. J., Reduced acquisition and overgrowth of vancomycin-resistant enterococci and Candida species in patients treated with fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection. Clin Infect Dis, 2012. 55 Suppl 2(Suppl 2): p. S121-6., * Guery, B., Menichetti, F., Anttila, V. J., Adomakoh, N., Aguado, J. M., Bisnauthsing, K., et.al. Extended-pulsed fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection in patients 60 years and older (EXTEND): a randomised, controlled, open-label, phase 3b/4 trial. Lancet Infect Dis, 2018. 18(3): p. 296-307.. In der Extend Studie wurde ein Fidaxomicin Ausschleichschema (Tag 1 – 5: 200 mg 2 x /Tag, Tag 7 – 25: 200 mg 1 x alle 2 Tage) gegen eine Vancomycin Standardtherapie über 10 Tage randomisiert. Hier war die Rezidivrate mit < 5 % im Fidaxomicinarm im Vergleich zu anderen Studien besonders niedrig und auch signifikant niedriger als im Vancomycinarm. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass auch die Rezidivrate im Vancomycinarm unter der in Vorstudien publizierten Rate lag * Guery, B., Menichetti, F., Anttila, V. J., Adomakoh, N., Aguado, J. M., Bisnauthsing, K., et.al. Extended-pulsed fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection in patients 60 years and older (EXTEND): a randomised, controlled, open-label, phase 3b/4 trial. Lancet Infect Dis, 2018. 18(3): p. 296-307..

Basierend auf diesen Entwicklungen und im Einklang mit weiteren kürzlich aktualisierten internationalen Leitlinien wird daher in dieser Version der Leitlinie das Fidaxomicin erstmalig als präferierte Erstlinientherapie der CDI empfohlen. Vancomycin kann alternativ verschrieben werden, wenn Fidaxomicin nicht verfügbar ist. Jedoch ist insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Rezidivrisiko (siehe Empfehlung 5.6) eine primäre Behandlung mit Fidaxomicin zu empfehlen, gegebenenfalls auch als verlängerte Gabe (s. o.). Da diese auf derselben Gesamtdosis beruht wie die Standardtherapie über 10 Tage, entsteht diesbezüglich keine erhöhte Wirkstoffexposition * Bauer, M. P., Notermans, D. W., van Benthem, B. H., Brazier, J. S., Wilcox, M. H., Rupnik, M., et.al. Clostridium difficile infection in Europe: a hospital-based survey. Lancet, 2011. 377(9759): p. 63-73., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21084111. Alternativ zu Fidaxomicin könnte Bezlotoxumab als zusätzliche medikamentöse Therapie bei Patienten mit erhöhtem Rezidivrisiko (siehe Empfehlung 5.6) eingesetzt werden * Vojtilová, L., Freibergerová, M., Juránková, J., Bortlíček, Z., Husa, P., Epidemiological factors influencing the development of relapsing and severe Clostridium difficile infection. Epidemiol Mikrobiol Imunol, 2014. 63(1): p. 27-35.* Slimings, C., Riley, T. V., Antibiotics and hospital-acquired Clostridium difficile infection: update of systematic review and meta-analysis. J Antimicrob Chemother, 2014. 69(4): p. 881-91., wobei der Antikörper seit Januar 2024 nicht mehr in Deutschland verfügbar ist.

Die deutliche Einschränkung des Einsatzes von Metronidazol ist insbesondere aus dem signifikant niedrigeren Ansprechen herzuleiten. Allerdings liegt diesbezüglich keine Subgruppenanalyse für die nicht schwere Krankheitssituation vor. Daher kann aus unserer Sicht in Einzelfällen bei nicht schwerem Krankheitsbild, fehlenden Risikofaktoren für einen schweren Verlauf und guter Compliance des Patienten eine Behandlung mit Metronidazol weiterhin erwogen werden. Bzgl. der oralen Metronidazoldosis muss angemerkt werden, dass die verfügbaren randomisierten Studien mit einer Dosis von 3 x 500 mg p. o. durchgeführt wurden. In Deutschland sind allerdings nur Tabletten in einer Dosierung von 400 mg verfügbar. Es ist unbekannt, welchen Einfluss die veränderte Dosis auf die klinische Wirksamkeit haben könnte.

Zusätzlich zu diesen grundsätzlichen Empfehlungen ist hinzuzufügen, dass eine zusätzlich intravenöse Gabe von Metronidazol nicht mit einer Verbesserung des Ansprechens assoziiert ist * Pakyz, Amy L., Jawahar, Rachel, Wang, Qin, Harpe, Spencer E., Medication risk factors associated with healthcare-associated Clostridium difficile infection: a multilevel model case-control study among 64 US academic medical centres. The Journal of Antimicrobial Chemotherapy, 2014. 69(4): p. 1127-1131., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24327619. Auch eine Erhöhung der Vancomycin-Dosis ist nicht mit einer Verbesserung der Heilungsraten verbunden und erhöht das Risiko von potenziellen systemischen Nebenwirkungen sowie den Selektionsdruck in Bezug auf multiresistente, den Darm kolonisierende Bakterien * Kwok, C. S., Arthur, A. K., Anibueze, C. I., Singh, S., Cavallazzi, R., Loke, Y. K., Risk of Clostridium difficile infection with acid suppressing drugs and antibiotics: meta-analysis. Am J Gastroenterol, 2012. 107(7): p. 1011-9..

Da die parenterale Therapie der CDI bislang nicht systematisch untersucht wurde und aus pharmakokinetischer Sicht problematisch ist, sollte einer oralen Therapie (z. B. per Magensonde) immer der Vorzug gegeben werden. Ist dies nicht möglich oder liegt eine schwere Motilitätsstörung vor, kann Metronidazol (nicht aber Vancomycin) auch parenteral verabreicht werden, da es aktiv in das Darmlumen sezerniert wird * Friedenberg, F., Fernandez, A., Kaul, V., Niami, P., Levine, G. M., Intravenous metronidazole for the treatment of Clostridium difficile colitis. Dis Colon Rectum, 2001. 44(8): p. 1176-80.. Alternativ kann in dieser Situation Tigecyclin eingesetzt werden. Diesbezüglich wurden in den letzten Jahren verschiedene Fallserien publiziert. Das Spektrum von Tigecyclin erfasst neben der Behandlung von C. difficile auch verschiedene Pathogene, die im Rahmen einer intestinalen Translokation klinische Relevanz erlangen könnten. Weitere strukturierte Untersuchungen an diesem speziellen Patientenkollektiv sind in Zukunft sicherlich sinnvoll, um die jeweilige Wirksamkeit von Metronidazol und Tigecyclin i. v. besser abschätzen und vergleichen zu können. Zusätzlich zur i. v.-Therapie kann bei fehlender Möglichkeit einer enteralen Therapie auch eine topische Therapie, z. B. als Einlauf mit Vancomycin oder Fidaxomicin erfolgen. 

Literatur

[1]

McDonald, L. C., Gerding, D. N., Johnson, S., et al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis 2018; 66: 987-994

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Johnson, S., Louie, T. J., Gerding, D. N., et al. Vancomycin, metronidazole, or tolevamer for Clostridium difficile infection: results from two multinational, randomized, controlled trials. Clin Infect Dis 2014; 59: 345-54

[4]

Zar, F. A., Bakkanagari, S. R., Moorthi, K. M., et al. A comparison of vancomycin and metronidazole for the treatment of Clostridium difficile-associated diarrhea, stratified by disease severity. Clin Infect Dis 2007; 45: 302-7

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Musher, D. M., Aslam, S., Logan, N., et al. Relatively poor outcome after treatment of Clostridium difficile colitis with metronidazole. Clin Infect Dis 2005; 40: 1586-90

[6]

Pepin, J., Alary, M. E., Valiquette, L., et al. Increasing risk of relapse after treatment of Clostridium difficile colitis in Quebec, Canada. Clin Infect Dis 2005; 40: 1591-7

[7]

Louie, T. J., Miller, M. A., Mullane, K. M., et al. Fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection. N Engl J Med 2011; 364: 422-31

[8]

Cornely, O. A., Crook, D. W., Esposito, R., et al. Fidaxomicin versus vancomycin for infection with Clostridium difficile in Europe, Canada, and the USA: a double-blind, non-inferiority, randomised controlled trial. Lancet Infect Dis 2012; 12: 281-9

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Nerandzic, M. M., Mullane, K., Miller, M. A., et al. Reduced acquisition and overgrowth of vancomycin-resistant enterococci and Candida species in patients treated with fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection. Clin Infect Dis 2012; 55 Suppl 2: S121-6

[10]

Guery, B., Menichetti, F., Anttila, V. J., et al. Extended-pulsed fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection in patients 60 years and older (EXTEND): a randomised, controlled, open-label, phase 3b/4 trial. Lancet Infect Dis 2018; 18: 296-307

[11]

Bauer, M. P., Notermans, D. W., van Benthem, B. H., et al. Clostridium difficile infection in Europe: a hospital-based survey. Lancet 2011; 377: 63-73

[12]

Vojtilová, L., Freibergerová, M., Juránková, J., et al. Epidemiological factors influencing the development of relapsing and severe Clostridium difficile infection. Epidemiol Mikrobiol Imunol 2014; 63: 27-35

[13]

Slimings, C., Riley, T. V.. Antibiotics and hospital-acquired Clostridium difficile infection: update of systematic review and meta-analysis. J Antimicrob Chemother 2014; 69: 881-91

[14]

Pakyz, Amy L., Jawahar, Rachel, Wang, Qin, Harpe, Spencer E.. Medication risk factors associated with healthcare-associated Clostridium difficile infection: a multilevel model case-control study among 64 US academic medical centres. The Journal of Antimicrobial Chemotherapy 2014; 69: 1127-1131

[15]

Kwok, C. S., Arthur, A. K., Anibueze, C. I., et al. Risk of Clostridium difficile infection with acid suppressing drugs and antibiotics: meta-analysis. Am J Gastroenterol 2012; 107: 1011-9

[16]

Friedenberg, F., Fernandez, A., Kaul, V., et al. Intravenous metronidazole for the treatment of Clostridium difficile colitis. Dis Colon Rectum 2001; 44: 1176-80

Konsensbasierte Empfehlung 5.12

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie der schweren und/oder komplizierten CDI

  • Im Falle einer komplizierten CDI (siehe Empfehlung 5.3) sollte notfallmäßig eine chirurgische Vorstellung erfolgen.

Empfehlung 5.13

Neu 2023

Empfehlung

Konsens


  • Bei Patienten mit signifikanter Kolondilatation (> 6 cm) und/oder (Sub-) Ileus sollte eine enterale Therapie via Sonde mit Fidaxomicin oder Vancomycin (antegrad per Magen-/Duodenalsonde oder retrograd per Kolonsonde) durchgeführt werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XIII

Hintergrund

Die Prognose einer schweren komplizierten CDI ist ernst und das Management sollte folgende zentrale Aspekte beinhalten: i) Die Verlegung auf eine Intensivstation zur angemessenen Versorgung sollte zeitnah erfolgen; ii) Die rechtzeitige Indikationsstellung zum operativen Vorgehen kann lebensrettend sein. Bei schwerem Krankheitsbild sollte daher im Rahmen einer interdisziplinären Betreuung umgehend auch die Möglichkeit der chirurgischen Intervention beachtet werden. Die Operation sollte erfolgen, bevor es zu einem signifikanten Laktatanstieg kommt, weil dann die Prognose der Patienten sehr schlecht ist. Die Indikation zur operativen Versorgung ist ebenfalls gegeben bei einer Perforation, Verschlechterung unter konservativer Therapie, toxischem Megakolon, akutem Abdomen oder einem therapierefraktären Ileus. Einzelne Gruppen berichten als Alternative zur Kolektomie über die Kolon-erhaltende Anlage eines doppelläufigen Ileostoma mit Kolonlavage und anschließender intraluminaler Vancomycintherapie über das Stoma, was bei frühzeitiger operativer Intervention im Vergleich zur Kolektomie mit einer geringeren Mortalitätsrate assoziiert war * Neal, M. D., Alverdy, J. C., Hall, D. E., Simmons, R. L., Zuckerbraun, B. S., Diverting loop ileostomy and colonic lavage: an alternative to total abdominal colectomy for the treatment of severe, complicated Clostridium difficile associated disease. Ann Surg, 2011. 254(3): p. 423-7; discussion 427-9.* Ferrada, P., Callcut, R., Zielinski, M. D., Bruns, B., Yeh, D. D., Zakrison, T. L., et.al. Loop ileostomy versus total colectomy as surgical treatment for Clostridium difficile-associated disease: An Eastern Association for the Surgery of Trauma multicenter trial. J Trauma Acute Care Surg, 2017. 83(1): p. 36-40.. iii) Aufgrund eines ggf. bestehenden Ileus sollte versucht werden, die gegen die CDI gerichteten Antibiotika topisch, d. h. direkt in das Darmlumen (antegrad per Magen-/Duodenalsonde oder retrograd per Kolonsonde) zu verabreichen. Bzgl. der Dosierung intraluminaler Therapien mit Vancomycin oder Fidaxomicin stehen ausschließlich Daten aus Fallserien zur Verfügung.

In der größten dazu publizierten Fallserie wurden Vancomycin Dosierungen zwischen 250 mg/Tag und 4 x 1 g/Tag eingesetzt. Am häufigsten wurde eine Dosierung von 4 x 500 mg/Tag verwendet. Gerade bei höheren topischen Dosierungen von Vancomycin muss die Möglichkeit des Übertrittes in den Blutstrom und das damit assoziierte nephrotoxische Potential berücksichtigt werden. Diesbezüglich können präventiv Spiegelmessungen aus dem Blut sinnvoll sein. Daten zum Nutzen einer erhöhten Dosierung von Fidaxomicin im Rahmen einer topischen Therapie liegen aktuell nicht vor, sodass hier die Verwendung der Standarddosis von Fidaxomicin sinnvoll erscheint. iv) Wenn keine enterale Therapie möglich ist (siehe Empfehlung 5.7), sollte auch in diesem Fall eine parenterale Therapie mit Tigecyclin 2 x 50 mg i.v./Tag (Startdosis 100 mg i.v.) oder Metronidazol 3 x 500 mg i.v./Tag zusätzlich zur topischen Applikation erfolgen; diese Empfehlung stützt sich jedoch lediglich auf Fallserien und kleinere retrospektive Beobachtungsstudien. v) Besteht eine Durchwanderungsperitonitis, muss die sonst empfohlene Vermeidung weiterer Antibiotikatherapien in den Hintergrund gestellt werden. Hier können Piperacillin/Tazobactam, Carbapeneme oder Tigecyclin sinnvolle Kombinationspartner sein.

Literatur

[1]

Neal, M. D., Alverdy, J. C., Hall, D. E., et al. Diverting loop ileostomy and colonic lavage: an alternative to total abdominal colectomy for the treatment of severe, complicated Clostridium difficile associated disease. Ann Surg 2011; 254: 423-7; discussion 427-9

[2]

Ferrada, P., Callcut, R., Zielinski, M. D., et al. Loop ileostomy versus total colectomy as surgical treatment for Clostridium difficile-associated disease: An Eastern Association for the Surgery of Trauma multicenter trial. J Trauma Acute Care Surg 2017; 83: 36-40

Konsensbasierte Empfehlung 5.14

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Rezidiven

Für die Therapie des ersten Rezidivs einer CDI gelten folgende Empfehlungen:

  • Wurde die initiale Episode mit Vancomycin oder Metronidazol behandelt, sollte eine Therapie mit Fidaxomicin (2 x 200 mg p. o. / Tag über 10 Tage) erfolgen.

Empfehlung 5.15

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


  • Wurde die initiale Episode mit Fidaxomicin behandelt, kann das Rezidiv zusätzlich zur Therapie mit Fidaxomicin mit Bezlotoxumab* (einmalig 10 mg/kg KG i. v.) als Sekundärprophylaxe behandelt werden.
*seit Januar 2024 in Deutschland nicht mehr verfügbar, in Einzelfällen über die internationale Apotheke zu bestellen

Konsensbasierte Empfehlung 5.16

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Für die Therapie einer multipel rezidivierenden CDI gilt folgende Empfehlung:

  • Bei multiplen Rezidiven kann ein fäkaler Mikrobiotatransfer (FMT) im Anschluss an eine Standardtherapie erfolgen.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XVI

Hintergrund

Rezidive einer CDI treten in ca. 20 % nach initialer Behandlung mit Metronidazol oder Vancomycin auf * Johnson, S., Recurrent Clostridium difficile infection: a review of risk factors, treatments, and outcomes. J Infect, 2009. 58(6): p. 403-10.. Nach aktueller Datenlage sind Vancomycin und Fidaxomicin ähnlich wirksam in der Behandlung der Symptome einer akuten CDI-Episode, jedoch reduziert eine Therapie mit Fidaxomicin in den entsprechenden Zulassungsstudien das absolute Risiko eines Rezidivs um 10 – 14 % * Louie, T. J., Miller, M. A., Mullane, K. M., Weiss, K., Lentnek, A., Golan, Y., et.al. Fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection. N Engl J Med, 2011. 364(5): p. 422-31.* Cornely, O. A., Miller, M. A., Louie, T. J., Crook, D. W., Gorbach, S. L., Treatment of first recurrence of Clostridium difficile infection: fidaxomicin versus vancomycin. Clin Infect Dis, 2012. 55 Suppl 2(Suppl 2): p. S154-61.. In einer gepoolten Subgruppen-Analyse der Patienten, die nach einer bereits vorangegangenen CDI-Episode in die Studien eingeschlossen wurden (n = 128) war das relative Risiko für ein weiteres Rezidiv nach Fidaxomicin um nahezu 50 % geringer als nach Vancomycintherapie (19,7 % versus 35,5 %), entsprechend einer absoluten Risikoreduktion von 16 % * Cornely, O. A., Miller, M. A., Louie, T. J., Crook, D. W., Gorbach, S. L., Treatment of first recurrence of Clostridium difficile infection: fidaxomicin versus vancomycin. Clin Infect Dis, 2012. 55 Suppl 2(Suppl 2): p. S154-61.. Daher stellt Fidaxomicin eine sehr gute Therapie-Option für die rezidivierende CDI dar. Auch in dieser Situation kann das Fidaxomicin EXTEND Schema genutzt werden (Tag 1 – 5: 200 mg 2x/Tag, Tag 7 – 25: 200 mg 1 x alle 2 Tage, siehe Hintergrundtext Empfehlung 5.6.

Die Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers gegen das C. difficile-Toxin B (Bezlotoxumab) in der Sekundärprophylaxe einer CDI wurde in zwei international durchgeführten Zulassungsstudien geprüft. Dabei wurde Bezlotoxumab als einmalige Infusion im Zeitraum der Standardtherapie (Metronidazol, Vancomycin oder Fidaxomicin oral) verabreicht. Die absolute Risikoreduktion betrug 13 % in der MODIFY-I Studie (n = 212) und 19 % in der MODIFY-II Studie (n = 223). Da nur 4 % der Patienten Fidaxomicin als Standardtherapie erhielten, kann keine statistisch belastbare Aussage über die kumulative Risikoreduktion der Kombination von Fidaxomicin und Bezlotoxumab gemacht werden. Seit Januar 2024 ist Bezlotoxumab in Deutschland nicht mehr verfügbar, daher kann der Einsatz nicht generell empfohlen werden. In Einzelfällen kann der Antikörper über eine internationale Apotheke bestellt werden.

Prospektive Daten zur Situation der multipel rezidivierten CDI (mindestens 2 Rezidive) stehen nur begrenzt zur Verfügung. In einer kleinen randomisierten Studie erhielten 24 Patienten mit einem Median von vier vorhergehenden CDI-Episoden eine Therapie mit Fidaxomicin und 16 Patienten Vancomycin, wonach jeweils 54 % (n = 13) und 31 % (n = 5; P = 0,15) in den folgenden 8 Wochen rezidivfrei blieben * van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., Kuijper, E. J., Keller, J. J., et.al. GRADING prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: expected and unexpected findings. A systematic reviewClinical Microbiology and Infection, 2021., https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.06.22.21259313v1. Ähnliche Daten ergeben sich aus dem randomisierten Vergleich zwischen einer Fidaxomicin Therapie nach dem Ausschleich-Pulsschema und einer Vancomycin Standardtherapie bei multipel rezidivierten Patienten. Mit einer Rezidivfreiheit bei 7/10 (70 %) Patienten im Fidaxomicin Arm und 3/10 (30 %) im Vancomycin Arm zeichnet sich ein Trend im Sinne des Einsatzes von Fidaxomicin ab. Dies erscheint plausibel basierend auf dem schmalen Spektrum von Fidaxomicin und dem damit geringeren Kollateralschaden an der Mikrobiota, aber beide Studien sind nicht ausreichend gepowert, um hier ein statistisch belastbares Ergebnis generieren zu können * Wilcox, M. H., Gerding, D. N., Poxton, I. R., Kelly, C., Nathan, R., Birch, T., et.al. Bezlotoxumab for Prevention of Recurrent Clostridium difficile Infection. N Engl J Med, 2017. 376(4): p. 305-317.

In Bezug auf Bezlotoxumab werden zunehmend Daten zu der hier diskutierten Indikation publiziert. Von insgesamt 44 finnischen, 24 spanischen und 120 US-amerikanischen Patienten blieben nach 3 Monaten 73, 75 und 79 % rezidivfrei.

