Leitlinie wird geladen...

S3-Leitlinie

Hepatitis B

AWMF-Registernummer 021 – 011

Version 2.0

07/2021Leitlinie aktualisiert

Stammdaten zur Leitlinie

Allgemeine Angaben

Koordinierende

Prof. Markus Cornberg
Prof. Jörg Petersen

Autoren

Markus Cornberg¹˒², Lisa Sandmann¹, Ulrike Protzer³, Claus Niederau⁴, Frank Tacke⁵, Thomas Berg⁶, Dieter Glebe⁷, Wolfgang Jilg⁸, Heiner Wedemeyer¹, Stefan Wirth⁹, Christoph Höner zu Siederdissen¹⁰, Petra Lynen Jansen¹¹, Pia Lorenz¹¹, Jörg Petersen¹²


Kollaboratoren

Sandra Ciesek, Jörg Timm, Viola Knop, Peter Schirmacher, Christian Schüttler, Peter Buggisch, Andrea Tannapfel, Christoph Jochum, Holger Hinrichsen, Achim Kautz, Kai-Henrik Peiffer, Christoph Sarrazin, Eckart Schott, Nektarios Dikopoulos, Daniela Kroy, Martin Sprinzl, Florian van Bömmel, Ingo van Thiel, Johannes Vermehren, Karsten Wursthorn, Stefan Zeuzem, Michael P. Manns, Christoph Berg, Kerstin Herzer, Benjamin Maasoumy, Martina Sterneck, Niklas Aehling, Egbert Trowe, Christian P. Strassburg, Wolfram Gerlich, Birgit Kallinowski, Julian Schulze zur Wiesch, Jens Verheyen, Sabine Wicker, Anika Wranke, Hartwig Klinker, Patrick Ingiliz, Stefan Christensen, Patrick Gerner, Gunter Flemming, Jan de Laffolie, Thomas Lang, Michael Melter, Wolf-Dietrich Huber


Korrespondenzanschrift

Prof. Dr. med. Markus Cornberg

Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover, Deutschland

0511-53 26 821 0511-53 26 820

Institute

Weitere Fragen

Sie haben weitere Fragen?

Im DGVS Büro stehen wir Ihnen gern zur Verfügung!

Kontakt

Empfehlungen

Empfehlungen

Alle Empfehlungen

3.1. Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Empfehlung 3.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Zur initialen Diagnostik einer HBV-Infektion soll HBsAg und in der Regel Anti-HBc bestimmt werden.

Empfehlung 3.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen Schwangeren soll ein HBsAg-Screening erfolgen.

[NKLM]

Empfehlung 3.3

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine HBV-Diagnostik soll erfolgen bei:

  • Personen mit erhöhten Leberwerten und/oder klinischen Zeichen einer Hepatitis
  • allen Personen mit vorbestehender Erkrankung oder Immunsuppression, bei denen ein schwerer Verlauf einer Hepatitis B zu erwarten ist.  
      • Patienten mit Leberzirrhose/-fibrose
      • Patienten mit hepatozellulärem Karzinom
      • Dialyse-Patienten
      • HIV- und/oder HCV-Infizierten
      • Patienten vor bzw. während einer immunsuppressiven Therapie, einer Therapie mit B-Zell-depletierenden Antikörpern (Rituximab) oder Chemotherapie
      • Patienten mit einer angeborenen Immunschwäche
  • allen Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko für eine Hepatitis B
      • Personen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter HBsAg-Prävalenz
      • Familien- oder Haushaltsangehörige, insbesondere Kinder von HBsAg-positiven Müttern und Geschwister sowie Eltern von (aktuell oder ehemals) HBV-Infizierten
      • Sexualpartner von HBV-Infizierten
      • Medizinisches Personal
      • Patienten oder Personen in psychiatrischen Einrichtungen, Fürsorgeeinrichtungen für Zerebralgeschädigte oder Verhaltensgestörte, Justizvollzugsanstalten
      • Personen mit häufig wechselnden Sexualkontakten
      • Aktive und ehemalige i.v. Drogenbenutzer
      • Screening zur Vermeidung einer Transmission auf gesunde Empfänger von Knochenmark- oder Organtransplantaten vor und nach Transplantation
      • Blut-, Gewebe-, Samen- und Organspender
      • Schwangere (siehe 3.2)
[NKLM]
3.2. Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Empfehlung 3.4

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Personen der oben genannten Risikogruppen, die HBsAg und Anti-HBc-negativ sind und über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen, soll eine Impfung angeboten werden (siehe Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?).

[NKLM]

Empfehlung 3.5

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei HBsAg-positiven Personen soll die Diagnostik komplettiert und das Ausmaß der Leberkrankung bestimmt werden, um eine Therapieindikation abzuklären.

[NKLM]

Empfehlung 3.6

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei Verdacht auf eine akute Hepatitis B sollte zusätzlich zu HBsAg und Anti-HBc der Nachweis von Anti-HBc-IgM erfolgen, die HBV-DNA bestimmt sowie die ALT und Leberfunktion im Verlauf kontrolliert werden. (siehe Stufenschema "Serologische Diagnostik bei V.a. akute HBV-Infektion").

[NKLM]

Empfehlung 3.7

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Verdacht auf eine chronische Hepatitis B:

  • sollen die HBV-Viruslast (HBV-DNA) und der HBeAg / Anti-HBe Status bestimmt werden (siehe Tabelle 2).
  • kann quantitatives HBsAg zur besseren Differenzierung der Phase und zur Beurteilung der Prognose der HBV-Infektion bestimmt werden (siehe Empfehlung 5.14).   
[NKLM]
3.3. Welche ergänzende Diagnostik ist bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion erforderlich?

Empfehlung 3.8

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion sollen zusätzlich folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Anamnese (inkl. Risikofaktoren, Familien-, Partneranamnese), körperliche Untersuchung
  • Ausschluss einer Koinfektion mit HCV, HDV und HIV
  • Hepatitis-A-Immunstatus (Frage Impfung)
  • Ausschluss einer Hepatitis-E-Virusinfektion
  • Klinisch-chemische Labortests
  • Ultraschall des Abdomens
[NKLM]
3.4. Wann ist eine Hepatitis Delta Virus-Diagnostik indiziert? Wie wird eine Hepatitis Delta diagnostiziert?

Empfehlung 3.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Hepatitis-Delta-Virus(HDV)-Diagnostik soll bei allen Hepatitis-B-Patienten sowohl bei neu diagnostizierter HBV-Infektion als auch bei fehlender HDV-Testung bei bekannter HBV-Infektion durchgeführt werden. Insbesondere bei Exazerbation einer chronischen Hepatitis B soll eine HDV-Superinfektion ausgeschlossen werden.

[NKLM]

Empfehlung 3.10

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Im Screening-Test werden Anti-HDV-Antikörper bestimmt. Da der Nachweis von Anti-HDV nicht zwischen einer persistierenden und einer ausgeheilten Hepatitis D unterscheiden kann, soll bei positivem Anti-HDV ein Virusnachweis im Blut mittels HDV-RNA erfolgen.

[NKLM]
3.5. Wie soll die Verlaufsdiagnostik von Patienten ohne antivirale Therapie erfolgen?

Empfehlung 3.11

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute HBV-Infektion soll überwacht werden, bis ein HBsAg-Verlust erreicht ist  (s. Tabelle "Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer akuten HBV-Infektion").

[NKLM]

Empfehlung 3.12

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion ohne antivirale Therapie sollen regelmäßige Verlaufskontrollen erhalten. Diese umfasst die Bestimmung der ALT-Aktivität im Serum, die Bestimmung der HBV-Viruslast, einen Ultraschall des Abdomens und ggf. Fibrosediagnostik. Die Frequenz sollte sich nach dem klinischen Verlauf richten (s. Tabelle "Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer chronischen HBV-Infektion").

[NKLM]
3.6. Wie sollte das Therapie-Monitoring bei chronischer Hepatitis B aussehen?

Empfehlung 3.13

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit direkt wirksamen antiviralen Medikamenten (z.B. Nukleos(t)id-Analoga) werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
Während der Therapie (s. auch "Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft? und "Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?"):

  • HBV-DNA quantitativ:
      • im ersten Jahr alle 3 Monate
      • nach dem 1. Jahr kann bei virologischem Ansprechen das Intervall auf alle 6 Monate verlängert werden
  • Resistenz-Varianten bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Verdacht auf Resistenzentwicklung        
  • HBeAg (falls positiv) alle 6-12 Monate, bei Verlust Anti-HBe.
  • HBsAg quantitativ.
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate

Empfehlung 3.14

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit Interferon oder Immunmodulatoren werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
  • HBV Genotypisierung
Während der Therapie (siehe auch "Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?"):

  • HBV-DNA quantitativ alle 3 Monate
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg nach 12 und 24 Wochen
  • Anti-HBs bei HBsAg Verlust,
  • HBeAg (falls positiv) alle 3 Monate, bei Verlust Anti-HBe
3.7. Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC-Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?

Empfehlung 3.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei erhöhtem HCC-Risiko sollte mindestens alle 6 Monate ein abdomineller Ultraschall durch einen erfahrenen Untersucher durchgeführt werden. Dieses soll insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose erfolgen.

[NKLM, Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Empfehlung 3.16

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Das Kontrollintervall kann je nach Risikoabschätzung (Tabelle "Früherkennungsempfehlungen in tabellarischer Form ") auf 12 Monate verlängert werden. Optional kann zusätzlich zum Ultraschall eine AFP-Bestimmung zur Früherkennung eines HCC durchgeführt werden.



[Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Empfehlung 3.17

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten sollen während und nach einer antiviralen Therapie weiterhin eine HCC-Vorsorge erhalten, da das HCC-Risiko reduziert, aber nicht eliminiert wird. Das Untersuchungsintervall kann während bzw. nach erfolgreicher Therapie der Hepatitis B individuell angepasst werden.
3.8. Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Empfehlung 3.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Leberbiopsie ist eine hilfreiche Maßnahme zur Einstufung der entzündlichen Aktivität, der Leberfibrose und von Komorbiditäten. Sie kann bei Patienten mit chronischer HBV-Infektion durchgeführt werden, wenn sich daraus Konsequenzen für Diagnose, Verlaufsbeurteilung und/oder Therapie ableiten lassen.

[NKLM]

Empfehlung 3.19

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose zur Therapieindikationsstellung können nicht-invasive Verfahren zum Einsatz kommen.

[NKLM]

Empfehlung 3.20

Modifiziert 2020

Empfehlung

Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose sollte die transiente Elastographie anderen nicht- invasiven Verfahren vorgezogen werden.

[NKLM, Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]

Empfehlung 3.21

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine nicht-invasive Fibrosebestimmung zur Erfassung einer Fibroseverbesserung während oder nach einer antiviralen Therapie kann erfolgen. 

Empfehlung 3.22

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Komorbidität und Transaminasenverlauf sollen bei der Interpretation berücksichtigt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]
4.1. Akute Hepatitis B: Kann die klinische Heilungsrate durch eine antivirale Therapie erhöht werden? Kann durch eine antivirale Therapie die Krankheitsdauer verkürzt und die Schwere der Erkrankung reduziert werden?

Empfehlung 4.1

Geprüft 2020

Starker Konsens


Aufgrund der hohen Spontanheilungsrate der akuten Hepatitis B beim Erwachsenen besteht in der Regel keine Therapieindikation für die aktuell verfügbaren antiviralen Medikamente.

[NKLM]

Empfehlung 4.2

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Sonderfälle sind Patienten mit schwerer akuter oder fulminanter Hepatitis B. Bei Anzeichen einer eingeschränkten Lebersynthese sollten diese Patienten mit einem Nukleos(t)idanalogon behandelt und frühzeitig in einem Transplantationszentrum betreut werden.

[NKLM]
4.2. Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Empfehlung 4.3

Geprüft 2020

Starker Konsens


Alle Patienten mit chronischer Hepatitis B sind grundsätzlich Kandidaten für eine antivirale Therapie. Die Indikationsstellung berücksichtigt in erster Linie die ALT-Aktivität im Serum (wiederholt erhöht), die Höhe der Virusreplikation (Grenzwert 2.000 IU/ml) und den Entzündungs- und Fibrosestatus in der Biopsie oder den Fibrosestatus in der nicht-invasiven Leberelastographie (siehe Algorithmus zur Therapieindikation der chronischen HBV-Infektion).

[NKLM]

Empfehlung 4.4

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit Leberzirrhose sollen bei HBV-DNA-Nachweis unabhängig von der Höhe der Virämie antiviral behandelt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

siehe auch Empfehlung 5.31

Empfehlung 4.5

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit HCC und positiver HBV-DNA sollten mit Nukleos(t)id-Analoga behandelt werden.

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III

Empfehlung 4.6

Modifiziert 2020

Starker Konsens


Reaktivierungen der Hepatitis-B-Virusreplikation durch Immunsuppression sollen verhindert werden, da sie das Risiko von akuter Dekompensation und Zirrhose erhöhen (siehe "Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?").

Empfehlung 4.7

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Schwangerschaft stellt keine Kontraindikation für eine Therapie mit Tenofovir (TDF), Lamivudin oder Telbivudin dar. Die medizinische Indikation sowie die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollen berücksichtigt werden (siehe "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III

Empfehlung 4.8

Geprüft 2020

Starker Konsens


Berufliche und soziale Aspekte können eine antivirale Therapie begründen, insbesondere mit dem Ziel, die Transmission an Dritte zu verhindern (siehe "Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?", "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Empfehlung 4.9

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit extrahepatischen Komplikationen sollten behandelt werden (siehe "Wie sollen Patienten mit extrahepatischen Manifestationen behandelt werden?").



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 4.10

Geprüft 2020

Starker Konsens


Alkohol- oder Drogenkonsum stellt keine Kontraindikation gegen eine Therapie mit Nukleos(t)id-Analoga dar.
4.3. Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?

Empfehlung 4.11

Neu 2020

Konsens


Bei hochvirämischer chronischer HBV-Infektion mit wiederholt normaler ALT besteht keine dringende medizinische Indikation für eine antivirale Behandlung.

Empfehlung 4.12

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Patienten >30 Jahre oder Patienten mit hoch normalen ALT-Werten (Männer >30 U/l, Frauen >19 U/l) können antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 4.13

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie zur Verhinderung einer Transmission an Dritte kann erfolgen.
4.4. Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?

Empfehlung 4.14

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Bei niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (HBeAg negativ, HBV-DNA <2.000 IU/ml, wiederholt normale ALT, kein Hinweis für eine moderate bis fortgeschrittene Leberfibrose) braucht i.d.R. keine antivirale Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 4.15

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie zur Verhinderung einer Transmission an Dritte kann erwogen werden.
5.1. Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?

Empfehlung 5.1

Modifiziert 2020

Konsens


Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B sind, die Morbidität (Leberzirrhose, Leberdekompensation, hepatozelluläres Karzinom, extrahepatische Manifestationen) und Mortalität der HBV-Infektion zu senken. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung und, idealerweise, die Reversion einer Leberfibrose oder Zirrhose. Um diese Ziele zu erreichen, werden Surrogatmarker während und nach der Behandlung zur Überprüfung des Therapieerfolgs herangezogen:

  • Langfristiges Therapieziel ist der Verlust des HBsAg. Idealerweise kommt es zu einer Serokonversion von HBs-Antigen zu Anti-HBs-Antikörpern.
  • Bei Patienten ohne Leberzirrhose soll eine dauerhafte Suppression der HBV-DNA (mindestens <2.000 IU/ml, idealerweise unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar) erreicht werden. Bei Patienten mit Leberzirrhose soll die HBV-DNA unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar sein.
  • Ein HBeAg-Verlust und eine Serokonversion zu Anti-HBe kann ein Therapieendpunkt sein, wenn die HBV-DNA dauerhaft supprimiert ist (mindestens <2.000 IU/ml, idealerweise unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar).
  • Die Normalisierung der ALT kann ein zusätzlicher Endpunkt sein.


[NKLM]

Empfehlung 5.2

Neu 2020

Starker Konsens


Weitere Ziele der Therapie sind die Senkung der Infektiosität des Patienten bzw. die Senkung der Transmissionsrate (z.B. Mutter-Kind Übertragung), die Verhinderung einer HBV-Reaktivierung und/oder die Verbesserung von extrahepatischen Manifestationen.

[NKLM]
5.2. Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Empfehlung 5.3

Modifiziert 2020

Empfehlung

Konsens


Bei der Therapieauswahl sollte geprüft werden, ob eine Therapie mit PEG-IFN möglich und sinnvoll ist. 

[NKLM]

Empfehlung 5.4

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Therapie mit Nukleos(t)idanaloga sollen Entecavir (ETV) oder Tenofovir (TDF oder TAF) bevorzugt werden.

Empfehlung 5.5

Neu 2020

Starker Konsens


Bei der Auswahl von NA sollen das Stadium der Lebererkrankung, Komorbiditäten (v.a. Niereninsuffizienz und Knochendichteminderung) und Begleitumstände (z.B. Schwangerschaft, Kinderwunsch, Transplantation), die Höhe der HBV-DNA sowie eventuelle Vortherapien berücksichtigt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASLClinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 5.6

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Adefovir soll nicht mehr eingesetzt werden*.
5.3. Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Empfehlung 5.7

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Therapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) sollte gegenüber Interferon alfa bevorzugt werden.

Empfehlung 5.8

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Therapiedauer mit PEG-IFN sollte i.d.R. 48 Wochen betragen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 5.9

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Prädiktive Faktoren sollten als Entscheidungshilfe für die vorzeitige Beendigung einer PEG-IFN-Therapie herangezogen werden. Die quantitativen Bestimmungen der HBV-DNA und des HBsAg als Prädiktoren für das Therapieansprechen sollten bei Therapiestart, Woche 12 und Woche 24 bestimmt werden. In den Entscheidungsprozess, die Therapie mit PEG-IFN vorzeitig zu beenden, soll zusätzlich die Beurteilung der PEG-IFN assoziierten Nebenwirkungen und der Therapiewunsch des Patienten berücksichtig werden.

Empfehlung 5.10

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Während und nach der Therapie mit PEG-IFN sollen regelmäßige sicherheitsrelevante Blutuntersuchungen durchgeführt sowie Interferon-typischen Nebenwirkungen eruiert werden.

[NKLM]
5.4. Wie ist der Stellenwert einer Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alfa und einem Nukleos(t)idanalogon?

Empfehlung 5.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine primäre Kombinationtherapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) und einem Nukleos(t)idanalogon (NA) kann derzeit nicht empfohlen werden. Eine zusätzliche Therapie mit PEG-IFN zu einer NA-Therapie („Add on“) oder einer Umstellung einer NA-Therapie auf PEG-IFN („Switch“) kann nicht empfohlen werden.
5.5. Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Empfehlung 5.12

Geprüft 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Die quantitative Bestimmung der HBV-DNA sollte im ersten Jahr der Therapie alle 3 Monate erfolgen. Nach dem ersten Jahr und bei virologischem Ansprechen kann das Kontrollintervall bei Therapie mit Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) auf 6 Monate verlängert werden.

Empfehlung 5.13

Neu 2020

Empfehlung


Bei Patienten mit Leberzirrhose sollte die HBV-DNA nach 48 Wochen unterhalb der Nachweisgrenze liegen oder nicht quantifizierbar sein.

Empfehlung 5.14

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Die quantitative Bestimmung des HBsAg kann zur Vorhersage eines HBsAg-Verlustes sinnvoll sein.
5.6. Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Empfehlung 5.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei persistierender HBV-DNA < 2.000 IU/mL unter Behandlung mit Tenofovir (TDF oder TAF) oder ETV braucht keine Anpassung der Behandlung erfolgen, wenn keine Zirrhose und kein Anhalt für Resistenz oder Nicht-Ansprechen vorliegt. Bei partiellem Therapieansprechen oder Nonresponse soll zunächst die Therapieadhärenz des Patienten überprüft werden.

Empfehlung 5.16

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine Testung auf HBV-Varianten, die mit einer Nukleos(t)id-Analogaresistenz assoziiert sind, kann erfolgen.

Empfehlung 5.17

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei partiellem Therapieansprechen oder Nichtansprechen (Nonresponse) oder Resistenz soll eine Therapieanpassung geprüft werden:

  • Wurde ein Nukleosid-Analogon (Lamivudin, Entecavir, Telbivudin) eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Wurde Adefovir eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.

Empfehlung 5.19

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


  • Wurde Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt, kann eine Therapieumstellung auf Entecavir erfolgen oder ein Nukleosid-Analogon (vorzugsweise ETV) zusätzlich gegeben werden.
5.7. Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Empfehlung 5.20

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Auswahl der antiviralen Therapie sowie der Überwachungsintervalle sollen Komorbiditäten berücksichtigt werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.21

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die Nierenfunktion soll vor Therapie und regelmäßig während der Therapie überwacht werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.22

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Therapie mit Lamivudin oder Telbivudin (NA mit geringer Resistenzbarriere) kann bei optimalem Therapieansprechen fortgesetzt werden.

Empfehlung 5.23

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine Therapie mit TDF sollte bei einem Abfall der glomerulären Filtrationsrate (GFR), beim Auftreten einer Tubulopathie, bei einer Hypophosphatämie < 1 mg/dl und bei Frakturrisiko auf ein anderes NA umgesetzt werden. 

Empfehlung 5.24

Neu 2020

Starker Konsens


Vortherapien und Resistenzen sollen bei der Wahl des NA beachtet werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
5.8. Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Empfehlung 5.25

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga soll nur nach Rücksprache mit einem in der Therapie der Hepatitis B erfahrenen Arzt und unter engmaschigen Kontrollen beendet werden. Dabei sollten HBsAg-, HBeAg-Statuts, Komorbidität (Immunsuppression), Dauer der HBV-DNA-Suppression und Stadium der Leberfibrose berücksichtigt werden.

Empfehlung 5.26

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga kann beendet werden, wenn ein HBsAg-Verlust erreicht ist.

[NKLM]

Empfehlung 5.27

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Bei HBeAg-positiven Patienten kann eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga 12 Monate nach HBeAg-Verlust und Anti-HBe-Serokonversion beendet werden.

Empfehlung 5.28

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Vor Beendigung der Therapie sollte die HBV-DNA negativ bzw. nicht quantifizierbar sein.

Empfehlung 5.29

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Leberzirrhose sollte ausgeschlossen sein.

Empfehlung 5.30

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Konsens


Bei HBeAg-negativen Patienten ohne fortgeschrittene Leberfibrose kann eine Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga vor HBsAg-Verlust beendet werden, wenn die HBV-DNA mindestens 3 Jahre negativ bzw. nicht quantifizierbar war und eine engmaschige Kontrolle nach Therapiestopp gewährleistet ist.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
5.9. Wie sollen HBV-Patienten mit Leberzirrhose antiviral behandelt werden?

Empfehlung 5.31

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Alle Patienten mit Leberzirrhose und nachweisbarer HBV-DNA sollen antiviral behandelt werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.32

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Als Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt werden.

Empfehlung 5.33

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei der Auswahl der Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Vortherapien und Komorbidität (MELD-Score, Niereninsuffizienz, Osteopenie, Osteoporose) berücksichtigt werden. Eine PEG-IFN-Therapie kann bei Patienten mit Child-A Zirrhose eingesetzt werden.

Empfehlung 5.34

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh B und C) sollen Nukleosid- oder Nukleotidanaloga eingesetzt werden.

Empfehlung 5.35

Neu 2020

Starker Konsens


(PEG-) Interferon alfa ist kontraindiziert.
5.10. Wie sollen Patienten mit extrahepatischen Manifestationen behandelt werden?

Empfehlung 5.36

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit extrahepatischen Manifestationen einer Hepatitis-B-Virus-Infektion sollten mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga behandelt werden.

Empfehlung 5.37

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Therapie sollte in diesem Fall mindestens bis 12 Monate nach Abklingen der Symptome fortgesetzt werden. Generell sollen die Regeln zur Therapiebeendigung wie unter "Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?" angewendet werden.
5.11. Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?

Empfehlung 5.38

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Therapie einer chronischen Hepatitis B-Virusinfektion mit pegyliertem Interferon alfa bei Hämodialyse-Patienten soll aufgrund der erhöhten Nebenwirkungsrate und der geringen Studiendaten und verfügbarer Alternativen nicht erfolgen.

Empfehlung 5.39

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Aufgrund der häufigen Komorbiditäten von Dialysepatienten soll eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga bevorzugt werden. Bei allen NA soll konsequent die Dosisanpassung an die Nierenfunktion beachtet werden.
5.12. Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Empfehlung 5.40

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei HBsAg-positiven Patientinnen soll eine regelmäßige (mindestens alle 3 Monate) Bestimmung von ALT und HBV-DNA während der Schwangerschaft und mindestens bis 6 Monate nach Entbindung durchgeführt werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.41

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Sollte eine Patientin während einer antiviralen Therapie schwanger werden, soll die Behandlungsindikation überprüft werden.

Empfehlung 5.42

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit Lamivudin (LAM), Telbivudin (TVD) oder Tenofovir (TDF) kann fortgesetzt werden.

Empfehlung 5.43

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit pegyliertem Interferon alfa soll abgesetzt bzw. umgestellt werden.

Empfehlung 5.44

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit Entecavir oder Adefovir soll umgestellt werden. 

Empfehlung 5.45

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Umstellung sollte auf Tenofovir (TDF) erfolgen.

Empfehlung 5.46

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Konsens


Wurde bisher keine antivirale Therapie durchgeführt, soll eine Therapie während der Schwangerschaft angeboten werden bei:
a) Aktiver Hepatitis, gemäß den Empfehlungen für nicht schwangere Frauen.

Empfehlung 5.47

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Konsens


b) Vorliegen einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/mL, um das Risiko einer vertikalen Transmission (Mutter-Kind Übertragung) zu reduzieren.

[NKLM, Klug entscheiden]

Empfehlung 5.48

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine Therapie zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollte möglichst früh, idealerweise vor der 32. Schwangerschaftswoche aber nach dem 1. Trimenon begonnen werden.

Empfehlung 5.49

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Nukleos(t)idanaloga, die bei Schwangeren untersucht wurden, sind Lamivudin, Telbivudin und Tenofovir (TDF). Tenofovir (TDF) sollte bevorzugt eingesetzt werden.

Empfehlung 5.50

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Schwangere soll über die Vorteile und möglichen Risiken der NA-Therapie aufgeklärt werden.

Empfehlung 5.51

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Während der antiviralen Therapie mit den empfohlenen Nukleos(t)idanaloga kann das Kind gestillt werden. 

Empfehlung 5.52

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Mutter soll über die bislang wenig bekannten Risiken einer geringen Nukleos(t)idanaloga-Exposition der Kinder aufgeklärt werden.
5.13. Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Empfehlung 5.53

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei malignen Grunderkrankungen mit geplanter Chemotherapie oder vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie sollen HBsAg und Anti-HBc bestimmt werden.

[NKLM, Klug entscheiden, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV]

Empfehlung 5.54

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1, 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


Die Einschätzung über die Notwendigkeit einer antiviralen Therapie zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung soll abhängig von der vorliegenden Serologie (HBsAg+/Anti-HBc+ oder HBsAg- /Anti-HBc+) und der geplanten medikamentösen Therapie (Risiko-Klasse) erfolgen (Abb. "Algorithmus zur Prävention der Hepatitis-B-Reaktivierung")

a) sAg+-Patienten mit hohem Risiko (Reaktivierungsrate > 10 %) sollen mit Nukleos(t)idanaloga antiviral behandelt
werden [1, A], Patienten mit moderatem Risiko (Reaktivierungsrate 1–10 %) sollten behandelt werden. HBsAg+-Patienten mit niedrigem Risiko (< 1 %) sollen mindestens alle 8 Wochen kontrolliert werden und können ggfs. auch prophylaktisch antiviral behandelt werden.

Empfehlung 5.55

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


b) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten sollten bei geplanter B-Zell depletierender Immunsuppression oder Stammzell-/ Knochenmarktransplantation antiviral behandelt werden; bei Immunsuppression mit moderatem oder niedrigem Reaktivierungsrisiko sollen engmaschige Kontrollen erfolgen  oder es kann eine prophylaktische antivirale Therapie eingesetzt werden.

Empfehlung 5.56

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


c) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten mit geplanter lokaler HCC-Therapie (TACE, perkutan/lokal ablative Verfahren,
Resektion) sollten antiviral zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung behandelt werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 5.57

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung sollten vorzugsweise hochpotente Nukleos(t)id-Analoga (Entecavir oder Tenofovir (TAF oder TDF)) eingesetzt werden. Die antivirale Therapie sollte mindestens 6-12 Monate, bei B-Zell depletierenden Medikamenten mindestens 18 Monate nach Beendigung der immunsuppressiven Therapie fortgeführt werden.
6.1. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Empfehlung 6.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit HBV-induzierter Leberzirrhose und/oder HCC und nachweisbarer HBV-DNA sollen umgehend und dauerhaft mit einem hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Empfehlung 6.2

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


HBsAg-positive Patienten mit negativer HBV-DNA sollen engmaschige HBV-DNA-Kontrollen (ca. alle 3 Monate) erhalten, eine antivirale Therapie ist in der Regel nicht erforderlich.

Empfehlung 6.3

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Kommt es bei Patienten auf der Transplantationswarteliste im Verlauf der antiviralen Therapie zu einer Rekompensation der HBV-induzierten Leberzirrhose ins Stadium Child A und liegt kein hepatozelluläres Karzinom (HCC) vor, soll die Indikation zur LTx erneut überprüft werden.

Empfehlung 6.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ein HCC-Screening soll mindestens alle 6 Monate durchgeführt werden.
6.2. Was versteht man unter einer HBV-Reinfektion?

Empfehlung 6.5

Geprüft 2020

Starker Konsens


Definition

Die HBV-Reinfektion des Lebertransplantates wird durch die Persistenz oder das Wiederauftreten von HBsAg im Serum angezeigt.

Empfehlung 6.6

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die HBV-Reinfektion geht in aller Regel mit einer histologisch nachweisbaren Transplantathepatitis einher.
6.3. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Empfehlung 6.7

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Reinfektionsprophylaxe ist bei Patienten mit HBV-Infektion obligat und soll initial mit einer Kombination aus einem hoch-potenten Nukleos(t)id-Analogon (NA) plus Hepatitis B-Immunglobulin (HBIG) erfolgen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 6.8

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Prophylaxe soll in der anhepatischen Phase der LTx beginnen und die HBIG-Dosierung anhand der Anti-HBs-Konzentrationen titriert werden. Ein Anti-HBs-Spiegel von 100 IU/l sollte nicht unterschritten werden.

Empfehlung 6.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit NA-Resistenz zum Zeitpunkt der LTx soll die Prophylaxe mit einem gegen die resistente HBV-Variante wirksamen NA in Kombination mit HBIG durchgeführt werden.

Empfehlung 6.10

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine Umstellung auf eine alleinige orale Prophylaxe mit einem potenten NA unter Verzicht auf HBIG kann im Verlauf nach LTx bei ausreichender Adhärenz und stabil HBsAg-negativen Patienten mit niedrigem Rezidivrisiko (siehe Hintergrund*) erfolgen. (Tabelle "Empfehlung zur Prophylaxe der HBV-Reinfektion nach OLT")

[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

* Voraussetzungen für einen alleinige NA Reinfektionsprophylaxe: keine hohe HBV Replikation zum Zeitpunkt der LTx, keine HIV oder HDV Koinfektion und kein HCC vor Transplantation

Empfehlung 6.11

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine aktive HBV-Impfung kann unter Fortführung der Prophylaxe im Langzeitverlauf nach LTx versucht werden.

Empfehlung 6.12

2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit Zustand nach HBV-Infektion (Anti-HBc positiv) sollen auf HBV-DNA untersucht werden. Bei negativer HBV-DNA soll keine prophylaktische Therapie erfolgen. Eine HBV-Impfung sollte durchgeführt werden, sofern die Anti-HBs Konzentrationen <100 IU betragen. 
6.4. Wie ist das therapeutische Vorgehen bei nachgewiesener HBV-Reinfektion?

Empfehlung 6.13

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei bestätigter HBV-Reinfektion soll die HBIG-Therapie beendet werden und eine dauerhafte antivirale Therapie mit einem potenten NA (ETV, TDF, TAF) durchgeführt werden.

Empfehlung 6.14

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei fehlendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung soll eine Modifikation der Therapie entsprechend der Empfehlungen der AG3 erfolgen.
6.5. Wie ist das Management von HBV-infizierten Patienten mit kombinierter Organtransplantation (z. B. Leber plus Niere)?

Empfehlung 6.15

Geprüft 2020

Starker Konsens


Das Management vor und nach Leber-Nieren-Transplantation unterscheidet sich nicht von dem Vorgehen bei Patienten mit alleiniger LTx.

Empfehlung 6.16

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die Dosierung überwiegend renal-eliminierter Medikamente soll an die Nierentransplantat-Funktion angepasst werden. 
6.6. Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Empfehlung 6.17

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Vor einer geplanten Organtransplantation sollen alle Patienten auf das Vorliegen einer aktuellen oder zurückliegenden HBV-Infektion untersucht werden.

Empfehlung 6.18

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die HBV-Infektion stellt bei entsprechender Prophylaxe bzw. antiviraler Therapie keine Kontraindikation für eine Organtransplantation dar.

Empfehlung 6.19

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit isoliert positiven Anti-HBc Antikörperstatus sollten auf HBV-DNA untersucht werden.

Empfehlung 6.20

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer HBV-Infektion soll eine weitere Diagnostik entsprechend der üblichen diagnostischen Empfehlungen bei HBV-Infektion durchgeführt werden.

Empfehlung 6.21

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer Hepatitis B sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral behandelt werden.
6.7. Wie ist das Management von Patienten mit positiver HBV-Serologie nach Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber)? Wann, wie und bei wem wird eine Prophylaxe durchgeführt?

Empfehlung 6.22

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Unabhängig vom Stadium und der Aktivität der HBV-Infektion sollen alle HBsAg- bzw. HBV-DNA positiven Patienten eine dauerhafte antivirale Therapie mit hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) erhalten. Der Beginn der Therapie erfolgt spätestens zum Zeitpunkt der Transplantation.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 6.23

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBc-positiven bzw. Anti-HBc- plus Anti-HBs-positiven Patienten (Zustand nach HBV-Infektion) soll ein regelmäßiges Monitoring auf HBsAg und HBV-DNA erfolgen. Eine prophylaktische antivirale Therapie braucht nicht regelhaft durchgeführt zu werden.
6.8. Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Empfehlung 6.24

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Vor einer geplanten SZT sollen alle Patienten auf das Vorliegen einer HBV-Infektion mittels HBsAg-, Anti-HBc- und Anti-HBs-Testung untersucht werden. Bei Nachweis einer HBV-Infektion (HBsAg-positiv), soll eine weitere Diagnostik entsprechend der Empfehlungen (siehe "Diagnostik der Hepatitis B-Virusinfektion") durchgeführt werden.

Empfehlung 6.25

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die HBV-Infektion stellt bei antiviraler Prophylaxe oder Therapie keine Kontraindikation zur SZT dar.

Empfehlung 6.26

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral mit NA behandelt werden.

Empfehlung 6.27

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei niedrig-replikativer HBeAg-negativer HBV-Infektion soll zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden.

Empfehlung 6.28

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Prophylaxe sollte spätestens mit Beginn der myeloablativen Chemotherapie erfolgen.

Empfehlung 6.29

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei HBsAg-negativen Patienten mit Zustand nach HBV-Infektion (Anti-HBc ± Anti-HBs positiv) sollte zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT ebenfalls eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden (siehe auch "Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?").



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 6.30

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die prophylaktische antivirale Therapie sollte mindestens 12 Monate über die Immunrekonstitution (Ende der Chemotherapie) hinaus fortgeführt werden.

Empfehlung 6.31

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Der Versuch eines adoptiven Immuntransfers durch Hepatitis-B-Impfung des Spenders kann erwogen werden.

Empfehlung 6.32

Geprüft 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei Anti-HBs-positivem Spender und isoliert Anti-HBc-positivem Empfänger kann auf eine prophylaktische antivirale Therapie verzichtet werden. 

Empfehlung 6.33

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ohne Prophylaxe sollen jedoch nach SZT engmaschige Kontrollen der HBV-DNA (ca. alle 4 Wochen) erfolgen und bei messbarer HBV-DNA umgehend eine antivirale Therapie mit NA erfolgen.
6.9. Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?

Empfehlung 6.34

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation (HBsAg-positiv) soll unabhängig von der Aktivität der Erkrankung eine antivirale Therapie mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) begonnen werden.

Empfehlung 6.35

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine PEG-IFN-Therapie soll nicht eingesetzt werden.
6.10. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Empfehlung 6.36

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HBs-negativem Empfänger soll eine Prophylaxe mit einem NA durchgeführt werden. Eine kombinierte Prophylaxe mit HBIG + NA sollte nicht erfolgen. Die Prophylaxe mit einem NA sollte dauerhaft durchgeführt werden. Sofern die Prophylaxe beendet wird, sollen regelmäßige Kontrollen von HBsAg und HBV-DNA erfolgen werden.

Empfehlung 6.37

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBs-positivem Empfänger ist das Risiko der HBV-Reaktivierung geringer als bei Anti-HBs-negativen Empfängern. Dennoch sollte eine Prophylaxe mit einem NA auch bei diesen Patienten erfolgen.
Die Prophylaxe (Empfehlung 6.36 und 6.37) sollte mit dem Zeitpunkt der Transplantation beginnen.

Empfehlung 6.38

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei kombiniert Anti-HBs- und Anti-HBc-positiven Empfängern ist das Risiko einer HBV- Reaktivierung besonders gering. Hier kann der Verzicht auf eine Prophylaxe erwogen werden und stattdessen engmaschige Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg erfolgen. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll dann umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.

Empfehlung 6.39

Modifiziert 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine Prophylaxe mit HBIG und/oder einem NA sollte unabhängig vom Anti-HBs-Status des Transplantatempfängers aufgrund des insgesamt geringen Risikos der HBV-Infektion nicht erfolgen. Es sollten Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg im Verlauf durchgeführt werden. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.
6.11. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Empfehlung 6.40

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Die Transplantation von Organen eines HBsAg-positiven Spenders kann in Einzelfällen bei Zustimmung des Empfängers erwogen werden.

Empfehlung 6.41

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Alle Patienten, die eine Lebertransplantation eines HBsAg-positiven Spenders erhalten, sollen dauerhaft mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Empfehlung 6.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei allen anderen Organtransplantationen (nicht Lebertransplantation, inkl. SZT) eines HBsAg-positiven Spenders soll die Prophylaxe initial kombiniert mit HBIG plus potentem NA erfolgen (siehe Empfehlung 6.7).

Empfehlung 6.43

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer Stammzelltransplantation eines HBsAg-positiven Spenders soll zusätzlich der Spender möglichst frühzeitig vor der Transplantation mit einem hochpotenten NA behandelt werden.

Empfehlung 6.44

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einer Hepatitis-Delta Virus-Infektion sollten keine HBsAg-positive Spenderleber erhalten.
6.12. Wer sollte vor einer Organtransplantation gegen HBV geimpft werden?

Empfehlung 6.45

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einem Anti-HBs-Spiegel <100 U/l sollen so früh wie möglich vor einer geplanten Organ-Tx unter Ausnutzung aller Strategien zur Steigerung des Impfansprechens gegen Hepatitis B geimpft werden.

Empfehlung 6.46

2020

Evidenzlevel 5

Empfehlungsgrad B


Eine Booster-HBV-Impfung sollte bei Patienten mit einem Anti-HBs-Konzentrationen ≥ 10 und < 100 U/l durchgeführt werden.

siehe "Wie ist bei Personen zu verfahren, deren Anti-HBs-Konzentration 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung 10 – 99 IU/l beträgt (gesunde Lowresponder)?"
7.1. Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?

Empfehlung 7.1

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) sollen geimpft werden:

Empfehlung 7.2

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


a) alle Säuglinge ab dem vollendeten 2. Lebensmonat,

Empfehlung 7.3

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


b) alle Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg- Status innerhalb von 12 Stunden,

Empfehlung 7.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


c) alle noch nicht geimpften Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, möglichst vor Beginn der Pubertät,

[NKLM]

Empfehlung 7.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


d) alle in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten Personen mit erhöhtem Hepatitis-B-Risiko (Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020").

[NKLM]
7.2. Wann sollte die Impfung gegen Hepatitis B durchgeführt werden?

Empfehlung 7.6

2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Impfung sollte durchgeführt werden:

Empfehlung 7.7

2020

Empfehlung

Starker Konsens


a) bei Säuglingen ab dem vollendeten 2. Lebensmonat 

Empfehlung 7.8

2020

Empfehlung

Starker Konsens


b) bei Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg- Status innerhalb von 12 Stunden nach Geburt (s. Postexpositionsprophylaxe)

Empfehlung 7.9

2020

Empfehlung

Starker Konsens


c) bei noch nicht geimpften Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, möglichst vor Beginn der Pubertät

Empfehlung 7.10

2020

Empfehlung

Starker Konsens


d) bei Hepatitis-B-gefährdetem Personal im Gesundheits- und Rettungsdienst vor Aufnahme der Berufsausbildung 

Empfehlung 7.11

2020

Empfehlung

Starker Konsens


e) bei Medizin- und Zahnmedizinstudenten vor Beginn des Studiums bzw. des Krankenpflegediensts 

Empfehlung 7.12

2020

Empfehlung

Starker Konsens


f) bei Patienten vor geplanter Transplantation

Empfehlung 7.13

2020

Empfehlung

Starker Konsens


g) bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit vor Eintritt der Dialysepflichtigkeit

Empfehlung 7.14

2020

Empfehlung

Starker Konsens


h) bei Patienten mit HIV-Infektion möglichst frühzeitig nach Erst-Diagnose; bei Nichtansprechen bereits immunsupprimierter Patienten sollte nach Erreichen einer Immunrekonstitution unter antiretroviraler Therapie die Impfung wiederholt werden

Empfehlung 7.15

2020

Empfehlung

Starker Konsens


i) bei Patienten in Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Pflegeheime, psychiatrischen Einrichtungen) und Bewohnern von Fürsorgeeinrichtungen für Zerebralgeschädigte oder Verhaltensgestörte vor Aufnahme in die Einrichtung

Empfehlung 7.16

2020

Empfehlung

Starker Konsens


j) bei Personen nach Verletzungen mit möglicherweise erregerhaltigen bzw. – kontaminierten Gegenständen (z.B. Nadelstichverletzung) oder nach Kontakt von Schleimhaut oder verletzter Haut mit erregerhaltigem Material sobald wie möglich (innerhalb von 48 Stunden nach Exposition) (s. Postexpositionsprophylaxe)

Empfehlung 7.17

2020

Empfehlung

Starker Konsens


k) bei allen anderen Personen zum Zeitpunkt ihrer Zuordnung zu einer Risikogruppe

[NKLM]
7.3. Ist es vor einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob bereits Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus stattgefunden hat?

Empfehlung 7.18

Geprüft 2020

Starker Konsens


Eine Testung auf Hepatitis-B-Marker vor der Impfung ist aus medizinischen Gründen nicht notwendig.

[NKLM]

Empfehlung 7.19

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0


Eine Untersuchung auf Anti-HBc kann bei Angehörigen von Risikogruppen (wie in der Liste der STIKO aufgeführt) und bei Personen oder deren Nachkommen aus hochendemischen Gebieten sinnvoll sein, wenn das erhöhte Risiko schon seit längerer Zeit (Jahren) besteht * Cornberg, M., Protzer, U., Dollinger, M., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., et.al. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-(HBV-)Infektion: „Upgrade” der Leitlinie, AWMF-Register-Nr.: 021/011. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2007. 45(6): p. 525-574., http://dx.doi.org/10.1055/s-2007-963232.
7.4. Ist es nach einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob die Impfung erfolgreich war?

Empfehlung 7.20

Geprüft 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei geimpften Personen, die keiner spezifischen Risikogruppe angehören, gesund und jünger als 40 Jahre sind, braucht eine Erfolgskontrolle nach der Impfung nicht durchgeführt zu werden.

Empfehlung 7.21

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Testung auf Anti-HBs sollte bei allen in Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]" genannten Personen durchgeführt werden.

Empfehlung 7.22

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Testung kann erwogen werden bei nicht in Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]" aufgeführten Personen, die älter als 40 Jahre sind.
7.5. Ist nach erfolgreicher Impfung gegen Hepatitis B eine Auffrischimpfung notwendig?

Empfehlung 7.23

Modifiziert 2020

Starker Konsens


Nach derzeitigem Wissenstand kann man nach einer erfolgreichen Grundimmunisierung (Anti- HBs 4-8 Wochen nach letzter Impfung ≥100 IU/l) von einem langjährigen, möglicherweise sogar lebenslangen Schutz vor einer Hepatitis-B-Erkrankung ausgehen.

[NKLM]

Empfehlung 7.24

Modifiziert 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei im Säuglings- oder Kleinkindesalter Geimpften ohne besonderes Hepatitis-B-Risiko braucht eine Auffrischimpfung nicht zu erfolgen.
Tritt im späteren Leben ein erhöhtes Risiko ein (z.B. Ausbildung bzw. Tätigkeit in einem medizinischen Beruf), sollte eine Auffrischimpfung und eine anschließende serologische Kontrolle durchgeführt werden.

Empfehlung 7.25

Modifiziert 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Für Personen, die wegen eines in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten erhöhten Risikos (Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]") erfolgreich geimpft wurden (Anti-HBs 4-8 Wochen nach letzter Impfung ≥100 IU/l), braucht vor dem Hintergrund der epidemiologischen Situation in Deutschland gegenwärtig eine generelle Auffrischimpfung nicht zu erfolgen.
Bei besonders hohem Expositionsrisiko sollte allerdings nach 10 Jahren eine Kontrolle des Anti-HBs-Wertes und gegebenenfalls (wenn Anti-HBs <100 IU/l) eine Auffrischimpfung durchgeführt werden.
7.6. Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?

Empfehlung 7.26

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Personen, deren Anti-HBs-Konzentrationen 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung <10 IU/l betragen („Nonresponder“), sollen nach Ausschluss einer HBV-Infektion (HBsAg, Anti- HBc) erneut geimpft werden.
7.7. Wie ist bei Personen zu verfahren, deren Anti-HBs- Konzentration 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung 10 – 99 IU/l beträgt (gesunde Lowresponder)?

Empfehlung 7.27

Geprüft 2020

Evidenzlevel 5

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Personen, deren Anti-HBs-Konzentration 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung 10- 99 IU/l beträgt („Lowresponder“), sollten entsprechend den Empfehlungen der STIKO eine sofortige Wiederimpfung erhalten; Anti-HBs sollte nach 4 bis 8 Wochen erneut bestimmt werden.
7.8. Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?

Empfehlung 7.28

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei immunsupprimierten bzw. immundefizienten Personen sollte eine erhöhte Dosis (doppelte Dosis bzw. Dosis für Dialysepflichtige) verabreicht werden.

Empfehlung 7.29

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Dialysepatienten sollte wie bei allen immunsupprimierten bzw. immundefizienten Personen die Gabe einer erhöhten Dosis (doppelte Dosis bzw. Dosis für Dialysepflichtige) bzw. ein speziell für diese Patientengruppe vorgesehener stärker adjuvantierter Impfstoff verabreicht werden.

Empfehlung 7.30

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Eine Kontrolle des Impferfolgs sollte erfolgen. Besteht ein erhöhtes Hepatitis-B-Risiko, sollte Anti-HBs jährlich kontrolliert werden. 

Empfehlung 7.31

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Absinken von Anti-HBs auf Werte < 100 IU/l sollte eine Auffrischimpfung erfolgen.

Empfehlung 7.32

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit HIV-Infektion sollten bei noch intakter Immunfunktion normal geimpft werden. Der Impferfolg sollte kontrolliert werden; bei Nichtansprechen sollten weitere Impfungen durchgeführt werden.

Empfehlung 7.33

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Bei HIV-Patienten mit Immundefekt sollte eine erhöhte Impfdosis verabreicht werden. Bei Nonrespondern sollte nach Einleitung einer ART und Verbesserung der Zahl der CD4-positiven Zellen sowie Abnahme der Viruslast die Impfung erneut versucht werden.
7.9. Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Empfehlung 7.34

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Neugeborene HBsAg-positiver Mütter sollen innerhalb von 12 Stunden nach Geburt aktiv-passiv (aktive Impfung plus Hepatitis-B-Immmunglobulin) immunisiert werden.

Empfehlung 7.35

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Schwangeren mit einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/ml soll eine antivirale Therapie angeboten werden, um das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung zusätzlich zur Postexpositionsprophylaxe zu reduzieren (siehe "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Empfehlung 7.36

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Sectio ausschließlich zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung soll nicht durchgeführt werden, wenn die HBV-DNA-Konzentration der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt <200.000 IU/ml ist und das Neugeborene aktiv-passiv geimpft wird.
7.10. Wie ist bei nicht gegen Hepatitis B Immunen im Falle eines Kontakts mit HBV-haltigem Material zu verfahren?

Empfehlung 7.37

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B


Nach Viruskontakt sollte so früh wie möglich, auf jeden Fall innerhalb von 48 Stunden, eine aktiv-passive Immunisierung erfolgen.
7.11. Gibt es Sicherheitsbedenken oder Kontraindikationen gegen eine Hepatitis-B- Impfung?

Empfehlung 7.38

Geprüft 2020

Starker Konsens


Der Hepatitis-B-Impfstoff ist sehr gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen oder Komplikationen, über die speziell aufgeklärt werden müsste oder weswegen bestimmte Personen nicht geimpft werden können, sind wissenschaftlich nicht belegt.

Empfehlung 7.39

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Personen mit hochfieberhaften und/oder behandlungsbedürftigen, akuten Erkrankungen sollten nicht geimpft werden.

Empfehlung 7.40

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Personen, die nach einer vorangegangenen Impfung mit einem Hepatitis-B-Impfstoff Zeichen einer Überempfindlichkeit oder andere ungeklärte unerwünschte Wirkungen gezeigt haben, sollten nicht geimpft werden.
7.12. Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Empfehlung 7.41

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei HBV-DNA-Konzentrationen <200 IU/ml sind keine Einschränkungen der Tätigkeit und keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Kontrollen der HBV-DNA sollen alle 3 Monate durchgeführt werden.

Empfehlung 7.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Werten zwischen 200 und 20.000 IU/ml soll eine individuelle Bewertung des Übertragungsrisikos je nach Tätigkeit erfolgen und ggf. Maßnahmen zur Senkung der Übertragungsgefahr ergriffen werden.

Empfehlung 7.43

Neu 2020

Starker Konsens


Konstant hohe HBV-DNA-Konzentrationen von >20.000 IU/ml sind mit einer übertragungsträchtigen Tätigkeit gemäß Empfehlung der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) nicht vereinbar.
8.1. Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Empfehlung 8.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Der Einsatz von pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) soll bei allen Patienten mit chronischer HBV/HDV-Koinfektion und einer kompensierten Lebererkrankung geprüft werden.

Empfehlung 8.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Die Therapiedauer mit PEG-IFN sollte mindestens 48 Wochen betragen.

Empfehlung 8.3

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Therapieverlängerung kann bei einem Abfall des HBsAg und guter Verträglichkeit mit dem Ziel eines HBsAg-Verlustes erwogen werden.

Empfehlung 8.4

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei nachweisbarer HBV-Replikation können Nukleos(t)id-Analoga (NA) gegen HBV eingesetzt werden.

Empfehlung 8.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose oder akuter fulminanter Hepatitis D sollen für eine Lebertransplantation evaluiert werden.
8.2. Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Empfehlung 8.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine replikative Hepatitis C (HCV-RNA positiv) soll bei allen HBsAg-positiven Personen antiviral behandelt werden. Die Auswahl des Therapieregimes erfolgt analog zur HCV-Monoinfektion. Die Indikation zur Therapie der HBV-Infektion erfolgt analog zur Therapieindikation bei der HBV-Monoinfektion (siehe "Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?").



[Leitlinienadaptation DGVS HCV-Leitlinie]

Empfehlung 8.7

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen HBsAg-positiven Patienten soll während und nach der HCV-Therapie eine Überwachung der HBV-DNA und ALT durchgeführt werden. 

Empfehlung 8.8

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine prophylaktische Therapie zur Verhinderung einer HBV-Reaktivierung braucht i.d.R. nicht zu erfolgen.

Empfehlung 8.9

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie der HBV-Infektion sollte bei einer klinisch relevanten Reaktivierung erfolgen.

Empfehlung 8.10

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A


Wird eine antivirale Therapie der HCV-Infektion bei Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Personen durchgeführt, soll eine HBV-DNA-Testung bei Verdacht auf eine HBV-Reaktivierung erfolgen.

Empfehlung 8.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HCV-positiven/HCV-RNA negativen Personen soll die Indikationsstellung zur Therapie der HBV-Infektion analog zu Anti-HCV-negativen Personen erfolgen.
8.3. Wie sollte die antivirale Therapie bei HBV/HCV/HDV-Dreifach-Infektionen durchgeführt werden?

Empfehlung 8.12

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die Therapie orientiert sich an der dominanten Virushepatitis und entspricht den bei HBV/HDV- und HBV/HCV-Doppel-Infektionen etablierten Prinzipien.
8.4. Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Empfehlung 8.13

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die chronisch-replikative Hepatitis B (HBV-DNA positiv) soll bei HIV-Koinfizierten antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 8.14

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die HBV-Therapie soll im Rahmen einer antiretroviralen HIV-Therapie erfolgen. Die antiretrovirale Therapie soll Tenofovir (TDF oder TAF) enthalten.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 8.15

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Therapieüberwachung und Therapieanpassungen sollten unter Beachtung der HIV-Koinfektion entsprechend den Empfehlungen bei HBV-Monoinfizierten durchgeführt werden.
9.1. Wie wird die Diagnose gestellt?

Empfehlung 9.1

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Diagnostik der Hepatitis B im Kindesalter soll sich an der Diagnostik im Erwachsenenalter orientieren (siehe Kapitel "Diagnostik der Hepatitis-B-Virusinfektion") und mindestens die Bestimmung von HBsAg, HBeAg, Anti-HBe, Anti-HBc und HBV-DNA sowie der Transaminasen umfassen.

Empfehlung 9.2

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0


Eine Leberbiopsie braucht nicht durchgeführt zu werden.

[NKLM]
9.2. Welche Therapiemöglichkeiten und -ziele bestehen bei einer Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter?

Empfehlung 9.3

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter sollte nicht behandelt werden.

Empfehlung 9.4

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Eine Ausnahme stellt die fulminante Hepatitis dar. Hier sollte eine Behandlung mit einem zugelassenen Nukleos(t)idanalogon erwogen werden.

Empfehlung 9.5

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Eine Ausnahme stellt die fulminante Hepatitis dar. Hier sollte eine Behandlung mit einem zugelassenen Nukleos(t)idanalogon erwogen werden.

Empfehlung 9.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0


Bei chronischer Hepatitis B kann eine Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaptation AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 9.7

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei chronischer Hepatitis B kann eine Behandlung erfolgen [2, 0*]. Das primäre Therapieziel bei der Behandlung der chronischen Hepatitis B bei Kindern und Jugendlichen ist die Serokonversion zu Anti-HBe. In Europa sind Tenofovir (TDF) ab 12 Jahren und Entecavir ab 2 Jahren zugelassen. Mit pegyliertem Interferon (PEG-IFN) kann ab 3 Jahren behandelt werden.

Empfehlung 9.8

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Indikationsstellung zur Behandlung und deren Überwachung sollte von einem in diesem Gebiet erfahrenen Kinder-Gastroenterologen oder -Infektiologen erfolgen.

Empfehlung 9.9

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Bei wiederholt normaler ALT sollte keine Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaptation AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 9.10

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Kinder und Jugendliche mit gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie können im Indikationsfall mit einem Nukleos(t)idanalogon behandelt werden.
9.3. Welche prophylaktischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Empfehlung 9.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen oder eine Berufsausbildung/Berufsausübung (unter Berücksichtigung der Empfehlungen "Immunprophylaxe der Hepatitis-B") soll im Regelfall nicht eingeschränkt oder verwehrt werden.

Empfehlung 9.12

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A


Im Falle einer HBV-Infektion soll:

  • Eine Aufklärung zu Transmissionsrisiko und Übertragungswegen erfolgen.
  • Eine aktive Immunisierung der in Gemeinschaftseinrichtungen lebenden Gruppenmitglieder und des Betreuungspersonals gemäß STIKO-Empfehlungen erfolgen.
  • Bei HBsAg-positiven Müttern die aktive und passive Immunisierung des Neugeborenen innerhalb von 12 Stunden nach der Entbindung erfolgen.
  • Eine aktive Immunisierung von Personen (und Sexualpartnern), die im gemeinsamen Haushalt leben, und von engen Freunden durchgeführt werden.

Neue und modifizierte Empfehlungen

3.1. Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Empfehlung 3.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen Schwangeren soll ein HBsAg-Screening erfolgen.

[NKLM]
3.2. Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Empfehlung 3.7

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Verdacht auf eine chronische Hepatitis B:

  • sollen die HBV-Viruslast (HBV-DNA) und der HBeAg / Anti-HBe Status bestimmt werden (siehe Tabelle 2).
  • kann quantitatives HBsAg zur besseren Differenzierung der Phase und zur Beurteilung der Prognose der HBV-Infektion bestimmt werden (siehe Empfehlung 5.14).   
[NKLM]
3.3. Welche ergänzende Diagnostik ist bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion erforderlich?

Empfehlung 3.8

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion sollen zusätzlich folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Anamnese (inkl. Risikofaktoren, Familien-, Partneranamnese), körperliche Untersuchung
  • Ausschluss einer Koinfektion mit HCV, HDV und HIV
  • Hepatitis-A-Immunstatus (Frage Impfung)
  • Ausschluss einer Hepatitis-E-Virusinfektion
  • Klinisch-chemische Labortests
  • Ultraschall des Abdomens
[NKLM]
3.4. Wann ist eine Hepatitis Delta Virus-Diagnostik indiziert? Wie wird eine Hepatitis Delta diagnostiziert?

Empfehlung 3.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Hepatitis-Delta-Virus(HDV)-Diagnostik soll bei allen Hepatitis-B-Patienten sowohl bei neu diagnostizierter HBV-Infektion als auch bei fehlender HDV-Testung bei bekannter HBV-Infektion durchgeführt werden. Insbesondere bei Exazerbation einer chronischen Hepatitis B soll eine HDV-Superinfektion ausgeschlossen werden.

[NKLM]

Empfehlung 3.10

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Im Screening-Test werden Anti-HDV-Antikörper bestimmt. Da der Nachweis von Anti-HDV nicht zwischen einer persistierenden und einer ausgeheilten Hepatitis D unterscheiden kann, soll bei positivem Anti-HDV ein Virusnachweis im Blut mittels HDV-RNA erfolgen.

[NKLM]
3.5. Wie soll die Verlaufsdiagnostik von Patienten ohne antivirale Therapie erfolgen?

Empfehlung 3.11

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute HBV-Infektion soll überwacht werden, bis ein HBsAg-Verlust erreicht ist  (s. Tabelle "Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer akuten HBV-Infektion").

[NKLM]

Empfehlung 3.12

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion ohne antivirale Therapie sollen regelmäßige Verlaufskontrollen erhalten. Diese umfasst die Bestimmung der ALT-Aktivität im Serum, die Bestimmung der HBV-Viruslast, einen Ultraschall des Abdomens und ggf. Fibrosediagnostik. Die Frequenz sollte sich nach dem klinischen Verlauf richten (s. Tabelle "Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer chronischen HBV-Infektion").

[NKLM]
3.6. Wie sollte das Therapie-Monitoring bei chronischer Hepatitis B aussehen?

Empfehlung 3.13

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit direkt wirksamen antiviralen Medikamenten (z.B. Nukleos(t)id-Analoga) werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
Während der Therapie (s. auch "Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft? und "Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?"):

  • HBV-DNA quantitativ:
      • im ersten Jahr alle 3 Monate
      • nach dem 1. Jahr kann bei virologischem Ansprechen das Intervall auf alle 6 Monate verlängert werden
  • Resistenz-Varianten bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Verdacht auf Resistenzentwicklung        
  • HBeAg (falls positiv) alle 6-12 Monate, bei Verlust Anti-HBe.
  • HBsAg quantitativ.
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate

Empfehlung 3.14

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit Interferon oder Immunmodulatoren werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
  • HBV Genotypisierung
Während der Therapie (siehe auch "Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?"):

  • HBV-DNA quantitativ alle 3 Monate
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg nach 12 und 24 Wochen
  • Anti-HBs bei HBsAg Verlust,
  • HBeAg (falls positiv) alle 3 Monate, bei Verlust Anti-HBe
3.7. Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC-Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?

Empfehlung 3.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei erhöhtem HCC-Risiko sollte mindestens alle 6 Monate ein abdomineller Ultraschall durch einen erfahrenen Untersucher durchgeführt werden. Dieses soll insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose erfolgen.

[NKLM, Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Empfehlung 3.16

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Das Kontrollintervall kann je nach Risikoabschätzung (Tabelle "Früherkennungsempfehlungen in tabellarischer Form ") auf 12 Monate verlängert werden. Optional kann zusätzlich zum Ultraschall eine AFP-Bestimmung zur Früherkennung eines HCC durchgeführt werden.



[Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Empfehlung 3.17

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten sollen während und nach einer antiviralen Therapie weiterhin eine HCC-Vorsorge erhalten, da das HCC-Risiko reduziert, aber nicht eliminiert wird. Das Untersuchungsintervall kann während bzw. nach erfolgreicher Therapie der Hepatitis B individuell angepasst werden.
3.8. Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Empfehlung 3.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Leberbiopsie ist eine hilfreiche Maßnahme zur Einstufung der entzündlichen Aktivität, der Leberfibrose und von Komorbiditäten. Sie kann bei Patienten mit chronischer HBV-Infektion durchgeführt werden, wenn sich daraus Konsequenzen für Diagnose, Verlaufsbeurteilung und/oder Therapie ableiten lassen.

[NKLM]

Empfehlung 3.19

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose zur Therapieindikationsstellung können nicht-invasive Verfahren zum Einsatz kommen.

[NKLM]

Empfehlung 3.20

Modifiziert 2020

Empfehlung

Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose sollte die transiente Elastographie anderen nicht- invasiven Verfahren vorgezogen werden.

[NKLM, Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]

Empfehlung 3.21

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine nicht-invasive Fibrosebestimmung zur Erfassung einer Fibroseverbesserung während oder nach einer antiviralen Therapie kann erfolgen. 

Empfehlung 3.22

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Komorbidität und Transaminasenverlauf sollen bei der Interpretation berücksichtigt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]
4.2. Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Empfehlung 4.4

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit Leberzirrhose sollen bei HBV-DNA-Nachweis unabhängig von der Höhe der Virämie antiviral behandelt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

siehe auch Empfehlung 5.31

Empfehlung 4.5

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit HCC und positiver HBV-DNA sollten mit Nukleos(t)id-Analoga behandelt werden.

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III

Empfehlung 4.6

Modifiziert 2020

Starker Konsens


Reaktivierungen der Hepatitis-B-Virusreplikation durch Immunsuppression sollen verhindert werden, da sie das Risiko von akuter Dekompensation und Zirrhose erhöhen (siehe "Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?").

Empfehlung 4.7

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Schwangerschaft stellt keine Kontraindikation für eine Therapie mit Tenofovir (TDF), Lamivudin oder Telbivudin dar. Die medizinische Indikation sowie die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollen berücksichtigt werden (siehe "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III

Empfehlung 4.9

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit extrahepatischen Komplikationen sollten behandelt werden (siehe "Wie sollen Patienten mit extrahepatischen Manifestationen behandelt werden?").



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
4.3. Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?

Empfehlung 4.11

Neu 2020

Konsens


Bei hochvirämischer chronischer HBV-Infektion mit wiederholt normaler ALT besteht keine dringende medizinische Indikation für eine antivirale Behandlung.

Empfehlung 4.12

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Patienten >30 Jahre oder Patienten mit hoch normalen ALT-Werten (Männer >30 U/l, Frauen >19 U/l) können antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 4.13

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie zur Verhinderung einer Transmission an Dritte kann erfolgen.
4.4. Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?

Empfehlung 4.14

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Bei niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (HBeAg negativ, HBV-DNA <2.000 IU/ml, wiederholt normale ALT, kein Hinweis für eine moderate bis fortgeschrittene Leberfibrose) braucht i.d.R. keine antivirale Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 4.15

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie zur Verhinderung einer Transmission an Dritte kann erwogen werden.
5.1. Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?

Empfehlung 5.1

Modifiziert 2020

Konsens


Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B sind, die Morbidität (Leberzirrhose, Leberdekompensation, hepatozelluläres Karzinom, extrahepatische Manifestationen) und Mortalität der HBV-Infektion zu senken. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung und, idealerweise, die Reversion einer Leberfibrose oder Zirrhose. Um diese Ziele zu erreichen, werden Surrogatmarker während und nach der Behandlung zur Überprüfung des Therapieerfolgs herangezogen:

  • Langfristiges Therapieziel ist der Verlust des HBsAg. Idealerweise kommt es zu einer Serokonversion von HBs-Antigen zu Anti-HBs-Antikörpern.
  • Bei Patienten ohne Leberzirrhose soll eine dauerhafte Suppression der HBV-DNA (mindestens <2.000 IU/ml, idealerweise unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar) erreicht werden. Bei Patienten mit Leberzirrhose soll die HBV-DNA unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar sein.
  • Ein HBeAg-Verlust und eine Serokonversion zu Anti-HBe kann ein Therapieendpunkt sein, wenn die HBV-DNA dauerhaft supprimiert ist (mindestens <2.000 IU/ml, idealerweise unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar).
  • Die Normalisierung der ALT kann ein zusätzlicher Endpunkt sein.


[NKLM]

Empfehlung 5.2

Neu 2020

Starker Konsens


Weitere Ziele der Therapie sind die Senkung der Infektiosität des Patienten bzw. die Senkung der Transmissionsrate (z.B. Mutter-Kind Übertragung), die Verhinderung einer HBV-Reaktivierung und/oder die Verbesserung von extrahepatischen Manifestationen.

[NKLM]
5.2. Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Empfehlung 5.3

Modifiziert 2020

Empfehlung

Konsens


Bei der Therapieauswahl sollte geprüft werden, ob eine Therapie mit PEG-IFN möglich und sinnvoll ist. 

[NKLM]

Empfehlung 5.4

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Therapie mit Nukleos(t)idanaloga sollen Entecavir (ETV) oder Tenofovir (TDF oder TAF) bevorzugt werden.

Empfehlung 5.5

Neu 2020

Starker Konsens


Bei der Auswahl von NA sollen das Stadium der Lebererkrankung, Komorbiditäten (v.a. Niereninsuffizienz und Knochendichteminderung) und Begleitumstände (z.B. Schwangerschaft, Kinderwunsch, Transplantation), die Höhe der HBV-DNA sowie eventuelle Vortherapien berücksichtigt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASLClinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 5.6

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Adefovir soll nicht mehr eingesetzt werden*.
5.3. Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Empfehlung 5.7

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Therapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) sollte gegenüber Interferon alfa bevorzugt werden.

Empfehlung 5.8

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Therapiedauer mit PEG-IFN sollte i.d.R. 48 Wochen betragen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 5.9

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Prädiktive Faktoren sollten als Entscheidungshilfe für die vorzeitige Beendigung einer PEG-IFN-Therapie herangezogen werden. Die quantitativen Bestimmungen der HBV-DNA und des HBsAg als Prädiktoren für das Therapieansprechen sollten bei Therapiestart, Woche 12 und Woche 24 bestimmt werden. In den Entscheidungsprozess, die Therapie mit PEG-IFN vorzeitig zu beenden, soll zusätzlich die Beurteilung der PEG-IFN assoziierten Nebenwirkungen und der Therapiewunsch des Patienten berücksichtig werden.

Empfehlung 5.10

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Während und nach der Therapie mit PEG-IFN sollen regelmäßige sicherheitsrelevante Blutuntersuchungen durchgeführt sowie Interferon-typischen Nebenwirkungen eruiert werden.

[NKLM]
5.4. Wie ist der Stellenwert einer Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alfa und einem Nukleos(t)idanalogon?

Empfehlung 5.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine primäre Kombinationtherapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) und einem Nukleos(t)idanalogon (NA) kann derzeit nicht empfohlen werden. Eine zusätzliche Therapie mit PEG-IFN zu einer NA-Therapie („Add on“) oder einer Umstellung einer NA-Therapie auf PEG-IFN („Switch“) kann nicht empfohlen werden.
5.5. Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Empfehlung 5.13

Neu 2020

Empfehlung


Bei Patienten mit Leberzirrhose sollte die HBV-DNA nach 48 Wochen unterhalb der Nachweisgrenze liegen oder nicht quantifizierbar sein.

Empfehlung 5.14

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Die quantitative Bestimmung des HBsAg kann zur Vorhersage eines HBsAg-Verlustes sinnvoll sein.
5.6. Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Empfehlung 5.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei persistierender HBV-DNA < 2.000 IU/mL unter Behandlung mit Tenofovir (TDF oder TAF) oder ETV braucht keine Anpassung der Behandlung erfolgen, wenn keine Zirrhose und kein Anhalt für Resistenz oder Nicht-Ansprechen vorliegt. Bei partiellem Therapieansprechen oder Nonresponse soll zunächst die Therapieadhärenz des Patienten überprüft werden.

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Wurde Adefovir eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.
5.7. Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Empfehlung 5.22

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Therapie mit Lamivudin oder Telbivudin (NA mit geringer Resistenzbarriere) kann bei optimalem Therapieansprechen fortgesetzt werden.

Empfehlung 5.23

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine Therapie mit TDF sollte bei einem Abfall der glomerulären Filtrationsrate (GFR), beim Auftreten einer Tubulopathie, bei einer Hypophosphatämie < 1 mg/dl und bei Frakturrisiko auf ein anderes NA umgesetzt werden. 

Empfehlung 5.24

Neu 2020

Starker Konsens


Vortherapien und Resistenzen sollen bei der Wahl des NA beachtet werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
5.8. Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Empfehlung 5.25

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga soll nur nach Rücksprache mit einem in der Therapie der Hepatitis B erfahrenen Arzt und unter engmaschigen Kontrollen beendet werden. Dabei sollten HBsAg-, HBeAg-Statuts, Komorbidität (Immunsuppression), Dauer der HBV-DNA-Suppression und Stadium der Leberfibrose berücksichtigt werden.

Empfehlung 5.26

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga kann beendet werden, wenn ein HBsAg-Verlust erreicht ist.

[NKLM]

Empfehlung 5.27

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Bei HBeAg-positiven Patienten kann eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga 12 Monate nach HBeAg-Verlust und Anti-HBe-Serokonversion beendet werden.

Empfehlung 5.29

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Leberzirrhose sollte ausgeschlossen sein.

Empfehlung 5.30

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Konsens


Bei HBeAg-negativen Patienten ohne fortgeschrittene Leberfibrose kann eine Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga vor HBsAg-Verlust beendet werden, wenn die HBV-DNA mindestens 3 Jahre negativ bzw. nicht quantifizierbar war und eine engmaschige Kontrolle nach Therapiestopp gewährleistet ist.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
5.9. Wie sollen HBV-Patienten mit Leberzirrhose antiviral behandelt werden?

Empfehlung 5.32

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Als Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt werden.

Empfehlung 5.33

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei der Auswahl der Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Vortherapien und Komorbidität (MELD-Score, Niereninsuffizienz, Osteopenie, Osteoporose) berücksichtigt werden. Eine PEG-IFN-Therapie kann bei Patienten mit Child-A Zirrhose eingesetzt werden.

Empfehlung 5.35

Neu 2020

Starker Konsens


(PEG-) Interferon alfa ist kontraindiziert.
5.11. Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?

Empfehlung 5.38

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Therapie einer chronischen Hepatitis B-Virusinfektion mit pegyliertem Interferon alfa bei Hämodialyse-Patienten soll aufgrund der erhöhten Nebenwirkungsrate und der geringen Studiendaten und verfügbarer Alternativen nicht erfolgen.
5.12. Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Empfehlung 5.44

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit Entecavir oder Adefovir soll umgestellt werden. 

Empfehlung 5.45

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Umstellung sollte auf Tenofovir (TDF) erfolgen.

Empfehlung 5.46

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Konsens


Wurde bisher keine antivirale Therapie durchgeführt, soll eine Therapie während der Schwangerschaft angeboten werden bei:
a) Aktiver Hepatitis, gemäß den Empfehlungen für nicht schwangere Frauen.

Empfehlung 5.47

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Konsens


b) Vorliegen einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/mL, um das Risiko einer vertikalen Transmission (Mutter-Kind Übertragung) zu reduzieren.

[NKLM, Klug entscheiden]

Empfehlung 5.48

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine Therapie zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollte möglichst früh, idealerweise vor der 32. Schwangerschaftswoche aber nach dem 1. Trimenon begonnen werden.

Empfehlung 5.49

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Nukleos(t)idanaloga, die bei Schwangeren untersucht wurden, sind Lamivudin, Telbivudin und Tenofovir (TDF). Tenofovir (TDF) sollte bevorzugt eingesetzt werden.

Empfehlung 5.50

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Schwangere soll über die Vorteile und möglichen Risiken der NA-Therapie aufgeklärt werden.

Empfehlung 5.51

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Während der antiviralen Therapie mit den empfohlenen Nukleos(t)idanaloga kann das Kind gestillt werden. 

Empfehlung 5.52

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Mutter soll über die bislang wenig bekannten Risiken einer geringen Nukleos(t)idanaloga-Exposition der Kinder aufgeklärt werden.
5.13. Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Empfehlung 5.53

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei malignen Grunderkrankungen mit geplanter Chemotherapie oder vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie sollen HBsAg und Anti-HBc bestimmt werden.

[NKLM, Klug entscheiden, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV]

Empfehlung 5.54

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1, 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


Die Einschätzung über die Notwendigkeit einer antiviralen Therapie zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung soll abhängig von der vorliegenden Serologie (HBsAg+/Anti-HBc+ oder HBsAg- /Anti-HBc+) und der geplanten medikamentösen Therapie (Risiko-Klasse) erfolgen (Abb. "Algorithmus zur Prävention der Hepatitis-B-Reaktivierung")

a) sAg+-Patienten mit hohem Risiko (Reaktivierungsrate > 10 %) sollen mit Nukleos(t)idanaloga antiviral behandelt
werden [1, A], Patienten mit moderatem Risiko (Reaktivierungsrate 1–10 %) sollten behandelt werden. HBsAg+-Patienten mit niedrigem Risiko (< 1 %) sollen mindestens alle 8 Wochen kontrolliert werden und können ggfs. auch prophylaktisch antiviral behandelt werden.

Empfehlung 5.55

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


b) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten sollten bei geplanter B-Zell depletierender Immunsuppression oder Stammzell-/ Knochenmarktransplantation antiviral behandelt werden; bei Immunsuppression mit moderatem oder niedrigem Reaktivierungsrisiko sollen engmaschige Kontrollen erfolgen  oder es kann eine prophylaktische antivirale Therapie eingesetzt werden.

Empfehlung 5.56

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


c) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten mit geplanter lokaler HCC-Therapie (TACE, perkutan/lokal ablative Verfahren,
Resektion) sollten antiviral zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung behandelt werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 5.57

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung sollten vorzugsweise hochpotente Nukleos(t)id-Analoga (Entecavir oder Tenofovir (TAF oder TDF)) eingesetzt werden. Die antivirale Therapie sollte mindestens 6-12 Monate, bei B-Zell depletierenden Medikamenten mindestens 18 Monate nach Beendigung der immunsuppressiven Therapie fortgeführt werden.
6.1. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Empfehlung 6.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ein HCC-Screening soll mindestens alle 6 Monate durchgeführt werden.
6.3. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Empfehlung 6.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit NA-Resistenz zum Zeitpunkt der LTx soll die Prophylaxe mit einem gegen die resistente HBV-Variante wirksamen NA in Kombination mit HBIG durchgeführt werden.

Empfehlung 6.10

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine Umstellung auf eine alleinige orale Prophylaxe mit einem potenten NA unter Verzicht auf HBIG kann im Verlauf nach LTx bei ausreichender Adhärenz und stabil HBsAg-negativen Patienten mit niedrigem Rezidivrisiko (siehe Hintergrund*) erfolgen. (Tabelle "Empfehlung zur Prophylaxe der HBV-Reinfektion nach OLT")

[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

* Voraussetzungen für einen alleinige NA Reinfektionsprophylaxe: keine hohe HBV Replikation zum Zeitpunkt der LTx, keine HIV oder HDV Koinfektion und kein HCC vor Transplantation

6.6. Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Empfehlung 6.19

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit isoliert positiven Anti-HBc Antikörperstatus sollten auf HBV-DNA untersucht werden.

Empfehlung 6.20

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer HBV-Infektion soll eine weitere Diagnostik entsprechend der üblichen diagnostischen Empfehlungen bei HBV-Infektion durchgeführt werden.

Empfehlung 6.21

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer Hepatitis B sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral behandelt werden.
6.7. Wie ist das Management von Patienten mit positiver HBV-Serologie nach Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber)? Wann, wie und bei wem wird eine Prophylaxe durchgeführt?

Empfehlung 6.22

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Unabhängig vom Stadium und der Aktivität der HBV-Infektion sollen alle HBsAg- bzw. HBV-DNA positiven Patienten eine dauerhafte antivirale Therapie mit hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) erhalten. Der Beginn der Therapie erfolgt spätestens zum Zeitpunkt der Transplantation.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 6.23

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBc-positiven bzw. Anti-HBc- plus Anti-HBs-positiven Patienten (Zustand nach HBV-Infektion) soll ein regelmäßiges Monitoring auf HBsAg und HBV-DNA erfolgen. Eine prophylaktische antivirale Therapie braucht nicht regelhaft durchgeführt zu werden.
6.8. Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Empfehlung 6.27

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei niedrig-replikativer HBeAg-negativer HBV-Infektion soll zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden.

Empfehlung 6.28

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Prophylaxe sollte spätestens mit Beginn der myeloablativen Chemotherapie erfolgen.

Empfehlung 6.29

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei HBsAg-negativen Patienten mit Zustand nach HBV-Infektion (Anti-HBc ± Anti-HBs positiv) sollte zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT ebenfalls eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden (siehe auch "Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?").



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
6.9. Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?

Empfehlung 6.34

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation (HBsAg-positiv) soll unabhängig von der Aktivität der Erkrankung eine antivirale Therapie mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) begonnen werden.
6.10. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Empfehlung 6.36

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HBs-negativem Empfänger soll eine Prophylaxe mit einem NA durchgeführt werden. Eine kombinierte Prophylaxe mit HBIG + NA sollte nicht erfolgen. Die Prophylaxe mit einem NA sollte dauerhaft durchgeführt werden. Sofern die Prophylaxe beendet wird, sollen regelmäßige Kontrollen von HBsAg und HBV-DNA erfolgen werden.

Empfehlung 6.37

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBs-positivem Empfänger ist das Risiko der HBV-Reaktivierung geringer als bei Anti-HBs-negativen Empfängern. Dennoch sollte eine Prophylaxe mit einem NA auch bei diesen Patienten erfolgen.
Die Prophylaxe (Empfehlung 6.36 und 6.37) sollte mit dem Zeitpunkt der Transplantation beginnen.

Empfehlung 6.38

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei kombiniert Anti-HBs- und Anti-HBc-positiven Empfängern ist das Risiko einer HBV- Reaktivierung besonders gering. Hier kann der Verzicht auf eine Prophylaxe erwogen werden und stattdessen engmaschige Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg erfolgen. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll dann umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.

Empfehlung 6.39

Modifiziert 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine Prophylaxe mit HBIG und/oder einem NA sollte unabhängig vom Anti-HBs-Status des Transplantatempfängers aufgrund des insgesamt geringen Risikos der HBV-Infektion nicht erfolgen. Es sollten Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg im Verlauf durchgeführt werden. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.
6.11. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Empfehlung 6.40

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Die Transplantation von Organen eines HBsAg-positiven Spenders kann in Einzelfällen bei Zustimmung des Empfängers erwogen werden.

Empfehlung 6.41

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Alle Patienten, die eine Lebertransplantation eines HBsAg-positiven Spenders erhalten, sollen dauerhaft mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Empfehlung 6.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei allen anderen Organtransplantationen (nicht Lebertransplantation, inkl. SZT) eines HBsAg-positiven Spenders soll die Prophylaxe initial kombiniert mit HBIG plus potentem NA erfolgen (siehe Empfehlung 6.7).

Empfehlung 6.43

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer Stammzelltransplantation eines HBsAg-positiven Spenders soll zusätzlich der Spender möglichst frühzeitig vor der Transplantation mit einem hochpotenten NA behandelt werden.

Empfehlung 6.44

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einer Hepatitis-Delta Virus-Infektion sollten keine HBsAg-positive Spenderleber erhalten.
6.12. Wer sollte vor einer Organtransplantation gegen HBV geimpft werden?

Empfehlung 6.45

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einem Anti-HBs-Spiegel <100 U/l sollen so früh wie möglich vor einer geplanten Organ-Tx unter Ausnutzung aller Strategien zur Steigerung des Impfansprechens gegen Hepatitis B geimpft werden.
7.1. Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?

Empfehlung 7.1

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) sollen geimpft werden:

Empfehlung 7.2

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


a) alle Säuglinge ab dem vollendeten 2. Lebensmonat,

Empfehlung 7.3

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


b) alle Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg- Status innerhalb von 12 Stunden,

Empfehlung 7.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


c) alle noch nicht geimpften Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, möglichst vor Beginn der Pubertät,

[NKLM]

Empfehlung 7.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


d) alle in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten Personen mit erhöhtem Hepatitis-B-Risiko (Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020").

[NKLM]
7.4. Ist es nach einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob die Impfung erfolgreich war?

Empfehlung 7.21

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Testung auf Anti-HBs sollte bei allen in Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]" genannten Personen durchgeführt werden.

Empfehlung 7.22

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Testung kann erwogen werden bei nicht in Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]" aufgeführten Personen, die älter als 40 Jahre sind.
7.5. Ist nach erfolgreicher Impfung gegen Hepatitis B eine Auffrischimpfung notwendig?

Empfehlung 7.23

Modifiziert 2020

Starker Konsens


Nach derzeitigem Wissenstand kann man nach einer erfolgreichen Grundimmunisierung (Anti- HBs 4-8 Wochen nach letzter Impfung ≥100 IU/l) von einem langjährigen, möglicherweise sogar lebenslangen Schutz vor einer Hepatitis-B-Erkrankung ausgehen.

[NKLM]

Empfehlung 7.24

Modifiziert 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei im Säuglings- oder Kleinkindesalter Geimpften ohne besonderes Hepatitis-B-Risiko braucht eine Auffrischimpfung nicht zu erfolgen.
Tritt im späteren Leben ein erhöhtes Risiko ein (z.B. Ausbildung bzw. Tätigkeit in einem medizinischen Beruf), sollte eine Auffrischimpfung und eine anschließende serologische Kontrolle durchgeführt werden.

Empfehlung 7.25

Modifiziert 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Für Personen, die wegen eines in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten erhöhten Risikos (Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]") erfolgreich geimpft wurden (Anti-HBs 4-8 Wochen nach letzter Impfung ≥100 IU/l), braucht vor dem Hintergrund der epidemiologischen Situation in Deutschland gegenwärtig eine generelle Auffrischimpfung nicht zu erfolgen.
Bei besonders hohem Expositionsrisiko sollte allerdings nach 10 Jahren eine Kontrolle des Anti-HBs-Wertes und gegebenenfalls (wenn Anti-HBs <100 IU/l) eine Auffrischimpfung durchgeführt werden.
7.6. Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?

Empfehlung 7.26

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Personen, deren Anti-HBs-Konzentrationen 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung <10 IU/l betragen („Nonresponder“), sollen nach Ausschluss einer HBV-Infektion (HBsAg, Anti- HBc) erneut geimpft werden.
7.8. Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?

Empfehlung 7.29

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Dialysepatienten sollte wie bei allen immunsupprimierten bzw. immundefizienten Personen die Gabe einer erhöhten Dosis (doppelte Dosis bzw. Dosis für Dialysepflichtige) bzw. ein speziell für diese Patientengruppe vorgesehener stärker adjuvantierter Impfstoff verabreicht werden.
7.9. Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Empfehlung 7.35

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Schwangeren mit einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/ml soll eine antivirale Therapie angeboten werden, um das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung zusätzlich zur Postexpositionsprophylaxe zu reduzieren (siehe "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Empfehlung 7.36

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Sectio ausschließlich zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung soll nicht durchgeführt werden, wenn die HBV-DNA-Konzentration der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt <200.000 IU/ml ist und das Neugeborene aktiv-passiv geimpft wird.
7.12. Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Empfehlung 7.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Werten zwischen 200 und 20.000 IU/ml soll eine individuelle Bewertung des Übertragungsrisikos je nach Tätigkeit erfolgen und ggf. Maßnahmen zur Senkung der Übertragungsgefahr ergriffen werden.

Empfehlung 7.43

Neu 2020

Starker Konsens


Konstant hohe HBV-DNA-Konzentrationen von >20.000 IU/ml sind mit einer übertragungsträchtigen Tätigkeit gemäß Empfehlung der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) nicht vereinbar.
8.1. Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Empfehlung 8.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Die Therapiedauer mit PEG-IFN sollte mindestens 48 Wochen betragen.

Empfehlung 8.3

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Therapieverlängerung kann bei einem Abfall des HBsAg und guter Verträglichkeit mit dem Ziel eines HBsAg-Verlustes erwogen werden.

Empfehlung 8.4

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei nachweisbarer HBV-Replikation können Nukleos(t)id-Analoga (NA) gegen HBV eingesetzt werden.

Empfehlung 8.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose oder akuter fulminanter Hepatitis D sollen für eine Lebertransplantation evaluiert werden.
8.2. Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Empfehlung 8.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine replikative Hepatitis C (HCV-RNA positiv) soll bei allen HBsAg-positiven Personen antiviral behandelt werden. Die Auswahl des Therapieregimes erfolgt analog zur HCV-Monoinfektion. Die Indikation zur Therapie der HBV-Infektion erfolgt analog zur Therapieindikation bei der HBV-Monoinfektion (siehe "Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?").



[Leitlinienadaptation DGVS HCV-Leitlinie]

Empfehlung 8.7

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen HBsAg-positiven Patienten soll während und nach der HCV-Therapie eine Überwachung der HBV-DNA und ALT durchgeführt werden. 

Empfehlung 8.8

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine prophylaktische Therapie zur Verhinderung einer HBV-Reaktivierung braucht i.d.R. nicht zu erfolgen.

Empfehlung 8.9

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie der HBV-Infektion sollte bei einer klinisch relevanten Reaktivierung erfolgen.

Empfehlung 8.10

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A


Wird eine antivirale Therapie der HCV-Infektion bei Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Personen durchgeführt, soll eine HBV-DNA-Testung bei Verdacht auf eine HBV-Reaktivierung erfolgen.

Empfehlung 8.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HCV-positiven/HCV-RNA negativen Personen soll die Indikationsstellung zur Therapie der HBV-Infektion analog zu Anti-HCV-negativen Personen erfolgen.
8.4. Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Empfehlung 8.13

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die chronisch-replikative Hepatitis B (HBV-DNA positiv) soll bei HIV-Koinfizierten antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 8.14

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die HBV-Therapie soll im Rahmen einer antiretroviralen HIV-Therapie erfolgen. Die antiretrovirale Therapie soll Tenofovir (TDF oder TAF) enthalten.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
9.2. Welche Therapiemöglichkeiten und -ziele bestehen bei einer Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter?

Empfehlung 9.3

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter sollte nicht behandelt werden.

Empfehlung 9.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0


Bei chronischer Hepatitis B kann eine Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaptation AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 9.7

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei chronischer Hepatitis B kann eine Behandlung erfolgen [2, 0*]. Das primäre Therapieziel bei der Behandlung der chronischen Hepatitis B bei Kindern und Jugendlichen ist die Serokonversion zu Anti-HBe. In Europa sind Tenofovir (TDF) ab 12 Jahren und Entecavir ab 2 Jahren zugelassen. Mit pegyliertem Interferon (PEG-IFN) kann ab 3 Jahren behandelt werden.

Empfehlung 9.8

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Indikationsstellung zur Behandlung und deren Überwachung sollte von einem in diesem Gebiet erfahrenen Kinder-Gastroenterologen oder -Infektiologen erfolgen.

Empfehlung 9.9

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Bei wiederholt normaler ALT sollte keine Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaptation AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Empfehlung 9.10

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Kinder und Jugendliche mit gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie können im Indikationsfall mit einem Nukleos(t)idanalogon behandelt werden.
9.3. Welche prophylaktischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Empfehlung 9.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen oder eine Berufsausbildung/Berufsausübung (unter Berücksichtigung der Empfehlungen "Immunprophylaxe der Hepatitis-B") soll im Regelfall nicht eingeschränkt oder verwehrt werden.

Starke Empfehlung und Empfehlungsgrad A

3.1. Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Empfehlung 3.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Zur initialen Diagnostik einer HBV-Infektion soll HBsAg und in der Regel Anti-HBc bestimmt werden.