Der fäkale Mikrobiotatransfer (FMT) ist eine Therapie, die aus dem Stuhl gesunder Spender gewonnen wird. Die entsprechenden Präparate werden endoskopisch per oral einzunehmenden Kapseln oder als Einläufe verabreicht, um eine gestörte Darmmikrobiota der Empfänger zu regenerieren. Der FMT wurde mittlerweile in zahlreichen Fallserien und randomisierten kontrollierten Studien für die Sekundärprophylaxe der multiple rezidivierten CDI geprüft. In einer entsprechenden Meta-analyse wurde für alle Applikationsmethoden gepoolt eine Wirksamkeit von 78,7 % nach einer und von 93 % nach multiplen Applikationen dargestellt. Dabei ließ sich für die endoskopische Applikation über den unteren und oberen Gastrointestinaltrakt eine Wirksamkeit von jeweils 88 und 76 % nach einmaliger Gabe berichtet. Die Gabe per Kapsel war in 81 % erfolgreich, die Gabe per Einlauf jedoch nur in 50,2 %. Auch wenn mit der Gabe per Koloskopie die höchsten Ansprechraten assoziiert sind, weist die Therapie per Kapsel im Vergleich das günstigste Risikoprofil auf und ist für die Patienten wenig belastend. Besonders unter den randomisierten Studien ist die Arbeit von Hvas et al. hervorzuheben, da sie die einzige Studie ist, die bei Patienten mit multiplen Rezidiven in drei Armen Fidaxomicin gegenüber Vancomycin und einer Therapie mit Vancomycin gefolgt von einem FMT (FMTv) untersucht hat. Die entsprechenden klinischen rezidivfreien Ansprechraten nach 8 Wochen zeigten mit 33, 19 und 92 % einen signifikanten Vorteil für den FMT-Arm * Hvas, C. L., Dahl Jørgensen, S. M., Jørgensen, S. P., Storgaard, M., Lemming, L., Hansen, M. M., et.al. Fecal Microbiota Transplantation Is Superior to Fidaxomicin for Treatment of Recurrent Clostridium difficile Infection. Gastroenterology, 2019. 156(5): p. 1324-1332.e3..

Trotz der hohen Ansprechraten wird der FMT in Deutschland bisher nur im Rahmen von individuellen Heilversuchen und klinischen Studien angeboten. Bei Aufbau und Auswahl eines entsprechenden Behandlungszentrums müssen zahlreiche Aspekte der Qualitätssicherung berücksichtigt werden. Dabei ist insbesondere ein angemessenes Spenderscreening zu berücksichtigen, um die Übertragung von potenziellen Pathogenen zu vermeiden.

Kasuistisch und in Fallserien wurden Patienten mit multiplen CDI-Rezidiven außerdem erfolgreich mit Vancomycin in verschiedenen Ausschleich- und/oder Puls-Schemata behandelt * McFarland, L. V., Elmer, G. W., Surawicz, C. M., Breaking the cycle: treatment strategies for 163 cases of recurrent Clostridium difficile disease. Am J Gastroenterol, 2002. 97(7): p. 1769-75.. Meist wurde – mit gewissen Modifikationen – das folgende Regime in Tabelle „Vancomycin – Ausschleichschema zur Therapie der rezidivierenden CDI“ verwendet, das auch von der IDSA empfohlen wird * Cohen, S. H., Gerding, D. N., Johnson, S., Kelly, C. P., Loo, V. G., McDonald, L. C., et.al. Clinical practice guidelines for Clostridium difficile infection in adults: 2010 update by the society for healthcare epidemiology of America (SHEA) and the infectious diseases society of America (IDSA). Infect Control Hosp Epidemiol, 2010. 31(5): p. 431-55.:

Für die deutschen Verhältnisse kann dieses Schema mit jeweils 125 (– 250) mg als Einzeldosis angepasst werden (siehe Erläuterungen zur Empfehlung der antibiotischen Primärtherapie der CDI (Empfehlung 5.7). Systematische klinische Studien für die Vancomycin-Ausschleich- bzw. Puls-Therapie existieren allerdings nicht.

Literatur

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Johnson, S.. Recurrent Clostridium difficile infection: a review of risk factors, treatments, and outcomes. J Infect 2009; 58: 403-10

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Louie, T. J., Miller, M. A., Mullane, K. M., et al. Fidaxomicin versus vancomycin for Clostridium difficile infection. N Engl J Med 2011; 364: 422-31

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Cornely, O. A., Miller, M. A., Louie, T. J., et al. Treatment of first recurrence of Clostridium difficile infection: fidaxomicin versus vancomycin. Clin Infect Dis 2012; 55 Suppl 2: S154-61

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van Rossen, T. M., Ooijevaar, R. E., Vandenbroucke-Grauls, Cmje, Dekkers, O. M., et al. GRADING prognostic factors for severe and recurrent Clostridioides difficile infection: expected and unexpected findings. A systematic review. 2021; :

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Wilcox, M. H., Gerding, D. N., Poxton, I. R., et al. Bezlotoxumab for Prevention of Recurrent Clostridium difficile Infection. N Engl J Med 2017; 376: 305-317

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Hvas, C. L., Dahl Jørgensen, S. M., Jørgensen, S. P., et al. Fecal Microbiota Transplantation Is Superior to Fidaxomicin for Treatment of Recurrent Clostridium difficile Infection. Gastroenterology 2019; 156: 1324-1332.e3

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McFarland, L. V., Elmer, G. W., Surawicz, C. M.. Breaking the cycle: treatment strategies for 163 cases of recurrent Clostridium difficile disease. Am J Gastroenterol 2002; 97: 1769-75

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Cohen, S. H., Gerding, D. N., Johnson, S., et al. Clinical practice guidelines for Clostridium difficile infection in adults: 2010 update by the society for healthcare epidemiology of America (SHEA) and the infectious diseases society of America (IDSA). Infect Control Hosp Epidemiol 2010; 31: 431-55

Tabelle 8: Vancomycin – Ausschleichschema zur Therapie der rezidivierenden CDI

Therapie/DosierungDauer
Vancomycin; 4 x 125 mg/Tag10 – 14 Tage (Standardtherapie)
Vancomycin; 2 x 125 mg/Tag7 Tage
Vancomycin; 1 x 125 mg/Tag7 Tage
Vancomycin; 1 x 125 mg jeden 2. – 3. Tag2 – 8 Wochen

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XVI

In der Gesamtschau der Optionen liegen mit dem Fidaxomicin, dem Bezlotoxumab und dem FMT mittlerweile verschiedene Ansätze vor, von denen aus pathophysiologischer Sicht eine gute Wirksamkeit in der Situation des multiplen Rezidivs zu erwarten ist, selbst wenn die entsprechende Evidenz bisher nur für den FMT und zunehmend für Bezlotoxumab generiert werden konnte. Ebenfalls ist unklar, ob die Kombination von Fidaxomicin und Bezlotoxumab eine weitere Verbesserung der präventiven Wirksamkeit bewirken kann. Gleichzeitig verliert das Vancomycin in dieser Situation zunehmend seinen Stellenwert, da verschiedene Studien zur Pathophysiologie der CDI nahelegen, dass das breite Spektrum des Vancomycins im Vergleich zum Fidaxomicin die Mikrobiota signifikant stärker in ihrer Diversität reduziert und damit die Entstehung von Rezidiven im Vergleich stärker begünstigt.

Konsensbasierte Empfehlung 5.17

Geprüft 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Voraussetzungen zum Management von Patienten mit infektiöser Gastroenteritis

Ein Hygieneteam, ein Antibiotic Stewardship Team und eine ausreichende Anzahl von Zimmern, in denen Patienten kontaktisoliert werden können, sollten vorhanden sein bzw. etabliert werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XVII

Hintergrund

Streng genommen handelt es sich bei der CDI um eine Kolitis. Aus Gründen der sprachlichen Einheitlichkeit wird jedoch in der gesamten Leitlinie der Begriff Gastroenteritis verwendet.

Wichtig für eine erfolgreiche Infektionsprävention sind strukturelle Maßnahmen in jedem Klinikum entsprechend der KRINKO Empfehlungen für „Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen“ * KRINKO, Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2023. 66(3): p. 332-351., https://doi.org/10.1007/s00103-022-03647-3. Hauptrisikofaktor für die CDI ist eine vorausgegangene Antibiotikatherapie. Interventionen, die den Antibiotikaverbrauch in Therapie und Prophylaxe reduzieren, können die Inzidenz von CDI senken. Die Wirksamkeit von Antibiotic-Stewardship-Maßnahmen für die Reduktion nosokomialer C. difficile-Infektionen ist vielfach durch Studien belegt * Valiquette, L., Cossette, B., Garant, M. P., Diab, H., Pépin, J., Impact of a reduction in the use of high-risk antibiotics on the course of an epidemic of Clostridium difficile-associated disease caused by the hypervirulent NAP1/027 strain. Clin Infect Dis, 2007. 45 Suppl 2: p. S112-21.* Talpaert, M. J., Gopal Rao, G., Cooper, B. S., Wade, P., Impact of guidelines and enhanced antibiotic stewardship on reducing broad-spectrum antibiotic usage and its effect on incidence of Clostridium difficile infection. J Antimicrob Chemother, 2011. 66(9): p. 2168-74.. Die Voraussetzungen für Antibiotic Stewardship finden sich in der aktuellen S3-Leitlinie * de With, K., Wechsler-Fordos, A., [Antibiotic Stewardship (ABS) im Krankenhaus: Voraussetzungen und Empfehlungen zur Gestaltung von ABS-Programmen]. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes, 2015. 109(7): p. 515-20., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26593767.

Literatur

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KRINKO. Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2023; 66: 332-351

[2]

Valiquette, L., Cossette, B., Garant, M. P., et al. Impact of a reduction in the use of high-risk antibiotics on the course of an epidemic of Clostridium difficile-associated disease caused by the hypervirulent NAP1/027 strain. Clin Infect Dis 2007; 45 Suppl 2: S112-21

[3]

Talpaert, M. J., Gopal Rao, G., Cooper, B. S., et al. Impact of guidelines and enhanced antibiotic stewardship on reducing broad-spectrum antibiotic usage and its effect on incidence of Clostridium difficile infection. J Antimicrob Chemother 2011; 66: 2168-74

[4]

de With, K., Wechsler-Fordos, A.. [Antibiotic Stewardship (ABS) im Krankenhaus: Voraussetzungen und Empfehlungen zur Gestaltung von ABS-Programmen]. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2015; 109: 515-20

Konsensbasierte Empfehlung 5.18

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Hygienemaßnahmen bei infektiöser Gastroenteritis

Bei Verdacht auf oder bestätigte infektiöse Gastroenteritis sollen folgende über die Standardhygiene hinausgehenden Maßnahmen ergriffen werden (Kontaktisolierung):

  • Patienten sollen im Einzelzimmer (mit eigener Nasszelle) untergebracht werden; bei Ausbrüchen ggf. Kohortenisolierung.

Empfehlung 5.19

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


  • Wenn eine Einzelunterbringung nicht möglich ist, kann auch eine Unterbringung im Mehrbettzimmer erfolgen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Hygienemaßnahmen adäquat eingehalten werden: Strikte Händedesinfektion (idealerweise zusätzlich Waschen der Hände mit Seife), Kittel- und Handschuhpflege.

Empfehlung 5.20

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollen eine eigene Toilette benutzen.

Empfehlung 5.21

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei direktem Kontakt mit dem Patienten oder der patientennahen Umgebung sollen Schutzkittel und Handschuhe getragen werden.

Empfehlung 5.22

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Bei zusätzlichem Erbrechen soll ein Mund-/Nasenschutz getragen werden.

Empfehlung 5.23

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Geräte wie Stethoskop, RR-Manschette etc. sollen patientenbezogen eingesetzt werden.

Empfehlung 5.24

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


  • Patienten sollten bis 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptomatik kontaktisoliert werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XXIV

Hintergrund

Kontaktisolierungsmaßnahmen wurden von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC, USA) definiert und sind international allgemein akzeptiert * Siegel, J. D., Rhinehart, E., Jackson, M., Chiarello, L., 2007 Guideline for Isolation Precautions: Preventing Transmission of Infectious Agents in Health Care Settings. Am J Infect Control, 2007. 35(10 Suppl 2): p. S65-164.. Wie schon ausgeführt sind Noroviren und C. difficile die häufigsten nosokomialen Durchfallerreger, deshalb orientiert sich die Empfehlung zur Aufhebung der Kontaktisolierungsmaßnahmen an diesen beiden Erregern. Für spezifische Hygienemaßnahmen im Rahmen einer C. difficile-Infektion wird auf die aktuelle Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut verwiesen * KRINKO, Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile-Infektion (CDI). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2019. 62(7): p. 906-923., https://doi.org/10.1007/s00103-019-02959-1.

Literatur

[1]

Siegel, J. D., Rhinehart, E., Jackson, M., et al. 2007 Guideline for Isolation Precautions: Preventing Transmission of Infectious Agents in Health Care Settings. Am J Infect Control 2007; 35: S65-164

[2]

KRINKO. Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile-Infektion (CDI). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2019; 62: 906-923

Konsensbasierte Empfehlung 5.25

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Stellenwert von Probiotika zur Prophylaxe der CDI

Eine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Probiotika kann nicht gegeben werden.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XXV

Hintergrund

Eine Vielzahl von Studien befasst sich mit der Gabe von Probiotika zur Prävention einer C. difficile-Infektion bei gleichzeitiger Antibiotikaexposition. Die Ergebnisse der Studien sind jedoch sehr heterogen. Ein aktualisiertes Cochrane-Review zu dieser Fragestellung, in dem 31 randomisiert kontrollierte Studien mit 8.672 Patienten Berücksichtigung fanden, schlussfolgerte, dass Probiotika in der Prävention einer C. difficile-Infektion wirksam sind, wenn die Inzidenz einer CDI in der behandelten Population mindestens 5 % beträgt (NNTB = 12; mäßige Sicherheit) * Goldenberg, J. Z., Yap, C., Lytvyn, L., Lo, C. K., Beardsley, J., Mertz, D., et.al. Probiotics for the prevention of Clostridium difficile-associated diarrhea in adults and children. Cochrane Database Syst Rev, 2017. 12(12): p. Cd006095.. Eine Inzidenz > 5 % ist allerdings nur in der Hochrisikogruppe der Patienten mit einer akuten Leukämie oder nach allogener Stammzelltransplantation zu finden * Zacharioudakis, I. M., Ziakas, P. D., Mylonakis, E., Clostridium difficile infection in the hematopoietic unit: a meta-analysis of published studies. Biol Blood Marrow Transplant, 2014. 20(10): p. 1650-4.. In weniger streng definierten Risikopopulationen, die aber trotzdem zentrale Risikofaktoren für das Auftreten einer CDI aufweisen, liegt die Inzidenz deutlich niedriger. So lag in einer randomisiert kontrollierten Studie zum Nutzen von Probiotika bei 2.981 Patienten ≥ 65 Jahren, die eine intravenöse Antibiotikatherapie erhielten, die Inzidenz einer CDI in der Placebogruppe bei 1,2 % und in der Probiotika-Gruppe bei 0,8 % (RR 0,71; 95 % CI 0·34-1·47; p = 0,35) * Allen, S. J., Wareham, K., Wang, D., Bradley, C., Hutchings, H., Harris, W., et.al. Lactobacilli and bifidobacteria in the prevention of antibiotic-associated diarrhoea and Clostridium difficile diarrhoea in older inpatients (PLACIDE): a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet, 2013. 382(9900): p. 1249-57., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23932219. Ebenfalls ungeklärt bleibt, welches Probiotikum im Rahmen einer Prophylaxe präferiert werden sollte. Da in den jeweiligen Meta-Analysen die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Produkte zusammengefasst wird, kann auch kein spezifisches Produkt besonders empfohlen werden.

Literatur

[1]

Goldenberg, J. Z., Yap, C., Lytvyn, L., et al. Probiotics for the prevention of Clostridium difficile-associated diarrhea in adults and children. Cochrane Database Syst Rev 2017; 12: Cd006095

[2]

Zacharioudakis, I. M., Ziakas, P. D., Mylonakis, E.. Clostridium difficile infection in the hematopoietic unit: a meta-analysis of published studies. Biol Blood Marrow Transplant 2014; 20: 1650-4

[3]

Allen, S. J., Wareham, K., Wang, D., et al. Lactobacilli and bifidobacteria in the prevention of antibiotic-associated diarrhoea and Clostridium difficile diarrhoea in older inpatients (PLACIDE): a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet 2013; 382: 1249-57

Konsensbasiertes Statement 5.26

Neu 2023

Starker Konsens


Stellenwert von Antibiotika zur Prophylaxe der CDI

Der prophylaktische Einsatz von Clostridioides difficile-spezifischen Antibiotika zur Prävention einer Clostridioides difficile-Erkrankung wird nicht empfohlen.

Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile XXVI

Hintergrund

In jüngster Vergangenheit wurden mehrere retrospektive Beobachtungsstudien veröffentlicht, die eine 5 % bis 30-%ige Reduktion des Auftretens einer C. difficile-Infektion unter einer oralen Vancomycin-Prophylaxe bei Patienten beobachten konnten, die gleichzeitig Breitspektrum-Antibiotika erhielten und ein erhöhtes Risiko für eine C. difficile-Infektion aufwiesen (z. B. hämatologische Patienten, Patienten mit einer früheren CDI-Episode, Patienten mit Organtransplantation) * Babar, S., El Kurdi, B., El Iskandarani, M., Haddad, I., Imam, Z., Alomari, M., et.al. Oral vancomycin prophylaxis for the prevention of Clostridium difficile infection: A systematic review and meta-analysis. Infect Control Hosp Epidemiol, 2020. 41(11): p. 1302-1309., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32594929.

Zur Nutzung von Fidaxomicin im Sinne einer CDI-Prophylaxe liegen deutlich weniger Daten vor. Eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie bei Patienten, die sich einer Stammzelltransplantation mit geplanter Fluorchinolon-Prophylaxe unterzogen, fand hingegen keinen Vorteil einer Fidaxomicin-Prophylaxe. Die Nachbeobachtungszeit war jedoch auf 30 Tage begrenzt, und eine Sensitivitätsanalyse ergab eine Reduktion des Auftretens einer CDI um 6,4 % (95 % CI 2,2 bis 10,6) unter einer Fidaxomicin-Prophylaxe * Mullane, K. M., Winston, D. J., Nooka, A., Morris, M. I., Stiff, P., Dugan, M. J., et.al. A Randomized, Placebo-controlled Trial of Fidaxomicin for Prophylaxis of Clostridium difficile-associated Diarrhea in Adults Undergoing Hematopoietic Stem Cell Transplantation. Clin Infect Dis, 2019. 68(2): p. 196-203..

Auch wenn eine CDI-Prophylaxe basierend auf oben genannten Erhebungen grundsätzlich Rezidive verhindern kann, bleibt aufgrund des Designs der Studien das Nutzen-Risiko Verhältnis ungeklärt, insbesondere da Endpunkte wie Langzeitmikrobiomveränderungen und die Selektion von multiresistenten Erregern in der Regel nicht ausreichend von den verwendeten Studiendesigns adressiert wurden. Gleichzeitig zeigen verschiedene Analysen, dass insbesondere Vancomycin ausgeprägte, mittel- bis längerfristig sistierende Mikrobiomveränderungen verursacht und damit indirekt zur Erhöhung des Rezidivrisikos beitragen kann. Ebenfalls lässt sich eine Selektion von VRE und anderen Resistenzen unter einer Exposition mit Vancomycin beobachten. Aus diesen Gründen kann eine CDI-Prophylaxe mit Vancomycin (z. B. 125 mg 1 x täglich während der systemischen Antibiotikatherapie) im Rahmen einer systemischen Antibiotikatherapie nach sorgfältiger Nutzen-Risiko Abwägung im Moment nur für sorgfältig ausgewählte Patienten mit einem hohen Risiko für ein (wiederholtes) Rezidiv empfohlen werden.

Literatur

[1]

Babar, S., El Kurdi, B., El Iskandarani, M., et al. Oral vancomycin prophylaxis for the prevention of Clostridium difficile infection: A systematic review and meta-analysis. Infect Control Hosp Epidemiol 2020; 41: 1302-1309

[2]

Mullane, K. M., Winston, D. J., Nooka, A., et al. A Randomized, Placebo-controlled Trial of Fidaxomicin for Prophylaxis of Clostridium difficile-associated Diarrhea in Adults Undergoing Hematopoietic Stem Cell Transplantation. Clin Infect Dis 2019; 68: 196-203

6. Diarrhö bei Immundefizienz

Tabelle 9: Ursachen chronischer Diarrhö bei Immundefizienz

INFEKTIÖSNICHT-INFEKTIÖS
BAKTERIENIMMUNSUPPRESSIVA
Clostridioides difficileMycophenolate Mofetil
Campylobacter spp.Tacrolimus
Salmonella spp.Cyclosporin A
Shigella spp.Sirolimus
Enteropathogene E. coliMethotrexat
Aeromonas spp.ANDERE MEDIKAMENTE
Bakterielle FehlbesiedelungAntibiotika
Mycobacterium avium KomplexChemotherapeutika
Mycobacterium tuberculosisAntiarrhythmika
Antidiabetika
Laxantien
PPI
Protease-Inhibitoren
Checkpoint-Inhibitoren
PARASITENANDERE URSACHEN
Giardia lamblia (G. intestinalis)Neutropenie
Cryptosporidium spp.GVHD (allogen/autologe SZT,OrganTx)
Cystoidospora belliPTLD
Cyclospora spp.CED
MicrosporidiumNeoplasien (z. B. Lymphom,Kaposi-Sarkom)
Entamoeba histolyticaMalabsorption
Strongyloides stercoralisNahrungsmittelintoleranzen
VIRENHIV-assoziierte Diarrhö
CMVIschämische Kolitis
NorovirusZöliakie
SapovirusKollagene Kolitis
Rotavirus
Adenovirus
Herpes simplex (HSV)
SARS-CoV-2
PPI, Protonen-Pumpen Inhibitor; CMV, Cytomegalovirus; GVHD, graftversus-host disease; CED, chronisch entzündliche Darmerkrankung; PTLD, posttransplant lymphoproliferative disorder.