Empfehlung 3.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen Schwangeren soll ein HBsAg-Screening erfolgen.

[NKLM]

Empfehlung 3.3

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine HBV-Diagnostik soll erfolgen bei:

  • Personen mit erhöhten Leberwerten und/oder klinischen Zeichen einer Hepatitis
  • allen Personen mit vorbestehender Erkrankung oder Immunsuppression, bei denen ein schwerer Verlauf einer Hepatitis B zu erwarten ist.  
      • Patienten mit Leberzirrhose/-fibrose
      • Patienten mit hepatozellulärem Karzinom
      • Dialyse-Patienten
      • HIV- und/oder HCV-Infizierten
      • Patienten vor bzw. während einer immunsuppressiven Therapie, einer Therapie mit B-Zell-depletierenden Antikörpern (Rituximab) oder Chemotherapie
      • Patienten mit einer angeborenen Immunschwäche
  • allen Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko für eine Hepatitis B
      • Personen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter HBsAg-Prävalenz
      • Familien- oder Haushaltsangehörige, insbesondere Kinder von HBsAg-positiven Müttern und Geschwister sowie Eltern von (aktuell oder ehemals) HBV-Infizierten
      • Sexualpartner von HBV-Infizierten
      • Medizinisches Personal
      • Patienten oder Personen in psychiatrischen Einrichtungen, Fürsorgeeinrichtungen für Zerebralgeschädigte oder Verhaltensgestörte, Justizvollzugsanstalten
      • Personen mit häufig wechselnden Sexualkontakten
      • Aktive und ehemalige i.v. Drogenbenutzer
      • Screening zur Vermeidung einer Transmission auf gesunde Empfänger von Knochenmark- oder Organtransplantaten vor und nach Transplantation
      • Blut-, Gewebe-, Samen- und Organspender
      • Schwangere (siehe 3.2)
[NKLM]
3.2. Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Empfehlung 3.4

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Personen der oben genannten Risikogruppen, die HBsAg und Anti-HBc-negativ sind und über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen, soll eine Impfung angeboten werden (siehe Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?).

[NKLM]

Empfehlung 3.5

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei HBsAg-positiven Personen soll die Diagnostik komplettiert und das Ausmaß der Leberkrankung bestimmt werden, um eine Therapieindikation abzuklären.

[NKLM]

Empfehlung 3.7

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Verdacht auf eine chronische Hepatitis B:

  • sollen die HBV-Viruslast (HBV-DNA) und der HBeAg / Anti-HBe Status bestimmt werden (siehe Tabelle 2).
  • kann quantitatives HBsAg zur besseren Differenzierung der Phase und zur Beurteilung der Prognose der HBV-Infektion bestimmt werden (siehe Empfehlung 5.14).   
[NKLM]
3.3. Welche ergänzende Diagnostik ist bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion erforderlich?

Empfehlung 3.8

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion sollen zusätzlich folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Anamnese (inkl. Risikofaktoren, Familien-, Partneranamnese), körperliche Untersuchung
  • Ausschluss einer Koinfektion mit HCV, HDV und HIV
  • Hepatitis-A-Immunstatus (Frage Impfung)
  • Ausschluss einer Hepatitis-E-Virusinfektion
  • Klinisch-chemische Labortests
  • Ultraschall des Abdomens
[NKLM]
3.4. Wann ist eine Hepatitis Delta Virus-Diagnostik indiziert? Wie wird eine Hepatitis Delta diagnostiziert?

Empfehlung 3.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Hepatitis-Delta-Virus(HDV)-Diagnostik soll bei allen Hepatitis-B-Patienten sowohl bei neu diagnostizierter HBV-Infektion als auch bei fehlender HDV-Testung bei bekannter HBV-Infektion durchgeführt werden. Insbesondere bei Exazerbation einer chronischen Hepatitis B soll eine HDV-Superinfektion ausgeschlossen werden.

[NKLM]

Empfehlung 3.10

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Im Screening-Test werden Anti-HDV-Antikörper bestimmt. Da der Nachweis von Anti-HDV nicht zwischen einer persistierenden und einer ausgeheilten Hepatitis D unterscheiden kann, soll bei positivem Anti-HDV ein Virusnachweis im Blut mittels HDV-RNA erfolgen.

[NKLM]
3.5. Wie soll die Verlaufsdiagnostik von Patienten ohne antivirale Therapie erfolgen?

Empfehlung 3.11

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute HBV-Infektion soll überwacht werden, bis ein HBsAg-Verlust erreicht ist  (s. Tabelle "Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer akuten HBV-Infektion").

[NKLM]

Empfehlung 3.12

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion ohne antivirale Therapie sollen regelmäßige Verlaufskontrollen erhalten. Diese umfasst die Bestimmung der ALT-Aktivität im Serum, die Bestimmung der HBV-Viruslast, einen Ultraschall des Abdomens und ggf. Fibrosediagnostik. Die Frequenz sollte sich nach dem klinischen Verlauf richten (s. Tabelle "Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer chronischen HBV-Infektion").

[NKLM]
3.6. Wie sollte das Therapie-Monitoring bei chronischer Hepatitis B aussehen?

Empfehlung 3.13

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit direkt wirksamen antiviralen Medikamenten (z.B. Nukleos(t)id-Analoga) werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
Während der Therapie (s. auch "Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft? und "Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?"):

  • HBV-DNA quantitativ:
      • im ersten Jahr alle 3 Monate
      • nach dem 1. Jahr kann bei virologischem Ansprechen das Intervall auf alle 6 Monate verlängert werden
  • Resistenz-Varianten bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Verdacht auf Resistenzentwicklung        
  • HBeAg (falls positiv) alle 6-12 Monate, bei Verlust Anti-HBe.
  • HBsAg quantitativ.
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate

Empfehlung 3.14

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit Interferon oder Immunmodulatoren werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
  • HBV Genotypisierung
Während der Therapie (siehe auch "Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?"):

  • HBV-DNA quantitativ alle 3 Monate
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg nach 12 und 24 Wochen
  • Anti-HBs bei HBsAg Verlust,
  • HBeAg (falls positiv) alle 3 Monate, bei Verlust Anti-HBe
3.7. Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC-Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?

Empfehlung 3.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei erhöhtem HCC-Risiko sollte mindestens alle 6 Monate ein abdomineller Ultraschall durch einen erfahrenen Untersucher durchgeführt werden. Dieses soll insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose erfolgen.

[NKLM, Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Empfehlung 3.16

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Das Kontrollintervall kann je nach Risikoabschätzung (Tabelle "Früherkennungsempfehlungen in tabellarischer Form ") auf 12 Monate verlängert werden. Optional kann zusätzlich zum Ultraschall eine AFP-Bestimmung zur Früherkennung eines HCC durchgeführt werden.



[Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Empfehlung 3.17

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten sollen während und nach einer antiviralen Therapie weiterhin eine HCC-Vorsorge erhalten, da das HCC-Risiko reduziert, aber nicht eliminiert wird. Das Untersuchungsintervall kann während bzw. nach erfolgreicher Therapie der Hepatitis B individuell angepasst werden.
3.8. Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Empfehlung 3.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Leberbiopsie ist eine hilfreiche Maßnahme zur Einstufung der entzündlichen Aktivität, der Leberfibrose und von Komorbiditäten. Sie kann bei Patienten mit chronischer HBV-Infektion durchgeführt werden, wenn sich daraus Konsequenzen für Diagnose, Verlaufsbeurteilung und/oder Therapie ableiten lassen.

[NKLM]

Empfehlung 3.19

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose zur Therapieindikationsstellung können nicht-invasive Verfahren zum Einsatz kommen.

[NKLM]

Empfehlung 3.22

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Komorbidität und Transaminasenverlauf sollen bei der Interpretation berücksichtigt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]
4.2. Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Empfehlung 4.4

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit Leberzirrhose sollen bei HBV-DNA-Nachweis unabhängig von der Höhe der Virämie antiviral behandelt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

siehe auch Empfehlung 5.31

Empfehlung 4.7

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Schwangerschaft stellt keine Kontraindikation für eine Therapie mit Tenofovir (TDF), Lamivudin oder Telbivudin dar. Die medizinische Indikation sowie die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollen berücksichtigt werden (siehe "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III
5.2. Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Empfehlung 5.4

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Therapie mit Nukleos(t)idanaloga sollen Entecavir (ETV) oder Tenofovir (TDF oder TAF) bevorzugt werden.

Empfehlung 5.6

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Adefovir soll nicht mehr eingesetzt werden*.
5.3. Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Empfehlung 5.10

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Während und nach der Therapie mit PEG-IFN sollen regelmäßige sicherheitsrelevante Blutuntersuchungen durchgeführt sowie Interferon-typischen Nebenwirkungen eruiert werden.

[NKLM]
5.4. Wie ist der Stellenwert einer Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alfa und einem Nukleos(t)idanalogon?

Empfehlung 5.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine primäre Kombinationtherapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) und einem Nukleos(t)idanalogon (NA) kann derzeit nicht empfohlen werden. Eine zusätzliche Therapie mit PEG-IFN zu einer NA-Therapie („Add on“) oder einer Umstellung einer NA-Therapie auf PEG-IFN („Switch“) kann nicht empfohlen werden.
5.6. Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Empfehlung 5.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei persistierender HBV-DNA < 2.000 IU/mL unter Behandlung mit Tenofovir (TDF oder TAF) oder ETV braucht keine Anpassung der Behandlung erfolgen, wenn keine Zirrhose und kein Anhalt für Resistenz oder Nicht-Ansprechen vorliegt. Bei partiellem Therapieansprechen oder Nonresponse soll zunächst die Therapieadhärenz des Patienten überprüft werden.

Empfehlung 5.17

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei partiellem Therapieansprechen oder Nichtansprechen (Nonresponse) oder Resistenz soll eine Therapieanpassung geprüft werden:

  • Wurde ein Nukleosid-Analogon (Lamivudin, Entecavir, Telbivudin) eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Wurde Adefovir eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.
5.7. Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Empfehlung 5.20

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Auswahl der antiviralen Therapie sowie der Überwachungsintervalle sollen Komorbiditäten berücksichtigt werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.21

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die Nierenfunktion soll vor Therapie und regelmäßig während der Therapie überwacht werden.

[NKLM]
5.8. Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Empfehlung 5.25

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga soll nur nach Rücksprache mit einem in der Therapie der Hepatitis B erfahrenen Arzt und unter engmaschigen Kontrollen beendet werden. Dabei sollten HBsAg-, HBeAg-Statuts, Komorbidität (Immunsuppression), Dauer der HBV-DNA-Suppression und Stadium der Leberfibrose berücksichtigt werden.
5.9. Wie sollen HBV-Patienten mit Leberzirrhose antiviral behandelt werden?

Empfehlung 5.31

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Alle Patienten mit Leberzirrhose und nachweisbarer HBV-DNA sollen antiviral behandelt werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.32

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Als Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt werden.

Empfehlung 5.33

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei der Auswahl der Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Vortherapien und Komorbidität (MELD-Score, Niereninsuffizienz, Osteopenie, Osteoporose) berücksichtigt werden. Eine PEG-IFN-Therapie kann bei Patienten mit Child-A Zirrhose eingesetzt werden.

Empfehlung 5.34

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh B und C) sollen Nukleosid- oder Nukleotidanaloga eingesetzt werden.
5.11. Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?

Empfehlung 5.38

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Therapie einer chronischen Hepatitis B-Virusinfektion mit pegyliertem Interferon alfa bei Hämodialyse-Patienten soll aufgrund der erhöhten Nebenwirkungsrate und der geringen Studiendaten und verfügbarer Alternativen nicht erfolgen.

Empfehlung 5.39

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Aufgrund der häufigen Komorbiditäten von Dialysepatienten soll eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga bevorzugt werden. Bei allen NA soll konsequent die Dosisanpassung an die Nierenfunktion beachtet werden.
5.12. Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Empfehlung 5.40

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei HBsAg-positiven Patientinnen soll eine regelmäßige (mindestens alle 3 Monate) Bestimmung von ALT und HBV-DNA während der Schwangerschaft und mindestens bis 6 Monate nach Entbindung durchgeführt werden.

[NKLM]

Empfehlung 5.41

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Sollte eine Patientin während einer antiviralen Therapie schwanger werden, soll die Behandlungsindikation überprüft werden.

Empfehlung 5.43

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit pegyliertem Interferon alfa soll abgesetzt bzw. umgestellt werden.

Empfehlung 5.44

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit Entecavir oder Adefovir soll umgestellt werden. 

Empfehlung 5.46

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Konsens


Wurde bisher keine antivirale Therapie durchgeführt, soll eine Therapie während der Schwangerschaft angeboten werden bei:
a) Aktiver Hepatitis, gemäß den Empfehlungen für nicht schwangere Frauen.

Empfehlung 5.47

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Konsens


b) Vorliegen einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/mL, um das Risiko einer vertikalen Transmission (Mutter-Kind Übertragung) zu reduzieren.

[NKLM, Klug entscheiden]

Empfehlung 5.50

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Schwangere soll über die Vorteile und möglichen Risiken der NA-Therapie aufgeklärt werden.

Empfehlung 5.52

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Mutter soll über die bislang wenig bekannten Risiken einer geringen Nukleos(t)idanaloga-Exposition der Kinder aufgeklärt werden.
5.13. Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Empfehlung 5.53

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei malignen Grunderkrankungen mit geplanter Chemotherapie oder vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie sollen HBsAg und Anti-HBc bestimmt werden.

[NKLM, Klug entscheiden, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV]

Empfehlung 5.54

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1, 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


Die Einschätzung über die Notwendigkeit einer antiviralen Therapie zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung soll abhängig von der vorliegenden Serologie (HBsAg+/Anti-HBc+ oder HBsAg- /Anti-HBc+) und der geplanten medikamentösen Therapie (Risiko-Klasse) erfolgen (Abb. "Algorithmus zur Prävention der Hepatitis-B-Reaktivierung")

a) sAg+-Patienten mit hohem Risiko (Reaktivierungsrate > 10 %) sollen mit Nukleos(t)idanaloga antiviral behandelt
werden [1, A], Patienten mit moderatem Risiko (Reaktivierungsrate 1–10 %) sollten behandelt werden. HBsAg+-Patienten mit niedrigem Risiko (< 1 %) sollen mindestens alle 8 Wochen kontrolliert werden und können ggfs. auch prophylaktisch antiviral behandelt werden.

Empfehlung 5.55

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


b) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten sollten bei geplanter B-Zell depletierender Immunsuppression oder Stammzell-/ Knochenmarktransplantation antiviral behandelt werden; bei Immunsuppression mit moderatem oder niedrigem Reaktivierungsrisiko sollen engmaschige Kontrollen erfolgen  oder es kann eine prophylaktische antivirale Therapie eingesetzt werden.
6.1. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Empfehlung 6.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit HBV-induzierter Leberzirrhose und/oder HCC und nachweisbarer HBV-DNA sollen umgehend und dauerhaft mit einem hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Empfehlung 6.2

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


HBsAg-positive Patienten mit negativer HBV-DNA sollen engmaschige HBV-DNA-Kontrollen (ca. alle 3 Monate) erhalten, eine antivirale Therapie ist in der Regel nicht erforderlich.

Empfehlung 6.3

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Kommt es bei Patienten auf der Transplantationswarteliste im Verlauf der antiviralen Therapie zu einer Rekompensation der HBV-induzierten Leberzirrhose ins Stadium Child A und liegt kein hepatozelluläres Karzinom (HCC) vor, soll die Indikation zur LTx erneut überprüft werden.

Empfehlung 6.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ein HCC-Screening soll mindestens alle 6 Monate durchgeführt werden.
6.3. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Empfehlung 6.7

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Reinfektionsprophylaxe ist bei Patienten mit HBV-Infektion obligat und soll initial mit einer Kombination aus einem hoch-potenten Nukleos(t)id-Analogon (NA) plus Hepatitis B-Immunglobulin (HBIG) erfolgen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 6.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit NA-Resistenz zum Zeitpunkt der LTx soll die Prophylaxe mit einem gegen die resistente HBV-Variante wirksamen NA in Kombination mit HBIG durchgeführt werden.

Empfehlung 6.12

2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit Zustand nach HBV-Infektion (Anti-HBc positiv) sollen auf HBV-DNA untersucht werden. Bei negativer HBV-DNA soll keine prophylaktische Therapie erfolgen. Eine HBV-Impfung sollte durchgeführt werden, sofern die Anti-HBs Konzentrationen <100 IU betragen. 
6.4. Wie ist das therapeutische Vorgehen bei nachgewiesener HBV-Reinfektion?

Empfehlung 6.13

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei bestätigter HBV-Reinfektion soll die HBIG-Therapie beendet werden und eine dauerhafte antivirale Therapie mit einem potenten NA (ETV, TDF, TAF) durchgeführt werden.

Empfehlung 6.14

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei fehlendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung soll eine Modifikation der Therapie entsprechend der Empfehlungen der AG3 erfolgen.
6.5. Wie ist das Management von HBV-infizierten Patienten mit kombinierter Organtransplantation (z. B. Leber plus Niere)?

Empfehlung 6.16

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die Dosierung überwiegend renal-eliminierter Medikamente soll an die Nierentransplantat-Funktion angepasst werden. 
6.6. Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Empfehlung 6.17

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Vor einer geplanten Organtransplantation sollen alle Patienten auf das Vorliegen einer aktuellen oder zurückliegenden HBV-Infektion untersucht werden.

Empfehlung 6.20

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer HBV-Infektion soll eine weitere Diagnostik entsprechend der üblichen diagnostischen Empfehlungen bei HBV-Infektion durchgeführt werden.

Empfehlung 6.21

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer Hepatitis B sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral behandelt werden.
6.7. Wie ist das Management von Patienten mit positiver HBV-Serologie nach Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber)? Wann, wie und bei wem wird eine Prophylaxe durchgeführt?

Empfehlung 6.22

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Unabhängig vom Stadium und der Aktivität der HBV-Infektion sollen alle HBsAg- bzw. HBV-DNA positiven Patienten eine dauerhafte antivirale Therapie mit hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) erhalten. Der Beginn der Therapie erfolgt spätestens zum Zeitpunkt der Transplantation.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 6.23

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBc-positiven bzw. Anti-HBc- plus Anti-HBs-positiven Patienten (Zustand nach HBV-Infektion) soll ein regelmäßiges Monitoring auf HBsAg und HBV-DNA erfolgen. Eine prophylaktische antivirale Therapie braucht nicht regelhaft durchgeführt zu werden.
6.8. Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Empfehlung 6.24

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Vor einer geplanten SZT sollen alle Patienten auf das Vorliegen einer HBV-Infektion mittels HBsAg-, Anti-HBc- und Anti-HBs-Testung untersucht werden. Bei Nachweis einer HBV-Infektion (HBsAg-positiv), soll eine weitere Diagnostik entsprechend der Empfehlungen (siehe "Diagnostik der Hepatitis B-Virusinfektion") durchgeführt werden.

Empfehlung 6.26

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral mit NA behandelt werden.

Empfehlung 6.27

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei niedrig-replikativer HBeAg-negativer HBV-Infektion soll zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden.

Empfehlung 6.33

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ohne Prophylaxe sollen jedoch nach SZT engmaschige Kontrollen der HBV-DNA (ca. alle 4 Wochen) erfolgen und bei messbarer HBV-DNA umgehend eine antivirale Therapie mit NA erfolgen.
6.9. Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?

Empfehlung 6.34

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation (HBsAg-positiv) soll unabhängig von der Aktivität der Erkrankung eine antivirale Therapie mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) begonnen werden.

Empfehlung 6.35

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine PEG-IFN-Therapie soll nicht eingesetzt werden.
6.10. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Empfehlung 6.36

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HBs-negativem Empfänger soll eine Prophylaxe mit einem NA durchgeführt werden. Eine kombinierte Prophylaxe mit HBIG + NA sollte nicht erfolgen. Die Prophylaxe mit einem NA sollte dauerhaft durchgeführt werden. Sofern die Prophylaxe beendet wird, sollen regelmäßige Kontrollen von HBsAg und HBV-DNA erfolgen werden.

Empfehlung 6.38

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei kombiniert Anti-HBs- und Anti-HBc-positiven Empfängern ist das Risiko einer HBV- Reaktivierung besonders gering. Hier kann der Verzicht auf eine Prophylaxe erwogen werden und stattdessen engmaschige Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg erfolgen. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll dann umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.

Empfehlung 6.39

Modifiziert 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine Prophylaxe mit HBIG und/oder einem NA sollte unabhängig vom Anti-HBs-Status des Transplantatempfängers aufgrund des insgesamt geringen Risikos der HBV-Infektion nicht erfolgen. Es sollten Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg im Verlauf durchgeführt werden. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.
6.11. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Empfehlung 6.41

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Alle Patienten, die eine Lebertransplantation eines HBsAg-positiven Spenders erhalten, sollen dauerhaft mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Empfehlung 6.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei allen anderen Organtransplantationen (nicht Lebertransplantation, inkl. SZT) eines HBsAg-positiven Spenders soll die Prophylaxe initial kombiniert mit HBIG plus potentem NA erfolgen (siehe Empfehlung 6.7).

Empfehlung 6.43

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer Stammzelltransplantation eines HBsAg-positiven Spenders soll zusätzlich der Spender möglichst frühzeitig vor der Transplantation mit einem hochpotenten NA behandelt werden.
6.12. Wer sollte vor einer Organtransplantation gegen HBV geimpft werden?

Empfehlung 6.45

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einem Anti-HBs-Spiegel <100 U/l sollen so früh wie möglich vor einer geplanten Organ-Tx unter Ausnutzung aller Strategien zur Steigerung des Impfansprechens gegen Hepatitis B geimpft werden.
7.1. Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?

Empfehlung 7.1

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) sollen geimpft werden:

Empfehlung 7.2

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


a) alle Säuglinge ab dem vollendeten 2. Lebensmonat,

Empfehlung 7.3

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


b) alle Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg- Status innerhalb von 12 Stunden,

Empfehlung 7.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


c) alle noch nicht geimpften Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, möglichst vor Beginn der Pubertät,

[NKLM]

Empfehlung 7.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


d) alle in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten Personen mit erhöhtem Hepatitis-B-Risiko (Tabelle "Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) - Stand August 2020").

[NKLM]
7.6. Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?

Empfehlung 7.26

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Personen, deren Anti-HBs-Konzentrationen 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung <10 IU/l betragen („Nonresponder“), sollen nach Ausschluss einer HBV-Infektion (HBsAg, Anti- HBc) erneut geimpft werden.
7.9. Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Empfehlung 7.34

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Neugeborene HBsAg-positiver Mütter sollen innerhalb von 12 Stunden nach Geburt aktiv-passiv (aktive Impfung plus Hepatitis-B-Immmunglobulin) immunisiert werden.

Empfehlung 7.35

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Schwangeren mit einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/ml soll eine antivirale Therapie angeboten werden, um das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung zusätzlich zur Postexpositionsprophylaxe zu reduzieren (siehe "Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?").

Empfehlung 7.36

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Sectio ausschließlich zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung soll nicht durchgeführt werden, wenn die HBV-DNA-Konzentration der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt <200.000 IU/ml ist und das Neugeborene aktiv-passiv geimpft wird.
7.12. Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Empfehlung 7.41

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei HBV-DNA-Konzentrationen <200 IU/ml sind keine Einschränkungen der Tätigkeit und keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Kontrollen der HBV-DNA sollen alle 3 Monate durchgeführt werden.

Empfehlung 7.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Werten zwischen 200 und 20.000 IU/ml soll eine individuelle Bewertung des Übertragungsrisikos je nach Tätigkeit erfolgen und ggf. Maßnahmen zur Senkung der Übertragungsgefahr ergriffen werden.
8.1. Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Empfehlung 8.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Der Einsatz von pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) soll bei allen Patienten mit chronischer HBV/HDV-Koinfektion und einer kompensierten Lebererkrankung geprüft werden.

Empfehlung 8.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose oder akuter fulminanter Hepatitis D sollen für eine Lebertransplantation evaluiert werden.
8.2. Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Empfehlung 8.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine replikative Hepatitis C (HCV-RNA positiv) soll bei allen HBsAg-positiven Personen antiviral behandelt werden. Die Auswahl des Therapieregimes erfolgt analog zur HCV-Monoinfektion. Die Indikation zur Therapie der HBV-Infektion erfolgt analog zur Therapieindikation bei der HBV-Monoinfektion (siehe "Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?").



[Leitlinienadaptation DGVS HCV-Leitlinie]

Empfehlung 8.7

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen HBsAg-positiven Patienten soll während und nach der HCV-Therapie eine Überwachung der HBV-DNA und ALT durchgeführt werden. 

Empfehlung 8.10

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A


Wird eine antivirale Therapie der HCV-Infektion bei Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Personen durchgeführt, soll eine HBV-DNA-Testung bei Verdacht auf eine HBV-Reaktivierung erfolgen.

Empfehlung 8.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HCV-positiven/HCV-RNA negativen Personen soll die Indikationsstellung zur Therapie der HBV-Infektion analog zu Anti-HCV-negativen Personen erfolgen.
8.4. Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Empfehlung 8.13

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die chronisch-replikative Hepatitis B (HBV-DNA positiv) soll bei HIV-Koinfizierten antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Empfehlung 8.14

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die HBV-Therapie soll im Rahmen einer antiretroviralen HIV-Therapie erfolgen. Die antiretrovirale Therapie soll Tenofovir (TDF oder TAF) enthalten.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]
9.1. Wie wird die Diagnose gestellt?

Empfehlung 9.1

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Diagnostik der Hepatitis B im Kindesalter soll sich an der Diagnostik im Erwachsenenalter orientieren (siehe Kapitel "Diagnostik der Hepatitis-B-Virusinfektion") und mindestens die Bestimmung von HBsAg, HBeAg, Anti-HBe, Anti-HBc und HBV-DNA sowie der Transaminasen umfassen.
9.3. Welche prophylaktischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Empfehlung 9.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen oder eine Berufsausbildung/Berufsausübung (unter Berücksichtigung der Empfehlungen "Immunprophylaxe der Hepatitis-B") soll im Regelfall nicht eingeschränkt oder verwehrt werden.

Empfehlung 9.12

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A


Im Falle einer HBV-Infektion soll:

  • Eine Aufklärung zu Transmissionsrisiko und Übertragungswegen erfolgen.
  • Eine aktive Immunisierung der in Gemeinschaftseinrichtungen lebenden Gruppenmitglieder und des Betreuungspersonals gemäß STIKO-Empfehlungen erfolgen.
  • Bei HBsAg-positiven Müttern die aktive und passive Immunisierung des Neugeborenen innerhalb von 12 Stunden nach der Entbindung erfolgen.
  • Eine aktive Immunisierung von Personen (und Sexualpartnern), die im gemeinsamen Haushalt leben, und von engen Freunden durchgeführt werden.

Leitlinie

Hepatitis B

1. Informationen zur Leitlinie

Die Informationen zur Leitlinie sind in dieser digitalen Kurzfassung nicht enthalten. Sie finden diese in der Original-PDF-Fassung der Leitlinie hier.

Besonderer Hinweis:

Die Medizin unterliegt einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle Angaben, insbesondere zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren, immer nur dem Wissensstand zurzeit der Drucklegung der Leitlinie entsprechen können. Hinsichtlich der angegebenen Empfehlungen zur Therapie und der Auswahl sowie Dosierung von Medikamenten wurde in allen unseren Leitlinien die größtmögliche Sorgfalt beachtet. Gleichwohl werden die Benutzerinnen und Benutzer aufgefordert, die Beipackzettel und Fachinformationen der Hersteller zur Kontrolle heranzuziehen und im Zweifelsfall einen Spezialisten zu konsultieren. Fragliche Unstimmigkeiten sollen bitte im allgemeinen Interesse der DGVS mitgeteilt werden. Der Benutzerinnen und Benutzer selbst bleiben verantwortlich für jede diagnostische und therapeutische Applikation, Medikation und Dosierung. In allen unseren Leitlinien sind eingetragene Warenzeichen (geschützte Warennamen) nicht besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus dem Fehlen eines entsprechenden Hinweises nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Unsere Leitlinien sind in allen ihren Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Bestimmung des Urhebergesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der DGVS unzulässig und strafbar. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung reproduziert werden. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung, Nutzung und Verwertung in elektronischen Systemen, Intranets und dem Internet.

2. Methodologisches Vorgehen

Die methodischen Details sind in dieser digitalen Kurzfassung nicht enthalten. Sie finden diese in der Original-PDF-Fassung der Leitlinie und im Leitlinienreport hier.

3. Diagnostik der Hepatitis-B-Virusinfektion

Diagnostik der Hepatitis-B-Virusinfektion

U. Protzer, C. Niederau, S. Böhm, S. Ciesek, J. Timm, V. Knop, P. Schirmacher, C. Schüttler

3.1. Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Evidenzbasierte Empfehlung 3.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Zur initialen Diagnostik einer HBV-Infektion soll HBsAg und in der Regel Anti-HBc bestimmt werden.

Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Hintergrund

Für das initiale Screening ist die Bestimmung von HBsAg und Anti-HBc erforderlich. HBsAg wird durch Immunoassays mit hoher Sensitivität und Spezifität bestimmt. Obwohl das HBsAg ein exzellenter Parameter für das Screening ist, können falsch negative und falsch positive Befunde die Diagnostik erschweren. In der Frühphase der Infektion kann die Menge an HBsAg so gering sein, dass auch empfindliche Tests es nicht nachweisen. Diese Phase kann mehrere Wochen dauern. Zu geringe Mengen an HBsAg unter der Nachweisgrenze werden auch bei bei gering ausgeprägter akuter oder persistierender okkulter HBV-Infektion beobachtet. Ein Nachweis der Infektion ist in diesen Fällen durch eine hochempfindliche Bestimmung der HBV- DNA möglich. Für das initiale Screening ist die Bestimmung von HBsAg und Anti-HBc ausreichend.

Ein falsch-negativer HBsAg-Test kann durch Escape-Variationen in den HBsAg-Epitopen bedingt sein, da solche Varianten u.U. nicht oder nur schlecht an die zur Detektion benutzten Antikörper binden (Evidenz 2b). * Scheiblauer, Heiner, Soboll, Heidemarie, Nick, Sigrid, Evaluation of 17 CE-marked HBsAg assays with respect to clinical sensitivity, analytical sensitivity, and hepatitis B virus mutant detection. Journal of Medical Virology, 2006. 78(S1): p. S66-S70., http://dx.doi.org/10.1002/jmv.20611
Da unterschiedliche HBsAg-Tests verschiedene Antikörper zum Nachweis verwenden, können diskrepante Ergebnisse entstehen (Evidenz 4). Eine Klärung kann durch den HBV- DNA-Nachweis mittels PCR erfolgen. * Westhoff, Timm H., Jochimsen, Friederike, Schmittel, Alexander, Stöffler-Meilicke, Marina, Schäfer, Jürgen H., Zidek, Walter, et.al. Fatal hepatitis B virus reactivation by an escape mutant following rituximab therapy. Blood, 2003. 102(5): p. 1930-1930., http://dx.doi.org/10.1182/blood-2003-05-1403* Awerkiew, Sabine, Däumer, Martin, Reiser, Marcel, Wend, Ulrike C., Pfister, Herbert, Kaiser, Rolf, et.al. Reactivation of an occult hepatitis B virus escape mutant in an anti-HBs positive, anti-HBc negative lymphoma patient. Journal of Clinical Virology, 2007. 38(1): p. 83-86., http://dx.doi.org/10.1016/j.jcv.2006.10.006 

Ein falsch-positives HBsAg-Testergebnis (gehäuft beobachtet bei Dialysepatienten oder post mortem bei Organspendern), kann in der Regel durch Neutralisation mit Anti-HBs (vom Hersteller empfohlener Bestätigungstest/Neutralisationstest) ausgeschlossen werden. Die Einbeziehung des Anti-HBc-Antikörper-Befundes und unter Umständen ein Nachweis von HBV-DNA können notwendig und sinnvoll sein.

Während ein positives HBsAg eine Viruspersistenz oder eine Integration von HBV-DNA in Hepatozyten anzeigt, findet man Anti-HBc-Antikörper nach fast jedem Viruskontakt. Der Nachweis von Anti-HBc IgG erlaubt keine Aussage, ob eine Infektion persistiert oder ausgeheilt ist.

Literatur

[1]

Scheiblauer, Heiner, Soboll, Heidemarie, Nick, Sigrid. Evaluation of 17 CE-marked HBsAg assays with respect to clinical sensitivity, analytical sensitivity, and hepatitis B virus mutant detection. Journal of Medical Virology 2006; 78: S66-S70

[2]

Westhoff, Timm H., Jochimsen, Friederike, Schmittel, Alexander, Stöffler-Meilicke, Marina, Schäfer, Jürgen H., Zidek, Walter, Gerlich, Wolfram H., et al. Fatal hepatitis B virus reactivation by an escape mutant following rituximab therapy. Blood 2003; 102: 1930-1930

[3]

Awerkiew, Sabine, Däumer, Martin, Reiser, Marcel, Wend, Ulrike C., Pfister, Herbert, Kaiser, Rolf, Willems, Wulf R., Gerlich, Wolfram H.. Reactivation of an occult hepatitis B virus escape mutant in an anti-HBs positive, anti-HBc negative lymphoma patient. Journal of Clinical Virology 2007; 38: 83-86

Evidenzbasierte Empfehlung 3.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen Schwangeren soll ein HBsAg-Screening erfolgen.

[NKLM]

Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Hintergrund

Da auch in Niedrig-Endemie-Gebieten 0,4 bis 1,5 % der Schwangeren HBsAg-Träger sind und damit ein Risiko der Übertragung der HBV-Infektion auf das Kind besteht, ist ein generelles HBsAg-Screening in der Schwangerschaft in Deutschland seit 1994 vorgeschrieben. Dieses Screening sollte so früh wie möglich durchgeführt werden, um mit der Therapie – falls erforderlich – nach dem ersten Trimester, aber idealerweise vor der 28. Schwangerschaftswoche beginnen zu können (siehe Kapitel 5.12). Die aktuelle Mutterschaftsrichtlinie sieht abweichend hiervon vor, bei allen Schwangeren nach der 32. Schwangerschaftswoche, möglichst nahe am Geburtstermin, einen Test auf eine Hepatitis-B- Virus (HBV)-Infektion der Mutter durchzuführen (HBsAg Test). (https://www.g-ba.de/downloads/62-492-2130/Mu-RL_2020-02-20_iK_2020-04-28.pdf).

Ist die Mutter HBsAg-positiv, soll das Neugeborene unmittelbar (innerhalb der ersten 12 Stunden) post partum gegen Hepatitis B aktiv und passiv immunisiert werden, um eine Mutter-Kind-Übertragung des HBV zu verhindern (siehe Kapitel 7.9)
Eine vertikale HBV-Transmission (Mutter-Kind Übertragung) kann trotz adäquat durchgeführter aktiv-passiver Impfung des Neugeborenen allerdings nicht komplett verhindert werden. * Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302* Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Hyun, M. H., Lee, Y. ‐S, Kim, J. H., Je, J. H., Yoo, Y. J., Yeon, J. E., et.al. Systematic review with meta‐analysis: the efficacy and safety of tenofovir to prevent mother‐to‐child transmission of hepatitis B virus. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2017. 45(12): p. 1493-1505., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14068* Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660

In verschiedenen Kohorten betrug das Übertragungsrisiko bis zu 32%, wenn die Mütter eine sehr hohe HBV-Viruslast hatten (≥ 107–108 IU/ml). Durch eine Reduktion der Viruslast (<200.000 IU/ml) mittels antiviraler Therapie (z.B. Tenofovir, TDF) lässt sich dieses Risiko reduzieren (siehe Kapitel 5.12). Bislang gibt es keine Evidenz, dass bei einer HBV-DNA < 200.000 IU/ml eine vertikale Transmission auftritt. * Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302* Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660

Daher empfehlen aktuelle internationale Leitlinien (EASL, AASLD, WHO), dass bei Vorliegen einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/mL eine antivirale Therapie mit Tenofovir (TDF) erfolgen sollte, um das Risiko einer vertikalen Transmission (Mutter-Kind Übertragung) zu reduzieren.* European Association for the Study of the, Liver, Corrigendum to: “EASL clinical practice guidelines: Management of chronic hepatitis B virus infection” [J Hepatol 2012;57:167–185]. Journal of Hepatology, 2013. 58(1): p. 201., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.09.013* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* World Health, Organization, Hepatitis B vaccines: WHO position paper, July 2017 – Recommendations. Vaccine, 2019. 37(2): p. 223-225., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2017.07.046 (siehe Kapitel 5.12)

Wird eine Therapie zur Reduzierung des vertikalen Transmissionsrisikos durchgeführt, sollte die Therapie möglichst frühzeitig begonnen werden, um die HBV-DNA zum Zeitpunkt der Geburt auf <200.000 IU/ml zu reduzieren. In den meisten Studien wurde die Therapie vor der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche gestartet * Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302* Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Hyun, M. H., Lee, Y. ‐S, Kim, J. H., Je, J. H., Yoo, Y. J., Yeon, J. E., et.al. Systematic review with meta‐analysis: the efficacy and safety of tenofovir to prevent mother‐to‐child transmission of hepatitis B virus. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2017. 45(12): p. 1493-1505., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14068* Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660* Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., Decker, L., Khamduang, W., Tierney, C., et.al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest, 2018. 38(3): p. 151-152., http://dx.doi.org/10.1097/01.aoa.0000542373.42105.69* Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, et.al. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports, 2018. 8(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-018-33833-w. Die WHO Leitlinie empfiehlt die Therapie – wenn erforderlich – vor der 28. Schwangerschaftswoche zu beginnen * ():, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32833415/.

Erfolgt das Screening auf HBsAg gemäß der Mutterschaftsrichtlinie erst nach der 32. Schwangerschaftswoche, werden Mütter mit einer Indikation für eine antivirale Therapie jedoch viel zu spät diagnostiziert. Deshalb wird ein früheres Screening empfohlen. Durch eine Bestimmung des HBsAg zu Beginn der Schwangerschaft, kann die infizierte Mutter rechtzeitig einem Experten zugewiesen, therapiert und eine Infektion des Neugeborenen verhindert werden.

Anmerkung zu den Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter: Um Impfversagen bzw. Virusdurchbrüche bei Neugeborenen HBV-infizierter Mütter zu erkennen, sollen Anti-HBs plus HBsAg/Anti-HBc 4-8 Wochen nach der Grundimmunisierung, also 1-2 Monate nach insgesamt 6 Monaten der Grundimmunisierung (bei Reifgeborenen) getestet werden. Bei Frühgeborenen gilt ein etwas anderes Impfschema bis Monat 12 (Details siehe 7.34).

In Ausnahmefällen kann auch eine HBsAg-negative, isoliert Anti-HBc-positive Mutter das Virus auf ihre Kinder (wenn nicht geimpft) übertragen. Da hieraus aber im Regelfall keine chronischen Infektionen resultierten, entstehen keine Konsequenzen für das Schwangeren-Screening. * Walz, Alexander, Wirth, Stefan, Hucke, Jürgen, Gerner, Patrick, Vertical Transmission of Hepatitis B Virus (HBV) from Mothers Negative for HBV Surface Antigen and Positive for Antibody to HBV Core Antigen. The Journal of Infectious Diseases, 2009. 200(8): p. 1227-1231., http://dx.doi.org/10.1086/605698

Literatur

[1]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., et al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 319-333

[2]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia. Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology 2018; 18:

[3]

Hyun, M. H., Lee, Y. ‐S, Kim, J. H., Je, J. H., et al. Systematic review with meta‐analysis: the efficacy and safety of tenofovir to prevent mother‐to‐child transmission of hepatitis B virus. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2017; 45: 1493-1505

[4]

Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, Zhang, Huaihong, Zou, Huaibin, Zhu, Baoshen, Zhao, Wenjing, Jiang, Hongxiu. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine 2016; 374: 2324-2334

[5]

European Association for the Study of the, Liver. Corrigendum to: “EASL clinical practice guidelines: Management of chronic hepatitis B virus infection” [J Hepatol 2012;57:167–185]. Journal of Hepatology 2013; 58: 201

[6]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[7]

World Health, Organization. Hepatitis B vaccines: WHO position paper, July 2017 – Recommendations. Vaccine 2019; 37: 223-225

[8]

Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., et al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest 2018; 38: 151-152

[9]

Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, Liu, Keying, Zhang, Lingyan, Chen, Dunjin, Wu, Yongzheng, Bai, Guiqin. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports 2018; 8:

[10]

. . ; ():

[11]

Walz, Alexander, Wirth, Stefan, Hucke, Jürgen, Gerner, Patrick. Vertical Transmission of Hepatitis B Virus (HBV) from Mothers Negative for HBV Surface Antigen and Positive for Antibody to HBV Core Antigen. The Journal of Infectious Diseases 2009; 200: 1227-1231

Evidenzbasierte Empfehlung 3.3

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine HBV-Diagnostik soll erfolgen bei:

  • Personen mit erhöhten Leberwerten und/oder klinischen Zeichen einer Hepatitis
  • allen Personen mit vorbestehender Erkrankung oder Immunsuppression, bei denen ein schwerer Verlauf einer Hepatitis B zu erwarten ist.  
      • Patienten mit Leberzirrhose/-fibrose
      • Patienten mit hepatozellulärem Karzinom
      • Dialyse-Patienten
      • HIV- und/oder HCV-Infizierten
      • Patienten vor bzw. während einer immunsuppressiven Therapie, einer Therapie mit B-Zell-depletierenden Antikörpern (Rituximab) oder Chemotherapie
      • Patienten mit einer angeborenen Immunschwäche
  • allen Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko für eine Hepatitis B
      • Personen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter HBsAg-Prävalenz
      • Familien- oder Haushaltsangehörige, insbesondere Kinder von HBsAg-positiven Müttern und Geschwister sowie Eltern von (aktuell oder ehemals) HBV-Infizierten
      • Sexualpartner von HBV-Infizierten
      • Medizinisches Personal
      • Patienten oder Personen in psychiatrischen Einrichtungen, Fürsorgeeinrichtungen für Zerebralgeschädigte oder Verhaltensgestörte, Justizvollzugsanstalten
      • Personen mit häufig wechselnden Sexualkontakten
      • Aktive und ehemalige i.v. Drogenbenutzer
      • Screening zur Vermeidung einer Transmission auf gesunde Empfänger von Knochenmark- oder Organtransplantaten vor und nach Transplantation
      • Blut-, Gewebe-, Samen- und Organspender
      • Schwangere (siehe 3.2)
[NKLM]

Wie und bei wem soll eine Diagnostik auf eine HBV-Infektion erfolgen?

Hintergrund

Aufgrund der Prävalenz einer persistierenden, HBsAg-positiven HBV-Infektion von 0,4 bis 0,8% und einer Prävalenz von Anti-HBc von ca. 7% in Deutschland und der schwerwiegenden Folgen einer chronischen HBV-Infektion (Evidenz 2a) ist es gerechtfertigt, die Indikation zur HBV-Diagnostik großzügig zu stellen * Robert Koch-Insitut. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Virushepatitis B, C und D im Jahr 2009.. Epidemiol Bull 20/2009: 177–190 Im Internet: www.rki.de/degs, 2009.* Ganem, Don, Prince, Alfred M., Hepatitis B Virus Infection — Natural History and Clinical Consequences. New England Journal of Medicine, 2004. 350(11): p. 1118-1129., http://dx.doi.org/10.1056/nejmra031087* McMahon, Brian J., Natural History of Chronic Hepatitis B. Clinics in Liver Disease, 2010. 14(3): p. 381-396., http://dx.doi.org/10.1016/j.cld.2010.05.007.

Obwohl das Hepatitis-B-Virus weltweit vorkommt, gibt es Hochendemie-Gebiete (> 50% der Bevölkerung Anti-HBc positiv) in Asien, dem Südpazifik, in Afrika südlich der Sahara, in Südamerika und im Mittleren Osten. Gebiete mit mittlerer Prävalenz (10-50% Anti-HBc positiv) sind der Mittelmeerraum und Osteuropa. Personen, die in diesen Gebieten geboren sind, oder deren Mütter aus diesen Regionen stammen, haben ein erhöhtes Risiko, HBV-Träger zu sein.

Das Screening von Migranten aus diesen Regionen hilft, die Infektion früh genug zu diagnostizieren, um eine Progression von Lebererkrankungen zu vermindern und ist kosteneffizient (Evidenz 2b). * Veldhuijzen, Irene K., Toy, Mehlika, Hahné, Susan J. M., De Wit, G. Ardine, Schalm, Solko W., de Man, Robert A., et.al. Screening and Early Treatment of Migrants for Chronic Hepatitis B Virus Infection Is Cost-Effective. Gastroenterology, 2010. 138(2): p. 522-530., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2009.10.039

Das HBV wird perinatal, perkutan durch Blut-zu-Blut-Kontakt oder durch Sexualkontakte übertragen. Da bereits geringste Mengen des Virus für eine Infektion ausreichen, kann es auch zur Übertragung bei engem Kontakt, z.B. innerhalb einer Familie, kommen. Ein weiterer, wichtiger Risikofaktor sind Handlungen oder Maßnahmen mit potentiellem Blutkontakt (z. B. Drogenkonsum, Doping, Piercing, Blutprodukte, Hämodialyse etc.). Auch Übertragungen bei operativen medizinischen oder zahnmedizinischen Eingriffen sind beschrieben. * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/

Da viele HBV-Infektionen inapparent verlaufen und eine HBV-Infektion den Verlauf und die Prognose einer nicht-HBV bedingten Lebererkrankung erheblich beeinflussen kann, soll bei Patienten mit einer Lebererkrankung grundsätzlich eine HBV-Diagnostik erfolgen. * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/
Unter Immunsuppression verlaufen HBV-Infektionen gehäuft chronisch, und es kann zu einer Reaktivierung durchgemachter HBV-Infektionen kommen (siehe auch „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“).

Literatur

[1]

. Robert Koch-Insitut. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Virushepatitis B, C und D im Jahr 2009.. Epidemiol Bull 20/2009: 177–190 Im Internet: www.rki.de/degs 2009; :

[2]

Ganem, Don, Prince, Alfred M.. Hepatitis B Virus Infection — Natural History and Clinical Consequences. New England Journal of Medicine 2004; 350: 1118-1129

[3]

McMahon, Brian J.. Natural History of Chronic Hepatitis B. Clinics in Liver Disease 2010; 14: 381-396

[4]

Veldhuijzen, Irene K., Toy, Mehlika, Hahné, Susan J. M., De Wit, G. Ardine, Schalm, Solko W., et al. Screening and Early Treatment of Migrants for Chronic Hepatitis B Virus Infection Is Cost-Effective. Gastroenterology 2010; 138: 522-530

[5]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

3.2. Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Konsensbasierte Empfehlung 3.4

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Personen der oben genannten Risikogruppen, die HBsAg und Anti-HBc-negativ sind und über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen, soll eine Impfung angeboten werden (siehe Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?).

[NKLM]

Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Hintergrund

Für den unter 3.3 genannten Personenkreis besteht gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch Institut eine eindeutige Indikation zur Impfung (siehe auch 7.5). Diese soll daher bei negativem HBsAg und Anti-HBc umgehend eingeleitet werden. Eine Impfindikation während der Schwangerschaft muss streng geprüft werden.

Konsensbasierte Empfehlung 3.5

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei HBsAg-positiven Personen soll die Diagnostik komplettiert und das Ausmaß der Leberkrankung bestimmt werden, um eine Therapieindikation abzuklären.

[NKLM]

Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Hintergrund

Wird HBsAg-positiv getestet, kann eine akute oder eine chronische HBV-Infektion vorliegen. Die klinische Untersuchung und die Bestimmung biochemischer Parameter (Aminotransferasen [AST und ALT], Gamma-Glutamyl-Transpeptidase [GGT], alkalische Phosphatase [AP], Bilirubin und Serumalbumin und Gammaglobulin, Vollblutbild und Prothrombinzeit) sind wichtig, um das Ausmaß der Leberkrankung zu bestimmen * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Evidenzbasierte Empfehlung 3.6

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei Verdacht auf eine akute Hepatitis B sollte zusätzlich zu HBsAg und Anti-HBc der Nachweis von Anti-HBc-IgM erfolgen, die HBV-DNA bestimmt sowie die ALT und Leberfunktion im Verlauf kontrolliert werden. (siehe Stufenschema „Serologische Diagnostik bei V.a. akute HBV-Infektion“).

[NKLM]

Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Hintergrund

Nach einer kürzlich stattgehabten HBV-Infektion und während einer akuten Hepatitis B kann man Anti-HBc-IgM in hoher Konzentration nachweisen. Es fällt mit der Ausheilung ab. Allerdings kann ein positives Anti-HBc-IgM in niedrigerer Konzentration auch bei Exazerbation einer chronischen Hepatitis B nachgewiesen werden (Evidenz 3b) * Colloredo Mels, G., Bellati, G., Leandro, G., Brunetto, Maurizia Rossana, Vicari, O., Piantino, P., et.al. Role of IgM antibody to hepatitis B core antigen in the diagnosis of hepatitis B exacerbationsSpringer Vienna. Research in Chronic Viral Hepatitis, 1993. p. 203-211., http://dx.doi.org/10.1007/978-3-7091-9312-9_20 .

Der alleinige Nachweis von Anti-HBc-IgM hat daher eine begrenzte Aussagekraft und eine Quantifizierung des Anti-HBc-IgM zur Differenzierung einer akuten von einer chronischen Hepatitis B mit akutem Schub kann sinnvoll sein.

Anti-HBs-Antikörper zeigen eine Immunität nach Impfung oder nach durchgemachter Infektion an. Bei einer frischen HBV-Infektion im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter ist in den meisten Fällen eine funktionale Ausheilung zu erwarten. Um diese nachzuweisen, sollen Anti- HBs-Antikörper bestimmt werden (s. Stufenschema 3.6). Die Bestimmung der Anti-HBs- Antikörper sollte ggf. alle 3 bis 12 Monate wiederholt werden, bis der Titer > 10 IU/l ist * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/.

Literatur

[1]

Colloredo Mels, G., Bellati, G., Leandro, G., et al. Role of IgM antibody to hepatitis B core antigen in the diagnosis of hepatitis B exacerbations. Research in Chronic Viral Hepatitis 1993; : 203-211

[2]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Tabelle 1: Stufenschema 3.6: Serologische Diagnostik bei V.a. akute HBV-Infektion:

Initial: HBsAg und Anti-HBc;

-> falls HBsAg bestätigt:
HBeAg, Anti-HBe; Anti-HBc IgM; ggf. HBV-DNA quantitativ

-> falls HBsAg isoliert positiv:
HBsAg-Bestätigungstest (Ausschluss einer falsch positiven Reaktion); -> falls bestätigt positiv: HBeAg, HBV-DNA;
nach 2 – 4 Wochen Kontrolle: HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBc IgM

-> falls nur Anti-HBc positiv:

Anti-HBs

-> falls Anti-HBs positiv: durchgemachte HBV-Infektion mit klinischer Ausheilung; evtl. Kontrolle im Verlauf bis Anti-HBs ≥ 10 IU/l

-> falls Anti-HBs negativ oder ALT erhöht: Anti-HBc-IgM; HBV-DNA quantitativ

(DD: frische HBV-Infektion / HBV-Escape-Variante / „Anti-HBc only“);

Konsensbasierte Empfehlung 3.7

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Verdacht auf eine chronische Hepatitis B:

  • sollen die HBV-Viruslast (HBV-DNA) und der HBeAg / Anti-HBe Status bestimmt werden (siehe Tabelle 2).
  • kann quantitatives HBsAg zur besseren Differenzierung der Phase und zur Beurteilung der Prognose der HBV-Infektion bestimmt werden (siehe Empfehlung 5.14).   
[NKLM]

Wie ist das weitere Vorgehen nach initialer HBV-Diagnostik (HBsAg / Anti-HBc)?

Hintergrund

Als Marker einer HBV-Virämie wird die HBV-DNA-Konzentration im Serum angesehen. Diese wird in der Regel mittels PCR nachgewiesen. Die meisten auf dem Markt verfügbaren Tests erlauben einen quantitativen Nachweis der HBV-DNA. Da dies keine wesentlichen Mehrkosten verursacht, das Ausmaß der HBV-Virämie aber große prognostische Bedeutung hat, ist der quantitative HBV-DNA Nachweis (standardisiert in IU/ml) der Goldstandard * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Chen, Chien-Jen, Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA, 2006. 295(1): p. 65., http://dx.doi.org/10.1001/jama.295.1.65* Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen, Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology, 2006. 130(3): p. 678-686., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2005.11.016* Chen, Gang, Lin, Wenyao, Shen, Fumin, Iloeje, Uchenna H., London, W. Thomas, Evans, Alison A., Past HBV Viral Load as Predictor of Mortality and Morbidity from HCC and Chronic Liver Disease in a Prospective Study. The American Journal of Gastroenterology, 2006. 101(8): p. 1797-1803., http://dx.doi.org/10.1111/j.1572-0241.2006.00647.x.

Das HBeAg ist als prognostischer Marker etabliert und ist (bei HBeAg-positiven HBV- Stämmen) ein Surrogat-Marker für die Aktivität der viralen RNA-Transkription in Hepatozyten * Yang, Hwai- I., Lu, Sheng-Nan, Liaw, Yun-Fan, You, San-Lin, Sun, Chien-An, Wang, Li-Yu, et.al. Hepatitis B e Antigen and the Risk of Hepatocellular Carcinoma. New England Journal of Medicine, 2002. 347(3): p. 168-174., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa013215.

Die Bestimmung des HBeAg/Anti-HBe-Serostatus ist sinnvoll, um die Prognose des weiteren Erkrankungsverlaufs sowie des Therapieansprechens eines Patienten abzuschätzen (Evidenz 3a) * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/.

Die quantitative Bestimmung des HBsAg kann die Quantifizierung der HBV-DNA nicht ersetzen, kann aber z. B. bei der Differenzierung zwischen einer akuten versus chronischen Hepatitis B zusätzliche Hilfestellung leisten und die Differenzierung der unterschiedlichen Phasen einer chronischen HBV-Infektion unterstützen. Die quantitative Bestimmung des HBsAg kann insbesondere helfen, die niedrig virämische Phase der HBeAg-negativen chronischen HBV-Infektion gegenüber der HBeAg-negativen chronischen Hepatitis besser abzugrenzen. Bei einer HBV- Viruslast < 2.000 IU/ml und einem HBsAg > 1.000 IU/ml liegt ein höheres Risiko einer Reaktivierung vor * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen, The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology, 2017. 66(2): p. 398-411., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2016.08.009.

Eine asiatische Studie berichtete bei Patienten mit einer Viruslast <2.000 IU/ml über ein 2%iges HCC-Risiko nach 20 Jahren, wenn das HBsAg <1.000 IU/ml ist, aber ein 8% Risiko bei einem HBsAg > 1.000 IU/ml * Tseng, Tai-Chung, Liu, Chun-Jen, Yang, Hung-Chih, Su, Tung-Hung, Wang, Chia-Chi, Chen, Chi-Ling, et.al. Serum hepatitis B surface antigen levels help predict disease progression in patients with low hepatitis B virus loads. Hepatology, 2012. 57(2): p. 441-450., http://dx.doi.org/10.1002/hep.26041.

Um die Prognose zu beurteilen und eine Therapieindikation zu überprüfen, ist eine ergänzende Diagnostik notwendig (s. unten).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[3]

Chen, Chien-Jen. Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA 2006; 295: 65

[4]

Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen. Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology 2006; 130: 678-686

[5]

Chen, Gang, Lin, Wenyao, Shen, Fumin, Iloeje, Uchenna H., London, W. Thomas, Evans, Alison A.. Past HBV Viral Load as Predictor of Mortality and Morbidity from HCC and Chronic Liver Disease in a Prospective Study. The American Journal of Gastroenterology 2006; 101: 1797-1803

[6]

Yang, Hwai- I., Lu, Sheng-Nan, Liaw, Yun-Fan, You, San-Lin, Sun, Chien-An, Wang, Li-Yu, Hsiao, Chuhsing K., Chen, Pei-Jer, Chen, Ding-Shinn, Chen, Chien-Jen. Hepatitis B e Antigen and the Risk of Hepatocellular Carcinoma. New England Journal of Medicine 2002; 347: 168-174

[7]

Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen. The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology 2017; 66: 398-411

[8]

Tseng, Tai-Chung, Liu, Chun-Jen, Yang, Hung-Chih, Su, Tung-Hung, Wang, Chia-Chi, Chen, Chi-Ling, Hsu, Cheng-An, Fang-Tzu Kuo, Stephanie, Liu, Chen-Hua, Chen, Pei-Jer, Chen, Ding-Shinn, Kao, Jia-Horng. Serum hepatitis B surface antigen levels help predict disease progression in patients with low hepatitis B virus loads. Hepatology 2012; 57: 441-450

Tabelle 2: Stufenschema 3.7: Serologische Diagnostik bei V.a. chronische HBV-Infektion:

Initial: HBsAg und Anti-HBc;

-> falls beide positiv:
HBeAg, Anti-HBe;
Anti-HBc-IgM (bei Differenzialdiagnose akute Hepatitis B); HBV-DNA quantitativ;
Anti-HDV

-> falls HBsAg isoliert positiv:
HBsAg-Bestätigungstest (Ausschluss einer falsch positiven Reaktion); ggf. HBV-DNA (bei Differenzialdiagnose akute/okkulte HBV-Infektion)
nach 2 – 4 Wochen: Kontrolle Anti-HBc

falls nur Anti-HBc positiv:

Anti-HBs

-> falls positiv: ausgeheilte Hepatitis B,
-> falls negativ: Anti-HBc bestätigen,
-> wenn bestätigt: „Anti-HBc only“-Status, bei klinischen Symptomen oder Frage der Infektiosität: HBV-DNA quantitativ
-> wenn HBV-DNA positiv: okkulte HBV-Infektion

3.3. Welche ergänzende Diagnostik ist bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion erforderlich?

Konsensbasierte Empfehlung 3.8

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion sollen zusätzlich folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Anamnese (inkl. Risikofaktoren, Familien-, Partneranamnese), körperliche Untersuchung
  • Ausschluss einer Koinfektion mit HCV, HDV und HIV
  • Hepatitis-A-Immunstatus (Frage Impfung)
  • Ausschluss einer Hepatitis-E-Virusinfektion
  • Klinisch-chemische Labortests
  • Ultraschall des Abdomens
[NKLM]

Welche ergänzende Diagnostik ist bei Erstdiagnose einer HBV-Infektion erforderlich?

Hintergrund

Um das Ausmaß der entzündlichen Veränderungen sowie eine mögliche Einschränkung der Leberfunktion einschätzen zu können, sind verschiedene, klinisch-biochemische Labortests (z.B. Leberentzündungs- und Lebersynthese-Parameter, Gesamtbilirubin), ein Vollblutbild sowie ein Gerinnungsstatus erforderlich. Bei Verdacht auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung sollten zur Bestimmung der Syntheseleistung der Leber zusätzliche Tests (Prothrombinzeit [Quick-Wert], Albumin) durchgeführt werden. Ein Ultraschall des Abdomens soll erfolgen, um evtl. Raumforderungen in der Leber und Begleiterkrankungen (z.B. Gallensteine, Fettleber) zu entdecken und ggf. Anhaltspunkte für Umbauprozesse des Lebergewebes zu gewinnen * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Um eine weitere Schädigung der Leber zu vermeiden, soll der Hepatitis-A-Immunstatus erhoben und eine Impfung erwogen werden. Aufgrund der hohen Verbreitung der Hepatitis-E- Infektion muss bei einem unklaren Anstieg der Transaminasen eine HEV-Koinfektion ausgeschlossen werden.

Ebenso sollen Koinfektionen mit dem Hepatitis-C-Virus und dem Hepatitis-D-Virus (s. unten) sowie bei Risikopatienten auch eine Infektion mit HIV ausgeschlossen werden * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/ .

Familienmitgliedern bzw. Partnern sowie engen Kontaktpersonen HBV-Infizierter sollen eine HBV-Diagnostik und eine Impfung angeboten werden (siehe 7.5)

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

3.4. Wann ist eine Hepatitis Delta Virus-Diagnostik indiziert? Wie wird eine Hepatitis Delta diagnostiziert?

Konsensbasierte Empfehlung 3.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Hepatitis-Delta-Virus(HDV)-Diagnostik soll bei allen Hepatitis-B-Patienten sowohl bei neu diagnostizierter HBV-Infektion als auch bei fehlender HDV-Testung bei bekannter HBV-Infektion durchgeführt werden. Insbesondere bei Exazerbation einer chronischen Hepatitis B soll eine HDV-Superinfektion ausgeschlossen werden.

[NKLM]

Wann ist eine Hepatitis Delta Virus-Diagnostik indiziert? Wie wird eine Hepatitis Delta diagnostiziert?

Hintergrund

Das HDV ist ein natürliches Satelliten-Virus des HBV, das weltweit vorkommt. Die Übertragung des HDV erfolgt parenteral. Freisetzung und Weitergabe des HDV hängen vom HBV ab, da HBV die Hüllproteine des HDV liefert. Eine HDV-Infektion kann somit nicht isoliert auftreten, sie kann nur bei HBsAg-positiven Patienten vorkommen.

Eine chronische HDV-Infektion ist durch die Persistenz der HDV-RNA über mindestens 6 Monate definiert. Die Quantifizierung der HDV-RNA dient der Therapie-Überwachung der chronischen Hepatitis D. Es gibt zwei Formen der HDV-Infektion: die simultane Infektion mit HBV und HDV sowie die HDV-Superinfektion von HBsAg-Trägern. Beide Formen können sowohl akut als auch chronisch verlaufen. Eine Koinfektion mit dem HDV findet man in Ost- und Westeuropa bei 5-12% der Patienten mit einer chronischen Hepatitis B.

Die HBV-Richtlinien der AASLD 2016 empfehlen die Testung auf HDV (Anti-HDV) von HBsAg- positiven Personen, die einem Risiko für HDV ausgesetzt sind, einschließlich HIV-Infizierter, Personen, die Drogen injizieren, Männer, die Sex mit Männern haben, und Immigranten aus Gebieten mit hoher HDV-Prävalenz. Darüber hinaus empfiehlt die AASLD-Leitlinie, dass HBsAg-positive Patienten mit niedriger oder nicht nachweisbarer HBV-DNA, aber hohem ALT- Werten auf HDV getestet werden sollten. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156 

Die Empfehlungen der AASLD-Leitlinie sind sehr komplex und können zu Fehlinterpretationen führen. Aufgrund der hohen Morbidität und Mortalität sollte keine HDV-Koinfektion übersehen werden. * Wedemeyer, Heiner, Manns, Michael P., Epidemiology, pathogenesis and management of hepatitis D: update and challenges ahead. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology, 2010. 7(1): p. 31-40., http://dx.doi.org/10.1038/nrgastro.2009.205
Daher wurde mit einem starken Konsens die Testung aller HBsAg-positiven Patienten in Deutschland empfohlen.

Literatur

[1]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[2]

Wedemeyer, Heiner, Manns, Michael P.. Epidemiology, pathogenesis and management of hepatitis D: update and challenges ahead. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology 2010; 7: 31-40

Konsensbasierte Empfehlung 3.10

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Im Screening-Test werden Anti-HDV-Antikörper bestimmt. Da der Nachweis von Anti-HDV nicht zwischen einer persistierenden und einer ausgeheilten Hepatitis D unterscheiden kann, soll bei positivem Anti-HDV ein Virusnachweis im Blut mittels HDV-RNA erfolgen.

[NKLM]

Wann ist eine Hepatitis Delta Virus-Diagnostik indiziert? Wie wird eine Hepatitis Delta diagnostiziert?

Hintergrund

Der Nachweis von Anti-HDV-Antikörpern erfolgt durch Immunoassays (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Der Virusnachweis und damit der Nachweis der Infektiosität erfolgt durch den Nachweis von HDV-RNA (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Vor und während der Therapie einer HDV-Infektion z.B. mit Interferon alfa sollte ein Monitoring der HDV-RNA erfolgen. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Es sollte ein CE-zertifizierter HDV-RNA Nachweistest nach Angaben des Herstellers verwendet werden (Expertenmeinung). Wichtig ist die Beachtung der Extraktionsmethode, die bei inkorrekter Anwendung zu Schwankungen der Nachweisgrenze führen kann (Evidenz 3b). * Bremer, Birgit, Anastasiou, Olympia E., Ciesek, Sandra, Wedemeyer, Heiner, Automated Nucleic Acid Isolation Methods for HDV viral Load Quantification can Lead to viral Load Underestimation. Antiviral Therapy, 2018. 24(2): p. 117-123., http://dx.doi.org/10.3851/imp3281 

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Bremer, Birgit, Anastasiou, Olympia E., Ciesek, Sandra, Wedemeyer, Heiner. Automated Nucleic Acid Isolation Methods for HDV viral Load Quantification can Lead to viral Load Underestimation. Antiviral Therapy 2018; 24: 117-123

Tabelle 3: Diagnostische Kriterien einzelner Verlaufsformen der Hepatitis B/D

Akute Hepatitis B:

– HBsAg-positiv und Anti-HBc-IgM hoch positiv;

– bei fehlendem HBsAg: HBeAg, HBV-DNA

– Verlauf ≤ 6 Monate

Chronische Hepatitis B:

HBeAg positive chronische Hepatitis B
HBeAg negative chronische Hepatitis B

– HBsAg positiv > 6 Monate
– HBeAg positiv oder HBeAg negativ
– persistierend oder intermittierend erhöhte ALT/GPT-Werte
– HBV-DNA initial > 2.000 IU/ml
– wenn vorhanden: Leberhistologie mit Zeichen der chronischen Hepatitis

HBsAg-Träger-Status:

HBeAg positive chronische HBV-Infektion

HBeAg negative chronische HBV-Infektion

– HBsAg positiv > 6 Monate
– persistierend normale ALT/GPT-Werte
– Leberbiopsie (optional) ohne wesentliche Hepatitis (Grading 0 – 1 nach Desmet)
– hochvirämisch: HBeAg positiv ; HBV-DNA > 2.000 IU/ml (selten: HBeAg negativ bei HBeAg-negativen HBV Varianten)
– inaktiv: HBeAg negativ; HBV-DNA ≤ 2.000 IU/ml
Ausgeheilte Hepatitis B:

– Nachweis von Anti-HBc und Anti-HBs ≥ 10 IU/l

– HBsAg negativ

– HBV-DNA negativ*

Sonderfall: „Anti-HBc only“

– Nachweis von Anti-HBc (bestätigt)

– HBsAg negativ, Anti-HBs negativ oder < 10 IU/l

– HBV-DNA negativ*
– normale ALT/GPT-Werte

Okkulte HBV-Infektion– Nachweis von Anti-HBc (bestätigt)
– HBsAg negativ
– HBV-DNA positiv (≥20 IU/ml) *
Hepatitis Delta:– HBsAg-positiv
– Anti-HDV positiv
– falls HDV-RNA positiv: aktive Infektion

* in Ausnahmefällen kann auch bei HBsAg-negativen Patienten mittels PCR noch HBV in minimalen Mengen nachweisbar sein (d.h. < 20 IU / ml)

3.5. Wie soll die Verlaufsdiagnostik von Patienten ohne antivirale Therapie erfolgen?

Konsensbasierte Empfehlung 3.11

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute HBV-Infektion soll überwacht werden, bis ein HBsAg-Verlust erreicht ist  (s. Tabelle „Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer akuten HBV-Infektion“).

[NKLM]

Wie soll die Verlaufsdiagnostik von Patienten ohne antivirale Therapie erfolgen?

Hintergrund

Die Ausheilung einer Hepatitis B wird serologisch diagnostiziert, eine Bestimmung der HBV-DNA ist nur bei gezielten Fragestellungen erforderlich (z.B. unklare serologische Befund-Konstellation, Infektiosität) (s. Tabelle „Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer akuten HBV-Infektion“).
Bei Ausheilung einer akuten Hepatitis B kommt es häufig erst verzögert zum Auftreten von Anti-HBs-Antikörpern, in ca. 25% der Patienten sind diese auch nach 24 Monaten noch nicht nachweisbar (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Daher kann nach Negativierung des HBsAg je nach klinischem Bild die Verlaufskontrolle in großen Intervallen erfolgen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 3.12

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion ohne antivirale Therapie sollen regelmäßige Verlaufskontrollen erhalten. Diese umfasst die Bestimmung der ALT-Aktivität im Serum, die Bestimmung der HBV-Viruslast, einen Ultraschall des Abdomens und ggf. Fibrosediagnostik. Die Frequenz sollte sich nach dem klinischen Verlauf richten (s. Tabelle „Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer chronischen HBV-Infektion“).

[NKLM]

Wie soll die Verlaufsdiagnostik von Patienten ohne antivirale Therapie erfolgen?

Hintergrund

Die Intervalle der Verlaufsuntersuchungen einer chronischen HBV-Infektion, für die keine Therapieindikation vorliegt, hängen vom klinischen Verlauf ab und müssen individuell festgelegt werden (Entzündliche Aktivität? Höhe der Virämie? Vorliegen einer Leberzirrhose? Risiko für die Entwicklung eines HCC?) (siehe Tabelle „Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer chronischen HBV-Infektion“). Wichtig ist eine Regelmäßigkeit der ärztlichen Kontrolle, um eine evtl. Zunahme der entzündlichen Aktivität bzw. ein Fortschreiten der Lebererkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Eine einmalige, quantitative Bestimmung des HBsAg in Kombination mit der Virämie (HBV-DNA <2.000 IU/ml und HBsAg <1.000 IU/ml) kann mit einem prädiktiven Wert von 90% einen inaktiven HBsAg-Träger identifizieren (siehe 3.7). Eine quantitative HBsAg-Bestimmung kann daher in bestimmten Situationen sinnvoll sein. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Tabelle 4: Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer akuten HBV-Infektion

– Transaminasenaktivität und Prothrombinzeit nach klinischem Bedarf und Verlauf (cave:fulminantes Leberversagen!) wiederholen bis zur Normalisierung
– HBsAg / Anti-HBs alle 3-12 Monate bis zur Anti-HBs Serokonversion
– Immunität kann bei Anti-HBs > 10 IU/l angenommen werden, wenn HBsAg negativ ist
– bei HBsAg negativ / Anti-HBs < 10 IU/l: HBV-DNA; Kontrolle nach 12 Monaten

Tabelle 5: Algorithmus zur Verlaufskontrolle einer chronischen HBV-Infektion

Kontrollintervall: Bei allen Patienten im ersten Jahr mind. 3x, anschließend je nach klinischer Aktivität der Erkrankung alle 3-12 Monate Transaminasenaktivität und HBV-DNA quantitativ bestimmen

– bei Vorliegen einer Leberfibrose oder -zirrhose Kontrolle alle 6 Monate
– Ultraschall des Abdomens und ggf. AFP zur HCC-Surveillance bei erhöhtem HCC- Risiko (siehe auch „Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?“)

Bei Patienten mit chronischer Hepatitis B alle 6 Monate:
– Klinische Chemie (Leberentzündungs- und Lebersynthese-Parameter,Blutbild, Prothrombinzeit)
– HBV-DNA (quantitativ)
– HBeAg (sofern initial positiv), wenn negativ: Anti-HBe
– HBsAg (ggf. quantitativ), wenn negativ: Anti-HBs (Frage: Ausheilung?)

Bei Patienten mit chronischer HBV-Infektion

– HBV-DNA <2000 und HBsAg <1000 IU/ml: alle 12 Monate
– HBV-DNA <2000 und HBsAg >1000 IU/ml: alle 6 Monate

– HBeAg, wenn negativ: Anti-HBe, HBsAg kontrollieren (ggf. quantitativ)

– wenn HBsAg negativ: Anti-HBs (Frage: Ausheilung?)

– bei Anstieg der Transaminasenaktivität über den Normwert:

siehe chronische Hepatitis B

3.6. Wie sollte das Therapie-Monitoring bei chronischer Hepatitis B aussehen?

Konsensbasierte Empfehlung 3.13

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit direkt wirksamen antiviralen Medikamenten (z.B. Nukleos(t)id-Analoga) werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
Während der Therapie (s. auch „Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft? und „Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?“):

  • HBV-DNA quantitativ:
      • im ersten Jahr alle 3 Monate
      • nach dem 1. Jahr kann bei virologischem Ansprechen das Intervall auf alle 6 Monate verlängert werden
  • Resistenz-Varianten bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Verdacht auf Resistenzentwicklung        
  • HBeAg (falls positiv) alle 6-12 Monate, bei Verlust Anti-HBe.
  • HBsAg quantitativ.
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate

Konsensbasierte Empfehlung 3.14

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Therapie mit Interferon oder Immunmodulatoren werden vor Therapie bzw. zum Therapie-Monitoring folgende Untersuchungen empfohlen:

Vor Therapie:

  • HBV-DNA quantitativ
  • klinisch-chemische Labortests
  • HBeAg / Anti-HBe
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg
  • HBV Genotypisierung
Während der Therapie (siehe auch „Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?“):

  • HBV-DNA quantitativ alle 3 Monate
  • Klinisch-chemische Labortests alle 3 Monate
  • Quantitative Bestimmung des HBsAg nach 12 und 24 Wochen
  • Anti-HBs bei HBsAg Verlust,
  • HBeAg (falls positiv) alle 3 Monate, bei Verlust Anti-HBe

Wie sollte das Therapie-Monitoring bei chronischer Hepatitis B aussehen?

Hintergrund

Vor Einleitung einer antiviralen Therapie ist v.a. die Bestimmung der HBV-DNA und der Transaminasen wichtig, um den Therapieerfolg zu beurteilen. So zeigt z.B. ein erneuter Anstieg der HBV-DNA nach initialem Abfall ein Therapieversagen während einer NA-Therapie an. Hier sollte sichergestellt werden, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen wurden, bevor ein Therapieversagen diagnostiziert wird. In zahlreichen Studien ist belegt, dass ein Jahr nach Beginn einer Therapie mit Lamivudin 15-30% der Patienten Mutationen im Polymerase-Gen des HBV, vorwiegend im YMDD-Motiv, aufweisen (siehe „Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?“). Auch für Adefovir, Entecavir und Telbivudin sind Resistenzmutationen beschrieben, die evtl. bereits vor Therapie vorliegen können. Sie vermitteln zum Teil Kreuzresistenzen gegenüber mehreren Nukleosid-/Nukleotid-Analoga. Für Tenofovir stellt die Entstehung von Resistenzvarianten klinisch bislang kein klinisch relevantes Problem dar (siehe „Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?“). Sowohl bei Versagen einer laufenden Therapie als auch bei primärem Nichtansprechen sollte daher eine Resistenzbestimmung des HBV erfolgen (i.d. Regel genotypisch), um einen gezielten Therapie-Wechsel vornehmen zu können. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

HBeAg/Anti-HBe vor und während (alle 3-6 Monate) der Therapie sind wichtig, um bei initial HBeAg-positiven Patienten im Verlauf der Therapie eine Anti-HBe-Serokonversion zu dokumentieren. Das ist wichtig für die Beurteilung des Therapieerfolgs einer Interferon- Therapie oder zur Entscheidung der Therapiedauer (Therapiebeendigung) einer NA-Therapie (siehe „Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?“).

Die HBsAg-Serumkonzentration kann als Surrogat-Marker für die Menge an intrahepatischer cccDNA dienen (siehe Empfehlung 3.7). Die quantitative Bestimmung erfolgt in IU/ml mittels geeichter Immunassays (1 IU/ml entspricht etwa 0,88+/-0,20 ng/ml nativem HBsAg Protein je nach HBV-Genotyp). Ein kontinuierlicher Abfall der HBsAg-Konzentration kann als prädiktiver Marker für ein Ansprechen auf eine Interferon alfa-Therapie (siehe „Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?“) oder eine HBsAg-Elimination unter Nukleos(t)id-Analoga (NA) dienen. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

Da das Therapieansprechen auf Interferon alfa u.a. vom HBV-Genotyp abhängig sein kann, kann vor Einleitung einer solchen Therapie die Bestimmung des Genotyps sinnvoll sein (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

3.7. Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC-Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?

Konsensbasierte Empfehlung 3.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei erhöhtem HCC-Risiko sollte mindestens alle 6 Monate ein abdomineller Ultraschall durch einen erfahrenen Untersucher durchgeführt werden. Dieses soll insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose erfolgen.

[NKLM, Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC- Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?

Hintergrund

Ein hohes HCC-Risiko (s. auch Tabelle „HCC-Inzidenz/100 Personen-Jahre bei Subgruppen von Patienten mit chronischer HBV-Infektion“) haben Patienten mit fortgeschrittener Leberfibrose oder Leberzirrhose, Patienten mit langjähriger, hoher Virämie (> 2.000 IU/ml), Patienten mit erhöhten Transaminasen und Patienten mit positivem HBeAg und / oder HBV-Genotyp C-Virusinfektion (Evidenz 2b, (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Weitere Risiko-Faktoren sind männliches Geschlecht, Alter >40 Jahre, positive HCC-Familienanamnese, Migrationshintergrund aus hyperendemischen Gebieten, Alkoholkonsum oder Aflatoxinexposition (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Die EASL- und DGVS-Leitlinien zum HCC empfehlen, dass die sonographische Früherkennung durch einen qualifizierten Untersucher erfolgen sollte. Die deutschen S3-Leilinien zum HCC empfehlen zudem den Gebrauch der Geräteklasse DEGUM Stufe II durch Ärzte mit einer Qualifikation der DEGUM-Stufe II (oder höher). * Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., Arends, J., Bartenstein, P., Bechstein, W., et.al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2013. 51(11): p. 1269-1326., http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1355841

Die DEGUM-Einstufung der Untersucherqualität wird begründet mit einer unkontrollierten Studie, die zeigt, dass Ärzte der DEGUM III-Qualifikation eine bessere HCC-Erkennungsrate hatten als die mit einer DEGUM I- und II-Qualifikation. Diese Studie hat erhebliche methodische Mängel (Evidenzgrad IIIb) und untersucht zudem auch nicht, ob Ärzte mit DEGUM II-Qualifikation eine höhere HCC-Erkennungsrate haben als die mit einer DEGUM I- Qualifikation oder Ärzte ohne DEGUM-Qualifikation. * Heese, F., Görg, C., Diagnostische Wertigkeit einer internistischen Referenzsonographie (DEGUM-Stufe 3). Ultraschall in der Medizin - European Journal of Ultrasound, 2006. 27(03): p. 220-224., http://dx.doi.org/10.1055/s-2006-926665

Die DEGUM-Qualifikation wird deshalb nicht in die Leitlinienempfehlung aufgenommen. Ursprünglich wurde ein Vorsorgeintervall von 6 Monaten empfohlen, da die Verdopplungszeit des HCC im Mittel zwischen 140 und 200 Tagen liegt. * Sheu, Jin-Chuan, Sung, Juei-Low, Chen, Ding-Shinn, Yang, Pei-Ming, Lai, Ming-Yang, Lee, Chue-Shue, et.al. Growth rate of asymptomatic hepatocellular carcinoma and its clinical implications. Gastroenterology, 1985. 89(2): p. 259-266., http://dx.doi.org/10.1016/0016-5085(85)90324-5* Trinchet, Jean-Claude, Chaffaut, Cendrine, Bourcier, Valérie, Degos, Françoise, Henrion, Jean, Fontaine, Hélène, et.al. Ultrasonographic surveillance of hepatocellular carcinoma in cirrhosis: A randomized trial comparing 3- and 6-month periodicities. Hepatology, 2011. 54(6): p. 1987-1997., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24545* Barbara, Luigi, Benzi, Giovanna, Gaiani, Stefano, Fusconi, Fabio, Zironi, Gianni, Siringo, Sebastiano, et.al. Natural history of small untreated hepatocellular carcinoma in cirrhosis: A multivariate analysis of prognostic factors of tumor growth rate and patient survival. Hepatology, 1992. 16(1): p. 132-137., http://dx.doi.org/10.1002/hep.1840160122  
Eine Studie aus Taiwan verglich den Wert einer Sonographie alle 4 versus alle 12 Monate bei Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C. Obwohl in der 4-Monats-Gruppe mehr Frühkarzinome erkannt wurden als in der 12-Monatsgruppe, waren die Überlebensraten über 4 Jahre nicht unterschiedlich. * Wang, Jing-Houng, Chang, Kuo-Chin, Kee, Kwong-Ming, Chen, Pao-Fei, Yen, Yi-Hao, Tseng, Po-Lin, et.al. Hepatocellular Carcinoma Surveillance at 4- vs. 12-Month Intervals for Patients With Chronic Viral Hepatitis: A Randomized Study in Community. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(3): p. 416-424., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2012.445

Die NICE-Leitlinie enthält ein systematisches Review und eine Meta-Analyse zur Häufigkeit der Vorsorge (in diesem Fall mit Ultraschall + AFP-Messung); nach diesen Analysen kommt NICE zu dem Schluss, dass das auch in den anderen drei Leitlinien empfohlenen Intervall von 6 Monaten optimal ist (Evidenzgrad IIa); ein kürzeres Intervall von 3-4 Monaten hatte keine Vorteile und längere Intervalle von 9-12 Monaten hatten eher Nachteile für die Früherkennung * Sarri, G., Westby, M., Bermingham, S., Hill-Cawthorne, G., Thomas, H., Diagnosis and management of chronic hepatitis B in children, young people, and adults: summary of NICE guidance. BMJ, 2013. 346(jun26 3): p. f3893-f3893., http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f3893.

Eine weitere Meta-Analyse zeigte, dass die Sensitivität der 6-monatlichen Untersuchung um 20 % besser war als die der 12-monatlichen. * Singal, A., Volk, M. L., Waljee, A., Salgia, R., Higgins, P., Rogers, M. A. M., et.al. Meta‐analysis: surveillance with ultrasound for early‐stage hepatocellular carcinoma in patients with cirrhosis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2009. 30(1): p. 37-47., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2009.04014.x.
In asiatischen Leitlinien wird für Hochrisikogruppen eine Verkürzung des Untersuchungsintervalls auf 3-4 Monate empfohlen, auch dies aufgrund der Evidenz der Expertenmeinung * Sarin, S. K., Kumar, M., Lau, G. K., Abbas, Z., Chan, H. L. Y., Chen, C. J., et.al. Asian-Pacific clinical practice guidelines on the management of hepatitis B: a 2015 update. Hepatology International, 2015. 10(1): p. 1-98., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-015-9675-4 * KASL clinical practice guidelines: management of chronic hepatitis B.. Clin Mol Hepatol, 2016. 22 (1)(1): p. 18-75., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27044762/ * Park, Yeon Hee, Kim, Tae-Yong, Kim, Gun Min, Kang, Seok Yun, Park, In Hae, Kim, Jee Hyun, et.al. Palbociclib plus exemestane with gonadotropin-releasing hormone agonist versus capecitabine in premenopausal women with hormone receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer (KCSG-BR15-10): a multicentre, open-label, randomised, phase 2 trial. The Lancet Oncology, 2019. 20(12): p. 1750-1759., http://dx.doi.org/10.1016/s1470-2045(19)30565-0

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., et al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie 2013; 51: 1269-1326

[3]

Heese, F., Görg, C.. Diagnostische Wertigkeit einer internistischen Referenzsonographie (DEGUM-Stufe 3). Ultraschall in der Medizin – European Journal of Ultrasound 2006; 27: 220-224

[4]

Sheu, Jin-Chuan, Sung, Juei-Low, Chen, Ding-Shinn, Yang, Pei-Ming, Lai, Ming-Yang, Lee, Chue-Shue, Hsu, Hey-Chi, Chuang, Che-Nan, Yang, Pan-Chyr, Wang, Teh-Hong, Lin, Jaw-Town, Lee, Cha-Ze. Growth rate of asymptomatic hepatocellular carcinoma and its clinical implications. Gastroenterology 1985; 89: 259-266

[5]

Trinchet, Jean-Claude, Chaffaut, Cendrine, Bourcier, Valérie, Degos, Françoise, Henrion, Jean, Fontaine, Hélène, Roulot, Dominique, Mallat, Ariane, Hillaire, Sophie, Cales, Paul, Ollivier, Isabelle, Vinel, Jean-Pierre, Mathurin, Philippe, Bronowicki, Jean-Pierre, Vilgrain, Valérie, N’Kontchou, Gisèle, Beaugrand, Michel, Chevret, Sylvie. Ultrasonographic surveillance of hepatocellular carcinoma in cirrhosis: A randomized trial comparing 3- and 6-month periodicities. Hepatology 2011; 54: 1987-1997

[6]

Barbara, Luigi, Benzi, Giovanna, Gaiani, Stefano, Fusconi, Fabio, Zironi, Gianni, Siringo, Sebastiano, Rigamonti, Alessandra, Barbara, Carlotta, Grigioni, Walter, Mazziotti, Alighieri, Bolondi, Luigi. Natural history of small untreated hepatocellular carcinoma in cirrhosis: A multivariate analysis of prognostic factors of tumor growth rate and patient survival. Hepatology 1992; 16: 132-137

[7]

Wang, Jing-Houng, Chang, Kuo-Chin, Kee, Kwong-Ming, Chen, Pao-Fei, Yen, Yi-Hao, Tseng, Po-Lin, Kuo, Yuan-Hung, Tsai, Ming-Chao, Hung, Chao-Hung, Chen, Chien-Hung, Tai, Wei-Chen, Tsai, Lin-San, Chen, Shu-Chuan, Lin, Sheng-Che, Lu, Sheng-Nan. Hepatocellular Carcinoma Surveillance at 4- vs. 12-Month Intervals for Patients With Chronic Viral Hepatitis: A Randomized Study in Community. American Journal of Gastroenterology 2013; 108: 416-424

[8]

Sarri, G., Westby, M., Bermingham, S., et al. Diagnosis and management of chronic hepatitis B in children, young people, and adults: summary of NICE guidance. BMJ 2013; 346: f3893-f3893

[9]

Singal, A., Volk, M. L., Waljee, A., et al. Meta‐analysis: surveillance with ultrasound for early‐stage hepatocellular carcinoma in patients with cirrhosis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2009; 30: 37-47

[10]

Sarin, S. K., Kumar, M., Lau, G. K., et al. Asian-Pacific clinical practice guidelines on the management of hepatitis B: a 2015 update. Hepatology International 2015; 10: 1-98

[11]

. KASL clinical practice guidelines: management of chronic hepatitis B.. Clin Mol Hepatol 2016; 22 (1): 18-75

[12]

Park, Yeon Hee, Kim, Tae-Yong, Kim, Gun Min, Kang, Seok Yun, Park, In Hae, Kim, Jee Hyun, Lee, Kyoung Eun, Ahn, Hee Kyung, Lee, Moon Hee, Kim, Hee-Jun, Kim, Han Jo, Lee, Jong In, Koh, Su-Jin, Kim, Ji-Yeon, Lee, Kyung-Hun, Sohn, Joohyuk, Kim, Sung-Bae, Ahn, Jin-Seok, Im, Young-Hyuck, Jung, Kyung Hae, Im, Seock-Ah, Ahn, H. K., Cho, E. K., Park, I. H., et al. Palbociclib plus exemestane with gonadotropin-releasing hormone agonist versus capecitabine in premenopausal women with hormone receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer (KCSG-BR15-10): a multicentre, open-label, randomised, phase 2 trial. The Lancet Oncology 2019; 20: 1750-1759

Tabelle 6: HCC-Inzidenz/100 Personen-Jahre bei Subgruppen von Patienten mit chronischer HBV-Infektion

(Adaptiert und modifiziert nach * Thiele, Maja, Gluud, Lise Lotte, Fialla, Annette Dam, Dahl, Emilie Kirstine, Krag, Aleksander, Large Variations in Risk of Hepatocellular Carcinoma and Mortality in Treatment Naïve Hepatitis B Patients: Systematic Review with Meta-Analyses. PLoS ONE, 2014. 9(9): p. e107177., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0107177)

Variable (therapienaive Patienten)HCC-Inzidenz/100Personen-Jahre95%-Konfidenzintervall
alle0.880.76–0.99
Zirrhose3.162.58–3.74
keine Zirrhose0.100.02–0.18
HBeAg positiv1.470.40–2.55
HBeAg negativ0.720.21–1.23
HCV Koinfektion3.731.59–5.86
Männer0.630.40–0.86
Frauen0.290.04–0.53
≥ 50 Jahre3.922.72–5.11
< 50 Jahre0.820.69-0.95
Studien mit <50% Patienten mit erhöhter ALT1.861.30-2.42
Studien mit >50% Patienten mit erhöhter ALT0.320.21-0.43

Konsensbasierte Empfehlung 3.16

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Das Kontrollintervall kann je nach Risikoabschätzung (Tabelle „Früherkennungsempfehlungen in tabellarischer Form „) auf 12 Monate verlängert werden. Optional kann zusätzlich zum Ultraschall eine AFP-Bestimmung zur Früherkennung eines HCC durchgeführt werden.



[Leitlinienadaptation DGVS HCC Leitlinie]

Tabelle 7: Früherkennungsempfehlungen in tabellarischer Form

Ultraschall alle 6 Monate durch einen erfahrenen Untersucher (A) –
optional zusätzlich AFP-Bestimmung (0)
dringend empfohlen
(A): HCC-Risiko hoch
empfohlen (B): HCCRisiko mäßig hochnicht notwendig (B):
HCC-Risiko niedrig
Zirrhoseausgeprägte Fibrose
(Metavir F2–F3)
keine/wenig Fibrose
(Metavir F0–F1)
erhöhte ALT/GPTnormale ALT/GPT
HBV-DNA >
2000 IU/ml
HBV-DNA <
2000 IU/ml
positive HCCFamilienanamnesenegative HCCFamilienanamnese
Männer, ≥ 40 JahreFrauen, < 40 Jahre
Genotyp Ckein Genotyp C
zusätzliche hepatotoxische Faktoren:
Fettleber, Diabetes
mellitus Typ 2, hohe
Aufnahme an Aflatoxin oder Alkohol,
Koinfektion mit
HDV, HIV und HCV
keine zusätzlichen
hepatotoxischen
Faktoren
(s. Spalte links)

Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC- Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?

Hintergrund

Patientengruppen mit relativ niedrigem HCC-Risiko (Tabelle „Früherkennungsempfehlungen in tabellarischer Form“) kann man auch eine Sonographie nur alle 12 Monate anbieten; dies entspricht in der aktuellen Leitlinie einer Expertenmeinung. Ein kombiniertes HCC-Screening mittels Ultraschall des Abdomens und Bestimmung des Alpha-Fetoproteins (AFP) kann aufgrund der begrenzten Sensitivität und Spezifität der einzelnen Untersuchungen gerechtfertigt sein.
Als ergänzendes Verfahren ist die Bestimmung des AFP-Spiegels zwar etabliert, eine Empfehlung zur Durchführung im Rahmen der Früherkennung wird allerdings von aktuellen Leitlinien nicht mehr gegeben. Die Bestimmung der AFP-Konzentration im Serum hat für die Früherkennung eine schlechte Spezifität. * Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., Arends, J., Bartenstein, P., Bechstein, W., et.al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2013. 51(11): p. 1269-1326., http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1355841* Galle, Peter R., Forner, Alejandro, Llovet, Josep M., Mazzaferro, Vincenzo, Piscaglia, Fabio, Raoul, Jean-Luc, et.al. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. Journal of Hepatology, 2018. 69(1): p. 182-236., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.03.019.
Dennoch hatte sich die Expertengruppe für eine „kann“-Empfehlung für die ergänzende AFP- Bestimmung ausgesprochen, da die Kombination Ultraschall plus Serum-AFP-Bestimmung die Sensitivität erhöhen kann (in einer Studie z.B. von 63% auf 69%). Ein Effekt auf die Mortalität konnte bislang nicht klar gezeigt werden * Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., Arends, J., Bartenstein, P., Bechstein, W., et.al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2013. 51(11): p. 1269-1326., http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1355841* Trevisani, Franco, D'Intino, Paola Emanuela, Morselli-Labate, Antonio Maria, Mazzella, Giuseppe, Accogli, Esterita, Caraceni, Paolo, et.al. Serum α-fetoprotein for diagnosis of hepatocellular carcinoma in patients with chronic liver disease: influence of HBsAg and anti-HCV status. Journal of Hepatology, 2001. 34(4): p. 570-575., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(00)00053-2
Nur bei nachgewiesener Raumforderung hat das AFP eine konkrete diagnostische Relevanz; sie hilft, die Prognose des HCC einzuschätzen und kann für die Verlaufsbeobachtung sinnvoll sein * Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., Arends, J., Bartenstein, P., Bechstein, W., et.al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2013. 51(11): p. 1269-1326., http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1355841.
Sowohl im Screening als auch im Rahmen der Diagnostik sind eine Reihe von weiteren Serummarkern für das HCC in der Evaluierung, wie z.B. Des-Gamma-Carboxyprothrombin (DCP), α-Fukosidase, Glypikan 3 sowie das Verhältnis zwischen glykosiliertem AFP und Gesamt-AFP. Bislang gibt es zum Einsatz dieser Marker aber keine Empfehlung * Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., Arends, J., Bartenstein, P., Bechstein, W., et.al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2013. 51(11): p. 1269-1326., http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1355841

Literatur

[1]

Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., et al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie 2013; 51: 1269-1326

[2]

Galle, Peter R., Forner, Alejandro, Llovet, Josep M., Mazzaferro, Vincenzo, Piscaglia, Fabio, Raoul, Jean-Luc, Schirmacher, Peter, Vilgrain, Valérie. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. Journal of Hepatology 2018; 69: 182-236

[3]

Trevisani, Franco, D’Intino, Paola Emanuela, Morselli-Labate, Antonio Maria, Mazzella, Giuseppe, Accogli, Esterita, Caraceni, Paolo, Domenicali, Marco, De Notariis, Stefania, Roda, Enrico, Bernardi, Mauro. Serum α-fetoprotein for diagnosis of hepatocellular carcinoma in patients with chronic liver disease: influence of HBsAg and anti-HCV status. Journal of Hepatology 2001; 34: 570-575

Konsensbasierte Empfehlung 3.17

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten sollen während und nach einer antiviralen Therapie weiterhin eine HCC-Vorsorge erhalten, da das HCC-Risiko reduziert, aber nicht eliminiert wird. Das Untersuchungsintervall kann während bzw. nach erfolgreicher Therapie der Hepatitis B individuell angepasst werden.

Eine nachhaltige HBV-DNA-Suppression mit Interferon alfa oder dauerhafte HBV-DNA-Suppression mit Nukleosidanaloga bzw. Nukleotidanaloga (NA) ist mit einer Reduktion des HCC-Risikos (Evidenz 1a, siehe Statement 5.1) assoziiert. Allerdings bleibt ein Restrisiko bestehen, was abhängig von verschiedenen virologischen und klinischen Faktoren ist. Patienten mit kompensierter Zirrhose und niedriger, aber quantifizierbarer HBV-DNA <2.000 IU/ml haben ein höheres HCC-Risiko als Patienten mit nicht nachweisbarer bzw. nicht quantifizierbarer HBV-DNA (siehe Statement 5.1). Risikoscores zu Einschätzung des HCC-Risikos unter NA-Therapie können hilfreich sein, um die Überwachungsintervalle festzulegen. Bei asiatischen Patienten wurden folgende Risiko-Scores validiert: GAG-HCC, CU-HCC, REACH-B. Bei europäischen Patienten scheint nur der PAGE-B-Score einen ausreichenden prädiktiven Wert zu besitzen. In den asiatischen Risiko-Scores spielen das Alter und die Viruslast sowie das Vorhandensein einer Zirrhose eine Rolle (siehe „Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?“). Beim PAGE-B-Score sind neben dem Alter das männliche Geschlecht und die Thrombozyten gewichtet. * European Association for the Study of the, Liver, Corrigendum to: “EASL clinical practice guidelines: Management of chronic hepatitis B virus infection” [J Hepatol 2012;57:167–185]. Journal of Hepatology, 2013. 58(1): p. 201., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.09.013* Papatheodoridis, George, Dalekos, George, Sypsa, Vana, Yurdaydin, Cihan, Buti, Maria, Goulis, John, et.al. PAGE-B predicts the risk of developing hepatocellular carcinoma in Caucasians with chronic hepatitis B on 5-year antiviral therapy. Journal of Hepatology, 2016. 64(4): p. 800-806., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2015.11.035

Literatur

[1]

European Association for the Study of the, Liver. Corrigendum to: “EASL clinical practice guidelines: Management of chronic hepatitis B virus infection” [J Hepatol 2012;57:167–185]. Journal of Hepatology 2013; 58: 201

[2]

Papatheodoridis, George, Dalekos, George, Sypsa, Vana, Yurdaydin, Cihan, Buti, Maria, Goulis, John, Calleja, Jose Luis, Chi, Heng, Manolakopoulos, Spilios, Mangia, Giampaolo, Gatselis, Nikolaos, Keskin, Onur, Savvidou, Savvoula, de la Revilla, Juan, Hansen, Bettina E., Vlachogiannakos, Ioannis, Galanis, Kostantinos, Idilman, Ramazan, Colombo, Massimo, Esteban, Rafael, Janssen, Harry L. A., Lampertico, Pietro. PAGE-B predicts the risk of developing hepatocellular carcinoma in Caucasians with chronic hepatitis B on 5-year antiviral therapy. Journal of Hepatology 2016; 64: 800-806

3.8. Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Konsensbasierte Empfehlung 3.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Leberbiopsie ist eine hilfreiche Maßnahme zur Einstufung der entzündlichen Aktivität, der Leberfibrose und von Komorbiditäten. Sie kann bei Patienten mit chronischer HBV-Infektion durchgeführt werden, wenn sich daraus Konsequenzen für Diagnose, Verlaufsbeurteilung und/oder Therapie ableiten lassen.

[NKLM]

Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Hintergrund

Maßgebliche Grundlage der Entscheidung für eine Leberbiopsie ist die Frage, ob das diagnostische Ergebnis der Biopsie für das therapeutische Vorgehen von Bedeutung ist. Die histopathologische Diagnostik dient zur Klärung folgender Fragen:

  1. Bestimmung der entzündlichen Aktivität (Grading);
  2. Bestimmung des Fibroseausmaßes (Staging);
  3. Aussagen zur Ätiologie (insbes. Komorbidität).

Da alle o.g. Parameter Einfluss auf die Prognose und Therapie(-entscheidung) bei einer Hepatitis B haben können, ist zu jedem Punkt pathologisch-diagnostisch explizit Stellung zu beziehen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Bei jeder chronischen Hepatitis dient die Leberbiopsie in erster Linie der Bestimmung der entzündlichen Aktivität (Grading) und des Fibroseausmaßes (Staging) und ist in der Beurteilung dieser Parameter nach wie vor der „Goldstandard“ (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Bei fortgeschrittener Leberzirrhose muss eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen, da ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht, und die Therapieindikation bereits aus dem klinischen Befund der Leberzirrhose abgeleitet werden kann. Es sollten nicht invasive Parameter ausgeschöpft werden, um das Risiko abschätzen zu können.
Die Beurteilung der Ätiologie ist insbesondere bei unklaren oder negativen serologischen Parametern und in Bezug auf relevante Begleiterkrankungen von Bedeutung. Bei unklarer Anamnese und fehlenden biochemischen und serologischen Vorbefunden kann die Leberbiopsie auch dazu dienen, die Chronizität einer Lebererkrankung zu beurteilen. Untersuchungen an Biopsien, die ausschließlich zum Grading/Staging gewonnen wurden zeigen eine relevante Komorbidität in etwa 20% der Fälle (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 3.19

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose zur Therapieindikationsstellung können nicht-invasive Verfahren zum Einsatz kommen.

[NKLM]

Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Hintergrund

Nicht-invasive Verfahren für die Beurteilung der Leberfibrose werden von anderen Leitlinien empfohlen (Evidenz 2b) * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis.. J Hepatol, 2015. 63 (1)(1): p. 237-64., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25911335/.
Allerdings sind die nicht-invasiven Verfahren bei der Hepatitis B weniger gut evaluiert als bei der Hepatitis C. Insbesondere kann die Interpretation nicht-invasiver Verfahren (Elastographie) bei hohen Transaminasen (z.B. bei Flares) erschwert sein. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264, 2015. 

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis.. J Hepatol 2015; 63 (1): 237-64

[3]

. Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264 2015; :

Konsensbasierte Empfehlung 3.20

Modifiziert 2020

Empfehlung

Konsens


Für die Beurteilung der Leberfibrose sollte die transiente Elastographie anderen nicht- invasiven Verfahren vorgezogen werden.

[NKLM, Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]

Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Hintergrund

Sowohl für die fortgeschrittene Fibrose/Zirrhose als auch für fehlende Fibrose hat die transiente Elastographie (TE) eine höhere Prädiktionsgenauigkeit als Serumbiomarker. So kann bei Patienten mit normwertiger ALT und einer Lebersteifigkeit von 9 kPa und Patienten mit erhöhter ALT (aber <5x ULN) und einer Lebersteifigkeit von 12 kPa von einer fortgeschrittenen Leberfibrose oder -zirrhose ausgegangen werden (Evidenz 3b). * Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264, 2015.* Wong, GL, Wong, VW, Choi, PC, Chan, AW, Chan, HL, Development of a non-invasive algorithm with transient elastography (Fibroscan) and serum test formula for advanced liver fibrosis in chronic hepatitis B.. Aliment Pharmacol Ther, 2010. 31 (10)(10): p. 1095-103., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20180785/* Wong, GL, Chan, HL, Choi, PC, Chan, AW, Yu, Z, Lai, JW, et.al. Non-invasive algorithm of enhanced liver fibrosis and liver stiffness measurement with transient elastography for advanced liver fibrosis in chronic hepatitis B.. Aliment Pharmacol Ther, 2014. 39 (2)(2): p. 197-208., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24261924/

Literatur

[1]

. Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264 2015; :

[2]

Wong, GL, Wong, VW, Choi, PC, Chan, AW, Chan, HL. Development of a non-invasive algorithm with transient elastography (Fibroscan) and serum test formula for advanced liver fibrosis in chronic hepatitis B.. Aliment Pharmacol Ther 2010; 31 (10): 1095-103

[3]

Wong, GL, Chan, HL, Choi, PC, Chan, AW, Yu, Z, Lai, JW, Chan, HY, Wong, VW. Non-invasive algorithm of enhanced liver fibrosis and liver stiffness measurement with transient elastography for advanced liver fibrosis in chronic hepatitis B.. Aliment Pharmacol Ther 2014; 39 (2): 197-208

Konsensbasierte Empfehlung 3.21

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine nicht-invasive Fibrosebestimmung zur Erfassung einer Fibroseverbesserung während oder nach einer antiviralen Therapie kann erfolgen. 

Konsensbasierte Empfehlung 3.22

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Komorbidität und Transaminasenverlauf sollen bei der Interpretation berücksichtigt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline Non-invasive Tests]

Bei welchen Patienten ist eine Leberbiopsie indiziert, bei welchen Patienten eine nicht-invasive Fibrose-Diagnostik?

Hintergrund

Bei Patienten mit erhöhten Transaminasen ist die Interpretation der Steifigkeit oftmals nicht eindeutig. Nach akuter Exazerbation können bis 3-6 Monate nach Normalisierung der Leberwerte die Steifigkeitswerte fehlgedeutet werden (Evidenz 3b) * Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264, 2015.* Wong, Grace L‐H, Wong, Vincent W‐S, Choi, Paul C‐L, Chan, Anthony W‐H, Chim, Angel M‐L, Yiu, Karen K‐L, et.al. Increased liver stiffness measurement by transient elastography in severe acute exacerbation of chronic hepatitis B. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2009. 24(6): p. 1002-1007., http://dx.doi.org/10.1111/j.1440-1746.2009.05779.x.
Die nicht-invasive Fibrosemessung (anstatt Leberpunktion) bei HBeAg-negativen Patienten empfiehlt sich bei einer HBV-DNA < 20.000 U/l und normalen ALT-Werten, da das Risiko einer fortgeschrittenen Fibrose/ Zirrhose bei dieser Konstellation < 10% beträgt (Evidenz 3a) * Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264, 2015. * Papatheodoridis, George V., Manolakopoulos, Spilios, Liaw, Yun-Fan, Lok, Anna, Follow-up and indications for liver biopsy in HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection with persistently normal ALT: A systematic review. Journal of Hepatology, 2012. 57(1): p. 196-202., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.11.030

Literatur

[1]

. Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264 2015; :

[2]

Wong, Grace L‐H, Wong, Vincent W‐S, Choi, Paul C‐L, Chan, Anthony W‐H, Chim, Angel M‐L, Yiu, Karen K‐L, Chan, Francis K‐L, Sung, Joseph J‐Y, Chan, Henry L‐Y. Increased liver stiffness measurement by transient elastography in severe acute exacerbation of chronic hepatitis B. Journal of Gastroenterology and Hepatology 2009; 24: 1002-1007

[3]

Papatheodoridis, George V., Manolakopoulos, Spilios, Liaw, Yun-Fan, Lok, Anna. Follow-up and indications for liver biopsy in HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection with persistently normal ALT: A systematic review. Journal of Hepatology 2012; 57: 196-202

4. Indikationsstellung zur Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion

J. Petersen, C. Jochum, H. Hinrichsen, A. Kautz (Leberhilfe), K.H. Peiffer, C. Sarrazin, E. Schott

J. Petersen, C. Jochum, H. Hinrichsen, A. Kautz (Leberhilfe), K.H. Peiffer, C. Sarrazin, E. Schott

4.1. Akute Hepatitis B: Kann die klinische Heilungsrate durch eine antivirale Therapie erhöht werden? Kann durch eine antivirale Therapie die Krankheitsdauer verkürzt und die Schwere der Erkrankung reduziert werden?

Konsensbasiertes Statement 4.1

Geprüft 2020

Starker Konsens


Aufgrund der hohen Spontanheilungsrate der akuten Hepatitis B beim Erwachsenen besteht in der Regel keine Therapieindikation für die aktuell verfügbaren antiviralen Medikamente.

[NKLM]

Akute Hepatitis B: Kann die klinische Heilungsrate durch eine antivirale Therapie erhöht werden? Kann durch eine antivirale Therapie die Krankheitsdauer verkürzt und die Schwere der Erkrankung reduziert werden?

Hintergrund

Die akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen in 95 – 99 % der Fälle spontan aus (Evidenz 3a) (keine Änderung zu * Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., Jilg, W., et.al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2011. 49(07): p. 871-930., http://dx.doi.org/10.1055/s-0031-1273462).
Eine Verbesserung der Ausheilung durch eine antivirale Therapie wird kaum nachweisbar sein. Die Therapie der akuten Hepatitis B mit antiviralen Medikamenten bleibt daher umstritten. Eine randomisierte placebokontrollierte Studie aus Indien hat keinen Vorteil einer Lamivudintherapie der akuten Hepatitis B gegenüber einer Placebobehandlung gezeigt (Evidenz 2b). * Kumar, M., Satapathy, S., Monga, R., Das, K., Hissar, S., Pande, C., et.al. A randomized controlled trial of lamivudine to treat acute hepatitis B. Hepatology, 2006. 45(1): p. 97-101., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21486

Eine weitere Studie aus Asien ergibt Hinweise für eine verbesserte klinische Response unter Lamivudintherapie bei schwereren, aber nicht-fulminanten Verläufen mit bereits eingeschränkter Spontangerinnung (Evidenz 2b). * Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Zhao, Yong-Hua, Kang, Peng, Li, Shu-Chen, The Study of Efficacy of Lamivudine in Patients with Severe Acute Hepatitis B. Digestive Diseases and Sciences, 2009. 55(3): p. 775-783., http://dx.doi.org/10.1007/s10620-009-1060-5
Eine Placebokontrollierte Studie aus Europa (GAHB-Studie) konnte aufgrund unzureichender Patientenrekrutierung nicht beendet werden (Evidenz 2b). Hier deutete sich bei jedoch niedrigen Fallzahlen kein Vorteil hinsichtlich Überleben oder Transplantationsfreiheit an. * Wiegand, J., Wedemeyer, H., Franke, A., Rößler, S., Zeuzem, S., Teuber, G., et.al. Treatment of severe, nonfulminant acute hepatitis B with lamivudine vs placebo: a prospective randomized double‐blinded multicentre trial. Journal of Viral Hepatitis, 2013. 21(10): p. 744-750., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12210 Auch auf Basis einer Metaanalyse, die Studien bei Patienten mit verschiedenen Schweregraden einer akuten HBV-Infektion eingeschlossen hat, kann generell eine antivirale Therapie bei akuter HBV-Infektion aktuell nicht empfohlen werden (Evidenz 3a) * Mantzoukis, Konstantinos, Rodríguez-Perálvarez, Manuel, Buzzetti, Elena, Thorburn, Douglas, Davidson, Brian R., Tsochatzis, Emmanuel, et.al. Pharmacological interventions for acute hepatitis B infection. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017. 2017(4):, http://dx.doi.org/10.1002/14651858.cd011645.pub2.

Literatur

[1]

Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., et al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie 2011; 49: 871-930

[2]

Kumar, M., Satapathy, S., Monga, R., et al. A randomized controlled trial of lamivudine to treat acute hepatitis B. Hepatology 2006; 45: 97-101

[3]

Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Zhao, Yong-Hua, Kang, Peng, Li, Shu-Chen. The Study of Efficacy of Lamivudine in Patients with Severe Acute Hepatitis B. Digestive Diseases and Sciences 2009; 55: 775-783

[4]

Wiegand, J., Wedemeyer, H., Franke, A., et al. Treatment of severe, nonfulminant acute hepatitis <scp>B</scp> with lamivudine <i>vs</i> placebo: a prospective randomized double‐blinded multicentre trial. Journal of Viral Hepatitis 2013; 21: 744-750

[5]

Mantzoukis, Konstantinos, Rodríguez-Perálvarez, Manuel, Buzzetti, Elena, Thorburn, Douglas, Davidson, Brian R., Tsochatzis, Emmanuel, Gurusamy, Kurinchi Selvan. Pharmacological interventions for acute hepatitis B infection. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017; 2017:

Evidenzbasiertes Statement 4.2

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Sonderfälle sind Patienten mit schwerer akuter oder fulminanter Hepatitis B. Bei Anzeichen einer eingeschränkten Lebersynthese sollten diese Patienten mit einem Nukleos(t)idanalogon behandelt und frühzeitig in einem Transplantationszentrum betreut werden.

[NKLM]

Akute Hepatitis B: Kann die klinische Heilungsrate durch eine antivirale Therapie erhöht werden? Kann durch eine antivirale Therapie die Krankheitsdauer verkürzt und die Schwere der Erkrankung reduziert werden?

Hintergrund

Mehrere Fallberichte und Fallserien haben dagegen gezeigt, dass Patienten mit fulminanter Hepatitis B (0,1 – 0,5 % der Fälle bei Erwachsenen), die frühzeitig antiviral behandelt werden, in der Regel keine Transplantation mehr benötigen, im Vergleich zu 50-80 % der unbehandelten Patienten aus historischen Kontrollen (Evidenz 3b) * Jochum, C., Maischack, F., Anastasiou, O., Verheyen, J., Timm, J., Bechmann, L., et.al. Treatment of fulminant acute Hepatitis B with nucles(t)id analogues is safe and does not lead to secondary chronification of Hepatitis B. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2016. 54(12): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-120418* Tillmann, H. L., Hadem, J., Leifeld, L., Zachou, K., Canbay, A., Eisenbach, C., et.al. Safety and efficacy of lamivudine in patients with severe acute or fulminant hepatitis B, a multicenter experience. Journal of Viral Hepatitis, 2006. 13(4): p. 256-263., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2893.2005.00695.x* Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Yan, Bing-Zhu, Kang, Peng, Zhao, Yong-Hua, Lamivudine treatment is associated with improved survival in fulminant hepatitis B. Liver International, 2011. 31(4): p. 499-506., http://dx.doi.org/10.1111/j.1478-3231.2011.02450.x

Es gibt allerdings Hinweise dafür, dass die Therapie frühzeitig erfolgen muss, da bei Patienten mit schon weit fortgeschrittenen Leberversagen eine Lebertransplantation oder der Tod mit einer antiviralen Therapie nicht mehr verhindert werden kann (Evidenz 3b). * Jochum, C., Maischack, F., Anastasiou, O., Verheyen, J., Timm, J., Bechmann, L., et.al. Treatment of fulminant acute Hepatitis B with nucles(t)id analogues is safe and does not lead to secondary chronification of Hepatitis B. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2016. 54(12): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-120418
Bei Anzeichen einer Einschränkung der Lebersynthese im Rahmen der akuten Hepatitis B (Verlängerung der Prothrombinzeit, Quick-Wert < 50 %) erscheint daher eine sofortige orale antivirale Therapie gerechtfertigt, um einem fulminantem Leberversagen vorzubeugen. Patienten mit einer symptomatischen Hepatitis B sollten hinsichtlich der Lebersynthese engmaschig beobachtet werden, um eine Therapie frühzeitig einzuleiten. Die Ergebnisse einer asiatischen Studie zeigen allerdings, dass eine antivirale Therapie der akuten Hepatitis B die Serokonversionsrate möglicherweise reduziert (Evidenz 2b). * Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Zhao, Yong-Hua, Kang, Peng, Li, Shu-Chen, The Study of Efficacy of Lamivudine in Patients with Severe Acute Hepatitis B. Digestive Diseases and Sciences, 2009. 55(3): p. 775-783., http://dx.doi.org/10.1007/s10620-009-1060-5.

Diese Beobachtung konnte in anderen Studien nicht bestätigt werden (Evidenz 2b). * Jochum, C., Maischack, F., Anastasiou, O., Verheyen, J., Timm, J., Bechmann, L., et.al. Treatment of fulminant acute Hepatitis B with nucles(t)id analogues is safe and does not lead to secondary chronification of Hepatitis B. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2016. 54(12): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-120418* Wiegand, J., Wedemeyer, H., Franke, A., Rößler, S., Zeuzem, S., Teuber, G., et.al. Treatment of severe, nonfulminant acute hepatitis B with lamivudine vs placebo: a prospective randomized double‐blinded multicentre trial. Journal of Viral Hepatitis, 2013. 21(10): p. 744-750., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12210Das Risiko/Nutzen-Verhältnis für die Behandlung der akuten fulminanten Hepatitis B mit Nukleos(t)idanaloga (NA) spricht in Zusammenschau der Evidenz für die Behandlung. Patienten mit fulminanter Hepatitis B waren außerdem nicht ausreichend in der Metaanaylse von Mantzoukis repräsentiert. * Mantzoukis, Konstantinos, Rodríguez-Perálvarez, Manuel, Buzzetti, Elena, Thorburn, Douglas, Davidson, Brian R., Tsochatzis, Emmanuel, et.al. Pharmacological interventions for acute hepatitis B infection. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017. 2017(4):, http://dx.doi.org/10.1002/14651858.cd011645.pub2

Eine antivirale Therapie sollte bis zur HBsAg-Serokonversion oder bei fehlender Anti-HBs-Entwicklung bis 6 Monate nach HBsAg-Verlust fortgeführt werden. Auch wenn die meisten Untersuchungen mit Lamivudin durchgeführt worden sind, legen neuere Daten nahe, dass auch die neuen antiviralen Medikamente Entecavir und Tenofovir gleich effektiv und sicher sind (Evidenz 3b). * Jochum, C., Maischack, F., Anastasiou, O., Verheyen, J., Timm, J., Bechmann, L., et.al. Treatment of fulminant acute Hepatitis B with nucles(t)id analogues is safe and does not lead to secondary chronification of Hepatitis B. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2016. 54(12): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-120418

Bei der Auswahl von NA sollen Komorbiditäten (v.a. Niereninsuffizienz und Knochendichteminderung) und Begleitumstände berücksichtigt werden (siehe Empfehlung 5.4-5.5).

Literatur

[1]

Jochum, C., Maischack, F., Anastasiou, O., et al. Treatment of fulminant acute Hepatitis B with nucles(t)id analogues is safe and does not lead to secondary chronification of Hepatitis B. Zeitschrift für Gastroenterologie 2016; 54: 1306-1311

[2]

Tillmann, H. L., Hadem, J., Leifeld, L., et al. Safety and efficacy of lamivudine in patients with severe acute or fulminant hepatitis B, a multicenter experience. Journal of Viral Hepatitis 2006; 13: 256-263

[3]

Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Yan, Bing-Zhu, Kang, Peng, Zhao, Yong-Hua. Lamivudine treatment is associated with improved survival in fulminant hepatitis B. Liver International 2011; 31: 499-506

[4]

Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Zhao, Yong-Hua, Kang, Peng, Li, Shu-Chen. The Study of Efficacy of Lamivudine in Patients with Severe Acute Hepatitis B. Digestive Diseases and Sciences 2009; 55: 775-783

[5]

Wiegand, J., Wedemeyer, H., Franke, A., et al. Treatment of severe, nonfulminant acute hepatitis <scp>B</scp> with lamivudine <i>vs</i> placebo: a prospective randomized double‐blinded multicentre trial. Journal of Viral Hepatitis 2013; 21: 744-750

[6]

Mantzoukis, Konstantinos, Rodríguez-Perálvarez, Manuel, Buzzetti, Elena, Thorburn, Douglas, Davidson, Brian R., Tsochatzis, Emmanuel, Gurusamy, Kurinchi Selvan. Pharmacological interventions for acute hepatitis B infection. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017; 2017:

4.2. Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Konsensbasiertes Statement 4.3

Geprüft 2020

Starker Konsens


Alle Patienten mit chronischer Hepatitis B sind grundsätzlich Kandidaten für eine antivirale Therapie. Die Indikationsstellung berücksichtigt in erster Linie die ALT-Aktivität im Serum (wiederholt erhöht), die Höhe der Virusreplikation (Grenzwert 2.000 IU/ml) und den Entzündungs- und Fibrosestatus in der Biopsie oder den Fibrosestatus in der nicht-invasiven Leberelastographie (siehe Algorithmus zur Therapieindikation der chronischen HBV-Infektion).

[NKLM]

Algorithmus zur Therapieindikation der chronischen HBV-Infektion [rerif]

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Eine sichere Indikation zur antiviralen Behandlung besteht bei Patienten mit chronischer Hepatitis B, HBeAg-positiv oder HBeAg-negativ, die

  • eine Virusreplikation von ≥ 2.000 IU/ml zeigen und
  • eine entzündliche Aktivität mit wiederholt erhöhter Transaminasen-Aktivität im Serum aufweisen und
  • unter Berücksichtigung von Lebensalter und Begleiterkrankungen ein Risiko haben, eine Leberzirrhose und deren Komplikationen wie insbesondere ein HCC zu entwickeln.

Die Empfehlung entspricht auch den internationalen Leitlinien der EASL und AASLD  * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800.

Die Höhe der Transaminasen alleine ist kein zuverlässiger Parameter für die Abschätzung der Krankheitsaktivität,insbesonderebei HBeAg-negativenPatientenundistdaherfürdieIndikation zur Therapie nur eingeschränkt verwertbar (Evidenz 2b). * Brunetto, Maurizia Rossana, Oliveri, Filippo, Coco, Barbara, Leandro, Gioacchino, Colombatto, Piero, Gorin, Juliana Monti, et.al. Outcome of anti-HBe positive chronic hepatitis B in alpha-interferon treated and untreated patients: a long term cohort study. Journal of Hepatology, 2002. 36(2): p. 263-270., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(01)00266-5
Bei zunächst nicht eindeutiger Indikation sollten Viruslast und Transaminasen wiederholt in dreimonatigen Abständen kontrolliert werden. In unklaren Situationen (z. B. HBV-DNA im Serum > 2.000 IU/ml und normalen oder nur minimal erhöhten bzw. fluktuierenden Transaminasen) kann eine Leberbiopsie erfolgen, um das Lebergewebe histologisch zu beurteilen (siehe auch Empfehlung 3.18 und „Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?“). Das Ergebnis der Histologie kann in die Indikationsstellung mit einbezogen werden. Dies gilt insbesondere für Patienten jenseits des 30. Lebensjahres. Auch bei normalen oder nur minimal erhöhten Transaminasen im Serum können eine Entzündung und/oder eine signifikante Fibrose (> minimale Fibrose) in der Leber vorliegen, die dann eine Therapieindikation begründen können (Evidenz 2b). * Kumar, Manoj, Sarin, Shiv K., Hissar, Syed, Pande, Chandana, Sakhuja, Puja, Sharma, Barjesh Chander, et.al. Virologic and Histologic Features of Chronic Hepatitis B Virus-Infected Asymptomatic Patients With Persistently Normal ALT. Gastroenterology, 2008. 134(5): p. 1376-1384., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2008.02.075, * Lai, Michelle, Hyatt, Benjamin J., Nasser, Imad, Curry, Michael, Afdhal, Nezam H., The clinical significance of persistently normal ALT in chronic hepatitis B infection. Journal of Hepatology, 2007. 47(6): p. 760-767., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2007.07.022, * Papatheodoridis, George V., Manesis, Emanuel K., Manolakopoulos, Spilios, Elefsiniotis, Ioannis S., Goulis, John, Giannousis, John, et.al. Is there a meaningful serum hepatitis B virus DNA cutoff level for therapeutic decisions in hepatitis B e antigen-negative chronic hepatitis B virus infection?. Hepatology, 2008. 48(5): p. 1451-1459., http://dx.doi.org/10.1002/hep.22518, * Tsang, Philip S. Y., Trinh, Huy, Garcia, Ruel T., Phan, Jeanine T., Ha, Nghiem B., Nguyen, Huy, et.al. Significant Prevalence of Histologic Disease in Patients With Chronic Hepatitis B and Mildly Elevated Serum Alanine Aminotransferase Levels. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2008. 6(5): p. 569-574., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2008.02.037, * Wu, I. Chin, Lai, Ching-Lung, Han, Steven-Huy Bui, Han, Kwang-Hyup, Gordon, Stuart C., Chao, You-Chen, et.al. Efficacy of entecavir in chronic hepatitis B patients with mildly elevated alanine aminotransferase and biopsy-proven histological damage. Hepatology, 2009. 51(4): p. 1185-1189., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23424Bei Patienten, die histologisch nur Minimalveränderungen aufweisen und deshalb zunächst nicht behandelt werden, kann die Histologie nach 3 – 5 Jahren kontrolliert werden. Alternativ können nicht-invasive sonografische Elastografieverfahren Informationen bezüglich einer bereits vorliegenden Zirrhose liefern oder für Verlaufsbeurteilungen herangezogen werden (siehe Empfehlung 3.19). Patienten mit einer Virämie ≥ 2.000 IU/ml und wiederholt erhöhten Transaminasen sollten therapiert werden, auch ohne Vorliegen einer Leberbiopsie. Einige Studien zeigen allerdings auch für Patienten mit normalen Transaminasen in Abhängigkeit von der Viruslast ab etwa 2.000 IU/ ml ein signifikant erhöhtes Zirrhose- und Karzinomrisiko (Evidenz 2b). * Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen, Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology, 2006. 130(3): p. 678-686., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2005.11.016* Chen, Chien-Jen, Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA, 2006. 295(1): p. 65., http://dx.doi.org/10.1001/jama.295.1.65* Chen, Jin–De, Yang, Hwai–I, Iloeje, Uchenna H., You, San–Lin, Lu, Sheng–Nan, Wang, Li–Yu, et.al. Carriers of Inactive Hepatitis B Virus Are Still at Risk for Hepatocellular Carcinoma and Liver-Related Death. Gastroenterology, 2010. 138(5): p. 1747-1754.e1., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2010.01.042

Diese Studien sind an asiatischen Patienten (Patienten waren alle über 25 Jahre, mehrheitlich HBeAg negativ) mit den Genotypen B und C nach mehrheitlich vertikaler Transmission erhoben worden. Obwohl die Daten nicht direkt auf kaukasische Patienten mit Genotypen A und D und häufigerer horizontaler Transmission übertragbar sind, sollten diese Studienergebnisse in therapeutische Überlegungen mit einfließen, zumal ein nicht unerheblicher Anteil von HBV-Patienten in Deutschland aus asiatischen Ländern stammt. So sollten Patienten, die bei anhaltend normalen Transaminasen eine höhere Viruslast zeigen (> 2.000 IU/ml), regelmäßig überwacht werden (Kontrollen alle 6 Monate), und bei Hinweisen für eine Aktivierung der Erkrankung antiviral behandelt werden (siehe „Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?“* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[3]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[4]

Brunetto, Maurizia Rossana, Oliveri, Filippo, Coco, Barbara, Leandro, Gioacchino, Colombatto, Piero, Gorin, Juliana Monti, Bonino, Ferruccio. Outcome of anti-HBe positive chronic hepatitis B in alpha-interferon treated and untreated patients: a long term cohort study. Journal of Hepatology 2002; 36: 263-270

[5]

Kumar, Manoj, Sarin, Shiv K., Hissar, Syed, Pande, Chandana, Sakhuja, Puja, Sharma, Barjesh Chander, Chauhan, Ranjit, Bose, Sujoy. Virologic and Histologic Features of Chronic Hepatitis B Virus-Infected Asymptomatic Patients With Persistently Normal ALT. Gastroenterology 2008; 134: 1376-1384

[6]

Lai, Michelle, Hyatt, Benjamin J., Nasser, Imad, Curry, Michael, Afdhal, Nezam H.. The clinical significance of persistently normal ALT in chronic hepatitis B infection. Journal of Hepatology 2007; 47: 760-767

[7]

Papatheodoridis, George V., Manesis, Emanuel K., Manolakopoulos, Spilios, Elefsiniotis, Ioannis S., et al. Is there a meaningful serum hepatitis B virus DNA cutoff level for therapeutic decisions in hepatitis B e antigen-negative chronic hepatitis B virus infection?. Hepatology 2008; 48: 1451-1459

[8]

Tsang, Philip S. Y., Trinh, Huy, Garcia, Ruel T., Phan, Jeanine T., et al. Significant Prevalence of Histologic Disease in Patients With Chronic Hepatitis B and Mildly Elevated Serum Alanine Aminotransferase Levels. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2008; 6: 569-574

[9]

Wu, I. Chin, Lai, Ching-Lung, Han, Steven-Huy Bui, Han, Kwang-Hyup, Gordon, Stuart C., Chao, You-Chen, Tan, Chee-Kiat, Sievert, William, Tanwandee, Tawesak, Xu, Dong, Neo, Boon-Leong, Chang, Ting-Tsung. Efficacy of entecavir in chronic hepatitis B patients with mildly elevated alanine aminotransferase and biopsy-proven histological damage. Hepatology 2009; 51: 1185-1189

[10]

Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen. Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology 2006; 130: 678-686

[11]

Chen, Chien-Jen. Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA 2006; 295: 65

[12]

Chen, Jin–De, Yang, Hwai–I, Iloeje, Uchenna H., You, San–Lin, Lu, Sheng–Nan, Wang, Li–Yu, Su, Jun, Sun, Chien–An, Liaw, Yun–Fan, Chen, Chien–Jen. Carriers of Inactive Hepatitis B Virus Are Still at Risk for Hepatocellular Carcinoma and Liver-Related Death. Gastroenterology 2010; 138: 1747-1754.e1

Evidenzbasierte Empfehlung 4.4

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit Leberzirrhose sollen bei HBV-DNA-Nachweis unabhängig von der Höhe der Virämie antiviral behandelt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

siehe auch Empfehlung 5.31

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Zu den besonders therapiebedürftigen Patienten zählen Patienten mit deutlicher oder fortschreitender Leberfibrose oder -zirrhose. Letztere sind bereits durch relativ milde Schübe („Flares“) der chronischen Hepatitis bei mangelnder Leberreserve z.T. vital gefährdet. Zudem sind selbst niedrige HBV-DNA-Level (<2.000 IU/ml) in dieser Patientengruppe mit einem erhöhten HCC-Risiko assoziiert (Evidenz 2b) * Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, et.al. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology, 2016. 66(2): p. 335-343., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28916* Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, et.al. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology, 2015. 62(3): p. 694-701., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27889* Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, et.al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut, 2012. 62(5): p. 760-765., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2012-302024.

Eine nachhaltige bzw. dauerhafte HBV-DNA-Suppression durch eine antivirale Therapie ist mit der Verhinderung von Leberzirrhose, hepatischen Dekompensationen, HCC (Evidenz 1a), Lebertransplantation und Tod (Evidenz 2a) assoziiert (siehe „Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?“). * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344
Analog zu den internationalen Leitlinien der EASL und AASLD, sollen daher Patienten mit Leberzirrhose bei Nachweis jeglicher Virämie (über der Nachweisgrenze sensitiver Testsysteme) antiviral therapiert werden. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156. Die EASL-Leitlinie gibt hier einen stärkeren Empfehlungsgrad ohne Primärquellen anzugeben. Die AASLD-Leitlinie untrescheidet zwischen kompensierter Leberzirrhose (geringere Evidenz, offene Empfehlung) und dekompensierter Leberzirrhose (moderate Evidenz, starker Empfehhlungsgrad). Zur Vereinfachung haben wir analog der EASL Leitline in unserer Empfehlungsstärke nicht zwischen kompensierter und dekompensierter Leberzirrhose unterschieden.

Literatur

[1]

Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, Lee, Joon Hyeok, Koh, Kwang Cheol, Paik, Seung Woon. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology 2016; 66: 335-343

[2]

Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, Lee, Joon Hyeok, Koh, Kwang Cheol, Yoo, Byung Chul, Paik, Seung Woon. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology 2015; 62: 694-701

[3]

Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, Hofmann, Wolf Peter, Petersen, Joerg, Fasano, Massimo, Buti, Maria, Berg, Thomas, Hansen, Bettina E., et al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut 2012; 62: 760-765

[4]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., et al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 284-306

[5]

Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J.. Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2013; 38: 98-106

[6]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[7]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[8]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

Evidenzbasierte Empfehlung 4.5

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit HCC und positiver HBV-DNA sollten mit Nukleos(t)id-Analoga behandelt werden.

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Mehrere Studien belegen ein Nutzen einer antiviralen Therapie bei Patienten mit HBV-Infektion und hepatozellulärem Karzinom (HCC). Durch eine antivirale Therapie bei Patienten nach kurativer HCC-Resektion wird die Rate von HCC-Rezidiven vermindert sowie das Gesamtüberleben verbessert (Evidenz 2a). Auch bei Patienten mit primär nicht resezierbaren HCC zeigt sich ein Überlebensvorteil sowie eine verlangsamte Progression der Tumorerkrankung, wenn diese antiviral behandelt werden (Evidenz 2a). * Huang, Gang, Li, Peng-peng, Lau, Wan Yee, Pan, Ze-ya, Zhao, Ling-hao, Wang, Zhen-guang, et.al. Antiviral Therapy Reduces Hepatocellular Carcinoma Recurrence in Patients With Low HBV-DNA Levels. Annals of Surgery, 2018. 268(6): p. 943-954., http://dx.doi.org/10.1097/sla.0000000000002727* Wong, J. S. W., Wong, G. L. H., Tsoi, K. K. F., Wong, V. W. S., Cheung, S. Y. S., Chong, C. N., et.al. Meta-analysis: the efficacy of anti-viral therapy in prevention of recurrence after curative treatment of chronic hepatitis B-related hepatocellular carcinoma. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2011. 33(10): p. 1104-1112., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2011.04634.x* Xia, Bo Wei, Zhang, You Cheng, Wang, Jun, Ding, Fang Hui, He, Xiao Dong, Efficacy of antiviral therapy with nucleotide/nucleoside analogs after curative treatment for patients with hepatitis B virus-related hepatocellular carcinoma: A systematic review and meta-analysis. Clinics and Research in Hepatology and Gastroenterology, 2015. 39(4): p. 458-468., http://dx.doi.org/10.1016/j.clinre.2014.12.003* Yin, Jianhua, Li, Nan, Han, Yifang, Xue, Jie, Deng, Yang, Shi, Jie, et.al. Effect of Antiviral Treatment With Nucleotide/Nucleoside Analogs on Postoperative Prognosis of Hepatitis B Virus–Related Hepatocellular Carcinoma: A Two-Stage Longitudinal Clinical Study. Journal of Clinical Oncology, 2013. 31(29): p. 3647-3655., http://dx.doi.org/10.1200/jco.2012.48.5896* Yuan, Peng, Chen, Peng, Qian, Yeben, Evaluation of Antiviral Therapy Performed after Curative Therapy in Patients with HBV-Related Hepatocellular Carcinoma: An Updated Meta-Analysis. Canadian Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2016. 2016: p. 1-11., http://dx.doi.org/10.1155/2016/5234969* He, Lingling, Liu, Xiaoli, Zhao, Yalin, Zhang, Shuan, Jiang, Yuyong, Wang, Xianbo, et.al. Efficacy of Nucleot(s)ide Analogs Therapy in Patients with Unresectable HBV-Related Hepatocellular Carcinoma: A Systematic Review and Meta-Analysis. Disease Markers, 2017. 2017: p. 1-10., http://dx.doi.org/10.1155/2017/7075935* Chen, V. L., Yeh, M. ‐L, Le, A. K., Jun, M., Saeed, W. K., Yang, J. D., et.al. Anti‐viral therapy is associated with improved survival but is underutilised in patients with hepatitis B virus‐related hepatocellular carcinoma: real‐world east and west experience. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 48(1): p. 44-54., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14801* Zhou, Yanming, Zhang, Zhansai, Zhao, Yanfang, Wu, Lupeng, Li, Bin, Antiviral Therapy Decreases Recurrence of Hepatitis B Virus-related Hepatocellular Carcinoma after Curative Resection: A Meta-analysis. World Journal of Surgery, 2014. 38(9): p. 2395-2402., http://dx.doi.org/10.1007/s00268-014-2586-z* Huang, Gang, Lau, Wan Yee, Wang, Zhen-Guang, Pan, Ze-Ya, Yuan, Sheng-Xian, Shen, Feng, et.al. Antiviral Therapy Improves Postoperative Survival in Patients With Hepatocellular Carcinoma. Annals of Surgery, 2015. 261(1): p. 56-66., http://dx.doi.org/10.1097/sla.0000000000000858

Literatur

[1]

Huang, Gang, Li, Peng-peng, Lau, Wan Yee, Pan, Ze-ya, Zhao, Ling-hao, Wang, Zhen-guang, Wang, Meng-chao, Zhou, Wei-ping. Antiviral Therapy Reduces Hepatocellular Carcinoma Recurrence in Patients With Low HBV-DNA Levels. Annals of Surgery 2018; 268: 943-954

[2]

Wong, J. S. W., Wong, G. L. H., Tsoi, K. K. F., et al. Meta-analysis: the efficacy of anti-viral therapy in prevention of recurrence after curative treatment of chronic hepatitis B-related hepatocellular carcinoma. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2011; 33: 1104-1112

[3]

Xia, Bo Wei, Zhang, You Cheng, Wang, Jun, Ding, Fang Hui, He, Xiao Dong. Efficacy of antiviral therapy with nucleotide/nucleoside analogs after curative treatment for patients with hepatitis B virus-related hepatocellular carcinoma: A systematic review and meta-analysis. Clinics and Research in Hepatology and Gastroenterology 2015; 39: 458-468

[4]

Yin, Jianhua, Li, Nan, Han, Yifang, Xue, Jie, Deng, Yang, Shi, Jie, Guo, Weixing, Zhang, Hongwei, Wang, Hongyang, Cheng, Shuqun, Cao, Guangwen. Effect of Antiviral Treatment With Nucleotide/Nucleoside Analogs on Postoperative Prognosis of Hepatitis B Virus–Related Hepatocellular Carcinoma: A Two-Stage Longitudinal Clinical Study. Journal of Clinical Oncology 2013; 31: 3647-3655

[5]

Yuan, Peng, Chen, Peng, Qian, Yeben. Evaluation of Antiviral Therapy Performed after Curative Therapy in Patients with HBV-Related Hepatocellular Carcinoma: An Updated Meta-Analysis. Canadian Journal of Gastroenterology and Hepatology 2016; 2016: 1-11

[6]

He, Lingling, Liu, Xiaoli, Zhao, Yalin, Zhang, Shuan, Jiang, Yuyong, Wang, Xianbo, Yang, Zhiyun. Efficacy of Nucleot(s)ide Analogs Therapy in Patients with Unresectable HBV-Related Hepatocellular Carcinoma: A Systematic Review and Meta-Analysis. Disease Markers 2017; 2017: 1-10

[7]

Chen, V. L., Yeh, M. ‐L, Le, A. K., Jun, M., et al. Anti‐viral therapy is associated with improved survival but is underutilised in patients with hepatitis B virus‐related hepatocellular carcinoma: real‐world east and west experience. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2018; 48: 44-54

[8]

Zhou, Yanming, Zhang, Zhansai, Zhao, Yanfang, Wu, Lupeng, Li, Bin. Antiviral Therapy Decreases Recurrence of Hepatitis B Virus-related Hepatocellular Carcinoma after Curative Resection: A Meta-analysis. World Journal of Surgery 2014; 38: 2395-2402

[9]

Huang, Gang, Lau, Wan Yee, Wang, Zhen-Guang, Pan, Ze-Ya, Yuan, Sheng-Xian, Shen, Feng, Zhou, Wei-Ping, Wu, Meng-Chao. Antiviral Therapy Improves Postoperative Survival in Patients With Hepatocellular Carcinoma. Annals of Surgery 2015; 261: 56-66

Konsensbasiertes Statement 4.6

Modifiziert 2020

Starker Konsens


Reaktivierungen der Hepatitis-B-Virusreplikation durch Immunsuppression sollen verhindert werden, da sie das Risiko von akuter Dekompensation und Zirrhose erhöhen (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“).

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Die HBV-Infektion kann reaktivieren, sowohl bei inaktiven HBsAg-Trägern als auch nach klinisch durchgemachter Hepatitis B mit Verlust von HBsAg oder Ausbildung von Anti-HBs und/oder Anti-HBc-Antikörpern. Reaktivierungen der Hepatitis B erhöhen das Risiko von Zirrhose und HCC. Das Risiko der Reaktivierung der HBV-Infektion mit Gefahr der klinischen Dekompensation wird durch eine Immunsuppression (Chemotherapie, Transplantation u. a.) deutlich erhöht (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Gemäß internationalen Leitlinien ist eine prophylaktische Therapie mit NA bei HBsAg-positiven Patienten, die immunsuppressiv behandelt werden, empfohlen, um Reaktivierungen zu verhindern (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039* Sarmati, L, Andreoni, M, Antonelli, G, Arcese, W, Bruno, R, Coppola, N, et.al. Recommendations for screening, monitoring, prevention, prophylaxis and therapy of hepatitis B virus reactivation in patients with haematologic malignancies and patients who underwent haematologic stem cell transplantation-a position paper.. Clin Microbiol Infect, 2017. 23 (12)(12): p. 935-940., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28668466/.
Aber auch bei lediglich Anti-HBc-positiven Patienten und auch in Einzelfällen bei Anti-HBs- positiven Personen kann eine präventive Therapie mit Nukleos(t)id-Analoga notwendig sein (Einzelheiten siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[3]

Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., et al. American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 215-219

[4]

Sarmati, L, Andreoni, M, Antonelli, G, Arcese, W, Bruno, R, Coppola, N, Gaeta, GB, Galli, M, Girmenia, C, Mikulska, M, Pane, F, Perno, CF, Picardi, M, Puoti, M, Rambaldi, A, Svicher, V, Taliani, G, Gentile, G. Recommendations for screening, monitoring, prevention, prophylaxis and therapy of hepatitis B virus reactivation in patients with haematologic malignancies and patients who underwent haematologic stem cell transplantation-a position paper.. Clin Microbiol Infect 2017; 23 (12): 935-940

Konsensbasiertes Statement 4.7

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Schwangerschaft stellt keine Kontraindikation für eine Therapie mit Tenofovir (TDF), Lamivudin oder Telbivudin dar. Die medizinische Indikation sowie die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollen berücksichtigt werden (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“).

Evidenztabelle siehe Leitlinienreport Anhang III

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Aus Tierversuchen lässt kein Hinweis auf eine Beeinträchtigung des Fötus durch Tenofovir oder Telbivudin ableiten. Ausreichende klinische Daten aus großen Schwangerschaftsregistern liegen aktuell für Lamivudin, Tenofovir (TDF) und Telbivudin vor. Hierbei zeigte sich für diese Substanzen kein erhöhtes Risiko für fötale Missbildungen, auch wenn die Substanzen bereits im ersten Trimenon eingesetzt wurden (Evidenz 2a) * Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302.

Die Empfehlungen zum Behandlungsbeginn richten sich nach den allgemeinen Therapieempfehlungen (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“). Eine Therapieindikation zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung soll geprüft werden, da eine antivirale Therapie mit Tenofovir (TDF), Telbivudin oder Lamivudin bei Schwangeren mit hoher Viruslast (>200.000 IU/ml) das Risiko der vertikalen Übertragung senkt (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“). (Evidenz 1b) * Hyun, M. H., Lee, Y. ‐S, Kim, J. H., Je, J. H., Yoo, Y. J., Yeon, J. E., et.al. Systematic review with meta‐analysis: the efficacy and safety of tenofovir to prevent mother‐to‐child transmission of hepatitis B virus. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2017. 45(12): p. 1493-1505., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14068* Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., Decker, L., Khamduang, W., Tierney, C., et.al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest, 2018. 38(3): p. 151-152., http://dx.doi.org/10.1097/01.aoa.0000542373.42105.69* Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, et.al. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports, 2018. 8(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-018-33833-w* Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660* Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302* Chen, Jun-Ze, Liao, Zuo-Wei, Huang, Fei-Long, Su, Ru-Kui, Wang, Wen-Bo, Cheng, Xue-Yuan, et.al. Efficacy and safety of tenofovir disoproxil fumarate in preventing vertical transmission of hepatitis B in pregnancies with high viral load. Scientific Reports, 2017. 7(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-017-04479-x

Die Empfehlungen entsprechen den internationalen Leitlinien der AASLD, EASL und WHO * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* ():, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32833415/

Literatur

[1]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., et al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 319-333

[2]

Hyun, M. H., Lee, Y. ‐S, Kim, J. H., Je, J. H., et al. Systematic review with meta‐analysis: the efficacy and safety of tenofovir to prevent mother‐to‐child transmission of hepatitis B virus. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2017; 45: 1493-1505

[3]

Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., et al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest 2018; 38: 151-152

[4]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia. Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology 2018; 18:

[5]

Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, Liu, Keying, Zhang, Lingyan, Chen, Dunjin, Wu, Yongzheng, Bai, Guiqin. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports 2018; 8:

[6]

Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, Zhang, Huaihong, Zou, Huaibin, Zhu, Baoshen, Zhao, Wenjing, Jiang, Hongxiu. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine 2016; 374: 2324-2334

[7]

Chen, Jun-Ze, Liao, Zuo-Wei, Huang, Fei-Long, Su, Ru-Kui, Wang, Wen-Bo, Cheng, Xue-Yuan, Chen, Jie-Qing, Liu, Jia-Qi, Huang, Zhong. Efficacy and safety of tenofovir disoproxil fumarate in preventing vertical transmission of hepatitis B in pregnancies with high viral load. Scientific Reports 2017; 7:

[8]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[9]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[10]

. . ; ():

Konsensbasiertes Statement 4.8

Geprüft 2020

Starker Konsens


Berufliche und soziale Aspekte können eine antivirale Therapie begründen, insbesondere mit dem Ziel, die Transmission an Dritte zu verhindern (siehe „Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?“, „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“).

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Eine antivirale Therapie kann im Einzelfall erwogen werden, um z.B. einem HBV-Infizierten die weitere Berufsausübung zu ermöglichen, falls ihm aufgrund einer replikativen HBV-Infektion ein Berufsverbot droht. Die Übertragung von HBV an Dritte durch z.B. im Gesundheitswesen tätige Personen ist ab einer Virämie von < 200 IU/ml nicht bekannt, aber denkbar. Übertragungen sind bisher vorwiegend bei verletzungsträchtigen Prozeduren berichtet worden (z.B. bei Thoraxchirurgen, Kieferchirurgen und Gynäkologen) und sind fast immer von HBV-Infizierten mit >20.000 IU/mL ausgegangen * Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, et.al. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2020. 63(2): p. 218-225., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-019-03084-9.

Auch soziale Aspekte wie z.B. eine Stigmatisierung des Infizierten oder sexuelle Praktiken (u.a. häufig wechselnde Sexualpartner), die mit einem erhöhten Übertragungsrisiko einhergehen, können eine Therapie begründen.

Literatur

[1]

Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, Rösler, Joachim, Slanina, Heiko, Spickhoff, Andreas, Thanheiser, Marc, Schüttler, Christian G.. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2020; 63: 218-225

Evidenzbasierte Empfehlung 4.9

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit extrahepatischen Komplikationen sollten behandelt werden (siehe „Wie sollen Patienten mit extrahepatischen Manifestationen behandelt werden?“).



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Zu den extrahepatischen Komplikationen einer HBV-Infektion zählen z.B. eine HBV- assoziierte Polyarteriitis nodosa und eine HBV-assoziierte Nephropathie (v.a. membranöse Glomerulonephritis). Einzelne Fallberichte und Fallserien berichten, dass eine antivirale Therapie die Progression der extrahepatischen Komplikationen stoppen und ggf. zu einer Regression führen kann. So wurde z.B. in einer Fallserie von 17 Patienten mit HBV-assoziierter Vaskulitis bei Kryglobulinämie mittels antiviraler NA-Therapie in allen behandelten Patienten sowohl eine weitere Progression der Vaskulitis verhindert als auch in den überwiegenden Fällen eine Besserung der Symptomatik erreicht (Evidenz 3b) * Mazzaro, Cesare, Dal Maso, Luigino, Urraro, Teresa, Mauro, Endri, Castelnovo, Laura, Casarin, Pietro, et.al. Hepatitis B virus related cryoglobulinemic vasculitis: A multicentre open label study from the Gruppo Italiano di Studio delle Crioglobulinemie – GISC. Digestive and Liver Disease, 2016. 48(7): p. 780-784., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2016.03.018.

Mehrere Metaanalysen berichten zudem von einem Nutzen einer antiviralen Therapie bei HBV-assoziierter Nephropathie hinsichtlich einer verminderten Proteinausscheidung, einer stabilisierten Nierenfunktion sowie einer erhöhten Remissionsrate (Evidenz 3a) * Wang, Wan-ning, Wu*, Mei-yan, Ma, Fu-zhe, Sun, Tao, Xu, Zhong-gao, Meta-analysis of the efficacy and safety of nucleotide/nucleoside analog monotherapy for hepatitis B virus-associated glomerulonephritis. Clinical Nephrology, 2016. 85 (2016)(01): p. 21-29., http://dx.doi.org/10.5414/cn108648* Yang, Yue, Ma, Ye-ping, Chen, Da-peng, Zhuo, Li, Li, Wen-ge, A Meta-Analysis of Antiviral Therapy for Hepatitis B Virus-Associated Membranous Nephropathy. PLOS ONE, 2016. 11(9): p. e0160437., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0160437.

Literatur

[1]

Mazzaro, Cesare, Dal Maso, Luigino, Urraro, Teresa, Mauro, Endri, Castelnovo, Laura, Casarin, Pietro, Monti, Giuseppe, Gattei, Valter, Zignego, Anna Linda, Pozzato, Gabriele. Hepatitis B virus related cryoglobulinemic vasculitis: A multicentre open label study from the Gruppo Italiano di Studio delle Crioglobulinemie – GISC. Digestive and Liver Disease 2016; 48: 780-784

[2]

Wang, Wan-ning, Wu*, Mei-yan, Ma, Fu-zhe, Sun, Tao, Xu, Zhong-gao. Meta-analysis of the efficacy and safety of nucleotide/nucleoside analog monotherapy for hepatitis B virus-associated glomerulonephritis. Clinical Nephrology 2016; 85 (2016): 21-29

[3]

Yang, Yue, Ma, Ye-ping, Chen, Da-peng, Zhuo, Li, Li, Wen-ge. A Meta-Analysis of Antiviral Therapy for Hepatitis B Virus-Associated Membranous Nephropathy. PLOS ONE 2016; 11: e0160437

Konsensbasiertes Statement 4.10

Geprüft 2020

Starker Konsens


Alkohol- oder Drogenkonsum stellt keine Kontraindikation gegen eine Therapie mit Nukleos(t)id-Analoga dar.

Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?

Hintergrund

Die Abstinenz vor Therapiebeginn stellt keine absolute Voraussetzung zur Indikationsstellung dar. Die zu erwartende Compliance sollte vor Therapiebeginn abgeschätzt und während der Therapie klinisch überprüft werden. Therapieindikation, -dauer und -überwachung sind abhängig von der Höhe der Transaminasen, der HBV-DNA, ggf. histologischen Veränderungen in der Leber und dem HBeAg/Anti-HBe-Status und sind daher nicht grundsätzlich anders als bei Patienten ohne Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils einer Therapie mit (PEG)-Interferon alfa wird als Primärtherapie eine orale antivirale Therapie empfohlen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

4.3. Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?

Konsensbasiertes Statement 4.11

Neu 2020

Konsens


Bei hochvirämischer chronischer HBV-Infektion mit wiederholt normaler ALT besteht keine dringende medizinische Indikation für eine antivirale Behandlung.

Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?

Hintergrund

Da die Höhe der HBV-DNA als unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Leberzirrhose und/oder eines HCCs identifiziert wurde (u.a. in der REVEAL-Studie), liegt die Überlegung nahe, dass auch Patienten mit einer HBeAg-positiven chronischen HBV-Infektion (früher „immuntolerante“ Patienten) von einer antiviralen Therapie profitieren könnten. Bis dato gibt es jedoch keine Evidenz, dass eine antivirale Therapie in dieser Patientengruppe die Inzidenz einer Leberzirrhose und/oder eines HCCs vermindert bzw. einen Überlebensvorteil bringt.

Die Studienkohorte in der REVEAL-Studie war nicht repräsentativ für die HBeAg- positive chronische HBV-Infektion. Alle Patienten waren älter als 30 Jahre, 67% sogar älter als 40 Jahre und 95% der Patienten waren HBeAg-negativ. (Evidenz 2b) * Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen, Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology, 2006. 130(3): p. 678-686., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2005.11.016* Chen, Chien-Jen, Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA, 2006. 295(1): p. 65., http://dx.doi.org/10.1001/jama.295.1.65.
Histologische Untersuchungen von jungen Patienten mit einer HBeAg-positiven chronischen HBV-Infektion mit niedrig normaler ALT zeigen zudem, dass nur in einer Minderheit dieser Patienten signifikante histologische Veränderungen bestehen (Evidenz 3b) * Lai, Michelle, Hyatt, Benjamin J., Nasser, Imad, Curry, Michael, Afdhal, Nezam H., The clinical significance of persistently normal ALT in chronic hepatitis B infection. Journal of Hepatology, 2007. 47(6): p. 760-767., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2007.07.022* Hui, Chee-Kin, Leung, Nancy, Yuen, Siu-Tsan, Zhang, Hai-Ying, Leung, Kar-Wai, Lu, Lei, et.al. Natural history and disease progression in Chinese chronic hepatitis B patients in immune-tolerant phase. Hepatology, 2007. 46(2): p. 395-401., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21724* Andreani, Tony, Serfaty, Lawrence, Mohand, Djamila, Dernaika, Salem, Wendum, Dominique, Chazouillères, Olivier, et.al. Chronic Hepatitis B Virus Carriers in the Immunotolerant Phase of Infection: Histologic Findings and Outcome. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2007. 5(5): p. 636-641., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2007.01.005.

Daher empfehlen die internationalen Leitlinien der EASL und AASLD, dass keine medizinische Therapieindikation für diese Patienten vorliegt * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156.

Literatur

[1]

Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen. Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology 2006; 130: 678-686

[2]

Chen, Chien-Jen. Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA 2006; 295: 65

[3]

Lai, Michelle, Hyatt, Benjamin J., Nasser, Imad, Curry, Michael, Afdhal, Nezam H.. The clinical significance of persistently normal ALT in chronic hepatitis B infection. Journal of Hepatology 2007; 47: 760-767

[4]

Hui, Chee-Kin, Leung, Nancy, Yuen, Siu-Tsan, Zhang, Hai-Ying, Leung, Kar-Wai, Lu, Lei, Cheung, Stephen K. F., Wong, Wai-Man, Lau, George K.. Natural history and disease progression in Chinese chronic hepatitis B patients in immune-tolerant phase. Hepatology 2007; 46: 395-401

[5]

Andreani, Tony, Serfaty, Lawrence, Mohand, Djamila, Dernaika, Salem, Wendum, Dominique, Chazouillères, Olivier, Poupon, Raoul. Chronic Hepatitis B Virus Carriers in the Immunotolerant Phase of Infection: Histologic Findings and Outcome. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2007; 5: 636-641

[6]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[7]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

Evidenzbasierte Empfehlung 4.12

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Patienten >30 Jahre oder Patienten mit hoch normalen ALT-Werten (Männer >30 U/l, Frauen >19 U/l) können antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?

Hintergrund

Patienten mit einer HBeAg-positiven chronischen Infektion können eine spontane HBeAg Serokonversion erreichen. Im Alter von ca. 31 Jahren hatten 85% aller Studienteilnehmer (in einer prospektiven Studie mit 240 Teilnehmern) Anti-HBe entwickelt. Bei 15% dieser Patienten kam es im weiteren Verlauf allerdings zu einer HBeAg-negativen chronischen Hepatitis B (Evidenz 2b) * Chu, Chia-Ming, Hung, Shao-Jen, Lin, Justin, Tai, Dar-In, Liaw, Yun-Fan, Natural history of hepatitis b e antigen to antibody seroconversion in patients with normal serum aminotransferase levels. The American Journal of Medicine, 2004. 116(12): p. 829-834., http://dx.doi.org/10.1016/j.amjmed.2003.12.040.

Ältere Patienten (>30 Jahre) mit fortbestehender, chronischer HBeAg-positiver Infektion (irrtümlich in Studien oft als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) weisen vermehrt signifikante histologische Veränderungen auf und zeigen im Vergleich zu HBeAg-negativen Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines HCC (Evidenz 3b). Subgruppenanalysen belegen zudem, dass auch HBeAg-positive Patienten mit hoch normaler ALT (Männer >30 U/l, Frauen >19 U/l) bereits häufiger signifikante histologische Veränderungen aufweisen, die eine antivirale Therapie begründen können * Hui, Chee-Kin, Leung, Nancy, Yuen, Siu-Tsan, Zhang, Hai-Ying, Leung, Kar-Wai, Lu, Lei, et.al. Natural history and disease progression in Chinese chronic hepatitis B patients in immune-tolerant phase. Hepatology, 2007. 46(2): p. 395-401., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21724* Kumar, Manoj, Sarin, Shiv K., Hissar, Syed, Pande, Chandana, Sakhuja, Puja, Sharma, Barjesh Chander, et.al. Virologic and Histologic Features of Chronic Hepatitis B Virus-Infected Asymptomatic Patients With Persistently Normal ALT. Gastroenterology, 2008. 134(5): p. 1376-1384., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2008.02.075* You, San‐Lin, Yang, Hwai‐I, Chen, Chien‐Jen, Seropositivity of hepatitis B e antigen and hepatocellular carcinoma. Annals of Medicine, 2004. 36(3): p. 215-224., http://dx.doi.org/10.1080/07853890310021580.

Aus diesem Grund empfehlen auch die AASLD-Leitlinien bei HBeAg-positiver Infektion eine antivirale Therapie bei älteren Patienten (>40 Jahre) sowie bei hochnormalen ALT-Werten (Frauen >19 IU/l, Männer >30 IU/l). * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156 Die EASL-Leitlinien haben hier die Altersgrenze bei >30 Jahren gesetzt * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

Literatur

[1]

Chu, Chia-Ming, Hung, Shao-Jen, Lin, Justin, Tai, Dar-In, Liaw, Yun-Fan. Natural history of hepatitis b e antigen to antibody seroconversion in patients with normal serum aminotransferase levels. The American Journal of Medicine 2004; 116: 829-834

[2]

Hui, Chee-Kin, Leung, Nancy, Yuen, Siu-Tsan, Zhang, Hai-Ying, Leung, Kar-Wai, Lu, Lei, Cheung, Stephen K. F., Wong, Wai-Man, Lau, George K.. Natural history and disease progression in Chinese chronic hepatitis B patients in immune-tolerant phase. Hepatology 2007; 46: 395-401

[3]

Kumar, Manoj, Sarin, Shiv K., Hissar, Syed, Pande, Chandana, Sakhuja, Puja, Sharma, Barjesh Chander, Chauhan, Ranjit, Bose, Sujoy. Virologic and Histologic Features of Chronic Hepatitis B Virus-Infected Asymptomatic Patients With Persistently Normal ALT. Gastroenterology 2008; 134: 1376-1384

[4]

You, San‐Lin, Yang, Hwai‐I, Chen, Chien‐Jen. Seropositivity of hepatitis B e antigen and hepatocellular carcinoma. Annals of Medicine 2004; 36: 215-224

[5]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[6]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Konsensbasierte Empfehlung 4.13

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie zur Verhinderung einer Transmission an Dritte kann erfolgen.

Sollen Patienten mit hochvirämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „immuntolerante“ Patienten bezeichnet) behandelt werden?

Hintergrund

Da das Transmissionsrisiko von der Höhe der Viruslast abhängt, kann eine antivirale Therapie zur Verhinderung der Transmission v.a. bei Schwangeren und Berufstätigen im Gesundheitswesen erfolgen. Details siehe Statement 4.8 und „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“.

4.4. Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 4.14

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Bei niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (HBeAg negativ, HBV-DNA <2.000 IU/ml, wiederholt normale ALT, kein Hinweis für eine moderate bis fortgeschrittene Leberfibrose) braucht i.d.R. keine antivirale Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?

Hintergrund

Diese Empfehlung entspricht den Empfehlungen der EASL und AASLD * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156.

Zu den Patienten, die in der Regel nicht behandelt werden sollten, zählen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher: inaktive HBsAg-Träger; anhaltend niedrige Virämie < 2.000 IU/ml und anhaltend normale ALT), da diese Personen eine geringe HBV-assoziierte Morbidität und Sterblichkeit aufweisen (Evidenz 3b) * Manno, Mauro, Cammà, Calogero, Schepis, Filippo, Bassi, Fabio, Gelmini, Roberta, Giannini, Francesco, et.al. Natural history of chronic HBV carriers in northern Italy: Morbidity and mortality after 30 years. Gastroenterology, 2004. 127(3): p. 756-763., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2004.06.021.

Niedrig virämische HBsAg-Träger (mit normalen ALT-Werten) aus Asien haben im Vergleich zu HBsAg-negativen Patienten ein erhöhtes HCC-Risiko (Evidenz 2b). Das Risiko kann durch die Bestimmung von HBsAg stratifiziert werden. Ein HBsAg-Wert >1.000 IU/ml war bei HBeAg-negativen Patienten mit HBV-DNA <2.000 IU/ml sowie bei Patienten mit HBV-DNA Werten von 2.000-20.000 IU/ml mit einem höheren HCC-Risko assoziiert. Dabei ist allerdings nicht klar, ob diese Patienten wiederholt normale Transaminasen aufweisen (siehe unten) (Evidenz 2b) * Tseng, Tai-Chung, Liu, Chun-Jen, Chen, Chi-Ling, Yang, Hung-Chih, Su, Tung-Hung, Wang, Chia-Chi, et.al. Risk Stratification of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Virus e Antigen–Negative Carriers by Combining Viral Biomarkers. The Journal of Infectious Diseases, 2013. 208(4): p. 584-593., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jit209* Tseng, Tai–Chung, Liu, Chun–Jen, Yang, Hung–Chih, Su, Tung–Hung, Wang, Chia–Chi, Chen, Chi–Ling, et.al. High Levels of Hepatitis B Surface Antigen Increase Risk of Hepatocellular Carcinoma in Patients With Low HBV Load. Gastroenterology, 2012. 142(5): p. 1140-1149.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2012.02.007* Chen, Jin–De, Yang, Hwai–I, Iloeje, Uchenna H., You, San–Lin, Lu, Sheng–Nan, Wang, Li–Yu, et.al. Carriers of Inactive Hepatitis B Virus Are Still at Risk for Hepatocellular Carcinoma and Liver-Related Death. Gastroenterology, 2010. 138(5): p. 1747-1754.e1., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2010.01.042.

Zudem wurde diese Assoziation bislang nicht bei europäischen Patienten dokumentiert (Evidenz 3b) * Manno, Mauro, Cammà, Calogero, Schepis, Filippo, Bassi, Fabio, Gelmini, Roberta, Giannini, Francesco, et.al. Natural history of chronic HBV carriers in northern Italy: Morbidity and mortality after 30 years. Gastroenterology, 2004. 127(3): p. 756-763., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2004.06.021.
HBeAg-negative Patienten mit einer HBV-DNA zwischen 2.000 – 20.000 IU/ml, die wiederholt normale ALT aufweisen (Zeitraum von mindestens 3 Jahren), haben i.d.R. keinen Hinweis auf einen signifikanten Leberschaden (Fibrose) (Evidenz 3a) * Papatheodoridis, George V., Manolakopoulos, Spilios, Liaw, Yun-Fan, Lok, Anna, Follow-up and indications for liver biopsy in HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection with persistently normal ALT: A systematic review. Journal of Hepatology, 2012. 57(1): p. 196-202., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.11.030.

Patienten, die diese Kriterien erfüllen, brauchen zunächst nicht antiviral behandelt zu werden. Die Kontrollintervalle (HBV-DNA, ALT) sollten aber häufiger als bei Patienten mit HBV-DNA <2.000 IU/ml erfolgen (siehe Empfehlung 3.7).
HBeAg-negative Patienten mit HBV-DNA >20.000 IU/ml und normaler ALT können behandelt werden. Die Daten der REVEAL Studie aus Asien belegen die Assoziation von HBV-DNA und HCC bzw. Zirrhoserisiko, insbesondere bei HBeAg-negativen Patienten mit einer HBV-DNA >20.000 IU/ml (Evidenz 2b) * Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen, Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology, 2006. 130(3): p. 678-686., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2005.11.016* Chen, Chien-Jen, Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA, 2006. 295(1): p. 65., http://dx.doi.org/10.1001/jama.295.1.65.

In unklaren Situationen (fluktuierende ALT oder HBV-DNA Werte) kann eine Leberbiopsie sinnvoll sein, um die entzündliche Aktivität und das Ausmaß der Leberfibrose histologisch zu beurteilen (siehe Empfehlung 3.18).

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[3]

Manno, Mauro, Cammà, Calogero, Schepis, Filippo, Bassi, Fabio, Gelmini, Roberta, Giannini, Francesco, Miselli, Francesca, Grottola, Antonella, Ferretti, Ilva, Vecchi, Chiara, De Palma, Marisa, Villa, Erica. Natural history of chronic HBV carriers in northern Italy: Morbidity and mortality after 30 years. Gastroenterology 2004; 127: 756-763

[4]

Tseng, Tai-Chung, Liu, Chun-Jen, Chen, Chi-Ling, Yang, Hung-Chih, Su, Tung-Hung, Wang, Chia-Chi, Yang, Wan-Ting, Kuo, Stephanie Fang-Tzu, Liu, Chen-Hua, Chen, Pei-Jer, Chen, Ding-Shinn, Kao, Jia-Horng. Risk Stratification of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Virus e Antigen–Negative Carriers by Combining Viral Biomarkers. The Journal of Infectious Diseases 2013; 208: 584-593

[5]

Tseng, Tai–Chung, Liu, Chun–Jen, Yang, Hung–Chih, Su, Tung–Hung, Wang, Chia–Chi, Chen, Chi–Ling, Kuo, Stephanie Fang–Tzu, Liu, Chen–Hua, Chen, Pei–Jer, Chen, Ding–Shinn, Kao, Jia–Horng. High Levels of Hepatitis B Surface Antigen Increase Risk of Hepatocellular Carcinoma in Patients With Low HBV Load. Gastroenterology 2012; 142: 1140-1149.e3

[6]

Chen, Jin–De, Yang, Hwai–I, Iloeje, Uchenna H., You, San–Lin, Lu, Sheng–Nan, Wang, Li–Yu, Su, Jun, Sun, Chien–An, Liaw, Yun–Fan, Chen, Chien–Jen. Carriers of Inactive Hepatitis B Virus Are Still at Risk for Hepatocellular Carcinoma and Liver-Related Death. Gastroenterology 2010; 138: 1747-1754.e1

[7]

Papatheodoridis, George V., Manolakopoulos, Spilios, Liaw, Yun-Fan, Lok, Anna. Follow-up and indications for liver biopsy in HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection with persistently normal ALT: A systematic review. Journal of Hepatology 2012; 57: 196-202

[8]

Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen. Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology 2006; 130: 678-686

[9]

Chen, Chien-Jen. Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA 2006; 295: 65

Konsensbasierte Empfehlung 4.15

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie zur Verhinderung einer Transmission an Dritte kann erwogen werden.

Sollen Patienten mit niedrig-virämischer chronischer HBV-Infektion (früher als „inaktive Träger“ bezeichnet) behandelt werden?

Hintergrund

Auch in dieser Patientengruppe kann eine antivirale Therapie zur Verhinderung der Transmission an Dritte erwogen werden. Details siehe Statement 4.8.

5. Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion

M. Cornberg, F. Tacke, N. Dikopoulos, C. Höner zu Siederdissen, D. Kroy, M. Sprinzl, F. van Bömmel, I. van Thiel, J. Vermehren, K. Wursthorn, S. Zeuzem

M. Cornberg, F. Tacke, N. Dikopoulos, C. Höner zu Siederdissen, D. Kroy, M. Sprinzl, F. van Bömmel, I. van Thiel, J. Vermehren, K. Wursthorn, S. Zeuzem

5.1. Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?

Konsensbasiertes Statement 5.1

Modifiziert 2020

Konsens


Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B sind, die Morbidität (Leberzirrhose, Leberdekompensation, hepatozelluläres Karzinom, extrahepatische Manifestationen) und Mortalität der HBV-Infektion zu senken. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung und, idealerweise, die Reversion einer Leberfibrose oder Zirrhose. Um diese Ziele zu erreichen, werden Surrogatmarker während und nach der Behandlung zur Überprüfung des Therapieerfolgs herangezogen:

  • Langfristiges Therapieziel ist der Verlust des HBsAg. Idealerweise kommt es zu einer Serokonversion von HBs-Antigen zu Anti-HBs-Antikörpern.
  • Bei Patienten ohne Leberzirrhose soll eine dauerhafte Suppression der HBV-DNA (mindestens <2.000 IU/ml, idealerweise unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar) erreicht werden. Bei Patienten mit Leberzirrhose soll die HBV-DNA unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar sein.
  • Ein HBeAg-Verlust und eine Serokonversion zu Anti-HBe kann ein Therapieendpunkt sein, wenn die HBV-DNA dauerhaft supprimiert ist (mindestens <2.000 IU/ml, idealerweise unterhalb der Nachweisgrenze bzw. nicht quantifizierbar).
  • Die Normalisierung der ALT kann ein zusätzlicher Endpunkt sein.


[NKLM]

Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?

Hintergrund

Analog zu den Daten im natürlichen Verlauf ist der HBsAg-Verlust der optimale Therapieendpunkt, da er mit einer funktionellen Heilung gleichzusetzen ist. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/ * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003.
Eine NA-Therapie kann nach HBsAg-Verlust beendet werden (siehe „Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?“). Ein HBsAg-Verlust während einer NA-Therapie ist meist dauerhaft und war in asiatischen Studien mit einem geringeren HCC-Risiko assoziiert (Evidenz 3b) * Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, et.al. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut, 2013. 63(8): p. 1325-1332., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2013-305517* Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Chan, Henry Lik-Yuen, Tse, Yee-Kit, Lam, Kelvin Long-Yan, Lui, Grace Chung-Yan, et.al. HBsAg seroclearance further reduces hepatocellular carcinoma risk after complete viral suppression with nucleos(t)ide analogues. Journal of Hepatology, 2019. 70(3): p. 361-370., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.10.014* Yuen, Man–Fung, Wong, Danny Ka–Ho, Fung, James, Ip, Philip, But, David, Hung, Ivan, et.al. HBsAg Seroclearance in Chronic Hepatitis B in Asian Patients: Replicative Level and Risk of Hepatocellular Carcinoma. Gastroenterology, 2008. 135(4): p. 1192-1199., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2008.07.008.

Eine HBV-DNA >2,000 IU/ml ist mit dem Risiko für die Entstehung einer Leberzirrhose und eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) assoziiert (Evidenz 2b) * Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003* Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen, Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology, 2006. 130(3): p. 678-686., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2005.11.016* Chen, Chien-Jen, Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA, 2006. 295(1): p. 65., http://dx.doi.org/10.1001/jama.295.1.65.
Eine nachhaltige HBV-DNA-Suppression mit Interferon alfa (IFN) oder dauerhafte HBV-DNA-Suppression mit Nukleosidanaloga bzw. Nukleotidanaloga (NA) ist mit der Verhinderung von Leberzirrhose, hepatischen Dekompensationen, HCC (Evidenz 1a), Lebertransplantation und Tod (Evidenz 2a) assoziiert. Die stärkste Evidenz für die Verhinderung von HCC und Tod durch eine effektive NA-Behandlung liegt bei Patienten mit Leberzirrhose vor * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344.

Für Patienten ohne Leberzirrhose waren die Nachbeobachtungszeiten (5 Jahre) vermutlich zu kurz und es wurden zu wenige Patienten untersucht, um die Verhinderung von HCC und Tod nachzuweisen * Wong, Grace Lai-Hung, Chan, Henry Lik-Yuen, Mak, Christy Wing-Hin, Lee, Stanley King-Yeung, Ip, Zoe Man-Yi, Lam, Andrew Ting-Ho, et.al. Entecavir treatment reduces hepatic events and deaths in chronic hepatitis B patients With liver cirrhosis. Hepatology, 2013. 58(5): p. 1537-1547., http://dx.doi.org/10.1002/hep.26301.
Aufgrund der Datenlage, die einen positiven Effekt der antiviralen Therapie bei Patienten mit einer Viruslast >2.000 IU/ml zeigt, sind placebokontrollierte Studien als unethisch zu betrachten und nicht mehr durchführbar. Der Nutzen einer antiviralen Therapie kann anhand von Surrogatparametern (HBV-DNA, Anti-HBe-Serokonversion, HBsAg-Verlust, ALT-Normalisierung und Fibroseverbesserung) beurteilt werden * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Ein bestimmter HBV-DNA-Grenzwert, der im Verlauf der Therapie unterschritten werden sollte, ist allerdings nicht genau definiert. Bei einer Therapie mit IFN bzw. PEG-IFN wurde eine HBV-DNA <2.000 IU/ml (meist 6 Monaten nach Ende der Therapie) als Endpunkt definiert * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Analog zu den Daten im natürlichen Verlauf sollte daher die HBV-DNA auch mit NA auf jeden Fall <2.000 IU/ml abfallen. Ideal ist in jedem Fall ein Abfall der HBV-DNA unterhalb der Nachweisgrenze bzw. Quantifizierungsgrenze hoch-sensitiver Assays (<20 IU/ml) (Expertenmeinung). Denn bei nur partieller Unterdrückung der HBV-DNA (aufgrund von Nicht-Ansprechen oder von Resistenzen) steigt das Risiko für die Entwicklung eines HCCs (Evidenz 2a) * Arends, Pauline, Sonneveld, Milan J., Zoutendijk, Roeland, Carey, Ivana, Brown, Ashley, Fasano, Massimo, et.al. Entecavir treatment does not eliminate the risk of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B: limited role for risk scores in Caucasians. Gut, 2014. 64(8): p. 1289-1295., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2014-307023 * Papatheodoridis, George V., Lampertico, Pietro, Manolakopoulos, Spilios, Lok, Anna, Incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B patients receiving nucleos(t)ide therapy: A systematic review. Journal of Hepatology, 2010. 53(2): p. 348-356., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2010.02.035.

Vor allem bei Patienten mit Leberzirrhose ist eine komplette virologische Kontrolle (Suppression der HBV-DNA unter die Nachweisgrenze bzw. in den nicht-quantifizierbaren Bereich eines hochsensitiven Assays) wichtig. Patienten mit kompensierter Zirrhose und quantifizierbarer HBV-DNA <2.000 IU/ml haben ein höheres HCC-Risiko als Patienten mit nicht nachweisbarer bzw. nicht quantifizierbarer HBV-DNA. Dies gilt auch für Patienten unter antiviraler Therapie (Evidenz 2b). * Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, et.al. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology, 2016. 66(2): p. 335-343., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28916* Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, et.al. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology, 2015. 62(3): p. 694-701., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27889* Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, et.al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut, 2012. 62(5): p. 760-765., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2012-302024.

Das frühe Erreichen des kompletten virologischen Ansprechens (nicht quantifizierbar) nach 1 Jahr Therapie ist ebenfalls für das HCC-Risiko bedeutsam. Dies bestätigt sich auch in einer anderen Studie, in der eine nachweisbare HBV-DNA (> 20 IU/ml) nach 1 Jahr Therapie mit ETV mit einem höheren HCC-Risiko bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose verbunden war (Evidenz 2b) * Kim, Soon Sun, Hwang, Jae Chul, Lim, Sun Gyo, Ahn, Seon Joo, Cheong, Jae Youn, Cho, Sung Won, Effect of Virological Response to Entecavir on the Development of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Viral Cirrhotic Patients: Comparison Between Compensated and Decompensated Cirrhosis. American Journal of Gastroenterology, 2014. 109(8): p. 1223-1233., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2014.145.

Eine dauerhafte Suppression der HBV-DNA ist mit einer Verbesserung der Leberhistologie assoziiert. Nach 5 Jahren Therapie mit Entecavir bzw. Tenofovir wurde bei den meisten Patienten eine Verbesserung der Leberfibrose und bei einigen Patienten sogar eine Reversion einer F6 Fibrose nach Ishak (=Zirrhose) dokumentiert (Evidenz 2b) * Marcellin, Patrick, Gane, Edward, Buti, Maria, Afdhal, Nezam, Sievert, William, Jacobson, Ira M., et.al. Regression of cirrhosis during treatment with tenofovir disoproxil fumarate for chronic hepatitis B: a 5-year open-label follow-up study. The Lancet, 2013. 381(9865): p. 468-475., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(12)61425-1* Chang, Ting-Tsung, Liaw, Yun-Fan, Wu, Shun-Sheng, Schiff, Eugene, Han, Kwang-Hyub, Lai, Ching-Lung, et.al. Long-term entecavir therapy results in the reversal of fibrosis/cirrhosis and continued histological improvement in patients with chronic hepatitis B. Hepatology, 2010. 52(3): p. 886-893., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23785.

Der Endpunkt „Verbesserung der Leberfibrose oder Leberzirrhose“ kann mit der nicht-invasiven transienten Elastographie bestimmt werden (siehe Empfehlung 3.19).
Ein HBeAg-Verlust und eine Anti-HBe-Serokonversion bei initial HBeAg-positiven Patienten (ohne das Vorliegen von Pre-Core oder BCP (basal-core-promoter)-Mutanten) ist mit einer Immunkontrolle gleichzusetzen. Eine dauerhafte HBeAg-Serokonversion nach PEG-IFN-Behandlung kann mit einer guten Prognose assoziiert sein, vergleichbar mit der von inaktiven HBsAg-Trägern (bzw. HBeAg-negativer chronischer Infektion) (Evidenz 2b) * Niederau, Claus, Heintges, Tobias, Lange, Stefan, Goldmann, Georg, Niederau, Christoph M., Mohr, Leonhard, et.al. Long-Term Follow-up of HBeAg-Positive Patients Treated with Interferon Alfa for Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 1996. 334(22): p. 1422-1427., http://dx.doi.org/10.1056/nejm199605303342202.

In einer asiatischen Kohortenstudie mit einer Langzeitbeobachtung von 15 Jahren zeigte sich eine geringere Inzidenz von Zirrhose und HCC nach IFN-induzierter HBeAg-Serokonversion sowohl im Vergleich zu Patienten, die keine HBeAg-Serokonversion unter IFN-Behandlung erreicht hatten als auch im Vergleich zu nicht-therapierten Kontrollen (Evidenz 3b) * Lin, Shi-Ming, Yu, Ming-Lung, Lee, Chuan-Mo, Chien, Rong-Nan, Sheen, I. Shyan, Chu, Chia-Ming, et.al. Interferon therapy in HBeAg positive chronic hepatitis reduces progression to cirrhosis and hepatocellular carcinoma. Journal of Hepatology, 2007. 46(1): p. 45-52., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2006.08.021. Allerdings gibt es auch Studien, in denen eine HBeAg-Serokonversion nach IFN-Behandlung nicht mit einem verbesserten Verlauf gegenüber unbehandelten Kontrollen assoziiert war. In einer dieser Studien waren 89% der Patienten nach HBeAg-Serokonversion noch HBV-DNA positiv. Die HBV-DNA wurde allerdings nicht quantifiziert und Precore / BCP Mutationen wurden nicht analysiert (Evidenz 3b). * Yuen, M., Long-term follow-up of interferon alfa treatment in chinese patients with chronic hepatitis B infection: The effect on hepatitis B e antigen seroconversion and the development of cirrhosis-related complications. Hepatology, 2001. 34(1): p. 139-145., http://dx.doi.org/10.1053/jhep.2001.25273

Um dem Grenzwert gerecht zu werden, ab dem im natürlichen Verlauf der HBV-Infektion die Rate von Komplikationen ansteigt, sollte die HBV-DNA nach HBeAg-Serokonversion dauerhaft auf <2.000 IU/ml, bei Patienten mit Leberzirrhose auf <20 IU/ml supprimiert sein. Die HBeAg-Serokonversion während einer NA-Behandlung kann analog zur IFN-Behandlung ein Kriterium für einen Therapiestopp darstellen (siehe „Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?“). Analog internationaler Leitlinien der EASL und AASLD sollte nach einer HBeAg-Serokonversion, die während der Behandlung mit NA entstanden ist, die Behandlung für weitere 12 Monate fortgeführt werden. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

Im Fall einer dauerhaften virologischen Response wird in der Regel auch eine dauerhafte ALT-Normalisierung erreicht. Falls die ALT weiterhin erhöht bleibt, sollten andere Ursachen hierfür ausgeschlossen werden (z.B. Fettleberhepatitis). Bei Patienten mit virologischer Response, bei denen die Leberwerte jedoch weiterhin erhöht sind, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fibroseregression geringer (Evidenz 2b) * Jacobson, Ira M., Washington, Mary K., Buti, Maria, Thompson, Alexander, Afdhal, Nezam, Flisiak, Robert, et.al. Factors Associated With Persistent Increase in Level of Alanine Aminotransferase in Patients With Chronic Hepatitis B Receiving Oral Antiviral Therapy. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2017. 15(7): p. 1087-1094.e2., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2017.01.032.