Konsensbasierte Empfehlung 6.1

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz und Diarrhö soll eine Medikamentenanamnese im Hinblick auf potenzielle Ursachen der Diarrhö erhoben werden und ggf. eine Umstellung, Dosisanpassung oder Pausieren dieser Medikamente erfolgen.

Diarrhö bei Immundefizienz I

Hintergrund

Immundefizienz (Immunschwäche, Immundefekt) ist eine Störung des Immunsystems, die aufgrund eines Mangels oder einer Funktionsbeeinträchtigung der beteiligten Elemente dazu führt, dass die Immunantwort gegen bedrohliche äußere Reize zu gering ausfällt oder sogar fehlt (permissive Immunreaktion) * Primäre und sekundäre ImmundefekteThieme. via medici 2022: p. Definition., https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668331/4915511/primäre+und+sekundäre+immundefekte. Daraus folgt eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionserkrankungen, die zudem schwer verlaufen können. Die Immundefizienz besteht entweder bereits primär (angeboren) oder entsteht sekundär (erworben) im Rahmen einer Erkrankung (wie zum Beispiel bei AIDS) oder durch pharmakologische Immunsuppression (IS). Es kann dabei sowohl die angeborene als auch die adaptive Immunabwehr vorrübergehend oder irreversibel gestört sein. Das adaptive Immunsystem beinhaltet die zelluläre und humorale Abwehr. Eine relevante pharmakologische Immunsuppression besteht dann, wenn die Immunreaktivität und -abwehr beeinträchtigt ist. In diesen Fällen ist auch eine Rücksprache mit den für die Steuerung der immunsuppressiven Therapie verantwortlichen Ärzten sinnvoll. Die Leitlinie der amerikanischen Gesellschaft für Transplantation empfiehlt deshalb auch in ihrem Algorithmus als ersten Schritt nicht-immunsuppressive Medikamente, die Diarrhö induzieren können, zu pausieren * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334. Diarrhö ist ein häufiges Symptom bei Menschen mit Immundefizienz und kann verschiedene Ursachen haben * Nazi, N., Ladomenou, F., Gastrointestinal manifestations of primary immune deficiencies in children. Int Rev Immunol, 2018. 37(2): p. 111-118., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28876962* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Santoiemma, P. P., Ison, M. G., Angarone, M. P., Newer approaches in diagnosis of diarrhea in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2019. 32(5): p. 461-467., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31356240. Die 3-Jahres-Inzidenz nach Nierentransplantation in den Vereinigten Staaten liegt bei 22 % * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334. Es werden infektiöse von nicht-infektiösen Ursachen, die medikamentös oder krankheitsbedingt hervorgerufen werden, unterschieden (Tabelle „Ursachen chronischer Diarrhö bei Immundefizienz“) * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Santoiemma, P. P., Ison, M. G., Angarone, M. P., Newer approaches in diagnosis of diarrhea in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2019. 32(5): p. 461-467., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31356240* Kobrynski, L. J., Mayer, L., Diagnosis and treatment of primary immunodeficiency disease in patients with gastrointestinal symptoms. Clin Immunol, 2011. 139(3): p. 238-48., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21489888. Am häufigsten ist eine infektiöse Ursache gefolgt von Medikamenten-induzierter Diarrhö * Santoiemma, P. P., Ison, M. G., Angarone, M. P., Newer approaches in diagnosis of diarrhea in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2019. 32(5): p. 461-467., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31356240. Im Rahmen einer Immundefizienz besteht ein erhöhtes Risiko für protrahierte und schwere Verläufe durch „typische“ gastrointestinale Infektionserreger und Infektionen durch opportunistische Pathogene * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Arslan, H., Inci, E. K., Azap, O. K., Karakayali, H., Torgay, A., Haberal, M., Etiologic agents of diarrhea in solid organ recipients. Transpl Infect Dis, 2007. 9(4): p. 270-5., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17511817. Immunvermittelte medikamentöse Nebenwirkungen von Checkpoint-Inhibitoren hingegen erfordern eine entsprechende immunsuppressive Behandlung * Hamamoto, Y., Shin, N., Hoshino, T., Kanai, T., Management of challenging immune-related gastrointestinal adverse events associated with immune checkpoint inhibitors. Future Oncol, 2018. 14(30): p. 3187-3198., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30188189.

Literatur

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Hamamoto, Y., Shin, N., Hoshino, T., et al. Management of challenging immune-related gastrointestinal adverse events associated with immune checkpoint inhibitors. Future Oncol 2018; 14: 3187-3198

Konsensbasierte Empfehlung 6.2

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit einer Immundefizienz sollten Besonderheiten hinsichtlich Erregerspektrum, Verlauf und Therapie/Prävention infektiöser Enteritiden beachtet werden.

Diarrhö bei Immundefizienz II

Hintergrund

Das Erregerspektrum bei Patienten mit angeborener oder erworbener Immundefizienz unterscheidet sich deutlich von Immungesunden * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334 (siehe auch Tabelle „Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz“). Insbesondere opportunistische Erreger, C. difficile, Noroviren und Cytomegaloviren (CMV) führen häufig zu einer infektiösen Diarrhö * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Echenique, I. A., Penugonda, S., Stosor, V., Ison, M. G., Angarone, M. P., Diagnostic yields in solid organ transplant recipients admitted with diarrhea. Clin Infect Dis, 2015. 60(5): p. 729-37., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25371488 Außerdem führt die orale Rotavirus-Lebendimpfung bei Säuglingen mit zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekanntem schwerem kombinierten Immundefekt zu einer schweren Rotavirus-Infektion * Patel, N. C., Hertel, P. M., Estes, M. K., de la Morena, M., Petru, A. M., Noroski, L. M., et.al. Vaccine-acquired rotavirus in infants with severe combined immunodeficiency. N Engl J Med, 2010. 362(4): p. 314-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20107217. Aufgrund der gestörten Immunabwehr persistieren die Erreger häufig lange und es besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für komplizierende Verläufe, bei Kindern zusätzlich für Gedeihstörung, die wiederum eine anti-infektiöse Therapie oder ggf. Reduktion der immunsuppressiven Medikation erfordern * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Agarwal, S., Cunningham-Rundles, C., Gastrointestinal Manifestations and Complications of Primary Immunodeficiency Disorders. Immunol Allergy Clin North Am, 2019. 39(1): p. 81-94., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30466774.

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Konsensbasierte Empfehlung 6.3

Neu 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Erweiterte Stufendiagnostik

Bei Patienten mit Immundefizienz und Diarrhö soll eine erweiterte Diagnostik stufenweise in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf durchgeführt werden.

Diarrhö bei Immundefizienz III

Hintergrund

Gastrointestinale Infektionen treten häufig auch bei Patienten mit Immundefizienz auf und können ebenso selbstlimitierend verlaufen wie bei immunkompetenten Personen * Echenique, I. A., Penugonda, S., Stosor, V., Ison, M. G., Angarone, M. P., Diagnostic yields in solid organ transplant recipients admitted with diarrhea. Clin Infect Dis, 2015. 60(5): p. 729-37., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25371488. Dennoch sind engmaschige Verlaufskontrollen erforderlich und stufenweise mikrobielle, endoskopische sowie bildgebende Diagnostik in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf durchzuführen.

Mikrobielle Diagnostik

Zusätzlich zu kulturellen Verfahren sind Nukleinsäure-basierte Nachweisverfahren in begründeten Situationen bei Immundefizienz zur simultanen Testung von derzeit 5 bis zu 24 enteropathogenen Erregern im Stuhl (sogenannte „Gastroenteritis-Panel“) eine sinnvolle Ergänzung (siehe Empfehlung 3.7) * Santoiemma, P. P., Ison, M. G., Angarone, M. P., Newer approaches in diagnosis of diarrhea in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2019. 32(5): p. 461-467., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31356240* Liesman, R. M., Binnicker, M. J., The role of multiplex molecular panels for the diagnosis of gastrointestinal infections in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2016. 29(4): p. 359-65., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27191200* Wilber, E., Baker, J. M., Rebolledo, P., Clinical Implications of Multiplex Pathogen Panels for the Diagnosis of Acute Viral Gastroenteritis. J Clin Microbiol, 2021., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33568466. Es liegen zahlreiche publizierte Daten vor, die eine hohe Sensitivität und Spezifizität der unterschiedlichen Testverfahren nachweisen. Die Multiplex-PCR Tests können zeitnah viele Erreger, die für die Differentialdiagnostik der Diarrhö auch bei Immundefizienz relevant sind (siehe Tabelle „Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz“ unten), nachweisen * Binnicker, M. J., Multiplex Molecular Panels for Diagnosis of Gastrointestinal Infection: Performance, Result Interpretation, and Cost-Effectiveness. J Clin Microbiol, 2015. 53(12): p. 3723-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26311866* Coste, J. F., Vuiblet, V., Moustapha, B., Bouin, A., Lavaud, S., Toupance, O., et.al. Microbiological diagnosis of severe diarrhea in kidney transplant recipients by use of multiplex PCR assays. J Clin Microbiol, 2013. 51(6): p. 1841-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23554205. Eine CMV-Diagnostik ist bisher jedoch in keinem der zugelassenen Multiplex-PCR Panels enthalten * Santoiemma, P. P., Ison, M. G., Angarone, M. P., Newer approaches in diagnosis of diarrhea in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2019. 32(5): p. 461-467., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31356240* Wilber, E., Baker, J. M., Rebolledo, P., Clinical Implications of Multiplex Pathogen Panels for the Diagnosis of Acute Viral Gastroenteritis. J Clin Microbiol, 2021., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33568466. Obwohl diesbezüglich nur wenige Daten zur Verfügung stehen und eine geringe Evidenz für die Multiplex-Diagnostik bei Immunsupprimierten vorliegt, wird diese Diagnostik bereits für Organtransplantierte in der Leitlinie der Amerikanischen Gesellschaft für Transplantation empfohlen * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334 Insbesondere für die Therapieentscheidungen bei immunkompromittierten Patienten ist der Ausschluss einer Infektion von großer Bedeutung, weshalb eine Multiplex-PCR für diese Patienten als sinnvoll erachtet wird * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Liesman, R. M., Binnicker, M. J., The role of multiplex molecular panels for the diagnosis of gastrointestinal infections in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2016. 29(4): p. 359-65., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27191200* Wilber, E., Baker, J. M., Rebolledo, P., Clinical Implications of Multiplex Pathogen Panels for the Diagnosis of Acute Viral Gastroenteritis. J Clin Microbiol, 2021., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33568466. Der zeitnahe Erregernachweis durch Multiplex-Panel Diagnostik führte in einer Studie bei HIV Patienten zu einem besseren Antibiotika-Management * Sobczyk, J., Jain, S., Sun, X., Karris, M., Wooten, D., Stagnaro, J., et.al. Comparison of Multiplex Gastrointestinal Pathogen Panel and Conventional Stool Testing for Evaluation of Patients With HIV Infection. Open Forum Infect Dis, 2020. 7(1): p. ofz547., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31976355. Nachteilig sind die höheren Kosten, falsch-positive Befunde (Nachweis von genetischen Sequenzen von bereits nicht mehr viablen Erregern), Fehlen einer antimikrobiellen Resistenztestung und Detektion von nicht-pathogenen Erregern * Santoiemma, P. P., Ison, M. G., Angarone, M. P., Newer approaches in diagnosis of diarrhea in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2019. 32(5): p. 461-467., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31356240* Liesman, R. M., Binnicker, M. J., The role of multiplex molecular panels for the diagnosis of gastrointestinal infections in immunocompromised patients. Curr Opin Infect Dis, 2016. 29(4): p. 359-65., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27191200.

Unter Berücksichtigung der auch häufig falsch-positiven Nachweise von pathogenen E. coli (EHEC/EIEC) ist dennoch bei Nachweis von enterischen E. coli auf das klinische Bild (blutige Diarrhö bei EIEC, oder Diarrhö, Hämolyse und Thrombopenie bei EHEC) zu achten (siehe Empfehlung 3.4).

Endoskopische Diagnostik

In Ergänzung zur Schwere des klinischen Bildes und der Ätiologie in Empfehlung 3.6 ist bei Immundefizienz eine Endoskopie auch bei chronischer Diarrhö ohne Erregernachweis oder Erreger, die das Krankheitsbild nicht hinreichend erklären, sowie bei fehlendem Therapieansprechen indiziert * Wei, S. C., Hung, C. C., Chen, M. Y., Wang, C. Y., Chuang, C. Y., Wong, J. M., Endoscopy in acquired immunodeficiency syndromepatients with diarrhea and negative stool studies. Gastrointest Endosc, 2000. 51(4): p. 427-432.* Dikman, A. E., Schonfeld, E., Srisarajivakul, N. C., Poles, M. A., Human Immunodeficiency Virus-Associated Diarrhea: Still an Issue in the Era of Antiretroviral Therapy. Dig Dis Sci, 2015. 60(8): p. 2236-45., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25772777. In der Regel ist dabei die Beschränkung auf eine Koloskopie ausreichend * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Wei, S. C., Hung, C. C., Chen, M. Y., Wang, C. Y., Chuang, C. Y., Wong, J. M., Endoscopy in acquired immunodeficiency syndromepatients with diarrhea and negative stool studies. Gastrointest Endosc, 2000. 51(4): p. 427-432.* Makkar, R., Lopez, R., Shen, B., Clinical utility of retrograde terminal ileum intubation in the evaluation of chronic non-bloody diarrhea. J Dig Dis, 2013. 14(10): p. 536-42., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23777610. Bei chronischer Diarrhö und dem Verdacht auf eine Mycobacterium avium-intracellulare Infektion ist zusätzlich eine Ösophagogastroskopie mit tiefen Duodenalbiopsien (Diagnostik Tropheryma whipplei, M. Whipple) sinnvoll * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Yelika, S. B., Tumati, A., Denoya, P., Intestinal Aspergillosis: Systematic Review on Patterns of Clinical Presentation and Management. Surg Infect (Larchmt), 2020., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32758013. Die Endoskopie dient dabei auch der Differentialdiagnostik nicht infektiöser Ursachen, so zum Beispiel zur Detektion einer ischämischen oder kollagenen Kolitis. Neben der Beurteilung der Mukosa sollte die Endoskopie dazu dienen, Biopsien sowohl für eine histologische als auch für eine mikrobiologische Aufarbeitung zu gewinnen. Insbesondere atypische Mykobakterien, CMV- und Candida-Infektionen sind in der Regel nur bioptisch zu sichern.

Intestinale Candida-Infektionen wurden bei einzelnen immundefizienten Patienten (z. B. AIDS, Autoimmune-Polyendokrinopathie-Candidiasis-Ektodermales Dysplasie Syndrom) beobachtet. Die Diagnose erfordert eine endoskopische Untersuchung mit Gewebebiopsie zum histopathologischen Nachweis eines invasiven Wachstums von Candida spp. in Gewebe und Gefäßen, da Stuhluntersuchungen eine Differenzierung zwischen einer kommensalen Besiedelung oder einer intestinalen Infektion nicht zulassen * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171. Daten zur Inzidenz intestinaler Candida-Infektionen oder einer Assoziation mit Diarrhö bei immundefizienten Patienten liegen nicht vor * Wei, S. C., Hung, C. C., Chen, M. Y., Wang, C. Y., Chuang, C. Y., Wong, J. M., Endoscopy in acquired immunodeficiency syndromepatients with diarrhea and negative stool studies. Gastrointest Endosc, 2000. 51(4): p. 427-432..

Die Diagnose einer klinisch relevanten intestinalen CMV-Infektion bei Patienten mit Immundefekten erfordert weiterhin eine endoskopische Untersuchung mit mehreren Biopsien aus dem betroffenen Gewebe * Baroco, A. L., Oldfield, E. C., Gastrointestinal cytomegalovirus disease in the immunocompromised patient. Curr Gastroenterol Rep, 2008. 10(4): p. 409-16., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18627655, denn eine negative CMV-PCR aus dem Stuhl schließt eine intestinale CMV-Infektion nicht aus * Ganzenmueller, T., Kluba, J., Becker, J. U., Bachmann, O., Heim, A., Detection of cytomegalovirus (CMV) by real-time PCR in fecal samples for the non-invasive diagnosis of CMV intestinal disease. J Clin Virol, 2014. 61(4): p. 517-22., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25453330. Der Nachweis multipler intranukleärer Einschlusskörper im Rahmen einer histopathologischen Untersuchung zeigt eine klinisch signifikante CMV-Infektion an * Baroco, A. L., Oldfield, E. C., Gastrointestinal cytomegalovirus disease in the immunocompromised patient. Curr Gastroenterol Rep, 2008. 10(4): p. 409-16., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18627655. Die Diagnose einer CMV-Infektion bei transplantierten Patienten erfordert neben den makroskopisch sichtbaren Läsionen bei der Endoskopie, den histologischen Nachweis charakteristischer Einschlusskörper in der H&E Färbung, positive CMV-Kultur oder in-situ Hybridisierung * Baroco, A. L., Oldfield, E. C., Gastrointestinal cytomegalovirus disease in the immunocompromised patient. Curr Gastroenterol Rep, 2008. 10(4): p. 409-16., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18627655. Bei Patienten mit Colitis ulcerosa wird in der AWMF-Leitlinie 021/009 ein immunhistochemischer und/oder molekularbiologischer Nachweis aus Gewebeproben bzw. molekularbiologischer Nachweis aus dem Blut zur Diagnostik einer CMV-Infektion empfohlen * Kucharzik, T., Dignass, A. U., Atreya, R., Bokemeyer, B., Esters, P., Herrlinger, K., et.al. Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa – Living Guideline. Z Gastroenterol, 2020. 58(12): p. e241-e326., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33260237.

Im Rahmen einer Ösophagogastroduodenoskopie können Gewebeproben und Duodenalsaft auf Giardia lamblia untersucht werden, diese Untersuchungen sind jedoch nicht sensitiver als adäquat untersuchte Stuhlproben * Wahnschaffe, U., Ignatius, R., Loddenkemper, C., Liesenfeld, O., Muehlen, M., Jelinek, T., et.al. Diagnostic value of endoscopy for the diagnosis of giardiasis and other intestinal diseases in patients with persistent diarrhea from tropical or subtropical areas. Scand J Gastroenterol, 2007. 42(3): p. 391-6., https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/00365520600881193?needAccess=true. Unabhängig hiervon ist jedoch die Entnahme von Quadrantenbiopsien aus der Pars descendens duodeni zur Vervollständigung der Differenzialdiagnose empfohlen.

Bildgebende Diagnostik

Bildgebende Untersuchungen inklusive radiologischer Schnittbildverfahren dienen bei immundefizienten Patienten der weiteren Abklärung schwerer Verläufe einer infektiösen Gastroenteritis mit Komplikationen sowie der Differentialdiagnostik anderer Ursachen. Zur Abklärung der Genese einer infektiösen Gastroenteritis sind bildgebende Verfahren in der Regel nicht hilfreich. Die Bildgebung bei immunsupprimierten oder immundefizienten Patienten mit Diarrhö ist meist unspezifisch. Dennoch können sich bereits aus der Sonografie zusätzliche Informationen zur Lokalisation und ggf. Art der Infektion sowie möglicher Komplikationen (z. B. Darmwandverdickung, Lymphadenopathie, pathologische Kokarde, Raumforderung, Appendizitis, Briden) ergeben. CT und MRT Untersuchungen werden bei schweren Krankheitsverläufen zur Bestimmung des Ausmaßes der Infektion und möglicher Komplikationen (Megakolon, Ileus, Perforation, Abszess, Fistel, Invagination, Pankreatitis etc.), extraintestinaler Manifestationen (z. B. Osteomyelitis) bzw. als Intervention bei Komplikation oder zur Differentialdiagnose von Tumoren durchgeführt * Feasey, N. A., Healey, P., Gordon, M. A., Review article: the aetiology, investigation and management of diarrhoea in the HIV-positive patient. Aliment Pharmacol Ther, 2011. 34(6): p. 587-603., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21777262.

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Konsensbasierte Empfehlung 6.4

Geprüft 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Gezielte Infektiologische Diagnostik

In Abhängigkeit von Symptomen, Anamnese (Medikamentenanamnese, Reiseanamnese, Beruf, Kontakt mit Tieren, Erkrankungen im sozialen Umfeld ggf. sexuelle Praktiken) und Art des Immundefektes sollte auf die in Tabelle „Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz“ aufgeführten Pathogene untersucht werden.

Diarrhö bei Immundefizienz IV

Zusätzlich zur Basisdiagnostik in Empfehlung 3.3 ist das individuelle Risikoprofil und die Reiseanamnese bei der Erregerdiagnostik bei Immundefizienten zu berücksichtigen (siehe Empfehlung 7.1 – 7.6) * Wasilczuk, K., Korzeniewski, K., Immunocompromised travellers. Int Marit Health, 2017. 68(4): p. 229-237., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29297574* Aung, A. K., Trubiano, J. A., Spelman, D. W., Travel risk assessment, advice and vaccinations in immunocompromised travellers (HIV, solid organ transplant and haematopoeitic stem cell transplant recipients): A review. Travel Med Infect Dis, 2015. 13(1): p. 31-47., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25593039.

Insbesondere bei Risikokonstellationen aus Anamnese, Immundefizienz und klinischem Bild ist eine infektiologische Diagnostik indiziert (siehe auch Kapitel „Diagnostik der ambulant erworbenen Gastroenteritis“ Empfehlung 3.2 und Kapitel „Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern“ Empfehlungen 7.3 – 7.6 sowie Tabelle „Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz“).