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[3]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[4]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., Buchholz, Stephanie, Buti, Maria, Chan, Henry L. Y., et al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B – Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology 2020; 72: 539-557

[5]

Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, Lee, Han Chu, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, Suh, Dong Jin. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut 2013; 63: 1325-1332

[6]

Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Chan, Henry Lik-Yuen, Tse, Yee-Kit, Lam, Kelvin Long-Yan, Lui, Grace Chung-Yan, Wong, Vincent Wai-Sun. HBsAg seroclearance further reduces hepatocellular carcinoma risk after complete viral suppression with nucleos(t)ide analogues. Journal of Hepatology 2019; 70: 361-370

[7]

Yuen, Man–Fung, Wong, Danny Ka–Ho, Fung, James, Ip, Philip, But, David, Hung, Ivan, Lau, Kevin, Yuen, John Chi–Hang, Lai, Ching–Lung. HBsAg Seroclearance in Chronic Hepatitis B in Asian Patients: Replicative Level and Risk of Hepatocellular Carcinoma. Gastroenterology 2008; 135: 1192-1199

[8]

Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen. Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology 2006; 130: 678-686

[9]

Chen, Chien-Jen. Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA 2006; 295: 65

[10]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., et al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 284-306

[11]

Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J.. Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2013; 38: 98-106

[12]

Wong, Grace Lai-Hung, Chan, Henry Lik-Yuen, Mak, Christy Wing-Hin, Lee, Stanley King-Yeung, Ip, Zoe Man-Yi, Lam, Andrew Ting-Ho, Iu, Henry Wing-Hang, Leung, Joyce May-Sum, Lai, Jennifer Wing-Yan, Lo, Angeline Oi-Shan, Chan, Hoi-Yun, Wong, Vincent Wai-Sun. Entecavir treatment reduces hepatic events and deaths in chronic hepatitis B patients With liver cirrhosis. Hepatology 2013; 58: 1537-1547

[13]

Arends, Pauline, Sonneveld, Milan J., Zoutendijk, Roeland, Carey, Ivana, Brown, Ashley, Fasano, Massimo, Mutimer, David, Deterding, Katja, Reijnders, Jurriën G. P., Oo, Ye, Petersen, Jörg, van Bömmel, Florian, de Knegt, Robert J., et al. Entecavir treatment does not eliminate the risk of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B: limited role for risk scores in Caucasians. Gut 2014; 64: 1289-1295

[14]

Papatheodoridis, George V., Lampertico, Pietro, Manolakopoulos, Spilios, Lok, Anna. Incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B patients receiving nucleos(t)ide therapy: A systematic review. Journal of Hepatology 2010; 53: 348-356

[15]

Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, Lee, Joon Hyeok, Koh, Kwang Cheol, Paik, Seung Woon. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology 2016; 66: 335-343

[16]

Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, Lee, Joon Hyeok, Koh, Kwang Cheol, Yoo, Byung Chul, Paik, Seung Woon. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology 2015; 62: 694-701

[17]

Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, Hofmann, Wolf Peter, Petersen, Joerg, Fasano, Massimo, Buti, Maria, Berg, Thomas, Hansen, Bettina E., et al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut 2012; 62: 760-765

[18]

Kim, Soon Sun, Hwang, Jae Chul, Lim, Sun Gyo, Ahn, Seon Joo, Cheong, Jae Youn, Cho, Sung Won. Effect of Virological Response to Entecavir on the Development of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Viral Cirrhotic Patients: Comparison Between Compensated and Decompensated Cirrhosis. American Journal of Gastroenterology 2014; 109: 1223-1233

[19]

Marcellin, Patrick, Gane, Edward, Buti, Maria, Afdhal, Nezam, Sievert, William, Jacobson, Ira M., Washington, Mary Kay, Germanidis, George, Flaherty, John F., Schall, Raul Aguilar, Bornstein, Jeffrey D., et al. Regression of cirrhosis during treatment with tenofovir disoproxil fumarate for chronic hepatitis B: a 5-year open-label follow-up study. The Lancet 2013; 381: 468-475

[20]

Chang, Ting-Tsung, Liaw, Yun-Fan, Wu, Shun-Sheng, Schiff, Eugene, Han, Kwang-Hyub, Lai, Ching-Lung, Safadi, Rifaat, Lee, Samuel S., Halota, Waldemar, Goodman, Zachary, Chi, Yun-Chan, Zhang, Hui, Hindes, Robert, Iloeje, Uchenna, Beebe, Suzanne, Kreter, Bruce. Long-term entecavir therapy results in the reversal of fibrosis/cirrhosis and continued histological improvement in patients with chronic hepatitis B. Hepatology 2010; 52: 886-893

[21]

Niederau, Claus, Heintges, Tobias, Lange, Stefan, Goldmann, Georg, Niederau, Christoph M., Mohr, Leonhard, Häussinger, Dieter. Long-Term Follow-up of HBeAg-Positive Patients Treated with Interferon Alfa for Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine 1996; 334: 1422-1427

[22]

Lin, Shi-Ming, Yu, Ming-Lung, Lee, Chuan-Mo, Chien, Rong-Nan, Sheen, I. Shyan, Chu, Chia-Ming, Liaw, Yun-Fan. Interferon therapy in HBeAg positive chronic hepatitis reduces progression to cirrhosis and hepatocellular carcinoma. Journal of Hepatology 2007; 46: 45-52

[23]

Yuen, M.. Long-term follow-up of interferon alfa treatment in chinese patients with chronic hepatitis B infection: The effect on hepatitis B e antigen seroconversion and the development of cirrhosis-related complications. Hepatology 2001; 34: 139-145

[24]

Jacobson, Ira M., Washington, Mary K., Buti, Maria, Thompson, Alexander, Afdhal, Nezam, Flisiak, Robert, Akarca, Ulus Salih, Tchernev, Konstantin G., et al. Factors Associated With Persistent Increase in Level of Alanine Aminotransferase in Patients With Chronic Hepatitis B Receiving Oral Antiviral Therapy. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2017; 15: 1087-1094.e2

Konsensbasiertes Statement 5.2

Neu 2020

Starker Konsens


Weitere Ziele der Therapie sind die Senkung der Infektiosität des Patienten bzw. die Senkung der Transmissionsrate (z.B. Mutter-Kind Übertragung), die Verhinderung einer HBV-Reaktivierung und/oder die Verbesserung von extrahepatischen Manifestationen.

[NKLM]

Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?

Hintergrund

Bei Personen, die im medizinischen Bereich arbeiten, soll eine Suppression der HBV-DNA <2.000 IU/ml und bei Personen, die verletzungsträchtigen Tätigkeiten nachgehen, <200 IU/mL erreicht werden (siehe „Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?“). Um die vertikale Transmission (Mutter-Kind Übertragung) zu verhindern, soll die HBV-DNA zum Zeitpunkt der Geburt <200.000 IU/ml liegen (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“). Es sind keine Grenzwerte für HBV-Marker bekannt, die mit einer Verbesserung von extrahepatischen Manifestationen assoziiert sind. Ideal ist die Suppression der HBV-DNA unter die Nachweisgrenze (Expertenmeinung).

5.2. Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Für die Therapie der chronischen HBV-Infektion stehen mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) und Nukleosid- bzw. Nukleotid-Analoga zwei unterschiedliche Therapiekonzepte zur Verfügung (Tabelle 8).

Konsensbasierte Empfehlung 5.3

Modifiziert 2020

Empfehlung

Konsens


Bei der Therapieauswahl sollte geprüft werden, ob eine Therapie mit PEG-IFN möglich und sinnvoll ist. 

[NKLM]

3.2 Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Hintergrund

Die Therapie mit pegyliertem Interferon alfa (IFN) ist für HBV-Infektionen zeitlich begrenzt (siehe „Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?“). Sowohl für die Therapie der HBeAg-positiven als auch der HBeAg-negativen chronischen Hepatitis B mit IFN konnten in einer Metaanalyse bzw. in mehreren Langzeitverlaufsstudien eine Verbesserung klinischer Endpunkte, der Leberwerte, der HBV-DNA-Konzentration und der Leberhistologie sowie der Häufigkeit des Leberzellkarzinoms im Vergleich zu nicht-therapierten Patienten dokumentiert werden (Evidenz 1a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

In einer aktuellen retrospektive Kohortenstudie aus einem einzelnen Studienzentrum in Asien war während eines Beobachtungszeitraums von 5 Jahren die kumulative Rate an HCC bei Patienten, die eine Therapie mit PEG-IFN erhielten, signifikant geringer als bei Patienten, die eine Therapie mit NAs erhielten, insbesondere im Vergleich zu Patienten mit einer Entecavir-Therapie. Die Studie hat allerdings Limitationen, da es sich um asiatische Patienten handelt und wichtige Informationen zur Nachbeobachtungszeit und Stadium der Leberzirrhose nicht sehr detailliert dargestellt sind (Evidenz 2b) * Liang, Kung-Hao, Hsu, Chao-Wei, Chang, Ming-Ling, Chen, Yi-Cheng, Lai, Ming-Wei, Yeh, Chau-Ting, Peginterferon Is Superior to Nucleos(t)ide Analogues for Prevention of Hepatocellular Carcinoma in Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2015. 213(6): p. 966-974., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiv547.

Die serologischen Surrogatparameter HBeAg-Serokonversion und HBsAg-Verlust (auch bei HBeAg-negativen Patienten) werden mit einer IFN bzw. PEG-IFN basierten Therapie häufiger erreicht als mit einer gleichlangen (meist 48-wöchigen) NA-Therapie (Evidenz 1b) * Lau, George K. K., Piratvisuth, Teerha, Luo, Kang Xian, Marcellin, Patrick, Thongsawat, Satawat, Cooksley, Graham, et.al. Peginterferon Alfa-2a, Lamivudine, and the Combination for HBeAg-Positive Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2005. 352(26): p. 2682-2695., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa043470* Marcellin, Patrick, Lau, George K. K., Bonino, Ferruccio, Farci, Patrizia, Hadziyannis, Stephanos, Jin, Rui, et.al. Peginterferon Alfa-2a Alone, Lamivudine Alone, and the Two in Combination in Patients with HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2004. 351(12): p. 1206-1217., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa040431* Sonneveld, Milan J., Zoutendijk, Roeland, Hansen, Bettina E., Janssen, Harry L. A., Pegylated Interferon Results in Higher Serological, but Not Virological, Response Rates When Compared to Continuous Entecavir. Antiviral Therapy, 2012. 17(8): p. 1605-1608., http://dx.doi.org/10.3851/imp2319. Allerdings ist die Rate an HBsAg-Verlusten insgesamt sehr gering (Tabelle 8). Bei Langzeittherapie mit NAs können kumulative HBeAg-Serokonversionraten erreicht werden, die mit der HBeAg-Serokonversionsrate von zeitlich begrenzter PEG-IFN-Therapie vergleichbar sind. Die HBeAg-Serokonversionsrate unter einer IFN-Therapie scheint im Vergleich zu einer zeitlich begrenzen Lamivudintherapie aber nachhaltiger zu sein (Evidenz 3b) * van Nunen, A. B., Durability of HBeAg seroconversion following antiviral therapy for chronic hepatitis B: relation to type of therapy and pretreatment serum hepatitis B virus DNA and alanine aminotransferase. Gut, 2003. 52(3): p. 420-424., http://dx.doi.org/10.1136/gut.52.3.420.

Aufgrund der Nebenwirkungen der IFN- bzw. PEG-IFN-Therapie sollen Patienten über die Vor- und Nachteile der Therapie besonders aufgeklärt werden. Kontraindikationen gegen eine PEG-IFN-Therapie sollen berücksichtigt werden. Positiv-prädiktive Faktoren für ein Therapieansprechen auf PEG-IFN wie eine hohe ALT, mäßig hohe HBV-DNA und ein Genotyp A können berücksichtigt werden. Bei der Durchführung einer IFN-enthaltenden Therapie sollten die definierten (vgl. Abschnitt 5.7) STOP-Kriterien (HBV-DNA-Abfall, HBsAg-Abfall) zur Therapiesteuerung angewendet werden, um bei abzusehendem Nicht-Ansprechen die Therapie vorzeitig beenden zu können (siehe „Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?“).

Anmerkung: Die Herstellerfirma des Peginterferon alfa-2a hat im Juli 2020 angekündigt, dieses weltweit vom Markt zu nehmen. Aktuelle Projektionen gehen von einer Verfügbarkeit in Deutschland bis zum Jahresende 2022 aus. Der Marktrückzug betrifft alle Handelsformen, es besteht kein Zusammenhang mit der Sicherheit oder Wirksamkeit des Produktes. Bis zur letzten Lieferung ist die bekannte Qualität gewährleistet. Der aktuelle Bestand des Arzneimittels wird abverkauft, eine Produktion findet nicht mehr statt (https://www.roche.de/medien/meldungen/Mittelfristig-laeuft-Pegasys-aus-Alle-1-5163.html) Wir werden rechtzeitig ein Addendum veröffentlichen.

* Bei der Abstimmung gab es Personen, die sowohl eine stärkere Empfehlung als auch eine schwächere (offene) Empfehlung gefordert haben. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils von Interferon alfa wurde die „soll“ Empfehlung der 2011er Leitlinie in eine „sollte“ Empfehlung geändert.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Liang, Kung-Hao, Hsu, Chao-Wei, Chang, Ming-Ling, Chen, Yi-Cheng, Lai, Ming-Wei, Yeh, Chau-Ting. Peginterferon Is Superior to Nucleos(t)ide Analogues for Prevention of Hepatocellular Carcinoma in Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases 2015; 213: 966-974

[3]

Lau, George K. K., Piratvisuth, Teerha, Luo, Kang Xian, Marcellin, Patrick, Thongsawat, Satawat, Cooksley, Graham, Gane, Edward, Fried, Michael W., Chow, Wan Cheng, Paik, Seung Woon, Chang, Wen Yu, Berg, Thomas, Flisiak, Robert, McCloud, Philip, Pluck, Nigel. Peginterferon Alfa-2a, Lamivudine, and the Combination for HBeAg-Positive Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine 2005; 352: 2682-2695

[4]

Marcellin, Patrick, Lau, George K. K., Bonino, Ferruccio, Farci, Patrizia, Hadziyannis, Stephanos, Jin, Rui, Lu, Zhi-Meng, Piratvisuth, Teerha, Germanidis, Georgios, Yurdaydin, Cihan, Diago, Moises, Gurel, Selim, Lai, Ming-Yang, Button, Peter, Pluck, Nigel. Peginterferon Alfa-2a Alone, Lamivudine Alone, and the Two in Combination in Patients with HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine 2004; 351: 1206-1217

[5]

Sonneveld, Milan J., Zoutendijk, Roeland, Hansen, Bettina E., Janssen, Harry L. A.. Pegylated Interferon Results in Higher Serological, but Not Virological, Response Rates When Compared to Continuous Entecavir. Antiviral Therapy 2012; 17: 1605-1608

[6]

van Nunen, A. B.. Durability of HBeAg seroconversion following antiviral therapy for chronic hepatitis B: relation to type of therapy and pretreatment serum hepatitis B virus DNA and alanine aminotransferase. Gut 2003; 52: 420-424

Evidenzbasierte Empfehlung 5.4

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Therapie mit Nukleos(t)idanaloga sollen Entecavir (ETV) oder Tenofovir (TDF oder TAF) bevorzugt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 5.5

Neu 2020

Starker Konsens


Bei der Auswahl von NA sollen das Stadium der Lebererkrankung, Komorbiditäten (v.a. Niereninsuffizienz und Knochendichteminderung) und Begleitumstände (z.B. Schwangerschaft, Kinderwunsch, Transplantation), die Höhe der HBV-DNA sowie eventuelle Vortherapien berücksichtigt werden.

[NKLM, Leitlinienadaption EASLClinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Hintergrund

Die antivirale Wirksamkeit von NA wurde in Phase-III-Studien belegt (Evidenz 1a) * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280. Mittlerweile liegen auch Langzeitdaten über 5 Jahre für Entecavir und Tenofovir (TDF) vor (Tabelle 8). Das virologische Ansprechen bei naiven Patienten liegt mit Entecavir oder Tenofovir (TDF) bei >92-100% (Evidenz 1a) (Tabelle 8).
Im Langzeitverlauf sind die Ansprechraten für Entecavir u.a. aufgrund des Auftretens von Resistenzen, v.a. bei Lamivudin-vorbehandelten bzw. Lamivudin-resistenten Patienten, graduell schlechter als für Tenofovir. Die HBsAg-Verlust- bzw. Serokonversionrate ist gering (Tabelle 8) und steigt im Verlauf nur mäßig an (5% bzw. 9,8% nach 5 Jahren Therapie mit ETV und TDF).
NA haben keinen wesentlichen direkten Effekt auf die Menge der cccDNA im Zellkern der Leberzellen, von der das HBsAg unabhängig von der HBV-DNA-Polymerase exprimiert wird. In einer kürzlich publizierten Studie wurde nach einjähriger NA-Therapie ein geringer Rückgang der cccDNA beobachtet, der unabhängig vom eingesetzten NA ist und somit auf einen NA-unabhängigen Mechanismus schließen lässt. In Frage kommt hier die (allmähliche) Verdünnung des cccDNA-Pools durch Zellteilung. Umgekehrt eignet sich das Serum-HBsAg nicht als Surrogatparameter für die Menge der cccDNA in den Leberzellkernen, da die Produktion des HBsAg nicht nur von der Menge der cccDNA, sondern auch von deren transkriptioneller Aktivität oder der Produktion von HBsAg aus in die Wirts-DNA integrierter viraler HBV-DNA abhängt. Eine HBsAg-Reduktion unter NA-Therapie ist deshalb mit Ausnahme des frühen Abfalls (bis Monat 6 nach Start der NA-Therapie) wenig prädiktiv * Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen, The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology, 2017. 66(2): p. 398-411., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2016.08.009 Die Langzeitsuppression der HBV-DNA durch die Therapie mit NA führt zu einer Verbesserung von wichtigen Endpunkten:
Risiko der HCC-Entstehung: Vor allem bei Patienten mit Leberzirrhose sinkt unter NA- Behandlung das Risiko der Entwicklung eines HCCs. Dieser Effekt wird ab einer Dauer der Suppression der HBV-DNA von einem Jahr deutlich (Evidenz 1a) * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344* Papatheodoridis, George V., Chan, Henry Lik-Yuen, Hansen, Bettina E., Janssen, Harry L. A., Lampertico, Pietro, Risk of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B: Assessment and modification with current antiviral therapy. Journal of Hepatology, 2015. 62(4): p. 956-967., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2015.01.002.
Der Einfluss der langfristigen Virussuppression mit NA bei Patienten ohne Leberzirrhose auf die Entstehung eines HCCs ist ebenfalls messbar, aber geringer als bei Patienten mit Zirrhose. Frühere Untersuchungen bei Patienten mit nur partieller Suppression der HBV-DNA aufgrund von Resistenzen zeigten eine Assoziation zwischen dem Auftreten von HCC und dem Auftreten von Resistenzen bzw. dem Einsatz von NA mit niedriger Resistenzschwelle (siehe „Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?“). Ein HBsAg-Verlust ist ebenfalls mit einem geringeren HCC-Risiko assoziiert (Evidenz 3b) * Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, et.al. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut, 2013. 63(8): p. 1325-1332., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2013-305517, * Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003.
In jüngster Zeit gab es Meta-Analysen mit adjustierten Risikoanalysen, die einen möglichen Unterschied zwischen ETV und TDF in Bezug auf das HCC-Risiko bzw. die Effektivität einer Reduktion des HCC-Risikos untersucht haben. Hier wurden in zwei Meta-Analysen, in die 14 Studien (mit 263.947 Personenjahre) bzw. 15 Studien (mit 61.787 Patienten) vor allem aus asiatischen Kohorten eingegangen sind, eine statistisch signifikant geringere Rate von HCCs bei Patienten mit TDF- gegenüber ETV-Langzeittherapie dokumentiert * Dave, Shravan, Park, Sooyoung, Murad, M. Hassan, Barnard, Abbey, Prokop, Larry, Adams, Leon A., et.al. Comparative Effectiveness of Entecavir Versus Tenofovir for Preventing Hepatocellular Carcinoma in Patients with Chronic Hepatitis B: A Systematic Review and Meta‐Analysis. Hepatology, 2020. 73(1): p. 68-78., http://dx.doi.org/10.1002/hep.31267, * Choi, WM, Choi, J, Lim, YS, Effects of Tenofovir vs Entecavir on Risk of Hepatocellular Carcinoma in Patients With Chronic HBV Infection: A Systematic Review and Meta-analysis.. Clin Gastroenterol Hepatol, 2021. 19 (2)(2): p. 246-258.e9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32407970/. Bislang ergibt sich aus diesen Daten allerdings keine Konsequenz für die Therapie in Deutschland bzw. bei europäischen Patienten. Eine große multizentrische europäische Kohortenanalyse (unter Einbezug deutscher Patienten) zeigte eine gleich niedrige HCC-Rate unter Langzeitbehandlung mit TDF oder ETV * Papatheodoridis, George V., Dalekos, George N., Idilman, Ramazan, Sypsa, Vana, Van Boemmel, Florian, Buti, Maria, et.al. Similar risk of hepatocellular carcinoma during long-term entecavir or tenofovir therapy in Caucasian patients with chronic hepatitis B. Journal of Hepatology, 2020. 73(5): p. 1037-1045., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.011.

Risikoscores zu Einschätzung des HCC-Risikos unter NA-Therapie können hilfreich sein, um die Überwachungsintervalle festzulegen (siehe „Welche Patienten mit chronischer Hepatitis B sollten in ein HCC-Früherkennungsprogramm aufgenommen werden und wie sollte dieses durchgeführt werden?“). Bei asiatischen Patienten wurden folgende Risiko-Scores validiert: GAG-HCC, CU-HCC, REACH-B. Bei europäischen Patienten scheint nur der PAGE-B-Score einen ausreichenden prädiktiven Wert zu besitzen. Aktuelle Daten stützen die Anwendung des CAGE-B und SAGE-B Scores in europäischen Patienten, diese Arbeit wurde jedoch nicht im Rahmen der Konsenuskonferenz bewertet, da sie zu einem späteren Zeitpunkt erschien. In den asiatischen Risiko-Scores spielen das Alter und die Viruslast sowie das Vorhandensein einer Zirrhose eine Rolle (siehe „Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?“). Beim PAGE-B-Score sind neben dem Alter das männliche Geschlecht und die Thrombozyten gewichtet * Papatheodoridis, George V., Dalekos, George N., Idilman, Ramazan, Sypsa, Vana, Van Boemmel, Florian, Buti, Maria, et.al. Similar risk of hepatocellular carcinoma during long-term entecavir or tenofovir therapy in Caucasian patients with chronic hepatitis B. Journal of Hepatology, 2020. 73(5): p. 1037-1045., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.011* Voulgaris, Thodoris, Papatheodoridi, Margarita, Lampertico, Pietro, Papatheodoridis, George V., Clinical utility of hepatocellular carcinoma risk scores in chronic hepatitis B. Liver International, 2020. 40(3): p. 484-495., http://dx.doi.org/10.1111/liv.14334 

Histologische Verbesserung: Eine Reversion einer histologisch nachgewiesenen Leberzirrhose kann mit längerfristiger (3-5 Jahre) NA-Therapie (z.B. ETV oder TDF) erreicht werden (Evidenz 2b) * Marcellin, Patrick, Gane, Edward, Buti, Maria, Afdhal, Nezam, Sievert, William, Jacobson, Ira M., et.al. Regression of cirrhosis during treatment with tenofovir disoproxil fumarate for chronic hepatitis B: a 5-year open-label follow-up study. The Lancet, 2013. 381(9865): p. 468-475., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(12)61425-1* Chang, Ting-Tsung, Liaw, Yun-Fan, Wu, Shun-Sheng, Schiff, Eugene, Han, Kwang-Hyub, Lai, Ching-Lung, et.al. Long-term entecavir therapy results in the reversal of fibrosis/cirrhosis and continued histological improvement in patients with chronic hepatitis B. Hepatology, 2010. 52(3): p. 886-893., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23785.

Rekompensation: Die Therapie bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose kann zu einer deutlich klinischen Verbesserung und Reduktion des HCC-Risikos führen. Eine Reduktion des MELD-Scores bzw. CHILD-Pugh Scores und eine Verbesserung des Überlebens ist gezeigt worden (Evidenz 1b). * Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361* Shim, Ju Hyun, Lee, Han Chu, Kim, Kang Mo, Lim, Young-Suk, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, et.al. Efficacy of entecavir in treatment-naïve patients with hepatitis B virus-related decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology, 2010. 52(2): p. 176-182., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2009.11.007* Chan, H. L. Y., Chen, Y. C., Gane, E. J., Sarin, S. K., Suh, D. J., Piratvisuth, T., et.al. Randomized clinical trial: efficacy and safety of telbivudine and lamivudine in treatment‐naïve patients with HBV‐related decompensated cirrhosis. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 19(10): p. 732-743., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2893.2012.01600.x

Verbesserung des Überlebens: Mehrere Studien (zusammengefasst in einer Meta-Anaylse) konnten für Patienten mit einer Leberzirrhose eine Reduktion der Mortalität zeigen. Die durchschnittliche Risikoreduktion in dieser Population lag bei 50% (Evidenz 2a) * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280.
Bei der Therapie mit NA soll die Entwicklung von Resistenzen des HBV vermieden werden, da insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose eine Resistenzentwicklung mit erhöhter Morbidität und Mortalität assoziiert ist (Evidenz 1b) * Liaw, Yun-Fan, Sung, Joseph J. Y., Chow, Wan Cheng, Farrell, Geoffrey, Lee, Cha-Ze, Yuen, Hon, et.al. Lamivudine for Patients with Chronic Hepatitis B and Advanced Liver Disease. New England Journal of Medicine, 2004. 351(15): p. 1521-1531., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa033364, * Papatheodoridis, George V., Dimou, Evangelini, Dimakopoulos, Konstantinos, Manolakopoulos, Spilios, Rapti, Irene, Kitis, George, et.al. Outcome of hepatitis B e antigen-negative chronic hepatitis B on long-term nucleos(t)ide analog therapy starting with lamivudine. Hepatology, 2005. 42(1): p. 121-129., http://dx.doi.org/10.1002/hep.20760.

Die Resistenz des HBV gegen NA beruht auf der Selektion von HBV-Varianten und ist bei Patienten mit inkomplettem Ansprechen auf eine NA-Behandlung wahrscheinlicher als bei Patienten mit raschem und komplettem Ansprechen. Die Art des Resistenzmechanismus sowie eine bereits stattgehabte Resistenzentwicklung gegen andere NA sind ebenfalls entscheidend für die Häufigkeit und Ausprägung der Resistenz * Warner, Nadia, Locarnini, Stephen, Mechanisms of Hepatitis B Virus Resistance Development. Intervirology, 2014. 57(3-4): p. 218-224., http://dx.doi.org/10.1159/000360940* Zoulim, Fabien, Locarnini, Stephen, Hepatitis B Virus Resistance to Nucleos(t)ide Analogues. Gastroenterology, 2009. 137(5): p. 1593-1608.e2., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2009.08.063.

Entecavir und Tenofovir besitzen gegenüber den anderen NA die günstigsten Eigenschaften gegen Resistenzentwicklung. Resistenzvarianten gegen Tenofovir scheinen mit Resistenzvarianten gegen Adefovir identisch zu sein, bewirken aber (anders als bei Adefovir) keinen Durchbruch der HBV-DNA unter Behandlung mit Tenofovir * Berg, Thomas, Zoulim, Fabien, Moeller, Bernd, Trinh, Huy, Marcellin, Patrick, Chan, Sing, et.al. Long-term efficacy and safety of emtricitabine plus tenofovir DF vs. tenofovir DF monotherapy in adefovir-experienced chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology, 2014. 60(4): p. 715-722., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2013.11.024* Lim, Young-Suk, Yoo, Byung Chul, Byun, Kwan Soo, Kwon, So Young, Kim, Yoon Jun, An, Jihyun, et.al. Tenofovir monotherapy versus tenofovir and entecavir combination therapy in adefovir-resistant chronic hepatitis B patients with multiple drug failure: results of a randomised trial. Gut, 2015. 65(6): p. 1042-1051., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2014-308435.

Entecavir hat eine hohe genetische Resistenzbarriere, d.h. das Vorhandensein nicht nur einer sondern einer Vielzahl von Resistenzvarianten, einschließlich Varianten mit Resistenz gegen Lamivudin, ist Voraussetzung für einen Durchbruch der HBV-DNA unter Behandlung mit ETV (Tabelle 8) * Tenney, Daniel J., Rose, Ronald E., Baldick, Carl J., Levine, Steven M., Pokornowski, Kevin A., Walsh, Ann W., et.al. Two-Year Assessment of Entecavir Resistance in Lamivudine-Refractory Hepatitis B Virus Patients Reveals Different Clinical Outcomes Depending on the Resistance Substitutions Present. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, 2007. 51(3): p. 902-911., http://dx.doi.org/10.1128/aac.00833-06.

Die Seltenheit von Resistenzen gegen Entecavir, sowie die starke antivirale Aktivität von Entecavir und Tenofovir, sind der Grund für die höchste Rate an virologischer Response beider Substanzen im Langzeitverlauf im Vergleich mit den übrigen NA (Tabelle 8). Im Detail liegt die Resistenzentwicklung nach 5 Jahren Therapie bei 0% für TDF und bei 1,2% für ETV.

Für Tenofovir Alafenamid (TAF) liegen bezüglich einer möglichen Resistenzentwicklung Daten über 96 Wochen vor, wo auch bei Patienten mit quantifizierbarer HBV-DNA keine genotypische Resistenz gefunden wurde (Evidenz 1b) * Cathcart, Andrea L., Chan, Henry Lik-Yuen, Bhardwaj, Neeru, Liu, Yang, Marcellin, Patrick, Pan, Calvin Q., et.al. No Resistance to Tenofovir Alafenamide Detected through 96 Weeks of Treatment in Patients with Chronic Hepatitis B Infection. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, 2018. 62(10):, http://dx.doi.org/10.1128/aac.01064-18* Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, et.al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2018. 68(4): p. 672-681., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.039

Die Suppression der HBV-DNA war nicht unterschiedlich bei Patienten, die über 48 bzw. 96 Wochen entweder mit TDF oder mit TAF behandelt wurden. Die Rate an ALT-Normalisierung war nach 48 und 96 Wochen mit TAF höher als mit TDF. Welche Bedeutung dieses offenbar stärkere biochemische Ansprechen für die Langzeitmorbidität der Patienten hat, ist unklar. Die Reduktion der Glomerulären Filtrationsrate (GFR) war signifikant geringer unter TAF als unter TDF. Auch die Knochendichte fiel während 48 bzw. 96 Wochen Behandlung signifikant geringer unter TAF als unter TDF ab (Evidenz 1b) * Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, et.al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2018. 68(4): p. 672-681., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.039* Buti, Maria, Gane, Edward, Seto, Wai Kay, Chan, Henry L. Y., Chuang, Wan-Long, Stepanova, Tatjana, et.al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of patients with HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2016. 1(3): p. 196-206., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(16)30107-8* Chan, Henry L. Y., Fung, Scott, Seto, Wai Kay, Chuang, Wan-Long, Chen, Chi-Yi, Kim, Hyung Joon, et.al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of HBeAg-positive chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2016. 1(3): p. 185-195., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(16)30024-3.

Die klinische Bedeutung dieser Beobachtungen ist allerdings nicht belegt. Aufgrund der vorliegenden Daten empfiehlt die EASL-Leitlinie, dass TAF (oder ETV, wenn möglich) bei Patienten mit Osteopenie/Osteoporose sowie bei Niereninsuffizienz gegenüber TDF bevorzugt eingesetzt werden kann. Risikofaktoren für Nephrotoxizät in der Behandlung von Tenofovir (TDF) sind dekompensierte Zirrhose, GFR <60 ml/min, schlecht kontrollierter arterieller Hypertonus, Proteinurie, schlecht kontrollierter Diabetes mellitus, Glomerulonephritis, Nephrotoxische Begleittherapie sowie Organtransplantation. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Ein systematisches Review, das ETV und TDF in Bezug auf Nephrotoxizität verglich, konnte in kontrollierten, randomisierten Studien keinen Unterschied zwischen den Substanzen feststellen. Die Beobachtungszeit in den randomisierten Studien ist allerdings relativ kurz. In Kohortenstudien traten Nierenschäden unter TDF-Therapie jedoch häufiger auf. Im Regelfall waren dann auch Kofaktoren, entsprechend den o.g. vorhanden (Evidenz 2a) * Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., Strasser, S. I., Schindler, R., Berg, T., Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in HBV‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(1): p. 16-34., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13659.

Entecavir kann bei Patienten mit den o.g. Risikofaktoren ebenso bevorzugt gegenüber TDF eingesetzt werden. Beim Einsatz von Entecavir ist zu berücksichtigen, dass bei einer stattgehabten Vorbehandlung mit Lamivudin die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Resistenzen gegen Entecavir erhöht ist (Tabelle 8). Entecavir soll nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Eine andere, wichtige aber seltene Nebenwirkung einer NA-Therapie bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose sind Laktatazidosen. Ab einem MELD von > 20 Punkten ist empfohlen, hierauf zu achten (Evidenz 3b) * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/* Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., Strasser, S. I., Schindler, R., Berg, T., Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in HBV‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(1): p. 16-34., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13659.
Die Verwendung von Entecavir bzw. Tenofovir in der Primärbehandlung ist eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung einer Resistenzentwicklung. Aufgrund der Resistenzdatenlagen (Tabelle 8) und den nunmehr zahlreichen Langzeitdaten zu TDF und ETV gibt es prinzipiell keine medizinischen Gründe mehr, Lamivudin, Telbivudin oder Adefovir in der Primärtherapie einzusetzen. Die Empfehlung entspricht den Empfehlungen der EASL und AASLD-Leitlinien. Generika für ETV und TDF sind verfügbar. Randomisierte Studien zur Effektivität und Sicherheit der Generika liegen nicht vor * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800.

Ein möglicher Vorteil von Telbivudin* gegenüber anderen NA kann ein positiver Effekt auf die glomeruläre Filtrationsrate sein (Evidenz 2b) * Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, et.al. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2014. 146(1): p. 138-146.e5., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2013.09.031* Cholongitas, E., Vasiliadis, T., Goulis, I., Fouzas, I., Antoniadis, N., Papanikolaou, V., et.al. Telbivudine is associated with improvement of renal function in patients transplanted for HBV liver disease. Journal of Viral Hepatitis, 2014. 22(7): p. 574-580., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12362.
*Anmerkung zu Telbivudin: Das Medikament ist in Deutschland mittlerweile vom Markt genommen worden.

Eine Therapie mit Lamivudin braucht daher bei Patienten mit Therapieansprechen, bei bestehender Möglichkeit einer engmaschigen Kontrolle der HBV-DNA (mindestens alle 6 Monate), der Möglichkeit einer Resistenz-adaptierten Therapieumstellung und ohne fortgeschrittene Leberfibrose beim zu behandelnden Patienten (um im Falle einer Resistenz die Wahrscheinlichkeit eines Leberversagens zu vermindern) nicht umgestellt werden.

Literatur

[1]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., et al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 284-306

[2]

Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen. The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology 2017; 66: 398-411

[3]

Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J.. Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2013; 38: 98-106

[4]

Papatheodoridis, George V., Chan, Henry Lik-Yuen, Hansen, Bettina E., Janssen, Harry L. A., et al. Risk of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B: Assessment and modification with current antiviral therapy. Journal of Hepatology 2015; 62: 956-967

[5]

Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, Lee, Han Chu, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, Suh, Dong Jin. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut 2013; 63: 1325-1332

[6]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., Buchholz, Stephanie, Buti, Maria, Chan, Henry L. Y., et al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B – Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology 2020; 72: 539-557

[7]

Dave, Shravan, Park, Sooyoung, Murad, M. Hassan, Barnard, Abbey, Prokop, Larry, Adams, Leon A., Singh, Siddharth, Loomba, Rohit. Comparative Effectiveness of Entecavir Versus Tenofovir for Preventing Hepatocellular Carcinoma in Patients with Chronic Hepatitis B: A Systematic Review and Meta‐Analysis. Hepatology 2020; 73: 68-78

[8]

Choi, WM, Choi, J, Lim, YS. Effects of Tenofovir vs Entecavir on Risk of Hepatocellular Carcinoma in Patients With Chronic HBV Infection: A Systematic Review and Meta-analysis.. Clin Gastroenterol Hepatol 2021; 19 (2): 246-258.e9

[9]

Papatheodoridis, George V., Dalekos, George N., Idilman, Ramazan, Sypsa, Vana, Van Boemmel, Florian, Buti, Maria, Calleja, Jose Luis, Goulis, John, Manolakopoulos, Spilios, Loglio, Alessandro, Papatheodoridi, Margarita, Gatselis, Nikolaos, Veelken, Rhea, Lopez-Gomez, Marta, Hansen, Bettina E., et al. Similar risk of hepatocellular carcinoma during long-term entecavir or tenofovir therapy in Caucasian patients with chronic hepatitis B. Journal of Hepatology 2020; 73: 1037-1045

[10]

Voulgaris, Thodoris, Papatheodoridi, Margarita, Lampertico, Pietro, Papatheodoridis, George V.. Clinical utility of hepatocellular carcinoma risk scores in chronic hepatitis B. Liver International 2020; 40: 484-495

[11]

Marcellin, Patrick, Gane, Edward, Buti, Maria, Afdhal, Nezam, Sievert, William, Jacobson, Ira M., Washington, Mary Kay, Germanidis, George, Flaherty, John F., Schall, Raul Aguilar, Bornstein, Jeffrey D., et al. Regression of cirrhosis during treatment with tenofovir disoproxil fumarate for chronic hepatitis B: a 5-year open-label follow-up study. The Lancet 2013; 381: 468-475

[12]

Chang, Ting-Tsung, Liaw, Yun-Fan, Wu, Shun-Sheng, Schiff, Eugene, Han, Kwang-Hyub, Lai, Ching-Lung, Safadi, Rifaat, Lee, Samuel S., Halota, Waldemar, Goodman, Zachary, Chi, Yun-Chan, Zhang, Hui, Hindes, Robert, Iloeje, Uchenna, Beebe, Suzanne, Kreter, Bruce. Long-term entecavir therapy results in the reversal of fibrosis/cirrhosis and continued histological improvement in patients with chronic hepatitis B. Hepatology 2010; 52: 886-893

[13]

Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, Peng, Cheng-Yuan, Myers, Robert P., Brown, Robert S., Jeffers, Lennox, Tsai, Naoky, Bialkowska, Jolanta, Tang, Shijie, Beebe, Suzanne, Cooney, Elizabeth. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology 2011; 54: 91-100

[14]

Shim, Ju Hyun, Lee, Han Chu, Kim, Kang Mo, Lim, Young-Suk, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, Suh, Dong Jin. Efficacy of entecavir in treatment-naïve patients with hepatitis B virus-related decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology 2010; 52: 176-182

[15]

Chan, H. L. Y., Chen, Y. C., Gane, E. J., et al. Randomized clinical trial: efficacy and safety of telbivudine and lamivudine in treatment‐naïve patients with HBV‐related decompensated cirrhosis. Journal of Viral Hepatitis 2012; 19: 732-743

[16]

Liaw, Yun-Fan, Sung, Joseph J. Y., Chow, Wan Cheng, Farrell, Geoffrey, Lee, Cha-Ze, Yuen, Hon, Tanwandee, Tawesak, Tao, Qi-Min, Shue, Kelly, Keene, Oliver N., Dixon, Jonathan S., et al. Lamivudine for Patients with Chronic Hepatitis B and Advanced Liver Disease. New England Journal of Medicine 2004; 351: 1521-1531

[17]

Papatheodoridis, George V., Dimou, Evangelini, Dimakopoulos, Konstantinos, Manolakopoulos, Spilios, Rapti, Irene, Kitis, George, Tzourmakliotis, Dimitrios, Manesis, Emanuel, Hadziyannis, Stephanos J.. Outcome of hepatitis B e antigen-negative chronic hepatitis B on long-term nucleos(t)ide analog therapy starting with lamivudine. Hepatology 2005; 42: 121-129

[18]

Warner, Nadia, Locarnini, Stephen. Mechanisms of Hepatitis B Virus Resistance Development. Intervirology 2014; 57: 218-224

[19]

Zoulim, Fabien, Locarnini, Stephen. Hepatitis B Virus Resistance to Nucleos(t)ide Analogues. Gastroenterology 2009; 137: 1593-1608.e2

[20]

Berg, Thomas, Zoulim, Fabien, Moeller, Bernd, Trinh, Huy, Marcellin, Patrick, Chan, Sing, Kitrinos, Kathryn M., Dinh, Phillip, Flaherty, John F., McHutchison, John G., et al. Long-term efficacy and safety of emtricitabine plus tenofovir DF vs. tenofovir DF monotherapy in adefovir-experienced chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology 2014; 60: 715-722

[21]

Lim, Young-Suk, Yoo, Byung Chul, Byun, Kwan Soo, Kwon, So Young, Kim, Yoon Jun, An, Jihyun, Lee, Han Chu, Lee, Yung Sang. Tenofovir monotherapy versus tenofovir and entecavir combination therapy in adefovir-resistant chronic hepatitis B patients with multiple drug failure: results of a randomised trial. Gut 2015; 65: 1042-1051

[22]

Tenney, Daniel J., Rose, Ronald E., Baldick, Carl J., et al. Two-Year Assessment of Entecavir Resistance in Lamivudine-Refractory Hepatitis B Virus Patients Reveals Different Clinical Outcomes Depending on the Resistance Substitutions Present. Antimicrobial Agents and Chemotherapy 2007; 51: 902-911

[23]

Cathcart, Andrea L., Chan, Henry Lik-Yuen, Bhardwaj, Neeru, Liu, Yang, Marcellin, Patrick, Pan, Calvin Q., Shalimar, Buti, Maria, Cox, Stephanie, Parhy, Bandita, Zhou, Eric, Martin, Ross, Chang, Silvia, Lin, Lanjia, Flaherty, John F., et al. No Resistance to Tenofovir Alafenamide Detected through 96 Weeks of Treatment in Patients with Chronic Hepatitis B Infection. Antimicrobial Agents and Chemotherapy 2018; 62:

[24]

Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Izumi, Namiki, Chuang, Wan–Long, Bae, Ho, Sharma, Manoj, Janssen, Harry L. A., Pan, Calvin Q., Çelen, Mustafa Kemal, Furusyo, Norihiro, Shalimar, Dr, Yoon, Ki Tae, Trinh, Huy, Flaherty, John F., et al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology 2018; 68: 672-681

[25]

Buti, Maria, Gane, Edward, Seto, Wai Kay, Chan, Henry L. Y., Chuang, Wan-Long, Stepanova, Tatjana, Hui, Aric-Josun, Lim, Young-Suk, Mehta, Rajiv, Janssen, Harry L. A., Acharya, Subrat K., et al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of patients with HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology 2016; 1: 196-206

[26]

Chan, Henry L. Y., Fung, Scott, Seto, Wai Kay, Chuang, Wan-Long, Chen, Chi-Yi, Kim, Hyung Joon, Hui, Aric Josun, Janssen, Harry L. A., Chowdhury, Abhijit, Tsang, Tak Yin Owen, Mehta, Rajiv, Gane, Edward, Flaherty, John F., et al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of HBeAg-positive chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology 2016; 1: 185-195

[27]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[28]

Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., et al. Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in <scp>HBV</scp>‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 44: 16-34

[29]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[30]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[31]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[32]

Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, Wang, Yuming, Papatheodoridis, George, Di Bisceglie, Adrian, Buti, Maria, Samuel, Didier, Uddin, Alkaz, Bosset, Sophie, Trylesinski, Aldo. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology 2014; 146: 138-146.e5

[33]

Cholongitas, E., Vasiliadis, T., Goulis, I., et al. Telbivudine is associated with improvement of renal function in patients transplanted for HBV liver disease. Journal of Viral Hepatitis 2014; 22: 574-580

Konsensbasierte Empfehlung 5.6

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Adefovir soll nicht mehr eingesetzt werden*.

Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?

Hintergrund

Adefovir hat eine geringere antivirale Wirksamkeit nach 48 Wochen Therapie im Vergleich zu Entecavir oder Tenofovir (Tabelle 8). Die Wahrscheinlichkeit der Resistenzentwicklung im Langzeitverlauf ist höher als Entecavir oder Tenofovir (Tabelle 8). Die Therapie mit Adefovir ist mit einer höheren Rate an Nephrotoxizität und Knochendichteminderung verbunden als Tenofovir (Evidenz 3b) (siehe „Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?“* Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., Trinh, Huy N., Vu, Andrew A., Nguyen, Huy A., et.al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology, 2009. 50(3): p. 727-734., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23044
Daher soll Adefovir generell nicht mehr eingesetzt werden.

* Falls ein Patient mit Adefovir erfolgreich behandelt wird und die Umstellung auf ein anderes NA problematisch ist (z.B. Unverträglichkeit), kann die Therapie mit Adefovir weitergeführt werden.

Literatur

[1]

Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., et al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology 2009; 50: 727-734

Tabelle 8:


a Antivirale Wirksamkeit der zugelassenen Substanzen zur Therapie der chronischen Hepatitis B bei HBeAg-positiven Patienten nach 48 Wochen * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344* Buti, Maria, Gane, Edward, Seto, Wai Kay, Chan, Henry L. Y., Chuang, Wan-Long, Stepanova, Tatjana, et.al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of patients with HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2016. 1(3): p. 196-206., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(16)30107-8

Peg-IFNa-2a

LAM

TBV

ETV

ADV

TDF

TAF

Dosis*

180 µg

100 mg

600 mg

0.5 mg

10 mg

245 mg

25 mg

Anti-HBe-Serokonversion

32%

16-18%

22%

21%

12-18%

21%

10%

HBV-DNA

<29-80 IU/ml

14%

36-44%

60%

67%

13-21%

76%

64%

ALT normal#

41%

41-72%

77%

68%

48-54%

68%

72%

HBsAg Verlust

3%

0-1%

0.5%

2%

0%

3%

1%

*PEG-IFN wird einmal pro Woche subkutan als Injektion verabreicht; NA täglich oral als Tablette. # Die Definition “ALT normal” variiert zwischen verschiedenen Studien [z.B. Abfall der ALT ≤1.25-fach der Norm in ETV Studien oder or ≤1.3-fach der Norm in TDF-Studien]. Die untere Nachweisgrenze der HBV-DNA-Assays variiert zwischen verschiedenen Studien: z.B. <29 IU/mL für TAF-Studien.

b Antivirale Wirksamkeit der zugelassenen Substanzen zur Therapie der chronischen Hepatitis B bei HBeAg-negative Patienten nach 48 Wochen * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344* Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, et.al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2018. 68(4): p. 672-681., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.039

Peg-IFNa-2a

LAM

TBV

ETV

ADV

TDF

TAF

Dosis*

180 µg

100 mg

600 mg

0.5 mg

10 mg

245 mg

25 mg

HBV-DNA

< 29-80 IU/ml

19%

72-73%

88%

90%

51-63%

93%

94%

ALT normal#

59%

71-79%

74%

78%

72-77%

76%

83%

HBsAg Verlust

4%

0%

0%

0%

0%

0%

0%

*PEG-IFNa-2a wird einmal pro Woche subkutan als Injektion verabreicht; NA täglich oral als Tablette. # Die Definition “ALT normal” variiert zwischen verschiedenen Studien [z.B. Abfall der ALT ≤1.25-fach der Norm in ETV Studien oder or ≤1.3-fach der Norm in TDF Studien]. Die Nachweisgrenze der HBV-DNA-Assays variiert zwischen verschiedenen Studien: z.B. <29 IU/mL für TAF-Studien.

c Antivirale Wirksamkeit von TDF und ETV im Langzeitverlauf

ETV (5 Jahre)

TDF (5 Jahre)

Dosis*

0.5 / 1.0 mg

245 mg

HBV-DNA

< 300 (ETV) bzw. <69 (TDF) IU/ml

93%

98,3%

ALT normal#

80%*

81,3%

HBsAg Verlust

5%**

9,8%

HBeAg Verlust

31%**

49,7%

TDF: cirrhosis and no cirrhosis [142]

ETV: [143,144] *HBeAg-positive **HBeAg-positive; 5% after 2 years

Tabelle 8d Kumulative Inzidenz von Resistenzentwicklung gegen verschiedenen NA * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Cathcart, Andrea L., Chan, Henry Lik-Yuen, Bhardwaj, Neeru, Liu, Yang, Marcellin, Patrick, Pan, Calvin Q., et.al. No Resistance to Tenofovir Alafenamide Detected through 96 Weeks of Treatment in Patients with Chronic Hepatitis B Infection. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, 2018. 62(10):, http://dx.doi.org/10.1128/aac.01064-18

LAM

TBV

ETV

ADV

TDF

TAF

Jahr 1

24%

4%

0,2%

0%

0%

0%

Jahr 2

38%

17%

0,5%

3%

0%

0%

Jahr 3

49%

1,2%

11%

0%

Jahr 4

67%

1,2%

18%

0%

Jahr 5

70%

1,2%

29%

0%

5.3. Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Konsensbasierte Empfehlung 5.7

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Therapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) sollte gegenüber Interferon alfa bevorzugt werden.

Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Hintergrund

Die Therapie mit PEG-IFN ist seit vielen Jahren Standard. Eine bessere antivirale Wirksamkeit gegenüber nicht pegyliertem Interferon alfa konnte allerdings nicht gezeigt werden. Die Dauer und Dosis der PEG-IFN (PEG-IFN a-2a) ist mittlerweile aber besser definiert als die Therapie mit Standardinterferon alfa (Evidenz 1a). * Hui, A. Y., Chan, H. L. ‐Y, Cheung, A. Y. ‐K, Cooksley, G., Sung, J. J. ‐Y, Systematic review: treatment of chronic hepatitis B virus infection by pegylated interferon. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2005. 22(6): p. 519-528., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2005.02616.x* Liaw, Y. F., Jia, J. D., Chan, H. L. Y., Han, K. H., Tanwandee, T., Chuang, W. L., et.al. Shorter durations and lower doses of peginterferon alfa-2a are associated with inferior hepatitis B e antigen seroconversion rates in hepatitis B virus genotypes B or C. Hepatology, 2011. 54(5): p. 1591-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24555

Stoppregeln (siehe Empfehlung 5.9) sind nur für die Therapie mit PEG-IFN untersucht worden. Neben der günstigeren Pharmakokinetik von PEG-IFN (Injektion nur einmal pro Woche im Vergleich zu dreimal pro Woche bei nicht-pegylierten Interferonen) ist damit auch eine Optimierung der Therapie (Individualisierung) möglich.

*Der Repräsentant der Patientenvertreter hat sich für eine stärkere Empfehlung [soll] pro PEG-IFN versus Alfa-Interferon ausgesprochen.

Literatur

[1]

Hui, A. Y., Chan, H. L. ‐Y, Cheung, A. Y. ‐K, Cooksley, G., Sung, J. J. ‐Y. Systematic review: treatment of chronic hepatitis B virus infection by pegylated interferon. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2005; 22: 519-528

[2]

Liaw, Y. F., Jia, J. D., Chan, H. L. Y., et al. Shorter durations and lower doses of peginterferon alfa-2a are associated with inferior hepatitis B e antigen seroconversion rates in hepatitis B virus genotypes B or C. Hepatology 2011; 54: 1591-1599

Evidenzbasierte Empfehlung 5.8

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Therapiedauer mit PEG-IFN sollte i.d.R. 48 Wochen betragen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017, AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Hintergrund

Daten einer prospektiv-randomisierten Studie zeigen, dass eine 48-wöchige Therapie mit 180 μg PEG-IFN alfa-2a einmal pro Woche (zugelassene Therapiedauer und -dosis) einer kürzeren Therapie (24 Wochen) oder einer niedrigeren Dosierung (90 μg einmal pro Woche) in Bezug auf eine dauerhafte Anti-HBe-Serokonversion überlegen war (Evidenz 1b). * Liaw, Y. F., Jia, J. D., Chan, H. L. Y., Han, K. H., Tanwandee, T., Chuang, W. L., et.al. Shorter durations and lower doses of peginterferon alfa-2a are associated with inferior hepatitis B e antigen seroconversion rates in hepatitis B virus genotypes B or C. Hepatology, 2011. 54(5): p. 1591-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24555 Diese Studie hatte allerdings nur wenige Patienten aus Europa eingeschlossen.

Diese Empfehlung entspricht auch den EASL und AASLD-Leitlinien. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156
Für HBeAg-negative Patienten ist die optimale Therapiedauer nicht gut untersucht. Bei HBeAg-negativen Patienten scheint eine längere Therapiedauer (z.B. 72 Wochen) mit höheren langfristigen Ansprechraten assoziiert zu sein (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Liaw, Y. F., Jia, J. D., Chan, H. L. Y., et al. Shorter durations and lower doses of peginterferon alfa-2a are associated with inferior hepatitis B e antigen seroconversion rates in hepatitis B virus genotypes B or C. Hepatology 2011; 54: 1591-1599

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[3]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[4]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 5.9

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Prädiktive Faktoren sollten als Entscheidungshilfe für die vorzeitige Beendigung einer PEG-IFN-Therapie herangezogen werden. Die quantitativen Bestimmungen der HBV-DNA und des HBsAg als Prädiktoren für das Therapieansprechen sollten bei Therapiestart, Woche 12 und Woche 24 bestimmt werden. In den Entscheidungsprozess, die Therapie mit PEG-IFN vorzeitig zu beenden, soll zusätzlich die Beurteilung der PEG-IFN assoziierten Nebenwirkungen und der Therapiewunsch des Patienten berücksichtig werden.

Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Hintergrund

Nachfolgend wird zwischen HBeAg-positiven und HBeAg-negativen Patienten unterschieden:

HBeAg-positive chronische Hepatitis B: Eine kombinierte retrospektive Kohorte von HBeAg- positiven Hepatitis-B-Patienten (n=803) identifizierte HBsAg-Serumkonzentrationen >20.000 IU/ml bzw. einen fehlenden Abfall des HBsAg-Spiegels nach 12 bzw. 24 Wochen PEG-IFN-Therapie als robusten negativen Prädiktor für ein Therapieansprechen (Evidenzgrad IIb) (Tabelle „Prädiktoren des Therapieansprechens unter PEG-IFN“) * Sonneveld, Milan J., Hansen, Bettina E., Piratvisuth, Teerha, Jia, Ji-Dong, Zeuzem, Stefan, Gane, Edward, et.al. Response-guided peginterferon therapy in hepatitis B e antigen-positive chronic hepatitis B using serum hepatitis B surface antigen levels. Hepatology, 2013. 58(3): p. 872-880., http://dx.doi.org/10.1002/hep.26436.

In der Studie wurde das Ansprechen als kombinierter Endpunkt aus HBeAg-Serokonversion und HBV-DNA <10.000 Kopien/ml (entspricht <2.000 IU/ml) 24 Wochen nach dem Ende der PEG-IFN-Behandlung definiert. Diese Ergebnisse wurden sowohl für Patienten mit PEG-IFN-Monotherapie als auch für Patienten mit einer Kombination aus PEG-IFN und NA bestätigt. Durch den Einschluss vorwiegend kaukasischer und asiatischer HBV-Kohorten konnte der identifizierte Prädiktor auf Patientensubgruppen mit einem HBV-Genotyp A, B, C und D erfolgreich angewendet werden. Für den Entscheidungsprozess sollten die Evaluation der PEG-IFN-assoziierten Nebenwirkungen und der Patientenwunsch berücksichtigt werden. Ebenfalls kann das „Baseline Prediciton tool“ zur Abschätzung eines Therapieerfolges genutzt werden, das allerdings nur bei asiatischen Patienten mit Genotyp B/C evaluiert wurde. Ein Alter <40 Jahre, weibliches Geschlecht, eine ALT > 4x oberhalb der Norm, ein HBsAg <25.000 IUI/ml und eine HBV-DNA < 6 log IU/ml sind prädiktiv für ein Therapieansprechen * Chan, H. L. Y., Messinger, D., Papatheodoridis, G. V., Cornberg, M., Xie, Q., Piratvisuth, T., et.al. A baseline tool for predicting response to peginterferon alfa‐2a in HBeAg‐positive patients with chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 48(5): p. 547-555., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14862.

HBeAg-negative chronische Hepatitis B: Die aktuellen Studien zur Evaluation von Prädiktoren des Therapieansprechens bestätigten einen hohen negativen prädiktiven Wert (>95%) für das Therapieansprechen. In der größten retrospektiven Studie (n=262) wurde das Therapieansprechen als kombinierter Endpunkt aus Normalisierung der Transaminasen (ALT) und HBV-Viruslast < 2.000 IU/ml 24 Wochen nach dem Ende der PEG-IFN-Behandlung definiert. Der NPV für fehlenden Abfall der HBV-DNA >2 log und fehlender Abfall des HBsAg nach 12 Wochen Therapie war in Patienten mit HBV-Genotyp D mit 100% am höchsten ausgefallen (Evidenzgrad IIb) * Rijckborst, Vincent, Hansen, Bettina E., Ferenci, Peter, Brunetto, Maurizia R., Tabak, Fehmi, Cakaloglu, Yilmaz, et.al. Validation of a stopping rule at week 12 using HBsAg and HBV DNA for HBeAg-negative patients treated with peginterferon alfa-2a. Journal of Hepatology, 2012. 56(5): p. 1006-1011., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.12.007.

Der einzige Patient, welcher trotz Erreichen der Stopp-Regel ein Therapieansprechen erzielte, war mit HBV Genotyp A infiziert. Daher sind die identifizierten Prädiktoren besonders bei Patienten mit HBV Genotyp D Infektion als Entscheidungskriterium für die vorzeitige Beendigung einer PEG-IFN-Therapie zur Woche 24 empfohlen * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Für den Entscheidungsprozess sollten die Evaluation der aktuellen IFN-assoziierten Nebenwirkungen und der Patientenwunsch berücksichtigt werden.

Literatur

[1]

Sonneveld, Milan J., Hansen, Bettina E., Piratvisuth, Teerha, Jia, Ji-Dong, Zeuzem, Stefan, Gane, Edward, Liaw, Yun-Fan, Xie, Qing, Heathcote, E. Jenny, Chan, Henry L. Y., et al. Response-guided peginterferon therapy in hepatitis B e antigen-positive chronic hepatitis B using serum hepatitis B surface antigen levels. Hepatology 2013; 58: 872-880

[2]

Chan, H. L. Y., Messinger, D., Papatheodoridis, G. V., et al. A baseline tool for predicting response to peginterferon alfa‐2a in <scp>HB</scp>eAg‐positive patients with chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2018; 48: 547-555

[3]

Rijckborst, Vincent, Hansen, Bettina E., Ferenci, Peter, Brunetto, Maurizia R., Tabak, Fehmi, Cakaloglu, Yilmaz, Lanza, A. Galeota, Messina, Vincenzo, Iannacone, Claudio, Massetto, Benedetta, Regep, Loredana, Colombo, Massimo, Janssen, Harry L. A., et al. Validation of a stopping rule at week 12 using HBsAg and HBV DNA for HBeAg-negative patients treated with peginterferon alfa-2a. Journal of Hepatology 2012; 56: 1006-1011

[4]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Tabelle 9: Prädiktoren des Therapieansprechens unter PEG-IFN.

InterventionnEndpunktPrädiktorHBVGTPPVNPVReference
Gesamtkohorte803HBeAg Verlust
+ HBV-DNA < 10 000
Kopien/mL zur
Woche 78
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur
Therapiewoche 12
A83%* Liaw, Y. F., Jia, J. D., Chan, H. L. Y., Han, K. H., Tanwandee, T., Chuang, W. L., et.al. Shorter durations and lower doses of peginterferon alfa-2a are associated with inferior hepatitis B e antigen seroconversion rates in hepatitis B virus genotypes B or C. Hepatology, 2011. 54(5): p. 1591-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24555
– PEG-IFN alfa-2b mono (52 Wo)104HBeAg Verlust
+ HBV-DNA < 10 000
Kopien/mL zur
Woche 78
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur
Therapiewoche 12
B92%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
– PEG-IFN alfa-2b + LAM (52 Wo)100HBeAg Verlust
+ HBV-DNA < 10 000
Kopien/mL zur
Woche 78
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur
Therapiewoche 12
C99%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)361HBeAg Verlust
+ HBV-DNA < 10 000
Kopien/mL zur
Woche 78
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur
Therapiewoche 12
D96%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
– PEG-IFN alfa-2a + LAM (48 Wo)238

HBeAg Verlust+ HBV-DNA < 10 000 Kopien/mL zur Woche 78

HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zurTherapiewoche 24HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zurTherapiewoche 24A94%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zurTherapiewoche 24B100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zurTherapiewoche 24C100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zurTherapiewoche 24D97%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
Subkohorte (PEG-IFN mono)465HBeAg Verlust
+ HBV-DNA < 10 000
Kopien/mL zur
Woche 78
Kein HBsAg-Abfall zur Therapiewoche 12A100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
– PEG-IFN alfa-2b mono (52 Wo)104HBeAg Verlust
+ HBV-DNA < 10 000
Kopien/mL zur
Woche 78
Kein HBsAg-Abfall zurTherapiewoche 12A 100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)361HBeAg Verlust+ HBV-DNA < 10 000 Kopien/mL zur Woche 78Kein HBsAg-Abfall zurTherapiewoche 12HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur Therapiewoche 12B92%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
Kein HBsAg-Abfall zurTherapiewoche 12HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur Therapiewoche 12C98%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
Kein HBsAg-Abfall zur
Therapiewoche 12
D97%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur Therapiewoche 24A96%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur Therapiewoche 2B100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur Therapiewoche 2C100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBsAg ≥ 20 000 IU/ml zur Therapiewoche 2D100%* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361
HBeAg-negative Hepatitis B
TestkohorteHBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
Alle30%100%

* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087

– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)102HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
Alle30%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
Validierungskohorte160HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
Alle41%95%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)85HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
Alle41%95%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
– PEG-IFN alfa-2a mono (48/93 Wo)75HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
Alle41%95%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
Subkohorte (HBV GT D)HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
D36%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)81HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
D36%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
Subkohorte (HBV GT D)91HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
D34%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)21HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12

D

34%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
– PEG-IFN alfa-2a mono (48/96 Wo)

70HBV-DNA < 2000 IU/ml und normaleGPT 24 Wochennach TherapieendeHBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
D34%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087
HBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
D34%100%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087

Validierungskohorte

– PEG-IFN alfa-2a mono (48 Wo)

37HBV-DNA < 2000 IU/
ml und normale
GPT 48 Wochen
nach Therapieende
HBsAg-Abfall und HBVDNA-Abfall > 2log zur
Therapiewoche 12
Alle16%83%* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087

d, Tag, LAM, Lamivudin; NPW, negativer prädiktiver Wert; HBV GT, Hepatitis-B-Virus-Genotyp; PEG-IFN alfa-2a, pegyliertes Interferon alpha 2a; PEG-IFN
alfa-2b, pegyliertes Interferon alpha 2b; PPW, positiv prädiktiver Wert; Wo, Wochen.

Konsensbasierte Empfehlung 5.10

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Während und nach der Therapie mit PEG-IFN sollen regelmäßige sicherheitsrelevante Blutuntersuchungen durchgeführt sowie Interferon-typischen Nebenwirkungen eruiert werden.

[NKLM]

Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?

Hintergrund

Ein Abfall der Leukozyten und Thrombozyten ist während einer IFN-basierten Therapie häufig * Colombatto, P, Oliveri, F, Leandro, G, Baldi, M, Capalbo, M, Rocca, G, et.al. Platelet and white blood cell counts during therapy with different types of alpha interferon in patients with chronic viral hepatitis. Investigators of the Alpha Interferon Study Group of Piemonte, Italy.. Ital J Gastroenterol Hepatol, 1997. 29 (5)(5): p. 441-7., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9494854/.
Eine Kontrolle des Blutbildes und Dosisanpassung der IFN-Dosis sollte gemäß Fachinformation erfolgen. Eine IFN-Therapie kann in eine autoimmune Thyreopathie induzieren. Dies ist insbesondere bei Patienten mit chronischer Hepatitis C gezeigt worden (Evidenz 2a) * Andrade, LJ, D'Oliveira, A, Silva, CA, Nunes, P, França, LS, Malta, AM, et.al. A meta-analysis of patients with chronic hepatitis C treated with interferon-alpha to determine the risk of autoimmune thyroiditis.. Acta Gastroenterol Latinoam, 2011. 41 (2)(2): p. 104-10., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21894723/.

Es sollte daher eine Kontrolle des TSH vor und während der Therapie (alle 8 Wochen) erfolgen. Während der Therapie kann es auch trotz Suppression der HBV-DNA zu ALT-Flares kommen, insbesondere in der frühen Behandlungsphase (Evidenz 2b) * ter Borg, M. J., Hansen, B. E., Bigot, G., Haagmans, B. L., Janssen, H. L. A., ALT and viral load decline during PEG-IFN alpha-2b treatment for HBeAg-positive chronic hepatitis B. Journal of Clinical Virology, 2008. 42(2): p. 160-164., http://dx.doi.org/10.1016/j.jcv.2008.02.007. ALT-Bestimmungen sollten alle 4 Wochen durchgeführt werden.

Literatur

[1]

Colombatto, P, Oliveri, F, Leandro, G, Baldi, M, Capalbo, M, Rocca, G, Brunetto, MR, Bonino, F. Platelet and white blood cell counts during therapy with different types of alpha interferon in patients with chronic viral hepatitis. Investigators of the Alpha Interferon Study Group of Piemonte, Italy.. Ital J Gastroenterol Hepatol 1997; 29 (5): 441-7

[2]

Andrade, LJ, D’Oliveira, A, Silva, CA, Nunes, P, França, LS, Malta, AM, Paraná, R. A meta-analysis of patients with chronic hepatitis C treated with interferon-alpha to determine the risk of autoimmune thyroiditis.. Acta Gastroenterol Latinoam 2011; 41 (2): 104-10

[3]

ter Borg, M. J., Hansen, B. E., Bigot, G., et al. ALT and viral load decline during PEG-IFN alpha-2b treatment for HBeAg-positive chronic hepatitis B. Journal of Clinical Virology 2008; 42: 160-164

5.4. Wie ist der Stellenwert einer Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alfa und einem Nukleos(t)idanalogon?

Konsensbasierte Empfehlung 5.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine primäre Kombinationtherapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) und einem Nukleos(t)idanalogon (NA) kann derzeit nicht empfohlen werden. Eine zusätzliche Therapie mit PEG-IFN zu einer NA-Therapie („Add on“) oder einer Umstellung einer NA-Therapie auf PEG-IFN („Switch“) kann nicht empfohlen werden.

Wie ist der Stellenwert einer Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alfa und einem Nukleos(t)idanalogon?

Hintergrund

Die bisher gültige DGVS-Leitlinie sah keinen Vorteil einer Kombinationstherapie mit IFN bzw. PEG-IFN und Nukleos(t)idanaloga (NA) im Vergleich zu einer PEG-IFN-Monotherapie und empfahl daher, außerhalb von klinischen Studien keine Kombinationstherapie durchzuführen * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/.

Auch die aktuelle AASLD-Leitlinie zur Therapie der chronischen Hepatitis B empfiehlt keine Kombinationstherapie mit PEG-IFN und NA und beruft sich auf eine systematische Übersichtsarbeit, die keine signifikanten Vorteile der PEG-IFN/NA-Kombinationstherapie gegenüber einer PEG-IFN-Monotherapie zeigen konnte (Evidenz 1a) * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Wong, G. L. ‐H, Wong, V. W. ‐S, Chan, H. L. ‐Y, Combination therapy of interferon and nucleotide/nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Journal of Viral Hepatitis, 2014. 21(12): p. 825-834., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12341.

Allerdings wurden die meisten Studien mit Lamivudin durchgeführt. Die aktuellste randomisierte kontrollierte Studie bei HBeAg-positiven und HBeAg-negativen Patienten untersuchte die primäre Kombinationstherapie mit PEG-IFN-2a und Tenofovir (TDF) für 48 Wochen gegen eine PEG-IFN-2a-Monotherapie für 48 oder eine Therapie mit TDF für 120 Wochen. Der primäre Endpunkt der Studie war ein HBsAg-Verlust zur Woche 72 und wurde insgesamt bei relativ wenigen Patienten erreicht. In der PEG-IFN/TDF Kombinationsgruppe war die Rate an HBsAg-Verlust nach 48 Wochen signifikant höher als in der PEG-IFN Monotherapie (9,1 vs. 2,8%, p=0.003). Der Unterschied war auch in dieser Studie bei HBV Genotyp A Patienten und HBeAg-positiven Patienten am höchsten, allerdings waren die Patientenzahlen in den jeweiligen Subgruppen sehr klein (Evidenz 1b). * Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Ma, Xiaoli, Caruntu, Florin A., Tak, Won Young, Elkashab, Magdy, et.al. Combination of Tenofovir Disoproxil Fumarate and Peginterferon α-2a Increases Loss of Hepatitis B Surface Antigen in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2016. 150(1): p. 134-144.e10., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2015.09.043

Basierend auf dieser Studie kann daher keine generelle Empfehlung für eine de-novo Kombinationstherapie ausgesprochen werden. In Einzelfällen kann bei HBeAg-positiven Patienten, bei denen eine Therapie mit PEG-IFN sinnvoll erscheint (Genotyp A, Vorliegen weiterer für ein PEG-IFN-Ansprechen günstiger prädiktiver Faktoren, vgl. „Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?“ und „Wie soll eine Therapie mit pegyliertem Interferon alfa durchgeführt werden?“), eine primäre Kombinationstherapie mit PEG-IFN und TDF für 48 Wochen diskutiert werden, mit dem Ziel, die Rate eines HBsAg-Verlustes und damit einer dauerhaften immunologischen Kontrolle der HBV-Infektion zu erhöhen. Da eine Zulassung für die primäre Kombinationstherapie nicht vorliegt, sollte basierend auf der o.g. randomisiert kontrollierten Studie * Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Ma, Xiaoli, Caruntu, Florin A., Tak, Won Young, Elkashab, Magdy, et.al. Combination of Tenofovir Disoproxil Fumarate and Peginterferon α-2a Increases Loss of Hepatitis B Surface Antigen in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2016. 150(1): p. 134-144.e10., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2015.09.043 und der aktuellen Leitlinie in diesen speziellen Einzelfällen vorher eine Kostenanfrage über einen „Off-Label-Use“ der Kombinationstherapie erfolgen.

Zahlreiche Studien untersuchen die Frage nach der Effektivität einer Umstellung („Switch“) einer laufenden Therapie mit NA auf PEG-IFN für 48-52 Wochen oder einer zusätzlichen („Add-on“) Therapie mit PEG-IFN (meist für 24 Wochen) zu einer laufenden Therapie mit NA vs. einer fortgeführten NA-Monotherapie. Die HBsAg-Verlustraten können durch die PEG-IFN-Therapie verbessert werden. Allerdings liegen die HBsAg-Verlustraten nur bei 8% für die „Add- on“ Therapie und bei 14% für die „Switch“ Therapie. Höhere HBsAg-Verlustraten in den „Switch“-Studien können durch Selektion von Patienten mit günstigeren Voraussetzungen zu erklären sein, so dass ein Vergleich der Therapiekonzepte schwierig ist (Evidenz 2a). * Qiu, K., Liu, B., Li, S. ‐Y, Li, H., Chen, Z. ‐W, Luo, A. ‐R, et.al. Systematic review with meta‐analysis: combination treatment of regimens based on pegylated interferon for chronic hepatitis B focusing on hepatitis B surface antigen clearance. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 47(10): p. 1340-1348., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14629 Momentan reicht die Evidenz nicht aus, um eine Empfehlung auszusprechen. Weitere Studienergebnisse zu diesem Thema werden erwartet. Eine Aktualisierung der Empfehlung wird bei Änderung der Evidenz zeitnah vorgenommen.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[3]

Wong, G. L. ‐H, Wong, V. W. ‐S, Chan, H. L. ‐Y. Combination therapy of interferon and nucleotide/nucleoside analogues for chronic hepatitis <scp>B</scp>. Journal of Viral Hepatitis 2014; 21: 825-834

[4]

Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Ma, Xiaoli, Caruntu, Florin A., Tak, Won Young, Elkashab, Magdy, Chuang, Wan-Long, Lim, Seng-Gee, Tabak, Fehmi, Mehta, Rajiv, Petersen, Joerg, Foster, Graham R., Lou, Lillian, Martins, Eduardo B., et al. Combination of Tenofovir Disoproxil Fumarate and Peginterferon α-2a Increases Loss of Hepatitis B Surface Antigen in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology 2016; 150: 134-144.e10

[5]

Qiu, K., Liu, B., Li, S. ‐Y, Li, H., et al. Systematic review with meta‐analysis: combination treatment of regimens based on pegylated interferon for chronic hepatitis B focusing on hepatitis B surface antigen clearance. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2018; 47: 1340-1348

5.5. Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Definition Therapieansprechen:

  • Ein optimales virologisches Ansprechen auf NA liegt vor, wenn die HBV-DNA unterhalb der Nachweisgrenze liegt oder nicht quantifizierbar ist. 
  • Ein partielles Therapieansprechen auf NA liegt vor, wenn die HBV-DNA nicht kontinuierlich abfällt und ein Plateau >2.000 IU/mL nach 96 Wochen vorliegt.
  • Eine Nichtansprechen (Nonresponse) ist definiert durch einen fehlenden Abfall > 1log nach 6 Monaten    antiviraler Therapie.
  • Von einer Resistenz gegen NA wird ausgegangen, wenn nach primärem Ansprechen unter laufender   Behandlung mit NA ein bestätigter Anstieg der HBV-DNA ≥ 1 log-Stufe über dem Nadir auftritt.

Konsensbasierte Empfehlung 5.12

Geprüft 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Die quantitative Bestimmung der HBV-DNA sollte im ersten Jahr der Therapie alle 3 Monate erfolgen. Nach dem ersten Jahr und bei virologischem Ansprechen kann das Kontrollintervall bei Therapie mit Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) auf 6 Monate verlängert werden.

Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Hintergrund

Unabhängig vom Stadium der Lebererkrankung und verabreichtem NA sollte die HBV-DNA im ersten Jahr der Therapie alle 3 Monate kontrolliert werden, um die Therapieadhärenz des Patienten zu überprüfen und im Fall einer Therapie mit Lamivudin, Telbivudin oder Zweitlinientherapie mit Entecavir das Risiko einer Resistenzentwicklung zu überprüfen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Eine engmaschigere Kontrolle, beispielsweise nach 4-6 Wochen, kann bei Patienten mit Leberzirrhose oder Leberversagen sinnvoll sein, um die Compliance zu prüfen und das Therapiemanagement gegebenenfalls anzupassen. In klinischen Kohorten waren bis zu 40% aller virologischen Durchbrüche mutmaßlich nicht auf Resistenzen, sondern auf unregelmäßige Medikamenteneinnahmen zurückzuführen (Evidenz 3b) * Hongthanakorn, Chanunta, Chotiyaputta, Watcharasak, Oberhelman, Kelly, Fontana, Robert J., Marrero, Jorge A., Licari, Tracy, et.al. Virological breakthrough and resistance in patients with chronic hepatitis B receiving nucleos(t)ide analogues in clinical practice. Hepatology, 2011. 53(6): p. 1854-1863., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24318

Bei guter Therapieadhärenz mit Entecavir und Tenofovir können die Kontrollintervalle verlängert werden, da eine Resistenzentwicklung in dieser Situation unwahrscheinlich ist (Tabelle 8d). Beim Einsatz von NA mit geringer Resistenzbarriere sollte das Kontrollintervall immer mindestens 3 Monate betragen, da die frühe Identifikation einer viralen Resistenz mit einer entsprechenden frühzeitigen Therapieanpassung notwendig ist. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Hongthanakorn, Chanunta, Chotiyaputta, Watcharasak, Oberhelman, Kelly, Fontana, Robert J., Marrero, Jorge A., Licari, Tracy, Lok, Anna S. F.. Virological breakthrough and resistance in patients with chronic hepatitis B receiving nucleos(t)ide analogues in clinical practice. Hepatology 2011; 53: 1854-1863

Konsensbasiertes Statement 5.13

Neu 2020

Empfehlung


Bei Patienten mit Leberzirrhose sollte die HBV-DNA nach 48 Wochen unterhalb der Nachweisgrenze liegen oder nicht quantifizierbar sein.

Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Hintergrund

Das Ziel der Therapie mit NA ist die Suppression der HBV-DNA unter die Nachweisgrenze bzw. unter die Grenze der Quantifizierung. Bei Patienten mit einer Leberzirrhose sollte dies nach 12 Monaten erreicht sein, da sich hieraus ein vermindertes Risiko der HCC-Entwicklung ergibt (siehe „Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?“). Bei Patienten ohne Leberzirrhose und Therapie mit Entecavir und Tenofovir gibt es allerdings keinen definierten HBV-DNA Grenzwert unterhalb 2.000 IU/ml, der mit Morbidität oder Mortalität assoziiert ist. Bei sehr hoher Ausgangsviruslast kann es beim Einsatz von Entecavir und Tenofovir zwei bis drei Jahre dauern, bis eine komplette HBV-DNA- Suppression erreicht wird (HBV-DNA unterhalb der Nachweisgrenze). In diesen Fällen ist das Therapieansprechen nicht ausreichend, wenn sich ein Plateau ohne fortgesetzten Abfall der HBV-DNA einstellt. Bei Therapie mit NA mit geringer Resistenzbarriere (Lamivudin, Telbivudin), ist ein langsamer Virusabfall mit der Entwicklung von Resistenzen assoziiert und sollte zu einem Wechsel der Therapie führen. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 5.14

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Die quantitative Bestimmung des HBsAg kann zur Vorhersage eines HBsAg-Verlustes sinnvoll sein.

Wie sind Therapieansprechen und Resistenz bei NA-Therapie definiert und wie wird das Therapieansprechen einer NA-Therapie überprüft?

Hintergrund

Da die NA keinen direkten Effekt auf die cccDNA haben und HBsAg zusätzlich aus integrierter HBV-DNA produziert werden kann, fällt das HBsAg im Verlauf einer NA-Therapie i.d.R. nicht oder nur sehr langsam ab. Die jährliche Rate an HBsAg-Verlust liegt bei ca. 1% * Yeo, Yee Hui, Ho, Hsiu J., Yang, Hwai- I., Tseng, Tai-Chung, Hosaka, Tetsuya, Trinh, Huy N., et.al. Factors Associated With Rates of HBsAg Seroclearance in Adults With Chronic HBV Infection: A Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology, 2019. 156(3): p. 635-646.e9., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2018.10.027.
Die Kinetik des HBsAg hat primär keinen Einfluss auf Kontrollintervalle oder Umstellung der Therapie. Ein deutlicher Abfall des HBsAg-Wertes im Verlauf der Therapie kann aber ein Indiz für einen späteren HBsAg-Verlust sein. Bislang ist die Evidenz für die Vorhersage basierend auf der Kinetik nicht ausreichend. Ein absoluter Wert <100 IU/ml war bei asiatischen Patienten allerdings prädiktiv für eine funktionelle Heilung (HBsAg Verlust) in den folgenden Jahren. * Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen, The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology, 2017. 66(2): p. 398-411., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2016.08.009Die Kenntnis des quantitativen HBsAg kann daher hilfreich sein, um Patienten über die mögliche Therapiedauer aufzuklären oder über einen möglichen Therapiestopp nachzudenken (siehe „Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?“). Ein Kontrollintervall ist bislang nicht etabliert. Eine Bestimmung einmal pro Jahr kann sinnvoll sein.

Literatur

[1]

Yeo, Yee Hui, Ho, Hsiu J., Yang, Hwai- I., Tseng, Tai-Chung, Hosaka, Tetsuya, Trinh, Huy N., et al. Factors Associated With Rates of HBsAg Seroclearance in Adults With Chronic HBV Infection: A Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology 2019; 156: 635-646.e9

[2]

Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen. The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology 2017; 66: 398-411

5.6. Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Konsensbasierte Empfehlung 5.15

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei persistierender HBV-DNA < 2.000 IU/mL unter Behandlung mit Tenofovir (TDF oder TAF) oder ETV braucht keine Anpassung der Behandlung erfolgen, wenn keine Zirrhose und kein Anhalt für Resistenz oder Nicht-Ansprechen vorliegt. Bei partiellem Therapieansprechen oder Nonresponse soll zunächst die Therapieadhärenz des Patienten überprüft werden.

Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Hintergrund

In klinischen Kohorten waren bis zu 30-40% aller virologischen Durchbrüche mutmaßlich auf unregelmäßige Medikamenteneinnahme zurückzuführen. Bisher bekannte Risikofaktoren sind Vergessen der Medikamenteneinnahme länger als 1 Tag am Stück, kürzerer Zeitraum nach Diagnosestellung und jüngeres Patientenalter * Hongthanakorn, Chanunta, Chotiyaputta, Watcharasak, Oberhelman, Kelly, Fontana, Robert J., Marrero, Jorge A., Licari, Tracy, et.al. Virological breakthrough and resistance in patients with chronic hepatitis B receiving nucleos(t)ide analogues in clinical practice. Hepatology, 2011. 53(6): p. 1854-1863., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24318* Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087* van Vlerken, Lotte G., Arends, Pauline, Lieveld, Faydra I., Arends, Joop E., Brouwer, Willem Pieter, Siersema, Peter D., et.al. Real life adherence of chronic hepatitis B patients to entecavir treatment. Digestive and Liver Disease, 2015. 47(7): p. 577-583., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2015.03.024.

Bei Patienten ohne Leberzirrhose und Therapie mit Entecavir und Tenofovir gibt es keinen definierten HBV-DNA-Grenzwert unterhalb 2.000 IU/ml, der mit Morbidität oder Mortalität assoziiert ist (siehe Empfehlung 5.13).

Literatur

[1]

Hongthanakorn, Chanunta, Chotiyaputta, Watcharasak, Oberhelman, Kelly, Fontana, Robert J., Marrero, Jorge A., Licari, Tracy, Lok, Anna S. F.. Virological breakthrough and resistance in patients with chronic hepatitis B receiving nucleos(t)ide analogues in clinical practice. Hepatology 2011; 53: 1854-1863

[2]

Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, Dore, Gregory J., George, Jacob, Maher, Lisa. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy 2017; 22: 53-60

[3]

van Vlerken, Lotte G., Arends, Pauline, Lieveld, Faydra I., Arends, Joop E., et al. Real life adherence of chronic hepatitis B patients to entecavir treatment. Digestive and Liver Disease 2015; 47: 577-583

Evidenzbasierte Empfehlung 5.16

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine Testung auf HBV-Varianten, die mit einer Nukleos(t)id-Analogaresistenz assoziiert sind, kann erfolgen.

Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Hintergrund

Die Bestimmung von Polymerase-Gen-Mutationen des HBV, die mit Resistenzen assoziiert sind, kann für die Therapieplanung mit einem Nukleosid-Analogon erwogen werden, insbesondere bei Unklarheiten über eventuelle Vortherapien. Bei Vorliegen von Lamivudin- oder bestimmten Telbivudin-resistenten Varianten ist z.B. das Risiko für eine Entecavir-Resistenz erhöht. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Der Durchbruch der HBV-DNA im Rahmen der Resistenzentwicklung des HBV tritt in der Regel einige Monate vor dem biochemischen Rückfall mit Anstieg der Transaminasen auf. Die Therapieanpassungen sind aber möglichst bereits bei Sicherung des virologischen Rückfalls durchzuführen. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Wird die Monotherapie trotz Resistenz des HBV fortgesetzt, können sich weitere, kompensatorische Mutationen ausbilden, die wiederum den Einsatz anderer Substanzen aufgrund von Kreuzresistenzen einschränken. Das Warten auf das Ergebnis der Resistenztestung sollte die Therapieumstellung allerdings nicht unnötig verzögern. Tenofovir ist auch bei komplexen Vortherapien i.d.R. effektiv. * Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, et.al. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol, 2019. 71 (1)(1): p. 35-44., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30876946/

Sollte die HBV-DNA unter Tenofovir und optimaler Therapieadhärenz dennoch wiederholt erhöht sein, können besondere HBV-Mutationen selektioniert worden sein, die mit einer verringerten Wirksamkeit der hochpotenten NA einhergehen können. * Shirvani-Dastgerdi, Elham, Winer, Benjamin Y., Celià-Terrassa, Toni, Kang, Yibin, Tabernero, David, Yagmur, Eray, et.al. Selection of the highly replicative and partially multidrug resistant rtS78T HBV polymerase mutation during TDF-ETV combination therapy. Journal of Hepatology, 2017. 67(2): p. 246-254., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.03.027* Park, Eun-Sook, Lee, Ah Ram, Kim, Doo Hyun, Lee, Jeong-Hoon, Yoo, Jeong-Ju, Ahn, Sung Hyun, et.al. Identification of a quadruple mutation that confers tenofovir resistance in chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology, 2019. 70(6): p. 1093-1102., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.02.006

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, Yoo, BC, Kwon, SY, Lee, HC. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol 2019; 71 (1): 35-44

[3]

Shirvani-Dastgerdi, Elham, Winer, Benjamin Y., Celià-Terrassa, Toni, Kang, Yibin, Tabernero, David, Yagmur, Eray, Rodríguez-Frías, Francisco, Gregori, Josep, Luedde, Tom, Trautwein, Christian, Ploss, Alexander, Tacke, Frank. Selection of the highly replicative and partially multidrug resistant rtS78T HBV polymerase mutation during TDF-ETV combination therapy. Journal of Hepatology 2017; 67: 246-254

[4]

Park, Eun-Sook, Lee, Ah Ram, Kim, Doo Hyun, Lee, Jeong-Hoon, Yoo, Jeong-Ju, Ahn, Sung Hyun, Sim, Heewoo, Park, Soree, Kang, Hong Seok, Won, Juhee, Ha, Yea Na, Shin, Gu-Choul, Kwon, So Young, Park, Yong Kwang, Choi, Byeong-Sun, Lee, Yun Bin, Jeong, Nakcheol, An, Yohan, Ju, Young Seok, Yu, Su Jong, Chae, Hee Bok, Yu, Kyung-Sang, Kim, Yoon Jun, Yoon, Jung-Hwan, Zoulim, Fabien, Kim, Kyun-Hwan. Identification of a quadruple mutation that confers tenofovir resistance in chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology 2019; 70: 1093-1102

Evidenzbasierte Empfehlung 5.17

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei partiellem Therapieansprechen oder Nichtansprechen (Nonresponse) oder Resistenz soll eine Therapieanpassung geprüft werden:

  • Wurde ein Nukleosid-Analogon (Lamivudin, Entecavir, Telbivudin) eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.

Empfehlung 5.18

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


  • Wurde Adefovir eingesetzt, soll eine Therapieumstellung auf Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen.

Empfehlung 5.19

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


  • Wurde Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt, kann eine Therapieumstellung auf Entecavir erfolgen oder ein Nukleosid-Analogon (vorzugsweise ETV) zusätzlich gegeben werden.

Wie ist das Vorgehen bei nicht ausreichendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung?