  • Immundefiziente Patienten mit entsprechender Reiseanamnese (siehe Kapitel „Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern“), beruflicher Exposition, Erkrankungen im persönlichen Umfeld (z. B. Familie etc.).
  • Patienten unter einer Immunsuppression, die mit einem erhöhten Risiko für eine spezielle Infektion einhergeht (z. B. CMV-Infektion nach hämatopoetischer Strammzelltransplantation oder myelosuppressiver Therapie; bzw. CDI bei Alter > 55), Behandlung mit Anti-Thymozytenglobulin (ATG), Organ- und insbesondere Re-Transplantation) * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334.
  • Immunsupprimierte Patienten mit Hinweis auf einen früheren Erregernachweis und Anhalt für ein Rezidiv oder einen protrahierten Verlauf (z. B. bei Lamblien, C. difficile)
  • Patienten mit CD4+-T-Zellzahl < 200 Zellen/μl. Hier sollte auch eine Stuhluntersuchung auf Mikrosporidien, Kryptosporidien, Gardia lamblia, Cystoisospora belli und Strongyloides stercoralis durchgeführt werden * Assefa, S., Erko, B., Medhin, G., Assefa, Z., Shimelis, T., Intestinal parasitic infections in relation to HIV/AIDS status, diarrhea and CD4 T-cell count. BMC Infect Dis, 2009. 9: p. 155., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19765310* Pavie, J., Menotti, J., Porcher, R., Donay, J. L., Gallien, S., Sarfati, C., et.al. Prevalence of opportunistic intestinal parasitic infections among HIV-infected patients with low CD4 cells counts in France in the combination antiretroviral therapy era. Int J Infect Dis, 2012. 16(9): p. e677-9., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22771183.

Bei Verdacht auf eine C. difficile-Infektion (CDI) wird zeitnah eine sensitive Diagnostik zum Nachweis von toxigenen C. difficile benötigt, da Immundefiziente ein hohes Risiko für schwere Verläufe haben (siehe Empfehlung 3.4/3.5) * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171.

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Tabelle 10: Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz*

Protozoen
Cyclospora spp.T-zelluläre Immundefekte (z. B. AIDS), Reiseanamnese
Blastocystis hominispathogenetische Relevanz als Krankheitserreger unklar
Dientamoeba fragilisselten, HTLV-1-Infektion
Cystoisospora belliReiseanamnese V. a. Tropen/Subtropen, V. a. T-zelluläre Immundefekte (z. B. AIDS) * Assefa, S., Erko, B., Medhin, G., Assefa, Z., Shimelis, T., Intestinal parasitic infections in relation to HIV/AIDS status, diarrhea and CD4 T-cell count. BMC Infect Dis, 2009. 9: p. 155., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19765310, nach
Organtransplantation* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171
KryptosporidienT-zelluläre Immundefekte, insbesondere AIDS * Assefa, S., Erko, B., Medhin, G., Assefa, Z., Shimelis, T., Intestinal parasitic infections in relation to HIV/AIDS status, diarrhea and CD4 T-cell count. BMC Infect Dis, 2009. 9: p. 155., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19765310, Reiseanamnese Entwicklungsländer* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171
MikrosporidienT-zelluläre Immundefekte, Reiseanamnese
Strongyloides stercoralisReiseanamnese Tropen/Subtropen * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171, Immundefizienz z. B. AIDS* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171,* Assefa, S., Erko, B., Medhin, G., Assefa, Z., Shimelis, T., Intestinal parasitic infections in relation to HIV/AIDS status, diarrhea and CD4 T-cell count. BMC Infect Dis, 2009. 9: p. 155., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19765310
Viren
AdenovirusV. a. Kindern nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation, seltene Ausbrüche* Matthes-Martin, S., Feuchtinger, T., Shaw, P. J., Engelhard, D., Hirsch, H. H., Cordonnier, C., et.al. European guidelines for diagnosis and treatment of adenovirus infection in leukemia and stem cell transplantation: summary of ECIL-4 (2011). Transpl Infect Dis, 2012. 14(6): p. 555-63., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23146063
CMVImmunsuppression nach Organtransplantation oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen,
HIV/AIDS * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171, * You, D. M., Johnson, M. D., Cytomegalovirus infection and the gastrointestinal tract. Curr Gastroenterol Rep, 2012. 14(4): p. 334-42., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22588614
NorovirusChronische Infektionen bei primären Immundefekten (z. B. CVID) nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation
und unter Immunsuppression nach Organtransplantation * Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171, * Woodward, J., Gkrania-Klotsas, E., Kumararatne, D., Chronic norovirus infection and common variable immunodeficiency. Clin Exp Immunol, 2017. 188(3): p. 363-370., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27753065, * Brown, L. K., Clark, I., Brown, J. R., Breuer, J., Lowe, D. M., Norovirus infection in primary immune deficiency. Rev Med Virol, 2017. 27(3): p. e1926., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28271593, * Bok, K., Green, K. Y., Norovirus gastroenteritis in immunocompromised patients. N Engl J Med, 2012. 367(22): p. 2126-32., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23190223
Bakterien
Mycobacterium avium Komplex nicht-tuberkulöseMykobakterienV. a. schwere T-zelluläre Immundefekte (z. B. AIDS)* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171,* Cello, J. P., Day, L. W., Idiopathic AIDS enteropathy and treatment of gastrointestinal opportunistic pathogens. Gastroenterology, 2009. 136(6): p. 1952-65., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19457421
Mycobacterium tuberculosis-KomplexEndemiegebiete, Risikopopulationen* Donoghue, H. D., Holton, J., Intestinal tuberculosis. Curr Opin Infect Dis, 2009. 22(5): p. 490-6., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19623062
Pilze
HistoplasmoseReiseanamnese V. a. USA, Zentral- und Südamerika* Guarner, J., Brandt, M. E., Histopathologic diagnosis of fungal infections in the 21st century. Clin Microbiol Rev, 2011. 24(2): p. 247-80., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21482725Mendelian susceptibility to mycobacterialdisease (MSMD), Immundefizienz V. a. AIDS
KokzidioidomykoseReiseanamnese V. a. Amerika
AIDS = „acquired Immunodeficiency Syndrome“; CMV = Cytomegalie-Virus; CVID = „common variable Immunodeficency“; HTLV = humane T-lymphotrope Viren.
*In der Tabelle werden häufige Konstellationen aufgeführt, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Konsensbasierte Empfehlung 6.5

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Supportive Maßnahmen

Maßnahmen zur Verbesserung der reduzierten Immunfunktion sollten geprüft werden.

Diarrhö bei Immundefizienz V

Hintergrund

Bei dem Verdacht oder Nachweis einer infektiösen Gastroenteritis bei immundefizienten Patienten ist es sinnvoll, Möglichkeiten zur Verbesserung der reduzierten Immunfunktion zu prüfen. Hierzu zählt vor allem die Reduktion ggf. Pausierung einer medikamentösen Immunsuppression, soweit dies von der Aktivität der Grunderkrankung bzw. der Organfunktion des transplantierten Organs her vertretbar ist. Des Weiteren kann bei Patienten mit Neutropenie während oder nach Chemotherapie aufgrund einer malignen Grunderkrankung die Immunfunktion durch die frühzeitige Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) verbessert werden * Aapro, M. S., Bohlius, J., Cameron, D. A., Dal Lago, L., Donnelly, J. P., Kearney, N., et.al. 2010 update of EORTC guidelines for the use of granulocyte-colony stimulating factor to reduce the incidence of chemotherapy-induced febrile neutropenia in adult patients with lymphoproliferative disorders and solid tumours. Eur J Cancer, 2011. 47(1): p. 8-32., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21095116. Die Einleitung oder Umstellung einer hochaktiven antiretroviralen Therapie bei HIV-positiven Patienten stellt eine weitere Möglichkeit dar, die zu einer Verbesserung der Immunfunktion führt.

Literatur

[1]

Aapro, M. S., Bohlius, J., Cameron, D. A., et al. 2010 update of EORTC guidelines for the use of granulocyte-colony stimulating factor to reduce the incidence of chemotherapy-induced febrile neutropenia in adult patients with lymphoproliferative disorders and solid tumours. Eur J Cancer 2011; 47: 8-32

Konsensbasierte Empfehlung 6.6

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische antiinfektive Therapie (identisch mit Empfehlung 4.14 dieser Leitlinie)

Bei unkomplizierter akuter infektiöser Gastroenteritis soll in der Regel, auch bei immundefizienten Patienten, keine antibiotische Therapie erfolgen.

Lediglich in Ausnahmefällen kann eine empirische antiinfektive Therapie nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik (siehe Empfehlung 3.3) durchgeführt werden.

Diarrhö bei Immundefizienz VI

Hintergrund

Wie auch bei Immunkompetenten ist in den meisten Fällen eine empirische Therapie nicht notwendig (siehe Empfehlung 4.14). Entscheidet man sich nach Probenentnahme für die Erregerdiagnostik aufgrund bestimmter Umstände für eine empirische Therapie (z. B. bei Reiserückkehrern mit Fieber und/oder blutigen Stühlen), so wird primär Azithromycin (500 mg/d p. o. für 3 Tage, oder 1000 mg einmalig p. o.) oder alternativ ein Aminopenicillin mit Betalaktamase-Inhibitor für 3 – 5 Tage (siehe Empfehlungen 4.15 – 4.20) oder bei entsprechenden Risikofaktoren für eine CDI Fidaxomicin bzw. Vancomycin eingesetzt (siehe auch Empfehlung 5.3 und 5.6). Auf Arzneimittelinteraktionen (z. B. mit immunsuppressiven Medikamenten) und Kontraindikationen ist zu achten. Ebenso sind engmaschige Kontrollen des klinischen Verlaufes erforderlich und die Therapie nach Vorliegen des Antibiogramms zu evaluieren.

Konsensbasierte Empfehlung 6.7

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


CMV-Enterocolitis

Bei immundefizienten Patienten mit nachgewiesener CMV-Enterocolitis soll eine antivirale Therapie durchgeführt werden.

Diarrhö bei Immundefizienz VII

Hintergrund

Die initiale Infektion mit dem humanen Cytomegalievirus (hCMV), einem Doppelstrang-DNA-Virus der Familie der Herpesviridae, erfolgt meist bereits im Kindesalter und verläuft beim Immungesunden überwiegend asymptomatisch aber persistiert lebenslang als latente Infektion * You, D. M., Johnson, M. D., Cytomegalovirus infection and the gastrointestinal tract. Curr Gastroenterol Rep, 2012. 14(4): p. 334-42., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22588614. Eine initiale Infektion oder Reaktivierung der latenten Infektion kann jedoch bei Immundefizienten zu einem invasiven Organbefall mit Gewebedestruktion führen. Die gastrointestinale CMV-Infektion kann sich vom Ösophagus über den Magen bis zum Kolon manifestieren und dementsprechend zu Odynophagie, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfällen mit und ohne Hämatochezie führen * You, D. M., Johnson, M. D., Cytomegalovirus infection and the gastrointestinal tract. Curr Gastroenterol Rep, 2012. 14(4): p. 334-42., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22588614. Das endoskopische Bild ist hierbei sehr variabel und die Diagnose wird durch den Nachweis von CMV in Gewebeproben gesichert, da der virologische Nachweis der CMV-Antigenämie (pp65Ag, CMV-DNA PCR) im Blut keine ausreichende Sensitivität und einen schlechten positiven Vorhersagewert für die isolierte gastrointestinale CMV-Infektion hat * You, D. M., Johnson, M. D., Cytomegalovirus infection and the gastrointestinal tract. Curr Gastroenterol Rep, 2012. 14(4): p. 334-42., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22588614. Die Induktionstherapie bei immundefizienten Patienten mit nachgewiesener CMV-Enterokolitis erfolgt in der Regel mit Ganciclovir intravenös * Razonable, R. R., Humar, A., Cytomegalovirus in solid organ transplant recipients-Guidelines of the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13512., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30817026. Alternativ wird mit Valganciclovir oder Foscarnet behandelt * Razonable, R. R., Humar, A., Cytomegalovirus in solid organ transplant recipients-Guidelines of the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13512., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30817026* Torres-Madriz, G., Boucher, H. W., Immunocompromised hosts: perspectives in the treatment and prophylaxis of cytomegalovirus disease in solid-organ transplant recipients. Clin Infect Dis, 2008. 47(5): p. 702-11., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18652557* Gugliesi, F., Coscia, A., Griffante, G., Galitska, G., Pasquero, S., Albano, C., et.al. Where do we Stand after Decades of Studying Human Cytomegalovirus?. Microorganisms, 2020. 8(5):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32397070. Nach Abklingen der initialen klinischen Symptome ist eine Umstellung der initialen parenteralen Therapie auf Valganciclovir per os sinnvoll.

Während einer CMV-Therapie ist sowohl eine Überwachung der Therapienebenwirkungen (z. B. mittels Bestimmung des Blutbildes) als auch ein regelmäßiges CMV-Monitoring erforderlich (erstmalig 7 Tage nach Therapiebeginn), um ein Therapieansprechen bzw. -versagen bei möglicher Resistenz zu erkennen. Bei Patienten mit Neutropenie ist hierfür eine quantitative CMV-PCR (CMV-Genkopienzahl) aus dem Blut notwendig * Razonable, R. R., Humar, A., Cytomegalovirus in solid organ transplant recipients-Guidelines of the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13512., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30817026. Die Induktionstherapie erfolgt unter Beachtung der Kinetik der Virämie im peripheren Blut und des klinischen Ansprechens für mindestens 14 Tage * Razonable, R. R., Humar, A., Cytomegalovirus in solid organ transplant recipients-Guidelines of the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13512., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30817026. Eine Erhaltungstherapie mit oralem Valganciclovir wird bei Patienten mit Rezidiv einer CMV-Infektion oder bei Patienten mit anhaltendem schwerem Immundefekt auch längerfristig eingesetzt * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Krones, E., Hogenauer, C., Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am, 2012. 41(3): p. 677-701., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22917171* Baroco, A. L., Oldfield, E. C., Gastrointestinal cytomegalovirus disease in the immunocompromised patient. Curr Gastroenterol Rep, 2008. 10(4): p. 409-16., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18627655* Razonable, R. R., Humar, A., Cytomegalovirus in solid organ transplant recipients-Guidelines of the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13512., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30817026.

Literatur

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You, D. M., Johnson, M. D.. Cytomegalovirus infection and the gastrointestinal tract. Curr Gastroenterol Rep 2012; 14: 334-42

[2]

Razonable, R. R., Humar, A.. Cytomegalovirus in solid organ transplant recipients-Guidelines of the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant 2019; 33: e13512

[3]

Torres-Madriz, G., Boucher, H. W.. Immunocompromised hosts: perspectives in the treatment and prophylaxis of cytomegalovirus disease in solid-organ transplant recipients. Clin Infect Dis 2008; 47: 702-11

[4]

Gugliesi, F., Coscia, A., Griffante, G., et al. Where do we Stand after Decades of Studying Human Cytomegalovirus?. Microorganisms 2020; 8:

[5]

Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of. Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant 2019; 33: e13550

[6]

Krones, E., Hogenauer, C.. Diarrhea in the immunocompromised patient. Gastroenterol Clin North Am 2012; 41: 677-701

[7]

Baroco, A. L., Oldfield, E. C.. Gastrointestinal cytomegalovirus disease in the immunocompromised patient. Curr Gastroenterol Rep 2008; 10: 409-16

Konsensbasierte Empfehlung 6.8

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Vorgehen bei Adenovirus-Infektion

Bei immundefizienten Patienten mit schwerem Krankheitsbild kann eine frühzeitige antivirale Therapie der Adenovirus-Infektion erwogen werden. Eine etablierte Therapie der Adenovirus-Infektion existiert nicht.

Diarrhö bei Immundefizienz VIII

Hintergrund

Immundefiziente Patienten nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSCT) oder Transplantation solider Organe haben das höchste Risiko an einer schweren Adenovirusinfektion zu erkranken * Matthes-Martin, S., Feuchtinger, T., Shaw, P. J., Engelhard, D., Hirsch, H. H., Cordonnier, C., et.al. European guidelines for diagnosis and treatment of adenovirus infection in leukemia and stem cell transplantation: summary of ECIL-4 (2011). Transpl Infect Dis, 2012. 14(6): p. 555-63., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23146063* Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449. Adenoviren machen etwa ein Viertel der viralen Enteritiden bei Patienten nach Organtransplantation aus * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449. Wie bei anderen viralen Enteritiden steht die supportive Therapie, insbesondere die Rehydrierung, im Vordergrund (siehe Empfehlung 4.4/4.5) * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449. Zusätzlich erfolgt nach Möglichkeit eine Reduktion der immunsuppressiven Therapie * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449* Sandkovsky, U., Vargas, L., Florescu, D. F., Adenovirus: current epidemiology and emerging approaches to prevention and treatment. Curr Infect Dis Rep, 2014. 16(8): p. 416., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24908344. Invasive oder disseminierte Adenovirus-Infektionen erfordern häufig eine antivirale Therapie, für die es weder zugelassene spezifische Virostatika noch klinische Studien für die Behandlung immundefizienter Patienten gibt * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449.

Cidofovir (CDV), ein Nukleotidanalogon von Cytosin, wirkt in vitro gegen verschiedene humane Serotypen des Adenovirus und wird deshalb für die Behandlung von Adenoviren (off-label) eingesetzt. Seine Verwendung ist jedoch durch schwere Nephrotoxizität und Knochenmarksuppression eingeschränkt * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449* Sandkovsky, U., Vargas, L., Florescu, D. F., Adenovirus: current epidemiology and emerging approaches to prevention and treatment. Curr Infect Dis Rep, 2014. 16(8): p. 416., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24908344.

Brincidofovir, das Lipidkonjugat von CDV, wurde von der FDA für die Behandlung von Pocken zugelassen. Es scheint mehrere Vorteile gegenüber CDV zu haben, darunter eine stärkere antivirale Aktivität und weniger Nephrotoxizität * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449. Brincidofovir erhielt 2016 den Orphan Drug Status zur Behandlung der Adenovirusinfektion bei immundefizienten Patienten (EU/3/16/1697). Die meisten Daten zu Nebenwirkungen, einschließlich schwerer Diarrhöe und Lebertoxizität (Transaminitis), stammen von erwachsenen Patienten nach hämatopoetischer Stammzelltransplantationen * Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D., Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses, 2021. 13(10):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34696449. Brincidofovir wurde auch bei Kindern nach solider Organtransplantation bei schwerer Adenovirus-Infektion eingesetzt * Londeree, J., Winterberg, P. D., Garro, R., George, R. P., Shin, S., Liverman, R., et.al. Brincidofovir for the treatment of human adenovirus infection in pediatric solid organ transplant recipients: A case series. Pediatr Transplant, 2020. 24(7): p. e13769., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32558134.

Eine Zelltherapie mit virusspezifischen T-Zellen (VST) von HLA-(teil-)kompatiblen Spendern kann bei schwerer oder disseminierter Adenovirus-Infektion nach HSCT die Viren aus dem Blut eliminieren und schwere, häufig tödliche Verläufe verhindern * Sandkovsky, U., Vargas, L., Florescu, D. F., Adenovirus: current epidemiology and emerging approaches to prevention and treatment. Curr Infect Dis Rep, 2014. 16(8): p. 416., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24908344* Houghtelin, A., Bollard, C. M., Virus-Specific T Cells for the Immunocompromised Patient. Front Immunol, 2017. 8: p. 1272., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29075259. Der adoptive Transfer von VST bietet für schwer immundefiziente Patienten eine gezielte Therapie bei verschiedenen Virusinfektionen (z. B. EBV, CMV, Adenoviren) mit einem sehr guten Sicherheitsprofil * Houghtelin, A., Bollard, C. M., Virus-Specific T Cells for the Immunocompromised Patient. Front Immunol, 2017. 8: p. 1272., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29075259.

Literatur

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Matthes-Martin, S., Feuchtinger, T., Shaw, P. J., et al. European guidelines for diagnosis and treatment of adenovirus infection in leukemia and stem cell transplantation: summary of ECIL-4 (2011). Transpl Infect Dis 2012; 14: 555-63

[2]

Abbas, A., Zimmer, A. J., Florescu, D.. Viral Enteritis in Solid-Organ Transplantation. Viruses 2021; 13:

[3]

Sandkovsky, U., Vargas, L., Florescu, D. F.. Adenovirus: current epidemiology and emerging approaches to prevention and treatment. Curr Infect Dis Rep 2014; 16: 416

[4]

Londeree, J., Winterberg, P. D., Garro, R., et al. Brincidofovir for the treatment of human adenovirus infection in pediatric solid organ transplant recipients: A case series. Pediatr Transplant 2020; 24: e13769

[5]

Houghtelin, A., Bollard, C. M.. Virus-Specific T Cells for the Immunocompromised Patient. Front Immunol 2017; 8: 1272

Konsensbasierte Empfehlung 6.9

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Mykobakterium Avium Komplex

Die Therapie einer Mycobacterium avium Komplex (MAK) Infektion sollte in Rücksprache mit einer/m Kollegen/in mit infektiologischer Expertise mit Clarithromycin, Ethambutol und Rifabutin erfolgen. Medikamenteninteraktionen sind zu beachten.

Diarrhö bei Immundefizienz IX

Hintergrund

Mykobakterium avium Komplex (MAK) verursacht typischerweise eine Durchfallerkrankung bei AIDS-Patienten mit einem stark geschwächten zellulären Immunsystem (CD4 T-Zellzahl unter 50 Zellen/mm3) * Dikman, A. E., Schonfeld, E., Srisarajivakul, N. C., Poles, M. A., Human Immunodeficiency Virus-Associated Diarrhea: Still an Issue in the Era of Antiretroviral Therapy. Dig Dis Sci, 2015. 60(8): p. 2236-45., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25772777. Für die Behandlung von Patienten mit einer MAK-Infektion ist die infektiologische Expertise in der Behandlung von Mykobakteriosen von zentraler Bedeutung. Insbesondere bei an HIV erkrankten Patienten ist unter antiretroviraler Therapie das Interaktionspotential der Substanzen zu beachten, hier bietet sich die Nutzung von online-tools zur Interaktionsprüfung an (https://clinicalinfo.hiv.gov/en/drugs oder www.hiv-druginteractions.org) * Adolescents., Panel on Antiretroviral Guidelines for Adults and, Guidelines for the Use of Antiretroviral Agents in Adults and Adolescents with HIVDepartment of Health and Human Services 2022:, https://clinicalinfo.hiv.gov/en/guidelines/adult-and-adolescent-arv.

Eine Resistenztestung ist anzustreben, um eine gezielte Therapie durchzuführen * Schonfeld, N., Haas, W., Richter, E., Bauer, T. T., Bos, L., Castell, S., et.al. [Recommendations for diagnosis and treatment of nontuberculous mycobacterioses of the German Central Committee against tuberculosis and the German Respiratory Society]. Pneumologie, 2013. 67(11): p. 605-33., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24198237* Pennington, K. M., Vu, A., Challener, D., Rivera, C. G., Shweta, F. N. U., Zeuli, J. D., et.al. Approach to the diagnosis and treatment of non-tuberculous mycobacterial disease. J Clin Tuberc Other Mycobact Dis, 2021. 24: p. 100244., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34036184. Primär erfolgt die kalkulierte Therapie einer MAK-Infektion z. B. mit Clarithromycin 2 x 500 mg p. o., Ethambutol 1 x 15 mg pro kg Körpergewicht p. o. und Rifabutin 1 x 300 mg p. o. über 1 – 2 Monate * Pennington, K. M., Vu, A., Challener, D., Rivera, C. G., Shweta, F. N. U., Zeuli, J. D., et.al. Approach to the diagnosis and treatment of non-tuberculous mycobacterial disease. J Clin Tuberc Other Mycobact Dis, 2021. 24: p. 100244., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34036184* Thoden, J., Potthoff, A., Bogner, J. R., Brockmeyer, N. H., Esser, S., Grabmeier-Pfistershammer, K., et.al. Therapy and prophylaxis of opportunistic infections in HIV-infected patients: a guideline by the German and Austrian AIDS societies (DAIG/OAG) (AWMF 055/066). Infection, 2013. 41 Suppl 2(Suppl 2): p. S91-115., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24037688. Als Alternative wird statt Clarithromycin eine Therapie mit Azithromycin 1 x 500 mg p. o. durchgeführt und statt Rifabutin wird Rifampicin 10 mg/kg Körpergewicht (max. 600 mg p. o./Tag) eingesetzt * Schonfeld, N., Haas, W., Richter, E., Bauer, T. T., Bos, L., Castell, S., et.al. [Recommendations for diagnosis and treatment of nontuberculous mycobacterioses of the German Central Committee against tuberculosis and the German Respiratory Society]. Pneumologie, 2013. 67(11): p. 605-33., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24198237* Pennington, K. M., Vu, A., Challener, D., Rivera, C. G., Shweta, F. N. U., Zeuli, J. D., et.al. Approach to the diagnosis and treatment of non-tuberculous mycobacterial disease. J Clin Tuberc Other Mycobact Dis, 2021. 24: p. 100244., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34036184. Je nach Immundefizienz und Schwere der Erkrankung kann initial auch eine 4-fach Therapie sinnvoll sein * Pennington, K. M., Vu, A., Challener, D., Rivera, C. G., Shweta, F. N. U., Zeuli, J. D., et.al. Approach to the diagnosis and treatment of non-tuberculous mycobacterial disease. J Clin Tuberc Other Mycobact Dis, 2021. 24: p. 100244., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34036184.

Bei HIV erkrankten Patienten, deren Viruslast (HIV-RNA) unter erfolgreicher antiretroviraler Therapie (HAART) unter der Nachweisgrenze und deren CD4-Zellzahl für 6 Monate über 100/Mikroliter liegt, ist es möglich, die Therapie der MAK-Infektion unter entsprechenden Kontrollen abzusetzen * Thoden, J., Potthoff, A., Bogner, J. R., Brockmeyer, N. H., Esser, S., Grabmeier-Pfistershammer, K., et.al. Therapy and prophylaxis of opportunistic infections in HIV-infected patients: a guideline by the German and Austrian AIDS societies (DAIG/OAG) (AWMF 055/066). Infection, 2013. 41 Suppl 2(Suppl 2): p. S91-115., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24037688. Eine primäre Chemoprophylaxe ist nicht erforderlich, aber Patienten ohne Immunrekonstitution (CD4-Zellzahl stets unter 50/µl) benötigen eine lebenslange Therapie. Hier wird zur Sekundärprophylaxe primär Azithromycin 1 x 1200 mg pro Woche p. o. verabreicht, alternativ auch Clarithromycin 2 × 500 mg p. o. (siehe auch Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG).

Literatur

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Dikman, A. E., Schonfeld, E., Srisarajivakul, N. C., et al. Human Immunodeficiency Virus-Associated Diarrhea: Still an Issue in the Era of Antiretroviral Therapy. Dig Dis Sci 2015; 60: 2236-45

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Schonfeld, N., Haas, W., Richter, E., et al. [Recommendations for diagnosis and treatment of nontuberculous mycobacterioses of the German Central Committee against tuberculosis and the German Respiratory Society]. Pneumologie 2013; 67: 605-33

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Pennington, K. M., Vu, A., Challener, D., et al. Approach to the diagnosis and treatment of non-tuberculous mycobacterial disease. J Clin Tuberc Other Mycobact Dis 2021; 24: 100244

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Thoden, J., Potthoff, A., Bogner, J. R., et al. Therapy and prophylaxis of opportunistic infections in HIV-infected patients: a guideline by the German and Austrian AIDS societies (DAIG/OAG) (AWMF 055/066). Infection 2013; 41 Suppl 2: S91-115

Konsensbasierte Empfehlung 6.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Konsens


Therapie von Clostridioides difficile

Die Therapie der Clostridioides difficile-Infektion soll bei immundefizienten Patienten primär mit Fidaxomicin oder alternativ Vancomycin erfolgen.

Diarrhö bei Immundefizienz X

Hintergrund

Immundefiziente Patienten haben ein Risiko an einer Clostridoides difficile-Infektion (CDI) zu erkranken, können rekurrierende und schwere Krankheitsverläufe haben * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Cozar-Llisto, A., Ramos-Martinez, A., Cobo, J., Clostridium difficile Infection in Special High-Risk Populations. Infect Dis Ther, 2016. 5(3): p. 253-69., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27515721* Kelly, C. R., Fischer, M., Allegretti, J. R., LaPlante, K., Stewart, D. B., Limketkai, B. N., et.al. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. Am J Gastroenterol, 2021. 116(6): p. 1124-1147., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34003176. Dabei spielt die Grunderkrankung, das transplantierte Organ, die Art der Immunsuppression und die Umgebung eine entscheidende Rolle * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Cozar-Llisto, A., Ramos-Martinez, A., Cobo, J., Clostridium difficile Infection in Special High-Risk Populations. Infect Dis Ther, 2016. 5(3): p. 253-69., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27515721. Dementsprechend unterschiedlich sind die Inzidenzraten. Bei Patienten mit Z. n. Lungentransplantation zeigten sich Inzidenzraten bis 31 %, bei Z. n. Nieren- oder Lebertransplantation um 3 – 4 %, und ca. 9 % bei Patienten nach Hochdosischemotherapie oder autologer Stammzelltransplantation * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334* Cozar-Llisto, A., Ramos-Martinez, A., Cobo, J., Clostridium difficile Infection in Special High-Risk Populations. Infect Dis Ther, 2016. 5(3): p. 253-69., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27515721* Kelly, C. R., Fischer, M., Allegretti, J. R., LaPlante, K., Stewart, D. B., Limketkai, B. N., et.al. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. Am J Gastroenterol, 2021. 116(6): p. 1124-1147., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34003176* Gellad, Z. F., Alexander, B. D., Liu, J. K., Griffith, B. C., Meyer, A. M., Johnson, J. L., et.al. Severity of Clostridium difficile-associated diarrhea in solid organ transplant patients. Transpl Infect Dis, 2007. 9(4): p. 276-80., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17635835. Eine Therapie mit Protonenpumpenblocker und niedrige CD4 T-Zellzahlen bei HIV-positiven Patienten sind neben der Antibiotikatherapie Risikofaktoren für eine CDI * Kelly, C. R., Fischer, M., Allegretti, J. R., LaPlante, K., Stewart, D. B., Limketkai, B. N., et.al. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. Am J Gastroenterol, 2021. 116(6): p. 1124-1147., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34003176* Imlay, H., Kaul, D., Rao, K., Risk factors for Clostridium difficile infection in HIV-infected patients. SAGE Open Med, 2016. 4: p. 2050312116684295., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28348742.

Analog zu den Empfehlungen für nicht-immunsupprimierte Patienten werden neben supportiven Maßnahmen (Empfehlung 5.4) auch in diesem Patientenkollektiv primär Fidaxomicin oder alternativ Vancomycin zur Therapie eingesetzt (Empfehlung 5.7 – 5.11) * van Prehn, J., Reigadas, E., Vogelzang, E. H., Bouza, E., Hristea, A., Guery, B., et.al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect, 2021. 27 Suppl 2: p. S1-S21., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34678515. Dabei entspricht die Dosis der von nicht-immunsupprimierten Patienten für Fidaxomicin (2 x 200 mg/Tag) und Vancomycin (4 x 125 mg/d) für 10 Tage * van Prehn, J., Reigadas, E., Vogelzang, E. H., Bouza, E., Hristea, A., Guery, B., et.al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect, 2021. 27 Suppl 2: p. S1-S21., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34678515.

Im Falle von Rezidiven führt die Standardbehandlung mit Hinzunahme von Bezlotoxumab, einem monoklonalen Antikörper gegen C. difficile-Toxin B, zu einer Reduktion des Rezidivrisikos * van Prehn, J., Reigadas, E., Vogelzang, E. H., Bouza, E., Hristea, A., Guery, B., et.al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect, 2021. 27 Suppl 2: p. S1-S21., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34678515. Zur Sekundärprophylaxe mit Bezlotoxumab verweisen wir auf Empfehlung 5.7 – 5.11 und 5.14 – 5.16. Der fäkale Mikrobiotatransfer zeigt in Fallserien und klinischen Studien bei Rezidiven im Anschluss an eine Standardtherapie eine gute Wirksamkeit (Empfehlung 5.14 – 5.16). Erste Studien zeigen, dass ein fäkaler Stuhltransfer auch bei immundefizienten Patienten sicher und effektiv zur Therapie einer rekurrierenden CDI eingesetzt werden kann * Kelly, C. R., Fischer, M., Allegretti, J. R., LaPlante, K., Stewart, D. B., Limketkai, B. N., et.al. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. Am J Gastroenterol, 2021. 116(6): p. 1124-1147., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34003176. Aufgrund des Transmissionsrisikos für CMV und EBV sind in dieser Patientengruppe weitere Vorsichtsmaßnahmen und entsprechende Aufklärungen erforderlich * Kelly, C. R., Fischer, M., Allegretti, J. R., LaPlante, K., Stewart, D. B., Limketkai, B. N., et.al. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. Am J Gastroenterol, 2021. 116(6): p. 1124-1147., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34003176, ebenso im Hinblick auf SARS-CoV-2.

Für die Rezidivtherapie, Risikofaktoren und das Vorgehen bei Komplikationen wird auf Kapitel „Nosokomiale Diarrhö und Clostridioides difficile“ verwiesen (Empfehlung 5.6 – 5.16).

Literatur

[1]

Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of. Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant 2019; 33: e13550

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Kelly, C. R., Fischer, M., Allegretti, J. R., et al. ACG Clinical Guidelines: Prevention, Diagnosis, and Treatment of Clostridioides difficile Infections. Am J Gastroenterol 2021; 116: 1124-1147

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Imlay, H., Kaul, D., Rao, K.. Risk factors for Clostridium difficile infection in HIV-infected patients. SAGE Open Med 2016; 4: 2050312116684295

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van Prehn, J., Reigadas, E., Vogelzang, E. H., et al. European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases: 2021 update on the treatment guidance document for Clostridioides difficile infection in adults. Clin Microbiol Infect 2021; 27 Suppl 2: S1-S21

Konsensbasierte Empfehlung 6.11

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Therapie von Kryptosporidien

Die Verbesserung des Immunstatus ist die wirksamste Maßnahme zur Behandlung der intestinalen Kryptosporidiose. Diese soll angestrebt werden.

Diarrhö bei Immundefizienz XI

Hintergrund

Im Vordergrund der Behandlung steht der Ersatz der intestinalen Wasser- und Elektrolytverlusten (orale Rehydrationslösung und intravenöse Lösungen) sowie die Reduktion der Diarrhö-bedingten Verluste (ggf. Motilitätshemmer). Eine gesicherte Therapie existiert nicht * Abubakar, I., Aliyu, S. H., Arumugam, C., Hunter, P. R., Usman, N. K., Prevention and treatment of cryptosporidiosis in immunocompromised patients. Cochrane Database Syst Rev, 2007. p. CD004932., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17253532* Checkley, W., White, A. C., Jr., Jaganath, D., Arrowood, M. J., Chalmers, R. M., Chen, X. M., et.al. A review of the global burden, novel diagnostics, therapeutics, and vaccine targets for cryptosporidium. Lancet Infect Dis, 2015. 15(1): p. 85-94., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25278220. Ein Therapieversuch mit Paromomycin evtl. kombiniert mit Azithromycin wird in der Leitlinie der American Society of Transplantation Infectious Diseases Community Practice empfohlen * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334. Alternativ besitzt das Antiprotozoikum Nitazoxanid eine Wirksamkeit bei einer Kryptosporidiose, diese ist von der FDA in den USA zur Behandlung von Kryptosporidien zugelassen, besitzt allerdings aktuell in Deutschland keine Zulassung * Nitazoxanide FDA approvalU.S. Food and Drug Administration, 2002. 2022:, https://www.accessdata.fda.gov/scripts/opdlisting/oopd/detailedIndex.cfm?cfgridkey=91895* Checkley, W., White, A. C., Jr., Jaganath, D., Arrowood, M. J., Chalmers, R. M., Chen, X. M., et.al. A review of the global burden, novel diagnostics, therapeutics, and vaccine targets for cryptosporidium. Lancet Infect Dis, 2015. 15(1): p. 85-94., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25278220.

Studien zeigen jedoch, dass die antiparasitäre Behandlung bei immundefizienten Patienten suboptimal ist, weshalb die Verbesserung der zellulären Immunfunktion bei der Behandlung Priorität hat * Checkley, W., White, A. C., Jr., Jaganath, D., Arrowood, M. J., Chalmers, R. M., Chen, X. M., et.al. A review of the global burden, novel diagnostics, therapeutics, and vaccine targets for cryptosporidium. Lancet Infect Dis, 2015. 15(1): p. 85-94., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25278220. Spiramycin, Azithromycin und Immunglobuline waren bei AIDS-Erkrankten nicht wirksam * Checkley, W., White, A. C., Jr., Jaganath, D., Arrowood, M. J., Chalmers, R. M., Chen, X. M., et.al. A review of the global burden, novel diagnostics, therapeutics, and vaccine targets for cryptosporidium. Lancet Infect Dis, 2015. 15(1): p. 85-94., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25278220. Für HIV-infizierte Patienten ist die anti-retrovirale Therapie (ART) zur Verbesserung der Immunfunktion von entscheidender Bedeutung * Checkley, W., White, A. C., Jr., Jaganath, D., Arrowood, M. J., Chalmers, R. M., Chen, X. M., et.al. A review of the global burden, novel diagnostics, therapeutics, and vaccine targets for cryptosporidium. Lancet Infect Dis, 2015. 15(1): p. 85-94., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25278220* Sparks, H., Nair, G., Castellanos-Gonzalez, A., White, A. C., Jr., Treatment of Cryptosporidium: What We Know, Gaps, and the Way Forward. Curr Trop Med Rep, 2015. 2(3): p. 181-187., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26568906. Eine zusätzliche antiparasitäre Behandlung mit Nitazoxanid und Paromomycin allein oder in Kombination wird bei persistierender Kryptosporidiose in der amerikanischen Leitlinie diskutiert * HIV., Panel on Guidelines for the Prevention and Treatment of Opportunistic Infections in Adults and Adolescents with, Guidelines for the Prevention and Treatment of Opportunistic Infections in Adults and Adolescents with HIV 2022:, https://clinicalinfo.hiv.gov/en/, guidelines/adult-and-adolescent-opportunistic-infection.

Literatur

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Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of. Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant 2019; 33: e13550

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HIV., Panel on Guidelines for the Prevention and Treatment of Opportunistic Infections in Adults and Adolescents with. Guidelines for the Prevention and Treatment of Opportunistic Infections in Adults and Adolescents with HIV. ; 2022:

Konsensbasierte Empfehlung 6.12

Neu 2023

Empfehlung offen

Starker Konsens


Therapie von Noroviren

Eine gesicherte Therapie-Empfehlung der Infektion mit Noroviren kann nicht ausgesprochen werden. Im Vordergrund stehen die symptomatische Therapie und Maßnahmen zur Verbesserung des Immunstatus.

Diarrhö bei Immundefizienz XII

Hintergrund

Bisher gibt es keine etablierte effiziente antivirale Therapie der Norovirusinfektion bei immundefizienten Patienten, weshalb die symptomatische Behandlung der Diarrhö mit Rehydrierung, Motilitätshemmung und Reduktion der Immunsuppression im Vordergrund steht * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334. Einzelne Fallberichte zeigen eine Viruselimination unter der Therapie mit Ribavirin bei primären Immundefekten (z. B. CVID) und chronischer Norovirusinfektion * Woodward, J., Gkrania-Klotsas, E., Kumararatne, D., Chronic norovirus infection and common variable immunodeficiency. Clin Exp Immunol, 2017. 188(3): p. 363-370., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27753065* Brown, L. K., Clark, I., Brown, J. R., Breuer, J., Lowe, D. M., Norovirus infection in primary immune deficiency. Rev Med Virol, 2017. 27(3): p. e1926., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28271593. Außerdem hat die Gabe von Nitazoxanid zu einer signifikanten Reduktion der Zeitdauer bis zur Symptomlosigkeit geführt * Angarone, M., Snydman, D. R., Practice, Ast Id Community of, Diagnosis and management of diarrhea in solid-organ transplant recipients: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clin Transplant, 2019. 33(9): p. e13550., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30913334. Eine Phase 2 Studie bei Organ- und Stammzelltransplantierten läuft derzeit * Hedvat, J, Salerno, DM, Kovac, D, Scheffert, JL, Corbo, H, Chen, JK, et.al. Nitazoxanide treatment for norovirus infection in solid organ transplant recipients.. Clin Transplant, 2022. 36 (3)(3): p. e14594., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35032413/.

Literatur

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Hedvat, J, Salerno, DM, Kovac, D, Scheffert, JL, Corbo, H, Chen, JK, Choe, JY, Jennings, DL, Anamisis, A, Liu, EC, Lee, JH, Shertel, T, Lange, NW. Nitazoxanide treatment for norovirus infection in solid organ transplant recipients.. Clin Transplant 2022; 36 (3): e14594

Konsensbasierte Empfehlung 6.13

Neu 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Isolationsmaßnahmen

Hygienemaßnahmen sollten die Langzeit- und Dauerausscheidung der Erreger bei immundefizienten Patienten in Betracht ziehen.

Diarrhö bei Immundefizienz XIV

Hintergrund

Grundsätzlich kommen Hygiene-Maßnahmen bei Verdacht oder bestätigter infektiöser Gastroenteritis ebenso bei immundefizienten Patienten zur Anwendung (Empfehlung 5.18 – 5.24). Aufgrund der Immundefizienz persistiert jedoch die Infektiosität teilweise beträchtlich.

Noroviren können zum Beispiel auch nach Sistieren der klinischen Symptomatik bei Immungesunden für weitere 7 – 14 Tage ausgeschieden werden, bei immundefizienten Patienten lässt sich eine noch längere Ausscheidung nachweisen, einige Patienten bleiben sogar Dauerausscheider * Bok, K., Green, K. Y., Norovirus gastroenteritis in immunocompromised patients. N Engl J Med, 2012. 367(22): p. 2126-32., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23190223* Sukhrie, F. H. A., Siebenga, J. J., Beersma, M. F. C., Koopmans, M., Chronic Shedders as Reservoir for Nosocomial Transmission of Norovirus. Journal of Clinical Microbiology, 2010. 48(11): p. 4303-4305.* Davis, A., Cortez, V., Grodzki, M., Dallas, R., Ferrolino, J., Freiden, P., et.al. Infectious Norovirus Is Chronically Shed by Immunocompromised Pediatric Hosts. Viruses, 2020. 12(6):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32516960* Milbrath, M. O., Spicknall, I. H., Zelner, J. L., Moe, C. L., Eisenberg, J. N., Heterogeneity in norovirus shedding duration affects community risk. Epidemiol Infect, 2013. 141(8): p. 1572-84., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23507473. Eine große retrospektive Studie von Organtransplantierten zeigte, dass 22,8 % nach einer Norovirus-Infektion eine chronische Virusausscheidung von im Median 218 Tagen (32 – 1164) aufwiesen * van Beek, J., van der Eijk, A. A., Fraaij, P. L., Caliskan, K., Cransberg, K., Dalinghaus, M., et.al. Chronic norovirus infection among solid organ recipients in a tertiary care hospital, the Netherlands, 2006-2014. Clin Microbiol Infect, 2017. 23(4): p. 265 e9-265 e13., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28003123. Die Virulenz von Noroviren, die von solchen Patienten im Stuhl ausgeschieden werden, ist noch nicht vollständig geklärt * Bok, K., Green, K. Y., Norovirus gastroenteritis in immunocompromised patients. N Engl J Med, 2012. 367(22): p. 2126-32., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23190223. Langzeitausscheidung führt zu einem höheren Risiko von Norovirus-Ausbrüchen in epidemiologischen Studien * Milbrath, M. O., Spicknall, I. H., Zelner, J. L., Moe, C. L., Eisenberg, J. N., Heterogeneity in norovirus shedding duration affects community risk. Epidemiol Infect, 2013. 141(8): p. 1572-84., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23507473. Ein Übertragungsmodell sagt voraus, dass Langezeitausscheider (> 34 d) das Ausbruchspotenzial (gemessen an der Reproduktionszahl) um 50 – 80 %, die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs um 33 %, die Schwere der Übertragung (gemessen an der Befallsrate) um 20 % und die Übertragungsdauer um 100 % erhöht * Milbrath, M. O., Spicknall, I. H., Zelner, J. L., Moe, C. L., Eisenberg, J. N., Heterogeneity in norovirus shedding duration affects community risk. Epidemiol Infect, 2013. 141(8): p. 1572-84., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23507473.