Hintergrund

Bei primärem Nichtansprechen oder Resistenz während der Therapie mit Nukleosid-Analoga (Lamivudin, Telbivudin, Entecavir) soll die Behandlung auf Tenofovir (TDF oder TAF) umgestellt werden. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Eine Monotherapie mit Tenofovir (TDF oder TAF) reicht i.d.R. aus (Evidenz 1b). * Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, et.al. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol, 2019. 71 (1)(1): p. 35-44., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30876946/Entecavir-resistente Virusvarianten sollten primär mit Tenofovir (TDF oder TAF) behandelt werden. Diese Entscheidung begründet sich auf In-vitro-Daten und klinischer Erfahrung mit dem antiviral schwächeren Nukleotid-Analogon Adefovir. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Eine Therapie mit Entecavir bei Lamivudin-Resistenz ist zwar häufig mit einem biochemischen Ansprechen assoziiert, birgt jedoch ein relativ hohes Risiko des Auftretens einer Entecavir-Resistenz mit mehr als 50 % nach 5 Jahren (Evidenz 1b). (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Daher ist der Einsatz von Entecavir bei Patienten mit gesicherter Lamivudinresistenz nicht sinnvoll. Im Falle eines nicht ausreichenden primären Ansprechens von Lamivudin oder Telbivudin kann jedoch Entecavir eingesetzt werden, wenn das Vorhandensein von Varianten, die mit einer Resistenz gegen Nukleosid-Analoga assoziiert sind, ausgeschlossen wurde und 

Tenofovir (TDF oder TAF) aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden kann (Expertenmeinung).
Adefovir wird nicht mehr als Primärtherapie empfohlen (siehe „Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?“). Sollte ein Patient dennoch mit Adefovir behandelt sein und nicht ausreichend auf die Therapie ansprechen, ist ein Wechsel auf Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) möglich. Die Daten zu Entecavir basieren auf Kohortenstudien von hoher Qualität (Evidenz 2b), während für Tenofovir-Daten aus einer prospektiven randomisierten Studie vorliegen (Evidenz 1b) (keine Änderung zu * Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., Jilg, W., et.al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2011. 49(07): p. 871-930., http://dx.doi.org/10.1055/s-0031-1273462). Bei einer möglichen Vorbehandlung mit Lamivudin ist zu berücksichtigen, dass diese eine Resistenzentwicklung gegen Entecavir begünstigen kann (siehe oben). Liegt eine gesicherte Resistenz gegen Adefovir vor, so können ebenfalls verschiedene andere Nukleosid-Analoga (Evidenz 2b) und Tenofovir eingesetzt werden (TDF, Evidenz 1b). Allerdings war in 2 Kohorten das Vorliegen von Adefovir-Resistenzen mit einem langsameren TDF-Ansprechen assoziiert (Evidenz 2b), während in anderen Fällen dennoch ein normales Ansprechen auf eine TDF- Monotherapie beschrieben wurde (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Die Selektion von Mutationen, die mit einer reduzierten antiviralen Wirksamkeit von Tenofovir assoziiert sind, ist beschrieben, aber selten * Shirvani-Dastgerdi, Elham, Winer, Benjamin Y., Celià-Terrassa, Toni, Kang, Yibin, Tabernero, David, Yagmur, Eray, et.al. Selection of the highly replicative and partially multidrug resistant rtS78T HBV polymerase mutation during TDF-ETV combination therapy. Journal of Hepatology, 2017. 67(2): p. 246-254., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.03.027* Park, Eun-Sook, Lee, Ah Ram, Kim, Doo Hyun, Lee, Jeong-Hoon, Yoo, Jeong-Ju, Ahn, Sung Hyun, et.al. Identification of a quadruple mutation that confers tenofovir resistance in chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology, 2019. 70(6): p. 1093-1102., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.02.006.
Sollten im Langzeitverlauf jedoch Resistenzen auftreten, so ist aufgrund von in-vitro-Daten zu erwarten, dass Nukleosid-Analoga, insbesondere Entecavir, weiterhin wirksam sein sollten (Expertenmeinung).

Im Falle eines nicht ausreichenden Ansprechens auf eine Behandlung mit Tenofovir kann eine Umstellung auf Entecavir erfolgen (Expertenmeinung), wobei eine alleinige Umstellung nicht im Fall einer Lamivudinresistenz erfolgen sollte. Alternativ kann ein Nukleosidanalogon unter Beibehaltung von Tenofovir gegeben werden, womit sowohl in Fallserien und einer Kohortenstudie als auch bei einigen Patienten der Tenofovir-Zulassungsstudien (Evidenz 2b für die Aussage) eine Suppression der HBV-DNA unter die Nachweisgrenze erreicht wurde (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, Yoo, BC, Kwon, SY, Lee, HC. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol 2019; 71 (1): 35-44

[3]

Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., et al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie 2011; 49: 871-930

[4]

Shirvani-Dastgerdi, Elham, Winer, Benjamin Y., Celià-Terrassa, Toni, Kang, Yibin, Tabernero, David, Yagmur, Eray, Rodríguez-Frías, Francisco, Gregori, Josep, Luedde, Tom, Trautwein, Christian, Ploss, Alexander, Tacke, Frank. Selection of the highly replicative and partially multidrug resistant rtS78T HBV polymerase mutation during TDF-ETV combination therapy. Journal of Hepatology 2017; 67: 246-254

[5]

Park, Eun-Sook, Lee, Ah Ram, Kim, Doo Hyun, Lee, Jeong-Hoon, Yoo, Jeong-Ju, Ahn, Sung Hyun, Sim, Heewoo, Park, Soree, Kang, Hong Seok, Won, Juhee, Ha, Yea Na, Shin, Gu-Choul, Kwon, So Young, Park, Yong Kwang, Choi, Byeong-Sun, Lee, Yun Bin, Jeong, Nakcheol, An, Yohan, Ju, Young Seok, Yu, Su Jong, Chae, Hee Bok, Yu, Kyung-Sang, Kim, Yoon Jun, Yoon, Jung-Hwan, Zoulim, Fabien, Kim, Kyun-Hwan. Identification of a quadruple mutation that confers tenofovir resistance in chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology 2019; 70: 1093-1102

5.7. Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Evidenzbasierte Empfehlung 5.20

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei der Auswahl der antiviralen Therapie sowie der Überwachungsintervalle sollen Komorbiditäten berücksichtigt werden.

[NKLM]

Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Hintergrund

Da die Therapie der Hepatitis B in vielen Fällen eine Langzeittherapie darstellt, sind Komorbiditäten zu berücksichtigen. Ein gleichzeitig bestehender Diabetes mellitus kann das Risiko für die Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) bei Patienten mit Virushepatitis erhöhen (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Eine HBV-Infektion ist mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer terminalen Niereninsuffizienz bei Patienten mit Diabetes mellitus assoziiert (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Ältere Patienten über 60 Jahre mit chronischen Lebererkrankungen haben eine erniedrigte Knochendichte, wobei dies insbesondere Frauen betrifft (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Eine Knochendichtemessung ist daher bei postmenopausalen Frauen mit chronischer Hepatitis B sinnvoll, insbesondere, wenn eine Langzeittherapie mit potenziell nephrotoxischen antiviralen Substanzen durchgeführt wird, die einen renalen Phosphatverlust induzieren können. Die NA zur Behandlung der chronischen Hepatitis B haben unterschiedliche Eigenschaften, die in bestimmten Situationen beachtet werden müssen. Bei einer Behandlung mit Adefovir und Tenofovir (TDF) ist zu beachten, dass die Substanzen zu Nierenfunktionseinschränkungen führen können. * Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., Strasser, S. I., Schindler, R., Berg, T., Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in HBV‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(1): p. 16-34., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13659

Entecavir wird nicht für die Behandlung schwangerer Frauen empfohlen.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., et al. Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in <scp>HBV</scp>‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 44: 16-34

Evidenzbasierte Empfehlung 5.21

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die Nierenfunktion soll vor Therapie und regelmäßig während der Therapie überwacht werden.

[NKLM]

Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Hintergrund

Alle zur Therapie der HBV-Infektion zugelassenen NA werden renal ausgeschieden. Die Messung des Kreatininspiegels im Serum vor und während einer Behandlung mit Nukleos(t)id-Analoga ist eine Voraussetzung für den sicheren Gebrauch dieser Substanzen, um ggf. eine Dosisanpassung gemäß der aktuellen Nierenfunktion durchzuführen (Tabelle „Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation“). Grundsätzlich ist zu beachten, dass Serumkreatininveränderungen nur eingeschränkt Nierenfunktionseinschränkungen anzeigen können. Frühe tubuläre Schäden können durch eine Proteinurie, normoglykämische Glukosurie bzw. eine verminderte Phosphat- Reabsorption angezeigt werden (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 5.22

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Therapie mit Lamivudin oder Telbivudin (NA mit geringer Resistenzbarriere) kann bei optimalem Therapieansprechen fortgesetzt werden.

Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Hintergrund

Für Lamivudin und Telbivudin sind keine Studien bekannt, die über eine Einschränkung der Nierenfunktion durch die Therapie berichten. Telbivudin scheint sogar einen günstigen Effekt auf Kreatininwerte bzw. die Glomerulofiltrationsrate GFRs zu haben (Evidenz 2b) * Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., Strasser, S. I., Schindler, R., Berg, T., Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in HBV‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(1): p. 16-34., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13659* Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, et.al. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2014. 146(1): p. 138-146.e5., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2013.09.031. Es gibt allerdings keine Evidenz, die zeigen, ob es sich hierbei um Laborkosmetik handelt oder ob ein klinischer Nutzen besteht. Eine Telbivudin-Therapie führte in den Zulassungsstudien in 7,5 % der Fälle zu deutlichen CK-Erhöhungen, die im Verlauf in der Regel reversibel waren und nicht mit klinischen Zeichen einer Myopathie assoziiert waren (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Patienten, die bereits mit Lamivudin oder Telbivudin erfolgreich behandelt werden (HBV-DNA negativ unter Therapie), brauchen nicht umgestellt zu werden (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

*Anmerkung zu Telbivudin: Das Medikament ist in Deutschland mittlerweile vom Markt genommen worden.

Wie bereits unter „Welche grundsätzlichen Fragen sind bei der Therapieplanung der Hepatitis B in der Primärtherapie zu berücksichtigen?“ aufgeführt, soll Adefovir nicht mehr eingesetzt werden. Adefovir ist dosisabhängig nephrotoxisch. Für Adefovir sind Kreatininanstiege im Verlauf einer Behandlung in mehreren Studien und Real-World Kohorten beschrieben worden (Evidenz 2b), wobei ein Alter von über 50 Jahren und eine bereits bestehende verminderte Nierenfunktion bei Therapiebeginn prädiktive Parameter für das Auftreten einer renalen Dysfunktion waren. Eine tubuläre Dysfunktion (Fanconi-Syndrom) wurde bei Patienten mit ADV-Langzeittherapie beschrieben (Evidenz 4) * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/, * Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., Trinh, Huy N., Vu, Andrew A., Nguyen, Huy A., et.al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology, 2009. 50(3): p. 727-734., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23044* Lin, Yong, Pan, Fan, Wang, Yingchao, Chen, Ziqian, Lin, Chun, Yao, Lvfeng, et.al. Adefovir dipivoxil-induced Fanconi syndrome and its predictive factors: A study of 28 cases. Oncology Letters, 2016. 13(1): p. 307-314., http://dx.doi.org/10.3892/ol.2016.5393.

Aufgrund der Alternativen ETV und TAF soll daher eine Therapieumstellung angeboten werden.

Literatur

[1]

Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., et al. Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in <scp>HBV</scp>‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 44: 16-34

[2]

Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, Wang, Yuming, Papatheodoridis, George, Di Bisceglie, Adrian, Buti, Maria, Samuel, Didier, Uddin, Alkaz, Bosset, Sophie, Trylesinski, Aldo. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology 2014; 146: 138-146.e5

[3]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[4]

Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., et al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology 2009; 50: 727-734

[5]

Lin, Yong, Pan, Fan, Wang, Yingchao, Chen, Ziqian, Lin, Chun, Yao, Lvfeng, Zhang, Xin, Zhou, Rui, Pan, Chen. Adefovir dipivoxil-induced Fanconi syndrome and its predictive factors: A study of 28 cases. Oncology Letters 2016; 13: 307-314

Evidenzbasierte Empfehlung 5.23

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine Therapie mit TDF sollte bei einem Abfall der glomerulären Filtrationsrate (GFR), beim Auftreten einer Tubulopathie, bei einer Hypophosphatämie < 1 mg/dl und bei Frakturrisiko auf ein anderes NA umgesetzt werden. 

Konsensbasierte Empfehlung 5.24

Neu 2020

Starker Konsens


Vortherapien und Resistenzen sollen bei der Wahl des NA beachtet werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?

Hintergrund

In den Phase-III-Zulassungsstudien für Tenofovir (TDF) wurde kein Anstieg des Kreatinins im Serum um mehr als ≥ 0,5 mg/dl und kein Rückgang der GFR auf < 50 ml/min während der TDF-Therapie von 144 Wochen beobachtet (Evidenz 1b). (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Bei Patienten mit einer TDF-Langzeittherapie und vorausgegangenem Therapieversagen anderer Nukleos(t)id-Analoga wurde in einer retrospektiven Analyse über einen mittleren Zeitraum von ca. 30 Monaten ein mittlerer Rückgang der GFR von 5 % beobachtet, der sich allerdings nicht von einer Kontrollgruppe mit unbehandelten HBV-Infizierten unterschied (Evidenz 2b). In einer prospektiven Studie führte die TDF-Therapie zu einem signifikanten Abfall der GFR um 3,2 mL/min/1.73 m2 nach 240 Monaten. Ebenso kam es in diesem Zeitraum zu einem signifikanten Abfall der Knochendichte am Femur um 2,5%. Frauen waren häufiger von den Veränderungen betroffen als Männer (Evidenz 2b). In den TAF-Zulassungsstudien, hatten Patienten, die mit TAF behandelt wurden, nach 96 Wochen einen geringeren Abfall der Knochendichte (Hüfte und Lendenwirbelsäule) und geringeren Abfall der GFR im Vergleich zu mit TDF behandelten Patienten (Evidenz 1b). Eine weitere randomisierte Studie bestätigte den geringeren Abfall der Knochendichte unter TAF. Eine Umstellung von TDF auf TAF führte in weiteren Kohorten zu einer Verbesserung der Knochendichtewerte.

Allerdings ist bislang nicht dokumentiert, dass klinische Endpunkte (Nierenversagen, Knochenbrüche) signifikant weniger mit TAF als mit TDF auftreten * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/* Seto, Wai-Kay, Asahina, Yasuhiro, Brown, Todd T., Peng, Cheng-Yuan, Stanciu, Carol, Abdurakhmanov, Dzhamal, et.al. RETRACTION: Improved Bone Safety of Tenofovir Alafenamide Compared to Tenofovir Disoproxil Fumarate Over 2 Years in Patients with Chronic HBV Infection. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2018., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2018.06.023* Fong, Tse‐Ling, Lee, Brian T., Tien, Andy, Chang, Mimi, Lim, Carolina, Ahn, Aiden, et.al. Improvement of bone mineral density and markers of proximal renal tubular function in chronic hepatitis B patients switched from tenofovir disoproxil fumarate to tenofovir alafenamide. Journal of Viral Hepatitis, 2019. 26(5): p. 561-567., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.13053* Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, et.al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2018. 68(4): p. 672-681., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.039* Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, et.al. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol, 2019. 71 (1)(1): p. 35-44., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30876946/. Tubuläre Dysfunktionen sind im Zusammenhang von antiviralen Langzeittherapien der HIV-Infektion mit TDF beschrieben worden, die allerdings in den meisten Fällen reversibel waren, nachdem Tenofovir abgesetzt wurde (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Auch bei Patienten mit HBV-Infektion sind unter TDF Fanconi-Syndrome beschrieben. Eine erfolgreiche und sichere Fortführung der Therapie mit TAF ist beschrieben (Evidenz 4) * Grossi, Glenda, Loglio, Alessandro, Facchetti, Floriana, Borghi, Marta, Soffredini, Roberta, Galmozzi, Enrico, et.al. Tenofovir alafenamide as a rescue therapy in a patient with HBV-cirrhosis with a history of Fanconi syndrome and multidrug resistance. Journal of Hepatology, 2018. 68(1): p. 195-198., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.08.020.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Seto, Wai-Kay, Asahina, Yasuhiro, Brown, Todd T., Peng, Cheng-Yuan, Stanciu, Carol, Abdurakhmanov, Dzhamal, Tabak, Fehmi, Nguyen, Tuan T., Chuang, Wan-Long, Inokuma, Tetsuro, Ikeda, Fusao, Santantonio, Teresa Antonia, Habersetzer, François, Ramji, Alnoor, Lau, Audrey H., et al. RETRACTION: Improved Bone Safety of Tenofovir Alafenamide Compared to Tenofovir Disoproxil Fumarate Over 2 Years in Patients with Chronic HBV Infection. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2018; :

[3]

Fong, Tse‐Ling, Lee, Brian T., Tien, Andy, Chang, Mimi, Lim, Carolina, Ahn, Aiden, Bae, Ho S.. Improvement of bone mineral density and markers of proximal renal tubular function in chronic hepatitis B patients switched from tenofovir disoproxil fumarate to tenofovir alafenamide. Journal of Viral Hepatitis 2019; 26: 561-567

[4]

Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Izumi, Namiki, Chuang, Wan–Long, Bae, Ho, Sharma, Manoj, Janssen, Harry L. A., Pan, Calvin Q., Çelen, Mustafa Kemal, Furusyo, Norihiro, Shalimar, Dr, Yoon, Ki Tae, Trinh, Huy, Flaherty, John F., et al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology 2018; 68: 672-681

[5]

Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, Yoo, BC, Kwon, SY, Lee, HC. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol 2019; 71 (1): 35-44

[6]

Grossi, Glenda, Loglio, Alessandro, Facchetti, Floriana, Borghi, Marta, Soffredini, Roberta, Galmozzi, Enrico, Lunghi, Giovanna, Gaggar, Anuj, Lampertico, Pietro. Tenofovir alafenamide as a rescue therapy in a patient with HBV-cirrhosis with a history of Fanconi syndrome and multidrug resistance. Journal of Hepatology 2018; 68: 195-198

5.8. Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Konsensbasierte Empfehlung 5.25

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga soll nur nach Rücksprache mit einem in der Therapie der Hepatitis B erfahrenen Arzt und unter engmaschigen Kontrollen beendet werden. Dabei sollten HBsAg-, HBeAg-Statuts, Komorbidität (Immunsuppression), Dauer der HBV-DNA-Suppression und Stadium der Leberfibrose berücksichtigt werden.

Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Hintergrund

Die Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga (NA) führt zu einer HBV-DNA-Suppression, welche nicht mit einer Heilung bzw. funktionalen Heilung gleichzusetzen ist. Daher kommt es bei Absetzen der Therapie i.d.R. zu einem Wiederanstieg der HBV-DNA und mit zeitlichem Abstand ggf. zu einem Anstieg der ALT und möglicherweise zu einer klinisch relevanten Reaktivierung der Hepatitis. Einzelne Fälle von fulminanten Reaktivierungen wurden beschrieben (Evidenz 4) * Lim, S. G., Fatal hepatitis B reactivation following discontinuation of nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Gut, 2002. 51(4): p. 597-599., http://dx.doi.org/10.1136/gut.51.4.597.

Das Risiko für eine Reaktivierung hängt von verschiedenen Faktoren ab: HBsAg-Menge, HBeAg-Status, Immunsuppression, Dauer der Therapie bzw. der HBV-DNA-Suppression. Stadium der Leberfibrose, Alter (Evidenz 2a) * Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438, * Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J., Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(3): p. 243-257., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13272.

Literatur

[1]

Lim, S. G.. Fatal hepatitis B reactivation following discontinuation of nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Gut 2002; 51: 597-599

[2]

Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, Petersen, Jörg. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology 2016; 63: 1481-1492

[3]

Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J.. Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2015; 42: 243-257

Konsensbasierte Empfehlung 5.26

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga kann beendet werden, wenn ein HBsAg-Verlust erreicht ist.

[NKLM]

Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Hintergrund

Der Verlust des HBsAg entspricht einer immunologischen Kontrolle der Hepatitis-B-Virusinfektion, mit der langfristig besten Prognose (siehe „Was sind die Ziele der Therapie der chronischen Hepatitis B?“* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.
Zu beachten ist, dass es aufgrund der Persistenz der cccDNA in der Leber trotz HBsAg-Verlust prinzipiell zu einer Reaktivierung kommen kann (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“* Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 221-244.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.038* Raimondo, Giovanni, Locarnini, Stephen, Pollicino, Teresa, Levrero, Massimo, Zoulim, Fabien, Lok, Anna S., et.al. Update of the statements on biology and clinical impact of occult hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2019. 71(2): p. 397-408., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.03.034.

Der Verlust des HBsAg unter Therapie mit Nukleo(t)sidanaloga ist selten (Tabelle 8). Im Falle eines HBsAg-Verlustes (zweimal bestätigt innerhalb von 6 Monaten) scheint das Risiko einer HBsAg-Reversion sehr niedrig zu sein. In der größten asiatischen Studie mit 4080 Patienten blieben >95% HBsAg negativ (2,9% der mit NA behandelten Patienten), obwohl nur 38% der HBsAg-negativen Patienten einen nachweisbaren Anti-HBs-Titer hatten. Eine Anti- HBs-Serokonversion war auch in anderen Studien nicht bedeutend für einen dauerhaften HBsAg-Verlust (Evidenz 3b) * Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, et.al. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut, 2013. 63(8): p. 1325-1332., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2013-305517* Stelma, F., van der Ree, M. H., Jansen, L., Peters, M. W., Janssen, H. L. A., Zaaijer, H. L., et.al. HBsAg loss after peginterferon‐nucleotide combination treatment in chronic hepatitis B patients: 5 years of follow‐up. Journal of Viral Hepatitis, 2017. 24(12): p. 1107-1113., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12738* Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Wong, Vincent Wai-Sun, Tse, Yee-Kit, Lui, Grace Chung-Yan, Lam, Kelvin Long-Yan, et.al. Durability of hepatitis B surface antigen seroclearance in untreated and nucleos(t)ide analogue-treated patients. Journal of Hepatology, 2018. 68(1): p. 63-72., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.09.018.

Die EASL-Leitlinie emphiehlt sogar, dass eine Therapie bei bestätigtem HBsAg-Verlust beendet werden sollte * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.
Wir haben die Empfehlungsstärke der EASL-Leitlinie zum Therapieende bei HBsAg Verlust, die für alle Patienten gilt, herabgestuft, da für Subgruppen (Zirrhose, Immunsupprimierte Patienten) die Datenlage unzureichend ist.

So sollte bei Patienten mit einer Leberzirrhose aus Sicherheitsgründen eine Therapiebeendigung erst mit Nachweis des Anti-HBs erfolgen wobei ein sensitiver Test verwendet werden sollte oder nach einer Konsoliderungstherapie von 6-12 Monaten nach Therapieende und HBsAg Verlust. Es gibt bislang allerdings sehr wenig Evidenz, ob eine Konsolidierungstherapie einen Nutzen hat. Bei Yip et al. hatte kein Patient eine HBs-Seroreversion, der eine 12-monatige Konsoliderungstherapie erhielt. Aufgrund von Sicherheitsaspekten und den geringen Risiken einer längeren NA-Therapie besteht hier eine starke Expertenempfehlung für die Konsolidierungstherapie bzw. die Therapie bis zur Anti-HBs-Serokonversion bei Patienten mit Zirrhose. Zu beachten ist, dass der Zeitraum bis zur Anti-HBs-Serokonversion nach HBsAg-Verlust mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann (58% Anti-HBs-Serokonversion nach 5 Jahren) * Roushan, M. R. H., Mohammadpour, M., Baiany, M., Soleimani, S., Bijani, A., Time to seroconversion of HBsAg to anti-HBs in individuals who lost HBsAg during follow-up. Epidemiology and Infection, 2016. 144(12): p. 2648-2653., http://dx.doi.org/10.1017/s0950268816001217* Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Wong, Vincent Wai-Sun, Tse, Yee-Kit, Lui, Grace Chung-Yan, Lam, Kelvin Long-Yan, et.al. Durability of hepatitis B surface antigen seroclearance in untreated and nucleos(t)ide analogue-treated patients. Journal of Hepatology, 2018. 68(1): p. 63-72., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.09.018.

Daten zum Langzeitverlauf nach Verlust des HBsAg unter antiviraler Therapie fehlen. Im ersten Jahr nach Absetzen der antiviralen Therapie erscheinen Kontrollen (HBV-DNA und ALT) in 3-monatigen Abständen sinnvoll. Im weiteren Verlauf sollten Kontrollen in 6-12- monatigen Abständen unter Berücksichtigung von Komorbiditäten, Alter, Geschlecht und Fibrosegrad der Leber erfolgen, insbesondere im Hinblick auf das Risiko der Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC). Wichtig ist, dass ein Absetzen der Therapie nicht bei Patienten erfolgt, bei denen aufgrund einer Immunsuppression die Indikation zur prophylaktischen Therapie besteht (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“). Wir haben die Empfehlungsstärke der EASL-Leitlinie zum Therapieende bei HBsAg Verlust, die für alle Patienten gilt, herabgestuft, da für Subgruppen (Zirrhose, immunsupprimierte Patienten) die Datenlage unzureichend ist.

Literatur

[1]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[2]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[3]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., Buchholz, Stephanie, Buti, Maria, Chan, Henry L. Y., et al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B – Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology 2020; 72: 539-557

[4]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[5]

Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T.. American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 221-244.e3

[6]

Raimondo, Giovanni, Locarnini, Stephen, Pollicino, Teresa, Levrero, Massimo, Zoulim, Fabien, Lok, Anna S., Allain, Jean-Pierre, Berg, Thomas, Bertoletti, Antonio, Brunetto, Maurizia Rossana, Bruno, Raffaele, Chen, Ding-Shinn, Coppola, Nicola, Cornberg, Markus, Craxì, Antonio, Dandri, Maura, Di Marco, Vito, Ferrari, Carlo, Gaeta, Giovanni Battista, Glebe, Dieter, Guidotti, Luca G., Kramvis, Anna, Lampertico, Pietro, Li, Chengyao, Liang, Jake, Marzano, Alfredo, Michalak, Thomas I., et al. Update of the statements on biology and clinical impact of occult hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology 2019; 71: 397-408

[7]

Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, Lee, Han Chu, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, Suh, Dong Jin. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut 2013; 63: 1325-1332

[8]

Stelma, F., van der Ree, M. H., Jansen, L., et al. <scp>HB</scp>sAg loss after peginterferon‐nucleotide combination treatment in chronic hepatitis B patients: 5 years of follow‐up. Journal of Viral Hepatitis 2017; 24: 1107-1113

[9]

Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Wong, Vincent Wai-Sun, Tse, Yee-Kit, Lui, Grace Chung-Yan, Lam, Kelvin Long-Yan, Chan, Henry Lik-Yuen. Durability of hepatitis B surface antigen seroclearance in untreated and nucleos(t)ide analogue-treated patients. Journal of Hepatology 2018; 68: 63-72

[10]

Roushan, M. R. H., Mohammadpour, M., Baiany, M., et al. Time to seroconversion of HBsAg to anti-HBs in individuals who lost HBsAg during follow-up. Epidemiology and Infection 2016; 144: 2648-2653

Evidenzbasierte Empfehlung 5.27

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Bei HBeAg-positiven Patienten kann eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga 12 Monate nach HBeAg-Verlust und Anti-HBe-Serokonversion beendet werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.28

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Vor Beendigung der Therapie sollte die HBV-DNA negativ bzw. nicht quantifizierbar sein.

Konsensbasierte Empfehlung 5.29

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Leberzirrhose sollte ausgeschlossen sein.

Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Hintergrund

Die umfangreichsten Daten zur Therapiebeendigung in initial HBeAg-positiven Patienten nach HBeAg-Verlust und Anti-HBe-Serokonversion sind in einer Metaanalyse mit insgesamt 1217 HBeAg-positiven Patienten erhoben worden. Die eingeschlossenen Studien weisen jedoch eine große Heterogenität auf und wurden nahezu ausschließlich in Asien durchgeführt, so dass die Übertragbarkeit auf Deutschland eingeschränkt ist (Evidenz 3a) * Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438.

Insgesamt zeigten 71,2% der Patienten eine virologische Remission (HBV-DNA <2.000 IU/ml) ein Jahr nach Beendigung einer antiviralen Therapie. Eine biochemische Remission wurde in 66,5% von 403 Patienten, zu denen entsprechende Daten vorlagen, erreicht. Die HBeAg Serokonversion blieb in 91,9% der Patienten ein Jahr nach Therapiebeendigung stabil. Nach 2 Jahren sank die Anzahl an Patienten mit virologischer Remission auf 53,4%, die Anti-HBe- Serokonversion zeigte sich stabil bei 88% der Patienten. Bei heterogener Datenlage zeigte sich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Remission in jüngeren Patienten und Patienten mit niedrigerem HBsAg. Eine fortgeführte antivirale Therapie zeigte in vergleichenden Studien eine höhere Rate an virologischer und biochemischer Remission; eine HBeAg-Reversion trat unter antiviraler Therapie nicht auf (Evidenz 3a) * Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438

Daten zum langfristigen Verlauf hinsichtlich Mortalität, Progress der Lebererkrankung und Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) oder hepatische Dekompensation im Vergleich zu einer fortgeführten Therapie liegen nicht vor.
Die Wahrscheinlichkeit einer virologischen Remission war in einigen Studien niedriger, wenn eine Suppression der HBV-DNA unter antiviraler Therapie kürzer als 12 Monate bestand, sodass eine Suppression der HBV-DNA unterhalb der Quantifizierungsgrenze für mindestens 12 Monate bestehen sollte, bevor eine Therapiebeendigung diskutiert wird * Fung, James, Lai, Ching-Lung, Tanaka, Yasuhito, Mizokami, Masashi, Yuen, John, Wong, Danny Ka-Ho, et.al. The Duration of Lamivudine Therapy for Chronic Hepatitis B: Cessation vs. Continuation of Treatment After HBeAg Seroconversion. The American Journal of Gastroenterology, 2009. 104(8): p. 1940-1946., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2009.200* Chaung, Kevin T., Ha, Nghiem B., Trinh, Huy N., Garcia, Ruel T., Nguyen, Huy A., Nguyen, Khanh K., et.al. High Frequency of Recurrent Viremia After Hepatitis B e Antigen Seroconversion and Consolidation Therapy. Journal of Clinical Gastroenterology, 2012. 46(10): p. 865-870., http://dx.doi.org/10.1097/mcg.0b013e31825ceed9.

Im Einklang mit internationalen Leitlinien und der Praxis in den bisher durchgeführten Studien, sollte eine Konsolidierungstherapie von mindestens 12 Monate nach Anti-HBe-Serokonversion erfolgen, bevor die Therapie beendet wird. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156
In der systematischen Analyse konnte allerdings keine signifikante Unterlegenheit einer Konsolidierungstherapie <12 Monate nach Anti-HBe-Serokonversion belegt werden, bei allerdings sehr kleinen Fallzahlen * Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438.

In den bisherigen Studien, in denen überwiegend der HBV Genotyp B und C vorlag, konnte kein Einfluss des Genotyps auf die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Remission belegt werden. Weiterhin ergab sich kein Hinweis, dass bestimmte Nukleo(t)sidanaloga mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Remission assoziiert sind. Ein niedrigeres HBsAg-Level (<2,5 log IU/ml) ist mit einer dauerhaften Remission (bei asiatischen Patienten) assoziiert. Allerdings ist hier die Evidenz geringer als für HBeAg-negative Patienten (Evidenz 3b) * Qiu, Yuan-wang, Huang, Li-hua, Yang, Wen-long, Wang, Zhen, Zhang, Bo, Li, Yi-guang, et.al. Hepatitis B surface antigen quantification at hepatitis B e antigen seroconversion predicts virological relapse after the cessation of entecavir treatment in hepatitis B e antigen-positive patients. International Journal of Infectious Diseases, 2016. 43: p. 43-48., http://dx.doi.org/10.1016/j.ijid.2015.10.019.

Ein virologischer und biochemischer Relapse tritt in der Regel innerhalb des ersten Jahres auf, so dass nach Therapiebeendigung nach Anti-HBe-Serokonversion mindestens alle 3 Monate eine Kontrolle eines virologischen und biochemischen Rückfalls (HBV-DNA und ALT) erfolgen sollte.

Die optimalen Kontrollintervalle nach Therapiebeendigung sind bislang nicht gut definiert und sollten bei fortgeschrittener Fibrose engmaschiger sein. Es sollte auf klinische Zeichen einer hepatischen Dekompensation geachtet werden. Aufgrund der Unsicherheit, welche Patienten für einen Therapiestopp geeignet sind, ist eine Fortführung der Therapie bis zum Erreichen eines HBsAg-Verlusts als Alternative in der AASLD-Leitlinie empfohlen, insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156

Literatur

[1]

Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, Petersen, Jörg. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology 2016; 63: 1481-1492

[2]

Fung, James, Lai, Ching-Lung, Tanaka, Yasuhito, Mizokami, Masashi, Yuen, John, Wong, Danny Ka-Ho, Yuen, Man-Fung. The Duration of Lamivudine Therapy for Chronic Hepatitis B: Cessation vs. Continuation of Treatment After HBeAg Seroconversion. The American Journal of Gastroenterology 2009; 104: 1940-1946

[3]

Chaung, Kevin T., Ha, Nghiem B., Trinh, Huy N., et al. High Frequency of Recurrent Viremia After Hepatitis B e Antigen Seroconversion and Consolidation Therapy. Journal of Clinical Gastroenterology 2012; 46: 865-870

[4]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[5]

Qiu, Yuan-wang, Huang, Li-hua, Yang, Wen-long, Wang, Zhen, Zhang, Bo, Li, Yi-guang, Su, Ting-ting, Zhou, Hong-yan, Xu, Wei, Wang, Xue-dong, Dai, Ya-ping, Gan, Jian-he. Hepatitis B surface antigen quantification at hepatitis B e antigen seroconversion predicts virological relapse after the cessation of entecavir treatment in hepatitis B e antigen-positive patients. International Journal of Infectious Diseases 2016; 43: 43-48

Evidenzbasierte Empfehlung 5.30

Neu 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Konsens


Bei HBeAg-negativen Patienten ohne fortgeschrittene Leberfibrose kann eine Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga vor HBsAg-Verlust beendet werden, wenn die HBV-DNA mindestens 3 Jahre negativ bzw. nicht quantifizierbar war und eine engmaschige Kontrolle nach Therapiestopp gewährleistet ist.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?

Hintergrund

Die Empfehlung entspricht den EASl Leitinien * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.
Erfahrungen zum Beenden einer antiviralen Therapie bei HBeAg-negativen Patienten wurden in 2 systematischen Reviews mit 1732 und 1115 Patienten zusammengefasst. Die untersuchten Studien überschneiden sich dabei zu großen Teilen und wurden überwiegend im asiatischen Raum durchgeführt, so dass die Übertragbarkeit auf Deutschland eingeschränkt ist (Evidenz 3a) * Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438, * Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J., Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(3): p. 243-257., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13272.
Die Wahrscheinlichkeit für eine virologische Remission ein Jahr nach Absetzen der antiviralen Therapie lag bei HBeAg-negativen Patienten bei 48%. Eine stabile biochemische Remission bestand nach einem Jahr bei 57,4% von 687 Patienten bei denen entsprechende Ergebnisse vorlagen. Die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften virologischen Remission nach Absetzen war deutlich erhöht, wenn zuvor eine virologische Remission unter antiviraler Therapie für mindestens 24 Monate bestanden hatte. Eine Studie mit längerer Verlaufsbeobachtung zeigte eine weiter reduzierte Rückfallquote bei einer antiviralen Therapie von mindestens 3 Jahren gegenüber 2 Jahren in 59 Patienten (25% vs. 54%) (Evidenz 3b) * Chi, H., Hansen, B. E., Yim, C., Arends, P., Abu‐Amara, M., van der Eijk, A. A., et.al. Reduced risk of relapse after long‐term nucleos(t)ide analogue consolidation therapy for chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 41(9): p. 867-876., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13150.
In einzelnen Studien wurden weitere Parameter mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte virologische Remission assoziiert. Hierzu zählen niedrigere Ausgangsviruslast bei Therapiebeginn (<200.000 IU/ml), niedrigere ALT, jüngeres Alter (<40 Jahre), weibliches Geschlecht und Fehlen einer Leberzirrhose. Ebenfalls war ein niedrigeres HBsAg zum Zeitpunkt des Absetzens mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Remission assoziiert (Evidenz 3a) * Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438* Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J., Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(3): p. 243-257., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13272.

In der systematischen Analyse von Chang et al. zeigte sich ein niedriges HBsAg (<200 IU/ml) mit einer höheren Rate an dauerhafter Remission verknüpft (Evidenz 3a) * Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J., Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(3): p. 243-257., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13272.
Es liegen bislang nur wenige Langzeitdaten hinsichtlich klinischer Endpunkte nach Absetzen der Therapie im Vergleich zu einer fortgesetzten Therapie vor. Asiatische Studien dokumentierten keine höheren Raten an klinischen Endpunkten, inklusive HCC, nach Absetzen der Therapie gemäß APASL-Stoppregeln. Der Beobachtungszeitraum lag bei 12-60 Monaten. Eine Studie hatte sogar Patienten mit kompensierter Leberzirrhose untersucht (Evidenz 3b). * Sarin, S. K., Kumar, M., Lau, G. K., Abbas, Z., Chan, H. L. Y., Chen, C. J., et.al. Asian-Pacific clinical practice guidelines on the management of hepatitis B: a 2015 update. Hepatology International, 2015. 10(1): p. 1-98., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-015-9675-4* Jung, Kyu Sik, Park, Jun Yong, Chon, Young Eun, Kim, Hyon-Suk, Kang, Wonseok, Kim, Beom Kyung, et.al. Clinical outcomes and predictors for relapse after cessation of oral antiviral treatment in chronic hepatitis B patients. Journal of Gastroenterology, 2015. 51(8): p. 830-839., http://dx.doi.org/10.1007/s00535-015-1153-1* Sarin, S. K., Kumar, M., Lau, G. K., Abbas, Z., Chan, H. L. Y., Chen, C. J., et.al. Asian-Pacific clinical practice guidelines on the management of hepatitis B: a 2015 update. Hepatology International, 2015. 10(1): p. 1-98., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-015-9675-4* Chen, Y. C., Peng, C. Y., Jeng, W. J., Chien, R. N., Liaw, Y. F., Clinical outcomes after interruption of entecavir therapy in HBeAg-negative chronic hepatitis B patients with compensated cirrhosis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(10): p. 1182-1191., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13409 Weitere Langzeitdaten sind aber erforderlich.

Ein Relapse (HBV-DNA-Anstieg) erfolgt üblicherweise innerhalb der ersten 1 bis 12 Monate. Dabei scheint es aber nach Beendigung von TDF einen schnelleren Virusrückfall zu geben (70% innerhalb der ersten 12 Wochen) im Vergleich zu ETV (<10% innerhalb der ersten 12 Wochen) (Evidenz 2b). Initial (in den ersten 6 Monaten nach Absetzen der Therapie) sollten Kontrollen in mindestens 4-wöchentlichen Abständen erfolgen, danach alle 3 Monate (Expertenmeinung). Im Falle eines Rückfalles kommt es typischerweise erst zum Anstieg der HBV-DNA nach 4-24 Wochen (Evidenz 2b) und im Anschluss zu einem Anstieg der ALT. Entsprechend sollten HBV-DNA und ALT kontrolliert werden. Ebenfalls muss auf klinische Zeichen einer hepatischen Dekompensation geachtet werden * Lim, S. G., Fatal hepatitis B reactivation following discontinuation of nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Gut, 2002. 51(4): p. 597-599., http://dx.doi.org/10.1136/gut.51.4.597* Höner zu Siederdissen, Christoph, Hui, Aric Josun, Sukeepaisarnjaroen, Wattana, Tangkijvanich, Pisit, Su, Wei Wen, Nieto, Gerardo Enrique Guillén, et.al. Contrasting Timing of Virological Relapse After Discontinuation of Tenofovir or Entecavir in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 218(9): p. 1480-1484., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiy350* Höner zu Siederdissen, Christoph, Rinker, Franziska, Maasoumy, Benjamin, Wiegand, Steffen B., Filmann, Natalie, Falk, Christine S., et.al. Viral and Host Responses After Stopping Long-term Nucleos(t)ide Analogue Therapy in HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(10): p. 1492-1497., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiw412* Jeng, Wen-Juei, Chen, Yi-Cheng, Sheen, I. Shyan, Lin, Chih-Lang, Hu, Tsung-Hui, Chien, Rong-Nan, et.al. Clinical Relapse After Cessation of Tenofovir Therapy in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2016. 14(12): p. 1813-1820.e1., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2016.07.002* Kuo, Ming‐Te, Hu, Tsung‐Hui, Hung, Chao‐Hung, Wang, Jing‐Houng, Lu, Sheng‐Nan, Tsai, Kai‐Lung, et.al. Hepatitis B virus relapse rates in chronic hepatitis B patients who discontinue either entecavir or tenofovir. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 49(2): p. 218-228., http://dx.doi.org/10.1111/apt.15053* Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438* Su, Tung-Hung, Yang, Hung-Chih, Tseng, Tai-Chung, Liou, Jyh-Ming, Liu, Chen-Hua, Chen, Chi-Ling, et.al. Distinct Relapse Rates and Risk Predictors After Discontinuing Tenofovir and Entecavir Therapy. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 217(8): p. 1193-1201., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jix690* Berg, Thomas, Simon, Karl-Georg, Mauss, Stefan, Schott, Eckart, Heyne, Renate, Klass, Dietmar M., et.al. Long-term response after stopping tenofovir disoproxil fumarate in non-cirrhotic HBeAg-negative patients – FINITE study. Journal of Hepatology, 2017. 67(5): p. 918-924., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.07.012* Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J., Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(3): p. 243-257., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13272.

Patienten mit weiteren Lebererkrankungen oder immunsuppressiv behandelte Patienten waren in den Studien regelhaft ausgeschlossen, sodass zu diesen Patienten keine belastbaren Daten vorlegen. Bei ausgeprägten Komorbiditäten oder Immunsuppression ist aufgrund der hohen Gefahr einer Reaktivierung ein Absetzen einer HBV-Therapie nicht zu empfehlen (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“). Der Anteil an Patienten mit Leberzirrhose lag in den Studien, die in den systematischen Reviews erfasst wurden, bei 9,3 und 16,1%. Insgesamt wurden in den Studien keine gehäuften schweren Nebenwirkungen einer Therapiebeendigung beschrieben. Allerdings kam es in Einzelfällen in Patienten mit Leberzirrhose zu einer hepatischen Dekompensation nach Beendigung einer antiviralen Therapie (Evidenz 4), die nicht in jedem Fall durch eine Re-Therapie erfolgreich behandelt werden konnten * Jeng, Wen-Juei, Chen, Yi-Cheng, Sheen, I. Shyan, Lin, Chih-Lang, Hu, Tsung-Hui, Chien, Rong-Nan, et.al. Clinical Relapse After Cessation of Tenofovir Therapy in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2016. 14(12): p. 1813-1820.e1., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2016.07.002.

Deshalb soll unter Sicherheitsaspekten eine Therapiebeendigung bei Patienten mit Leberzirrhose vor Erreichen eines HBsAg-Verlustes bzw. Anti-HBs-Serokonversion nicht erfolgen * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.
Eine ggf. erforderliche Re-Therapie sollte nach Empfehlungen zur Einleitung einer viralen Therapie der Hepatitis B erfolgen (siehe „Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?“). Im Falle einer Re-Therapie konnte in den durchgeführten Studien unter Verwendung von Entecavir und Tenofovir (TDF) eine erneute virale Suppression erreicht werden (Evidenz 2b) * Höner zu Siederdissen, Christoph, Rinker, Franziska, Maasoumy, Benjamin, Wiegand, Steffen B., Filmann, Natalie, Falk, Christine S., et.al. Viral and Host Responses After Stopping Long-term Nucleos(t)ide Analogue Therapy in HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(10): p. 1492-1497., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiw412

In den zur Verfügung stehenden Daten ergeben sich keine Hinweise für ein schlechteres Ansprechen auf eine erneute antivirale Therapie bzw. Resistenzentwicklungen, allerdings liegen keine Daten zum langfristigen Verlauf vor. Eine Re-Therapie sollte nur mit Entecavir (unter Beachtung der Resistenzproblematik) oder Tenofovir (TDF oder TAF) erfolgen. Interessant ist, dass nach Beendigung einer NA-Therapie eine relativ hohe Rate an HBsAg-Verlust in der Langzeitbeobachtung festgestellt wurde. In europäischen Studien lag der HBsAg-Verlust bei 19-39% (Evidenz 2b) * Höner zu Siederdissen, Christoph, Rinker, Franziska, Maasoumy, Benjamin, Wiegand, Steffen B., Filmann, Natalie, Falk, Christine S., et.al. Viral and Host Responses After Stopping Long-term Nucleos(t)ide Analogue Therapy in HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(10): p. 1492-1497., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiw412* Papatheodoridis, George V., Rigopoulou, Eirini I., Papatheodoridi, Margarita, Zachou, Kalliopi, Xourafas, Vassilios, Gatselis, Nikolaos, et.al. DARING-B: Discontinuation of Effective Entecavir or Tenofovir Disoproxil Fumarate Long-Term Therapy before HBsAg Loss in Non-Cirrhotic HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Antiviral Therapy, 2017. 23(8): p. 677-685., http://dx.doi.org/10.3851/imp3256* Hadziyannis, Stephanos J., Sevastianos, Vassilios, Rapti, Irene, Vassilopoulos, Dimitrios, Hadziyannis, Emilia, Sustained Responses and Loss of HBsAg in HBeAg-Negative Patients With Chronic Hepatitis B Who Stop Long-Term Treatment With Adefovir. Gastroenterology, 2012. 143(3): p. 629-636.e1., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2012.05.039* Berg, Thomas, Simon, Karl-Georg, Mauss, Stefan, Schott, Eckart, Heyne, Renate, Klass, Dietmar M., et.al. Long-term response after stopping tenofovir disoproxil fumarate in non-cirrhotic HBeAg-negative patients – FINITE study. Journal of Hepatology, 2017. 67(5): p. 918-924., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.07.012. In der bis zu diesem Zeitpunkt größten randomisierten STOP-NUC-Studie, die in Deutschland durchgeführt wurde, lag die HBsAg-Verlustrate 2 Jahre nach Therapieende bei 10% und bei den Patienten mit einem HBsAg-Wert <1.000 IE/ml zum Zeitpunkt des Therapieabbruchs bei 28%. Kein Patient, der die NA-Therapie fortführte, hat in dieser Zeit einen HBsAg-Verlust erreicht * van Bömmel, Florian, Stein, Kerstin, Heyne, Renate, Möller, Hjördis, Petersen, Jörg, Buggisch, Peter, et.al. Response to discontinuation of long-term nucleos(t)ide analogue treatment in HBeAg negative patients: Results of the Stop-NUC trial. Journal of Hepatology, 2020. 73: p. S118-S119., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(20)30755-8

Die durch den HBV-DNA-Rückfall ausgelösten ALT-Flares können möglicherweise ein Indiz für eine induzierte Immunantwort sein und die ungewöhnlich hohe Rate an HBsAg-Verlusten nach Therapiestopp erklären * Höner zu Siederdissen, Christoph, Rinker, Franziska, Maasoumy, Benjamin, Wiegand, Steffen B., Filmann, Natalie, Falk, Christine S., et.al. Viral and Host Responses After Stopping Long-term Nucleos(t)ide Analogue Therapy in HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(10): p. 1492-1497., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiw412* Zimmer, CL, Rinker, F, Höner Zu Siederdissen, C, Manns, MP, Wedemeyer, H, Cornberg, M, et.al. Increased NK Cell Function After Cessation of Long-Term Nucleos(t)ide Analogue Treatment in Chronic Hepatitis B Is Associated With Liver Damage and HBsAg Loss.. J Infect Dis, 2018. 217 (10)(10): p. 1656-1666., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29471497/* Rinker, F, Zimmer, CL, Höner Zu Siederdissen, C, Manns, MP, Kraft, ARM, Wedemeyer, H, et.al. Hepatitis B virus-specific T cell responses after stopping nucleos(t)ide analogue therapy in HBeAg-negative chronic hepatitis B.. J Hepatol, 2018. 69 (3)(3): p. 584-593., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29758333/. Weitere Studien sind allerdings notwendig, um dieses Konzept als Behandlungsstrategie zu empfehlen.

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, Petersen, Jörg. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology 2016; 63: 1481-1492

[3]

Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J.. Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2015; 42: 243-257

[4]

Chi, H., Hansen, B. E., Yim, C., et al. Reduced risk of relapse after long‐term nucleos(t)ide analogue consolidation therapy for chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2015; 41: 867-876

[5]

Sarin, S. K., Kumar, M., Lau, G. K., et al. Asian-Pacific clinical practice guidelines on the management of hepatitis B: a 2015 update. Hepatology International 2015; 10: 1-98

[6]

Jung, Kyu Sik, Park, Jun Yong, Chon, Young Eun, Kim, Hyon-Suk, Kang, Wonseok, Kim, Beom Kyung, Kim, Seung Up, Kim, Do Young, Han, Kwang-Hyub, Ahn, Sang Hoon. Clinical outcomes and predictors for relapse after cessation of oral antiviral treatment in chronic hepatitis B patients. Journal of Gastroenterology 2015; 51: 830-839

[7]

Chen, Y. C., Peng, C. Y., Jeng, W. J., et al. Clinical outcomes after interruption of entecavir therapy in HBeAg-negative chronic hepatitis B patients with compensated cirrhosis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2015; 42: 1182-1191

[8]

Lim, S. G.. Fatal hepatitis B reactivation following discontinuation of nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Gut 2002; 51: 597-599

[9]

Höner zu Siederdissen, Christoph, Hui, Aric Josun, Sukeepaisarnjaroen, Wattana, Tangkijvanich, Pisit, Su, Wei Wen, Nieto, Gerardo Enrique Guillén, Gineste, Paul, Nitcheu, Josianne, Crabé, Sandrine, Stepien, Sandrine, Manns, Michael P., Trépo, Christian, Wedemeyer, Heiner, Cornberg, Markus. Contrasting Timing of Virological Relapse After Discontinuation of Tenofovir or Entecavir in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. The Journal of Infectious Diseases 2018; 218: 1480-1484

[10]

Höner zu Siederdissen, Christoph, Rinker, Franziska, Maasoumy, Benjamin, Wiegand, Steffen B., Filmann, Natalie, Falk, Christine S., Deterding, Katja, Port, Kerstin, Mix, Carola, Manns, Michael P., et al. Viral and Host Responses After Stopping Long-term Nucleos(t)ide Analogue Therapy in HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases 2016; 214: 1492-1497

[11]

Jeng, Wen-Juei, Chen, Yi-Cheng, Sheen, I. Shyan, Lin, Chih-Lang, Hu, Tsung-Hui, Chien, Rong-Nan, Liaw, Yun-Fan. Clinical Relapse After Cessation of Tenofovir Therapy in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2016; 14: 1813-1820.e1

[12]

Kuo, Ming‐Te, Hu, Tsung‐Hui, Hung, Chao‐Hung, Wang, Jing‐Houng, Lu, Sheng‐Nan, Tsai, Kai‐Lung, Chen, Chien‐Hung. Hepatitis B virus relapse rates in chronic hepatitis B patients who discontinue either entecavir or tenofovir. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2018; 49: 218-228

[13]

Su, Tung-Hung, Yang, Hung-Chih, Tseng, Tai-Chung, Liou, Jyh-Ming, Liu, Chen-Hua, Chen, Chi-Ling, Chen, Pei-Jer, Chen, Ding-Shinn, Liu, Chun-Jen, Kao, Jia-Horng. Distinct Relapse Rates and Risk Predictors After Discontinuing Tenofovir and Entecavir Therapy. The Journal of Infectious Diseases 2018; 217: 1193-1201

[14]

Berg, Thomas, Simon, Karl-Georg, Mauss, Stefan, Schott, Eckart, Heyne, Renate, Klass, Dietmar M., Eisenbach, Christoph, Welzel, Tania Mara, Zachoval, Reinhart, Felten, Gisela, Schulze-zur-Wiesch, Julian, Cornberg, Markus, Op den Brouw, Marjoleine L., Jump, Belinda, Reiser, Hans, Gallo, Lothar, Warger, Tobias, Petersen, Jörg. Long-term response after stopping tenofovir disoproxil fumarate in non-cirrhotic HBeAg-negative patients – FINITE study. Journal of Hepatology 2017; 67: 918-924

[15]

Papatheodoridis, George V., Rigopoulou, Eirini I., Papatheodoridi, Margarita, Zachou, Kalliopi, Xourafas, Vassilios, Gatselis, Nikolaos, Hadziyannis, Emilia, Vlachogiannakos, John, Manolakopoulos, Spilios, Dalekos, George N.. DARING-B: Discontinuation of Effective Entecavir or Tenofovir Disoproxil Fumarate Long-Term Therapy before HBsAg Loss in Non-Cirrhotic HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Antiviral Therapy 2017; 23: 677-685

[16]

Hadziyannis, Stephanos J., Sevastianos, Vassilios, Rapti, Irene, Vassilopoulos, Dimitrios, Hadziyannis, Emilia. Sustained Responses and Loss of HBsAg in HBeAg-Negative Patients With Chronic Hepatitis B Who Stop Long-Term Treatment With Adefovir. Gastroenterology 2012; 143: 629-636.e1

[17]

van Bömmel, Florian, Stein, Kerstin, Heyne, Renate, Möller, Hjördis, Petersen, Jörg, Buggisch, Peter, Berg, Christoph, Werner, Christoph, Zeuzem, Stefan, Herrmann, Andreas, Reuken, Philipp, Sprinzl, Martin, Grambihler, Annette, Schott, Eckart, Benckert, Julia, Pathil, Anita, von Arnim, Ulrike, Keitel, Verena, Trauth, Janina, Georg, Simon Karl, Trautwein, Christian, Trein, Andreas, Hüppe, Dietrich, Cornberg, Markus, Lammert, Frank, Ingiliz, Patrick, Zachoval, Reinhart, Hinrichsen, Holger, Zipprich, Alexander, Klinker, Hartwig, Zur Wiesch, Julian Schulze, Brosteanu, Oana, Schmiedeknecht, Anett, Berg, Thomas. Response to discontinuation of long-term nucleos(t)ide analogue treatment in HBeAg negative patients: Results of the Stop-NUC trial. Journal of Hepatology 2020; 73: S118-S119

[18]

Zimmer, CL, Rinker, F, Höner Zu Siederdissen, C, Manns, MP, Wedemeyer, H, Cornberg, M, Björkström, NK. Increased NK Cell Function After Cessation of Long-Term Nucleos(t)ide Analogue Treatment in Chronic Hepatitis B Is Associated With Liver Damage and HBsAg Loss.. J Infect Dis 2018; 217 (10): 1656-1666

[19]

Rinker, F, Zimmer, CL, Höner Zu Siederdissen, C, Manns, MP, Kraft, ARM, Wedemeyer, H, Björkström, NK, Cornberg, M. Hepatitis B virus-specific T cell responses after stopping nucleos(t)ide analogue therapy in HBeAg-negative chronic hepatitis B.. J Hepatol 2018; 69 (3): 584-593

5.9. Wie sollen HBV-Patienten mit Leberzirrhose antiviral behandelt werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 5.31

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Alle Patienten mit Leberzirrhose und nachweisbarer HBV-DNA sollen antiviral behandelt werden.

[NKLM]

Wie sollen HBV-Patienten mit Leberzirrhose antiviral behandelt werden?

Hintergrund

Eine antivirale Therapie bei Patienten mit Leberzirrhose verringert das Risiko einer Dekompensation und die Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms (Evidenz 1a) * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280 Gelingt es, mit einer antiviralen Therapie die Virusreplikation dauerhaft zu supprimieren, ist das Überleben von Patienten mit Leberzirrhose verbessert (Evidenz 2a) * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280.

Eine retrospektive Studie hat Patienten mit Zirrhose und einer nachweisbaren HBV-DNA <2.000 IU/ml mit und ohne Therapie analysiert und zeigte ein geringeres HCC-Risiko bei Patienten mit Therapie. Allerdings hatten die therapierten Patienten andere Eigenschaften und höhere HBV-DNA-Werte als die nicht behandelten Patienten (Evidenz 3b) * Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, et.al. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology, 2015. 62(3): p. 694-701., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27889.

Patienten mit Leberzirrhose, die nach 11-32 Monaten Therapie mit ETV weiterhin eine HBV-DNA >80 IU/ml aufwiesen, hatten im weiteren Verlauf ein höheres Risiko für die Entwicklung eines HCC, Dekompensation oder Tod (Evidenz 3b) * Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, et.al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut, 2012. 62(5): p. 760-765., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2012-302024.
Bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose war eine nachweisbare HBV-DNA (> 20 IU/ml) nach einem Jahr Therapie mit ETV mit einem höheren HCC-Risiko verbunden. Eine „low level viremia“ (>12 aber <2.000 IU/ml) während einer Therapie mit Entecavir über 1 bis 8,7 Jahre war in einer großen asiatischen Studie auch bei Patienten mit kompensierter Leberzirrhose mit einem höheren HCC-Risiko assoziiert (Evidenz 2b) * Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, et.al. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology, 2016. 66(2): p. 335-343., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28916* Kim, Soon Sun, Hwang, Jae Chul, Lim, Sun Gyo, Ahn, Seon Joo, Cheong, Jae Youn, Cho, Sung Won, Effect of Virological Response to Entecavir on the Development of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Viral Cirrhotic Patients: Comparison Between Compensated and Decompensated Cirrhosis. American Journal of Gastroenterology, 2014. 109(8): p. 1223-1233., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2014.145.

Auf Basis dieser Daten empfehlen auch die EASL- und AASLD-Leitlinien, dass Patienten mit Leberzirrhose bei positiver HBV-DNA, unabhängig von einem Grenzwert und unabhängig der ALT, antiviral behandelt werden sollen, wobei die AASLD-Leitlinien einen höheren Empfehlungsgrad bei Patienten mit dekompensierter Lebverzirrhose aussprechen (siehe Empfehlung 4.4) * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800.

Literatur

[1]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., et al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 284-306

[2]

Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, Lee, Joon Hyeok, Koh, Kwang Cheol, Yoo, Byung Chul, Paik, Seung Woon. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology 2015; 62: 694-701

[3]

Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, Hofmann, Wolf Peter, Petersen, Joerg, Fasano, Massimo, Buti, Maria, Berg, Thomas, Hansen, Bettina E., et al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut 2012; 62: 760-765

[4]

Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, Lee, Joon Hyeok, Koh, Kwang Cheol, Paik, Seung Woon. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology 2016; 66: 335-343

[5]

Kim, Soon Sun, Hwang, Jae Chul, Lim, Sun Gyo, Ahn, Seon Joo, Cheong, Jae Youn, Cho, Sung Won. Effect of Virological Response to Entecavir on the Development of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Viral Cirrhotic Patients: Comparison Between Compensated and Decompensated Cirrhosis. American Journal of Gastroenterology 2014; 109: 1223-1233

[6]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[7]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[8]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

Evidenzbasierte Empfehlung 5.32

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Als Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 5.33

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei der Auswahl der Nukleosid- oder Nukleotidanaloga sollen Vortherapien und Komorbidität (MELD-Score, Niereninsuffizienz, Osteopenie, Osteoporose) berücksichtigt werden. Eine PEG-IFN-Therapie kann bei Patienten mit Child-A Zirrhose eingesetzt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.34

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh B und C) sollen Nukleosid- oder Nukleotidanaloga eingesetzt werden.

Konsensbasiertes Statement 5.35

Neu 2020

Starker Konsens


(PEG-) Interferon alfa ist kontraindiziert.

Wie sollen HBV-Patienten mit Leberzirrhose antiviral behandelt werden?

Hintergrund

Bei Patienten mit Leberzirrhose war das Auftreten einer antiviralen Resistenz gegen die NA-Therapie in einer asiatischen Studie mit einer höheren Rate klinischer Komplikationen (Evidenz 1b) und in einer italienischen Studie mit einem verminderten Gesamtüberleben assoziiert (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Daher soll gemäß intrenationaler Leitlinien das Risiko einer Resistenz durch die primäre Auswahl einer Substanz mit einer hohen Resistenzbarriere minimiert werden * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156. Die Auswahl von ETV, TDF oder TAF richtet sich nach Vortherapien und Komorbidität wie unter Empfehlung 5.4-5.5 beschrieben.

Die Therapie mit PEG-IFN ist bei Patienten mit F4-6 Fibrose (fortgeschrittene Fibrose und kompensierte Leberzirrhose) möglich und nicht weniger effektiv als bei Patienten ohne fortgeschrittene Fibrose. Eine europäische Studie hatte sogar eine etwas bessere Ansprechrate bei HBeAg-positiven Patienten beobachtet (Evidenz 2b) * Buster, Erik H. C. J., Hansen, Bettina E., Buti, Maria, Delwaide, Jean, Niederau, Claus, Michielsen, Peter P., et.al. Peginterferon alpha-2b is safe and effective in HBeAg-positive chronic hepatitis B patients with advanced fibrosis. Hepatology, 2007. 46(2): p. 388-394., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21723* Charatcharoenwitthaya, Phunchai, Sukeepaisarnjaroen, Wattana, Piratvisuth, Teerha, Thongsawat, Satawat, Sanpajit, Theeranun, Chonprasertsuk, Soonthorn, et.al. Treatment outcomes and validation of the stopping rule for response to peginterferon in chronic hepatitis B: A Thai nationwide cohort study. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2016. 31(11): p. 1874-1881., http://dx.doi.org/10.1111/jgh.13378.

Bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose im Stadium Child-Pugh B und C kann die Behandlung mit Interferon alfa zu einer weiteren Verschlechterung der Leberfunktion führen. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Der Nutzen der Therapie mit NA bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose ist unter Empfehlung 5.4-5.5 beschrieben.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[3]

Buster, Erik H. C. J., Hansen, Bettina E., Buti, Maria, Delwaide, Jean, Niederau, Claus, Michielsen, Peter P., et al. Peginterferon alpha-2b is safe and effective in HBeAg-positive chronic hepatitis B patients with advanced fibrosis. Hepatology 2007; 46: 388-394

[4]

Charatcharoenwitthaya, Phunchai, Sukeepaisarnjaroen, Wattana, Piratvisuth, Teerha, Thongsawat, Satawat, Sanpajit, Theeranun, Chonprasertsuk, Soonthorn, Jeamsripong, Woramon, Sripariwuth, Ekawee, Komolmit, Piyawat, Patcharatrakul, Tanisa, Boonsirichan, Rattana, Bunchorntavakul, Chalermrat, Tuntipanichteerakul, Supoj, Tanwandee, Tawesak. Treatment outcomes and validation of the stopping rule for response to peginterferon in chronic hepatitis B: A Thai nationwide cohort study. Journal of Gastroenterology and Hepatology 2016; 31: 1874-1881

5.10. Wie sollen Patienten mit extrahepatischen Manifestationen behandelt werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 5.36

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit extrahepatischen Manifestationen einer Hepatitis-B-Virus-Infektion sollten mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga behandelt werden.

WiesollenPatientenmitextrahepatischenManifestationenbehandeltwerden?

Hintergrund

Kontrollierte Studien zur Therapie von extrahepatischen Manifestationen einer Hepatitis-B-Virusinfektion sind nicht durchgeführt worden. Es gibt allerdings zahlreiche Fallberichte, die eine Besserung der Symptomatik durch eine erfolgreiche Therapie beschrieben haben (Evidenz 4) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Da IFN bzw. PEG-IFN potenziell Autoimmunerkrankungen auch verschlechtern kann, wird primär der Einsatz von Nukleosidanaloga oder Nukleotidanaloga (NA) empfohlen (Evidenz 4) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Evidenzbasierte Empfehlung 5.37

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Therapie sollte in diesem Fall mindestens bis 12 Monate nach Abklingen der Symptome fortgesetzt werden. Generell sollen die Regeln zur Therapiebeendigung wie unter „Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?“ angewendet werden.

Wie sollen Patienten mit extrahepatischen Manifestationen behandelt werden.

Hintergrund

Die Behandlungsdauer mit NA ist nicht in klinischen Studien untersucht worden. Aufgrund von Erfahrungen der Experten wird aber eine Fortsetzung der Behandlung für mindestens 12 Monate nach Abklingen der Symptome empfohlen, wobei vielfach eine Dauertherapie notwendig ist (Evidenz 4) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

5.11. Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?

Konsensbasierte Empfehlung 5.38

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Therapie einer chronischen Hepatitis B-Virusinfektion mit pegyliertem Interferon alfa bei Hämodialyse-Patienten soll aufgrund der erhöhten Nebenwirkungsrate und der geringen Studiendaten und verfügbarer Alternativen nicht erfolgen.

Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?

Hintergrund

Eine Therapie mit PEG-IFNa-2a ist prinzipiell möglich bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Dialyse. Allerdings liegen hier nur wenige Daten insbesondere bei Patienten mit chronischer Hepatitis C vor und die Therapie war in diesem meist multimorbiden Kollektiven mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbunden (Evidenz 4) * Campistol, Josep M., Esforzado, Nuria, Martínez, Joaquim, Roselló, Lluís, Veciana, Lluís, Modol, Josep, et.al. Efficacy and tolerance of interferon-α2b in the treatment of chronic hepatitis C virus infection in haemodialysis patients. Pre- and post-renal transplantation assessment. Nephrology Dialysis Transplantation, 1999. 14(11): p. 2704-2709., http://dx.doi.org/10.1093/ndt/14.11.2704* Chan, Tak Mao, Ho, Stephen K. N., Tang, Colin S. O., Tse, Kai Chung, Lam, Man Fai, Lai, Kar Neng, et.al. Pilot study of pegylated interferon‐alpha 2a in dialysis patients with chronic hepatitis C virus infection. Nephrology, 2006. 12(1): p. 11-17., http://dx.doi.org/10.1111/j.1440-1797.2006.00662.x.

Literatur

[1]

Campistol, Josep M., Esforzado, Nuria, Martínez, Joaquim, Roselló, Lluís, Veciana, Lluís, Modol, Josep, Casellas, Joan, Pons, Mercé, de las Cuevas, Xavier, Piera, Jordi, Oliva, Josep A., Costa, Josep, Barrera, Josep Maria, Bruguera, Miquel. Efficacy and tolerance of interferon-α2b in the treatment of chronic hepatitis C virus infection in haemodialysis patients. Pre- and post-renal transplantation assessment. Nephrology Dialysis Transplantation 1999; 14: 2704-2709

[2]

Chan, Tak Mao, Ho, Stephen K. N., Tang, Colin S. O., Tse, Kai Chung, Lam, Man Fai, Lai, Kar Neng, Yung, Susan. Pilot study of pegylated interferon‐alpha 2a in dialysis patients with chronic hepatitis C virus infection. Nephrology 2006; 12: 11-17

Evidenzbasierte Empfehlung 5.39

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Aufgrund der häufigen Komorbiditäten von Dialysepatienten soll eine antivirale Therapie mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga bevorzugt werden. Bei allen NA soll konsequent die Dosisanpassung an die Nierenfunktion beachtet werden.

Wie sollen Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Dialysepatienten behandelt werden?

Hintergrund

Bisher liegen keine größeren kontrollierten Studien zur Therapie der chronischen HBV-Infektion mit NA bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Dialysepatienten vor. Alle NA werden renal eliminiert. Dennoch ist ein Einsatz bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion entsprechend der jeweils angegebenen Dosisanpassungen als sicher einzustufen (Evidenz 3a) * Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., Strasser, S. I., Schindler, R., Berg, T., Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in HBV‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(1): p. 16-34., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13659 * Coppolino, Giuseppe, Simeoni, Mariadelina, Summaria, Chiara, Postorino, Maria Concetta, Rivoli, Laura, Strazzulla, Alessio, et.al. The case of chronic hepatitis B treatment with tenofovir: an update for nephrologists. Journal of Nephrology, 2015. 28(4): p. 393-402., http://dx.doi.org/10.1007/s40620-015-0214-0.

Eine Therapie mit Adefovir führte in einigen Studien zu einem Abfall der GFR und proximaler tubulärer Dysfunktion, die eine Hypophasphatämie zur Folge hatte (Evidenz 3b) * Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., Trinh, Huy N., Vu, Andrew A., Nguyen, Huy A., et.al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology, 2009. 50(3): p. 727-734., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23044. Ebenso wurden Fälle von Osteomalazie beschrieben (vermehrt bei der höheren Dosis von 30mg). Wie unter Empfehlung 5.6 empfohlen, soll Adefovir überhaupt nicht mehr zur Therapie der chronischen Hepatitis B eingesetzt werden, da Alternativen verfügbar sind.

Auch die Behandlung mit Tenofovir (TDF) war in einigen Kohorten mit einem Abfall der GFR assoziiert und einige Fälle von Fanconi-Syndromen wurden beschrieben (siehe „Was ist bei Langzeittherapie mit Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga zu beachten?“). Meist wurden die schweren renalen Nebenwirkungen bei HIV-koinfizierten Patienten beschrieben. Ein möglicher Grund können Komorbidität und Komedikation in diesen Kohorten sein, die möglichweise zu erhöhten TDF-Wirkstoffspiegel geführt haben. In größeren Real-World-Kohorten waren die renalen Nebenwirkungen von TDF jedoch gering (auch bei HIV-Kohorten). Aufgrund von Alternativen sollte TDF aber bei Patienten mit bereits bestehender Niereninsuffizienz (GFR<60ml/min) oder Hypophosphatämie < 2mg/dl nicht mehr eingesetzt werden. Mit Tenofovir Alafenamid (TAF) steht seit 2017 eine Alternative zur Verfügung, wenn Lamivudin, Telbivudin, Entecavir aufgrund der Resistenzlage nicht möglich sind. In den Phase-III-Zulassungsstudien kam es zu keiner Verschlechterung der GFR während 96 Wochen TAF-Therapie, während die GFR mit TDF leicht, aber signifikant stärker abgefallen war (Evidenz 1b). * Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, et.al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2018. 68(4): p. 672-681., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.039Es gibt Daten (v.a. aus der HIV-Behandlung), die die Sicherheit bei Patienten mit Niereninsuffizienz belegen. Eine Dosisanpassung ist erst bei einer GFR <15ml/min erforderlich (Tabelle „Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation“).

Entecavir führt nicht oder nur minimal zu einer Reduktion der GFR. Eine Dosisreduktion sollte bei einer GFR <50ml/min vorgenommen werden. Es gibt keine Daten, ob die auch bei einer GFR <50ml/min weiterhin empfohlene doppelte ETV-Dosis bei Lamivudinresistenz (Tabelle „Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation“) zu vermehrten Nebenwirkungen führt.
Für Lamivudin liegen die längsten Erfahrungen bei Patienten mit Niereninsuffizienz vor. Wie unter Empfehlung 5.8 diskutiert, sollte Lamivudin aufgrund der Resistenzentwicklung nicht mehr oder nur noch bei sehr niedriger Ausgangsviruslast eingesetzt werden.

Prinzipiell gilt die gleiche Empfehlung für Telbivudin. Allerdings ist Telbivudin die einzige Substanz, die zu einer Verbesserung der GFR (nach Cockroft-Gault) während der Therapie geführt hat * Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, et.al. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2014. 146(1): p. 138-146.e5., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2013.09.031* Cholongitas, E., Vasiliadis, T., Goulis, I., Fouzas, I., Antoniadis, N., Papanikolaou, V., et.al. Telbivudine is associated with improvement of renal function in patients transplanted for HBV liver disease. Journal of Viral Hepatitis, 2014. 22(7): p. 574-580., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12362 (siehe auch Empfehlung 5.4-5.5). Der Mechanismus der potenziell nephroprotektiven Wirkung und der klinische Nutzen sind bislang unklar. Daher kann Telbivudin bei Niereninsuffizienz nicht generell als Therapiekonzept empfohlen werden.

Anmerkung: Telbivudin ist mittlerweile in Deutschland vom Markt genommen und daher nicht mehr in Tabelle „Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation“ aufgeführt.

Literatur

[1]

Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., et al. Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in <scp>HBV</scp>‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 44: 16-34

[2]

Coppolino, Giuseppe, Simeoni, Mariadelina, Summaria, Chiara, Postorino, Maria Concetta, Rivoli, Laura, Strazzulla, Alessio, Torti, Carlo, Fuiano, Giorgio. The case of chronic hepatitis B treatment with tenofovir: an update for nephrologists. Journal of Nephrology 2015; 28: 393-402

[3]

Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., et al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology 2009; 50: 727-734

[4]

Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Izumi, Namiki, Chuang, Wan–Long, Bae, Ho, Sharma, Manoj, Janssen, Harry L. A., Pan, Calvin Q., Çelen, Mustafa Kemal, Furusyo, Norihiro, Shalimar, Dr, Yoon, Ki Tae, Trinh, Huy, Flaherty, John F., et al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology 2018; 68: 672-681

[5]

Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, Wang, Yuming, Papatheodoridis, George, Di Bisceglie, Adrian, Buti, Maria, Samuel, Didier, Uddin, Alkaz, Bosset, Sophie, Trylesinski, Aldo. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology 2014; 146: 138-146.e5

[6]

Cholongitas, E., Vasiliadis, T., Goulis, I., et al. Telbivudine is associated with improvement of renal function in patients transplanted for HBV liver disease. Journal of Viral Hepatitis 2014; 22: 574-580

Tabelle 10: Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation.

SubstanzStandarddosisKreatininclearance ml/minBemerkung
Lamivudin30–5015–305–15< 5Lösung (5 mg/ml)
verfügbar zur
Dosisanpassung
Lamivudin100 mg50 mg25 mg15 mg10 mgLösung (5 mg/ml)
verfügbar zur
Dosisanpassung
EntecavirUnbehandeltePatienten30–4910–29< 10/DialyseLösung (0,05 mg/ml)
verfügbar zur
Dosisanpassung.
Bei Dialyse Einnahme
nach der Dialyse
EntecavirUnbehandeltePatienten0,5 mg0,25 mg oder
0,5 mg alle
48 Stunden
0,15 mg
oder
0,5 mg alle
72 Stunden
0,05 mg oder0,5 mg alle5–7 TageLösung (0,05 mg/ml)
verfügbar zur
Dosisanpassung.
Bei Dialyse Einnahme
nach der Dialyse
EntecavirMit Lamivudin vorbehandelte Patienten1 mg0,5 mg0,3 mg
oder
0,5 mg alle
48 Stunden
0,1 mg oder 0,5 mgalle 72 StundenLösung (0,05 mg/ml)
verfügbar zur
Dosisanpassung.
Bei Dialyse Einnahme
nach der Dialyse
Tenofovir disoproxil-fumarat30–4910–29DialyseBei Dialyse Einnahme
nach der Dialyse
Tenofovir disoproxil-fumarat245 mgalle 48 halle
72–96 h
alle 7 TageBei Dialyse Einnahme
nach der Dialyse
Tenofovir alafenamid hemifumaratDialyse* Keine Dosierungsempf.
für Pat. mit einer CrCl
< 15 ml/min ohne
Hämodialyse
Tenofovir alafenamid hemifumarat25 mg* (Einnahme nachDialyse)* Keine Dosierungsempf.
für Pat. mit einer CrCl
< 15 ml/min ohne
Hämodialyse

5.12. Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Evidenzbasierte Empfehlung 5.40

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei HBsAg-positiven Patientinnen soll eine regelmäßige (mindestens alle 3 Monate) Bestimmung von ALT und HBV-DNA während der Schwangerschaft und mindestens bis 6 Monate nach Entbindung durchgeführt werden.

[NKLM]

Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Hintergrund

In seltenen Fällen sind Aktivierungen der Hepatitis B während einer Schwangerschaft beschrieben worden, die in einzelnen Fällen zum akuten Leberversagen führten (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle normalisieren sich hingegen die Transaminasen während einer Schwangerschaft (Evidenz 3a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Allerdings sind Schübe der Hepatitis in den ersten 3 bis 6 Monaten nach der Entbindung nicht ungewöhnlich (Evdienz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Eine neuere Studie hat festgestellt, dass die ALT-Flares postpartum mit der Höhe der HBV-DNA zu Beginn der Schwangerschaft korrelieren (Evidenz 2b) * Liu, Jinfeng, Wang, Jing, Qi, Caijing, Cao, Furong, Tian, Zhen, Guo, Dandan, et.al. Baseline Hepatitis B Virus Titer Predicts Initial Postpartum Hepatic Flare. Journal of Clinical Gastroenterology, 2018. 52(10): p. 902-907., http://dx.doi.org/10.1097/mcg.0000000000000877.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Liu, Jinfeng, Wang, Jing, Qi, Caijing, Cao, Furong, Tian, Zhen, Guo, Dandan, Yan, Taotao, Li, Qian, Yang, Shujuan, Fu, JianJun, Tang, Xianmei, Kou, Xiaoni, Liu, Na, Jiang, Zicheng, Zhao, Yingren, Chen, Tianyan. Baseline Hepatitis B Virus Titer Predicts Initial Postpartum Hepatic Flare. Journal of Clinical Gastroenterology 2018; 52: 902-907

Evidenzbasierte Empfehlung 5.41

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Sollte eine Patientin während einer antiviralen Therapie schwanger werden, soll die Behandlungsindikation überprüft werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.42

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit Lamivudin (LAM), Telbivudin (TVD) oder Tenofovir (TDF) kann fortgesetzt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.43

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit pegyliertem Interferon alfa soll abgesetzt bzw. umgestellt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 5.44

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine bestehende Therapie mit Entecavir oder Adefovir soll umgestellt werden. 

Konsensbasierte Empfehlung 5.45

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Umstellung sollte auf Tenofovir (TDF) erfolgen.

Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Hintergrund

Bei der Abwägung von Nutzen und Risiken einer antiviralen Therapie während der Schwangerschaft sind potenzielle Gefährdungen für das Neugeborene und mögliche Risiken für die schwangere Patientin zu unterscheiden. In jedem Falle ist bei bereits bekannter oder neu diagnostizierter Hepatitis-B-Virusinfektion die Behandlungsindikation für die Schwangere zu überprüfen.

Lamivudin, Entecavir und Adefovir sind als sog. „C“-Drugs von der FDA klassifiziert, in Deutschland wird eine strenge Indikation zum Einsatz in der Schwangerschaft der Gruppe 6 angegeben. Demgegenüber werden Tenofovir und Telbivudin als „B“-Drug bzw. „Gruppe-4-Medikament“ klassifiziert. Die Klassifizierung als „B-Substanz/Klasse-4-Medikament“ bedeutet, dass sich aus Tierversuchen keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Fetus ableiten ließen, ohne dass jedoch geeignete, kontrollierte Studien beim Menschen vorliegen. Die Klassifizierung als „C-Substanz/Klasse-6-Medikament“ bedeutet, dass sich in Tierversuchen Nebenwirkungen gezeigt haben. Ausreichende klinische Daten aus klinischen Studien und großen Schwangerschaftsregistern liegen bisher für Lamivudin, Telbivudin und Tenofovir (TDF) vor. Hierbei zeigte sich für diese Substanzen kein erhöhtes Risiko für fötale Missbildungen, auch wenn die Substanzen bereits im ersten Trimenon eingesetzt wurden (Evidenz 2a) * Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302* Shang, J., Wen, Q., Wang, C. C., Liu, K., Bai, L., Tang, H., Safety and efficacy of telbivudine for chronic hepatitis B during the entire pregnancy: Long‐term follow‐up. Journal of Viral Hepatitis, 2017. 24(S1): p. 43-48., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12785

Für TAF ist die Datenlage bislang noch unzureichend * Antiretroviral Pregnancy Registry Interim Report for 1 January 1989 – 31. http://www.apregistry.com 2020; Im Internet: http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0033354918800466., January 2020*.

Bestehende Therapien mit Lamivudin, Telbivudin oder Tenofovir (TDF) brauchen bei eindeutiger Therapieindikation (fortgeschrittene Fibrose oder Zirrhose) nicht unterbrochen zu werden, da das potenzielle Risiko für den Fötus durch die Medikamentengabe nicht im Verhältnis zu dem Risiko eines Hepatitis-Flares nach Absetzen einer antiviralen Therapie steht. Therapien mit Adefovir und Entecavir sollten auf Tenofovir (TDF) umgestellt werden.

Literatur

[1]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia. Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology 2018; 18:

[2]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., et al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 319-333

[3]

Shang, J., Wen, Q., Wang, C. C., et al. Safety and efficacy of telbivudine for chronic hepatitis B during the entire pregnancy: Long‐term follow‐up. Journal of Viral Hepatitis 2017; 24: 43-48

[4]

. Antiretroviral Pregnancy Registry Interim Report for 1 January 1989 – 31. http://www.apregistry.com 2020; Im Internet: http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0033354918800466. January 2020*; :

Konsensbasierte Empfehlung 5.46

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Konsens


Wurde bisher keine antivirale Therapie durchgeführt, soll eine Therapie während der Schwangerschaft angeboten werden bei:
a) Aktiver Hepatitis, gemäß den Empfehlungen für nicht schwangere Frauen.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.47

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Konsens


b) Vorliegen einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/mL, um das Risiko einer vertikalen Transmission (Mutter-Kind Übertragung) zu reduzieren.

[NKLM, Klug entscheiden]

Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Hintergrund

Eine vertikale HBV-Transmission (Mutter-Kind Übertragung) ist trotz adäquat durchgeführter aktiv-passiver Simultanimpfung des Neugeborenen (siehe „Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?“) bei hochvirämischen Müttern möglich. In verschiedenen Kohorten betrug das Übertragungsrisiko bei Müttern mit einer HBV-Viruslast > 107–108 IU/ml bis zu 32% (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Durch eine Reduktion der Viruslast (<200.000 IU/ml) mittels antiviraler Therapie lässt sich dieses Risiko reduzieren (Evidenz 1a) * Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, et.al. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports, 2018. 8(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-018-33833-w* Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660* Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302.
Bislang gibt es keine Evidenz, dass bei einer HBV-DNA <200.000 IU/ml eine vertikale Transmission auftritt (Evidenz 2a) * Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302.

Daher sollte bei einer HBV-DNA <200.000 IU/ml auch keine antivirale Therapie mit dem Ziel der perinatalen Transmissionsverhinderung begonnen werden. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156
Eine Placebo-kontrollierte Studie mit jeweils 147 Patienten in jeder Gruppe (Placebo versus Tenofovir (TDF) zeigte allerdings keinen signifikanten Unterschied bzgl. des Transmissionsrisikos. Allerdings ist bei keiner der mit Tenofovir (TDF) behandelten Mütter eine Infektion des Kindes aufgetreten. Alle (drei) Mutter-zu-Kind-Übertragungen traten in der Placebogruppe auf. * Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., Decker, L., Khamduang, W., Tierney, C., et.al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest, 2018. 38(3): p. 151-152., http://dx.doi.org/10.1097/01.aoa.0000542373.42105.69

Kontrovers ist die Antwort auf die Frage, ob eine Sectio das Risiko einer vertikalen Transmission reduzieren kann. Ein systematisches Review von 30 Datensätzen (9.906 Fälle), mit allerdings sehr heterogener Datenlage, kam zum Schluss, dass das relative Risiko für die Entwicklung einer HBV-Infektion nach (elektiver) Sectio gegenüber einer vaginalen Geburt verringert ist (OR 0,51) (Evidenz 3a) * Yang, Mei, Qin, Qin, Fang, Qiong, Jiang, Lixin, Nie, Shaofa, Cesarean section to prevent mother-to-child transmission of hepatitis B virus in China: A meta-analysis. BMC Pregnancy and Childbirth, 2017. 17(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12884-017-1487-1.

Ein anderes systemisches Review (18 Studien, 11.446 Fälle) konnte die Ergebnisse nicht bestätigen, wobei die Autoren darauf hinweisen, dass bei einer hohen HBV-DNA (>200.000 IU/ml) die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren sind (Evidenz 3a) * Chen, Hong-Lin, Cai, Ji-Yu, Song, Yi-Ping, Zha, Man-Li, Qin, Gang, Vaginal delivery and HBV mother to child transmission risk after immunoprophylaxis: A systematic review and a meta-analysis. Midwifery, 2019. 74: p. 116-125., http://dx.doi.org/10.1016/j.midw.2019.03.024.
In der Tat deutet eine Studie mit 1409 Fällen darauf hin, dass die Sectio bei einer HBV-DNA >200.000 IU/ml einen Nutzen hat (Evidenz 3b) * Pan, Calvin Q., Zou, Huai-Bin, Chen, Yu, Zhang, Xiaohui, Zhang, Hua, Li, Jie, et.al. Cesarean Section Reduces Perinatal Transmission of Hepatitis B Virus Infection From Hepatitis B Surface Antigen–Positive Women to Their Infants. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2013. 11(10): p. 1349-1355., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2013.04.026.

Die analysierten Studien waren meist aus China. Der Zeitpunkt der aktiven und passiven Impfung des Neugeborenen nach der Geburt spielt hier eine wichtige Rolle (optimal innerhalb der ersten 4-6 Stunden, siehe „Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?“). Inwiefern die Ergebnisse daher auf Deutschland übertragen werden können, ist unklar.

Eine generelle Empfehlung zur Sectio kann daher nicht gegeben werden. Sollte die HBV-DNA zum Zeitpunkt der Geburt >200.000 IU/ml liegen, kann eine Sectio mit der Schwangeren (Nutzen/Risikoabwägung) besprochen werden.

*Die Gegenstimmen kritisierten die Formulierung „soll eine Therapie während der Schwangerschaft angeboten werden“. Die Formulierung wurde als zu schwach interpretiert. Die Formulierung „soll eine Therapie während der Schwangerschaft durchgeführt werden“ wurde vorgeschlagen. Die Formulierung „angeboten werden“ wurde mehrheitlich beschlossen und soll auf die besondere Aufklärungspflicht einer medikamentösen Therapie bei Schwangeren hinweisen.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia. Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology 2018; 18:

[3]

Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, Liu, Keying, Zhang, Lingyan, Chen, Dunjin, Wu, Yongzheng, Bai, Guiqin. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports 2018; 8:

[4]

Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, Zhang, Huaihong, Zou, Huaibin, Zhu, Baoshen, Zhao, Wenjing, Jiang, Hongxiu. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine 2016; 374: 2324-2334

[5]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., et al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 319-333

[6]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[7]

Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., et al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest 2018; 38: 151-152

[8]

Yang, Mei, Qin, Qin, Fang, Qiong, Jiang, Lixin, Nie, Shaofa. Cesarean section to prevent mother-to-child transmission of hepatitis B virus in China: A meta-analysis. BMC Pregnancy and Childbirth 2017; 17:

[9]

Chen, Hong-Lin, Cai, Ji-Yu, Song, Yi-Ping, Zha, Man-Li, Qin, Gang. Vaginal delivery and HBV mother to child transmission risk after immunoprophylaxis: A systematic review and a meta-analysis. Midwifery 2019; 74: 116-125

[10]

Pan, Calvin Q., Zou, Huai-Bin, Chen, Yu, Zhang, Xiaohui, Zhang, Hua, Li, Jie, Duan, Zhongping. Cesarean Section Reduces Perinatal Transmission of Hepatitis B Virus Infection From Hepatitis B Surface Antigen–Positive Women to Their Infants. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2013; 11: 1349-1355

Evidenzbasierte Empfehlung 5.48

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine Therapie zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung sollte möglichst früh, idealerweise vor der 32. Schwangerschaftswoche aber nach dem 1. Trimenon begonnen werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.49

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Nukleos(t)idanaloga, die bei Schwangeren untersucht wurden, sind Lamivudin, Telbivudin und Tenofovir (TDF). Tenofovir (TDF) sollte bevorzugt eingesetzt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 5.50

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Schwangere soll über die Vorteile und möglichen Risiken der NA-Therapie aufgeklärt werden.

Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Hintergrund

Wird eine Therapie nur zur Reduzierung des vertikalen Transmissionsrisikos durchgeführt, kann die Therapie prinzipiell in allen Phasen der Schwangerschaft (auch im 1. Trimenon) begonnen werden (Evidenz 2a). * Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302
In den meisten Studien wurde die Therapie allerdings in der 28-32. Schwangerschaftswoche gestartet (Evidenz 1b/2a) * Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, et.al. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports, 2018. 8(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-018-33833-w* Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660* Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302.

In der Studie von Pan et al., wurde die Therapie in der 30. bis 32. Woche begonnen, bei 31 von 97 behandelten Müttern war die HBV-DNA bei Geburt noch ≥200.000 IU/mL und es gab 5 Fälle von HBV Mutter-auf-Kind-Übertragungen. * Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660 Daher ist ein Beginn zwischen 1. Trimenon und 28. Schwangerschaftswoche ideal, wie in der WHO Leitlinie empfohlen ist * ():, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32833415/. In Deutschland erfolgt gemäß der Mutterschaftsrichtlinien das Screening auf HBsAg allerdings erst nach der 32. Schwangerschaftswoche (https://www.g-ba.de/downloads/62-492-2130/Mu- RL_2020-02-20_iK_2020-04-28.pdf), sodass eine Therapie erst frühestens nach diesem Zeitpunkt aufgenommen werden könnte. Der Erfolg einer späten Therapieeinleitung (Reduktion der HBV-DNA auf <200.000 IU/ml bis zur Geburt), insbesondere bei Patienten mit hoher Virämie, ist allerdings nicht bekannt. Daher sollte unbedingt die Mutterschaftsrichtlinie geändert werden. Die Untersuchung auf HBsAg sollte möglichst in der 12. Schwangerschaftswoche oder vorher erfolgen.

Real-World-Daten bestätigen den Erfolg und die Sicherheit von Tenofovir (TDF) zur Verhinderung der vertikalen Transmission * Wang, Ming, Bian, Qian, Zhu, Yunxia, Pang, Qiumei, Chang, Lingzhi, Li, Ran, et.al. Real‐world study of tenofovir disoproxil fumarate to prevent hepatitis B transmission in mothers with high viral load. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 49(2): p. 211-217., http://dx.doi.org/10.1111/apt.15064.
Die Dauer der Therapie bei Schwangeren bzw. nach der Geburt ist bislang nicht gut definiert. Eine klare Empfehlung zur Therapiedauer kann nicht ausgesprochen werden. Die begonnene Therapie kann fortgeführt werden und entsprechend den Empfehlungen „Wann kann eine antivirale Therapie der Hepatitis B mit Nukleosid- oder Nukleotidanaloga beendet werden?“ beendet werden. Eine Beendigung kurz nach der Geburt kann ebenso erfolgen, wenn engmaschige Kontrollen gewährleistet sind. Das wird z.B. von der „Chinese Medical Association“ empfohlen * Hou, Jinlin, Wang, Guiqiang, Wang, Fusheng, Cheng, Jun, Ren, Hong, Zhuang, Hui, et.al. Guideline of Prevention and Treatment for Chronic Hepatitis B (2015 Update). Journal of Clinical and Translational Hepatology, 2017. 5(4): p. 297-318., http://dx.doi.org/10.14218/jcth.2016.00019

In den Studien wurde die Therapie meist bis 4 bis 12 Wochen post-partum fortgeführt. Nach Abbruch der Therapie kam es in einigen Fällen zu ALT-Flares. Die Rate der Flares war etwas höher in den Behandlungsgruppen als in den unbehandelten Kontrollen. Die Flares waren meist mild und haben nicht zu einer fulminanten Hepatitis geführt (Evidenz 2a) * Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302* Hou, Jinlin, Cui, Fuqiang, Ding, Yang, Dou, Xiaoguang, Duan, Zhongping, Han, Guorong, et.al. Management Algorithm for Interrupting Mother-to-Child Transmission of Hepatitis B Virus. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2019. 17(10): p. 1929-1936.e1., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2018.10.007. Ein Argument für einen schnellen Abbruch der Therapie nach der Schwangerschaft kann die zuvor fehlende medizinische Indikation sein oder die Sorge der Mutter, dass beim Stillen potenziell für das Kind toxische Medikamente übertragen werden.

Literatur

[1]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., et al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 319-333

[2]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia. Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology 2018; 18:

[3]

Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, Liu, Keying, Zhang, Lingyan, Chen, Dunjin, Wu, Yongzheng, Bai, Guiqin. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports 2018; 8:

[4]

Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, Zhang, Huaihong, Zou, Huaibin, Zhu, Baoshen, Zhao, Wenjing, Jiang, Hongxiu. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine 2016; 374: 2324-2334

[5]

. . ; ():

[6]

Wang, Ming, Bian, Qian, Zhu, Yunxia, Pang, Qiumei, Chang, Lingzhi, Li, Ran, Tiongson, Benjamin C., Zhang, Hua, Pan, Calvin Q.. Real‐world study of tenofovir disoproxil fumarate to prevent hepatitis B transmission in mothers with high viral load. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2018; 49: 211-217

[7]

Hou, Jinlin, Wang, Guiqiang, Wang, Fusheng, Cheng, Jun, Ren, Hong, Zhuang, Hui, Sun, Jian, Li, Lanjuan, Li, Jie, Meng, Qinghua, Zhao, Jingmin, Duan, Zhongping, Jia, Jidong, Tang, Hong, Sheng, Jifang, Peng, Jie, Lu, Fengmin, Xie, Qing, Wei, Lai. Guideline of Prevention and Treatment for Chronic Hepatitis B (2015 Update). Journal of Clinical and Translational Hepatology 2017; 5: 297-318

[8]

Hou, Jinlin, Cui, Fuqiang, Ding, Yang, Dou, Xiaoguang, Duan, Zhongping, Han, Guorong, Jia, Jidong, Mao, Qing, Li, Jie, Li, Zengde, Liu, Zhihua, Wei, Lai, Xie, Qing, Yang, Xizhong, Zhang, Hua, Zhuang, Hui. Management Algorithm for Interrupting Mother-to-Child Transmission of Hepatitis B Virus. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2019; 17: 1929-1936.e1

Konsensbasierte Empfehlung 5.51

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Während der antiviralen Therapie mit den empfohlenen Nukleos(t)idanaloga kann das Kind gestillt werden. 

Konsensbasierte Empfehlung 5.52

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Mutter soll über die bislang wenig bekannten Risiken einer geringen Nukleos(t)idanaloga-Exposition der Kinder aufgeklärt werden.

Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?

Hintergrund

Die Konzentrationen von Lamivudin oder Tenofovir (TDF) scheinen in der Muttermilch sehr gering zu sein. Die TDF-Exposition des Kindes beim Stillen wird im Vergleich zur Exposition in utero als niedriger erachtet (Evidenz 4) * Hu, Xiaotong, Wang, Liming, Xu, Fujie, Guides concerning tenofovir exposure via breastfeeding: A comparison of drug dosages by developmental stage. International Journal of Infectious Diseases, 2019. 87: p. 8-12., http://dx.doi.org/10.1016/j.ijid.2019.07.023* Ehrhardt, S., Xie, C., Guo, N., Nelson, K., Thio, C. L., Breastfeeding While Taking Lamivudine or Tenofovir Disoproxil Fumarate: A Review of the Evidence. Clinical Infectious Diseases, 2014. 60(2): p. 275-278., http://dx.doi.org/10.1093/cid/ciu798.
Es gibt mittlerweile Daten zum Einsatz von TDF als HIV-Therapie bzw. Präexpositionsprophylaxe bei stillenden Frauen. Bislang gibt es keine Sicherheitsbedenken (Evidenz 3a) * Mofenson, Lynne M., Baggaley, Rachel C., Mameletzis, Ioannis, Tenofovir disoproxil fumarate safety for women and their infants during pregnancy and breastfeeding. AIDS, 2017. 31(2): p. 213-232., http://dx.doi.org/10.1097/qad.0000000000001313* Mugwanya, Kenneth K., John-Stewart, Grace, Baeten, Jared, Safety of oral tenofovir disoproxil fumarate-based HIV pre-exposure prophylaxis use in lactating HIV-uninfected women. Expert Opinion on Drug Safety, 2017. 16(7): p. 867-871., http://dx.doi.org/10.1080/14740338.2017.1338271.

Aufgrund der Datenlage sollte im Falle einer Fortführung der TDF-Therapie nicht vom Stillen abgeraten werden.
Sollte die Therapie direkt nach der Geburt dennoch abgesetzt werden, besteht vermutlich kein erhöhtes Risiko der Übertragung des HBV auf das Neugeborene durch das Stillen, sofern die Simultanimpfung des Neugeborenen lege artis (siehe „Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?“) erfolgt ist * Wang, Ming, Bian, Qian, Zhu, Yunxia, Pang, Qiumei, Chang, Lingzhi, Li, Ran, et.al. Real‐world study of tenofovir disoproxil fumarate to prevent hepatitis B transmission in mothers with high viral load. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 49(2): p. 211-217., http://dx.doi.org/10.1111/apt.15064.

Unterstützt werden diese Daten durch die Ergebnisse eines systematischen Reviews. Die Auswertung von 10 Studien konnte bei direkt nach der Geburt geimpften Kindern keine Unterschiede hinsichtlich des HBsAg-Status der Kinder von HBsAg-positiven Müttern feststellen, unabhängig ob sie gestillt wurden oder nicht. Die Autoren geben aber den Hinweis, dass das Stillen bei blutigen Verletzungen der Brustwarze pausiert werden sollte (Evidenz 3a) * Shi, Zhongjie, Breastfeeding of Newborns by Mothers Carrying Hepatitis B Virus. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 2011. 165(9): p. 837., http://dx.doi.org/10.1001/archpediatrics.2011.72.

Literatur

[1]

Hu, Xiaotong, Wang, Liming, Xu, Fujie. Guides concerning tenofovir exposure via breastfeeding: A comparison of drug dosages by developmental stage. International Journal of Infectious Diseases 2019; 87: 8-12

[2]

Ehrhardt, S., Xie, C., Guo, N., et al. Breastfeeding While Taking Lamivudine or Tenofovir Disoproxil Fumarate: A Review of the Evidence. Clinical Infectious Diseases 2014; 60: 275-278

[3]

Mofenson, Lynne M., Baggaley, Rachel C., Mameletzis, Ioannis. Tenofovir disoproxil fumarate safety for women and their infants during pregnancy and breastfeeding. AIDS 2017; 31: 213-232

[4]

Mugwanya, Kenneth K., John-Stewart, Grace, Baeten, Jared. Safety of oral tenofovir disoproxil fumarate-based HIV pre-exposure prophylaxis use in lactating HIV-uninfected women. Expert Opinion on Drug Safety 2017; 16: 867-871

[5]

Wang, Ming, Bian, Qian, Zhu, Yunxia, Pang, Qiumei, Chang, Lingzhi, Li, Ran, Tiongson, Benjamin C., Zhang, Hua, Pan, Calvin Q.. Real‐world study of tenofovir disoproxil fumarate to prevent hepatitis B transmission in mothers with high viral load. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2018; 49: 211-217

[6]

Shi, Zhongjie. Breastfeeding of Newborns by Mothers Carrying Hepatitis B Virus. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 2011; 165: 837

5.13. Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 5.53

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei malignen Grunderkrankungen mit geplanter Chemotherapie oder vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie sollen HBsAg und Anti-HBc bestimmt werden.

[NKLM, Klug entscheiden, Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV]

Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Hintergrund

Die Reaktivierung einer HBV-Infektion ist eine potentiell lebensbedrohliche Komplikation einer Chemotherapie oder einer immunsuppressiven Therapie. Die Inzidenz einer Hepatitis-B-Reaktivierung während bzw. nach Chemotherapie beträgt bei HBsAg-positiven Trägern 15- 50% (Evidenz 2b), nach Knochenmarktransplantation über 75%, wobei auch fulminante Verläufe und Todesfälle beschrieben wurden (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Bei HBsAg-negativen/Anti-HBc-positiven Patienten ist die Reaktivierung insgesamt seltener, jedoch kann in bestimmten Situationen das Reaktivierungsrisiko über 10% betragen (Evidenz 2a) (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Daher sollen alle Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten sollen, auf Anti-HBc und HBsAg getestet werden, idealerweise wird auch Anti-HBs bestimmt. Das entspricht internationalen Leitlinienempfehlungen * Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039* Sarmati, L, Andreoni, M, Antonelli, G, Arcese, W, Bruno, R, Coppola, N, et.al. Recommendations for screening, monitoring, prevention, prophylaxis and therapy of hepatitis B virus reactivation in patients with haematologic malignancies and patients who underwent haematologic stem cell transplantation-a position paper.. Clin Microbiol Infect, 2017. 23 (12)(12): p. 935-940., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28668466/* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Bei Anti-HBc-positiven Patienten (unabhängig vom HBsAg-Status) sollte zusätzlich die HBV-DNA bestimmt werden, um eine okkulte HBV-Infektion auszuschließen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., et al. American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 215-219

[3]

Sarmati, L, Andreoni, M, Antonelli, G, Arcese, W, Bruno, R, Coppola, N, Gaeta, GB, Galli, M, Girmenia, C, Mikulska, M, Pane, F, Perno, CF, Picardi, M, Puoti, M, Rambaldi, A, Svicher, V, Taliani, G, Gentile, G. Recommendations for screening, monitoring, prevention, prophylaxis and therapy of hepatitis B virus reactivation in patients with haematologic malignancies and patients who underwent haematologic stem cell transplantation-a position paper.. Clin Microbiol Infect 2017; 23 (12): 935-940

[4]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Evidenzbasierte Empfehlung 5.54

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1, 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


Die Einschätzung über die Notwendigkeit einer antiviralen Therapie zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung soll abhängig von der vorliegenden Serologie (HBsAg+/Anti-HBc+ oder HBsAg- /Anti-HBc+) und der geplanten medikamentösen Therapie (Risiko-Klasse) erfolgen (Abb. „Algorithmus zur Prävention der Hepatitis-B-Reaktivierung“)

a) sAg+-Patienten mit hohem Risiko (Reaktivierungsrate > 10 %) sollen mit Nukleos(t)idanaloga antiviral behandelt
werden [1, A], Patienten mit moderatem Risiko (Reaktivierungsrate 1–10 %) sollten behandelt werden. HBsAg+-Patienten mit niedrigem Risiko (< 1 %) sollen mindestens alle 8 Wochen kontrolliert werden und können ggfs. auch prophylaktisch antiviral behandelt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.55

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2, 3

Empfehlungsgrad A/B/0

Starker Konsens


b) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten sollten bei geplanter B-Zell depletierender Immunsuppression oder Stammzell-/ Knochenmarktransplantation antiviral behandelt werden; bei Immunsuppression mit moderatem oder niedrigem Reaktivierungsrisiko sollen engmaschige Kontrollen erfolgen  oder es kann eine prophylaktische antivirale Therapie eingesetzt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 5.56

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


c) HBsAg- und Anti-HBc+-Patienten mit geplanter lokaler HCC-Therapie (TACE, perkutan/lokal ablative Verfahren,
Resektion) sollten antiviral zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung behandelt werden.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Hintergrund

Das Risiko einer HBV-Reaktivierung hängt vom serologischen Status des Patienten und von der eingesetzten immunsuppressiven Therapie ab und kann grob in hohes Risiko (>10%), moderat (1-10%) oder niedrig (<1%) eingeteilt werden * Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 221-244.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.038, * Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039.
Prinzipiell gilt, dass HBsAg-positive Patienten ein erheblich höheres Reaktivierungsrisiko verglichen mit HBsAg-negativen/Anti-HBc-positiven Patienten aufweisen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Selbstverständlich ist, dass neben dieser groben Einordnung auch individuelle Faktoren (Alter, Art der Grunderkrankung bzw. des Tumors, Komorbiditäten, Kombination von Immunsuppressiva, Dauer der Immunsuppression, eventuelle begleitende Lebererkrankung etc.) in der Risikoabschätzung berücksichtigt werden müssen.

Zur Einschätzung des Reaktivierungsrisikos in Abhängigkeit von serologischem Status des Patienten und Stärke der immunsuppressiven Therapie gibt es zahlreiche systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen (Evidenz 1a) * Paul, Sonali, Dickstein, Aaron, Saxena, Akriti, Terrin, Norma, Viveiros, Kathleen, Balk, Ethan M., et.al. Role of surface antibody in hepatitis B reactivation in patients with resolved infection and hematologic malignancy: A meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(2): p. 379-388., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29082* Pérez-Alvarez, Roberto, Díaz-Lagares, Cándido, García-Hernández, Francisco, Lopez-Roses, Leopoldo, Brito-Zerón, Pilar, Pérez-de-Lis, Marta, et.al. Hepatitis B Virus (HBV) Reactivation in Patients Receiving Tumor Necrosis Factor (TNF)-Targeted Therapy. Medicine, 2011. 90(6): p. 359-371., http://dx.doi.org/10.1097/md.0b013e3182380a76* Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 221-244.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.038* Voican, C. S., Mir, O., Loulergue, P., Dhooge, M., Brezault, C., Dréanic, J., et.al. Hepatitis B virus reactivation in patients with solid tumors receiving systemic anticancer treatment. Annals of Oncology, 2016. 27(12): p. 2172-2183., http://dx.doi.org/10.1093/annonc/mdw414.
Diese Übersichtsarbeiten bilden die Grundlage der in Abbildung „Algorithmus zur Prävention der Hepatitis-B-Reaktivierung“ dargestellten Risikoklassen und werden in ähnlicher Form auch in internationalen Leitlinienempfehlungen verwendet * Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039* Mallet, Vincent, van Bömmel, Florian, Doerig, Christopher, Pischke, Sven, Hermine, Olivier, Locasciulli, Anna, et.al. Management of viral hepatitis in patients with haematological malignancy and in patients undergoing haemopoietic stem cell transplantation: recommendations of the 5th European Conference on Infections in Leukaemia (ECIL-5). The Lancet Infectious Diseases, 2016. 16(5): p. 606-617., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(16)00118-3.

Dennoch muss darauf hingewiesen werden, dass für viele der teils neueren immunmodulierenden Therapien (z.B. Vedolizumab, Natalizumab, Nivolumab) teils noch sehr wenig Evidenz für das tatsächliche Reaktivierungsrisiko vorliegt. In anderen Fällen gibt es Hinweise, dass das tatsächliche Reaktivierungsrisiko in der Vergangenheit überschätzt wurde. Aus einer großen prospektiv beobachteten „real world“ Kohorte von Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen und langfristiger Biologika-Therapie wird berichtet, dass bei 179 HBsAg-/Anti-HBc+ Patienten trotz verschiedener immunsuppressiver Substanzen (u.a. 146 Patienten erhielten Anti-TNF Therapie) keine einzige HBV-Reaktivierung aufgetreten ist (Evidenz 3b) * Barone, Michele, Notarnicola, Antonella, Lopalco, Giuseppe, Viggiani, Maria Teresa, Sebastiani, Francesco, Covelli, Michele, et.al. Safety of long‐term biologic therapy in rheumatologic patients with a previously resolved hepatitis B viral infection. Hepatology, 2015. 62(1): p. 40-46., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27716.

Im Fall von Methotrexat stuft eine hämatologisch-infektiologische Leitlinie das Reaktivierungsrisiko als „moderat“ ein, basierend auf einer einzelnen retrospektiven Arbeit mit bis zu 5% Reaktivierungen unter Methotrexat bei HBsAg-positiven Patienten * Mallet, Vincent, van Bömmel, Florian, Doerig, Christopher, Pischke, Sven, Hermine, Olivier, Locasciulli, Anna, et.al. Management of viral hepatitis in patients with haematological malignancy and in patients undergoing haemopoietic stem cell transplantation: recommendations of the 5th European Conference on Infections in Leukaemia (ECIL-5). The Lancet Infectious Diseases, 2016. 16(5): p. 606-617., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(16)00118-3.
Eine Meta-Analyse ordnet Methotrexat allerdings recht klar der „niedrigen“ Risikostufe zu (Evidenz 2a) * Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 221-244.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.038.

Schwierigkeiten bereitet auch die korrekte Zuordnung des Reaktivierungsrisikos für moderne personalisierte Krebstherapien. Eine Übersichtsarbeit konnte trotz Analyse aller verfügbaren Studien neuere Substanzen wie mTOR Inhibitoren oder Multikinase-Inhibitoren nicht Evidenz- basiert einordnen (Evidenz 2a) * Voican, C. S., Mir, O., Loulergue, P., Dhooge, M., Brezault, C., Dréanic, J., et.al. Hepatitis B virus reactivation in patients with solid tumors receiving systemic anticancer treatment. Annals of Oncology, 2016. 27(12): p. 2172-2183., http://dx.doi.org/10.1093/annonc/mdw414.

Für sehr neue Substanzklassen wie JAK1/2-Inhibitoren (Ruxolitinib) liegen bislang nur Einzelfallberichte vor (Evidenz 4) * Kirito, Keita, Sakamoto, Minoru, Enomoto, Nobuyuki, Elevation of the Hepatitis B Virus DNA during the Treatment of Polycythemia Vera with the JAK Kinase Inhibitor Ruxolitinib. Internal Medicine, 2016. 55(10): p. 1341-1344., http://dx.doi.org/10.2169/internalmedicine.55.5529* Caocci, G., Murgia, F., Podda, L., Solinas, A., Atzeni, S., La Nasa, G., Reactivation of hepatitis B virus infection following ruxolitinib treatment in a patient with myelofibrosis. Leukemia, 2013. 28(1): p. 225-227., http://dx.doi.org/10.1038/leu.2013.235.
Daher erscheint es aus Sicherheitsgründen sinnvoll, diese Substanzen zunächst als „mittlere Risikosubstanz“ sowohl für HBsAg+ als auch HBsAg-/Anti-HBc+ Patienten einzuordnen.

Das höchste Reaktivierungsrisiko besteht für HBsAg+ oder HBsAg-/Anti-HBc+ Patienten, die eine B-Zell depletierende Therapie (z.B. Rituximab) oder eine Knochenmarks- bzw. Stammzelltransplantation erhalten (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
In diesen Situationen soll vor Einleitung der Immunsuppression eine antivirale Therapie begonnen werden, weil dadurch effektiv Patienten-relevante Endpunkte (Hepatitis, Dekompensation, Unterbrechung der Chemotherapie, Todesfälle) verhindert werden kann (Evidenz 1a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Das entspricht auch den Empfehlungen internationaler Leitlinien * Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.
Für die neuen Immuncheck-Point-Inhibitor (ICI) Therapien (z.B. Nivolumab, Pembrolizumab, Atezolizumab, Ipilimumab u.a.) gibt es bislang nur Einzelfallberichte. Hier gibt es in einstelliger Patientenzahl Berichte über Fälle von HBV-Reaktivierungen, aber auch von HBV-Suppression unter dieser Immuntherapie. * Lee, Pei-Chang, Chao, Yee, Chen, Ming-Huang, Lan, Keng-Hsin, Lee, I. Cheng, Hou, Ming-Chih, et.al. Risk of HBV reactivation in patients with immune checkpoint inhibitor-treated unresectable hepatocellular carcinoma. Journal for ImmunoTherapy of Cancer, 2020. 8(2): p. e001072., http://dx.doi.org/10.1136/jitc-2020-001072* Gane, Edward, Verdon, Daniel J., Brooks, Anna E., Gaggar, Anuj, Nguyen, Anh Hoa, Subramanian, G. Mani, et.al. Anti-PD-1 blockade with nivolumab with and without therapeutic vaccination for virally suppressed chronic hepatitis B: A pilot study. Journal of Hepatology, 2019. 71(5): p. 900-907., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.06.028* Godbert, Benoit, Petitpain, Nadine, Lopez, Anthony, Nisse, Yann-Eric, Gillet, Pierre, Hepatitis B reactivation and immune check point inhibitors. Digestive and Liver Disease, 2021. 53(4): p. 452-455., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2020.08.041* Ekpanyapong, Sirina, Reddy, K. Rajender, Hepatitis B Virus Reactivation. Clinics in Liver Disease, 2020. 24(3): p. 317-333., http://dx.doi.org/10.1016/j.cld.2020.04.002Es wird sogar überlegt, die Immuncheck-Point-Inhibitoren in Zukunft zur Behandlung der chronischen Hepatitis B einzusetzen bzw. mit anderen neuen Medikamenten zu kombinieren, um Hepatitis-B-spezifische Immunantworten zu verbessern und somit die HBsAg-Verlustraten zu erhöhen * Gane, Edward, Verdon, Daniel J., Brooks, Anna E., Gaggar, Anuj, Nguyen, Anh Hoa, Subramanian, G. Mani, et.al. Anti-PD-1 blockade with nivolumab with and without therapeutic vaccination for virally suppressed chronic hepatitis B: A pilot study. Journal of Hepatology, 2019. 71(5): p. 900-907., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.06.028* Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003.
Eine prophylaktische HBV-Therapie sollte analog auch bei HBsAg-positiven Patienten mit moderatem Reaktivierungsrisiko durchgeführt werden (siehe Abbildung) (Evidenz 2a).

In HBsAg-/Anti-HBc+ Patienten ist das Reaktivierungsrisiko, abgesehen von den genannten Hochrisikosituationen (B-Zell-Depletion, Stammzelltransplantation), sehr viel niedriger. Daher ist in diesen Konstellationen eine engmaschige Kontrolle (HBsAg, HBV-DNA und ALT alle 1- 3 Monate) und „präemptive Therapie“, d.h. bei Auftreten von HBsAg oder HBV-DNA (vor Auftreten einer Hepatitis), gerechtfertigt (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

In Sonderfällen, z.B. sehr langfristige Immunsuppression, unzureichende Adhärenz zur engmaschigen Kontrolle oder ungünstige Risikofaktoren (Alter, Tumorentität, begleitende Lebererkrankung o.ä.) kann eine prophylaktische antivirale Therapie durchgeführt werden.

HCC-Therapie: Aktuelle lokale Therapiemodalitäten für das hepatozelluläre Karzinom (HCC) scheinen ein besonderes Risiko für HBV-Reaktivierungen darzustellen (Evidenz 2b). Retrospektive Analysen aus großen asiatischen Kohorten legen nahe, dass sowohl transarterielle Chemoembolisation (vor allem in Kombination mit Radiotherapie oder bei wiederholter Anwendung) als auch chirurgische Resektion ein erhebliches (>10%) Risiko für HBV-Reaktivierung haben, auch in HBsAg-negativen (anti HBc-positiven) Patienten (Evidenz 2b). In diesen retrospektiven Analysen zeigten HCC-Patienten, die eine antivirale Therapie erhielten, weniger Reaktivierungen, weniger Dekompensationen und teilweise auch ein verbessertes Überleben (Evidenz 2b) * Huang, Shengyu, Xia, Yong, Lei, Zhengqing, Zou, Qifei, Li, Jun, Yang, Tian, et.al. Antiviral Therapy Inhibits Viral Reactivation and Improves Survival after Repeat Hepatectomy for Hepatitis B Virus-Related Recurrent Hepatocellular Carcinoma. Journal of the American College of Surgeons, 2017. 224(3): p. 283-293e4., http://dx.doi.org/10.1016/j.jamcollsurg.2016.11.009* Jang, Jeong Won, Kim, Young Woon, Lee, Sung Won, Kwon, Jung Hyun, Nam, Soon Woo, Bae, Si Hyun, et.al. Reactivation of Hepatitis B Virus in HBsAg-Negative Patients with Hepatocellular Carcinoma. PLOS ONE, 2015. 10(4): p. e0122041., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0122041* Lao, Xiang-Ming, Luo, Guangyu, Ye, Liang-Tao, Luo, Cheng, Shi, Ming, Wang, Dian, et.al. Effects of antiviral therapy on hepatitis B virus reactivation and liver function after resection or chemoembolization for hepatocellular carcinoma. Liver International, 2013. 33(4): p. 595-604., http://dx.doi.org/10.1111/liv.12112* Yoo, Sun Hong, Jang, Jeong Won, Kwon, Jung Hyun, Jung, Seung Min, Jang, Bohyun, Choi, Jong Young, Preemptive antiviral therapy with entecavir can reduce acute deterioration of hepatic function following transarterial chemoembolization. Clinical and Molecular Hepatology, 2016. 22(4): p. 458-465., http://dx.doi.org/10.3350/cmh.2016.0054.

Daher ist bei Patienten mit (geplanter) ablativer HCC-Therapie (transarterielle Chemoembolisation, Radiofrequenzablation, Radiotherapie, Resektion) eine prophylaktische antivirale Therapie gerechtfertigt.

Literatur

[1]

Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T.. American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 221-244.e3

[2]

Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., et al. American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 215-219

[3]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[4]

Paul, Sonali, Dickstein, Aaron, Saxena, Akriti, Terrin, Norma, Viveiros, Kathleen, Balk, Ethan M., Wong, John B.. Role of surface antibody in hepatitis B reactivation in patients with resolved infection and hematologic malignancy: A meta‐analysis. Hepatology 2017; 66: 379-388

[5]

Pérez-Alvarez, Roberto, Díaz-Lagares, Cándido, García-Hernández, Francisco, Lopez-Roses, Leopoldo, Brito-Zerón, Pilar, Pérez-de-Lis, Marta, Retamozo, Soledad, Bové, Albert, Bosch, Xavier, Sanchez-Tapias, Jose-Maria, Forns, Xavier, Ramos-Casals, Manuel. Hepatitis B Virus (HBV) Reactivation in Patients Receiving Tumor Necrosis Factor (TNF)-Targeted Therapy. Medicine 2011; 90: 359-371

[6]

Voican, C. S., Mir, O., Loulergue, P., et al. Hepatitis B virus reactivation in patients with solid tumors receiving systemic anticancer treatment. Annals of Oncology 2016; 27: 2172-2183

[7]

Mallet, Vincent, van Bömmel, Florian, Doerig, Christopher, Pischke, Sven, Hermine, Olivier, Locasciulli, Anna, Cordonnier, Catherine, Berg, Thomas, Moradpour, Darius, Wedemeyer, Heiner, Ljungman, Per. Management of viral hepatitis in patients with haematological malignancy and in patients undergoing haemopoietic stem cell transplantation: recommendations of the 5th European Conference on Infections in Leukaemia (ECIL-5). The Lancet Infectious Diseases 2016; 16: 606-617

[8]

Barone, Michele, Notarnicola, Antonella, Lopalco, Giuseppe, Viggiani, Maria Teresa, Sebastiani, Francesco, Covelli, Michele, Iannone, Florenzo, Avolio, Alfonso W., Di Leo, Alfredo, Cantarini, Luca, Lapadula, Giovanni. Safety of long‐term biologic therapy in rheumatologic patients with a previously resolved hepatitis B viral infection. Hepatology 2015; 62: 40-46

[9]

Kirito, Keita, Sakamoto, Minoru, Enomoto, Nobuyuki. Elevation of the Hepatitis B Virus DNA during the Treatment of Polycythemia Vera with the JAK Kinase Inhibitor Ruxolitinib. Internal Medicine 2016; 55: 1341-1344

[10]

Caocci, G., Murgia, F., Podda, L., et al. Reactivation of hepatitis B virus infection following ruxolitinib treatment in a patient with myelofibrosis. Leukemia 2013; 28: 225-227

[11]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[12]

Lee, Pei-Chang, Chao, Yee, Chen, Ming-Huang, Lan, Keng-Hsin, Lee, I. Cheng, Hou, Ming-Chih, Huang, Yi-Hsiang. Risk of HBV reactivation in patients with immune checkpoint inhibitor-treated unresectable hepatocellular carcinoma. Journal for ImmunoTherapy of Cancer 2020; 8: e001072

[13]

Gane, Edward, Verdon, Daniel J., Brooks, Anna E., Gaggar, Anuj, Nguyen, Anh Hoa, Subramanian, G. Mani, Schwabe, Christian, Dunbar, P. Rod. Anti-PD-1 blockade with nivolumab with and without therapeutic vaccination for virally suppressed chronic hepatitis B: A pilot study. Journal of Hepatology 2019; 71: 900-907

[14]

Godbert, Benoit, Petitpain, Nadine, Lopez, Anthony, Nisse, Yann-Eric, Gillet, Pierre. Hepatitis B reactivation and immune check point inhibitors. Digestive and Liver Disease 2021; 53: 452-455

[15]

Ekpanyapong, Sirina, Reddy, K. Rajender. Hepatitis B Virus Reactivation. Clinics in Liver Disease 2020; 24: 317-333

[16]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., Buchholz, Stephanie, Buti, Maria, Chan, Henry L. Y., et al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B – Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology 2020; 72: 539-557

[17]

Huang, Shengyu, Xia, Yong, Lei, Zhengqing, Zou, Qifei, Li, Jun, Yang, Tian, Wang, Kui, Yan, Zhenlin, Wan, Xuying, Shen, Feng. Antiviral Therapy Inhibits Viral Reactivation and Improves Survival after Repeat Hepatectomy for Hepatitis B Virus-Related Recurrent Hepatocellular Carcinoma. Journal of the American College of Surgeons 2017; 224: 283-293e4

[18]

Jang, Jeong Won, Kim, Young Woon, Lee, Sung Won, Kwon, Jung Hyun, Nam, Soon Woo, Bae, Si Hyun, Choi, Jong Young, Yoon, Seung Kew, Chung, Kyu Won. Reactivation of Hepatitis B Virus in HBsAg-Negative Patients with Hepatocellular Carcinoma. PLOS ONE 2015; 10: e0122041

[19]

Lao, Xiang-Ming, Luo, Guangyu, Ye, Liang-Tao, Luo, Cheng, Shi, Ming, Wang, Dian, Guo, Rongping, Chen, Minshan, Li, Shengping, Lin, Xiaojun, Yuan, Yunfei. Effects of antiviral therapy on hepatitis B virus reactivation and liver function after resection or chemoembolization for hepatocellular carcinoma. Liver International 2013; 33: 595-604

[20]

Yoo, Sun Hong, Jang, Jeong Won, Kwon, Jung Hyun, Jung, Seung Min, Jang, Bohyun, Choi, Jong Young. Preemptive antiviral therapy with entecavir can reduce acute deterioration of hepatic function following transarterial chemoembolization. Clinical and Molecular Hepatology 2016; 22: 458-465

Konsensbasierte Empfehlung 5.57

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung sollten vorzugsweise hochpotente Nukleos(t)id-Analoga (Entecavir oder Tenofovir (TAF oder TDF)) eingesetzt werden. Die antivirale Therapie sollte mindestens 6-12 Monate, bei B-Zell depletierenden Medikamenten mindestens 18 Monate nach Beendigung der immunsuppressiven Therapie fortgeführt werden.

ie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?

Hintergrund

Prinzipiell ist eine prophylaktische antivirale Therapie auch mit Lamivudin möglich, wie es in vielen Kohorten erfolgreich beschrieben wurde (Evidenz 2a) * Paul, Sonali, Dickstein, Aaron, Saxena, Akriti, Terrin, Norma, Viveiros, Kathleen, Balk, Ethan M., et.al. Role of surface antibody in hepatitis B reactivation in patients with resolved infection and hematologic malignancy: A meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(2): p. 379-388., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29082* Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 221-244.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.038.
Allerdings ist aus der Primärtherapie mit Lamivudin bekannt, dass häufig Resistenzen auftreten und zudem ist Lamivudin in Hochrisko-Reaktivierungssituationen Entecavir unterlegen (s.o., Evidenz 1b), so dass zur Prophylaxe der HBV-Reaktivierung eine hochpotente antivirale Substanz (Entecavir, Tenofovir) eingesetzt werden sollte. Ein systematisches Review kommt ebenso zu dem Ergebnis, dass Entevacir oder Tenofovir die effektivste Therapieoption zur Verhinderung der HBV-Reaktivierung darstellen. * Huang, He, Li, Xueying, Zhu, Jun, Ye, Sheng, Zhang, Hongyu, Wang, Wei, et.al. Entecavir vs Lamivudine for Prevention of Hepatitis B Virus Reactivation Among Patients With Untreated Diffuse Large B-Cell Lymphoma Receiving R-CHOP Chemotherapy. JAMA, 2014. 312(23): p. 2521., http://dx.doi.org/10.1001/jama.2014.15704* Zhang, Min-Yue, Zhu, Gui-Qi, Shi, Ke-Qing, Zheng, Ji-Na, Cheng, Zhang, Zou, Zhuo-Lin, et.al. Systematic review with network meta-analysis: Comparative efficacy of oral nucleos(t)ide analogues for the prevention of chemotherapy-induced hepatitis B virus reactivation. Oncotarget, 2016. 7(21): p. 30642-30658., http://dx.doi.org/10.18632/oncotarget.8907Auch bei HBsAg-/Anti-HBc+ Patienten gibt es Fallberichte von Lamivudinresistenzen, die zu einem Versagen der Therapie geführt haben (Evidenz 4) * Grossi, Glenda, Viganò, Mauro, Facchetti, Floriana, Labanca, Sara, Loglio, Alessandro, Dodero, Anna, et.al. Failure of long-term lamivudine prophylaxis in patients with resolved hepatitis B infection undergoing chemotherapy and allogenic hematopoietic stem cell transplantation for hematological malignancies: two case reports. Haematologica, 2017. 102(10): p. e423-e426., http://dx.doi.org/10.3324/haematol.2017.168609.

Daher sollte auch zur prophylaktischen und präemptiven Therapie ausschließlich Entecavir oder Tenofovir (TDF oder TAF) eingesetzt werden. Falls keine Therapie durchgeführt wird, sollen die Kontrollen der HBV-DNA alle 2-3 Monate erfolgen. Eine prospektive, randomisierte Studie zeigte, dass ein Kontrollintervall alle 8 Wochen alle HBV-Reaktivierungen bei HBsAg negativen/Anti-HBc positiven Patienten, die mit Rituximab behandelt wurden, rechtzeitig identifizieren konnte. Die präemptive Therapie mit TDF wurde im Anschluss durchgeführt und kein Patient hatte eine HBsAg-Seroreversion (Evidenz 1b) * Buti, María, Manzano, María L., Morillas, Rosa M., García-Retortillo, Montserrat, Martín, Leticia, Prieto, Martín, et.al. Randomized prospective study evaluating tenofovir disoproxil fumarate prophylaxis against hepatitis B virus reactivation in anti-HBc-positive patients with rituximab-based regimens to treat hematologic malignancies: The Preblin study. PLOS ONE, 2017. 12(9): p. e0184550., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0184550.

Zur Dauer einer prophylaktischen antiviralen Therapie (für die oben geschilderten Indikationen) gibt es keine randomisierten prospektiven Studien, so dass die aktuellen Leitlinien empfehlen, die Therapie 6-12 Monate nach Beendigung der immunsuppressiven Therapie fortzuführen * Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Es gibt allerdings Berichte, dass unter B-Zell-depletierender Therapie (Rituximab und ähnliche Substanzen) auch noch nach etwas länger als einem Jahr nach Ende der Chemotherapie eine HBV-Reaktivierung auftreten kann (Evidenz 4) * Nakaya, Aya, Fujita, Shinya, Satake, Atsushi, Nakanishi, Takahisa, Azuma, Yoshiko, Tsubokura, Yukie, et.al. Delayed HBV reactivation in rituximab-containing chemotherapy: How long should we continue anti-virus prophylaxis or monitoring HBV-DNA?. Leukemia Research, 2016. 50: p. 46-49., http://dx.doi.org/10.1016/j.leukres.2016.09.014.
Da die antivirale Therapie sicher und gut verträglich ist, sollte bei B-Zell-depletierender Chemotherapie und Hochrisikokonstellation aus Sicherheitsgründen die prophylaktische Therapie mindestens 18 Monate nach Abschluss der B-Zell-Depletion fortgeführt werden.

Literatur

[1]

Paul, Sonali, Dickstein, Aaron, Saxena, Akriti, Terrin, Norma, Viveiros, Kathleen, Balk, Ethan M., Wong, John B.. Role of surface antibody in hepatitis B reactivation in patients with resolved infection and hematologic malignancy: A meta‐analysis. Hepatology 2017; 66: 379-388

[2]

Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T.. American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 221-244.e3

[3]

Huang, He, Li, Xueying, Zhu, Jun, Ye, Sheng, Zhang, Hongyu, Wang, Wei, Wu, Xiangyuan, Peng, Jiewen, Xu, Bing, Lin, Yingcheng, Cao, Yabing, Li, Haoran, Lin, Suxia, Liu, Qing, Lin, Tongyu. Entecavir vs Lamivudine for Prevention of Hepatitis B Virus Reactivation Among Patients With Untreated Diffuse Large B-Cell Lymphoma Receiving R-CHOP Chemotherapy. JAMA 2014; 312: 2521

[4]

Zhang, Min-Yue, Zhu, Gui-Qi, Shi, Ke-Qing, Zheng, Ji-Na, Cheng, Zhang, Zou, Zhuo-Lin, Huang, Hong-Hui, Chen, Fang-Yuan, Zheng, Ming-Hua. Systematic review with network meta-analysis: Comparative efficacy of oral nucleos(t)ide analogues for the prevention of chemotherapy-induced hepatitis B virus reactivation. Oncotarget 2016; 7: 30642-30658

[5]

Grossi, Glenda, Viganò, Mauro, Facchetti, Floriana, Labanca, Sara, Loglio, Alessandro, Dodero, Anna, Montefusco, Vittorio, Corradini, Paolo, Cafro, Anna, Cairoli, Roberto, Colombo, Massimo, Lampertico, Pietro. Failure of long-term lamivudine prophylaxis in patients with resolved hepatitis B infection undergoing chemotherapy and allogenic hematopoietic stem cell transplantation for hematological malignancies: two case reports. Haematologica 2017; 102: e423-e426

[6]

Buti, María, Manzano, María L., Morillas, Rosa M., García-Retortillo, Montserrat, Martín, Leticia, Prieto, Martín, Gutiérrez, María L., et al. Randomized prospective study evaluating tenofovir disoproxil fumarate prophylaxis against hepatitis B virus reactivation in anti-HBc-positive patients with rituximab-based regimens to treat hematologic malignancies: The Preblin study. PLOS ONE 2017; 12: e0184550

[7]

Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., et al. American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology 2015; 148: 215-219

[8]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[9]

Nakaya, Aya, Fujita, Shinya, Satake, Atsushi, Nakanishi, Takahisa, Azuma, Yoshiko, Tsubokura, Yukie, Hotta, Masaaki, Yoshimura, Hideaki, Ishii, Kazuyoshi, Ito, Tomoki, Nomura, Shosaku. Delayed HBV reactivation in rituximab-containing chemotherapy: How long should we continue anti-virus prophylaxis or monitoring HBV-DNA?. Leukemia Research 2016; 50: 46-49

Algorithmus zur Prävention der Hepatitis-B-Reaktivierung

Sonderfall HBV/HCV-koinfizierte Patienten

Sonderfall HBV/HCV-koinfizierte Patienten (siehe auch Kapitel „Management der relevanten HBV-Koinfektionen“)

Bei HBV/HCV-koinfizierten Patienten besteht das Risiko einer HBV-Reaktivierung nach erfolgreicher Behandlung der HCV-Infektion (siehe Empfehlungen 8.7-8.10).

6. Infektionen mit Hepatitis-B-Viren im Zusammenhang mit Organtransplantationen

T. Berg, K. Herzer, C. Berg, M. Sterneck, B. Maasoumy, N. Aehling, E. Trowe (Selbsthilfe Lebertransplantierter), C. Strassburg, Bonn (DTG)

T. Berg, K. Herzer, C. Berg, M. Sterneck, B. Maasoumy, N. Aehling, E. Trowe (Selbsthilfe Lebertransplantierter), C. Strassburg, Bonn (DTG)

6.1. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Evidenzbasierte Empfehlung 6.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Patienten mit HBV-induzierter Leberzirrhose und/oder HCC und nachweisbarer HBV-DNA sollen umgehend und dauerhaft mit einem hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Hintergrund

Die Prinzipien der antiviralen Therapie bei HBV-infizierten Patienten vor LTx unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen bei Patienten ohne Transplantationsindikation (siehe Empfehlungen und Kommentare Kapitel „Therapie der chronischen Hepatitis B-Virusinfektion“) und entsprechen den Empfehlungen internationaler Leitlinien der EASL und AASLD. * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800

Die Sicherheit und Effektivität der Therapie mit potenten NA (Entecavir und Tenofovir) ist auch im Stadium der dekompensierten Erkrankung hoch. Eine Anpassung an die Nierenfunktion ist erforderlich (Tabelle „Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation.“) und bei Patienten mit einem MELD Score von >22 steigt das Risiko für die Entwicklung einer Lactatazidose unter NA. Aufgrund seines günstigen Nebenwirkungsprofils stellt TAF eine interessante Therapieoption für diese Patientengruppe dar. Allerdings liegen noch keine Daten zum Einsatz von TAF bei dekompensierter Zirrhose vor * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344* Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/* Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361* Liaw, Yun-Fan, Sheen, I. Shyan, Lee, Chuan-Mo, Akarca, Ulus Salih, Papatheodoridis, George V., Suet-Hing Wong, Florence, et.al. Tenofovir disoproxil fumarate (TDF), emtricitabine/TDF, and entecavir in patients with decompensated chronic hepatitis B liver disease. Hepatology, 2010. 53(1): p. 62-72., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23952* Shim, Ju Hyun, Lee, Han Chu, Kim, Kang Mo, Lim, Young-Suk, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, et.al. Efficacy of entecavir in treatment-naïve patients with hepatitis B virus-related decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology, 2010. 52(2): p. 176-182., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2009.11.007.

Literatur

[1]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[2]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[3]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[4]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., et al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 284-306

[5]

Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J.. Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2013; 38: 98-106

[6]

Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, Peng, Cheng-Yuan, Myers, Robert P., Brown, Robert S., Jeffers, Lennox, Tsai, Naoky, Bialkowska, Jolanta, Tang, Shijie, Beebe, Suzanne, Cooney, Elizabeth. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology 2011; 54: 91-100

[7]

Liaw, Yun-Fan, Sheen, I. Shyan, Lee, Chuan-Mo, Akarca, Ulus Salih, Papatheodoridis, George V., Suet-Hing Wong, Florence, Chang, Ting-Tsung, Horban, Andrzej, Wang, Chia, Kwan, Peter, Buti, Maria, Prieto, Martin, Berg, Thomas, Kitrinos, Kathryn, Peschell, Ken, Mondou, Elsa, Frederick, David, Rousseau, Franck, Schiff, Eugene R.. Tenofovir disoproxil fumarate (TDF), emtricitabine/TDF, and entecavir in patients with decompensated chronic hepatitis B liver disease. Hepatology 2010; 53: 62-72

[8]

Shim, Ju Hyun, Lee, Han Chu, Kim, Kang Mo, Lim, Young-Suk, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, Suh, Dong Jin. Efficacy of entecavir in treatment-naïve patients with hepatitis B virus-related decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology 2010; 52: 176-182

Konsensbasierte Empfehlung 6.2

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


HBsAg-positive Patienten mit negativer HBV-DNA sollen engmaschige HBV-DNA-Kontrollen (ca. alle 3 Monate) erhalten, eine antivirale Therapie ist in der Regel nicht erforderlich.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Hintergrund

Eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig, um Fluktuationen und Reaktivierungen der HBV-DNA rechtzeitig zu identifizieren (siehe Empfehlung 3.12).

Evidenzbasierte Empfehlung 6.3

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Kommt es bei Patienten auf der Transplantationswarteliste im Verlauf der antiviralen Therapie zu einer Rekompensation der HBV-induzierten Leberzirrhose ins Stadium Child A und liegt kein hepatozelluläres Karzinom (HCC) vor, soll die Indikation zur LTx erneut überprüft werden.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Hintergrund

Die Zahl der Patienten, die jedoch aufgrund einer HBV-induzierten dekompensierten Leberzirrhose zur Lebertransplantation gelistet werden, ist als Folge der effektiven antiviralen Therapie, in den letzten Jahrzehnten deutlich rückläufig (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Selbst bei dekompensierter Leberzirrhose führt die antivirale Therapie mit NA meist zu einer Stabilisierung des klinischen Verlaufs. Das transplantatfreie Überleben lag bei behandelten Patienten bei über 80%. In bis zu einem Drittel der Fälle mit initial dekompensierter Zirrhose geht die Krankheit unter Therapie in ein kompensiertes Stadium über (Stadium Child A) (Evidenzgrad Ia) * Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280* Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344 * Jang, Jeong Won, Choi, Jong Young, Kim, Young Seok, Woo, Hyun Young, Choi, Sung Kyu, Lee, Chang Hyeong, et.al. Long‐term effect of antiviral therapy on disease course after decompensation in patients with hepatitis B virus–related cirrhosis. Hepatology, 2015. 61(6): p. 1809-1820., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27723* Peng, Cheng-Yuan, Chien, Rong-Nan, Liaw, Yun-Fan, Hepatitis B virus-related decompensated liver cirrhosis: Benefits of antiviral therapy. Journal of Hepatology, 2012. 57(2): p. 442-450., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.02.033.

Es soll dann im Einzelfall entschieden werden, ob weiterhin die Indikation zur LTx gegeben ist (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., et al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 284-306

[3]

Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J.. Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2013; 38: 98-106

[4]

Jang, Jeong Won, Choi, Jong Young, Kim, Young Seok, Woo, Hyun Young, Choi, Sung Kyu, Lee, Chang Hyeong, Kim, Tae Yeob, Sohn, Joo Hyun, Tak, Won Young, Han, Kwang‐Hyub. Long‐term effect of antiviral therapy on disease course after decompensation in patients with hepatitis B virus–related cirrhosis. Hepatology 2015; 61: 1809-1820

[5]

Peng, Cheng-Yuan, Chien, Rong-Nan, Liaw, Yun-Fan. Hepatitis B virus-related decompensated liver cirrhosis: Benefits of antiviral therapy. Journal of Hepatology 2012; 57: 442-450

Konsensbasierte Empfehlung 6.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ein HCC-Screening soll mindestens alle 6 Monate durchgeführt werden.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor LTx?

Hintergrund

Obwohl die Rate neudiagnostizierter hepatozellulärer Karzinome durch die antivirale Therapie gesenkt werden kann, besteht gerade bei Patienten mit initial dekompensierter Zirrhose auch nach Rekompensation unter antiviraler Therapie ein signifikantes Risiko für die HCC-Entwicklung, so dass regelmäßige HCC-Screeninguntersuchungen erfolgen sollen (Siehe Kapitel Diagnostik der Hepatitis B-Virusinfektion) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

6.2. Was versteht man unter einer HBV-Reinfektion?

Konsensbasiertes Statement 6.5

Geprüft 2020

Starker Konsens


Definition

Die HBV-Reinfektion des Lebertransplantates wird durch die Persistenz oder das Wiederauftreten von HBsAg im Serum angezeigt.

Was versteht man unter einer HBV-Reinfektion?

Hintergrund

Bei Patienten mit replikativer, chronischer HBV-Infektion kommt es nach LTx ohne Prophylaxe regelhaft zur HBV-Reinfektion der transplantierten Leber (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Die HBV-Reinfektion ist durch die Persistenz oder das Wiederauftreten von HBsAg im Serum definiert. Meist findet sich in dieser Konstellation auch eine signifikante HBV-Replikation (HBV-DNA positiv).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasiertes Statement 6.6

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die HBV-Reinfektion geht in aller Regel mit einer histologisch nachweisbaren Transplantathepatitis einher.

Was versteht man unter einer HBV-Reinfektion?

Hintergrund

Die Reinfektionshepatitis verläuft unbehandelt in aller Regel schwer. Sie führt in der Mehrzahl der Patienten zum Verlust des Organs und ist mit einer hohen Letalität assoziiert (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Eine besonders rasch progrediente Verlaufsform ist die fibrosierend cholestatische Hepatitis B, die als Sonderfall auftreten kann (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Seit der Einführung der kombinierten HBV-Reinfektionsprophylaxe mit potenten NA plus Hepatitis B-Immunglobulinen (HBIG) ist im Falle einer adäquaten Therapieadhärenz die HBV-Reinfektion jedoch eine Rarität geworden * Burra, Patrizia, Germani, Giacomo, Adam, Renè, Karam, Vincent, Marzano, Alfredo, Lampertico, Pietro, et.al. Liver transplantation for HBV-related cirrhosis in Europe: An ELTR study on evolution and outcomes. Journal of Hepatology, 2013. 58(2): p. 287-296., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.10.016.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Burra, Patrizia, Germani, Giacomo, Adam, Renè, Karam, Vincent, Marzano, Alfredo, Lampertico, Pietro, Salizzoni, Mauro, Filipponi, Franco, Klempnauer, Jurgen L., Castaing, Denis, Kilic, Murat, Carlis, Luciano De, Neuhaus, Peter, Yilmaz, Sezai, Paul, Andreas, Pinna, Antonio D., Burroughs, Andrew K., et al. Liver transplantation for HBV-related cirrhosis in Europe: An ELTR study on evolution and outcomes. Journal of Hepatology 2013; 58: 287-296

6.3. Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Evidenzbasierte Empfehlung 6.7

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Reinfektionsprophylaxe ist bei Patienten mit HBV-Infektion obligat und soll initial mit einer Kombination aus einem hoch-potenten Nukleos(t)id-Analogon (NA) plus Hepatitis B-Immunglobulin (HBIG) erfolgen.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Hintergrund

Primäres Ziel der Prophylaxe ist das Verhindern einer Reaktivierung der HBV-Replikation (Wiederauftreten von HBsAg und HBV-DNA im Serum). Mit Einführung der Kombinationsprophylaxe konnten die Überlebensraten von Patienten mit HBV-Infektion deutlich gesteigert werden. HBV-infizierte Patienten erreichen heute ein 10-Jahres-Überleben nach LTx von bis zu 80 % (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Die Kombinationsprophylaxe bestehend aus Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) plus NA führte im Vergleich zur früher eingesetzten HBIG-Monoprophylaxe zu einer deutlichen Senkung der Reinfektionsraten (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Diese Empfehlung entspricht den internationalen Leitlinien der EASL.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Evidenzbasierte Empfehlung 6.8

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Die Prophylaxe soll in der anhepatischen Phase der LTx beginnen und die HBIG-Dosierung anhand der Anti-HBs-Konzentrationen titriert werden. Ein Anti-HBs-Spiegel von 100 IU/l sollte nicht unterschritten werden.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Hintergrund

Die HBIG-Prophylaxe beginnt in der anhepatischen Phase der Transplantation und wird nach Erreichen der HBsAg-Negativität mit einer Anti-HBs-Zielkonzentration von ≥100 U/l fortgesetzt. Das Standardschema beinhaltet die i.v. Applikation von 10.000 Einheiten (IE) HBIG in der anhepatischen Phase gefolgt von ca. 2.000 IE HBIG an den Folgetagen bis zum Nachweis eines negativen HBsAg. Anschließend werden die Anti-HBs-Konzentrationen durch regelmäßige Gaben von 1.000 bis 2.000 IE HBIG i.v. etwa alle 4 Wochen auf einen Wert von größer als 100 U/l gehalten. Alternativ ist im Verlauf auch eine niedrig dosierte HBIG Prophylaxe (z.B. 400 IE bis 800 IE / Monat) bzw. die Applikation in größeren Intervallen (2.000 IE alle 3 Monate i.v.) in Kombination mit einem NA für die meisten Patienten ausreichend (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Bei ausreichender Compliance sollte nach initialer i.v. Applikation die subkutane (s.c.) Applikation von HBIG zur HBV-Reinfektionsprophylaxe angestrebt werden. Die Dosierung erfolgt KG-adaptiert (<75 kg 500 IE s.c. 1x wöchentlich, ≥75 kg 1000 IE s. c). Neuere Daten belegen, dass nach initialer i.v. Applikation und Erreichen einer stabilen Anti-HBs-Konzentration von >100 U/l eine Umstellung auf wöchentliche Gaben der s.c. Formulierung zu jedem Zeitpunkt, auch bereits früh nach OLT möglich ist (Evidenz 2b) * De Simone, Paolo, Romagnoli, Renato, Tandoi, Francesco, Carrai, Paola, Ercolani, Giorgio, Peri, Eugenia, et.al. Early Introduction of Subcutaneous Hepatitis B Immunoglobulin Following Liver Transplantation for Hepatitis B Virus Infection. Transplantation, 2016. 100(7): p. 1507-1512., http://dx.doi.org/10.1097/tp.0000000000001171.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

De Simone, Paolo, Romagnoli, Renato, Tandoi, Francesco, Carrai, Paola, Ercolani, Giorgio, Peri, Eugenia, Zamboni, Fausto, Mameli, Laura, Di Benedetto, Fabrizio, Cillo, Umberto, De Carlis, Luciano, Lauterio, Andrea, Lupo, Luigi, Tisone, Giuseppe, Prieto, Martin, Loinaz, Carmelo, Mas, Antoni, Suddle, Abid, Mutimer, David, Roche, Bruno, Wartenberg-Demand, Andrea, Niemann, Gabriele, Böhm, Heike, Samuel, Didier. Early Introduction of Subcutaneous Hepatitis B Immunoglobulin Following Liver Transplantation for Hepatitis B Virus Infection. Transplantation 2016; 100: 1507-1512

Konsensbasierte Empfehlung 6.9

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Patienten mit NA-Resistenz zum Zeitpunkt der LTx soll die Prophylaxe mit einem gegen die resistente HBV-Variante wirksamen NA in Kombination mit HBIG durchgeführt werden.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Hintergrund

Die Wahl des NA erfolgt anhand individueller Faktoren, wie der antiviralen Vorbehandlung, Resistenzsituation und Höhe der präoperativen Virusreplikation. Mittlerweile belegen zahlreiche Daten, dass unter Einsatz eines hochpotenten NA (Entecavir und Tenofovir) das Risiko einer HBV-Reaktivierung auf bis zu 0% reduziert werden kann. Die bisherigen Studien mit limitierter Fallzahl schätzen hierbei Entecavir und Tenofovir im direkten Vergleich als gleichwertig ein * Manini, Matteo A., Whitehouse, Gavin, Bruce, Matthew, Passerini, Matteo, Lim, Tiong Y., Carey, Ivana, et.al. Entecavir or tenofovir monotherapy prevents HBV recurrence in liver transplant recipients: A 5-year follow-up study after hepatitis B immunoglobulin withdrawal. Digestive and Liver Disease, 2018. 50(9): p. 944-953., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2018.03.032* Zheng, Ji-Na, Zou, Tian-Tian, Zou, Hai, Zhu, Gui-Qi, Ruan, Lu-Yi, Cheng, Zhang, et.al. Comparative efficacy of oral nucleotide analogues for the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation: a network meta-analysis. Expert Review of Anti-infective Therapy, 2016. 14(10): p. 979-987., http://dx.doi.org/10.1080/14787210.2016.1220831* Cholongitas, E., Papatheodoridis, G. V., High Genetic Barrier Nucleos(t)ide Analogue(s) for Prophylaxis From Hepatitis B Virus Recurrence After Liver Transplantation: A Systematic Review. American Journal of Transplantation, 2013. 13(2): p. 353-362., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2012.04315.x* Choudhary, N. S., Saraf, N., Saigal, S., Mohanka, R., Rastogi, A., Goja, S., et.al. Low‐dose short‐term hepatitis B immunoglobulin with high genetic barrier antivirals: the ideal post‐transplant hepatitis B virus prophylaxis?. Transplant Infectious Disease, 2015. 17(3): p. 329-333., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12369* Fernández, I., Loinaz, C., Hernández, O., Abradelo, M., Manrique, A., Calvo, J., et.al. Tenofovir/entecavir monotherapy after hepatitis B immunoglobulin withdrawal is safe and effective in the prevention of hepatitis B in liver transplant recipients. Transplant Infectious Disease, 2015. 17(5): p. 695-701., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12434.

Seit Januar 2017 ist Tenofovir alafenamide (TAF) zur Behandlung der chronischen Hepatitis B zugelassen. Im Gegensatz zu TDF muss beim Einsatz von TAF die Dosis nicht an die Nierenfunktion angepasst werden und die Substanz hat auch keine signifikanten Effekte auf den Knochenstoffwechsel. In der 2017 veröffentlichten Leitlinie der EASL werden Indikationen definiert, in welchen TAF oder ETV gegenüber TDF bevorzugt eingesetzt werden sollten. Diese Indikationen sind: Patienten älter als 60 Jahre, Erkrankungen des Knochenstoffwechsels (chronischer Steroidgebrauch oder anderer Medikamente, welche die Knochendichte beeinträchtigen; Fragilitätsfrakturen in der Anamnese; Osteoporose), Einschränkung der Nierenfunktion (siehe Empfehlung 5.4-5.5) * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Patienten nach Transplantation haben durch die gleichzeitige Gabe von Calcineurin-Inhibitoren und Steroiden ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Niereninsuffizienz und Osteopenie bzw. Osteoporose. Somit ist es rational, TDF nicht primär für die Reinfektionsprohylaxe bzw. Therapie der HBV-Reinfektion einzusetzen, sondern hier primär mit ETV oder TAF zu behandeln, wenngleich bisher nur wenige Daten zum Einsatz von TAF nach Transplantation vorliegen * Sripongpun, Pimsiri, Mannalithara, Ajitha, Kwo, Paul Y., Kim, W. Ray, Potential Benefits of Switching Liver Transplant Recipients to Tenofovir Alafenamide Prophylaxis. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2020. 18(3): p. 747-749., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2019.05.057.

Die bei Niereninsuffizienz bestehenden Unsicherheiten in der Dosierung aller anderen NAs, um einen sicheren Wirkspiegel aufrechtzuhalten und das Risiko der HBV-Rekurrenz so gering wie möglich zu halten, kann als ein weiteres Argument für den primären Einsatz von TAF in dieser Konstellation angesehen werden. Lamivudin, aber auch Adefovir und Telbivudin können aufgrund der deutlich höheren Rezidivraten nicht mehr empfohlen werden, weder als Monoprophylaxe noch in Kombination mit HBIG * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Literatur

[1]

Manini, Matteo A., Whitehouse, Gavin, Bruce, Matthew, Passerini, Matteo, Lim, Tiong Y., Carey, Ivana, Considine, Aisling, Lampertico, Pietro, Suddle, Abid, Heaton, Nigel, Heneghan, Michael, Agarwal, Kosh. Entecavir or tenofovir monotherapy prevents HBV recurrence in liver transplant recipients: A 5-year follow-up study after hepatitis B immunoglobulin withdrawal. Digestive and Liver Disease 2018; 50: 944-953

[2]

Zheng, Ji-Na, Zou, Tian-Tian, Zou, Hai, Zhu, Gui-Qi, Ruan, Lu-Yi, Cheng, Zhang, Van Poucke, Sven, Zheng, Ming-Hua. Comparative efficacy of oral nucleotide analogues for the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation: a network meta-analysis. Expert Review of Anti-infective Therapy 2016; 14: 979-987

[3]

Cholongitas, E., Papatheodoridis, G. V.. High Genetic Barrier Nucleos(t)ide Analogue(s) for Prophylaxis From Hepatitis B Virus Recurrence After Liver Transplantation: A Systematic Review. American Journal of Transplantation 2013; 13: 353-362

[4]

Choudhary, N. S., Saraf, N., Saigal, S., et al. Low‐dose short‐term hepatitis B immunoglobulin with high genetic barrier antivirals: the ideal post‐transplant hepatitis B virus prophylaxis?. Transplant Infectious Disease 2015; 17: 329-333

[5]

Fernández, I., Loinaz, C., Hernández, O., et al. Tenofovir/entecavir monotherapy after hepatitis B immunoglobulin withdrawal is safe and effective in the prevention of hepatitis B in liver transplant recipients. Transplant Infectious Disease 2015; 17: 695-701

[6]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[7]

Sripongpun, Pimsiri, Mannalithara, Ajitha, Kwo, Paul Y., Kim, W. Ray. Potential Benefits of Switching Liver Transplant Recipients to Tenofovir Alafenamide Prophylaxis. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2020; 18: 747-749

Evidenzbasierte Empfehlung 6.10

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine Umstellung auf eine alleinige orale Prophylaxe mit einem potenten NA unter Verzicht auf HBIG kann im Verlauf nach LTx bei ausreichender Adhärenz und stabil HBsAg-negativen Patienten mit niedrigem Rezidivrisiko (siehe Hintergrund*) erfolgen. (Tabelle „Empfehlung zur Prophylaxe der HBV-Reinfektion nach OLT“)

[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

* Voraussetzungen für einen alleinige NA Reinfektionsprophylaxe: keine hohe HBV Replikation zum Zeitpunkt der LTx, keine HIV oder HDV Koinfektion und kein HCC vor Transplantation

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Hintergrund

Die Kombinationsprophylaxe mit HBIG plus NA wird zeitlich nicht mehr zwingend unbegrenzt empfohlen, da inzwischen belastbare Daten aus prospektiven Studien vorliegen, die belegen, dass nach initialer effektiver Kombinationsprophylaxe (HBsAg negativ, Anti-HBs positiv, HBV-DNA negativ), die Prophylaxe mit einer alleinigen oralen Therapie mit einem potenten NA ebenso effektiv ist wie die bisher etablierte lebenslange Kombinationsprophylaxe (Evidenz 2b) * Lens, Sabela, García‐Eliz, María, Fernández, Inmaculada, Castells, Lluis, Bonacci, Martin, Mas, Antoni, et.al. Shorter hepatitis B immunoglobulin administration is not associated to hepatitis B virus recurrence when receiving combined prophylaxis after liver transplantation. Liver International, 2018. 38(11): p. 1940-1950., http://dx.doi.org/10.1111/liv.13858* Terrault, Norah, Editorial: Prophylaxis in HBV-Infected Liver Transplant Patients: End of the HBIG Era?. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(6): p. 949-951., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2013.122* Wang, Peijie, Tam, Ngalei, Wang, Haochen, Zheng, Huanwei, Chen, Philip, Wu, Linwei, et.al. Is Hepatitis B Immunoglobulin Necessary in Prophylaxis of Hepatitis B Recurrence after Liver Transplantation? A Meta-Analysis. PLoS ONE, 2014. 9(8): p. e104480., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0104480* Weber, Nicholas K., Forman, Lisa M., Trotter, James F., HBIg Discontinuation with Maintenance Oral Anti-viral Therapy and HBV Vaccination in Liver Transplant Recipients. Digestive Diseases and Sciences, 2009. 55(2): p. 505-509., http://dx.doi.org/10.1007/s10620-009-0999-6* Wong, Stephen N., Chu, Chi-Jen, Wai, Chun-Tao, Howell, Terese, Moore, Charles, Fontana, Robert J., et.al. Low risk of hepatitis B virus recurrence after withdrawal of long-term hepatitis B immunoglobulin in patients receiving maintenance nucleos(t)ide analogue therapy. Liver Transplantation, 2007. 13(3): p. 374-381., http://dx.doi.org/10.1002/lt.21041* Fung, James, Chan, See-Ching, Cheung, Cindy, Yuen, Man-Fung, Chok, Kenneth Siu-Ho, Sharr, William, et.al. Oral Nucleoside/Nucleotide Analogs Without Hepatitis B Immune Globulin After Liver Transplantation for Hepatitis B. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(6): p. 942-948., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2013.111.

Allerdings scheint jedoch die initiale zusätzliche HBIG-Gabe notwendig zu bleiben, wenn bei den Patienten zum Zeitpunkt der Transplantation noch ein positiver HBV-DNA-Status vorliegt, während sich bei negativer HBV-DNA zum LTx-Zeitpunkt kein Vorteil einer kombinierten Prophylaxe ableiten lässt * Manini, Matteo A., Whitehouse, Gavin, Bruce, Matthew, Passerini, Matteo, Lim, Tiong Y., Carey, Ivana, et.al. Entecavir or tenofovir monotherapy prevents HBV recurrence in liver transplant recipients: A 5-year follow-up study after hepatitis B immunoglobulin withdrawal. Digestive and Liver Disease, 2018. 50(9): p. 944-953., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2018.03.032* Wang, Peijie, Tam, Ngalei, Wang, Haochen, Zheng, Huanwei, Chen, Philip, Wu, Linwei, et.al. Is Hepatitis B Immunoglobulin Necessary in Prophylaxis of Hepatitis B Recurrence after Liver Transplantation? A Meta-Analysis. PLoS ONE, 2014. 9(8): p. e104480., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0104480* Zheng, Ji-Na, Zou, Tian-Tian, Zou, Hai, Zhu, Gui-Qi, Ruan, Lu-Yi, Cheng, Zhang, et.al. Comparative efficacy of oral nucleotide analogues for the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation: a network meta-analysis. Expert Review of Anti-infective Therapy, 2016. 14(10): p. 979-987., http://dx.doi.org/10.1080/14787210.2016.1220831.
Risikofaktoren für eine HBV-Reinfektion nach Absetzen der HBIG-Therapie mit Fortführen einer alleinigen NA-Therapie sind nach aktuellen Datenlage vor allem eine hohe HBV-DNA zum Zeitpunkt der Transplantation (> 100.000 IU/ml), die HBV-HDV-Koinfektion, eine reduzierte NA-Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion, ein HCC vor LTx mit erhöhtem HCC Rekurrenzrisiko sowie eine verminderte Therapietreue (Adhärenz) * Fung, James, Chan, See-Ching, Cheung, Cindy, Yuen, Man-Fung, Chok, Kenneth Siu-Ho, Sharr, William, et.al. Oral Nucleoside/Nucleotide Analogs Without Hepatitis B Immune Globulin After Liver Transplantation for Hepatitis B. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(6): p. 942-948., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2013.111* Idilman, Ramazan, Akyildiz, Murat, Keskin, Onur, Gungor, Gokhan, Yilmaz, Tonguc U., Kalkan, Cagdas, et.al. The long‐term efficacy of combining nucleos(t)ide analog and low‐dose hepatitis B immunoglobulin on post‐transplant hepatitis B virus recurrence. Clinical Transplantation, 2016. 30(10): p. 1216-1221., http://dx.doi.org/10.1111/ctr.12804* Karlas, T., Hartmann, J., Weimann, A., Maier, M., Bartels, M., Jonas, S., et.al. Prevention of lamivudine‐resistant hepatitis B recurrence after liver transplantation with entecavir plus tenofovir combination therapy and perioperative hepatitis B immunoglobulin only. Transplant Infectious Disease, 2010. 13(3): p. 299-302., http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-3062.2010.00591.x* Fox, Alyson N., Terrault, Norah A., Individualizing hepatitis B infection prophylaxis in liver transplant recipients. Journal of Hepatology, 2011. 55(3): p. 507-509., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.04.002* Cholongitas, E., Goulis, I., Antoniadis, N., Fouzas, I., Imvrios, G., Giakoustidis, D., et.al. Nucleos(t)ide analog(s) prophylaxis after hepatitis B immunoglobulin withdrawal against hepatitis B and D recurrence after liver transplantation. Transplant Infectious Disease, 2016. 18(5): p. 667-673., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12575.

Bei Vorliegen dieser Risikofaktoren sollte man aktuell von einem Absetzen der HBIG-Therapie Abstand nehmen. Diese Empfehlungen stützen sich unter anderem auf retrospektive Analysen von 338 Patienten, bei denen sowohl eine präoperative Lamivudinresistenz als auch ein HCC signifikant mit einem erhöhten HBV-Rekurrenzrisiko nach Beenden der kombinierten Prophylaxe assoziiert waren * Lens, Sabela, García‐Eliz, María, Fernández, Inmaculada, Castells, Lluis, Bonacci, Martin, Mas, Antoni, et.al. Shorter hepatitis B immunoglobulin administration is not associated to hepatitis B virus recurrence when receiving combined prophylaxis after liver transplantation. Liver International, 2018. 38(11): p. 1940-1950., http://dx.doi.org/10.1111/liv.13858.

Eine Rekurrenz der Hepatitis Delta ist aufgrund des aggressiven Verlaufs der Infektion nach Transplantation unter Immunsuppression und den bisher fehlenden therapeutischen Optionen unbedingt zu vermeiden, so dass die alleinige Monoprophylaxe mit einem NA bei der HDV Koinfektion nicht erfolgen soll, wenngleich zur Notwendigkeit einer lebenslangen kombinierten Prophylaxe widersprüchliche Daten existieren. Bis zum Vorliegen größerer prospektiver Fallserien bei Hepatitis Delta soll die Kombinationsprophylaxe nicht beendet werden * Roche, Bruno, Samuel, Didier, Liver Transplantation in Delta Virus Infection. Seminars in Liver Disease, 2012. 32(03): p. 245-255., http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1323630. Die kombinierte Prophylaxe hat sich in einer Studie auch gegenüber der Monoprohylaxe als überlegen erwiesen * Cholongitas, E., Goulis, I., Antoniadis, N., Fouzas, I., Imvrios, G., Giakoustidis, D., et.al. Nucleos(t)ide analog(s) prophylaxis after hepatitis B immunoglobulin withdrawal against hepatitis B and D recurrence after liver transplantation. Transplant Infectious Disease, 2016. 18(5): p. 667-673., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12575.

Wenn Patienten seit vielen Jahren stabil auf eine Kombinationstherapie mit Lamivudin plus HBIG eingestellt sind, muss bei Fortführung der Kombinationsprophylaxe nicht zwingend eine Umstellung auf ein potentes NA (ETV, TDF, TAF) erfolgen. Eine Beendigung der HBIG-Therapie soll aber nur unter Fortführung einer Monoprophylaxe mit einem potenten NA durchgeführt werden.

Eine ausreichende Adhärenz und regelmäßige Kontrollen (Abstand: inital alle 4-8 Wochen, dann alle 3 Monate, später alle 6 Monate) von HBsAg und HBV-DNA sind Voraussetzungen für den Verzicht auf eine kombinierte Immunprophylaxe.
Die AASLD-Empfehlungen empfehlen eine Fortführung der kombinierten Prophylaxe zusätzlich bei HIV-koinfizierten Patienten * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800.

Begleiterkrankungen, insbesondere das Vorliegen einer Niereninsuffizienz müssen bei der Dosierung der Substanzen berücksichtigt werden und die Nierenfunktion sollte im Verlauf kontrolliert werden. Es ist bisher nicht ausreichend untersucht, ob der Wechsel auf eine Monoprophylaxe mit hoch-potenten NA (Entecavir oder Tenofovir) auch bei Patienten mit Niereninsuffizienz im Stadium IV und V und reduzierter ETV- oder TDF-Dosis ausreichend sicher ist. Es muss in Studien geprüft werden, ob in dieser Konstellation der Einsatz von TAF ohne notwendige Dosisreduktion primär zu empfehlen ist.

Über den optimalen Zeitpunkt des Absetzens von HBIG (wenn keine Risikokonstellation vorliegt) gibt es unterschiedliche Daten. In den vielen Studien wurde HBIG 12 Monate nach LTx abgesetzt. Es liegen aber auch Daten vor, die das erfolgreiche und sichere Absetzen von HBIG bereits 1 Woche oder 3 Monate nach LTx zeigen. Einige retrospektive Studien zeigten zudem die Sicherheit einer alleinigen NA-Prophylaxe vom Zeitpunkt der LTx an, unter vollständigem Verzicht auf HBIG * Kasraianfard, Amir, Watt, Kymberly D., Lindberg, Lance, Alexopoulos, Sophoclis, Rezaei, Nima, HBIG Remains Significant in the Era of New Potent Nucleoside Analogues for Prophylaxis Against Hepatitis B Recurrence After Liver Transplantation. International Reviews of Immunology, 2014. p. 1-13., http://dx.doi.org/10.3109/08830185.2014.921160* Radhakrishnan, Kavita, Chi, Aileen, Quan, David J., Roberts, John P., Terrault, Norah A., Short Course of Postoperative Hepatitis B Immunoglobulin Plus Antivirals Prevents Reinfection of Liver Transplant Recipients. Transplantation, 2017. 101(9): p. 2079-2082., http://dx.doi.org/10.1097/tp.0000000000001786* Teperman, Lewis W., Poordad, Fred, Bzowej, Natalie, Martin, Paul, Pungpapong, Surakit, Schiano, Thomas, et.al. Randomized trial of emtricitabine/tenofovir disoproxil fumarate after hepatitis B immunoglobulin withdrawal after liver transplantation. Liver Transplantation, 2013. 19(6): p. 594-601., http://dx.doi.org/10.1002/lt.23628* Fung, James, Chan, See-Ching, Cheung, Cindy, Yuen, Man-Fung, Chok, Kenneth Siu-Ho, Sharr, William, et.al. Oral Nucleoside/Nucleotide Analogs Without Hepatitis B Immune Globulin After Liver Transplantation for Hepatitis B. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(6): p. 942-948., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2013.111.

Die AASLD empfiehlt daher sogar eine sehr kurzfristige HBIG Gabe für 5-7 Tage bzw. auch den kompletten Verzicht auf eine HBIG-Prophylaxe bei Patienten mit geringem Risiko. * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800 Hierzu fehlen nach unserer Einschätzung bislang jedoch belastbare, prospektive Langzeitdaten, so dass aktuell auch bei Patienten mit günstigen prognostischen Faktoren, zumindest eine initiale Kombinationstherapie für mindestens 6-12 Monate weiterhin empfohlen wird.

Literatur

[1]

Lens, Sabela, García‐Eliz, María, Fernández, Inmaculada, Castells, Lluis, Bonacci, Martin, Mas, Antoni, Crespo, Gonzalo, Buti, María, Prieto, Martín, Forns, Xavier. Shorter hepatitis B immunoglobulin administration is not associated to hepatitis B virus recurrence when receiving combined prophylaxis after liver transplantation. Liver International 2018; 38: 1940-1950

[2]

Terrault, Norah. Editorial: Prophylaxis in HBV-Infected Liver Transplant Patients: End of the HBIG Era?. American Journal of Gastroenterology 2013; 108: 949-951

[3]

Wang, Peijie, Tam, Ngalei, Wang, Haochen, Zheng, Huanwei, Chen, Philip, Wu, Linwei, He, Xiaoshun. Is Hepatitis B Immunoglobulin Necessary in Prophylaxis of Hepatitis B Recurrence after Liver Transplantation? A Meta-Analysis. PLoS ONE 2014; 9: e104480

[4]

Weber, Nicholas K., Forman, Lisa M., Trotter, James F.. HBIg Discontinuation with Maintenance Oral Anti-viral Therapy and HBV Vaccination in Liver Transplant Recipients. Digestive Diseases and Sciences 2009; 55: 505-509

[5]

Wong, Stephen N., Chu, Chi-Jen, Wai, Chun-Tao, Howell, Terese, Moore, Charles, Fontana, Robert J., Lok, Anna S. F.. Low risk of hepatitis B virus recurrence after withdrawal of long-term hepatitis B immunoglobulin in patients receiving maintenance nucleos(t)ide analogue therapy. Liver Transplantation 2007; 13: 374-381

[6]

Fung, James, Chan, See-Ching, Cheung, Cindy, Yuen, Man-Fung, Chok, Kenneth Siu-Ho, Sharr, William, Chan, Albert Chi-Yan, Cheung, Tan-To, Seto, Wai-Kay, Fan, Sheung-Tat, Lai, Ching-Lung, Lo, Chung-Mau. Oral Nucleoside/Nucleotide Analogs Without Hepatitis B Immune Globulin After Liver Transplantation for Hepatitis B. American Journal of Gastroenterology 2013; 108: 942-948

[7]

Manini, Matteo A., Whitehouse, Gavin, Bruce, Matthew, Passerini, Matteo, Lim, Tiong Y., Carey, Ivana, Considine, Aisling, Lampertico, Pietro, Suddle, Abid, Heaton, Nigel, Heneghan, Michael, Agarwal, Kosh. Entecavir or tenofovir monotherapy prevents HBV recurrence in liver transplant recipients: A 5-year follow-up study after hepatitis B immunoglobulin withdrawal. Digestive and Liver Disease 2018; 50: 944-953

[8]

Zheng, Ji-Na, Zou, Tian-Tian, Zou, Hai, Zhu, Gui-Qi, Ruan, Lu-Yi, Cheng, Zhang, Van Poucke, Sven, Zheng, Ming-Hua. Comparative efficacy of oral nucleotide analogues for the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation: a network meta-analysis. Expert Review of Anti-infective Therapy 2016; 14: 979-987

[9]

Idilman, Ramazan, Akyildiz, Murat, Keskin, Onur, Gungor, Gokhan, Yilmaz, Tonguc U., Kalkan, Cagdas, Dayangac, Murat, Cinar, Kubilay, Balci, Deniz, Hazinedaroglu, Selcuk, Tokat, Yaman. The long‐term efficacy of combining nucleos(t)ide analog and low‐dose hepatitis B immunoglobulin on post‐transplant hepatitis B virus recurrence. Clinical Transplantation 2016; 30: 1216-1221

[10]

Karlas, T., Hartmann, J., Weimann, A., et al. Prevention of lamivudine‐resistant hepatitis B recurrence after liver transplantation with entecavir plus tenofovir combination therapy and perioperative hepatitis B immunoglobulin only. Transplant Infectious Disease 2010; 13: 299-302

[11]

Fox, Alyson N., Terrault, Norah A.. Individualizing hepatitis B infection prophylaxis in liver transplant recipients. Journal of Hepatology 2011; 55: 507-509

[12]

Cholongitas, E., Goulis, I., Antoniadis, N., et al. Nucleos(t)ide analog(s) prophylaxis after hepatitis B immunoglobulin withdrawal against hepatitis B and D recurrence after liver transplantation. Transplant Infectious Disease 2016; 18: 667-673

[13]

Roche, Bruno, Samuel, Didier. Liver Transplantation in Delta Virus Infection. Seminars in Liver Disease 2012; 32: 245-255

[14]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[15]

Kasraianfard, Amir, Watt, Kymberly D., Lindberg, Lance, Alexopoulos, Sophoclis, Rezaei, Nima. HBIG Remains Significant in the Era of New Potent Nucleoside Analogues for Prophylaxis Against Hepatitis B Recurrence After Liver Transplantation. International Reviews of Immunology 2014; : 1-13

[16]

Radhakrishnan, Kavita, Chi, Aileen, Quan, David J., Roberts, John P., Terrault, Norah A.. Short Course of Postoperative Hepatitis B Immunoglobulin Plus Antivirals Prevents Reinfection of Liver Transplant Recipients. Transplantation 2017; 101: 2079-2082

[17]

Teperman, Lewis W., Poordad, Fred, Bzowej, Natalie, Martin, Paul, Pungpapong, Surakit, Schiano, Thomas, Flaherty, John, Dinh, Phillip, Rossi, Stephen, Subramanian, G. Mani, Spivey, James. Randomized trial of emtricitabine/tenofovir disoproxil fumarate after hepatitis B immunoglobulin withdrawal after liver transplantation. Liver Transplantation 2013; 19: 594-601

Tabelle 11: Empfehlung zur Prophylaxe der HBV-Reinfektion nach OLT

Vor LTHBV-DNA positivVor LTAntivirale Vorbehandlung mit NA mit hoher Resistenzbarriere(ETV, TDF, TAF*)
Nach LTAnhepatische PhaseTag der LTHBIG i. v. 10 000 IU
Nach LTWoche 1 nach LTTag 1–7 post LTHBIG i. v. 2000 IU Tag 1–7plus NA (ETV, TDF, TAF*)Ziel: Anti-HBs > 100 IU/l
Nach LTErhaltungsphaseBis Monat 12 post LTHBIG i. v. 1000–2000 IU monatlich oder 500 IU s. c. pro Woche bei KG< 75 kg bzw. 1000 IU s. c. pro Woche bei KG > 75 kgplus NA (ETV, TDF, TAF*)Ziel: Anti-HBs > 100 IU/l
Nach Monat 12 post LT, individuelle Entscheidung zur Beendigung der HBIG-TherapieNiedriges HBV-Reaktivierungsrisiko**Monoprophylaxe mit NA
(ETV, TDF, TAF*)
Hohes HBV-Reaktivierungsrisiko**
oder eingeschränkte Therapieadhärenz
HBIG i. v. oder s. c. weiterführen
plus NA (ETV, TDF, TAF*)
LT = Lebertransplantation.
* TAF: begrenzte Erfahrung bei dekompensierter Zirrhose.
** Riskofaktoren für Reaktivierung: hohe HBV-Replikation zum Zeitpunkt der LT, HIV- oder HDV-Koinfektion, HCC vor Transplantation.

Evidenzbasierte Empfehlung 6.11

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine aktive HBV-Impfung kann unter Fortführung der Prophylaxe im Langzeitverlauf nach LTx versucht werden.

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Hintergrund

Eine aktive Hepatitis-B-Impfung nach LTx mit dem Ziel, eine dauerhafte Anti-HBs-Antwort zu induzieren, ist nur bei wenigen Patienten erfolgreich, kann aber unter Fortführung der Reinfektionsprohylaxe versucht werden (Evidenz 3b). * Rosenau, Jens, Hooman, Nazanin, Rifai, Kinan, Solga, Therese, Tillmann, Hans L., Grzegowski, Edith, et.al. Hepatitis B virus immunization with an adjuvant containing vaccine after liver transplantation for hepatitis B-related disease: failure of humoral and cellular immune response. Transplant International, 2006. 19(10): p. 828-833., http://dx.doi.org/10.1111/j.1432-2277.2006.00374.x* Sánchez-Fueyo, Alberto, Rimola, Antoni, Grande, Luis, Costa, Josep, Mas, Antoni, Navasa, Miguel, et.al. Hepatitis B immunoglobulin discontinuation followed by hepatitis B virus vaccination: A new strategy in the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation. Hepatology, 2000. 31(2): p. 496-501., http://dx.doi.org/10.1002/hep.510310233* Stärkel, Peter, Stoffel, Michel, Lerut, Jan, Horsmans, Yves, Response to an experimental HBV vaccine permits withdrawal of HBIg prophylaxis in fulminant and selected chronic HBV-infected liver graft recipients. Liver Transplantation, 2005. 11(10): p. 1228-1234., http://dx.doi.org/10.1002/lt.20464
Bei einer für mindestens 12 Monate stabilen Anti-HBs-Konzentrationen > 100 U/l nach letzter HBIG-Gabe kann eine Beendigung der oralen Prophylaxe mit NA erwogen werden. Engmaschige Kontrollen der Anti-HBs Spiegel und des HBsAg sind dann im Verlauf notwendig. Bei Rückgang der Anti-HBs-Konzentrationen sollte erneut die orale Prophylaxe mit NA begonnen werden. Neue Hepatitis-B-Impfstoffe mit höherer Immunogenität befinden sich in der Entwicklung und könnten zu einer Steigerung des Impfansprechens bei Patienten nach LTx beitragen.

Literatur

[1]

Rosenau, Jens, Hooman, Nazanin, Rifai, Kinan, Solga, Therese, Tillmann, Hans L., Grzegowski, Edith, Nashan, Bjorn, Klempnauer, Juergen, Strassburg, Christian P., Wedemeyer, Heiner, Manns, Michael P.. Hepatitis B virus immunization with an adjuvant containing vaccine after liver transplantation for hepatitis B-related disease: failure of humoral and cellular immune response. Transplant International 2006; 19: 828-833

[2]

Sánchez-Fueyo, Alberto, Rimola, Antoni, Grande, Luis, Costa, Josep, Mas, Antoni, Navasa, Miguel, Cirera, Isabel, Sánchez-Tapias, Jose Maria, Rodés, Juan. Hepatitis B immunoglobulin discontinuation followed by hepatitis B virus vaccination: A new strategy in the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation. Hepatology 2000; 31: 496-501

[3]

Stärkel, Peter, Stoffel, Michel, Lerut, Jan, Horsmans, Yves. Response to an experimental HBV vaccine permits withdrawal of HBIg prophylaxis in fulminant and selected chronic HBV-infected liver graft recipients. Liver Transplantation 2005; 11: 1228-1234

Konsensbasierte Empfehlung 6.12

2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit Zustand nach HBV-Infektion (Anti-HBc positiv) sollen auf HBV-DNA untersucht werden. Bei negativer HBV-DNA soll keine prophylaktische Therapie erfolgen. Eine HBV-Impfung sollte durchgeführt werden, sofern die Anti-HBs Konzentrationen <100 IU betragen. 

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?

Hintergrund

Die Empfehlungen entsprechen den Empfehlungen in „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“ und Empfehlungen 7.30-7.31.

6.4. Wie ist das therapeutische Vorgehen bei nachgewiesener HBV-Reinfektion?

Evidenzbasierte Empfehlung 6.13

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei bestätigter HBV-Reinfektion soll die HBIG-Therapie beendet werden und eine dauerhafte antivirale Therapie mit einem potenten NA (ETV, TDF, TAF) durchgeführt werden.

Wie ist das therapeutische Vorgehen bei nachgewiesener HBV-Reinfektion?

Hintergrund

Aufgrund des hohen Risikos des Transplantatverlustes und der signifikanten Letalität besteht bei allen Patienten mit HBV-Reinfektion eine Behandlungsindikation unabhängig vom histologischen Fibrosestadium und der inflammatorischen Aktivität, der Höhe der Viruslast und der Transaminasen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Da heutzutage die überwiegende Mehrzahl der Patienten eine Kombinationsprohylaxe bestehend aus HBIG plus NA erhält, sollte bei Rekurrenz von HBsAg ohne nachweisbare HBV-DNA, HBIG beendet und die Therapie mit dem bisher verwendeten NA, unter regelmäßigen HBV-DNA Kontrollen alle 3 Monate, fortgeführt werden. Bei Anstieg der HBV-DNA unter NA-Monoprophylaxe oder Kombinationsprophylaxe ist entweder von einer Nichtadhärenz zur Therapie oder Resistenzentwicklung auszugehen. Eine Resistenztestung kann erfolgen, wenn die Medikamentenadhärenz gesichert ist.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Evidenzbasierte Empfehlung 6.14

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei fehlendem Therapieansprechen oder Resistenzentwicklung soll eine Modifikation der Therapie entsprechend der Empfehlungen der AG3 erfolgen.

Wie ist das therapeutische Vorgehen bei nachgewiesener HBV-Reinfektion?

Hintergrund

Heutzutage ist die HBV-Reinfektion mehrheitlich Folge von Resistenzentwicklungen gegenüber den verwendeten NA und seltener die Folge von HBIG-induzierten Selektionen von Resistenzmutationen im HBV-Surface-Gen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Das Risiko ist insbesondere dann hoch, wenn bereits schon vor LTx eine Resistenz gegenüber des zur Prophylaxe verwendeten NA vorhanden war. Die Wahl der antiviralen Therapie erfolgt in Abhängigkeit von der Vortherapie bzw. der Resistenzsituation. Der Einsatz hochpotenter nicht-kreuzresistenter HBV-Polymerase-Inhibitoren (ETV, TAF bzw. TDF) wird empfohlen (siehe Kapitel „Therapie der chronischen Hepatitis B-Virusinfektion“).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

6.5. Wie ist das Management von HBV-infizierten Patienten mit kombinierter Organtransplantation (z. B. Leber plus Niere)?

Konsensbasiertes Statement 6.15

Geprüft 2020

Starker Konsens


Das Management vor und nach Leber-Nieren-Transplantation unterscheidet sich nicht von dem Vorgehen bei Patienten mit alleiniger LTx.

Wie ist das Management von HBV-infizierten Patienten mit kombinierter Organtransplantation (z. B. Leber plus Niere)?