Es gibt bislang für diese Patientengruppe keine gesicherte Evidenz für Maßnahmen, die über eine Standardhygiene hinausgehen * Sukhrie, F. H. A., Siebenga, J. J., Beersma, M. F. C., Koopmans, M., Chronic Shedders as Reservoir for Nosocomial Transmission of Norovirus. Journal of Clinical Microbiology, 2010. 48(11): p. 4303-4305.. Eine Entisolation bzw. Beendigung der Kontaktisolation ist frühestens 48 h nach Sistieren der Symptomatik (siehe Empfehlung 5.18 – 5.24) in Abhängigkeit der individuellen Situation des Patienten und Unterbringung möglich * Ruscher, C., Infektionspravention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit ubertragbaren Krankheiten. Empfehlung der Kommission fur Krankenhaushygiene und Infektionspravention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut.. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2015. 58(10): p. 1151-70., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26411734. Insbesondere in sensiblen Bereichen (Intensivstationen, hämatologische Stationen) oder vor Entlassung in eine Pflegeeinrichtung kann daher auch nach Sistieren der Symptomatik für 48h eine erneute Kontrolle vor Aufhebung der Isolationsmaßnahmen sinnvoll sein * Ruscher, C., Infektionspravention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit ubertragbaren Krankheiten. Empfehlung der Kommission fur Krankenhaushygiene und Infektionspravention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut.. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2015. 58(10): p. 1151-70., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26411734. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut empfiehlt ebenfalls in Abhängigkeit vom Erreger nach Abklingen der Symptomatik die Erregerausscheidung durch Kontrolluntersuchungen abzusichern * STIKO, Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2021. 64(2): p. 232-264., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33394069. Unabhängig hiervon sind aufgrund der beschriebenen prolongierten Ausscheidung in jedem Fall entsprechende Maßnahmen der Hände- und Sanitärhygiene sinnvoll und die Hygienestandards der Einrichtung zu beachten. Entsprechende Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten hat die KRINKO erstellt * STIKO, Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2021. 64(2): p. 232-264., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/33394069.

Therapie bei Erregernachweis
Bei immundefizienten Patienten ist ein erweitertes Erregerspektrum bei intestinalen Infektionen und ggf. eine spezifische Therapie zu beachten. Infektionen durch opportunistische Erreger spielen in diesem Patientenkollektiv eine besondere Rolle * Kumar, R., Ison, M. G., Opportunistic Infections in Transplant Patients. Infect Dis Clin North Am, 2019. 33(4): p. 1143-1157., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31668195* Fishman, J. A., Infections in immunocompromised hosts and organ transplant recipients: essentials. Liver Transpl, 2011. 17 Suppl 3: p. S34-7., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21748845* Shad, S., Hanif, F., Ul Haq, M., Luck, N. H., Aziz, T., Mubarak, M., Frequencies of Common Infectious Organisms Causing Chronic Diarrhea in Renal Transplant Patients. Exp Clin Transplant, 2019. 17(Suppl 1): p. 212-215., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30777557* Scaggs Huang, F. A., Danziger-Isakov, L., Infectious disease risks in pediatric renal transplantation. Pediatr Nephrol, 2019. 34(7): p. 1155-1166., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29626241* Angarone, M., Ison, M. G., Diarrhea in solid organ transplant recipients. Curr Opin Infect Dis, 2015. 28(4): p. 308-16., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26098506* Chascsa, D. M., Vargas, H. E., The gastroenterologist's guide to management of the post-liver transplant patient. Am J Gastroenterol, 2018. 113(6): p. 819-828., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29748558* Rahier, J. F., Magro, F., Abreu, C., Armuzzi, A., Ben-Horin, S., Chowers, Y., et.al. Second European evidence-based consensus on the prevention, diagnosis and management of opportunistic infections in inflammatory bowel disease. J Crohns Colitis, 2014. 8(6): p. 443-68., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24613021. Tabelle „Medikamentöse Therapie intestinaler Erreger bei reiseassoziierter Diarrhoe und/oder Immundefizienz“ gibt einen Überblick über die empfohlene Therapie und Therapiedauer bei gesichertem Erregernachweis.

Literatur

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Tabelle 11: Medikamentöse Therapie intestinaler Erreger bei reiseassoziierter Diarrhoe und/oder Immundefizienz

ErregerStandardtherapieAlternativen bei Versagen oder nichtmöglicher StandardtherapieBesonderheiten
Helminthen und Protozoen
Giardia lambliaMetronidazol 400 – 500 mg p. o. 3 x /Tag für7 TageNitroimidazol (z. B.: Metronidazol 400 – 500 mg p. o. 3 x /Tag für 7 Tage oder Tinidazol 2 g für 2 Tage1)
PLUS
Paromomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag (3 Dosen)1 für 7 Tage oder
Albendazol 400 mg 1 x /Tag für 7 Tage oder
Chloroquin 250 mg 2 x /Tag für 7 Tage

Alternativ als Monotherapie:
Quinacrine 100 mg 3 x /Tag1 für 7 Tage
Nitazoxanid 500 mg 2 x /Tag1 für 7 Tage
Bei Nicht-Wirksamkeit von Metronidazol ist eine Kombinationstherapiesinnvoll
Entamoeba histolyticaMetronidazol 3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3 x 800 mg) für 7 – 10 Tage
ANSCHLIESSEND
Paromomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag aufgeteilt auf 3 Dosen für
7 – 10 Tage
Dientamoeba fragilisMetronidazol 500 – 750 mg 3 x /Tag für10 TageParomomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag aufgeteilt auf 3 Dosen p. o. Tag für 7 Tage oder
Doxycyclin 100 mg 2 x /Tag für 10 Tage
Fraglich pathogen
Blastocystis spp.Metronidazol 500 – 750 mg 3 x /Tag für 5 –7 TageCotrimoxazol 960 mg 2 x täglich für 7 TageFraglich pathogen
KryptosporidienVersuch mit Paromomycin 4 x 500 mg/Tag oder 3 x 1000 mg/Tag p. o. über 14 Tage, evtl. in Kombination mit Azithromycin1 x 600 mg p. o.Nitazoxanid 2x 500 mg/Tag1 2(– 8) Wochen
je nach Ansprechen und Immundefizienz
Keine gesicherte Therapie
Betrifft immundefiziente
Patienten, Immungesunde benötigen in der Regel keine Therapie
MikrosporidienEncephalitazoon intestinalis: Albendazol 2 x 400 mg/d p. o. nüchtern für 21 Tage
Disseminiert Befall bei Immunsuppression Albendazol 400 mg p. o. mit fettiger Mahlzeit bis 14 – 28 d
Enterozytozoon bieneusii: Fumagillin3 x 20 mg p. o.1 für 14 Tage
Cystoisospora spp.Cotrimoxazol 960 mg 2 – 4 x /Tag für 10 –14 TagePyrimethamin 50 – 75 mg/Tag (plus FolsäureLeucovorin 5 – 10 mg/d)Sekundärprophylaxe Cotrimoxazol 3 x /Woche(160 mg TMP) bei Immundefizienz z. B. HIV und CD4 unter 200/μl
Strongyloides stercoralisIvermectin 200 μg/kg p. o. für 1 – 2 Tage in immunkompetenten Patienten; zumindest 14 Tage Therapiedauer (und insgesamt 14 Tage konsekutiv negative Stuhlproben) bei schweren Infektionen und bei Immunsupprimierten Kombination mit Albendazol(positive Stuhlproben nach > 3 d Therapie)Albendazol 1 x 10 mg/kg/Tag
Bakterien und Viren
M. tuberculosisIsoniazid 5 mg/kg + Rifampicin 10 mg/kg für 6 Monate und Ethambutol 15 mg/kg/Tag + Pyrazinamid 25 mg/kg/Tag für 2 Monate* Schaberg, Tom, Brinkmann, Folke, Feiterna-Sperling, Cornelia, Geerdes-Fenge, Hilte, Hartmann, Pia, Häcker, Brit, et.al. Tuberkulose im Erwachsenenalter. Eine S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie, Chemoprävention und Chemoprophylaxe der Tuberkulose im Erwachsenenalter des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose e. V. (DZK) und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP), 2022. 76(11): p. 727-819., http://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1934-8303
M. avium-KomplexClarithromyin 2 x 500 mg/Tag + Ethambutol15 mg/kg/Tag + Rifabutin 1 x 300 mg/TagDauertherapie bis Erreichen einer CD4-Zellzahl > 100/μl für mind.6 Monate
CMVGanciclovir 5 mg/kg 2 x /Tag i. v. oder
Valganciclovir 2 x /Tag 900 mg p. o. oder
Foscarnet 2 x 90 mg/kg 2 x/Tag i. v.
evtl. CidofovirBehandlungsdauer bis keine Virämie und keine
Symptomatik mehr besteht
AdenovirusinfektionCidofovir (off-label)1,2 1 mg/kg alle 2d, um Nephrotoxizität zu reduzieren
Brincidofovir1
Behandlungsdauer bis keine Virämie mehr nachweisbar; wöchentlich quantitative Virusdiagnostik,
Nierenparameter bei Cidofovir
1 In Deutschland nicht verfügbar bzw. nicht zugelassen.
2 ggf. Dosisanpassung (z. B. Niereninsuffizienz).

7. Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern

Konsensbasierte Empfehlung 7.1

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Definition

Eine Reisediarrhö liegt bei ≥ 3 ungeformten Stühlen pro Tag im Reiseland vor. Wenn eine Diarrhö nach Reiseende persistiert, wird von einer Diarrhö beim Reiserückkehrer gesprochen.

Zur Abgrenzung leichterer von klinisch schwereren und möglicherweise komplikationsträchtigen Verläufen einer Reisediarrhö sollten folgende Parameter herangezogen werden: fieberhafte Durchfallepisoden, blutige Diarrhö, vorbestehende Komorbidität (Immunsuppression etc.) und das Alter des Patienten (Risikogruppen: Säuglinge, Senioren).

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern I

Hintergrund

Mehr als 100 Millionen Personen reisen jedes Jahr aus den Industrieländern in tropische und subtropische Regionen weltweit und unterliegen damit dem Risiko an einer Reisediarrhö zu erkranken. In Hochrisikogebieten wie dem tropischen Afrika oder Südasien sind 15 – 50 % der Reisenden betroffen, in anderen Regionen wie Mittelamerika, China oder der Karibik rechnet man mit einer Inzidenz von 8 – 15 %. Insgesamt geht man somit von einer Gesamtzahl von etwa 40 Millionen Erkrankungen pro Jahr weltweit aus * Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., Nothdurft, H. D., [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(33): p. 1673-83; quiz 1684-6.* Sasse, M., Reinhardt, F., Lübbert, C., [Traveler's Diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2021. 146(19): p. 1258-1264.* Olson, S., Hall, A., Riddle, M. S., Porter, C. K., Travelers' diarrhea: update on the incidence, etiology and risk in military and similar populations - 1990-2005 versus 2005-2015, does a decade make a difference?. Trop Dis Travel Med Vaccines, 2019. 5: p. 1.. Als Risikofaktoren für die Reisediarrhö sollten folgende Faktoren Beachtung finden:

  • Unterschiede im Hygienestandard zwischen Heimat- und Reiseland,
  • die Nahrungsmittelhygiene vor Ort (Diätfehler) und
  • eingeschränkte oder reduzierte Magensäuresekretion (z. B. Protonenpumpeninhibitor-Einnahme, Z. n. Gastrektomie).

Ebenso ist belegt, dass Jugendliche und junge Erwachsene eine überdurchschnittlich hohe Inzidenz aufweisen, was wahrscheinlich durch eine höhere Aufnahmerate potenziell risikoreicher Nahrungsmittel bei Jüngeren zu erklären ist * Lever, R. A., Tapper, L., Skarbek, S., Chiodini, P. L., Armstrong, M., Bailey, R. L., Predictors of aetiology and outcomes of acute gastrointestinal illness in returning travellers: a retrospective cohort analysis. BMC Infect Dis, 2021. 21(1): p. 599.. Ebenso könnte es eine Rolle spielen, dass häufig Reisende (daher auch Ältere) sich öfter mit lokalen Isolaten von ETEC auseinandergesetzt haben und so weniger und leichtere Diarrhö-Episoden erleiden.

Die Reisediarrhö ist normalerweise eine milde bis moderate Durchfallerkrankung, die oft innerhalb der ersten Woche im Reiseland auftritt und nach 3 – 5 Tagen spontan sistiert. Trotz der überwiegend milden Verläufe sind etwa ein Viertel der Reisenden gezwungen, ihre Reiseaktivitäten zu ändern. Dies impliziert auch, dass die Reisediarrhö in den meisten Fällen im Reiseland auftritt * Riddle, M. S., Connor, B. A., Beeching, N. J., DuPont, H. L., Hamer, D. H., Kozarsky, P., et.al. Guidelines for the prevention and treatment of travelers' diarrhea: a graded expert panel report. J Travel Med, 2017. 24(suppl_1): p. S57-S74., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28521004.

Auch beim Reiserückkehrer muss zwischen der akuten (meist kurzdauernden) und der persistierenden Diarrhö (> 14 Tage) unterschieden werden.

Schwere dysenterische Verläufe mit blutiger Diarrhö, oft assoziiert mit Fieber, kommen bei weniger als 10 % der Fälle von Reisediarrhö vor (Latein-Amerika, Afrika 1 – 3 %, Indien bis 9 %) (siehe Tabelle „Klinische Syndrome der Reisediarrhö“) * Adler, A. V., Ciccotti, H. R., Trivitt, S. J. H., Watson, R. C. J., Riddle, M. S., What's new in travellers' diarrhoea: updates on epidemiology, diagnostics, treatment and long-term consequences. J Travel Med, 2022. 29(1):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34230966. Komplikationsträchtige schwere Verläufe können zu Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlusten mit konsekutivem Nierenversagen und Kreislaufproblemen führen. Ferner kann die Resorption erforderlicher Medikamente beeinträchtigt sein * Ashbaugh, H. R., Early, J. M., Johnson, M. E., Simons, M. P., Graf, P. C. F., Riddle, M. S., et.al. A prospective observational study describing severity of acquired diarrhea among U.S. military and Western travelers participating in the Global Travelers' Diarrhea Study. Travel Med Infect Dis, 2021. 43: p. 102139., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34265437. Ein post-entzündliches Reizdarm-Syndrom kommt bei 5 – 10 % der Fälle vor * Adler, A. V., Ciccotti, H. R., Trivitt, S. J. H., Watson, R. C. J., Riddle, M. S., What's new in travellers' diarrhoea: updates on epidemiology, diagnostics, treatment and long-term consequences. J Travel Med, 2022. 29(1):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34230966.

Verläufe mit Komplikationen treten häufiger bei Komorbiditäten auf, wobei besonders immunsupprimierte Patienten gefährdet sind (z. B. Patienten unter immunsuppressiver Therapie, Tumorpatienten mit vorheriger Chemotherapie, Patienten mit Niereninsuffizienz, HIV-Patienten mit fortgeschrittener Immundefizienz etc.). Auch Reisende in den Altersextremen (Säuglinge, Senioren) sind durch schwere Verläufe erheblich gefährdet. Dies bedeutet, dass Reisende über die Gefahr schwerer Verläufe vor der Reise aufgeklärt und informiert werden sollen, um in der Akutsituation vor Ort rasch reagieren zu können. Bei Zeichen für schwere Verläufe bzw. einer Risikokonstellation soll im Reiseland ein Arzt kontaktiert werden.

Literatur

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Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., et al. [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1673-83; quiz 1684-6

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Sasse, M., Reinhardt, F., Lübbert, C.. [Traveler's Diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr 2021; 146: 1258-1264

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Ashbaugh, H. R., Early, J. M., Johnson, M. E., et al. A prospective observational study describing severity of acquired diarrhea among U.S. military and Western travelers participating in the Global Travelers' Diarrhea Study. Travel Med Infect Dis 2021; 43: 102139

Tabelle 12: Klinische Syndrome der Reisediarrhö

Klinisches SyndromHäufigkeit in %Zu bedenkende Erreger
Akute Gastroenteritis(dominierend Erbrechen)10Noroviren, Toxine von Staphylococcus aureus oder Bacillus cereus
Akute wässrige (– breiige) Diarrhö80Alle Erreger, z. B. ETEC, EAEC, Shigellen, Campylobacter, Salmonellen, Noroviren
Blutige Diarrhö (oft mit Fieber)1 – 9Shigellen, E. histolytica, Campylobacter, Salmonellen,EHEC
Persistierende Diarrhö(> 14 Tage)2 – 5Lamblien, E. histolytica, Kryptosporidien, Cyclospora, Shigellen, Mikrosporidien
Post-infektiöser Reizdarm5 – 10Folgezustand nach akuter Reisediarrhö

Konsensbasierte Empfehlung 7.2

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ätiologie

Das Erregerspektrum der Reisediarrhö unterscheidet sich vom Spektrum der ambulant erworbenen Diarrhö in Mitteleuropa. Bei der Reisediarrhö sollen je nach Reiseregion folgende Erreger stärker bedacht werden: Enterotoxin-bildende E. coli-Stämme (ETEC), andere pathogene E. coli-Stämme (EAEC, EIEC), Shigellen und Protozoen (Lamblien, E. histolytica). In den letzten Jahren werden zunehmend auch Noroviren bei Reisenden beschrieben.

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern II

Hintergrund

Die in Mitteleuropa vorkommenden häufigsten Erreger der ambulant erworbenen Diarrhö sind Campylobacter, Noroviren, Rotaviren und Salmonellen (siehe dazu auch Abbildung „Statistik meldepflichtiger infektiöser Gastroenteritiden 2022“). Diese Erreger können zwar auch bei Fernreisen in den globalen Süden erworben werden, doch müssen bei der Reisediarrhö andere Erreger bedacht werden. Dazu gehören insbesondere Enterotoxin-bildende E. coli-Stämme (ETEC), andere pathogene E. coli-Stämme (EAEC, EIEC) und Shigellen. Bei einer persistierenden Diarrhö länger als 2 – 4 Wochen sollen auch Protozoen (besonders Lamblien und E. histolytica) als kausale Erreger abgeklärt werden. Mit zunehmender Dauer der Diarrhö wird eine parasitäre Genese der Durchfallepisode wahrscheinlicher * McGregor, A. C., Whitty, C. J., Wright, S. G., Geographic, symptomatic and laboratory predictors of parasitic and bacterial causes of diarrhoea in travellers. Trans R Soc Trop Med Hyg, 2012. 106(9): p. 549-53.. Eine länder- oder kontinentspezifische Erregerzuordnung ist nicht möglich, doch gibt es gewisse epidemiologische Trends, die beachtet werden können. Diese werden exemplarisch anhand einer Studie in Tabelle „Ätiologie der Reisediarrhö“ aufgelistet * Ashbaugh, H. R., Early, J. M., Johnson, M. E., Simons, M. P., Graf, P. C. F., Riddle, M. S., et.al. A Multisite Network Assessment of the Epidemiology and Etiology of Acquired Diarrhea among U.S. Military and Western Travelers (Global Travelers' Diarrhea Study): A Principal Role of Norovirus among Travelers with Gastrointestinal Illness. Am J Trop Med Hyg, 2020. 103(5): p. 1855-1863., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32959765. Für die Erstellung der Erregerhäufigkeiten wurden die Stuhlproben von Patienten mit Reisediarrhö im Reiseland entnommen und untersucht:

Literatur

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Tabelle 13: Ätiologie der Reisediarrhö (Ashbaugh et al. 2020)

Anteil an positiven ProbenNepalThailandHondurasPeruÄgyptenGesamt
n = 165n = 16n = 44n = 171n = 14n = 410
Noroviren32442016724
Campylobacter1831119714
Shigellen100992910
Salmonellen2190001
ETEC2161494316
EAEC1165377
EPEC10310678
Kein Erreger30652542941

Ergänzung Hintergrundtext Tabelle Äitologie der Reisediarrhö

In Ergänzung dieser Studie werden zunehmend Noroviren bei der Reisediarrhö beschrieben, und es ist auf die Bedeutung von C. difficile auch bei Reisenden hingewiesen worden * Bodhidatta, L., Anuras, S., Sornsakrin, S., Suksawad, U., Serichantalergs, O., Srijan, A., et.al. Epidemiology and etiology of Traveler's diarrhea in Bangkok, Thailand, a case-control study. Trop Dis Travel Med Vaccines, 2019. 5: p. 9.* Neuberger, A., Saadi, T., Shetern, A., Schwartz, E., Clostridium difficile Infection in travelers--a neglected pathogen?. J Travel Med, 2013. 20(1): p. 37-43.