Hintergrund

Die 1985 erstmals durchgeführte kombinierte Leber-Nieren-Transplantation * Margreiter, Raimund, Kramar, Reinhard, Huber, Christoph, Steiner, Ekkehard, Niederwieser, Dietger, Judmaier, Gerd, et.al. COMBINED LIVER AND KIDNEY TRANSPLANTATION. The Lancet, 1984. 323(8385): p. 1077-1078., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(84)91486-7ist eine selten angewandte, aber etablierte Behandlungsmethode zur Therapie von Patienten mit irreversibler terminaler Leber- und Niereninsuffizienz * Ruiz, Richard, Long-term Analysis of Combined Liver and Kidney Transplantation at a Single Center. Archives of Surgery, 2006. 141(8): p. 735., http://dx.doi.org/10.1001/archsurg.141.8.735* Kirchner, Gabriele I., Rifai, Kinan, Cantz, Tobias, Nashan, Bjoern, Terkamp, Christoph, Becker, Thomas, et.al. Outcome and quality of life in patients with polycystic liver disease after liver or combined liver-kidney transplantation. Liver Transplantation, 2006. 12(8): p. 1268-1277., http://dx.doi.org/10.1002/lt.20780* Jalanko, Hannu, Pakarinen, Mikko, Combined liver and kidney transplantation in children. Pediatric Nephrology, 2013. 29(5): p. 805-814., http://dx.doi.org/10.1007/s00467-013-2487-7.

Literatur

[1]

Margreiter, Raimund, Kramar, Reinhard, Huber, Christoph, Steiner, Ekkehard, Niederwieser, Dietger, Judmaier, Gerd, Vogel, Wolfgang. COMBINED LIVER AND KIDNEY TRANSPLANTATION. The Lancet 1984; 323: 1077-1078

[2]

Ruiz, Richard. Long-term Analysis of Combined Liver and Kidney Transplantation at a Single Center. Archives of Surgery 2006; 141: 735

[3]

Kirchner, Gabriele I., Rifai, Kinan, Cantz, Tobias, Nashan, Bjoern, Terkamp, Christoph, Becker, Thomas, Strassburg, Christian, Barg-Hock, Hannelore, Wagner, Siegfried, Lück, Rainer, Klempnauer, Juergen, Manns, Michael P.. Outcome and quality of life in patients with polycystic liver disease after liver or combined liver-kidney transplantation. Liver Transplantation 2006; 12: 1268-1277

[4]

Jalanko, Hannu, Pakarinen, Mikko. Combined liver and kidney transplantation in children. Pediatric Nephrology 2013; 29: 805-814

Evidenzbasierte Empfehlung 6.16

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die Dosierung überwiegend renal-eliminierter Medikamente soll an die Nierentransplantat-Funktion angepasst werden. 

Wie ist das Management von HBV-infizierten Patienten mit kombinierter Organtransplantation (z. B. Leber plus Niere)?

Hintergrund

Zur Berechnung der Dosierung von Medikamenten, die an die Nierentransplantat-Funktion angepasst werden müssen, sollte zumindest die Cockroft-und-Gault-Formel oder besser eine der MDRD-Formeln herangezogen werden. Mit der MDRD6-Formel ist die genaueste Berechnung der Nierentransplantat-Funktion möglich, allerdings ist in diesem Fall (im Gegensatz zur Cockroft-und-Gault- und anderen MDRD-Formeln) auch eine Untersuchung des Urins erforderlich, was die Prozedur erschwert * Pöge, Uwe, Gerhardta, Thomas, Palmedo, Holger, Klehr, Hans-Ulrich, Sauerbruch, Tilman, Woitas, Rainer P., MDRD Equations for Estimation of GFR in Renal Transplant Recipients. American Journal of Transplantation, 2005. 5(6): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2005.00861.x.

Die Dosierung der NA sollte gemäß der Fachinformation an die Nierenfunktion angepasst werden (siehe auch Kapitel „Therapie der chronischen Hepatitis B-Virusinfektion“, Tabelle „Dosisanpassung von antiviralen Substanzen (LAM, ETV, TDF, TAF) in der Therapie der Hepatitis B bei eingeschränkter Nierenfunktion gemäß Fachinformation“). Besondere Vorsicht ist generell bei zusätzlicher Applikation von nephrotoxischen Substanzen geboten. Zur Nephroprotektion und Prävention einer Osteoporose kann TAF gegenüber TDF bevorzugt werden (siehe auch Empfehlung 5.4-5.5) * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Häufig sind einer kombinierten Leber- und Nieren-Transplantation schon eine oder mehrere alleinige Nierentransplantationen vorausgegangen. Die hiermit in Einzelfällen verbundene starke Immunisierung des Patienten kann dazu führen, dass eine erneute alleinige Nierentransplantation nicht mehr oder nur unter einer sehr intensiven Immunsuppression möglich ist. Bei kombinierter Leber-Nieren-Transplantation wird das Nierentransplantat in der Regel durch das Lebertransplantat vor Abstoßungsreaktionen „geschützt“, sodass meist eine geringere immunsuppressive Therapie als bei alleiniger Nierentransplantation verabreicht werden kann und sollte * Neumann, Ulf P., Lang, Martina, Moldenhauer, Anja, Langrehr, Jan M., Glanemann, Matthias, Kahl, Andreas, et.al. SIGNIFICANCE OF A T-LYMPHOCYTOTOXIC CROSSMATCH IN LIVER AND COMBINED LIVER-KIDNEY TRANSPLANTATION. Transplantation, 2001. 71(8): p. 1163-1168., http://dx.doi.org/10.1097/00007890-200104270-00025* Olausson, M., Mjörnstedt, L., Nordén, G., Rydberg, L., Mölne, J., Bäckman, L., et.al. Successful Combined Partial Auxiliary Liver and Kidney Transplantation in Highly Sensitized Cross-Match Positive Recipients. American Journal of Transplantation, 2007. 7(1): p. 130-136., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2006.01592.x.

Literatur

[1]

Pöge, Uwe, Gerhardta, Thomas, Palmedo, Holger, Klehr, Hans-Ulrich, Sauerbruch, Tilman, Woitas, Rainer P.. MDRD Equations for Estimation of GFR in Renal Transplant Recipients. American Journal of Transplantation 2005; 5: 1306-1311

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[3]

Neumann, Ulf P., Lang, Martina, Moldenhauer, Anja, Langrehr, Jan M., Glanemann, Matthias, Kahl, Andreas, Frei, Ullrich, Bechstein, Wolf O., et al. SIGNIFICANCE OF A T-LYMPHOCYTOTOXIC CROSSMATCH IN LIVER AND COMBINED LIVER-KIDNEY TRANSPLANTATION. Transplantation 2001; 71: 1163-1168

[4]

Olausson, M., Mjörnstedt, L., Nordén, G., et al. Successful Combined Partial Auxiliary Liver and Kidney Transplantation in Highly Sensitized Cross-Match Positive Recipients. American Journal of Transplantation 2007; 7: 130-136

6.6. Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 6.17

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Vor einer geplanten Organtransplantation sollen alle Patienten auf das Vorliegen einer aktuellen oder zurückliegenden HBV-Infektion untersucht werden.

Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Hintergrund

Unbehandelt zeigt die chronische HBV-Infektion nach Transplantation aufgrund der notwendigen immunsuppressiven Therapie meist einen progredienten Verlauf und ist mit einer signifikanten Letalität assoziiert. Das Risiko einer fulminanten Reaktivierung der HBV-Infektion unter Immunsuppression ist erhöht. Dieses Risiko besteht auch bei niedrig-replikativer HBeAg- negativer HBV-Infektion (sogenannte HBsAg-Träger (siehe auch „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasiertes Statement 6.18

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die HBV-Infektion stellt bei entsprechender Prophylaxe bzw. antiviraler Therapie keine Kontraindikation für eine Organtransplantation dar.

Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Hintergrund

Vor Einführung der NA-Therapie hatten HBV-infizierte Organtransplantationsempfänger im Vergleich zu HBV-negativen Patienten ein signifikant reduziertes Transplantat- und Gesamtüberleben (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Die chronische HBV-Infektion stellte damals bei potenziellen Organempfängern (nicht Leber) eine relative bzw. absolute Kontraindikation zur Transplantation dar. Seit Einführung einer konsequenten Therapie bzw. Prophylaxe mit hochpotenten NA bei HBsAg-positiven Organempfängern lassen sich keine wesentlichen Unterschiede mehr zwischen HBV- infizierten und HBV-naiven Organempfängern in Bezug auf das Transplantat- und Gesamtüberleben feststellen.

Das Vorliegen einer HBV-induzierten Leberzirrhose stellt jedoch einen potentiellen Risikofaktor für die leberbezogene Sterblichkeit nach der Transplantation dar. Bei Patienten mit Leberzirrhose sollte daher die Indikation zu einer kombinierten Organtransplantation geprüft werden bzw. bei dekompensierter Zirrhose eine kombinierte Transplantation erfolgen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 6.19

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit isoliert positiven Anti-HBc Antikörperstatus sollten auf HBV-DNA untersucht werden.

Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Hintergrund

Eine okkulte HBV-Infektion, definiert durch den Nachweis einer meist geringen HBV Replikation (HBV-DNA positiv) bei gelichzeitig negativem HBsAg-Status, sollte ausgeschlossen werden, da unter dieser Konstellation ein signifikantes Risiko besteht, dass es unter der immunsuppressiven Therapie nach der Transplantation zu einer Reaktivierung der HBV-Infektion kommt (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“).

Konsensbasierte Empfehlung 6.20

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer HBV-Infektion soll eine weitere Diagnostik entsprechend der üblichen diagnostischen Empfehlungen bei HBV-Infektion durchgeführt werden.

Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Hintergrund

Die HBV-Diagnostik wird analog zu den Empfehlungen in Kapitel „Diagnostik der Hepatitis B-Virusinfektion“ “ durchgeführt.

Konsensbasierte Empfehlung 6.21

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer Hepatitis B sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral behandelt werden.

Wie ist das Management von Patienten, die für eine Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber) evaluiert werden?

Hintergrund

Die Therapieempfehlungen unterscheiden sich nicht von anderen Patienten mit HBV-Infektion. Komorbiditäten sollten für die Auswahl der antiviralen Therapie analog zu den Empfehlungen in Kapitel „Therapie der chronischen Hepatitis B-Virusinfektion“ berücksichtigt werden.

6.7. Wie ist das Management von Patienten mit positiver HBV-Serologie nach Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber)? Wann, wie und bei wem wird eine Prophylaxe durchgeführt?

Evidenzbasierte Empfehlung 6.22

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Unabhängig vom Stadium und der Aktivität der HBV-Infektion sollen alle HBsAg- bzw. HBV-DNA positiven Patienten eine dauerhafte antivirale Therapie mit hoch-potenten NA (ETV, TDF, TAF) erhalten. Der Beginn der Therapie erfolgt spätestens zum Zeitpunkt der Transplantation.



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Wie ist das Management von Patienten mit positiver HBV-Serologie nach Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber)? Wann, wie und bei wem wird eine Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Ziel der antiviralen Therapie ist die rasche Suppression der HBV-Replikation unter die Nachweisgrenze sensitiver HBV-DNA-Tests bzw. bei Patienten mit nicht-replikativer, inaktiver HBV-Infektion (inaktiver HBsAg-Träger) die Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung unter der immunsuppressiven Therapie. Bei allen HBsAg-positiven Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten, soll daher eine Prophylaxe bzw. Therapie mit einem hochpotenten NA durchgeführt werden. Bei niedrig virämischen HBsAg-Trägern kann die prophylaktische Therapie mit Lamivudin zwar häufig ausreichend sein, ETV und TDF bzw. TAF zeichnen sich jedoch durch eine höhere Effektivität und Resistenzbarriere aus und sollten daher bevorzugt werden, wie auch in den internationalen Leitlinien der EASL und AASLD empfohlen * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Das Management erfolgt analog zu den Empfehlungen in  Kapitel „Therapie der chronischen Hepatitis B-Virusinfektion“.

Literatur

[1]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Konsensbasierte Empfehlung 6.23

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBc-positiven bzw. Anti-HBc- plus Anti-HBs-positiven Patienten (Zustand nach HBV-Infektion) soll ein regelmäßiges Monitoring auf HBsAg und HBV-DNA erfolgen. Eine prophylaktische antivirale Therapie braucht nicht regelhaft durchgeführt zu werden.

Wie ist das Management von Patienten mit positiver HBV-Serologie nach Transplantation anderer solider Organe (nicht Leber)? Wann, wie und bei wem wird eine Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Das Risiko einer Hepatitis-B-Reaktivierung bei isoliert Anti-HBc-positiven (± Anti-HBs) Patienten (HBsAg negativ und HBV-DNA negativ) liegt unter einer immunsuppressiven Therapie (z.B. Chemotherapie) bei ca. 0,9-5%. * Hwang, Jessica P., Lok, Anna S. F., Management of patients with hepatitis B who require immunosuppressive therapy. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology, 2013. 11(4): p. 209-219., http://dx.doi.org/10.1038/nrgastro.2013.216 (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Bei Anti-HBc/Anti-HBs-positiven Empfängern (Z.n. HBV-Infektion) ist das Risiko niedriger * Kanaan, Nada, Kabamba, Benoit, Maréchal, Céline, Pirson, Yves, Beguin, Claire, Goffin, Eric, et.al. Significant rate of hepatitis B reactivation following kidney transplantation in patients with resolved infection. Journal of Clinical Virology, 2012. 55(3): p. 233-238., http://dx.doi.org/10.1016/j.jcv.2012.07.015.

Bei Anti-HBc-positiven und HBV-DNA negativen Organempfängern (nicht Leber) wird aufgrund dieses geringen Reaktivierungsrisikos keine generelle prophylaktische antivirale Therapie empfohlen, sofern keine B-Zell Antikörper zur Immunsuppression eingesetzt werden * Loomba, Rohit, Liang, T. Jake, Hepatitis B Reactivation Associated With Immune Suppressive and Biological Modifier Therapies: Current Concepts, Management Strategies, and Future Directions. Gastroenterology, 2017. 152(6): p. 1297-1309., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.02.009.

Bei diesen Patienten sollten jedoch im Verlauf nach der Transplantation regelmäßig (im ersten Jahr alle 3 Monate, danach alle 3-6 Monate) HBV-DNA-Kontrollen durchgeführt und eine präemptive Behandlung begonnen werden, sobald die HBV-DNA positiv wird. Bei bestimmten Konstellationen, die mit einem erhöhten Risiko für eine Reaktivierung assoziiert sind, kann eine prophylaktische Therapie durchgeführt werden. Das sind z.B. HBsAg negative/Anti-HBc positive Patienten mit nachweisbarer HBV-DNA (okkulte HBV-Infektion) oder einer Behandlung mit Immunsuppressiva mit hohem Risiko für eine HBV-Reaktivierung (z.B. Behandlung mit einem B-Zell Antikörper, siehe auch „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“). Das entspricht auch den internationalen Leitlinien der EASL * EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.

Die AASLD-Leitlinien empfehlen ebenfalls, HBsAg-negative, Anti-HBc-positive Nicht-Leber-Empfänger auf eine HBV-Reaktivierung regelmäßig zu untersuchen, jedoch keine generelle prophylaktische Therapie. Alternativ kann eine antivirale Therapie für die ersten 6 bis 12 Monate, der Zeitspanne maximaler Immunsuppression, in Betracht gezogen werden. * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800

Literatur

[1]

Hwang, Jessica P., Lok, Anna S. F.. Management of patients with hepatitis B who require immunosuppressive therapy. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology 2013; 11: 209-219

[2]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[3]

Kanaan, Nada, Kabamba, Benoit, Maréchal, Céline, Pirson, Yves, Beguin, Claire, Goffin, Eric, Hassoun, Ziad. Significant rate of hepatitis B reactivation following kidney transplantation in patients with resolved infection. Journal of Clinical Virology 2012; 55: 233-238

[4]

Loomba, Rohit, Liang, T. Jake. Hepatitis B Reactivation Associated With Immune Suppressive and Biological Modifier Therapies: Current Concepts, Management Strategies, and Future Directions. Gastroenterology 2017; 152: 1297-1309

[5]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[6]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

6.8. Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Evidenzbasierte Empfehlung 6.24

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Vor einer geplanten SZT sollen alle Patienten auf das Vorliegen einer HBV-Infektion mittels HBsAg-, Anti-HBc- und Anti-HBs-Testung untersucht werden. Bei Nachweis einer HBV-Infektion (HBsAg-positiv), soll eine weitere Diagnostik entsprechend der Empfehlungen (siehe „Diagnostik der Hepatitis B-Virusinfektion“) durchgeführt werden.

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Eine virale Hepatitis stellt mit 7 bis 15 % die dritthäufigste Leberkomplikation bei Patienten nach SZ-Transplantation dar (Graft-versus-host-Reaktion 33%-40%, medikamentös-toxischer Schaden 19%-30%). Da effektive Therapiestrategien vorliegen, sollten alle Patienten vor SZT auf das Vorliegen einer HBV-Infektion mittels HBsAg-, Anti-HBc- und Anti-HBs-Testung untersucht werden. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasiertes Statement 6.25

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die HBV-Infektion stellt bei antiviraler Prophylaxe oder Therapie keine Kontraindikation zur SZT dar.

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Die HBV-Infektion kann effektiv verhindert bzw. behandelt werden und stellt daher keine Kontraindikation zur SZT dar (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 6.26

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit chronischer HBV-Infektion sollen entsprechend der aktuellen Empfehlungen antiviral mit NA behandelt werden.

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Patienten vor und nach KMT/SZT werden ebenso entsprechend den Empfehlungen in „Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion“ behandelt. Komorbiditäten (Niereninsuffizienz) sollten berücksichtigt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 6.27

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei niedrig-replikativer HBeAg-negativer HBV-Infektion soll zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden.

Konsensbasiertes Statement 6.28

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Prophylaxe sollte spätestens mit Beginn der myeloablativen Chemotherapie erfolgen.

Evidenzbasierte Empfehlung 6.29

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei HBsAg-negativen Patienten mit Zustand nach HBV-Infektion (Anti-HBc ± Anti-HBs positiv) sollte zur Prophylaxe der Hepatitis-B-Reaktivierung nach SZT ebenfalls eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden (siehe auch „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“).



[Leitlinienadaption EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

NA sind für die Therapie und Prophylaxe einer Hepatitis B-Reaktivierung geeignet (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?„). Die prophylaktische Gabe von Lamivudin im Rahmen prospektiver Studien bei HBsAg- positiven Patienten unter Chemotherapie konnte die Häufigkeit der Hepatitis-B-Reaktivierung erheblich vermindern (Evidenz 2a). (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Bei niedrig-virämischer HBeAg-negativer HBV-Infektion (sogenannter inaktiver HBsAg-Trägerstatus) soll daher zur Prophylaxe der Reaktivierung nach SZT eine antivirale Therapie mittels NA durchgeführt werden, wobei der Beginn der Prophylaxe 2 Wochen vor bzw. spätestens mit Beginn der Knochenmarks-ablativen Chemotherapie erfolgen soll. In einer retrospektiven Studie mit 216 HBsAg-positiven Patienten, die Lamivudin oder Entecavir als Prophylaxe nach SZT erhielten, zeigten sich nach 6, 12 und 24 Monaten deutlich höhere Hepatitis B-Reaktivierungsraten in der Lamivudin-Gruppe (3%, 7%, 24%) im Vergleich zur Entecavir-Gruppe (0%, 0%, 2%) * Shang, J., Wang, H., Sun, J., Fan, Z., Huang, F., Zhang, Y., et.al. A comparison of lamivudine vs entecavir for prophylaxis of hepatitis B virus reactivation in allogeneic hematopoietic stem cell transplantation recipients: a single-institutional experience. Bone Marrow Transplantation, 2016. 51(4): p. 581-586., http://dx.doi.org/10.1038/bmt.2015.328.
Somit sollte, auch in Übereinstimmung mit internationalen Leitlinien, die prophylaktische Therapie der Hepatitis B nach SZT bevorzugt mit antiviralen Medikamenten mit einer hohen Resistenzbarriere (ETV oder TDF / TAF) durchgeführt werden * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/
Hepatitis B-Reaktivierungen nach SZT bei HBsAg-negativen und isoliert Anti-HBc-positiven Patienten bzw. Anti-HBc- und Anti-HBs-positiven Patienten sind in zahlreichen Einzelfällen und Fallserien beschrieben worden (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
In einer neueren prospektiven Studie zeigte sich für unbehandelte HBsAg-negative, Anti-HBc-positive (± Anti-HBs-positive) Patienten nach allogener SZT eine hohe Rate an HBV Reaktivierungen von 41% innerhalb von 2 Jahren, wobei Patienten mit einem Alter >50 Jahre und mit chronischer Graft-versus-Host-Disease (GvHD) ein besonders hohes Reaktivierungsrisiko aufwiesen (Evidenz 2b) * Seto, Wai‐Kay, Chan, Thomas Sau‐Yan, Hwang, Yu‐Yan, Wong, Danny Ka‐Ho, Fung, James, Liu, Kevin Sze‐Hang, et.al. Hepatitis B reactivation in occult viral carriers undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A prospective study. Hepatology, 2017. 65(5): p. 1451-1461., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29022.
Diese Daten rechtfertigen den Einsatz einer primären antiviralen Prophylaxe mittels NA, vor allem in der Gruppe von Patienten mit einem hohen Risiko die Hepatitis B zu reaktivieren (siehe auch „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“). Bei Patienten mit einem Alter unter 50 Jahren ohne chronische GvHD kann gegebenenfalls auch ein engmaschiges Monitoring der HBV-DNA alle 4 Wochen alternativ zur primär prophylaktischen antiviralen Therapie durchgeführt werden.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Shang, J., Wang, H., Sun, J., et al. A comparison of lamivudine vs entecavir for prophylaxis of hepatitis B virus reactivation in allogeneic hematopoietic stem cell transplantation recipients: a single-institutional experience. Bone Marrow Transplantation 2016; 51: 581-586

[3]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[4]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[5]

Seto, Wai‐Kay, Chan, Thomas Sau‐Yan, Hwang, Yu‐Yan, Wong, Danny Ka‐Ho, Fung, James, Liu, Kevin Sze‐Hang, Gill, Harinder, Lam, Yuk‐Fai, Lau, Eric H. Y., Cheung, Ka‐Shing, Lie, Albert K. W., Lai, Ching‐Lung, Kwong, Yok‐Lam, Yuen, Man‐Fung. Hepatitis B reactivation in occult viral carriers undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A prospective study. Hepatology 2017; 65: 1451-1461

Konsensbasierte Empfehlung 6.30

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die prophylaktische antivirale Therapie sollte mindestens 12 Monate über die Immunrekonstitution (Ende der Chemotherapie) hinaus fortgeführt werden.

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Zur Dauer der Prophylaxe existieren keine Daten. Da Reaktivierungen aber auch jenseits der Immunrekonstitution auftreten können, sollte die Prophylaxe für eine Dauer von mindestens 12 Monaten über die Immunrekonstitution hinaus fortgeführt werden. Die Empfehlungen entsprechen den Empfehlungen in „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“.

Evidenzbasierte Empfehlung 6.31

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Der Versuch eines adoptiven Immuntransfers durch Hepatitis-B-Impfung des Spenders kann erwogen werden.

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Ein adoptiver Immuntransfer durch Knochenmarksspende HBV-immuner, d.h. Anti-HBs-positiver Spender reduziert das Risiko der Hepatitis-B-Reaktivierung und kann in Einzelfällen sogar zu einer Ausheilung der chronischen HBV-Infektion des Empfängers führen (Evidenz 4) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 6.32

Geprüft 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei Anti-HBs-positivem Spender und isoliert Anti-HBc-positivem Empfänger kann auf eine prophylaktische antivirale Therapie verzichtet werden. 

Konsensbasierte Empfehlung 6.33

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Ohne Prophylaxe sollen jedoch nach SZT engmaschige Kontrollen der HBV-DNA (ca. alle 4 Wochen) erfolgen und bei messbarer HBV-DNA umgehend eine antivirale Therapie mit NA erfolgen.

Wie ist das Management von Patienten vor und nach Stammzelltransplantation (SZT)? Wann, wie und bei wem wird eine antivirale Therapie bzw. Prophylaxe durchgeführt?

Hintergrund

Der protektive Effekt des adoptiven Immuntransfers ist bei der SZT durch Spender mit durchgemachter HBV-Infektion höher als bei Stammzell-Spendern, die ausschließlich eine Impfung gegen Hepatitis B erhalten haben. Da in beiden Kostellation kein absoluter Schutz vor einer Hepatitis B Reaktivierung gegeben ist, werden engmaschige Kontrollen der HBV-DNA im Abstand von ca. 4 Wochen nach SZT empfohlen * Seto, Wai‐Kay, Chan, Thomas Sau‐Yan, Hwang, Yu‐Yan, Wong, Danny Ka‐Ho, Fung, James, Liu, Kevin Sze‐Hang, et.al. Hepatitis B reactivation in occult viral carriers undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A prospective study. Hepatology, 2017. 65(5): p. 1451-1461., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29022.

Bei Reaktivierung erfolgt die Therapie analog den Empfehlungen in „Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion“.

Literatur

[1]

Seto, Wai‐Kay, Chan, Thomas Sau‐Yan, Hwang, Yu‐Yan, Wong, Danny Ka‐Ho, Fung, James, Liu, Kevin Sze‐Hang, Gill, Harinder, Lam, Yuk‐Fai, Lau, Eric H. Y., Cheung, Ka‐Shing, Lie, Albert K. W., Lai, Ching‐Lung, Kwong, Yok‐Lam, Yuen, Man‐Fung. Hepatitis B reactivation in occult viral carriers undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A prospective study. Hepatology 2017; 65: 1451-1461

6.9. Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?

Konsensbasierte Empfehlung 6.34

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Nachweis einer De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation (HBsAg-positiv) soll unabhängig von der Aktivität der Erkrankung eine antivirale Therapie mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) begonnen werden.

Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?

Hintergrund

De-novo-HBV-Infektionen nach Lebertransplantation, d. h. Neuauftreten von HBsAg im Serum, werden in ca. 2 bis 5 % beobachtet. Ein hoher Anti-HBs-Titer vor Transplantation (nach HBV-Impfung) reduziert das Risiko der De-novo-HBV-Infektion. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Die Transplantation eines Anti-HBc (± Anti-HBs-)-positiven Organs bzw. ein Anti-HBc-positiver Serostatus des Empfängers stellen Risikofaktoren für die De-novo-HBV-Infektion dar. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Die De-novo-HBV-Infektion führt meist zu einer chronischen Hepatitis B und ist unbehandelt mit einer signifikanten Morbidität und Letalität assoziiert. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Aufgrund der vorhandenen immunsuppressiven Therapie sollen alle Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Transplantation unabhängig von der Höhe der HBV-DNA antiviral mit einem NA mit hoher Resistenzbarriere (ETV, TDF oder TAF) behandelt werden (siehe „Wie kann eine Hepatitis-B-Reaktivierung unter Immunsuppression verhindert werden?“).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 6.35

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine PEG-IFN-Therapie soll nicht eingesetzt werden.

Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?

Hintergrund

Der Einsatz von Interferon alfa ist nach Organtransplantation nicht zu empfehlen, da aufgrund der immunmodulatorischen Eigenschaften ein erhöhtes Risiko für eine Abstoßung oder auch Plasmazell-Hepatitis besteht. * O'Grady, John, The immunoreactive patient: Rejection and autoimmune disease. Liver Transplantation, 2011. 17(S3): p. S29-S33., http://dx.doi.org/10.1002/lt.22413

Literatur

[1]

O’Grady, John. The immunoreactive patient: Rejection and autoimmune disease. Liver Transplantation 2011; 17: S29-S33

6.10. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Transplantation einer Leber eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Spenders:

Transplantation einer Leber eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Spenders:

Konsensbasierte Empfehlung 6.36

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HBs-negativem Empfänger soll eine Prophylaxe mit einem NA durchgeführt werden. Eine kombinierte Prophylaxe mit HBIG + NA sollte nicht erfolgen. Die Prophylaxe mit einem NA sollte dauerhaft durchgeführt werden. Sofern die Prophylaxe beendet wird, sollen regelmäßige Kontrollen von HBsAg und HBV-DNA erfolgen werden.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Bei HBsAg-negativen Patienten, die ein HBsAg-negatives, Anti-HBc-positives Transplantat erhalten, liegt das Risiko einer HBV-Reaktivierung im Transplantat ohne antivirale Prophylaxe in Abhängigkeit vom HBV-Immunstatus des Empfängers bei 33-100% * Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan, Risk of de novo hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation, 2011. 25(3):, http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-0012.2011.01409.x* Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800* Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/.
Daher wird in dieser Konstellation eine HBV-Prophylaxe empfohlen.

Eine Kombinationsprophylaxe mit NA plus HBIG erscheint jedoch nicht erforderlich zu sein und wird auch von der Leitlinie der AASLD nicht empfohlen. * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800
Die meisten Daten liegen für eine Monoprophylaxe mit Lamivudin vor. In Anbetracht der gut dokumentierten Effektivität und Sicherheit der Prophylaxe mit einer LAM-Monotherapie kann in dieser speziellen Konstellation auch der Einsatz von Lamivudin in einer Dosierung von 100 mg einmal täglich erwogen werden * Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187* Wright, A. J., Fishman, J. A., Chung, R. T., Lamivudine Compared With Newer Antivirals for Prophylaxis of Hepatitis B Core Antibody Positive Livers: A Cost-Effectiveness Analysis. American Journal of Transplantation, 2014. 14(3): p. 629-634., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.12598.

Für den Stellenwert zum Einsatz hoch-potenter NA (ETV, TDF und TAF) zur Prophylaxe einer HBV-Reaktivierung bei einer Lebertransplantation Anti-HBc-positiver/HBsAg-negativer Organe existieren aktuell nur sehr wenige Daten. * Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187* Leong, Jennifer, Coty, Patrick, Fiel, M. Isabel, Chang, Charissa, Florman, Sander, Schiano, Thomas, Lamivudine resistance leading to de novo hepatitis B infection in recipients of hepatitis B core antibody positive liver allografts. Hepatology Research, 2013. 44(12): p. 1248-1252., http://dx.doi.org/10.1111/hepr.12249* Chang, Matthew S., Olsen, Sonja K., Pichardo, Elsa M., Stiles, Jessica B., Rosenthal-Cogan, Lori, Brubaker, William D., et.al. Prevention of De Novo Hepatitis B in Recipients of Core Antibody-Positive Livers With Lamivudine and Other Nucleos(t)ides. Transplantation, 2013. 95(7): p. 960-965., http://dx.doi.org/10.1097/tp.0b013e3182845f97* Chotiyaputta, Watcharasak, Pelletier, Shawn J., Fontana, Robert J., Lok, Anna S. F., Long-term efficacy of nucleoside monotherapy in preventing HBV infection in HBsAg-negative recipients of anti-HBc-positive donor livers. Hepatology International, 2010. 4(4): p. 707-715., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-010-9188-0Die AASLD-Leitlinien weisen darauf hin, dass die Verwendung von Entecavir, TDF oder TAF bei Langzeitanwendung das geringste Risiko für Resistenzen aufweist * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800.

Die notwendige Dauer einer NA-Prophylaxe ist bisher nicht definiert. Das Risiko der Reaktivierung ist in der Frühphase nach Transplantation bei starker Immunsuppression wahrscheinlich am höchsten und im Langzeitverlauf nach LTx bei niedriger Dosierung der Immunsuppressiva möglicherweise geringer. Bei Anti-HBs-negativen Empfängern tritt die Reinfektion ohne Prophylaxe im Median 24 Monate nach LTX auf und nach zeitlich limitierter Prophylaxe im Median nach 35 Monaten, wie gepoolte Daten aus verschiedenen Serien zeigen. Auch Reaktivierungen nach mehr als 5 Jahren sind beschrieben (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Daher wird aufgrund der hohen Sicherheit und guten Verträglichkeit der NA-Therapie eine dauerhafte NA-Prophylaxe empfohlen. Die Wahl des NA sollte in Analogie zu den Empfehlungen der HBV Reinfektionsprohylaxe bei HBsAg-positiven Empfängern erfolgen (siehe Empfehlung 6.9).

Literatur

[1]

Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan. Risk of <i>de novo</i> hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation 2011; 25:

[2]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

[3]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[4]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., et al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation 2015; 15: 1162-1172

[5]

Wright, A. J., Fishman, J. A., Chung, R. T.. Lamivudine Compared With Newer Antivirals for Prophylaxis of Hepatitis B Core Antibody Positive Livers: A Cost-Effectiveness Analysis. American Journal of Transplantation 2014; 14: 629-634

[6]

Leong, Jennifer, Coty, Patrick, Fiel, M. Isabel, Chang, Charissa, Florman, Sander, Schiano, Thomas. Lamivudine resistance leading to de novo hepatitis <scp>B</scp> infection in recipients of hepatitis <scp>B</scp> core antibody positive liver allografts. Hepatology Research 2013; 44: 1248-1252

[7]

Chang, Matthew S., Olsen, Sonja K., Pichardo, Elsa M., et al. Prevention of De Novo Hepatitis B in Recipients of Core Antibody-Positive Livers With Lamivudine and Other Nucleos(t)ides. Transplantation 2013; 95: 960-965

[8]

Chotiyaputta, Watcharasak, Pelletier, Shawn J., Fontana, Robert J., Lok, Anna S. F.. Long-term efficacy of nucleoside monotherapy in preventing HBV infection in HBsAg-negative recipients of anti-HBc-positive donor livers. Hepatology International 2010; 4: 707-715

Konsensbasierte Empfehlung 6.37

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei isoliert Anti-HBs-positivem Empfänger ist das Risiko der HBV-Reaktivierung geringer als bei Anti-HBs-negativen Empfängern. Dennoch sollte eine Prophylaxe mit einem NA auch bei diesen Patienten erfolgen.
Die Prophylaxe (Empfehlung 6.36 und 6.37) sollte mit dem Zeitpunkt der Transplantation beginnen.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Ein Anti-HBs-positiver Empfänger hat ein signifikant geringeres Risiko einer HBV-Reaktivierung nach Transplantation eines Anti-HBc positiven Spenderorgans (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Dabei korreliert Risiko der Reaktivierung mit der Höhe der Empfänger Anti-HBs-Konzentrationen und ist umso niedriger, je höher die Anti-HBs-Konzentrationen sind.

Daher sollen alle Patienten ohne ausreichende Immunisierung gegen HBV vor der Transplantation geimpft werden. Ohne zusätzliche Prophylaxe verbleibt bei Anti-HBs-positiven Empfängern im Mittel ein Risiko von ca. 18% für eine HBV-Reaktivierung nach Transplantation eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Organs. * Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan, Risk of de novo hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation, 2011. 25(3):, http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-0012.2011.01409.x

In Analogie zu Anti-HBsAg-negativen Empfängern ist auch bei Anti-HBs-positivem Empfänger eine HBV-Prophylaxe mit einer NA-Monotherapie ausreichend (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/* Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan, Risk of de novo hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation, 2011. 25(3):, http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-0012.2011.01409.x* Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187.


Die notwendige Dauer der NA-Prophylaxe ist unklar. Eine Beendigung der NA-Prophylaxe kann unter engmaschiger Kontrolle (im ersten Jahr alle 3 Monate, danach alle 3-6 Monate) der HBsAg- und HBV-DNA-Konzentrationen erwogen werden, wenn nach HBV-Impfung eine stabile Anti-HBs-Response mit Titern >100 IU/ml induziert werden konnte * Verna, Elizabeth C., Vaccination to prevent de novo hepatitis B: Are there patients who do not need antiviral prophylaxis?. Liver Transplantation, 2017. 23(10): p. 1253-1254., http://dx.doi.org/10.1002/lt.24858* Wang, Shih‐Ho, Loh, Poh‐Yen, Lin, Ting‐Lung, Lin, Li‐Man, Li, Wei‐Feng, Lin, Yu‐Hung, et.al. Active immunization for prevention of De novo hepatitis B virus infection after adult living donor liver transplantation with a hepatitis B core antigen–positive graft. Liver Transplantation, 2017. 23(10): p. 1266-1272., http://dx.doi.org/10.1002/lt.24814* Yamashiki, Noriyo, Yoshizawa, Atsushi, Ueda, Yoshihide, Kaido, Toshimi, Okajima, Hideaki, Marusawa, Hiroyuki, et.al. The use of hepatitis B immunoglobulin with or without hepatitis B vaccine to prevent de novo hepatitis B in pediatric recipients of anti‐HBc–positive livers. Pediatric Transplantation, 2018. 22(5):, http://dx.doi.org/10.1111/petr.13227* Yang, Anli, Guo, Zhiyong, Ren, Qingqi, Wu, Linwei, Ma, Yi, Hu, Anbin, et.al. Active immunization in patients transplanted for hepatitis B virus related liver diseases: A prospective study. PLOS ONE, 2017. 12(11): p. e0188190., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0188190* Yoshizawa, Atsushi, Yamashiki, Noriyo, Ueda, Yoshihide, Kaido, Toshimi, Okajima, Hideaki, Marusawa, Hiroyuki, et.al. Long-term efficacy of hepatitis B vaccination as post-transplant prophylaxis in hepatitis B surface antigen (HBsAg) positive recipients and HBsAg negative recipients of anti-hepatitis B core positive grafts. Hepatology Research, 2015. 46(6): p. 541-551., http://dx.doi.org/10.1111/hepr.12586.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan. Risk of <i>de novo</i> hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation 2011; 25:

[3]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., et al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation 2015; 15: 1162-1172

[4]

Verna, Elizabeth C.. Vaccination to prevent de novo hepatitis B: Are there patients who do not need antiviral prophylaxis?. Liver Transplantation 2017; 23: 1253-1254

[5]

Wang, Shih‐Ho, Loh, Poh‐Yen, Lin, Ting‐Lung, Lin, Li‐Man, Li, Wei‐Feng, Lin, Yu‐Hung, Lin, Chih‐Che, Chen, Chao‐Long. Active immunization for prevention of De novo hepatitis B virus infection after adult living donor liver transplantation with a hepatitis B core antigen–positive graft. Liver Transplantation 2017; 23: 1266-1272

[6]

Yamashiki, Noriyo, Yoshizawa, Atsushi, Ueda, Yoshihide, Kaido, Toshimi, Okajima, Hideaki, Marusawa, Hiroyuki, Seno, Hiroshi, Uemoto, Shinji. The use of hepatitis B immunoglobulin with or without hepatitis B vaccine to prevent de novo hepatitis B in pediatric recipients of anti‐<scp>HB</scp>c–positive livers. Pediatric Transplantation 2018; 22:

[7]

Yang, Anli, Guo, Zhiyong, Ren, Qingqi, Wu, Linwei, Ma, Yi, Hu, Anbin, Wang, Dongping, Ye, Haidan, Zhu, Xiaofeng, Ju, Weiqiang, He, Xiaoshun. Active immunization in patients transplanted for hepatitis B virus related liver diseases: A prospective study. PLOS ONE 2017; 12: e0188190

[8]

Yoshizawa, Atsushi, Yamashiki, Noriyo, Ueda, Yoshihide, Kaido, Toshimi, Okajima, Hideaki, Marusawa, Hiroyuki, Chiba, Tsutomu, Uemoto, Shinji. Long-term efficacy of hepatitis B vaccination as post-transplant prophylaxis in hepatitis B surface antigen (HBsAg) positive recipients and HBsAg negative recipients of anti-hepatitis B core positive grafts. Hepatology Research 2015; 46: 541-551

Konsensbasierte Empfehlung 6.38

Neu 2020

starke Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei kombiniert Anti-HBs- und Anti-HBc-positiven Empfängern ist das Risiko einer HBV- Reaktivierung besonders gering. Hier kann der Verzicht auf eine Prophylaxe erwogen werden und stattdessen engmaschige Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg erfolgen. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll dann umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Besonders niedrig erscheint das Risiko einer HBV-Reaktivierung bei Anti-HBs-positiven/Anti-HBc-positiven-Empfängern (Z.n. Hepatitis B). Der Nutzen einer Prophylaxe ist hier nicht eindeutig belegt * Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187.
Die Rate an HBV-Reaktivierungen betrug bei einer Prophylaxe mit LAM+/-HBIG 3% (n=1/36) und ohne Prophylaxe 4% (n=3/70). Daher erscheint bei diesen Patienten auch der Verzicht auf eine Prophylaxe vertretbar zu sein. Unter diesen Umständen ist allerdings ein enges Monitoring von HBsAg und HBV-DNA erforderlich. Im ersten Jahr nach Transplantation sollte eine Kontrolle alle 3 Monate, im weiteren Verlauf alle 3-6 Monate erfolgen * Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan, Risk of de novo hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation, 2011. 25(3):, http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-0012.2011.01409.x.

Literatur

[1]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., et al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation 2015; 15: 1162-1172

[2]

Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan. Risk of <i>de novo</i> hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation 2011; 25:

Transplantation anderer Organe (z.B. Niere, Herz, Lunge, Pankreas, oder Stammzelltransplantation) eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Spenders:

Transplantation anderer Organe (z. B. Niere, Herz, Lunge, Pankreas, oder Stammzelltransplantation) eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Spenders:

Konsensbasierte Empfehlung 6.39

Modifiziert 2020

starke Empfehlung/Empfehlung

Starker Konsens


Eine Prophylaxe mit HBIG und/oder einem NA sollte unabhängig vom Anti-HBs-Status des Transplantatempfängers aufgrund des insgesamt geringen Risikos der HBV-Infektion nicht erfolgen. Es sollten Kontrollen von HBV-DNA und HBsAg im Verlauf durchgeführt werden. Bei messbarer HBV-DNA und/oder HBsAg-Positivität soll umgehend eine antivirale Therapie mit einem NA erfolgen.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines Anti-HBc-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Das Risiko einer HBV-Übertragung ist bei der Herz-, Lungen- oder Nierenspende eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Spenders im Vergleich zur Leberspende gering (<5%). In einem systematischen Review, in dem 1385 Nierentransplantatempfänger mit Organen von Spendern analysiert wurden, die HBsAg-negativ, aber Anti-HBc-positiv waren, wurden im Verlauf nach Transplantation 0,3% HBsAg-positiv und 2,3% Anti-HBc-positiv getestet. Der Anti-HBc Status des Spenders hat keinen Einfluss auf das Empfängerüberleben. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). * Mahboobi, N., Tabatabaei, S. V., Blum, H. E., Alavian, S. M., Renal grafts from anti-hepatitis B core-positive donors: a quantitative review of the literature. Transplant Infectious Disease, 2012. 14(5): p. 445-451., http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-3062.2012.00782.x* Manickam, P., Krishnamoorthi, R., Kanaan, Z., Gunasekaran, P. K., Cappell, M. S., Prognostic implications of recipient or donor hepatitis B seropositivity in thoracic transplantation: analysis of 426 hepatitis B surface antigen‐positive recipients. Transplant Infectious Disease, 2014. 16(4): p. 597-604., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12256.

Eine erfolgreiche HBV-Impfung des Empfängers scheint das Risiko einer HBV-Transmission durch das Spenderorgan zusätzlich zu reduzieren und wird daher für alle Patienten empfohlen. Das Vorhandensein von Anti-HBc und/oder Anti-HBs bei den Empfängern ist mit einem Schutz gegen HBV-Übertragung und HBsAg-Serokonversion verbunden. * Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187* Satterthwaite, Roger, Ozgu, Isik, Shidban, Hamid, Aswad, Saleh, Sunga, Victor, Zapanta, Ramulfo, et.al. RISKS OF TRANSPLANTING KIDNEYS FROM HEPATITIS B SURFACE ANTIGEN-NEGATIVE, HEPATITIS B CORE ANTIBODY-POSITIVE DONORS1,2. Transplantation, 1997. 64(3): p. 432-435., http://dx.doi.org/10.1097/00007890-199708150-00011 Aufgrund dieses geringen Risikos der HBV-Übertragung wird eine Prophylaxe in dieser Konstellation nicht generell empfohlen.

Anmerkung: Die AASLD-Leitlinien empfehlen allerdings, dass eine antivirale Therapie verabreicht werden sollte, um dieses geringe Risiko einer HBV-Infektion weiter zu verringern. Hier wird dann allerdings nur eine Therapie von 6-12 Monaten empfohlen. * Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800
Die Empfänger Anti-HBc-positiver/HBsAg-negativer Organe sollten zum Ausschluss einer Hepatitis-B-Reaktivierung bzw. HBV-Transmission regelmäßig auf HBsAg und HBV-DNA untersucht werden (alle 3 Monate im 1. Jahr nach Transplantation, im Verlauf alle 3-6 Monate). Bei positivem Nachweis von HBsAg und/oder HBV-DNA besteht die Indikation zur antiviralen Therapie (siehe „Wie ist das Management von Patienten mit De-novo-HBV-Infektion nach Organtransplantation?“).

Für das Risiko einer HBV-Transmission nach Stammzelltransplantation (SZT) eines Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Spenders liegen nur unzureichende Daten vor. Es wird grundsätzlich dasselbe Vorgehen wie bei Herz-, Lungen- oder Nierenspende empfohlen. Es soll in jedem Fall eine engmaschige Kontrolle der HBV-Parameter nach SZT erfolgen. Eine okkulte HBV-Infektion (HBsAg negativ, HBV-DNA positiv) sollte bei Anti-HBc-positiven Stammzellspendern durch Bestimmung der HBV-DNA vor der Transplantation ausgeschlossen werden.

Der Nachweis von Anti-HBc-Antikörpern nach Organ-Tx bedeutet nicht in jedem Fall, dass eine HBV-Reaktivierung bzw. de-novo-HBV-Infektion stattgefunden haben, sondern kann auch durch eine Transfusion von Blut und Blutprodukten (z.B. Gabe von Immunglobulinen), welche Anti-HBc Antikörper enthalten, bedingt sein. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Mahboobi, N., Tabatabaei, S. V., Blum, H. E., et al. Renal grafts from anti-hepatitis B core-positive donors: a quantitative review of the literature. Transplant Infectious Disease 2012; 14: 445-451

[3]

Manickam, P., Krishnamoorthi, R., Kanaan, Z., et al. Prognostic implications of recipient or donor hepatitis B seropositivity in thoracic transplantation: analysis of 426 hepatitis B surface antigen‐positive recipients. Transplant Infectious Disease 2014; 16: 597-604

[4]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., et al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation 2015; 15: 1162-1172

[5]

Satterthwaite, Roger, Ozgu, Isik, Shidban, Hamid, Aswad, Saleh, Sunga, Victor, Zapanta, Ramulfo, Asai, Paul, Bogaard, Thomas, Khetan, Umakant, Mendez, Rafael G., Mendez, Robert. RISKS OF TRANSPLANTING KIDNEYS FROM HEPATITIS B SURFACE ANTIGEN-NEGATIVE, HEPATITIS B CORE ANTIBODY-POSITIVE DONORS1,2. Transplantation 1997; 64: 432-435

[6]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology 2018; 67: 1560-1599

Tabelle 12: Empfehlung bei Transplantation von Organen von Anti-HBc-positiven/HBsAg- negativen Spendern

Anti-HBc positives und HBsAg negatives SpenderorganEmpfänger-Status: Anti-HbsEmpfänger-Status: Anti-HBcEmpfehlung
LeberDauerhafte NA-Prophylaxe (mind. bis Anti-HBs stabil >100 IU/ml)
+Dauerhafte NA-Prophylaxe (mind. bis Anti-HBs stabil >100 IU/ml)
+/-+Monitoring von HBsAg und HBV-DNA ausreichend (alle 3 Monate im 1. Jahr danach alle 3-6 Monate)
Anderes Organ (nicht Leber)+/-+/-Monitoring von HBsAg und HBV-DNA ausreichend (alle 3 Monate im 1. Jahr danach alle 3-6 Monate)

6.11. Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Konsensbasierte Empfehlung 6.40

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Die Transplantation von Organen eines HBsAg-positiven Spenders kann in Einzelfällen bei Zustimmung des Empfängers erwogen werden.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Die Lebertransplantation ist bei einem HBsAg-positiven Spender bisher nur in Ausnahmefällen durchgeführt worden. Unter einer effektiven antiviralen Prophylaxe mit hochpotenten NA zeigte sich jedoch ein vergleichbares Transplantatüberleben und Gesamtüberleben wie bei Patienten, die ein HBsAg-negatives Spenderorgan erhalten hatten * Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187* Saidi, R. F., Jabbour, N., Shah, S. A., Li, Y. F., Bozorgzadeh, A., Liver Transplantation From Hepatitis B Surface Antigen-Positive Donors. Transplantation Proceedings, 2013. 45(1): p. 279-280., http://dx.doi.org/10.1016/j.transproceed.2012.05.077* Yu, Songfeng, Yu, Jun, Zhang, Wei, Cheng, Longyu, Ye, Yufu, Geng, Lei, et.al. Safe use of liver grafts from hepatitis B surface antigen positive donors in liver transplantation. Journal of Hepatology, 2014. 61(4): p. 809-815., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2014.05.003.

In einer asiatischen Studie erhielten 42 Patienten eine HBsAg-positive Spenderleber. Es wurde nach der Transplantation eine Prophylaxe mit NA +/- HBIG durchgeführt. Das Transplantatüberleben und das Gesamtüberleben unterschieden sich nicht signifikant von den 327 Kontrollpatienten, die ein HBsAg-negatives Spenderorgan erhalten hatten * Yu, Songfeng, Yu, Jun, Zhang, Wei, Cheng, Longyu, Ye, Yufu, Geng, Lei, et.al. Safe use of liver grafts from hepatitis B surface antigen positive donors in liver transplantation. Journal of Hepatology, 2014. 61(4): p. 809-815., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2014.05.003. Aufgrund des ausgeprägten Organmangels bestand bei den Mitgliedern ein hoher Konsens auch die Transplantation HBsAg-positiver Organe in Einzelfällen und nach individueller Nutzen-Risikoabwägung bei expliziter Einwilligung des Empfängers und ausreichender Organqualität zu empfehlen.

Literatur

[1]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., et al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation 2015; 15: 1162-1172

[2]

Saidi, R. F., Jabbour, N., Shah, S. A., et al. Liver Transplantation From Hepatitis B Surface Antigen-Positive Donors. Transplantation Proceedings 2013; 45: 279-280

[3]

Yu, Songfeng, Yu, Jun, Zhang, Wei, Cheng, Longyu, Ye, Yufu, Geng, Lei, Yu, Zhiyong, Yan, Sheng, Wu, Lihua, Wang, Weilin, Zheng, Shusen. Safe use of liver grafts from hepatitis B surface antigen positive donors in liver transplantation. Journal of Hepatology 2014; 61: 809-815

Konsensbasierte Empfehlung 6.41

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Alle Patienten, die eine Lebertransplantation eines HBsAg-positiven Spenders erhalten, sollen dauerhaft mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) behandelt werden.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Aufgrund der effektiven antiviralen Prophylaxe mit hochpotenten NA wie unter Empfehlung 6.40 beschrieben, soll bei allen Patienten, die ein HBsAg-positives Lebertransplantat erhalten, eine lebenslange Therapie mit einem hochpotenten NA (ETV, TDF, TAF) erfolgen. Eine HBIG Prophylaxe ist nicht erforderlich, da das Organ bereits HBV infiziert und eine Reinfektion nicht verhindert werden kann.

Konsensbasierte Empfehlung 6.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei allen anderen Organtransplantationen (nicht Lebertransplantation, inkl. SZT) eines HBsAg-positiven Spenders soll die Prophylaxe initial kombiniert mit HBIG plus potentem NA erfolgen (siehe Empfehlung 6.7).

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Die Erfahrungen mit der Verwendung von Nierentransplantaten HBsAg-positiver Spendern sind begrenzt. Nach bisherigen Daten ist die Transplantation der Niere eines HBsAg-positiven Spenders kein Risikofaktor für ein ungünstiges Transplantat- oder Gesamtüberleben, sofern zum Zeitpunkt der Transplantation ein ausreichender HBV-Impfschutz (Anti-HBs-Konzentration >100 U/l) besteht. Sofern zum Zeitpunkt der Transplantation keine ausreichende Anti-HBs-Konzentration (>100 IU/ml) vorliegt, soll initial zur NA-Therapie zusätzlich HBIG eingesetzt werden. Die Dauer der HBIG-Therapie ist nicht definiert. Eine Behandlung für drei Monate scheint gemessen an kleinen Fallserien ausreichend zu sein (Dosierungen entsprechend Tabelle „Empfehlung zur Prophylaxe der HBV-Reinfektion nach OLT“* Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187* Jiang, H., Wu, J., Zhang, X., Wu, D., Huang, H., He, Q., et.al. Kidney Transplantation from Hepatitis B Surface Antigen Positive Donors into Hepatitis B Surface Antibody Positive Recipients: A Prospective Nonrandomized Controlled Study from a Single Center. American Journal of Transplantation, 2009. 9(8): p. 1853-1858., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2009.02707.x* Chancharoenthana, W., Townamchai, N., Pongpirul, K., Kittiskulnam, P., Leelahavanichkul, A., Avihingsanon, Y., et.al. The Outcomes of Kidney Transplantation in Hepatitis B Surface Antigen (HBsAg)–Negative Recipients Receiving Graft From HBsAg-Positive Donors: A Retrospective, Propensity Score-Matched Study. American Journal of Transplantation, 2014. 14(12): p. 2814-2820., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.12921

Allerdings wurde ein Fall einer fulminanten, letztlich letal verlaufenden HBV-Infektion ein Jahr nach Nierentransplantation einer Niere eines HBsAg-positiven Spenders beschrieben. Hierbei lag eine HBsAg-„Escape“-Mutante vor. Eine Prophylaxe mit einem NA war in diesem Fall jedoch nicht durchgeführt worden. * Magiorkinis, E., Paraskevis, D., Pavlopoulou, I. D., Kantzanou, M., Haida, C., Hatzakis, A., et.al. Renal transplantation from hepatitis B surface antigen (HBsAg)‐positive donors to HBsAg‐negative recipients: a case of post‐transplant fulminant hepatitis associated with an extensively mutated hepatitis B virus strain and review of the current literature. Transplant Infectious Disease, 2013. 15(4): p. 393-399., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12094

Aufgrund des existierenden Organmangels bestand bei den Leitlinienmitgliedern ein hoher Konsens für die Empfehlung, die Transplantation HBsAg-positiver nicht-Leber Organe in Analogie zu der Empfehlung bei der Lebertransplatation nach gründlicher Prüfung von individuellen Risiken und Nutzen des Patienten in Erwägung zu ziehen. Über die Sicherheit und das Management von Herz- und Lungentransplantationen mit Organen von HBsAg-positiven Spendern liegen nur unzureichende Daten vor.

Literatur

[1]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., et al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation 2015; 15: 1162-1172

[2]

Jiang, H., Wu, J., Zhang, X., et al. Kidney Transplantation from Hepatitis B Surface Antigen Positive Donors into Hepatitis B Surface Antibody Positive Recipients: A Prospective Nonrandomized Controlled Study from a Single Center. American Journal of Transplantation 2009; 9: 1853-1858

[3]

Chancharoenthana, W., Townamchai, N., Pongpirul, K., et al. The Outcomes of Kidney Transplantation in Hepatitis B Surface Antigen (HBsAg)–Negative Recipients Receiving Graft From HBsAg-Positive Donors: A Retrospective, Propensity Score-Matched Study. American Journal of Transplantation 2014; 14: 2814-2820

[4]

Magiorkinis, E., Paraskevis, D., Pavlopoulou, I. D., et al. Renal transplantation from hepatitis B surface antigen (<scp>HB</scp>sAg)‐positive donors to <scp>HB</scp>sAg‐negative recipients: a case of post‐transplant fulminant hepatitis associated with an extensively mutated hepatitis B virus strain and review of the current literature. Transplant Infectious Disease 2013; 15: 393-399

Konsensbasierte Empfehlung 6.43

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei einer Stammzelltransplantation eines HBsAg-positiven Spenders soll zusätzlich der Spender möglichst frühzeitig vor der Transplantation mit einem hochpotenten NA behandelt werden.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Auch die Datenlage zur Sicherheit der Verwendung von HBsAg-postiven Stammzellspendern ist aktuell sehr begrenzt. Eine Verwendung von HBsAg-positiven Stammzellspendern kann im Falle fehlender anderer Optionen in Erwägung gezogen werden. Ohne Prophylaxe ist das Risiko einer HBV Übertragung hoch (48-56%) * Giaccone, Luisa, Festuccia, Moreno, Marengo, Andrea, Resta, Isabel, Sorasio, Roberto, Pittaluga, Fabrizia, et.al. Hepatitis B Virus Reactivation and Efficacy of Prophylaxis with Lamivudine in Patients Undergoing Allogeneic Stem Cell Transplantation. Biology of Blood and Marrow Transplantation, 2010. 16(6): p. 809-817., http://dx.doi.org/10.1016/j.bbmt.2009.12.533, * Lau, George K. K., Lie, Albert K. W., Kwong, Yok Lam, Lee, Cheuk Kwong, Hou, Jinlin, Lau, Yu Lung, et.al. A case-controlled study on the use of HBsAg-positive donors for allogeneic hematopoietic cell transplantation. Blood, 2000. 96(2): p. 452-458., http://dx.doi.org/10.1182/blood.v96.2.452.014k13_452_458.

Der Stammzellspender soll möglichst frühzeitig vor der Transplantation mit einem hochpotenten NA behandelt werden, um die Viruslast zu minimieren * Hui, Chee-kin, Lie, Albert, Au, Wing-yan, Ma, Shing-yan, Leung, Yu-Hung, Zhang, Hai-ying, et.al. Effectiveness of Prophylactic Anti-HBV Therapy in Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation with HBsAg Positive Donors. American Journal of Transplantation, 2005. 5(6): p. 1437-1445., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2005.00887.x.
Der Empfänger soll eine langfristige Prophylaxe mit einem potenten NA erhalten. Die optimale Dauer der Prophylaxe ist nicht definiert. Es wird bei guter Verträglichkeit eine dauerhafte Prophylaxe empfohlen. Eine Beendigung der NA-Prophylaxe kann unter engmaschiger Kontrolle der HBsAg- und HBV-DNA-Konzentrationen erwogen werden, wenn nach HBV-Impfung eine stabile Anti-HBs-Response mit HBsAg-Konzentrationen >100 IU/ml induziert werden konnte * Lau, George K. K., Lie, Albert K. W., Kwong, Yok Lam, Lee, Cheuk Kwong, Hou, Jinlin, Lau, Yu Lung, et.al. A case-controlled study on the use of HBsAg-positive donors for allogeneic hematopoietic cell transplantation. Blood, 2000. 96(2): p. 452-458., http://dx.doi.org/10.1182/blood.v96.2.452.014k13_452_458* Hui, Chee-kin, Lie, Albert, Au, Wing-yan, Ma, Shing-yan, Leung, Yu-Hung, Zhang, Hai-ying, et.al. Effectiveness of Prophylactic Anti-HBV Therapy in Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation with HBsAg Positive Donors. American Journal of Transplantation, 2005. 5(6): p. 1437-1445., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2005.00887.x.

Literatur

[1]

Giaccone, Luisa, Festuccia, Moreno, Marengo, Andrea, Resta, Isabel, Sorasio, Roberto, Pittaluga, Fabrizia, Fiore, Francesca, Boccadoro, Mario, Rizzetto, Mario, Bruno, Benedetto, Marzano, Alfredo. Hepatitis B Virus Reactivation and Efficacy of Prophylaxis with Lamivudine in Patients Undergoing Allogeneic Stem Cell Transplantation. Biology of Blood and Marrow Transplantation 2010; 16: 809-817

[2]

Lau, George K. K., Lie, Albert K. W., Kwong, Yok Lam, Lee, Cheuk Kwong, Hou, Jinlin, Lau, Yu Lung, Lim, Wei Ling, Liang, Raymond. A case-controlled study on the use of HBsAg-positive donors for allogeneic hematopoietic cell transplantation. Blood 2000; 96: 452-458

[3]

Hui, Chee-kin, Lie, Albert, Au, Wing-yan, Ma, Shing-yan, Leung, Yu-Hung, Zhang, Hai-ying, Sun, Jian, Cheung, Winnie W. W., Chim, Chor-sang, Kwong, Yok-lam, Liang, Raymond, Lau, George K. K.. Effectiveness of Prophylactic Anti-HBV Therapy in Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation with HBsAg Positive Donors. American Journal of Transplantation 2005; 5: 1437-1445

Konsensbasierte Empfehlung 6.44

Neu 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einer Hepatitis-Delta Virus-Infektion sollten keine HBsAg-positive Spenderleber erhalten.

Wie ist das Management von Patienten, die ein Organ eines HBsAg-positiven Spenders erhalten?

Hintergrund

Bei Patienten mit einer Hepatitis Delta sollten keine HBsAg-positiven Spenderlebern verwendet werden. Ein Rezidiv der Hepatitis Delta ist wahrscheinlich und trat in einer kleinen Fallserie in beiden HDV-infizierten Patienten auf, die ein HBsAg-positives Organ erhielten * Franchello, Alessandro, Ghisetti, Valeria, Marzano, Alfredo, Romagnoli, Renato, Salizzoni, Mauro, Transplantation of hepatitis B surface antigen-positive livers into hepatitis B virus-positive recipients and the role of hepatitis delta coinfection. Liver Transplantation, 2005. 11(8): p. 922-928., http://dx.doi.org/10.1002/lt.20471.

Literatur

[1]

Franchello, Alessandro, Ghisetti, Valeria, Marzano, Alfredo, Romagnoli, Renato, Salizzoni, Mauro. Transplantation of hepatitis B surface antigen-positive livers into hepatitis B virus-positive recipients and the role of hepatitis delta coinfection. Liver Transplantation 2005; 11: 922-928

6.12. Wer sollte vor einer Organtransplantation gegen HBV geimpft werden?

Konsensbasierte Empfehlung 6.45

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit einem Anti-HBs-Spiegel <100 U/l sollen so früh wie möglich vor einer geplanten Organ-Tx unter Ausnutzung aller Strategien zur Steigerung des Impfansprechens gegen Hepatitis B geimpft werden.

Wer sollte vor einer Organtransplantation gegen HBV geimpft werden?

Hintergund

Bisher ist die Schwelle der Anti-HBs-Konzentration, bei welchem von einem sicheren Impfschutz nach Transplantation ausgegangen werden kann, nicht bekannt. Die Höhe der Anti-HBs-Konzentrationen ist aber hinsichtlich der Prävention einer De-novo-HBV-Infektion nach Transplantation von Bedeutung * Kim, Kyun‐Hwan, Ahn, Sang Hoon, Chung, Hyo Young, Paik, Yong Han, Lee, Kwan Sik, Kim, Yu Seun, et.al. Hepatitis B virus infection after renal transplantation in the presence of antibody to hepatitis B surface antigen immunity. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2004. 19(8): p. 847-853., http://dx.doi.org/10.1111/j.1440-1746.2003.03303.x* Su, Wei-Ju, Ho, Ming-Chih, Ni, Yen-Hsuan, Chen, Huey-Ling, Hu, Rey-Heng, Wu, Yao-Ming, et.al. High-Titer Antibody to Hepatitis B Surface Antigen Before Liver Transplantation Can Prevent De Novo Hepatitis B Infection. Journal of Pediatric Gastroenterology & Nutrition, 2009. 48(2): p. 203-208., http://dx.doi.org/10.1097/mpg.0b013e3181819ad4.

Die HBV-Impfung sollte so früh wie möglich erfolgen, da mit zunehmendem Progress der Lebererkrankung das Impfansprechen abnimmt. Das Impfansprechen bei Patienten mit Leberzirrhose vor Transplantation liegt bei einem konventionellen Impfschema (20 μg i.m. zu den Monaten 0, 1 und 6) bei etwa 16 bis 28% (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Zur Steigerung des Impfansprechens können höhere Dosierungen und/oder zusätzliche Impfapplikationen (Booster) zum Einsatz kommen (siehe auch „Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?“ und „Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?“) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Eine Hochdosis-Hepatitis-B-Impfung mit ein- oder mehrmaligen Gaben von 80 μg Vakzine führt bei Patienten mit chronischer Lebererkrankung, die nicht auf eine Impfung (mit 3 x 40 μg des HBV-Impfstoffs) angesprochen haben, zu einer signifikanten Steigerung des Impfansprechens (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Eine Wiederholung eines Impfzyklus mit 3 x 40 μg des HBV-Impfstoffs nach initialem Nichtansprechen auf die Impfung (Anti-HBs-Konzentration <10 IU/ml) führte in einer prospektiven Studie zu einem Impfansprechen von 51% mit einer medianen Anti-HBs-Konzentration von IU/mL (Spannweite, 11 to >1.000 IU/mL) * Gutierrez Domingo, I., Pascasio Acevedo, J. M., Alcalde Vargas, A., Ramos Cuadra, A., Ferrer Ríos, M. T., Sousa Martin, J. M., et.al. Response to Vaccination Against Hepatitis B Virus with a Schedule of Four 40-μg Doses in Cirrhotic Patients Evaluated for Liver Transplantation: Factors Associated with a Response. Transplantation Proceedings, 2012. 44(6): p. 1499-1501., http://dx.doi.org/10.1016/j.transproceed.2012.05.071.

Literatur

[1]

Kim, Kyun‐Hwan, Ahn, Sang Hoon, Chung, Hyo Young, Paik, Yong Han, Lee, Kwan Sik, Kim, Yu Seun, Chon, Chae Yoon, Moon, Young Myoung, Han, Kwang‐Hyub. Hepatitis B virus infection after renal transplantation in the presence of antibody to hepatitis B surface antigen immunity. Journal of Gastroenterology and Hepatology 2004; 19: 847-853

[2]

Su, Wei-Ju, Ho, Ming-Chih, Ni, Yen-Hsuan, Chen, Huey-Ling, Hu, Rey-Heng, Wu, Yao-Ming, Chang, Mei-Hwei, Lee, Po-Huang. High-Titer Antibody to Hepatitis B Surface Antigen Before Liver Transplantation Can Prevent De Novo Hepatitis B Infection. Journal of Pediatric Gastroenterology & Nutrition 2009; 48: 203-208

[3]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[4]

Gutierrez Domingo, I., Pascasio Acevedo, J. M., Alcalde Vargas, A., et al. Response to Vaccination Against Hepatitis B Virus with a Schedule of Four 40-μg Doses in Cirrhotic Patients Evaluated for Liver Transplantation: Factors Associated with a Response. Transplantation Proceedings 2012; 44: 1499-1501

Evidenzbasierte Empfehlung 6.46

2020

Evidenzlevel 5

Empfehlungsgrad B


Eine Booster-HBV-Impfung sollte bei Patienten mit einem Anti-HBs-Konzentrationen ≥ 10 und < 100 U/l durchgeführt werden.

siehe „Wie ist bei Personen zu verfahren, deren Anti-HBs-Konzentration 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung 10 – 99 IU/l beträgt (gesunde Lowresponder)?“

Wer sollte vor eine rOrgantransplantation gegen HBV geimpft werden?

Hintergrund

Da mit hoher Wahrscheinlichkeit die Höhe des Anti-HBs-Titers hinsichtlich der Prävention einer De-novo-HBV-Infektion nach Transplantation von Bedeutung ist und die Impfung sicher ist, wird bereits bei einem Abfall des Anti-HBs-Spiegel <100 U/l bei vorher erfolgreich geimpften Patienten eine Boosterimpfung vor Transplantation empfohlen.

Auch bei Anti-HBc-positiven Patienten mit einem Anti-HBs-Spiegel <100U/l wird eine Booster-impfung vor Transplantation empfohlen, wenngleich prospektive Studien zur Effektivität bzw. Notwendigkeit dieser Impfstrategie fehlen (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

7. Immunprophylaxe der Hepatitis B

D. Glebe, W. Jilg, W. Gerlich, B. Kallinowski B, J. Schulze zur Wiesch, J. Verheyen, S. Wicker

D. Glebe, W. Jilg, W. Gerlich, B. Kallinowski B, J. Schulze zur Wiesch, J. Verheyen, S. Wicker

7.1. Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?

Konsensbasierte Empfehlung 7.1

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) sollen geimpft werden:

Konsensbasierte Empfehlung 7.2

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


a) alle Säuglinge ab dem vollendeten 2. Lebensmonat,

Konsensbasierte Empfehlung 7.3

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


b) alle Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg- Status innerhalb von 12 Stunden,

Konsensbasierte Empfehlung 7.4

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


c) alle noch nicht geimpften Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, möglichst vor Beginn der Pubertät,

[NKLM]

Konsensbasierte Empfehlung 7.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


d) alle in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten Personen mit erhöhtem Hepatitis-B-Risiko (Tabelle „Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020“).

[NKLM]

Tabelle 13: Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020].

Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]
1. Personen, bei denen wegen einer vorbestehenden oder zu erwartenden Immundefizienz bzw. -suppression oder wegen einer vorbestehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten ist, z. B. HIV-Positive, Hepatitis-C-Positive, DialysepatientInnen
2. Personen mit einem erhöhten nichtberuflichen Expositionsrisiko, z. B. Kontakt zu HBsAg- Trägern in Familie/Wohngemeinschaft, Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko, i. v. Drogenkonsumierende, Untersuchungshäftlinge und Strafgefangene, ggf. PatientInnen psychiatrischer Einrichtungen
3. Personen mit erhöhten beruflichen Expositionsrisiko, einschließlich Auszubildende, PraktikantInnen, Studierender und ehrenamtliche Tätige mit vergleichbaremExpositionsrisiko, z. B. Personal in medizinischen Einrichtungen (einschließlich Labor- und Reinigungspersonal), Sanitäts- und Rettungsdienst, betriebliche ErsthelferInnen, PolizistInnen, Personal von Einrichtungen, in denen eine erhöhte Prävalenz von Hepatitis- B-Infizierten zu erwarten ist (z. B. Gefängnisse, Asylbewerberheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen).
4. Reiseindikation
individuelle Gefährdungsbeurteilung erforderlich
zusätzlich werden noch erwähnt:
Personen nach Verletzungen mit möglicherweise HBV-haltigen Gegenständen (z. B. Nadelstich) oder Blutkontakt mit Schleimhaut oder nichtintakter Haut. (s. „Wie ist bei nicht gegen Hepatitis B Immunen im Falle eines Kontakts mit HBV-haltigem Material zu verfahren?“)
Neugeborene HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg-Status (unabhängig vom Geburtsgewicht) (s. „Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?“).

Literatur: * Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Epidemiol Bull 2020; 34. Im Internet: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/34_20.pdf?__blob=publicationFile, 2020.* Hilgendorf, Inken, Freund, Mathias, Jilg, Wolfgang, Einsele, Hermann, Gea-Banacloche, Juan, Greinix, Hildegard, et.al. Vaccination of allogeneic haematopoietic stem cell transplant recipients: Report from the International Consensus Conference on Clinical Practice in chronic GVHD. Vaccine, 2011. 29(16): p. 2825-2833., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2011.02.018* Kim, David K., Riley, Laura E., Harriman, Kathleen H., Hunter, Paul, Bridges, Carolyn B., Advisory Committee on Immunization Practices Recommended Immunization Schedule for Adults Aged 19 Years or Older — United States, 2017. MMWR. Morbidity and Mortality Weekly Report, 2017. 66(5): p. 136-138., http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm6605e2* Use of hepatitis B vaccination for adults with diabetes mellitus: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP).. MMWR Morb Mortal Wkly Rep, 2011. 60 (50)(50): p. 1709-11., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22189894/* World Health Organization. Global health sector strategy on viral hepatitis 2016-2021. Glob Hepat Program Dep HIV/AIDS 2016; 56, 2016.

7.2. Wann sollte die Impfung gegen Hepatitis B durchgeführt werden?

Konsensbasierte Empfehlung 7.6

2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Impfung sollte durchgeführt werden:

Konsensbasierte Empfehlung 7.7

2020

Empfehlung

Starker Konsens


a) bei Säuglingen ab dem vollendeten 2. Lebensmonat 

Konsensbasierte Empfehlung 7.8

2020

Empfehlung

Starker Konsens


b) bei Neugeborenen HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern mit unbekanntem HBsAg- Status innerhalb von 12 Stunden nach Geburt (s. Postexpositionsprophylaxe)

Konsensbasierte Empfehlung 7.9

2020

Empfehlung

Starker Konsens


c) bei noch nicht geimpften Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahr, möglichst vor Beginn der Pubertät

Konsensbasierte Empfehlung 7.10

2020

Empfehlung

Starker Konsens


d) bei Hepatitis-B-gefährdetem Personal im Gesundheits- und Rettungsdienst vor Aufnahme der Berufsausbildung 

Konsensbasierte Empfehlung 7.11

2020

Empfehlung

Starker Konsens


e) bei Medizin- und Zahnmedizinstudenten vor Beginn des Studiums bzw. des Krankenpflegediensts 

Konsensbasierte Empfehlung 7.12

2020

Empfehlung

Starker Konsens


f) bei Patienten vor geplanter Transplantation

Konsensbasierte Empfehlung 7.13

2020

Empfehlung

Starker Konsens


g) bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit vor Eintritt der Dialysepflichtigkeit

Konsensbasierte Empfehlung 7.14

2020

Empfehlung

Starker Konsens


h) bei Patienten mit HIV-Infektion möglichst frühzeitig nach Erst-Diagnose; bei Nichtansprechen bereits immunsupprimierter Patienten sollte nach Erreichen einer Immunrekonstitution unter antiretroviraler Therapie die Impfung wiederholt werden

Konsensbasierte Empfehlung 7.15

2020

Empfehlung

Starker Konsens


i) bei Patienten in Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Pflegeheime, psychiatrischen Einrichtungen) und Bewohnern von Fürsorgeeinrichtungen für Zerebralgeschädigte oder Verhaltensgestörte vor Aufnahme in die Einrichtung

Konsensbasierte Empfehlung 7.16

2020

Empfehlung

Starker Konsens


j) bei Personen nach Verletzungen mit möglicherweise erregerhaltigen bzw. – kontaminierten Gegenständen (z.B. Nadelstichverletzung) oder nach Kontakt von Schleimhaut oder verletzter Haut mit erregerhaltigem Material sobald wie möglich (innerhalb von 48 Stunden nach Exposition) (s. Postexpositionsprophylaxe)

Konsensbasierte Empfehlung 7.17

2020

Empfehlung

Starker Konsens


k) bei allen anderen Personen zum Zeitpunkt ihrer Zuordnung zu einer Risikogruppe

[NKLM]

Wann sollte die Impfung gegen Hepatitis B durchgeführt werden?

Hintergrund

Bei allen im medizinischen Bereich Tätigen ist ein Vollschutz gegen Hepatitis B (Anti-HBs von ≥100 IU/l 4-8 Wochen nach kompletter Grundimmunisierung) bereits vor Aufnahme der Ausbildung von größter Bedeutung. Da die Verletzungs- und damit die Infektionsgefahr bei Anfängern besonders groß ist, sollte darauf geachtet werden, dass vor den ersten berufsspezifischen Praktika (z. B. Krankenpflegedienst bei Medizinstudenten, der meist bereits vor Beginn des Studiums abgeleistet wird) die Hepatitis-B-Impfung durchgeführt wird. Personen, die eine Hepatitis-B-Impfung ablehnen und nicht immun sind, sollten Tätigkeiten mit Übertragungsgefahr nicht ausüben.

Hämodialysepatienten sprechen schlecht auf die Hepatitis-B-Impfung an. Daher sollten diese Personen bereits geimpft werden, wenn erstmals die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung gestellt wird, die eine spätere Dialysebehandlung und/oder Transplantation notwendig erscheinen lässt (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Auch bei HIV-Infizierten ist die Wirksamkeit der Impfung bei bereits bestehendem Immundefekt vermindert, die Impfung sollte daher bereits in einem frühen Infektionsstadium bei noch normaler CD4-Zellzahl durchgeführt werden (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., Jilg, W., et.al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2011. 49(07): p. 871-930., http://dx.doi.org/10.1055/s-0031-1273462). Bei Patienten, die aufgrund ihrer Immunsuppression nicht auf die Impfung angesprochen haben, sollte nach Einleitung einer Antiretroviralen Therapie (ART) und Verbesserung oder Normalisierung der Zahl der CD4-positiven Zellen sowie Abnahme der Viruslast die Impfung erneut versucht werden (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., et al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie 2011; 49: 871-930

7.3. Ist es vor einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob bereits Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus stattgefunden hat?

Konsensbasiertes Statement 7.18

Geprüft 2020

Starker Konsens


Eine Testung auf Hepatitis-B-Marker vor der Impfung ist aus medizinischen Gründen nicht notwendig.

[NKLM]

Ist es vor einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob bereits Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus stattgefunden hat?

Hintergrund

Es besteht keine medizinische Indikation vor einer geplanten Hepatitis-B-Impfung abzuklären, ob die Person bereits Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus hatte. Eine Impfung von Personen mit (asymptomatischer) akuter, chronischer oder abgelaufener Hepatitis B kann gefahrlos durchgeführt werden, ist allerdings wirkungslos. Bei Nichtansprechen auf eine Grundimmunisierung sollte daher eine akute oder chronische HBV-Infektion ausgeschlossen werden, bevor eine erneute Impfung durchgeführt wird (s. „Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?“).

Evidenzbasierte Empfehlung 7.19

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0


Eine Untersuchung auf Anti-HBc kann bei Angehörigen von Risikogruppen (wie in der Liste der STIKO aufgeführt) und bei Personen oder deren Nachkommen aus hochendemischen Gebieten sinnvoll sein, wenn das erhöhte Risiko schon seit längerer Zeit (Jahren) besteht * Cornberg, M., Protzer, U., Dollinger, M., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., et.al. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-(HBV-)Infektion: „Upgrade” der Leitlinie, AWMF-Register-Nr.: 021/011. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2007. 45(6): p. 525-574., http://dx.doi.org/10.1055/s-2007-963232.

Ist es vor einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob bereits Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus stattgefunden hat?

Hintergrund

Ob eine Vortestung kostengünstig ist, hängt von den Testkosten, von den Kosten für den Impfstoff und vom Anteil Immuner im geimpften Kollektiv ab. So wird bei einem Testpreis von € 20,11 (Vollkosten für den Anti-HBc-Test nach GOÄ) und einem Impfstoffpreis von € 198,87 – € 207,30 (für 3 Dosen) eine Vortestung kostengünstig bei einer Anti-HBc-Prävalenz eines zu impfenden Kollektivs von etwa 10%. Ein derartiger Wert wird in der deutschen Normalbevölkerung nicht erreicht, sehr wohl aber in bestimmten Hochrisikogruppen wie z.B. Personen aus Hochendemiegebieten, u. U. auch bei Menschen, die glaubhaft über eine Hepatitis unbekannter Ursache berichten. * Heidrich, Benjamin, Cetindere, Ahmet, Beyaz, Mustafa, Stahmeyer, Jona T., Basaran, Michael M., Braynis, Boris, et.al. High prevalence of hepatitis markers in immigrant populations. European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 2014. 26(10): p. 1090-1097., http://dx.doi.org/10.1097/meg.0000000000000164* Poethko-Müller, C., Zimmermann, R., Hamouda, O., Faber, M., Stark, K., Ross, R. S., et.al. Die Seroepidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2013. 56(5-6): p. 707-715., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-013-1673-x.

Literatur

[1]

Heidrich, Benjamin, Cetindere, Ahmet, Beyaz, Mustafa, Stahmeyer, Jona T., Basaran, Michael M., Braynis, Boris, Raupach, Regina, Bremer, Birgit, Manns, Michael P., et al. High prevalence of hepatitis markers in immigrant populations. European Journal of Gastroenterology & Hepatology 2014; 26: 1090-1097

[2]

Poethko-Müller, C., Zimmermann, R., Hamouda, O., et al. Die Seroepidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2013; 56: 707-715

Zusatz zur HBV-Impfung bei medizinischem Personal, die Tätigkeiten mit erhöhter HBV- Übertragungsgefahr ausüben.

Zusatz zur HBV-Impfung bei medizinischem Personal, die Tätigkeiten mit erhöhter HBV-Übertragungsgefahr ausüben.

Medizinischem Personal ist gemäß der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) eine Impfung gegen Hepatitis B anzubieten.

Bei einer Einstellungsuntersuchung sollte bei medizinischem Personal eine eventuell vorliegende chronische oder okkulte HBV-Infektion ausgeschlossen werden und Immunität festgestellt werden (siehe Empfehlung 3.3, zur initialen Diagnostik siehe Empfehlung 3.1 und Empfehlung 3.5). Bei fehlender Immunität ist eine aktive Hepatitis-B-Impfung zu veranlassen (siehe Empfehlung 3.4) und deren Erfolg zu kontrollieren (Anti-HBs-Titer ≥100 IU/L), (siehe Empfehlung 7.21). Personen, die sich weigern, ihren HBV-Status überprüfen zu lassen, sollten Tätigkeiten mit erhöhter Übertragungsgefahr nicht ausüben.

Bei Personen, die bereits eine HBV-Infektion haben, ist eine Impfung wirkungslos (s.o.). Welche Tätigkeiten von HBV-Trägern im medizinischen Bereich ausgeübt werden dürfen, regeln die „Empfehlungen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) zur Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis B (HBV) und Hepatitis C Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige“. Zu Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen siehe: „Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?“ * Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, et.al. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2020. 63(2): p. 218-225., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-019-03084-9.

Literatur

[1]

Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, Rösler, Joachim, Slanina, Heiko, Spickhoff, Andreas, Thanheiser, Marc, Schüttler, Christian G.. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2020; 63: 218-225

7.4. Ist es nach einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob die Impfung erfolgreich war?

Konsensbasierte Empfehlung 7.20

Geprüft 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei geimpften Personen, die keiner spezifischen Risikogruppe angehören, gesund und jünger als 40 Jahre sind, braucht eine Erfolgskontrolle nach der Impfung nicht durchgeführt zu werden.

Ist es nach einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob die Impfung erfolgreich war?

Hintergrund

Die Serokonversionsraten von geimpften Kindern und Jugendlichen liegen bei >98%, bei gesunden jüngeren Erwachsenen (< 40 Jahren) bei über 95 % (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Die Kontrolle des Impferfolgs erscheint daher bei diesen Personen nicht notwendig, solange sie keinem deutlich erhöhten Risiko unterliegen.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 7.21

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine Testung auf Anti-HBs sollte bei allen in Tabelle „Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]“ genannten Personen durchgeführt werden.

Ist es nach einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob die Impfung erfolgreich war?

Hintergrund

Eine quantitative Testung auf Anti-HBs 4-8 Wochen nach der Beendigung der Grundimmunisierung (d. h. nach der dritten bzw. vierten Impfung) ist dagegen angezeigt bei allen in Tabelle „Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]“ aufgeführten Personen, also allen, bei denen wegen einer vorbestehenden oder zu erwartenden Immundefizienz bzw. -suppression oder wegen einer vorbestehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten ist und bei allen Menschen mit erhöhtem beruflichen oder nichtberuflichen Hepatitis-B-Risiko. Insbesondere sollte der Impferfolg bei Personen überprüft werden, bei denen von einer erniedrigten Ansprechrate auf die Impfung auszugehen ist, wie den bereits erwähnten Immunsupprimierten, Personen mit ausgeprägter Adipositas, und älteren Menschen.

Konsensbasierte Empfehlung 7.22

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Testung kann erwogen werden bei nicht in Tabelle „Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]“ aufgeführten Personen, die älter als 40 Jahre sind.

Ist es nach einer Hepatitis-B-Impfung notwendig zu testen, ob die Impfung erfolgreich war?

Hintergrund

Ein schlechteres Ansprechen auf die Grundimmunisierung ist bereits bei Menschen >40 Jahren festzustellen (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Zusatz

Zusatz

Auch unmittelbar nach der Geburt geimpfte Neugeborene sprechen schlechter auf die Impfung an und sollten daher ebenfalls getestet werden. (Evidenz 1b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Gründe für eine Testung sind, dass zum einen bei möglichst allen geimpften Personen ein belastbarer Schutz erzielt werden sollte, weshalb Non- bzw. Lowresponder nachgeimpft werden sollten, zum zweiten kann bei ausgebliebenem Impferfolg im Falle eines Kontakts mit HBV, etwa durch eine Nadelstichverletzung o. ä., durch eine sofortige Gabe von Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG), in der Regel kombiniert mit einer aktiven Impfung, eine Infektion noch vermieden werden.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

7.5. Ist nach erfolgreicher Impfung gegen Hepatitis B eine Auffrischimpfung notwendig?

Konsensbasiertes Statement 7.23

Modifiziert 2020

Starker Konsens


Nach derzeitigem Wissenstand kann man nach einer erfolgreichen Grundimmunisierung (Anti- HBs 4-8 Wochen nach letzter Impfung ≥100 IU/l) von einem langjährigen, möglicherweise sogar lebenslangen Schutz vor einer Hepatitis-B-Erkrankung ausgehen.

[NKLM]

Ist nach erfolgreicher Impfung gegen Hepatitis B eine Auffrischimpfung notwendig?

Hintergrund

Die Hepatitis-B-Impfung induziert bei allen erfolgreich Geimpften die Bildung neutralisierender Antikörper, die in einer Konzentration von ≥10 IU/l Schutz vor einer Infektion verleihen * Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., Jilg, W., et.al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2011. 49(07): p. 871-930., http://dx.doi.org/10.1055/s-0031-1273462* Centers for Disease Control and Prevention. Immunization of Health-Care Personnel Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). Morbidity and Mortality Weekly Report. Mmwr 2011; 60: 1–46 Im Internet: http://www.cdc.gov/mmwr/cme/conted.html., 2011. Da die Anti-HBs-Konzentration nach der Grundimmunisierung allerdings sehr rasch absinkt, gilt als Kriterium einer erfolgreichen Immunisierung in Deutschland wie in England, Irland, Österreich und der Schweiz ein Anti-HBs-Wert von wenigstens 100 IU/L, gemessen 4 bis 8 Wochen nach der dritten Impfung (Dieser Wert wurde auch deshalb gewählt, weil mit unterschiedlichen Anti-HBs-Testen erhobene Ergebnisse speziell im niedrigen Bereich zwischen 0 und 20 IU/l stark divergieren können) * Huzly, D., Schenk, T., Jilg, W., Neumann-Haefelin, D., Comparison of Nine Commercially Available Assays for Quantification of Antibody Response to Hepatitis B Virus Surface Antigen. Journal of Clinical Microbiology, 2008. 46(4): p. 1298-1306., http://dx.doi.org/10.1128/jcm.02430-07.

Selbst nach einer derartigen erfolgreichen Impfung sinkt das Anti-HBs jedoch bei etwa 20-50% auch immunologisch gesunder Impflinge nach 4 bis 10 Jahren unter einen Wert von 10 IU/l ab (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Auch diese Menschen sind aber vor Erkrankung geschützt. Die Basis dafür bildet ein ausgeprägtes immunologisches Gedächtnis, das über das Vorhandensein von Anti-HBs hinaus persistiert. Im Falle eines Kontakts mit dem Erreger wird sehr rasch eine Immunreaktion in Gang gesetzt, die eine beginnende Infektion schnell beendet und eine Erkrankung oder eine chronische Infektion sicher verhindert (Evidenz 3a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Wiederimpfungen von Personen, die ihre Antikörper verloren haben, führen nach 3-7 Tagen zu einem ausgeprägten Antikörperanstieg (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/* Brunskole Hummel, Irena, Huber, Barbara, Wenzel, Jürgen J., Jilg, Wolfgang, Markers of Protection in Children and Adolescents Six to Fourteen Years After Primary Hepatitis B Vaccination in Real Life. Pediatric Infectious Disease Journal, 2016. 35(3): p. 286-291., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0000000000000994).

Eine derartige „anamnestische“ Immunantwort konnte auch 15 bis 20 Jahre nach der Grundimmunisierung bei über 90 % aller Personen festgestellt werden, deren Antikörper in der Zwischenzeit unter einen Wert von 10 IU/l abgesunken waren (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., et al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie 2011; 49: 871-930

[2]

. Centers for Disease Control and Prevention. Immunization of Health-Care Personnel Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). Morbidity and Mortality Weekly Report. Mmwr 2011; 60: 1–46 Im Internet: http://www.cdc.gov/mmwr/cme/conted.html. 2011; :

[3]

Huzly, D., Schenk, T., Jilg, W., et al. Comparison of Nine Commercially Available Assays for Quantification of Antibody Response to Hepatitis B Virus Surface Antigen. Journal of Clinical Microbiology 2008; 46: 1298-1306

[4]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[5]

Brunskole Hummel, Irena, Huber, Barbara, Wenzel, Jürgen J., Jilg, Wolfgang. Markers of Protection in Children and Adolescents Six to Fourteen Years After Primary Hepatitis B Vaccination in Real Life. Pediatric Infectious Disease Journal 2016; 35: 286-291

Konsensbasierte Empfehlung 7.24

Modifiziert 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei im Säuglings- oder Kleinkindesalter Geimpften ohne besonderes Hepatitis-B-Risiko braucht eine Auffrischimpfung nicht zu erfolgen.
Tritt im späteren Leben ein erhöhtes Risiko ein (z.B. Ausbildung bzw. Tätigkeit in einem medizinischen Beruf), sollte eine Auffrischimpfung und eine anschließende serologische Kontrolle durchgeführt werden.

Ist nach erfolgreicher Impfung gegen Hepatitis B eine Auffrischimpfung notwendig?