Literatur

[1]

Bodhidatta, L., Anuras, S., Sornsakrin, S., et al. Epidemiology and etiology of Traveler's diarrhea in Bangkok, Thailand, a case-control study. Trop Dis Travel Med Vaccines 2019; 5: 9

[2]

Neuberger, A., Saadi, T., Shetern, A., et al. Clostridium difficile Infection in travelers–a neglected pathogen?. J Travel Med 2013; 20: 37-43

Konsensbasierte Empfehlung 7.3

Geprüft 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Indikation zur mikrobiologischen Diagnostik

Eine mikrobiologische Diagnostik sollte beim Reiserückkehrer in folgenden Konstellationen erfolgen: Fieberhafte Diarrhö, blutige Diarrhö, Diarrhödauer länger als 5 Tage, schwere klinische Verläufe (Exsikkose, Hypotonie, Tenesmen) oder bei Gruppenerkrankungen/Ausbruchssituationen (dann aus epidemiologischen Gründen).

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern III

Hintergrund

Eine Reisediarrhö tritt aufgrund der Epidemiologie – wie oben dargestellt – in der Regel im Reiseland auf. Der Kontakt zu den neuen möglichen Erregern im Reiseland führt in den meisten Fällen in der ersten Reisewoche zur Reisediarrhö. Da die überwiegende Mehrzahl der Episoden von Reisediarrhö spontan innerhalb von 3 – 5 Tagen sistiert, bedeutet dies, dass die meisten an einer Reisediarrhö Erkrankten zum Ende der Reise bereits wieder beschwerdefrei sind und nicht mehr unter Durchfallsymptomen leiden * Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., Nothdurft, H. D., [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(33): p. 1673-83; quiz 1684-6..

Bei jedem Fernreisenden, der mehr als fünf Tage unter Diarrhö leidet, sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen. Für den in der Empfehlung angegebenen Zeitraum „länger als 5 Tage“ gibt es jedoch keine kontrollierten Studien, so dass es sich hier um eine Expertenmeinung handelt.

Ferner sollte dies auch bei allen Patienten mit einem schweren Verlauf erfolgen (z. B. fieberhafte Diarrhö, Diarrhö mit Blutabgängen, Exsikkose, Hypotonie, Niereninsuffizienz). Gerade bei diesen Patientengruppen können Therapieversager aufgrund von resistenten bakteriellen Erregern besonders problematisch sein * Adler, A. V., Ciccotti, H. R., Trivitt, S. J. H., Watson, R. C. J., Riddle, M. S., What's new in travellers' diarrhoea: updates on epidemiology, diagnostics, treatment and long-term consequences. J Travel Med, 2022. 29(1):, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34230966.

Reisende sind bei ihrer Rückkehr ins Heimatland oft asymptomatisch mit ESBL-Bildnern im Darm kolonisiert. Es soll kein routinemäßiges Screening auf ESBL bei Reiserückkehrern erfolgen. Das Risiko für eine Kolonisation mit MRGN ist von folgenden Faktoren abhängig: dem Reiseland, dem Vorliegen einer Reisediarrhö, dem Einsatz von Antibiotika und ggf. der Kombination von Antibiotika mit Loperamid oder eine Hospitalisierung im Reiseland.

Die höchste Inzidenz einer Kolonisation mit ESBL-Bildnern weisen Reisende vom indischen Sub-Kontinent mit 50 – 60 % auf, diese liegt in SO-Asien bei 45 – 50 %, im tropischen Afrika bei etwa 35 % und in Latein-Amerika bei 15 – 20 % * Schwartz, K. L., Morris, S. K., Travel and the Spread of Drug-Resistant Bacteria. Curr Infect Dis Rep, 2018. 20(9): p. 29.. Die Kolonisationsrate war u.a. deutlich erhöht nach stationärer Behandlung im Reiseland, ebenso der Einsatz von Antibiotika oder der Besuch von Freunden und Verwandten („visiting friends and relatives“) führten zu erhöhten Kolonisationsraten in einer Studie an der Universitätsklinik in Helsinki * Kantele, A., Mero, S., Kirveskari, J., Lääveri, T., Fluoroquinolone antibiotic users select fluoroquinolone-resistant ESBL-producing Enterobacteriaceae (ESBL-PE) - Data of a prospective traveller study. Travel Med Infect Dis, 2017. 16: p. 23-30.* Khawaja, T., Kirveskari, J., Johansson, S., Väisänen, J., Djupsjöbacka, A., Nevalainen, A., et.al. Patients hospitalized abroad as importers of multiresistant bacteria-a cross-sectional study. Clin Microbiol Infect, 2017. 23(9): p. 673.e1-673.e8.. Diese hohen Kolonisationsraten sind meist transient, doch ist ein geringer Prozentsatz (ca. 5 %) auch nach einem Jahr noch kolonisiert.

Gemäß KRINKO wird in Deutschland zwischen 3MRGN und 4MRGN unterschieden, abhängig von der Anzahl der Antibiotikagruppen, gegen die eine Resistenz besteht. ESBL-Bildner sind demnach nicht automatisch 3MRGN und schon gar nicht 4MRGN * KRINKO, Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2012. 55(10): p. 1311-1354., https://doi.org/10.1007/s00103-012-1549-5. In Analogie dazu wird keine Notwendigkeit für ein Routine-Screening auf ESBL-Bildner bei Asymptomatischen gesehen. Dies kann allenfalls im Einzelfall, z. B. bei vorhergehendem Krankenhausaufenthalt in den Tropen, erwogen werden.

Literatur

[1]

Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., et al. [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1673-83; quiz 1684-6

[2]

Adler, A. V., Ciccotti, H. R., Trivitt, S. J. H., et al. What's new in travellers' diarrhoea: updates on epidemiology, diagnostics, treatment and long-term consequences. J Travel Med 2022; 29:

[3]

Schwartz, K. L., Morris, S. K.. Travel and the Spread of Drug-Resistant Bacteria. Curr Infect Dis Rep 2018; 20: 29

[4]

Kantele, A., Mero, S., Kirveskari, J., et al. Fluoroquinolone antibiotic users select fluoroquinolone-resistant ESBL-producing Enterobacteriaceae (ESBL-PE) – Data of a prospective traveller study. Travel Med Infect Dis 2017; 16: 23-30

[5]

Khawaja, T., Kirveskari, J., Johansson, S., et al. Patients hospitalized abroad as importers of multiresistant bacteria-a cross-sectional study. Clin Microbiol Infect 2017; 23: 673.e1-673.e8

[6]

KRINKO. Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2012; 55: 1311-1354

Konsensbasierte Empfehlung 7.4

Geprüft 2023

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Indikation zur mikrobiologischen Diagnostik II

Bei einem Tropenrückkehrer mit fieberhafter Diarrhö nach Reise in Malariagebiete soll eine sofortige Malariadiagnostik erfolgen. Bei jeder fieberhaften Diarrhö (> 38,5° C) sollten Blutkulturen gewonnen werden.

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern IV

Hintergrund

Das klinische Bild einer Malaria (insbesondere einer Malaria tropica) und einer fieberhaften Diarrhö kann sich so weit überschneiden, dass nach klinischen Kriterien keine Differenzierung beider Erkrankungen möglich ist. Eine Malaria kann vorübergehend auch ohne Fieber vorliegen. Aufgrund der Schizogonie in den tiefen intestinalen Gefäßen kann es bei der Malaria aufgrund veränderter rheologischer Eigenschaften zu einer intestinalen Ischämie kommen mit der Konsequenz einer Diarrhö. Eine Durchfallsymptomatik kommt bei der Malaria tropica in bis zu 25 % der Fälle vor. Eine Malaria gilt immer als medizinischer Notfall, da sich das klinische Bild innerhalb kurzer Zeit mit möglicherweise tödlichen Konsequenzen verschlechtern kann. Daher soll eine Malariadiagnostik bei fieberhafter Diarrhö bei Tropenrückkehrern mit Dringlichkeit als notfallmäßige Sofortdiagnostik erfolgen * Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG), Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Malaria. AWMF online, 2021., https://register.awmf.org/assets/guidelines/042-001l_S1_Diagnostik-Therapie-Malaria_2021-08.pdf. Wie bei anderen fieberhaften Erkrankungen unklarer Ätiologie soll auch bei fieberhafter Diarrhö eine Diagnostik mit Entnahme von Blutkulturen erfolgen. Auf diese Art sollen bakteriämische Verläufe einer Shigellose, Salmonellose oder Campylobacter-Infektion erfasst werden, aber auch andere wichtige Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden. Dazu gehört auch der Typhus abdominalis, wenngleich diese Erkrankung zunächst nicht mit Diarrhö assoziiert ist und erst spät in der Phase der Organmanifestation Durchfälle vorkommen können.

Literatur

[1]

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG). Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Malaria. AWMF online 2021; :

Konsensbasierte Empfehlung 7.5

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Umfang der mikrobiologischen Diagnostik

Beim Reiserückkehrer mit fieberhafter und/oder blutiger Diarrhö soll eine Stuhldiagnostik auf bakterielle Erreger (Shigellen, Campylobacter, Salmonellen) und Amöben (Entamoeba histolytica) erfolgen.

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern V

Hintergrund

Invasive Erreger führen über die Einwanderung in die Mukosa nicht nur zu einer Schädigung mit reduzierter Oberfläche mit geringerer Rückresorption, sondern können auch zu fieberhaften Verläufen und blutiger Diarrhö führen. Die typische Shigellen-Ruhr (bakterielle Ruhr) ist charakterisiert durch häufige blutig-schleimige Durchfälle, Fieber, heftige Tenesmen und Abgeschlagenheit (Erreger oft Shigella dysenteriae). Leichtere Verläufe mit wässriger Diarrhö und ohne Fieber können vorkommen und werden eher durch Shigella flexneri, Shigella sonnei und Shigella boydii verursacht * Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: EHEC-Erkrankung, 2011. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_EHEC.html* Robert-Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Shigellose, 2012. 2021:, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Shigellose.html* Kotloff, K. L., Riddle, M. S., Platts-Mills, J. A., Pavlinac, P., Zaidi, A. K. M., Shigellosis. Lancet, 2018. 391(10122): p. 801-812.* Williams, P. C. M., Berkley, J. A., Guidelines for the treatment of dysentery (shigellosis): a systematic review of the evidence. Paediatr Int Child Health, 2018. 38(sup1): p. S50-S65..

Campylobacter species sind in Südost-Asien als Erreger der Reisediarrhö bedeutsamer als ETEC. Die meisten Fälle werden durch Campylobacter jejuni und Campylobacter coli hervorgerufen. Campylobacter fetus ist deutlich seltener, kann aber bei Personen mit geschwächtem Immunsystem zu Bakteriämien führen. Klinisch dominieren meist wässrige, aber auch blutige Durchfälle und Bauchschmerzen * Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., Nothdurft, H. D., [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(33): p. 1673-83; quiz 1684-6.* Porter, C. K., Olson, S., Hall, A., Riddle, M. S., Travelers' Diarrhea: An Update on the Incidence, Etiology, and Risk in Military Deployments and Similar Travel Populations. Mil Med, 2017. 182(S2): p. 4-10.. Entamoeba histolytica kann zu blutig-schleimiger Diarrhö mit subfebrilen Temperaturen oder auch Fieber führen (Amöbenruhr). Extraintestinale Komplikationen, insbesondere der Amöben-Leberabszess, sind zu bedenken. Für die Diagnostik ist zu beachten, dass es apathogene Amöbenarten gibt, die mikroskopisch nicht von Entamoeba histolytica zu differenzieren sind. Eine sichere Diagnosestellung ist über die PCR oder den mikroskopischen Nachweis phagozytierter Erythrozyten in den Amöben möglich * Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., Nothdurft, H. D., [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(33): p. 1673-83; quiz 1684-6.* Kantor, M., Abrantes, A., Estevez, A., Schiller, A., Torrent, J., Gascon, J., et.al. Entamoeba Histolytica: Updates in Clinical Manifestation, Pathogenesis, and Vaccine Development. Can J Gastroenterol Hepatol, 2018. 2018: p. 4601420..

Literatur

[1]

Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber: EHEC-Erkrankung. 2011; 2021:

[2]

Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Shigellose. 2012; 2021:

[3]

Kotloff, K. L., Riddle, M. S., Platts-Mills, J. A., et al. Shigellosis. Lancet 2018; 391: 801-812

[4]

Williams, P. C. M., Berkley, J. A.. Guidelines for the treatment of dysentery (shigellosis): a systematic review of the evidence. Paediatr Int Child Health 2018; 38: S50-S65

[5]

Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., et al. [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1673-83; quiz 1684-6

[6]

Porter, C. K., Olson, S., Hall, A., et al. Travelers' Diarrhea: An Update on the Incidence, Etiology, and Risk in Military Deployments and Similar Travel Populations. Mil Med 2017; 182: 4-10

[7]

Kantor, M., Abrantes, A., Estevez, A., et al. Entamoeba Histolytica: Updates in Clinical Manifestation, Pathogenesis, and Vaccine Development. Can J Gastroenterol Hepatol 2018; 2018: 4601420

Konsensbasierte Empfehlung 7.6

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Mikrobiologische Diagnostik bei persistierender Reisediarrhö

Bei persistierender Diarrhö (> 14 Tage) nach vorangegangener Fernreise sollte eine Diagnostik zum Ausschluss folgender Erreger oder Erkrankungen erfolgen: Bakterielle Erreger (Shigellen, Salmonellen, Campylobacter), Amöben (Entamoeba histolytica), Lamblien (Giardia lamblia).

Eine zusätzliche Diagnostik sollte in speziellen klinischen Situationen zum Ausschluss folgender Erreger oder Erkrankungen erfolgen:

a) Bei initial erfolgloser Diagnostik und insbesondere bei Immunsuppression:

    • Yersinien, Mykobakterien, Kryptosporidien, Cyclospora, Mikrosporidien, Cystoisospora belli und Helminthen.
b) Bei vorangegangener Antibiotikatherapie oder Chemotherapie:

    • Clostridioides difficile
c) Bei Eosinophilie

    • Strongyloides stercoralis, Isospora belli
d) Bei Langzeitaufenthalt im Reiseland:

    • Tropische Sprue
e) spezifische Erreger-Diagnostik bei besonderem Risikoprofil

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern VI

Hintergrund

Das diagnostische Procedere bei einer persistierenden Diarrhö (> 14 Tage) oder chronischer Diarrhö (> 4 Wochen) unterscheidet sich beim Tropenrückkehrer nicht grundsätzlich von der persistierenden Diarrhö, die hierzulande erworben wurde. Nach einer Fernreise gilt es, parasitäre Ursachen stärker zu bedenken. Die häufigsten parasitären Ursachen einer persistierenden Diarrhö sind Protozoeninfektionen, insbesondere Giardia lamblia und Entamoeba histolytica; deutlich seltener und überwiegend bei Immunsupprimierten beschrieben sind Kokzidien (Kryptosporidien, Cyclospora, Isospora belli) und Mikrosporidien * Brehm, T. T., Lütgehetmann, M., Tannich, E., Addo, M. M., Lohse, A. W., Rolling, T., et.al. Risk factors for different intestinal pathogens among patients with traveler's diarrhea: A retrospective analysis at a German travel clinic (2009-2017). Travel Med Infect Dis, 2020. 37: p. 101706.* Leung, A. K. C., Leung, A. A. M., Wong, A. H. C., Sergi, C. M., Kam, J. K. M., Giardiasis: An Overview. Recent Pat Inflamm Allergy Drug Discov, 2019. 13(2): p. 134-143.. Helmintheninfektionen gehen typischerweise nicht mit einer Durchfallsymptomatik einher, sondern zeigen eher ein unspezifisches abdominelles Beschwerdebild mit Schmerzen, Blähungen, Unwohlsein und begleitender Eosinophilie. Eine Eosinophilie kommt bei Helminthen und bei Isospora belli vor, nicht jedoch bei Amöben und Lamblien.

Die Abklärung der tropischen Sprue umfasst den Ausschluss aller anderer infektiologischer Ursachen und einem histologischen Bild einer Biopsie des Dünndarmepithels (zumeist Duodenum-Biopsie), das mit einer Sprue vereinbar ist. Der Nachweis einer tropischen Sprue ergibt sich daher erst nach entsprechendem therapeutischem Ansprechen auf Therapie mit Doxycyclin und Folsäure über einen Zeitraum von rund 3 – 6 Monaten.

Personen mit besonderem Risikoprofil umfassen unter anderem auch MSM (men having sex with men), bei denen auch ansonsten ungewöhnliche Erreger mit einer Proktitis und letztlich inflammatorischen Diarrhö vergesellschaftet sein können. Hierbei ist die Diagnostik von Gonokokken (kulturell bzw molekulare Diagnostik), Chlamydien (inklusive Lymphogranuloma venerum; molekulare Diagnostik), Herpes simplex Virus (molekulare Diagnostik), Syphilis (Serologie, Dunkelfeld-Mikroskopie von Läsionen), Humanes Papilloma Virus (molekulare Diagnostik) bzw. PAP-Abstrich empfohlen.

Literatur

[1]

Brehm, T. T., Lütgehetmann, M., Tannich, E., et al. Risk factors for different intestinal pathogens among patients with traveler's diarrhea: A retrospective analysis at a German travel clinic (2009-2017). Travel Med Infect Dis 2020; 37: 101706

[2]

Leung, A. K. C., Leung, A. A. M., Wong, A. H. C., et al. Giardiasis: An Overview. Recent Pat Inflamm Allergy Drug Discov 2019; 13: 134-143

Konsensbasierte Empfehlung 7.7

Modifiziert 2023

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Eine empirische Antibiotikatherapie sollte bei Diarrhö mit Fieber und/oder Blutabgängen oder bei Risikopatienten für Komplikationen eingesetzt werden.

In der Therapie sollte eine möglichst kurze Therapiedauer gewählt werden (Azithromycin 1 x 1000 mg p. o. als Einzeldosis). Bei nicht blutiger Diarrhö kann auch Rifamycin oder Rifaximin als nicht resorbierbares Antibiotikum eingesetzt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 7.8

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Empirische Antibiotikatherapie

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Entamoeba histolytica soll eine mikrobielle Diagnostik vor Beginn der antibiotischen Therapie durchgeführt werden. Bei schwerem Krankheitsbild ist auch eine empirische Therapie nach Einleitung der Diagnostik gerechtfertigt. Zur Therapie soll eine Behandlung mit Metronidazol (3 x 10 mg/kg/Tag (max. 3 x 800 mg) i. v. oder p. o. über 10 Tage und anschließend zur Zystenelimination Paromomycin 25 – 35 mg/kg KG/Tag p. o. über 7 – 10 Tage durchgeführt werden.

Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern VIII

Hintergrund

Eine generelle Therapie aller Episoden von Reisediarrhö ist aufgrund des selbstlimitierenden Verlaufs nicht gerechtfertigt. Eine empirische Therapie sollte daher auf schwere klinische Verläufe beschränkt sein oder bei Personen mit Risikofaktoren (Immunsupprimierte, onkologische Patienten, Senioren) für einen schweren Verlauf eingesetzt werden. Aufgrund der fortschreitenden Entwicklung von Antibiotika-Resistenz hat sich das Spektrum der untersuchten Antibiotika jedoch im Laufe der Zeit gewandelt. Für eine empirische Antibiotikatherapie ist eine Kenntnis der Resistenzsituation in den jeweiligen Ländern unabdingbar.

Azithromycin scheint derzeit die beste Wahl in Bezug auf die generelle Resistenzsituation und die häufigsten bakteriellen Erreger. Eine Einmaldosis von 1000 mg führt in der Regel zu einer Verkürzung der Beschwerdedauer und ist aufgrund der Einmaldosis mit einer hohen Therapieadhärenz verbunden. Alternativ ist auch eine Einnahme von 1 x 500 mg Azithromycin täglich über 3 Tage beschrieben.

Rifamycin und Rifaximin werden nicht als Mittel der ersten Wahl zur Therapie der Reisediarrhö empfohlen, da sie nicht für die oben genannten Indikationen eines schweren klinischen Verlaufs bzw. den Einsatz bei Risikopatienten geeignet scheinen. Sie können allenfalls bei nicht blutiger Diarrhö Einsatz finden.

Therapie spezifischer Erreger

Die Therapie spezifischer Erreger sollte analog zur Therapie bei nicht-reiseassoziierter Diarrhö nach Erreger und Antibiogramm durchgeführt werden (siehe Kapitel „Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen“, Empfehlung 4.4 – 4.6). Darüber hinaus sollte die Resistenzsituation im Reiseland berücksichtigt werden. Gerade bei invasiven Erregern, die eher schwere Verläufe mit Fieber und Blutabgängen bedingen, haben die Verkürzung der Krankheitsdauer und die Verhinderung von Komplikationen einen hohen Stellenwert. Der Nutzen einer Antibiotikatherapie sollte individuell unter dem Aspekt des anzunehmenden natürlichen Verlaufs (rasche Selbstheilung wie z. B. bei Campylobacter Diarrhö) und dem Risiko einer möglichen Resistenzentwicklung abgewogen werden. Je blander das klinische Bild ist, umso mehr muss der Antibiotikaeinsatz kritisch hinterfragt werden.

Shigellen

Studien von Isolaten von Reiserückkehrern zeigen hohe Resistenzraten gegen Penicilline, Cotrimoxazol und Tetrazyklin. In einigen Ländern Ostasiens besteht eine hohe Resistenzrate gegen Cephalosporine der 3. Generation. Ciprofloxacin-Resistenz ist in den meisten Teilen der Welt selten, erreicht jedoch auf dem indischen Subkontinent hohe Raten. Die Azithromycin-Resistenz wird seltener beobachtet, es wurden jedoch auch zu diesen Erregern Einzelfälle von Resistenzen beschrieben * Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., Nothdurft, H. D., [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(33): p. 1673-83; quiz 1684-6.* Taneja, N., Mewara, A., Kumar, A., Verma, G., Sharma, M., Cephalosporin-resistant Shigella flexneri over 9 years (2001-09) in India. J Antimicrob Chemother, 2012. 67(6): p. 1347-53..

Campylobacter

Eine Antibiotika-Therapie von Campylobacter-Infektionen ist bei milder bis moderater klinischer Schwere ohne besondere Risikofaktoren nicht indiziert. Bei schwerem Verlauf oder besonderen Risikofaktoren (Immunsuppression) ist eine antimikrobielle Therapie sinnvoll. Weltweit werden sehr hohe und weiter ansteigende Resistenzraten gegen Chinolone berichtet, so dass Chinolone für eine empirische Therapie an Bedeutung verloren haben. Makrolide weisen hingegen weiterhin eine gute Wirksamkeit auf, so dass Azithromycin als erste Wahl einer empirischen Therapie eingesetzt werden sollte * González-Hein, G., Cordero, N., García, P., Figueroa, G., [Molecular analysis of fluoroquinolones and macrolides resistance in Campylobacter jejuni isolates from humans, bovine and chicken meat]. Rev Chilena Infectol, 2013. 30(2): p. 135-9..

Entamoeba histolytica

Die Amöbenruhr wird mit Metronidazol behandelt. Metronidazol ist jedoch nicht ausreichend wirksam gegen alle Entwicklungsformen der Amöben im Darmlumen. Diese können auch dann noch vorhanden sein, wenn sie bei einer parasitologischen Stuhluntersuchung nicht mehr nachweisbar sind. Daher muss bei nachgewiesener E. histolytica-Infektion immer eine Nachbehandlung mit einem im Darmlumen wirksamen Medikament erfolgen. In einer vergleichenden Untersuchung hat sich hierbei das Paromomycin (z. B. Humatin®) dem Diloxanid-Furoat (z. B. Furamide®) überlegen gezeigt. Resistenzen von E. histolytica spielen bisher keine Rolle * Burchard, G. D., Hentschke, M., Weinke, T., Nothdurft, H. D., [Travelers' diarrhea]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(33): p. 1673-83; quiz 1684-6.* Weinke, T., Liebold, I., [Intestinal protozoa infections]. Dtsch Med Wochenschr, 2013. 138(14): p. 709-11.. Differentialdiagnostisch muss auch das Vorliegen einer extraintestinalen Amöbiasis in Betracht gezogen werden. Für die Diagnostik und Therapie der Amöbenruhr wird auf die AWMF-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Amöbiasis“ (AWMF-Reg. Nr. 042/002) verwiesen * Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V., (DTG), S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Amöbiasis, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/042-002.

Giardia lamblia

G. lamblia ist die häufigste Ursache für chronische Diarrhöen bei Reisenden * Horton, B., Bridle, H., Alexander, C. L., Katzer, F., Giardia duodenalis in the UK: current knowledge of risk factors and public health implications. Parasitology, 2019. 146(4): p. 413-424.. Das mit Abstand häufigste Infektionsland ist Indien * Peters, T. E., Kreuels, B., Addo, M. M., Tannich, E., Rothe, C., Risk factors for and management of metronidazole-refractory giardiasis in international travellers: A retrospective analysis. Travel Med Infect Dis, 2021. 43: p. 102090.* Falkenhorst, G., Enkelmann, J., Frank, C., Lachmann, R., Faber, M., Pörtner, K., et.al. Epidemiologisches BulletinRobert Koch-Institut, 2020., https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/50_20.pdf%3F__blob%3DpublicationFile* Falkenhorst, Gerhard, Enkelmann, Julia, Lachmann, Raskit, Frank, Christina, Faber, Mirko, Pförtner, Kirsten, et.al. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten – Reiseassoziierte Krankheiten 2019, 2020. p. 7-20..

Die Erstlinientherapie besteht aus einem Nitroimidazol-Präparat, wobei in Deutschland nur Metronidazol zugelassen ist. Zunehmend gibt es jedoch Berichte von Therapieversagen der Nitroimidazol-Therapie bei Giardiasis, insbesondere bei in Südasien erworbenen Infektionen * Peters, T. E., Kreuels, B., Addo, M. M., Tannich, E., Rothe, C., Risk factors for and management of metronidazole-refractory giardiasis in international travellers: A retrospective analysis. Travel Med Infect Dis, 2021. 43: p. 102090.* Neumayr, A., Schunk, M., Theunissen, C., Van Esbroeck, M., Mechain, M., Hatz, C., et.al. Efficacy and Tolerability of Quinacrine Monotherapy and Albendazole Plus Chloroquine Combination Therapy in Nitroimidazole-Refractory Giardiasis: A TropNet Study. Clin Infect Dis, 2021. 73(8): p. 1517-1523.. Eine erneute Monotherapie mit einem Nitroimidazol-Präparat ist meist erfolglos und auch Kombinationstherapien mit Medikamenten anderer Substanzklassen (z. B. Paromomycin, Albendazol oder Chloroquin; siehe Tabelle „Medikamentöse Therapie intestinaler Erreger bei reiseassoziierter Diarrhoe und/oder Immundefizienz“) führen nur in 48 – 90 % der Fälle zum Erfolg * Peters, T. E., Kreuels, B., Addo, M. M., Tannich, E., Rothe, C., Risk factors for and management of metronidazole-refractory giardiasis in international travellers: A retrospective analysis. Travel Med Infect Dis, 2021. 43: p. 102090.* Neumayr, A., Schunk, M., Theunissen, C., Van Esbroeck, M., Mechain, M., Hatz, C., et.al. Efficacy and Tolerability of Quinacrine Monotherapy and Albendazole Plus Chloroquine Combination Therapy in Nitroimidazole-Refractory Giardiasis: A TropNet Study. Clin Infect Dis, 2021. 73(8): p. 1517-1523.. Bei Therapieversagen der Zweitlinientherapie kann ein Therapieversuch mit Quinacrine (Synonym: Mepacrine) erwogen werden, welches jedoch in Deutschland derzeit keine Zulassung hat. Aus Fallserien ist für Quinacrine eine Erfolgsrate von bis zu 100 % berichtet * Nash, T. E., Ohl, C. A., Thomas, E., Subramanian, G., Keiser, P., Moore, T. A., Treatment of patients with refractory giardiasis. Clin Infect Dis, 2001. 33(1): p. 22-8., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11389490, auch bei einer multizentrischen, europäischen Studie * Neumayr, A., Schunk, M., Theunissen, C., Van Esbroeck, M., Mechain, M., Hatz, C., et.al. Efficacy and Tolerability of Quinacrine Monotherapy and Albendazole Plus Chloroquine Combination Therapy in Nitroimidazole-Refractory Giardiasis: A TropNet Study. Clin Infect Dis, 2021. 73(8): p. 1517-1523. in der 82 Patienten nach Versagen einer Erst- oder Zweitlinien-Therapie Quinacrine erhielten, zeigte sich bei 100 % eine parasitologische Heilung. Beim Einsatz von Quinacrine muss allerdings eine ausführliche Aufklärung der Patienten erfolgen und insbesondere auf seltene, neuropsychiatrische Nebenwirkungen hingewiesen werden.

Kokzidien

Auch die Kokzidien Cylcospora cayetanensis, Cystoisospora belli und Cryptosporidium parvum können als Erreger einer Reisediarrhö eine Rolle spielen. Infektionen können selbstlimitierend sein, sind aber vor allem bei Immunsuppression (z. B. HIV) häufig schwerwiegend und langanhaltend. Bei anhaltender Diarrhö ist eine antimikrobielle Therapie sinnvoll (siehe Kapitel „Diarrhö bei Immundefizienz“, Tabelle „Medikamentöse Therapie intestinaler Erreger bei reiseassoziierter Diarrhoe und/oder Immundefizienz“), kann bei Immunsuppression jedoch oft langwierig sein. Bei HIV-Patienten steht die Optimierung der antiretroviralen Therapie im Vordergrund.

Apathogene Darmprotozoen

Bei Patienten mit chronischer Diarrhö werden in der Stuhlmikroskopie häufig auch apathogene Protozoen oder solche mit fraglicher Pathogenität gefunden. Zu diesen gehören u.a. Entamoeba coli, Endolimax nana, Blastocystis spp., Dientamoeba fragilis. Während Entamoeba coli und Endolimax nana eindeutig als apathogene Kommensalen zu werten sind, ist die Pathogenität von Blastocystis spp. und Dientamoeba fragilis fraglich. Bei Patienten, bei denen trotz mehrfacher Stuhldiagnostik kein Nachweis pathogener Erreger erbracht werden kann und bei denen über längere Zeit anhaltende Diarrhö besteht, kann im Einzelfall ein Therapieversuch unternommen werden (Blastocystis spp.: z. B. Cotrimoxazol oder Metronidazol; Dientamoeba fragilis: z. B. Metronidazol oder Paromomycin) (siehe Kapitel „Diarrhö bei Immundefizienz“, Tabelle „Medikamentöse Therapie intestinaler Erreger bei reiseassoziierter Diarrhoe und/oder Immundefizienz“).

Literatur

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[11]

Nash, T. E., Ohl, C. A., Thomas, E., et al. Treatment of patients with refractory giardiasis. Clin Infect Dis 2001; 33: 22-8

Konsensbasierte Empfehlung 7.9

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Selbsttherapie

Zur Selbsttherapie der Reisediarrhö im Reiseland soll eine ausführliche Aufklärung vor der Reise erfolgen. Der Reisende soll darauf hingewiesen werden, dass die Reisediarrhö in den meisten Fällen mild und selbstlimitierend ist. Als Primärtherapie soll die orale Rehydration empfohlen werden.

Akute Gastroenteritis bei Reise IX

Hintergrund

Die orale Rehydration bei gleichzeitiger Flüssigkeits- und Eletrolytsubstitution sollte an erster Stelle der Basismaßnahmen bei infektiöser Reisediarrhöe erfolgen. Dabei stehen kommerzielle Produkte zur Verfügung, ebenso wie in ressourcenschwachen Regionen auch die WHO-Trinklösung (orale Rehydrationslösung, neue „WHO-Trinklösung“ von 2002) mit einer Osmolarität von 245 mOsm/L und folgender Zusammensetzung: Glucose 75 mmol/L, Natrium 75 mEq/L, Kalium 20 mEq/L, Chlorid 65 mEq/L Citrat 10mmol/L * Ofei, S. Y., Fuchs, G. J., 3rd, Principles and Practice of Oral Rehydration. Curr Gastroenterol Rep, 2019. 21(12): p. 67.. Die orale Lösung ist dabei den intravenösen Gaben überlegen. Es gibt keine Evidenz für den Einsatz von Tannin, Kaolin, Pektin oder medizinischer Kohle. In Deutschland nicht zugelassen ist Bismuthsubsalicylat. Wenn die orale Flüssigkeitsaufnahme nicht ausreichend möglich ist, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Auf diese Therapieoptionen muss in der Reiseberatung bereits hingewiesen werden.

Erkrankte mit Reisediarrhö sollten auch im Reiseland ärztliche Hilfe suchen, wenn folgende klinische Konstellationen vorliegen: fieberhafte oder blutige Diarrhö, persistierendes Erbrechen, fehlende ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, reduzierter Allgemeinzustand (Exsikkose, Hypotonie, Kollapsneigung) oder Komorbidität (z. B. Immunsuppression), die mit einer erhöhten Gefährdung des Patienten einhergeht.

Literatur

[1]

Ofei, S. Y., Fuchs, G. J., 3rd. Principles and Practice of Oral Rehydration. Curr Gastroenterol Rep 2019; 21: 67

Konsensbasierte Empfehlung 7.10

Modifiziert 2023

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Supportive Therapie

Bei ausgeprägter Durchfallsymptomatik (ohne Fieber und Blutabgang) können Motilitätshemmer eingesetzt werden. Der Einsatz soll nur kurzfristig (maximal 2 Tage) erfolgen. Reisende sollen vorab aufgeklärt werden, dass es sich hierbei um eine symptomatische und nicht kausale Therapie handelt. Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Einnahme von Motilitätshemmern bei schwerer Reisediarrhö mit Fieber und Blutabgang kontraindiziert ist.

Akute Gastroenteritis bei Reise X

Hintergrund

Zur symptomatischen Supportivtherapie bei milden und moderaten Krankheitsverläufen der Reisediarrhöe können Motilitätshemmer wie Loperamid und Enkephalinase-Inhibitoren (Radecadotril) für einen begrenzten Zeitraum angewendet werden * Riddle, M. S., Connor, B. A., Beeching, N. J., DuPont, H. L., Hamer, D. H., Kozarsky, P., et.al. Guidelines for the prevention and treatment of travelers' diarrhea: a graded expert panel report. J Travel Med, 2017. 24(suppl_1): p. S57-S74., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28521004.

Der Einsatz von Motilitätshemmern (Loperamid) kann für eine Dauer von zwei Tagen (bei Erwachsenen in einer Dosierung von maximal 16 mg/Tag erfolgen) * Laaveri, T., Sterne, J., Rombo, L., Kantele, A., Systematic review of loperamide: No proof of antibiotics being superior to loperamide in treatment of mild/moderate travellers' diarrhoea. Travel Med Infect Dis, 2016. 14(4): p. 299-312., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27363327. Insbesondere bei Blutbeimengungen und Fieber sollte hingegen aufgrund des Risikos für das Auftreten von toxischem Megakolon von einer Loperamid-Einnahme Abstand genommen werden * McGregor, A., Brown, M., Thway, K., Wright, S. G., Fulminant amoebic colitis following loperamide use. J Travel Med, 2007. 14(1): p. 61-2., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17241255.

Der Einsatz von Racecadotril als Enkephalinase-inhibitor wird alternativ empfohlen * Fischbach, W., Andresen, V., Eberlin, M., Mueck, T., Layer, P., A Comprehensive Comparison of the Efficacy and Tolerability of Racecadotril with Other Treatments of Acute Diarrhea in Adults. Front Med (Lausanne), 2016. 3: p. 44., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27790616.

Für eine Zusammenfassung der wichtigsten Empfehlungen sei auf die Tabelle „Erreger und deren typische Konstellation von Anamnese und Immundefizienz“ in Kapitel „Diarrhö bei Immundefizienz“ verwiesen.

Literatur

[1]

Riddle, M. S., Connor, B. A., Beeching, N. J., et al. Guidelines for the prevention and treatment of travelers' diarrhea: a graded expert panel report. J Travel Med 2017; 24: S57-S74

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Laaveri, T., Sterne, J., Rombo, L., et al. Systematic review of loperamide: No proof of antibiotics being superior to loperamide in treatment of mild/moderate travellers' diarrhoea. Travel Med Infect Dis 2016; 14: 299-312

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McGregor, A., Brown, M., Thway, K., et al. Fulminant amoebic colitis following loperamide use. J Travel Med 2007; 14: 61-2

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Fischbach, W., Andresen, V., Eberlin, M., et al. A Comprehensive Comparison of the Efficacy and Tolerability of Racecadotril with Other Treatments of Acute Diarrhea in Adults. Front Med (Lausanne) 2016; 3: 44

Konsensbasierte Empfehlung 7.11

Modifiziert 2023

Empfehlung

Starker Konsens


Reiseberatung zur Prophylaxe der Reisediarrhö

Die Reiseberatung zur Prophylaxe der Reisediarrhö sollte folgende Informationen enthalten: Bedeutung und Häufigkeit der Reisediarrhö, Betonung der Nahrungsmittelhygiene, individuelle Risikofaktoren und das Herausstellen der Primärtherapie mit oraler Rehydration. Zur Nachhaltigkeit der vermittelten Empfehlung sollten schriftliche Informationen mitgegeben werden.

Akute Gastroenteritis bei Reise XI

Hintergrund

Vor einer Fernreise sollte eine individuelle Reiseberatung durch einen tropen- oder reisemedizinisch erfahrenen Arzt erfolgen. Neben der Vielzahl von Empfehlungen zur Impfprophylaxe und Malaria-Expositions- und Chemoprophylaxe müssen Empfehlungen zur Prophylaxe und Selbsttherapie der Reisediarrhö essenzieller Bestandteil jeder Reiseberatung vor Tropen- und Fernreisen sein. Bei der Anzahl dieser Empfehlungen wird das Besprechen der Reisediarrhö oftmals vernachlässigt. Es ist daher umso wichtiger, dem Reisenden einen schriftlichen Empfehlungsplan mitzugeben, um mit erforderlicher Nachhaltigkeit die Bedeutung zu unterstreichen.

Aufgrund des bekannten Übertragungsweges über kontaminierte Nahrung oder Flüssigkeiten, hat die Nahrungsmittelhygiene hohe Priorität (geschälte Früchte, gekochte Nahrungsmittel, abgekochtes Wasser, Händedesinfektion).

In verschiedenen Studien wurde in Reiseländern gezeigt, dass eine Vielzahl von Gerichten in Restaurants bakteriell kontaminiert war * Kendall, M. E., Mody, R. K., Mahon, B. E., Doyle, M. P., Herman, K. M., Tauxe, R. V., Emergence of salsa and guacamole as frequent vehicles of foodborne disease outbreaks in the United States, 1973-2008. Foodborne Pathog Dis, 2013. 10(4): p. 316-22..

Eine Impfung gegen die Vielzahl der Erreger von Reisediarrhö ist derzeit nicht verfügbar und auch nicht in Kürze zu erwarten. Die Rotavirus-Impfung ist gemäß den STIKO-Empfehlungen eine Standard-Impfung für alle Säuglinge (STIKO 2021). Alle Säuglinge sollten daher unabhängig von einer Reise ohnehin immunisiert sein. Die Impfung ist nicht außerhalb des Altersspektrums (bis zum 6. Lebensmonat) indiziert. Weitergehende Empfehlungen zur Immunisierung vor Reisen sind den aktuellen Empfehlungen der STIKO/STAR Arbeitsgruppe zu entnehmen. (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Reiseimpfung/reiseimpfung_node.html)

Literatur

[1]

Kendall, M. E., Mody, R. K., Mahon, B. E., et al. Emergence of salsa and guacamole as frequent vehicles of foodborne disease outbreaks in the United States, 1973-2008. Foodborne Pathog Dis 2013; 10: 316-22

Konsensbasierte Empfehlung 7.12

Modifiziert 2023

Empfehlung offen

Konsens


Stellenwert von Probiotika zur Prophylaxe der CDI

Eine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Probiotika kann nicht gegeben werden.

(siehe auch Empfehlung 4.7 und 5.25)

Konsensbasierte Empfehlung 7.13

Modifiziert 2023

starke Empfehlung

Starker Konsens


Chemoprophylaxe

Eine antimikrobielle Chemoprophylaxe der Reisediarrhö soll generell nicht durchgeführt werden.

Akute Gastroenteritis bei Reise XIII

Hintergrund

In einigen Studien ist für unterschiedliche Antibiotika gezeigt worden, dass der prophylaktische Einsatz von Antibiotika im Vergleich zu Plazebo zu einer geringeren Häufigkeit von Reisediarrhö-Episoden führt. Dies ist mit guter Evidenz unter anderem für die Prophylaxe mit Chinolonen und Rifaximin gezeigt worden * Zanger, P., Nurjadi, D., Gabor, J., Gaile, M., Kremsner, P. G., Effectiveness of rifaximin in prevention of diarrhoea in individuals travelling to south and southeast Asia: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Infect Dis, 2013. 13(11): p. 946-54., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24012319* Alajbegovic, S., Sanders, J. W., Atherly, D. E., Riddle, M. S., Effectiveness of rifaximin and fluoroquinolones in preventing travelers' diarrhea (TD): a systematic review and meta-analysis. Syst Rev, 2012. 1: p. 39., https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22929178. Die Effektivität soll gegen die möglichen Nebenwirkungen einer kontinuierlichen täglichen Antibiotika-Prophylaxe abgewogen werden. Für Azithromycin gibt es keine gute Datenlage zur Chemoprophylaxe. Chinolone sind zur Prophylaxe der Reisediarrhö nicht mehr zugelassen (BfArM 2019). Geäußerte Einwände gegen eine Antibiotika-Prophylaxe sind wie folgt:

  • Erschwerte nachfolgende Therapie bei Versagen der Antibiotika-Prophylaxe.
  • Fehlende Wirksamkeit gegen Viren und Parasiten.
  • Gefühl der falschen Sicherheit und Vernachlässigen der Nahrungsmittelhygiene.
  • Nebenwirkungen der Antibiotika (Risiko für C. difficile-Infektion etc.).
  • Induktion von Resistenzen
  • Die begründete Antibiotika-Therapie ist kosteneffektiver als eine generelle Antibiotikaprophylaxe
  • Keine immunologische Wirtsreaktion gegen pathogene bakterielle Erreger.

Eine regelmäßige, tägliche Antibiotika-Prophylaxe kann daher nicht generell empfohlen werden. Ausnahmekonstellationen in möglichen Risikokonstellationen müssen individuell besprochen werden und gut begründet sein (z. B. Immunsupprimierte Patienten, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten (CED) unter Immunsuppression, wichtige z. B. politische oder sportliche Aktivitäten).

Literatur

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Zanger, P., Nurjadi, D., Gabor, J., et al. Effectiveness of rifaximin in prevention of diarrhoea in individuals travelling to south and southeast Asia: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Infect Dis 2013; 13: 946-54

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Alajbegovic, S., Sanders, J. W., Atherly, D. E., et al. Effectiveness of rifaximin and fluoroquinolones in preventing travelers' diarrhea (TD): a systematic review and meta-analysis. Syst Rev 2012; 1: 39

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