Hintergrund

Auch einzelne kontrollierte Studien bei im Kindesalter Geimpften zeigen eine über 95%-ige Schutzwirkung der Impfung für über 15 Jahre (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Eine Metaanalyse zum Langzeitschutz der Hepatitis-B-Impfung im Säuglingsalter wies allerdings nach, dass auch die als „Boostability“ bezeichnete Fähigkeit zu einer anamnestischen Immunreaktion nach einer Auffrischimpfung in Abhängigkeit von der Impfdosis und dem zeitlichen Abstand zur Grundimmunisierung abnimmt (Evidenz 2a). * Schönberger, Katharina, Riedel, Christina, Rückinger, Simon, Mansmann, Ulrich, Jilg, Wolfgang, Kries, Rüdiger v, Determinants of Long-term Protection After Hepatitis B Vaccination in Infancy. Pediatric Infectious Disease Journal, 2013. 32(4): p. 307-313., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0b013e31827bd1b015 Jahre nach Grundimmunisierung waren im Mittel etwa 25% der Geimpften nicht mehr zu einer anamnestischen Reaktion in der Lage, hatten also wahrscheinlich ihr immunologisches Gedächtnis verloren. Allerdings handelte es sich bei der Mehrzahl der analysierten Studien um Untersuchungen in Hochrisikoregionen wie Zentralafrika, Südostasien oder Alaska, deren Ergebnisse aufgrund der spezifischen epidemiologischen Situation wie auch der verwendeten Impfstoffe nur bedingt auf europäische bzw. deutsche Verhältnisse übertragbar sind. Neue Untersuchungen aus Europa und den USA belegen aber, dass 16-23 Jahre nach Grundimmunisierung mit den heute üblichen Impfstoffen auch nach dem Absinken des schützenden Anti-HBs auf Werte <10 IU/l, 94%-97% mit einer prompten Antikörperbildung auf eine Auffrischimpfung reagieren (Evidenz 2b)* Middleman, Amy B., Baker, Carol J., Kozinetz, Claudia A., Kamili, Saleem, Nguyen, Chi, Hu, Dale J., et.al. Duration of Protection After Infant Hepatitis B Vaccination Series. Pediatrics, 2014. 133(6): p. e1500-e1507., http://dx.doi.org/10.1542/peds.2013-2940* Chiara, Federica, Bartolucci, Giovanni Battista, Mongillo, Michele, Ferretto, Luca, Nicolli, Annamaria, Trevisan, Andrea, Hepatitis B vaccination at three months of age: A successful strategy?. Vaccine, 2013. 31(13): p. 1696-1700., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2013.01.046* Dini, Guglielmo, Toletone, Alessandra, Barberis, Ilaria, Debarbieri, Nicoletta, Massa, Emanuela, Paganino, Chiara, et.al. Persistence of protective anti-HBs antibody levels and anamnestic response to HBV booster vaccination: A cross-sectional study among healthcare students 20 years following the universal immunization campaign in Italy. Human Vaccines & Immunotherapeutics, 2016. 13(2): p. 440-444., http://dx.doi.org/10.1080/21645515.2017.1264788.

Daher erscheint eine Auffrischimpfung auch angesichts der epidemiologischen Situation in Deutschland gegenwärtig nicht notwendig. Unterstützt werden könnte diese Sicht durch eine aktuelle Studie aus Alaska, in der 243 Personen, die als Kinder, Jugendliche oder Erwachsene geimpft wurden, 30 Jahre nach Grundimmunisierung untersucht wurden. 51% der Teilnehmer wiesen noch Anti-HBs-Werte ≥10 IU/l auf, 88% der Teilnehmer mit Werten <10 IU/l sprachen auf eine Auffrischimpfung an. Innerhalb der Beobachtungszeit wurden keine Durchbruchsinfektionen beobachtet und nur 2 Personen waren Anti-HBc-positiv (Evidenz 3). Allerdings ist nicht klar, inwieweit diese Ergebnisse auf die Verhältnisse in Deutschland übertragbar sind, denn es handelt sich auch hier um eine Untersuchung in einem Hochendemiegebiet und die Teilnehmer wurden nicht mit dem heute ausschließlich verwendeten rekombinanten Impfstoff geimpft, sondern hatten die aus Plasma chronischer HBV-Träger hergestellte Vakzine erhalten * Bruce, Michael G., Bruden, Dana, Hurlburt, Debby, Zanis, Carolyn, Thompson, Gail, Rea, Lisa, et.al. Antibody Levels and Protection After Hepatitis B Vaccine: Results of a 30-Year Follow-up Study and Response to a Booster Dose. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(1): p. 16-22., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiv748.

Ergibt sich für als Säuglinge geimpfte Jugendliche oder Erwachsene ein erhöhtes Infektionsrisiko, sollte eine Auffrischimpfung erfolgen und der Anti-HBs-Wert 4 bis 8 Wochen später bestimmt werden. Zu nennen sind hier etwa durch Ausbildung oder Tätigkeit in einem Gesundheitsberuf, Tätigkeit als Ersthelfer, HBsAg-positive Sexualpartner oder längeren Aufenthalt in einem Hochendemiegebiet gefährdete Personen oder Personen, bei denen wegen einer vorbestehenden oder zu erwartenden Immundefizienz bzw. -suppression oder wegen einer vorbestehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Hepatitis B zu erwarten ist, z. B. HIV-Positive, Hepatitis-C-Positive und Dialysepatienten. Das ist insbesondere deswegen notwendig, weil der Impferfolg bei allen diesen als Säuglinge oder Kleinkinder geimpften Personen in der Regel nicht kontrolliert wurde und eventuelle Nonresponder daher nicht entdeckt werden konnten. Außerdem ist damit zu rechnen, dass bis zu 50% dieser Personen einen Anti-HBs-Spiegel unter der Schutzgrenze von 10 IU/L aufweisen (Evidenz 2b) * Brunskole Hummel, Irena, Huber, Barbara, Wenzel, Jürgen J., Jilg, Wolfgang, Markers of Protection in Children and Adolescents Six to Fourteen Years After Primary Hepatitis B Vaccination in Real Life. Pediatric Infectious Disease Journal, 2016. 35(3): p. 286-291., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0000000000000994.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Schönberger, Katharina, Riedel, Christina, Rückinger, Simon, Mansmann, Ulrich, Jilg, Wolfgang, Kries, Rüdiger v. Determinants of Long-term Protection After Hepatitis B Vaccination in Infancy. Pediatric Infectious Disease Journal 2013; 32: 307-313

[3]

Middleman, Amy B., Baker, Carol J., Kozinetz, Claudia A., et al. Duration of Protection After Infant Hepatitis B Vaccination Series. Pediatrics 2014; 133: e1500-e1507

[4]

Chiara, Federica, Bartolucci, Giovanni Battista, Mongillo, Michele, Ferretto, Luca, Nicolli, Annamaria, Trevisan, Andrea. Hepatitis B vaccination at three months of age: A successful strategy?. Vaccine 2013; 31: 1696-1700

[5]

Dini, Guglielmo, Toletone, Alessandra, Barberis, Ilaria, Debarbieri, Nicoletta, Massa, Emanuela, Paganino, Chiara, Bersi, Francesca, Montecucco, Alfredo, Alicino, Cristiano, Durando, Paolo. Persistence of protective anti-HBs antibody levels and anamnestic response to HBV booster vaccination: A cross-sectional study among healthcare students 20 years following the universal immunization campaign in Italy. Human Vaccines & Immunotherapeutics 2016; 13: 440-444

[6]

Bruce, Michael G., Bruden, Dana, Hurlburt, Debby, Zanis, Carolyn, Thompson, Gail, Rea, Lisa, Toomey, Michele, Townshend-Bulson, Lisa, Rudolph, Karen, Bulkow, Lisa, Spradling, Philip R., Baum, Richard, Hennessy, Thomas, McMahon, Brian J.. Antibody Levels and Protection After Hepatitis B Vaccine: Results of a 30-Year Follow-up Study and Response to a Booster Dose. Journal of Infectious Diseases 2016; 214: 16-22

[7]

Brunskole Hummel, Irena, Huber, Barbara, Wenzel, Jürgen J., Jilg, Wolfgang. Markers of Protection in Children and Adolescents Six to Fourteen Years After Primary Hepatitis B Vaccination in Real Life. Pediatric Infectious Disease Journal 2016; 35: 286-291

Konsensbasierte Empfehlung 7.25

Modifiziert 2020

Empfehlung/Empfehlung offen

Starker Konsens


Für Personen, die wegen eines in der Indikationsliste der STIKO aufgeführten erhöhten Risikos (Tabelle „Die Indikationsliste der Ständigen Impfkommission (STIKO) – Stand August 2020 [Robert-Koch-Institut 2020]“) erfolgreich geimpft wurden (Anti-HBs 4-8 Wochen nach letzter Impfung ≥100 IU/l), braucht vor dem Hintergrund der epidemiologischen Situation in Deutschland gegenwärtig eine generelle Auffrischimpfung nicht zu erfolgen.
Bei besonders hohem Expositionsrisiko sollte allerdings nach 10 Jahren eine Kontrolle des Anti-HBs-Wertes und gegebenenfalls (wenn Anti-HBs <100 IU/l) eine Auffrischimpfung durchgeführt werden.

Ist nach erfolgreicher Impfung gegen Hepatitis B eine Auffrischimpfung notwendig?

Hintergrund

Für Menschen, die aufgrund eines spezifischen Risikos gemäß der Indikationsliste der STIKO („Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?“) geimpft wurden, galt bis 2013 in Deutschland die Empfehlung einer Auffrischimpfung nach 10 Jahren. Um deren Notwendigkeit zu überprüfen, wurde von Mitgliedern der STIKO und der STIKO-Geschäftsstelle eine systematische Literaturübersicht zur Frage der Impfschutzdauer erstellt (Evidenz 3) * Harder, T., Remschmidt, C., Falkenhorst, G., Zimmermann, R., Hengel, H., Ledig, T., et.al. Background paper to the revised recommendation for hepatitis B vaccination of persons at particular risk and for hepatitis B postexposure prophylaxis in Germany. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2013. 56(11): p. 1565-1576., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-013-1845-8.

Als wichtigstes Kriterium zur Bewertung des Impferfolges wurde ein Impfdurchbruch in Form einer akuten oder chronischen Hepatitis B, HBsAg- oder HBV-DNA-Positivität gewählt. Die Untersucher fanden allerdings nur 10 Studien, die in Industrienationen Europas und in den USA durchgeführt wurden und die die Einschlusskriterien erfüllten. Sie zeigten zusammenfassend, dass unter Expositionsbedingungen, die mit der Situation in Deutschland vergleichbar waren, innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren bei erfolgreich Geimpften keine Fälle von klinischer Hepatitis B oder eine HBsAg-Positivität auftraten; Anti-HBc-Positivität wurde in weniger als 1% der Studienteilnehmer beobachtet. Diese Ergebnisse veranlassten die STIKO, von einer generellen Empfehlung einer Auffrischimpfung abzusehen und eine Position einzunehmen, wie sie auch von verschiedenen internationalen Gremien wie der WHO, dem amerikanischen Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) und dem Viral Hepatitis Prevention Board (VHPB) vertreten wird. * Immunization of health-care personnel: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP).. MMWR Recomm Rep, 2011. 60 (RR-7)(RR-7): p. 1-45., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22108587/* FitzSimons, David, Hendrickx, Greet, Vorsters, Alex, Van Damme, Pierre, Hepatitis B vaccination: A completed schedule enough to control HBV lifelong?. Vaccine, 2013. 31(4): p. 584-590., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2012.10.101* World Health Organization. Weekly epidemiological record. Wkly Epidemiol Rec 2009; 84, 40, 405–420. Im Internet: http://orton.catie.ac.cr/cgi-bin/wxis.exe/?IsisScript=KARDEX.xis%7B&%7Dmethod=post%7B&%7Dformato=2%7B&%7Dcantidad=1%7B&%7Dexpresion=mfn=003687, 2009.

Aufgrund der doch beschränkten Datenlage und der Tatsache, dass keine hinreichend verlässliche Aussage über 10 Jahre hinaus gemacht werden kann, sollte bei Menschen mit besonders hohem Expositionsrisiko, wie z.B. bei permanent anhaltendem bzw. ständig wiederkehrenden übertragungsrelevanten Blutkontakt im medizinischen Bereich, HBsAg- positiven Partnern oder längerem Aufenthalt in einem Hochendemiegebiet mit intensivem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung weiterhin nach 10 Jahren eine Anti-HBs-Kontrolle durchgeführt werden, gefolgt von einer Auffrischimpfung, wenn Anti-HBs <100 IU/l ist. Das entspricht auch den gegenwärtigen Empfehlungen der STIKO * Harder, T., Remschmidt, C., Falkenhorst, G., Zimmermann, R., Hengel, H., Ledig, T., et.al. Background paper to the revised recommendation for hepatitis B vaccination of persons at particular risk and for hepatitis B postexposure prophylaxis in Germany. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2013. 56(11): p. 1565-1576., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-013-1845-8.

Beobachtungen an geimpften amerikanischen Blutspendern zeigen, dass bei niedrigem (<100 IU/L) oder völlig abgefallenem Anti-HBs und sexueller Exposition okkulte HBV-Infektionen ohne nachweisbares HBsAg, aber mit transienter Virämie möglich sind. Diese Infektionen sind völlig asymptomatisch und führen nach einigen Wochen oder Monaten zu einer Auffrischung der Anti-HBs-Titer. Die beobachteten okkulten HBV-Infektionen wurden vorwiegend durch andere HBV-Genotypen als dem sonst in den USA vorherrschenden und im Impfstoff verwendeten Genotyp A2 hervorgerufen (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Klinisch sind diese Infektionen irrelevant oder wegen der natürlich erfolgten Auffrischung der Immunität möglicherweise sogar vorteilhaft. Ob diese okkulten Infektionen bei dem betroffenen Personenkreis zu einer Persistenz oder gar einer Reaktivierung bei einer Einschränkung des Immunsystems führen, ist bislang ungeklärt.

Die Bedeutung der transienten okkulten Virämie für die HBV-Sicherheit im Blutspendewesen muss jedoch untersucht werden. Ähnliches dürfte für die kürzlich beschriebenen Infektionen bei Geimpften gelten, die nicht nur ohne klinische Erscheinungen, sondern auch ohne serologische Korrelate (Anti-HBc, HBsAg) ablaufen und nur durch das Auftauchen HBcAg- und HBV-Polymerase-spezifischer T-Zellen bemerkbar werden * David, MC, Ha, SH, Paynter, S, Lau, C, A systematic review and meta-analysis of management options for adults who respond poorly to hepatitis B vaccination.. Vaccine, 2015. 33 (48)(48): p. 6564-9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26424603/.

Diese beiden Beobachtungen weisen noch einmal darauf hin, dass unsere gegenwärtige Impfstrategie einkalkuliert, dass Infektionen stattfinden können (wenn auch klinisch unauffällig). Das gilt auch für den Fall, dass nach 10 Jahren eine Auffrischimpfung erfolgt, weil bei einem beträchtlichen Anteil der Geimpften der Anti-HBs-Spiegel innerhalb dieses Zeitraums unter die Schutzgrenze absinkt und Infektionen wieder möglich sind. Vermeiden ließe sich das nur (zumindest zum größten Teil), wenn der Anti-HBs-Spiegel kontinuierlich über 100 IU/l gehalten wird, was aber mit den gegenwärtigen Impfstoffen nur bei einem Teil der Impflinge möglich sein dürfte.

Literatur

[1]

Harder, T., Remschmidt, C., Falkenhorst, G., et al. Background paper to the revised recommendation for hepatitis B vaccination of persons at particular risk and for hepatitis B postexposure prophylaxis in Germany. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2013; 56: 1565-1576

[2]

. Immunization of health-care personnel: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP).. MMWR Recomm Rep 2011; 60 (RR-7): 1-45

[3]

FitzSimons, David, Hendrickx, Greet, Vorsters, Alex, Van Damme, Pierre. Hepatitis B vaccination: A completed schedule enough to control HBV lifelong?. Vaccine 2013; 31: 584-590

[4]

. World Health Organization. Weekly epidemiological record. Wkly Epidemiol Rec 2009; 84, 40, 405–420. Im Internet: http://orton.catie.ac.cr/cgi-bin/wxis.exe/?IsisScript=KARDEX.xis%7B&%7Dmethod=post%7B&%7Dformato=2%7B&%7Dcantidad=1%7B&%7Dexpresion=mfn=003687 2009; :

[5]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[6]

David, MC, Ha, SH, Paynter, S, Lau, C. A systematic review and meta-analysis of management options for adults who respond poorly to hepatitis B vaccination.. Vaccine 2015; 33 (48): 6564-9

7.6. Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?

Konsensbasierte Empfehlung 7.26

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Personen, deren Anti-HBs-Konzentrationen 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung <10 IU/l betragen („Nonresponder“), sollen nach Ausschluss einer HBV-Infektion (HBsAg, Anti- HBc) erneut geimpft werden.

Wie ist bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung (Anti-HBs nach drei Impfungen <10 IU/l) zu verfahren?

Hintergrund

Mehrere Studien konnten zeigen, dass mit bis zu 3 zusätzlichen Impfungen in Abständen von 1 bis 3 Monaten 50-100 % der Nonresponder zur Serokonversion zu bringen sind (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Nonresponder sollen daher bis zu 3 weitere Impfungen (in Abständen von 1 bis 3 Monaten) erhalten. Eine Reihe von Untersuchern beschreibt den Einsatz von intradermalen Impfungen bei Nonrespondern. Obwohl immunologisch einleuchtend, gibt es bis jetzt bei Immungesunden keinen eindeutigen Beweis für eine signifikant bessere Immunantwort auf diese Impftechnik (Evidenz 1a). (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/) * David, MC, Ha, SH, Paynter, S, Lau, C, A systematic review and meta-analysis of management options for adults who respond poorly to hepatitis B vaccination.. Vaccine, 2015. 33 (48)(48): p. 6564-9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26424603/

Sofern vor der Impfung kein HBsAg und Anti-HBc bestimmt wurde, sollte bei Nichtansprechen auf die Hepatitis-B-Impfung eine Bestimmung nachgeholt werden, weil es sich in diesem Fall um chronische Virusträger handeln könnte!

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

David, MC, Ha, SH, Paynter, S, Lau, C. A systematic review and meta-analysis of management options for adults who respond poorly to hepatitis B vaccination.. Vaccine 2015; 33 (48): 6564-9

7.7. Wie ist bei Personen zu verfahren, deren Anti-HBs- Konzentration 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung 10 – 99 IU/l beträgt (gesunde Lowresponder)?

Evidenzbasierte Empfehlung 7.27

Geprüft 2020

Evidenzlevel 5

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Personen, deren Anti-HBs-Konzentration 4 bis 8 Wochen nach der Grundimmunisierung 10- 99 IU/l beträgt („Lowresponder“), sollten entsprechend den Empfehlungen der STIKO eine sofortige Wiederimpfung erhalten; Anti-HBs sollte nach 4 bis 8 Wochen erneut bestimmt werden.

Wie ist bei Personen zu verfahren, deren Anti-HBs- Konzentration 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung 10 – 99 IU/l beträgt (gesunde Lowresponder)?

Hintergrund

Die Notwendigkeit eines derartigen Vorgehens wurde niemals bewiesen. Der Wert von ≥100 IU/l als Kriterium für gutes Ansprechen auf die Impfung (nicht für Immunität!) wurde auf einer internationalen Konferenz im Jahr 1988 festgelegt (Expertenmeinung), auch aufgrund der mit verschiedenen Anti-HBs-Tests nicht selten stark differierenden Ergebnisse. (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/) * Huzly, D., Schenk, T., Jilg, W., Neumann-Haefelin, D., Comparison of Nine Commercially Available Assays for Quantification of Antibody Response to Hepatitis B Virus Surface Antigen. Journal of Clinical Microbiology, 2008. 46(4): p. 1298-1306., http://dx.doi.org/10.1128/jcm.02430-07.

Ein Wert von ≥100 IU/l Anti-HBs 1 bis 2 Monate nach der 3. Impfung weist nach unserer heutigen Kenntnis auch auf das „Priming“ eines guten immunologischen Gedächtnisses und damit auf einen verlässlichen Langzeitschutz vor Erkrankung hin, ein niedrigerer Wert schließt das aber nicht aus (in den USA gilt ein Wert von ≥10 IU/l 1 bis 3 Monate nach der 3. Impfung als Beweis für eine erfolgreiche Impfung).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Huzly, D., Schenk, T., Jilg, W., et al. Comparison of Nine Commercially Available Assays for Quantification of Antibody Response to Hepatitis B Virus Surface Antigen. Journal of Clinical Microbiology 2008; 46: 1298-1306

7.8. Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?

Evidenzbasierte Empfehlung 7.28

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Bei immunsupprimierten bzw. immundefizienten Personen sollte eine erhöhte Dosis (doppelte Dosis bzw. Dosis für Dialysepflichtige) verabreicht werden.

Konsensbasierte Empfehlung 7.29

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Dialysepatienten sollte wie bei allen immunsupprimierten bzw. immundefizienten Personen die Gabe einer erhöhten Dosis (doppelte Dosis bzw. Dosis für Dialysepflichtige) bzw. ein speziell für diese Patientengruppe vorgesehener stärker adjuvantierter Impfstoff verabreicht werden.

Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?

Hintergrund

Für Dialysepatienten wurde das bessere Ansprechen auf eine erhöhte Dosis des Impfstoffs mehrfach gezeigt (Evidenz 2a), ebenso für immunsupprimierte bzw. immundefiziente Personen, z.B. HIV-Infizierte mit eingeschränkter Immunfunktion (Evidenz 2b) und chronische Alkoholiker (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Studien bei Dialysepatienten mit intradermaler Impfung ergaben widersprüchliche Ergebnisse. Ebenso wie bei Immungesunden ließ sich in den meisten Untersuchungen an Dialysepatienten ein besseres Abschneiden der intradermalen Technik gegenüber der intramuskulären Injektion nicht feststellen (Evidenz 2a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Eine Studie fällt allerdings eindeutig positiv aus und lässt zumindest den Versuch mit dieser Technik bei Dialysepatienten, die bisher nicht auf die Impfung angesprochen haben, als sinnvoll erscheinen. Mehrere kleine Dosen scheinen hierbei von Vorteil zu sein (2 × 5 μg in 250 μl in die Volarseite des rechten und linken Unterarms, 1 × pro Woche für 8 Wochen (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Evidenzbasierte Empfehlung 7.30

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Eine Kontrolle des Impferfolgs sollte erfolgen. Besteht ein erhöhtes Hepatitis-B-Risiko, sollte Anti-HBs jährlich kontrolliert werden. 

Konsensbasiertes Statement 7.31

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Bei Absinken von Anti-HBs auf Werte < 100 IU/l sollte eine Auffrischimpfung erfolgen.

Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?

Hintergrund

Über die Schutzdauer nach erfolgreicher Grundimmunisierung von immunsupprimierten Personen ist wenig bekannt. Im Gegensatz zur Situation bei Gesunden wurden klinisch manifeste HBV-Infektionen bei geimpften Dialysepatienten beobachtet, deren Anti-HBs-Titer unter 10 IU/l abgefallen war (Evdienz IIa) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Nach Meinung der meisten Autoren erschien es daher gerechtfertigt, diese Patienten in regelmäßigen Abständen auf Anti-HBs zu testen und durch Auffrischimpfungen einen Anti-HBs-Spiegel von >10 IU/l aufrechtzuerhalten.

Auch wenn für andere immunsupprimierte Personen keine Daten dazu vorliegen, sollte bei ihnen genauso verfahren werden, sofern ein erhöhtes Hepatitis-B-Risiko besteht. * World Health Organization. Weekly epidemiological record. Wkly Epidemiol Rec 2009; 84, 40, 405–420. Im Internet: http://orton.catie.ac.cr/cgi-bin/wxis.exe/?IsisScript=KARDEX.xis%7B&%7Dmethod=post%7B&%7Dformato=2%7B&%7Dcantidad=1%7B&%7Dexpresion=mfn=003687, 2009.
Nun hat die STIKO allerdings im Jahr 2013 den Anti-HBs-Wert, der in diesen Fällen nicht unterschritten werden sollte, auf 100 IU/l festgelegt. * Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. Epidemiol Bull 2013; 36/37. 371–381. Im Internet: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/36_37_13.pdf?__blob=publicationFile, 2013.

Grund dafür war neben den mit verschiedenen Anti-HBs-Tests differierenden Ergebnissen auch die Vorstellung, dass mit höheren Anti-HBs-Werten auch Infektionen (und nicht nur Erkrankungen) besser verhindert werden * Stramer, SL, Wend, U, Candotti, D, Foster, GA, Hollinger, FB, Dodd, RY, et.al. Nucleic acid testing to detect HBV infection in blood donors.. N Engl J Med, 2011. 364 (3)(3): p. 236-47., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21247314/.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

. World Health Organization. Weekly epidemiological record. Wkly Epidemiol Rec 2009; 84, 40, 405–420. Im Internet: http://orton.catie.ac.cr/cgi-bin/wxis.exe/?IsisScript=KARDEX.xis%7B&%7Dmethod=post%7B&%7Dformato=2%7B&%7Dcantidad=1%7B&%7Dexpresion=mfn=003687 2009; :

[3]

. Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. Epidemiol Bull 2013; 36/37. 371–381. Im Internet: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/36_37_13.pdf?__blob=publicationFile 2013; :

[4]

Stramer, SL, Wend, U, Candotti, D, Foster, GA, Hollinger, FB, Dodd, RY, Allain, JP, Gerlich, W. Nucleic acid testing to detect HBV infection in blood donors.. N Engl J Med 2011; 364 (3): 236-47

Evidenzbasierte Empfehlung 7.32

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Patienten mit HIV-Infektion sollten bei noch intakter Immunfunktion normal geimpft werden. Der Impferfolg sollte kontrolliert werden; bei Nichtansprechen sollten weitere Impfungen durchgeführt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 7.33

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Bei HIV-Patienten mit Immundefekt sollte eine erhöhte Impfdosis verabreicht werden. Bei Nonrespondern sollte nach Einleitung einer ART und Verbesserung der Zahl der CD4-positiven Zellen sowie Abnahme der Viruslast die Impfung erneut versucht werden.

Was ist bei der Impfung von Immunsupprimierten generell zu beachten?

Hintergrund

Bei HIV-Patienten hängt das Vorgehen vom Immunstatus ab. Bei noch Immunkompetenten kann wie bei Gesunden geimpft werden, allerdings sollte der Impferfolg kontrolliert werden. Immundefiziente Patienten sollten wie alle Immunsupprimierten mit höheren Dosen geimpft werden. Eine französische Langzeitstudie zeigte deutlich bessere Ergebnisse mit einem 4 x 40μg HBsAg-Schema gegenüber dem Normalschema mit 3 x 20 μg bzw. einer 4-maligen intradermalen Applikation von 4μg (Evidenz 2b) * Launay, O, Rosenberg, AR, Rey, D, Pouget, N, Michel, ML, Reynes, J, et.al. Long-term Immune Response to Hepatitis B Virus Vaccination Regimens in Adults With Human Immunodeficiency Virus 1: Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial.. JAMA Intern Med, 2016. 176 (5)(5): p. 603-10., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27064975/.

Bei Nonrespondern ist nach Einleitung einer ART und Verbesserung oder Normalisierung der Zahl der CD4-positiven Zellen sowie Abnahme der Viruslast der Impferfolg deutlich erhöht (Evidenz 2b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Launay, O, Rosenberg, AR, Rey, D, Pouget, N, Michel, ML, Reynes, J, Neau, D, Raffi, F, Piroth, L, Carrat, F. Long-term Immune Response to Hepatitis B Virus Vaccination Regimens in Adults With Human Immunodeficiency Virus 1: Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial.. JAMA Intern Med 2016; 176 (5): 603-10

[2]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

7.9. Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Evidenzbasierte Empfehlung 7.34

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Neugeborene HBsAg-positiver Mütter sollen innerhalb von 12 Stunden nach Geburt aktiv-passiv (aktive Impfung plus Hepatitis-B-Immmunglobulin) immunisiert werden.

Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Hintergrund

Die Wirksamkeit der aktiv-passiven Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen von HBsAg-positiven Müttern wurde vielfach demonstriert (Evidenz 1a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/). Dazu werden gleichzeitig mit dem Impfstoff 30-100 IU Anti-HBs pro kg KG verabreicht, i. d. Regel 1 ml eines i.m. zu applizierenden Anti-HBs-Präparats mit einer Anti-HBs-Konzentration von 200 IU/ml. Vier bis acht Wochen nach der Grundimmunisierung soll der Impferfolg durch die Bestimmung von Anti-HBs überprüft werden. Um ein Impfversagen bzw. einen Virusdurchbruch zu erkennen, soll zusätzlich noch auf HBsAg und Anti-HBc getestet werden. Auch die aktive Impfung allein verhütet mit großer Sicherheit eine Infektion; bei Neugeborenen von Müttern, deren HBsAg-Status nicht bekannt ist und bei denen eine serologische Kontrolle innerhalb von 12 Stunden nicht möglich ist, sollte daher unmittelbar post partum die Grundimmunisierung mit einem Hepatitis-B-Impfstoff begonnen werden. Bei nachträglicher Feststellung einer HBsAg-Positivität kann beim Neugeborenen innerhalb von sieben Tagen postpartal die Gabe von Hepatitis-B-Immunglobulin nachgeholt werden (in erster Linie um die Zeit bis zur Bildung „eigener“ schützender Antikörper beim Kind zu überbrücken) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Evidenzbasierte Empfehlung 7.35

Neu 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Schwangeren mit einer HBV-DNA-Konzentration >200.000 IU/ml soll eine antivirale Therapie angeboten werden, um das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung zusätzlich zur Postexpositionsprophylaxe zu reduzieren (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“).

Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Hintergrund

Ein Versagen der Postexpositionsprophylaxe ist möglich, wenn die Viruslast der Mutter sehr hoch ist (>106 Kopien HBV-DNA/ml, bzw. 2×105 IU/ml). In diesen Fällen soll eine antivirale Therapie der Mutter zur Senkung der Viruslast erwogen werden (Details siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“). Dafür ist es notwendig, die Schwangere frühzeitig auf eine bestehende HBV-Infektion zu testen, damit noch ausreichend Zeit für ein Anschlagen der antiviralen Therapie bis zum Geburtstermin bleibt. Daher sollte bei Schwangeren mit erhöhtem Risiko für eine HBV-Infektion der Nachweis von HBsAg bereits in der Frühschwangerschaft erfolgen, um bei chronischer Infektion mit hoher Viruslast eine antivirale Therapie zur Transmissionsprophylaxe einzuleiten.

Die aktiv-passive Postexpositionsprophylaxe wird nach Geburt des Kindes wie üblich durchgeführt. Sollte bei hoher Viruslast der Mutter (HBV-DNA >200.000 IU/ml) keine Therapie erfolgt sein, scheint eine besonders frühe aktiv-passive Postexpositionsprophylaxe (in den ersten 4 Stunden nach der Geburt) mit sehr geringen Transmissionsraten in dieser Situation verbunden zu sein. (Details siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“).

Allerdings kann die sehr frühe Impfung nicht immer sichergestellt sein und die Transmissionsrate ist nicht komplett bei 0%. Daher sind Maßnahmen zur Reduktion der HBV-DNA bis zum Zeitpunkt der Geburt auf Werte <200.000 IU/ml wichtig.

Evidenzbasierte Empfehlung 7.36

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine Sectio ausschließlich zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung soll nicht durchgeführt werden, wenn die HBV-DNA-Konzentration der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt <200.000 IU/ml ist und das Neugeborene aktiv-passiv geimpft wird.

Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?

Hintergrund

Kontrovers ist die Antwort auf die Frage, ob eine Sectio das Risiko einer vertikalen Transmission reduzieren kann. Ein systematisches Review von 30 Datensätzen (9.906 Fälle), mit allerdings sehr heterogener Datenlage, kam zum Schluss, dass das relative Risiko für die Entwicklung einer HBV-Infektion nach (elektiver) Sectio gegenüber einer vaginalen Geburt verringert ist (OR 0,51) (Evidenz 3a) * Yang, Mei, Qin, Qin, Fang, Qiong, Jiang, Lixin, Nie, Shaofa, Cesarean section to prevent mother-to-child transmission of hepatitis B virus in China: A meta-analysis. BMC Pregnancy and Childbirth, 2017. 17(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12884-017-1487-1.

Allerdings zeigte sich in der Subgruppe der Kinder mit Durchführung der post-partalen aktiven und passivem Immunisierung keine Risiko-Reduktion einer vertikalen Transmission durch eine elektive Sectio.
Ein anderes systematisches Review (18 Studien, 11.446 Fälle) zeigte ebenfalls keinen Unterschied hinsichtlich einer Mutter-Kind-Übertragung in Abhängigkeit vom Geburtsmodus bei Durchführung einer Immunoprophylaxe. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass bei einer hohen HBV-DNA (>200.000 IU/ml) die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren sind (Evidenz 2a) * Chen, Hong-Lin, Cai, Ji-Yu, Song, Yi-Ping, Zha, Man-Li, Qin, Gang, Vaginal delivery and HBV mother to child transmission risk after immunoprophylaxis: A systematic review and a meta-analysis. Midwifery, 2019. 74: p. 116-125., http://dx.doi.org/10.1016/j.midw.2019.03.024.

In der Tat deutet eine Studie mit 1.409 Fällen darauf hin, dass die Sectio bei einer HBV-DNA >200.000 IU/ml einen Nutzen hat (Evidenz 3b) * Pan, Calvin Q., Zou, Huai-Bin, Chen, Yu, Zhang, Xiaohui, Zhang, Hua, Li, Jie, et.al. Cesarean Section Reduces Perinatal Transmission of Hepatitis B Virus Infection From Hepatitis B Surface Antigen–Positive Women to Their Infants. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2013. 11(10): p. 1349-1355., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2013.04.026.
Die analysierten Studien waren meist aus China. Der Zeitpunkt der aktiven und passiven Impfung des Neugeborenen nach der Geburt spielt hier eine wichtige Rolle. Inwiefern die Ergebnisse daher auf Deutschland übertragen werden können, ist unklar.

Eine generelle Empfehlung zur Sectio kann daher nicht gegeben werden. Sollte die HBV-DNA zum Zeitpunkt der Geburt >200.000 IU/ml liegen, kann eine Sectio mit der Schwangeren (Nutzen/Risikoabwägung) besprochen werden.

Literatur

[1]

Yang, Mei, Qin, Qin, Fang, Qiong, Jiang, Lixin, Nie, Shaofa. Cesarean section to prevent mother-to-child transmission of hepatitis B virus in China: A meta-analysis. BMC Pregnancy and Childbirth 2017; 17:

[2]

Chen, Hong-Lin, Cai, Ji-Yu, Song, Yi-Ping, Zha, Man-Li, Qin, Gang. Vaginal delivery and HBV mother to child transmission risk after immunoprophylaxis: A systematic review and a meta-analysis. Midwifery 2019; 74: 116-125

[3]

Pan, Calvin Q., Zou, Huai-Bin, Chen, Yu, Zhang, Xiaohui, Zhang, Hua, Li, Jie, Duan, Zhongping. Cesarean Section Reduces Perinatal Transmission of Hepatitis B Virus Infection From Hepatitis B Surface Antigen–Positive Women to Their Infants. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2013; 11: 1349-1355

7.10. Wie ist bei nicht gegen Hepatitis B Immunen im Falle eines Kontakts mit HBV-haltigem Material zu verfahren?

Evidenzbasierte Empfehlung 7.37

Geprüft 2020

Evidenzlevel 3

Empfehlungsgrad B


Nach Viruskontakt sollte so früh wie möglich, auf jeden Fall innerhalb von 48 Stunden, eine aktiv-passive Immunisierung erfolgen.

Wie ist bei nicht gegen Hepatitis B Immunen im Falle eines Kontakts mit HBV-haltigem Material zu verfahren?

Hintergrund

Ein Infektionsrisiko besteht bei Stich- und Schnittverletzungen mit Instrumenten (insbesondere mit Hohlnadeln), die an einem Patienten mit akuter oder chronischer Hepatitis B verwendet wurden, bei dem eine Virämie nachgewiesen wurde (HBV-DNA-positiv) oder vermutet werden muss (HBsAg-positiv), sowie bei Kontakt mit Blut, Serum oder Gewebe oder blutkontaminierten Körperflüssigkeiten eines solchen Patienten mit Schleimhaut oder nicht intakter Haut.

In einer Untersuchung, in der Personen nach Verletzung mit einer mit HBsAg- und HBeAg- positivem Blut kontaminierten Kanüle eine aktiv-passive Immunisierung erhielten, konnte bei 22 (95,6 %) von 23 eine HBV-Infektion verhindert werden, gegenüber 22 von 33 (66,7%), die in einer früheren Studie nur einmal passiv immunisiert worden waren. Die Simultanimpfung wurde innerhalb von 48 Stunden verabreicht, im Mittel nach 17 Stunden (Evidenz 3b) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Eine aktiv-passive Immunisierung sollte daher so bald wie möglich, auf jeden Fall aber innerhalb von 48 Stunden nach dem Kontakt erfolgen. Das gilt auch für Menschen, deren Immunstatus unbekannt und nicht innerhalb von 48 Stunden abzuklären ist (s. STIKO- Empfehlung. * Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiol Bull 2017; 34. 333–376. Im Internet: www.stiko.de, 2017.

Inwieweit spätere Gaben von Immunglobulin und Impfstoff noch sinnvoll sind, ist unklar; auf jeden Fall dürfte ihre Wirksamkeit deutlich geringer sein!

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiol Bull 2017; 34. 333–376. Im Internet: www.stiko.de 2017; :

7.11. Gibt es Sicherheitsbedenken oder Kontraindikationen gegen eine Hepatitis-B- Impfung?

Konsensbasiertes Statement 7.38

Geprüft 2020

Starker Konsens


Der Hepatitis-B-Impfstoff ist sehr gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen oder Komplikationen, über die speziell aufgeklärt werden müsste oder weswegen bestimmte Personen nicht geimpft werden können, sind wissenschaftlich nicht belegt.

Gibt es Sicherheitsbedenken oder Kontraindikationen gegen eine Hepatitis-B- Impfung?

Hintergrund

Der Hepatitis-B-Impfstoff ist sehr gut verträglich (Evidenz 3a) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Wie bei anderen Impfstoffen kann es innerhalb von 1 bis 3 Tagen, selten länger anhaltend, an der Impfstelle zu Rötung, Schmerzhaftigkeit und Schwellung kommen, gelegentlich auch verbunden mit Beteiligung der zugehörigen Lymphknoten. Allgemeinsymptome wie beispielsweise leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit sind selten. In der Regel sind diese Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab. In Einzelfällen wird über anaphylaktische und allergische Reaktionen (Vaskulitis, Urtikaria, niedriger Blutdruck) nach Hepatitis-B-Impfung berichtet. Ungeklärt ist ein ursächlicher Zusammenhang der Impfung mit den sehr selten beobachteten neurologischen Störungen (Enzephalitis, Enzephalomyelitis, Myelitis, Opticusneuritis, Guillain-Barré-Syndrom) und Erkrankungen anderer Organe (Arthritiden, Angioödem, Erythema multiforme, Lupus erythematodes, Thrombozytopenie), die im zeitlichen Zusammenhang mit der Hepatitis-B-Impfung auftraten. In der Mehrzahl dieser Einzelfallberichte dürfte es sich um das zufällige zeitliche Zusammentreffen von miteinander nicht ursächlich verbundenen selbstständigen Ereignissen handeln (Evidenz 4) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).
Die Verursachung oder die Auslösung eines akuten Schubs von Multipler Sklerose oder anderer demyelisierender Erkrankungen durch die Hepatitis-B-Impfung wird immer wieder diskutiert (Evidenz nicht bewertet). Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Fakten, die einen solchen Zusammenhang beweisen. Eine Vielzahl qualifizierter Studien konnte keine Evidenz für einen kausalen Zusammenhang der postulierten Krankheit mit der Impfung finden (Evidenz 3a) * Mouchet, Julie, Salvo, Francesco, Raschi, Emanuel, Poluzzi, Elisabetta, Antonazzo, Ippazio Cosimo, De Ponti, Fabrizio, et.al. Hepatitis B vaccination and the putative risk of central demyelinating diseases – A systematic review and meta-analysis. Vaccine, 2018. 36(12): p. 1548-1555., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2018.02.036.
Daran ändert auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs nichts, der einem Mann, der kurz nach der dritten Hepatitis-B-Impfung eine Multiple Sklerose entwickelte, Schadensersatz zusprach * Vogel, Gretchen, Europe's top court alarms vaccine experts. Science, 2017. 356(6345): p. 1320-1320., http://dx.doi.org/10.1126/science.356.6345.1320, * Mertens T. GfV-Stellungnahme zum EU-Urteil HBV-Impfung-MS-3-2017-06-23. Online 2017. Im Internet: https://www.g-f-v.org/node/716, 2017.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Urteil nicht relevant, da es die verfügbaren Evidenzen zum medizinischen Sachverhalt nicht berücksichtigt.

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

[2]

Mouchet, Julie, Salvo, Francesco, Raschi, Emanuel, Poluzzi, Elisabetta, Antonazzo, Ippazio Cosimo, De Ponti, Fabrizio, Bégaud, Bernard. Hepatitis B vaccination and the putative risk of central demyelinating diseases – A systematic review and meta-analysis. Vaccine 2018; 36: 1548-1555

[3]

Vogel, Gretchen. Europe's top court alarms vaccine experts. Science 2017; 356: 1320-1320

[4]

. Mertens T. GfV-Stellungnahme zum EU-Urteil HBV-Impfung-MS-3-2017-06-23. Online 2017. Im Internet: https://www.g-f-v.org/node/716 2017; :

Evidenzbasierte Empfehlung 7.39

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Personen mit hochfieberhaften und/oder behandlungsbedürftigen, akuten Erkrankungen sollten nicht geimpft werden.

Konsensbasierte Empfehlung 7.40

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Personen, die nach einer vorangegangenen Impfung mit einem Hepatitis-B-Impfstoff Zeichen einer Überempfindlichkeit oder andere ungeklärte unerwünschte Wirkungen gezeigt haben, sollten nicht geimpft werden.

Gibt es Sicherheitsbedenken oder Kontraindikationen gegen eine Hepatitis-B- Impfung?

Hintergrund

Personen mit hochfieberhaften und/oder behandlungsbedürftigen Erkrankungen sollten frühestens zwei Wochen nach Genesung geimpft werden. Allergische Erscheinungen oder andere unerwünschte Arzneimittelwirkungen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Hepatitis-B-Impfung stellen ein Impfhindernis gegen eine nachfolgende Hepatitis-B-Impfung dar, wenn aufgrund der besonderen Umstände ein Kausalzusammenhang angenommen werden muss. * Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiol Bull 2017; 34. 333–376. Im Internet: www.stiko.de, 2017.

Darüberhinausgehende Kontraindikationen gibt es nicht; Schwangere können gegen Hepatitis B geimpft werden (Evidenz 2b), allerdings sollte – wie für alle Impfungen in der Schwangerschaft– die Indikation streng gestellt sein * Sheffield, Jeanne S., Hickman, Ashley, Tang, Jennifer, Moss, Kristie, Kourosh, Atoosa, Crawford, Natalie M., et.al. Efficacy of an Accelerated Hepatitis B Vaccination Program During Pregnancy. Obstetrics & Gynecology, 2011. 117(5): p. 1130-1135., http://dx.doi.org/10.1097/aog.0b013e3182148efe

Literatur

[1]

. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiol Bull 2017; 34. 333–376. Im Internet: www.stiko.de 2017; :

[2]

Sheffield, Jeanne S., Hickman, Ashley, Tang, Jennifer, Moss, Kristie, Kourosh, Atoosa, Crawford, Natalie M., Wendel, George D.. Efficacy of an Accelerated Hepatitis B Vaccination Program During Pregnancy. Obstetrics & Gynecology 2011; 117: 1130-1135

7.12. Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Konsensbasierte Empfehlung 7.41

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei HBV-DNA-Konzentrationen <200 IU/ml sind keine Einschränkungen der Tätigkeit und keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Kontrollen der HBV-DNA sollen alle 3 Monate durchgeführt werden.

Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Hintergrund

Eine Übertragung von HBV im Zusammenhang des Tätigkeitsprofils von HCW wurde bislang bei HBV-DNA-Konzentrationen unter 200 IU/ml nicht beschrieben (200 IU/ml entsprechen 1.000 Genomen HBV/ml, bei einem Umrechnungsfaktor von 1 IU = 5 Genom HBV), und ist nach Stand der Kenntnis für diese spezielle Übertragungssituation sehr unwahrscheinlich. Daher werden für HBV-Konzentrationen von unter 200 IU/ml bei chronisch HBV-infizierten HCW keine Einschränkung der Berufstätigkeit und keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen für erforderlich gehalten. Da im Laufe einer chronischen HBV-Infektion die HBV-DNA-Konzentration im Blut auch ohne auffällig klinisches Bild stark variieren kann, sind serologische Kontrollen der HBV-DNA mit einer hochsensitiven Detektionsmethode alle 3 Monate angeraten. Bei einer Virämie <200 IU/ml HBV-DNA sind in der Regel keine Einschränkungen oder besondere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Bei höherer Virämie sollte eine Kommission über die vertretbaren Tätigkeiten entscheiden. Bei Tätigkeiten mit Übertragungsgefahr muss die Virämie mittels einer sensitiven, quantitativen HBV-DNA-Nachweistechnik engmaschig kontrolliert werden: alle 3 Monate, solange HBV-DNA im Serum nachweisbar ist; alle 6 Monate, solange bei nicht nachweisbarer HBV-DNA das HBsAg nachweisbar ist. Bei stabil negativen HBV-DNA-Werten sollte alle 6 Monate das HBsAg und Anti-HBs bestimmt werden; alle 12 Monate nach HBsAg-Verlust bzw. Serokonversion von HBsAg zu Anti-HBs. Nach einem stabilen HBsAg-Verlust bzw. einer Serokonversion von HBsAg zu Anti-HBs ist von einer stabilen Remission auszugehen. Es besteht jedoch ein Risiko einer Reaktivierung, z.B. bei Immunsuppression * Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, et.al. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2020. 63(2): p. 218-225., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-019-03084-9.

Als HCW gelten alle medizinisch, zahnmedizinisch, pflegerisch, geburtshelferisch, oder assistierend am Patienten Tätige in unterschiedlichen Bereichen, wie z.B. Krankenhäusern, Ambulanzen, Arztpraxen, Dialyseeinrichtungen, Pflegeheimen und ambulant tätigen Pflegeeinrichtungen. Entscheidend bei o.g. Tätigkeiten ist hierbei die Existenz eines möglichen Übertragungsweges. Die Tätigkeit selber muss nicht mit einer Anstellung verbunden sein und umfasst daher auch den Personenkreis der Belegärzte, Honorarärzte, Gastärzte, Praktikanten, Hospitanten und Famulanten.

Literatur

[1]

Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, Rösler, Joachim, Slanina, Heiko, Spickhoff, Andreas, Thanheiser, Marc, Schüttler, Christian G.. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2020; 63: 218-225

Konsensbasierte Empfehlung 7.42

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Werten zwischen 200 und 20.000 IU/ml soll eine individuelle Bewertung des Übertragungsrisikos je nach Tätigkeit erfolgen und ggf. Maßnahmen zur Senkung der Übertragungsgefahr ergriffen werden.

Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Hintergrund

Annähernd 500 HBV-Übertragungen durch wenigstens 52 HCW wurden bislang beschrieben, deren HBV-DNA-Konzentrationen zum Zeitpunkt ihrer Untersuchung alle erheblich über 2.000 IU/mL lagen (Evidenz 3b) * Raven, Stijn F. H., de Heus, Barry, Wong, Albert, Zaaijer, Hans L., van Steenbergen, Jim E., Fluctuation of Viremia in Hepatitis B Virus–Infected Healthcare Workers Performing Exposure-Prone Procedures in the Netherlands. Infection Control & Hospital Epidemiology, 2016. 37(6): p. 655-660., http://dx.doi.org/10.1017/ice.2016.49.
Bei Werten zwischen 200 und 20.000 IU/mL HBV-DNA ist das Risiko einer Übertragung bedingt z.B. durch die Verletzungsgefahr des HCW bei invasiven chirurgischen Tätigkeiten immer noch sehr gering, aber nicht mehr vernachlässigbar. Werden tatsächlich Tätigkeiten mit Übertragungsgefahr ausgeübt, sollte in diesem Fall eine ad-hoc-Kommission prüfen, ob (1) eine besonders hohe Übertragungsgefahr vorliegt, (2) die Übertragungsgefahr durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen verringert werden kann, oder (3) diese Tätigkeiten zukünftig vermieden werden müssen (zu Einzelheiten und Vorgehensweisen siehe: * Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, et.al. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2020. 63(2): p. 218-225., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-019-03084-9).

Literatur

[1]

Raven, Stijn F. H., de Heus, Barry, Wong, Albert, Zaaijer, Hans L., van Steenbergen, Jim E.. Fluctuation of Viremia in Hepatitis B Virus–Infected Healthcare Workers Performing Exposure-Prone Procedures in the Netherlands. Infection Control & Hospital Epidemiology 2016; 37: 655-660

[2]

Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, Rösler, Joachim, Slanina, Heiko, Spickhoff, Andreas, Thanheiser, Marc, Schüttler, Christian G.. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2020; 63: 218-225

Konsensbasiertes Statement 7.43

Neu 2020

Starker Konsens


Konstant hohe HBV-DNA-Konzentrationen von >20.000 IU/ml sind mit einer übertragungsträchtigen Tätigkeit gemäß Empfehlung der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) nicht vereinbar.

Hintergrund Tätigkeitsbeschränkungen HBV-Infizierte

Hintergrund

Institutionen und Fachgesellschaften aus USA, Kanada und Australien benennen in ihren Empfehlungen teilweise andere Grenzwerte und Kategorien zur Vermeidung von HBV-Übertragungen bei medizinischen Eingriffen. Die in der DVV-Empfehlung ausgeführten Betrachtungen entsprechen diesen Empfehlungen; die empfohlenen Maßnahmen sind in der DVV-Empfehlung jedoch zum Teil strenger formuliert * Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, et.al. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2020. 63(2): p. 218-225., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-019-03084-9

Literatur

[1]

Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, Rösler, Joachim, Slanina, Heiko, Spickhoff, Andreas, Thanheiser, Marc, Schüttler, Christian G.. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2020; 63: 218-225

Gibt es Tätigkeitseinschränkungen von HBV-Infizierten im Gesundheitswesen (HCW, healthcare worker)?

Ausblick

Die Schutzdauer der HBV-Impfung ist nach wie vor nicht geklärt. Über die Persistenz schützender Antikörper liegt eine Vielzahl von Studien vor. Die Datenlage zur Persistenz des immunologischen Gedächtnisses, das nach dem Verschwinden der schützenden Antikörper für den Schutz vor Erkrankung im Falle einer Infektion verantwortlich ist, ist aber nach wie vor nicht ausreichend. Hier sind weitere Untersuchungen dringend notwendig, zumal bei 30-50% der im Säuglingsalter geimpften Personen bereits nach 10-15 Jahren der Anti-HBs-Spiegel unter 10 IU/l abgesunken ist.

Die Wirksamkeit (vor allem auch die Dauer des Schutzes vor Infektion) und die Antigenzusammensetzung der in Deutschland verfügbaren Impfstoffe sollte insbesondere für spezielle Risikogruppen verbessert werden (z.B. Dialysepatienten, Non- bzw. Lowresponder, Personen über 40 Jahre, etc.). Dies könnte durch Einschluss von weiteren viralen Epitopen, wie z.B. der PräS-Domänen der HBV-Oberflächenproteine erreicht werden. Bereits getestete PräS-haltige Impfstoffe zeigen schnellere und bessere Ansprechraten bei Neugeborenen, sowie Non- und Lowrespondern im Vergleich zu konventionellen Vakzinen * Gerlich, Wolfram H., Prophylactic vaccination against hepatitis B: achievements, challenges and perspectives. Medical Microbiology and Immunology, 2014. 204(1): p. 39-55., http://dx.doi.org/10.1007/s00430-014-0373-y.

Literatur

[1]

Gerlich, Wolfram H.. Prophylactic vaccination against hepatitis B: achievements, challenges and perspectives. Medical Microbiology and Immunology 2014; 204: 39-55

8. Management der relevanten HBV-Koinfektionen

H. Wedemeyer, A. Wranke, L. Sandmann, H. Klinker, P. Ingiliz, S. Christensen

H. Wedemeyer, A. Wranke, L. Sandmann, H. Klinker, P. Ingiliz, S. Christensen

8.1. Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 8.1

Geprüft 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Der Einsatz von pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) soll bei allen Patienten mit chronischer HBV/HDV-Koinfektion und einer kompensierten Lebererkrankung geprüft werden.

Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Eine chronische HDV-Infektion ist im Vergleich zu Patienten, die nur mit HBV infiziert sind, mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose verbunden. Dies wurde in Kohortenanalysen aus den 1980er und 1990er Jahren gezeigt und kürzlich in mehreren systematischen Übersichten bestätigt (Evidenz 2a) * Fattovich, G., Influence of hepatitis delta virus infection on morbidity and mortality in compensated cirrhosis type B. Gut, 2000. 46(3): p. 420-426., http://dx.doi.org/10.1136/gut.46.3.420* Miao, Zhijiang, Zhang, Shaoshi, Ou, Xumin, Li, Shan, Ma, Zhongren, Wang, Wenshi, et.al. Estimating the Global Prevalence, Disease Progression, and Clinical Outcome of Hepatitis Delta Virus Infection. The Journal of Infectious Diseases, 2019. 221(10): p. 1677-1687., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiz633* Stockdale, Alexander J., Kreuels, Benno, Henrion, Marc Y. R., Giorgi, Emanuele, Kyomuhangi, Irene, de Martel, Catherine, et.al. The global prevalence of hepatitis D virus infection: Systematic review and meta-analysis. Journal of Hepatology, 2020. 73(3): p. 523-532., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.04.008 * Fattovich, G., Boscaro, S., Noventa, F., Pornaro, E., Stenico, D., Alberti, A., et.al. Influence of Hepatitis Delta Virus Infection on Progression to Cirrhosis in Chronic Hepatitis Type B. Journal of Infectious Diseases, 1987. 155(5): p. 931-935., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/155.5.931.

Etwa 20% aller Leberzirrhosen bei HBsAg-positiven Patienten sind auf eine HDV-Koinfektion zurückzuführen * Stockdale, Alexander J., Kreuels, Benno, Henrion, Marc Y. R., Giorgi, Emanuele, Kyomuhangi, Irene, de Martel, Catherine, et.al. The global prevalence of hepatitis D virus infection: Systematic review and meta-analysis. Journal of Hepatology, 2020. 73(3): p. 523-532., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.04.008. Das relative Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose war in einer Metaanalyse für Anti-HDV-positive Patienten 3,84-fach höher als bei HBV-Monoinfizierten (95% CI, 1.79-8.24) * Miao, Zhijiang, Zhang, Shaoshi, Ou, Xumin, Li, Shan, Ma, Zhongren, Wang, Wenshi, et.al. Estimating the Global Prevalence, Disease Progression, and Clinical Outcome of Hepatitis Delta Virus Infection. The Journal of Infectious Diseases, 2019. 221(10): p. 1677-1687., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiz633.

Die HDV-Infektion ist zudem ein unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms. Eine Metanalyse zeigte ein relatives HCC-Risiko bei HBV/HDV koinfizierten Patienten von 1,3. Ein besonders hohes HCC-Risiko besteht für HBV/HDV/HIV- infizierte Patienten (OR 7.1). Insgesamt ließ sich das erhöhte HCC-Risiko allerdings nur für asiatische Patientenkohorten nachweisen (Evidenz 2a) * Alfaiate, Dulce, Clément, Sophie, Gomes, Diana, Goossens, Nicolas, Negro, Francesco, Chronic hepatitis D and hepatocellular carcinoma: A systematic review and meta-analysis of observational studies. Journal of Hepatology, 2020. 73(3): p. 533-539., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.02.030.

Die 5-Jahres Mortalität ist bei Patienten mit chronischer Hepatitis B/D gegenüber Patienten mit alleiniger Hepatitis B ungefähr verdoppelt (Evidenz 2b) * Fattovich, G., Influence of hepatitis delta virus infection on morbidity and mortality in compensated cirrhosis type B. Gut, 2000. 46(3): p. 420-426., http://dx.doi.org/10.1136/gut.46.3.420* Fattovich, G., Boscaro, S., Noventa, F., Pornaro, E., Stenico, D., Alberti, A., et.al. Influence of Hepatitis Delta Virus Infection on Progression to Cirrhosis in Chronic Hepatitis Type B. Journal of Infectious Diseases, 1987. 155(5): p. 931-935., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/155.5.931.
Unter den acht bekannten HDV-Genotypen * Le Gal, Frédéric, Brichler, Ségolène, Drugan, Tudor, Alloui, Chakib, Roulot, Dominique, Pawlotsky, Jean‐Michel, et.al. Genetic diversity and worldwide distribution of the deltavirus genus: A study of 2,152 clinical strains. Hepatology, 2017. 66(6): p. 1826-1841., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29574 scheint der in Deutschland vorherrschende HDV-Genotyp 1 mit einem schlechten Überleben bei chronischer Infektion assoziiert zu sein * Su, Chien–Wei, Huang, Yi–Hsiang, Huo, Teh–Ia, Shih, Hsuan Hui, Sheen, I–Jane, Chen, Su–Wen, et.al. Genotypes and Viremia of Hepatitis B and D Viruses Are Associated With Outcomes of Chronic Hepatitis D Patients. Gastroenterology, 2006. 130(6): p. 1625-1635., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2006.01.035. Bei Einwanderern aus Westafrika findet sich dagegen häufig der HDV Genotyp 5, welcher mit einem besseren Ansprechen auf eine antivirale Therapie mit pegylierten Interferon alfa vergesellschaftet zu sein scheint (Evidenz 3b) * Roulot, Dominique, Brichler, Ségolène, Layese, Richard, BenAbdesselam, Zahia, Zoulim, Fabien, Thibault, Vincent, et.al. Origin, HDV genotype and persistent viremia determine outcome and treatment response in patients with chronic hepatitis delta. Journal of Hepatology, 2020. 73(5): p. 1046-1062., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.038* Spaan, Michelle, Carey, Ivana, Bruce, Matthew, Shang, Dazhuang, Horner, Mary, Dusheiko, Geoff, et.al. Hepatitis delta genotype 5 is associated with favourable disease outcome and better response to treatment compared to genotype 1. Journal of Hepatology, 2020. 72(6): p. 1097-1104., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.12.028.

Pegyliertes Interferon alfa (PEG-IFN) ist zur Therapie der Hepatitis B zugelassen und hat auch eine Wirkung gegen HDV * Wranke, Anika, Wedemeyer, Heiner, Antiviral therapy of hepatitis delta virus infection — progress and challenges towards cure. Current Opinion in Virology, 2016. 20: p. 112-118., http://dx.doi.org/10.1016/j.coviro.2016.10.002. Unter einer Interferon-alfa-Therapie (Standard Interferon oder PEG-IFN) zeigen sich HDV-RNA Suppressionen von bis zu 47%. Die höchsten Ansprechraten sind in kleineren Kohortenstudien dokumentiert.

In den zwei großen kontrollierten prospektiven HIDIT-Studien war die Ansprechrate zum Therapieende 23-48% und 24 Wochen nach Therapieende wiesen nur etwa 25% der Patienten eine negative HDV-RNA auf (Evidenz 1b) * Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, et.al. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine, 2011. 364(4): p. 322-331., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa0912696* Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, et.al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases, 2019. 19(3): p. 275-286., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(18)30663-7.
Im weiteren Langzeitverlauf hatten allerdings ca. 50% der untersuchten Patienten einen späten HDV-RNA Relapse (Evidenz 2b) * Heidrich, Benjamin, Yurdaydın, Cihan, Kabaçam, Gökhan, Ratsch, Boris A., Zachou, Kalliopi, Bremer, Birgit, et.al. Late HDV RNA relapse after peginterferon alpha-based therapy of chronic hepatitis delta. Hepatology, 2014. 60(1): p. 87-97., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27102.

Eine erfolgreiche Therapie mit Interferon alfa ist mit einem günstigeren Langzeitverlauf assoziiert. Das Risiko, klinische Komplikationen einer Leberzirrhose zu entwickeln, war bei Patienten, die mit pegyliertem Interferon alfa behandelt wurden, in Kohorten in Ankara * Yurdaydin, Cihan, Keskin, Onur, Kalkan, Çağdaş, Karakaya, Fatih, Çalişkan, Aysun, Kabaçam, Gökhan, et.al. Interferon Treatment Duration in Patients With Chronic Delta Hepatitis and its Effect on the Natural Course of the Disease. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 217(8): p. 1184-1192., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jix656, Hannover * Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, et.al. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology, 2016. 65(2): p. 414-425., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28876, Frankreich * Roulot, Dominique, Brichler, Ségolène, Layese, Richard, BenAbdesselam, Zahia, Zoulim, Fabien, Thibault, Vincent, et.al. Origin, HDV genotype and persistent viremia determine outcome and treatment response in patients with chronic hepatitis delta. Journal of Hepatology, 2020. 73(5): p. 1046-1062., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.038, und Schweden * Kamal, Habiba, Westman, Gabriel, Falconer, Karolin, Duberg, Ann‐Sofi, Weiland, Ola, Haverinen, Susanna, et.al. Long‐Term Study of Hepatitis Delta Virus Infection at Secondary Care Centers: The Impact of Viremia on Liver‐Related Outcomes. Hepatology, 2020. 72(4): p. 1177-1190., http://dx.doi.org/10.1002/hep.31214, geringer. Ein negatives Testergebnis für HDV-RNA war mit einem günstigeren klinischen Verlauf assoziiert (Evidenz 2b).
Wenn zusätzlich zur negativen HDV-RNA ein HBsAg-Verlust erreicht wurde, konnte ein sehr günstiger Langzeitverlauf beobachtet werden * Niro, G. A., Smedile, A., Fontana, R., Olivero, A., Ciancio, A., Valvano, M. R., et.al. HBsAg kinetics in chronic hepatitis D during interferon therapy: on‐treatment prediction of response. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(6): p. 620-628., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13734* Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, et.al. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology, 2016. 65(2): p. 414-425., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28876.

Die Frage, ob ein relativer HDV-RNA Abfall bei noch nachweisbarer HDV-RNA (zum Beispiel um das 100fache (2 Log-Stufen)) bereits die Prognose verbessert, wird kontrovers diskutiert * Yurdaydin, Cihan, Abbas, Zaigham, Buti, Maria, Cornberg, Markus, Esteban, Rafael, Etzion, Ohad, et.al. Treating chronic hepatitis delta: The need for surrogate markers of treatment efficacy. Journal of Hepatology, 2019. 70(5): p. 1008-1015., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.12.022.
Nukleosidanaloga und Nukleotidanaloga zur Behandlung der chronischen Hepatitis B haben keine direkte antivirale Wirksamkeit gegen HDV (Evidenz 1b). * Wedemeyer, H, Yurdaydìn, C, Dalekos, GN, Erhardt, A, Çakaloğlu, Y, Değertekin, H, et.al. Peginterferon plus adefovir versus either drug alone for hepatitis delta.. N Engl J Med, 2011. 364 (4)(4): p. 322-31., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21268724/ Ein möglicher Nutzen der NA-Therapie bei der HBV/HDV-Koinfektion wird unter Empfehlung 8.4 diskutiert.

Die Bedeutung neuer antiviraler Therapien gegen HDV, die sich in klinischer Entwicklung befinden, wird derzeit in Phase-2- und Phase-3-Studien untersucht * Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003. Der Prenylierungsinhibitor Lonafarnib wird als Monotherapie über 48 Wochen und in Kombination mit PEG-Interferon alfa-2a untersucht. Der HBV-Eintrittshemmer Bulevirtid wird in zwei verschieden Dosen (2mg und 10mg s.c. täglich) über 2 und 3 Jahre getestet. Eine vorläufige Zulassung von Bulevirtid ist im Juli 2020 für Hepatitis D-Patienten mit kompensierter Lebererkrankung durch die EMA erfolgt. Fallberichte zur Therapie mit Bulevirtide zeigen eine Verbesserung der ALT auch bei Patienten mit Leberzirrhose (Evidenz 4) * Loglio, Alessandro, Ferenci, Peter, Uceda Renteria, Sara Colonia, Tham, Christine Y. L., van Bömmel, Florian, Borghi, Marta, et.al. Excellent safety and effectiveness of high-dose myrcludex-B monotherapy administered for 48 weeks in HDV-related compensated cirrhosis: A case report of 3 patients. Journal of Hepatology, 2019. 71(4): p. 834-839., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.07.003.

Für den Einsatz von Bulevirtid bei Patienten mit chronischer Hepatitis B/D wird zeitnah ein Addendum erstellt.

Anmerkung: Die Herstellerfirma des Peginterferon alfa-2a hat im Juli 2020 angekündigt, dieses weltweit vom Markt zu nehmen. Aktuelle Projektionen gehen von einer Verfügbarkeit in Deutschland bis zum Jahresende 2022 aus. Der Marktrückzug betrifft alle Handelsformen, es besteht kein Zusammenhang mit der Sicherheit oder Wirksamkeit des Produktes. Bis zur letzten Lieferung ist die bekannte Qualität gewährleistet. Der aktuelle Bestand des Arzneimittels wird abverkauft, eine Produktion findet nicht mehr statt (https://www.roche.de/medien/meldungen/Mittelfristig-laeuft-Pegasys-aus-Alle-1-5163.html). Wir werden rechtzeitig ein Addendum veröffentlichen.

Literatur

[1]

Fattovich, G.. Influence of hepatitis delta virus infection on morbidity and mortality in compensated cirrhosis type B. Gut 2000; 46: 420-426

[2]

Miao, Zhijiang, Zhang, Shaoshi, Ou, Xumin, Li, Shan, Ma, Zhongren, Wang, Wenshi, Peppelenbosch, Maikel P., Liu, Jiaye, Pan, Qiuwei. Estimating the Global Prevalence, Disease Progression, and Clinical Outcome of Hepatitis Delta Virus Infection. The Journal of Infectious Diseases 2019; 221: 1677-1687

[3]

Stockdale, Alexander J., Kreuels, Benno, Henrion, Marc Y. R., Giorgi, Emanuele, Kyomuhangi, Irene, de Martel, Catherine, Hutin, Yvan, Geretti, Anna Maria. The global prevalence of hepatitis D virus infection: Systematic review and meta-analysis. Journal of Hepatology 2020; 73: 523-532

[4]

Fattovich, G., Boscaro, S., Noventa, F., et al. Influence of Hepatitis Delta Virus Infection on Progression to Cirrhosis in Chronic Hepatitis Type B. Journal of Infectious Diseases 1987; 155: 931-935

[5]

Alfaiate, Dulce, Clément, Sophie, Gomes, Diana, Goossens, Nicolas, Negro, Francesco. Chronic hepatitis D and hepatocellular carcinoma: A systematic review and meta-analysis of observational studies. Journal of Hepatology 2020; 73: 533-539

[6]

Le Gal, Frédéric, Brichler, Ségolène, Drugan, Tudor, Alloui, Chakib, Roulot, Dominique, Pawlotsky, Jean‐Michel, Dény, Paul, Gordien, Emmanuel. Genetic diversity and worldwide distribution of the deltavirus genus: A study of 2,152 clinical strains. Hepatology 2017; 66: 1826-1841

[7]

Su, Chien–Wei, Huang, Yi–Hsiang, Huo, Teh–Ia, Shih, Hsuan Hui, Sheen, I–Jane, Chen, Su–Wen, Lee, Pui–Ching, Lee, Shou–Dong, Wu, Jaw–Ching. Genotypes and Viremia of Hepatitis B and D Viruses Are Associated With Outcomes of Chronic Hepatitis D Patients. Gastroenterology 2006; 130: 1625-1635

[8]

Roulot, Dominique, Brichler, Ségolène, Layese, Richard, BenAbdesselam, Zahia, Zoulim, Fabien, Thibault, Vincent, Scholtes, Caroline, Roche, Bruno, Castelnau, Corinne, Poynard, Thierry, Chazouillères, Olivier, Ganne, Nathalie, Fontaine, Hélène, Gournay, Jerome, Guyader, Dominique, Le Gal, Frédéric, Nahon, Pierre, Roudot-Thoraval, Françoise, Gordien, Emmanuel, Grangé, Jean-Didier, Landman, Roland, Hezode, Christophe, Riachi, Ghassan, Lascoux-Combe, Caroline, Loustaud-Ratti, Véronique, Rosa, Isabelle, Mathurin, Philippe, Nguyen-Khac, Eric, Causse, Xavier, Naveau, Sylvie, Habersetzer, François, Metivier, Sophie, Labadie, Hélène, Sellier, Pierre, Bottero, Julie, de Ledinghen, Victor, Alric, Laurent, Calès, Paul, Goujard, Cecile, Cadranel, Jean-François, Salmon, Dominique, Hillaire, Sophie. Origin, HDV genotype and persistent viremia determine outcome and treatment response in patients with chronic hepatitis delta. Journal of Hepatology 2020; 73: 1046-1062

[9]

Spaan, Michelle, Carey, Ivana, Bruce, Matthew, Shang, Dazhuang, Horner, Mary, Dusheiko, Geoff, Agarwal, Kosh. Hepatitis delta genotype 5 is associated with favourable disease outcome and better response to treatment compared to genotype 1. Journal of Hepatology 2020; 72: 1097-1104

[10]

Wranke, Anika, Wedemeyer, Heiner. Antiviral therapy of hepatitis delta virus infection — progress and challenges towards cure. Current Opinion in Virology 2016; 20: 112-118

[11]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Zachou, Kalliopi, Bozkaya, Hakan, Koch, Armin, Bock, Thomas, Dienes, Hans Peter, Manns, Michael P.. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine 2011; 364: 322-331

[12]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, Akarca, Ulus S., Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Erhardt, Andreas, Lüth, Stefan, Papatheodoridis, George V., et al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases 2019; 19: 275-286

[13]

Heidrich, Benjamin, Yurdaydın, Cihan, Kabaçam, Gökhan, Ratsch, Boris A., Zachou, Kalliopi, Bremer, Birgit, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Tabak, Fehmi, Yalcin, Kendal, Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Cornberg, Markus, Bock, C. Thomas, Manns, Michael P., et al. Late HDV RNA relapse after peginterferon alpha-based therapy of chronic hepatitis delta. Hepatology 2014; 60: 87-97

[14]

Yurdaydin, Cihan, Keskin, Onur, Kalkan, Çağdaş, Karakaya, Fatih, Çalişkan, Aysun, Kabaçam, Gökhan, Önder, F. Oğuz, Karatayli, Senem, Karatayli, Ersin, Deda, Xheni, Bozkaya, Hakan, Bozdayi, A. Mithat, Idilman, Ramazan. Interferon Treatment Duration in Patients With Chronic Delta Hepatitis and its Effect on the Natural Course of the Disease. The Journal of Infectious Diseases 2018; 217: 1184-1192

[15]

Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, Hardtke, Svenja, Deterding, Katja, Port, Kerstin, Westphal, Max, Manns, Michael P., Cornberg, Markus, Wedemeyer, Heiner. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology 2016; 65: 414-425

[16]

Kamal, Habiba, Westman, Gabriel, Falconer, Karolin, Duberg, Ann‐Sofi, Weiland, Ola, Haverinen, Susanna, Wejstål, Rune, Carlsson, Tony, Kampmann, Christian, Larsson, Simon B., Björkman, Per, Nystedt, Anders, Cardell, Kristina, Svensson, Stefan, Stenmark, Stephan, Wedemeyer, Heiner, Aleman, Soo. Long‐Term Study of Hepatitis Delta Virus Infection at Secondary Care Centers: The Impact of Viremia on Liver‐Related Outcomes. Hepatology 2020; 72: 1177-1190

[17]

Niro, G. A., Smedile, A., Fontana, R., et al. HBsAg kinetics in chronic hepatitis D during interferon therapy: on‐treatment prediction of response. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 44: 620-628

[18]

Yurdaydin, Cihan, Abbas, Zaigham, Buti, Maria, Cornberg, Markus, Esteban, Rafael, Etzion, Ohad, Gane, Edward J., Gish, Robert G., Glenn, Jeffrey S., et al. Treating chronic hepatitis delta: The need for surrogate markers of treatment efficacy. Journal of Hepatology 2019; 70: 1008-1015

[19]

Wedemeyer, H, Yurdaydìn, C, Dalekos, GN, Erhardt, A, Çakaloğlu, Y, Değertekin, H, Gürel, S, Zeuzem, S, Zachou, K, Bozkaya, H, Koch, A, Bock, T, Dienes, HP, Manns, MP. Peginterferon plus adefovir versus either drug alone for hepatitis delta.. N Engl J Med 2011; 364 (4): 322-31

[20]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., Buchholz, Stephanie, Buti, Maria, Chan, Henry L. Y., et al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B – Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology 2020; 72: 539-557

[21]

Loglio, Alessandro, Ferenci, Peter, Uceda Renteria, Sara Colonia, Tham, Christine Y. L., van Bömmel, Florian, Borghi, Marta, Holzmann, Heidemarie, Perbellini, Riccardo, Trombetta, Elena, Giovanelli, Silvia, Greco, Letizia, Porretti, Laura, Prati, Daniele, Ceriotti, Ferruccio, Lunghi, Giovanna, Bertoletti, Antonio, Lampertico, Pietro. Excellent safety and effectiveness of high-dose myrcludex-B monotherapy administered for 48 weeks in HDV-related compensated cirrhosis: A case report of 3 patients. Journal of Hepatology 2019; 71: 834-839

Evidenzbasierte Empfehlung 8.2

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B


Die Therapiedauer mit PEG-IFN sollte mindestens 48 Wochen betragen.

Konsensbasiertes Statement 8.3

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Eine Therapieverlängerung kann bei einem Abfall des HBsAg und guter Verträglichkeit mit dem Ziel eines HBsAg-Verlustes erwogen werden.

Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Die Mehrzahl der bisherigen Studien zur Therapie der Hepatitis D hat eine Therapiedauer von 48 Wochen untersucht * Wranke, Anika, Wedemeyer, Heiner, Antiviral therapy of hepatitis delta virus infection — progress and challenges towards cure. Current Opinion in Virology, 2016. 20: p. 112-118., http://dx.doi.org/10.1016/j.coviro.2016.10.002.
Die HIDIT-1-Studie des Kompetenznetzes Hepatitis konnte zum Therapieende bei 23% bzw 24% der 60 mit PEG-IFNa-2a behandelten Patienten eine Unterdrückung der Viruslast mit oder ohne zusätzliche Gabe von Adefovir-Dipivoxil bei einer 48-wöchigen Behandlung mit PEG-Interferon-alfa-2a erreichen. 24 Wochen nach Ende der Behandlung lag die Rate der Patienten mit negativer HDV-RNA bei 28% * Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, et.al. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine, 2011. 364(4): p. 322-331., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa0912696. Therapiestudien, die eine kürzere Therapie als 48 Wochen untersucht haben, liegen nicht vor.

Derzeit gibt es auch keine Evidenz, dass eine Therapieverkürzung im Sinne einer „response- guided“ Therapie auf der Basis einer HDV-RNA-Kinetik während der Behandlung (analog zur Hepatitis-C-Therapie mit PEG-IFN) sinnvoll ist. Zwar ist ein Abfall der HDV-RNA zu Therapiewoche 24 mit einem virologischen Ansprechen am Therapieende (Woche 48) assoziiert, allerdings ließen sich keine Stoppregeln identifizieren, die mit ausreichender Wahrscheinlichkeit ein Therapieversagen vorhersagen * Keskin, Onur, Wedemeyer, Heiner, Tüzün, Ali, Zachou, Kalliopi, Deda, Xheni, Dalekos, George N., et.al. Association Between Level of Hepatitis D Virus RNA at Week 24 of Pegylated Interferon Therapy and Outcome. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2015. 13(13): p. 2342-2349.e2., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2015.05.029.

Eine weitere randomisierte Studie des Kompetenznetz Hepatitis hat bei 120 Patienten eine verlängerte PEG-Interferon alfa-2a-Therapie von 96 Wochen untersucht, wobei die Hälfte der Patienten zusätzlich mit Tenofovir (TDF) behandelt wurden. Am Ende der Therapie waren 48 Patienten (40%) HDV-RNA negativ. Die meisten Patienten wurden in den ersten 48 Wochen der Therapie HDV-RNA negativ, nur zwei Patienten erreichten dieses Ziel während der Therapieverlängerung bis Woche 96. Allerdings traten trotz der verlängerten Therapie bei 40% der Patienten (19/48), die zum Therapieende eine negative HDV-RNA aufwiesen, Virusrückfälle bis zur Nachbeobachtungswoche 24 auf. Das bedeutet, dass 26,7% der Patienten 24 Wochen nach Therapieende HDV-RNA negativ waren. Damit konnte mit einer verlängerten Behandlung die Anzahl der Patienten mit dauerhafter HDV-RNA Unterdrückung nicht relevant gesteigert werden, weshalb eine auf 96 Wochen verlängerte Therapie nicht generell gerechtfertigt ist (Evidenz 2b) * Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, et.al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases, 2019. 19(3): p. 275-286., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(18)30663-7.

Wird während einer Behandlung mit PEG-IFN jedoch ein Abfall des HBsAg beobachtet, so kann in diesen Fällen eine Fortsetzung der Behandlung über Therapiewoche 48 hinaus gerechtfertigt sein. In diesen Fällen kann das Ziel eines HBsAg-Verlustes bei einigen Patienten erreicht werden. Ein HBsAg-Verlust ist mit einem verbesserten klinischen Langzeitverlauf assoziiert * Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, et.al. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology, 2016. 65(2): p. 414-425., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28876* Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003Damit wäre eine funktionelle Ausheilung der zugrunde liegenden HBV-Infektion erreicht, womit auch die HDV-Infektion ausgeheilt wäre. Die Dauer der Therapie sollte in diesem Falle individuell an den Abfall des HBsAg angepasst werden. Quantitative HBsAg-Bestimmungen alle 3-6 Monate unter einer verlängerten PEG-IFN-Therapie sollten erfolgen. In Fallserien aus Italien und Deutschland * Niro, G. A., Smedile, A., Fontana, R., Olivero, A., Ciancio, A., Valvano, M. R., et.al. HBsAg kinetics in chronic hepatitis D during interferon therapy: on‐treatment prediction of response. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(6): p. 620-628., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13734, der Türkei * Yurdaydin, Cihan, Keskin, Onur, Kalkan, Çağdaş, Karakaya, Fatih, Çalişkan, Aysun, Kabaçam, Gökhan, et.al. Interferon Treatment Duration in Patients With Chronic Delta Hepatitis and its Effect on the Natural Course of the Disease. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 217(8): p. 1184-1192., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jix656und den USA * Heller, T., Rotman, Y., Koh, C., Clark, S., Haynes-Williams, V., Chang, R., et.al. Long-term therapy of chronic delta hepatitis with peginterferon alfa. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2014. 40(1): p. 93-104., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12788 sind HBsAg-Verluste nach Therapiedauern von bis zu 4 Jahren beschrieben (Evidenz 3b). Bei der verlängerten Therapie sollen aber die Verträglichkeit der Behandlung und das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen berücksichtigt werden.

Literatur

[1]

Wranke, Anika, Wedemeyer, Heiner. Antiviral therapy of hepatitis delta virus infection — progress and challenges towards cure. Current Opinion in Virology 2016; 20: 112-118

[2]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Zachou, Kalliopi, Bozkaya, Hakan, Koch, Armin, Bock, Thomas, Dienes, Hans Peter, Manns, Michael P.. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine 2011; 364: 322-331

[3]

Keskin, Onur, Wedemeyer, Heiner, Tüzün, Ali, Zachou, Kalliopi, Deda, Xheni, Dalekos, George N., Heidrich, Benjamin, Pehlivan, Selcen, Zeuzem, Stefan, Yalçın, Kendal, Gürel, Selim, Tabak, Fehmi, Idilman, Ramazan, Bozkaya, Hakan, Manns, Michael, Yurdaydin, Cihan. Association Between Level of Hepatitis D Virus RNA at Week 24 of Pegylated Interferon Therapy and Outcome. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2015; 13: 2342-2349.e2

[4]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, Akarca, Ulus S., Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Erhardt, Andreas, Lüth, Stefan, Papatheodoridis, George V., et al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases 2019; 19: 275-286

[5]

Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, Hardtke, Svenja, Deterding, Katja, Port, Kerstin, Westphal, Max, Manns, Michael P., Cornberg, Markus, Wedemeyer, Heiner. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology 2016; 65: 414-425

[6]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., Buchholz, Stephanie, Buti, Maria, Chan, Henry L. Y., et al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B – Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology 2020; 72: 539-557

[7]

Niro, G. A., Smedile, A., Fontana, R., et al. HBsAg kinetics in chronic hepatitis D during interferon therapy: on‐treatment prediction of response. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 44: 620-628

[8]

Yurdaydin, Cihan, Keskin, Onur, Kalkan, Çağdaş, Karakaya, Fatih, Çalişkan, Aysun, Kabaçam, Gökhan, Önder, F. Oğuz, Karatayli, Senem, Karatayli, Ersin, Deda, Xheni, Bozkaya, Hakan, Bozdayi, A. Mithat, Idilman, Ramazan. Interferon Treatment Duration in Patients With Chronic Delta Hepatitis and its Effect on the Natural Course of the Disease. The Journal of Infectious Diseases 2018; 217: 1184-1192

[9]

Heller, T., Rotman, Y., Koh, C., et al. Long-term therapy of chronic delta hepatitis with peginterferon alfa. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2014; 40: 93-104

Konsensbasierte Empfehlung 8.4

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei nachweisbarer HBV-Replikation können Nukleos(t)id-Analoga (NA) gegen HBV eingesetzt werden.

Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Nukleos(t)id-Analoga (NA) gegen HBV haben keine direkte antivirale Wirksamkeit gegen HDV. Es liegen negative Studien für Famciclovir * Yurdaydin, Cihan, Bozkaya, Hakan, Gürel, Selım, Tillmann, Hans L., Aslan, Nuray, Okçu-Heper, A., et.al. Famciclovir treatment of chronic delta hepatitis. Journal of Hepatology, 2002. 37(2): p. 266-271., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(02)00162-9 Lamivudin * Niro, G. A., Ciancio, A., Tillman, H. L., Lagget, M., Olivero, A., Perri, F., et.al. Lamivudine therapy in chronic delta hepatitis: a multicentre randomized‐controlled pilot study. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2005. 22(3): p. 227-232., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2005.02542.x, Entecavir (Evidenz 3b) * Kabacam, G., Onder, F. O., Yakut, M., Seven, G., Karatayli, S. C., Karatayli, E., et.al. Entecavir Treatment of Chronic Hepatitis D. Clinical Infectious Diseases, 2012. 55(5): p. 645-650., http://dx.doi.org/10.1093/cid/cis459 und Adefovir (Evidenz 1b) * Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, et.al. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine, 2011. 364(4): p. 322-331., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa0912696 vor.
Ebenso zeigte Tenofovir (TDF) in Kombination mit PEG-IFN keinen zusätzlichen Effekt im Vergleich zu PEG-IFN alleine (Evidenz 1b) * Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, et.al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases, 2019. 19(3): p. 275-286., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(18)30663-7.

In einer spanischen Kohorte von HBV/HDV/HIV-infizierten Patienten wurde allerdings bei 10 von 19 Patienten während einer Langzeittherapie mit Tenofovir (TDF) eine Abnahme der HDV-RNA beobachtet (Evidenz 3b) * Soriano, Vincent, Vispo, Eugenia, Sierra-Enguita, Rocío, Mendoza, Carmen de, Fernández-Montero, José V., Labarga, Pablo, et.al. Efficacy of prolonged tenofovir therapy on hepatitis delta in HIV-infected patients. AIDS, 2014. 28(16): p. 2389-2394., http://dx.doi.org/10.1097/qad.0000000000000417.
In einer Kohorte von HBV/HDV/HIV-infizierten Patienten aus der Schweiz, die eine Tenofovir-haltige antiretroviale Therapie erhielten, zeigten nur 28,6 % eine Reduktion der HDV-RNA von ≥2.0 log, und 14,3 % hatten innerhalb von 5 Jahren eine negative HDV-RNA. Eine Reduktion des HBsAg konnte hier nicht dokumentiert werden (Evidenz 3b) * Béguelin, Charles, Friolet, Nicole, Moradpour, Darius, Sahli, Roland, Suter-Riniker, Franziska, Lüthi, Alexander, et.al. Impact of Tenofovir on Hepatitis Delta Virus Replication in the Swiss Human Immunodeficiency Virus Cohort Study. Clinical Infectious Diseases, 2017. 64(9): p. 1275-1278., http://dx.doi.org/10.1093/cid/cix125.

Ob der Abfall der HDV-RNA bei einigen HBV/HDV/HIV-infizierten Patienten direkt durch TDF induziert ist oder durch Immunphänomene (z.B. Immunrekonstitution bei HIV), ist nicht klar. Es wurde gezeigt, dass TDF Interferon lambda induzieren kann * Murata, Kazumoto, Asano, Mai, Matsumoto, Akihiro, Sugiyama, Masaya, Nishida, Nao, Tanaka, Eiji, et.al. Induction of IFN-λ3 as an additional effect of nucleotide, not nucleoside, analogues: a new potential target for HBV infection. Gut, 2016. 67(2): p. 362-371., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2016-312653.
Der klinische Verlauf von Patienten, die NA erhalten haben, wurde in retrospektiven Studien untersucht und hat im Vergleich zu PEG-IFN Therapien schlechtere Verläufe für eine alleinige NA-Therapie gezeigt. Allerdings ist hier ein Bias zu berücksichtigen, da alleinige NA-Therapien in der Regel bei Patienten durchgeführt wurden, die Kontraindikation für PEG-IFN aufwiesen (z.B. fortgeschrittene Zirrhosen) * Kamal, Habiba, Westman, Gabriel, Falconer, Karolin, Duberg, Ann‐Sofi, Weiland, Ola, Haverinen, Susanna, et.al. Long‐Term Study of Hepatitis Delta Virus Infection at Secondary Care Centers: The Impact of Viremia on Liver‐Related Outcomes. Hepatology, 2020. 72(4): p. 1177-1190., http://dx.doi.org/10.1002/hep.31214* Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, et.al. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology, 2016. 65(2): p. 414-425., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28876.

Für die Therapie mit NA bei Patienten mit chronischer Hepatitis D und positiver HBV-DNA, mit dem Ziel, den Progress der Lebererkrankung durch die Suppression der HBV-DNA zu senken, gibt es bislang wenig Evidenz. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Therapieprinzipien, die bei der HBV-Monoinfektion empfohlen sind (siehe „Indikationsstellung zur Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion“ und „Therapie der chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion“), auch bei der Koinfektion mit HDV einen klinischen Nutzen im Sinne einer Reduktion von Komplikationen der Lebererkrankung haben. In der Mehrzahl der Fälle haben Patienten mit einer Hepatitis D unabhängig vom HBeAg-Status niedrige HBV-DNA Werte * Heidrich, B., Deterding, K., Tillmann, H. L., Raupach, R., Manns, M. P., Wedemeyer, H., Virological and clinical characteristics of delta hepatitis in Central Europe. Journal of Viral Hepatitis, 2009. 16(12): p. 883-894., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2893.2009.01144.x* Sureau, Camille, Negro, Francesco, The hepatitis delta virus: Replication and pathogenesis. Journal of Hepatology, 2016. 64(1): p. S102-S116., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2016.02.013.

Literatur

[1]

Yurdaydin, Cihan, Bozkaya, Hakan, Gürel, Selım, Tillmann, Hans L., Aslan, Nuray, Okçu-Heper, A., Erden, Esra, Yalçin, Kendal, Iliman, Nevzat, Uzunalımoǧlu, Özden, Manns, Michael P., et al. Famciclovir treatment of chronic delta hepatitis. Journal of Hepatology 2002; 37: 266-271

[2]

Niro, G. A., Ciancio, A., Tillman, H. L., et al. Lamivudine therapy in chronic delta hepatitis: a multicentre randomized‐controlled pilot study. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2005; 22: 227-232

[3]

Kabacam, G., Onder, F. O., Yakut, M., et al. Entecavir Treatment of Chronic Hepatitis D. Clinical Infectious Diseases 2012; 55: 645-650

[4]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Zachou, Kalliopi, Bozkaya, Hakan, Koch, Armin, Bock, Thomas, Dienes, Hans Peter, Manns, Michael P.. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine 2011; 364: 322-331

[5]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, Akarca, Ulus S., Gürel, Selim, Zeuzem, Stefan, Erhardt, Andreas, Lüth, Stefan, Papatheodoridis, George V., et al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases 2019; 19: 275-286

[6]

Soriano, Vincent, Vispo, Eugenia, Sierra-Enguita, Rocío, Mendoza, Carmen de, Fernández-Montero, José V., Labarga, Pablo, Barreiro, Pablo. Efficacy of prolonged tenofovir therapy on hepatitis delta in HIV-infected patients. AIDS 2014; 28: 2389-2394

[7]

Béguelin, Charles, Friolet, Nicole, Moradpour, Darius, Sahli, Roland, Suter-Riniker, Franziska, Lüthi, Alexander, Cavassini, Matthias, Günthard, Huldrych F., Battegay, Manuel, Bernasconi, Enos, Schmid, Patrick, Calmy, Alexandra, Atkinson, Andrew, Rauch, Andri, Wandeler, Gilles. Impact of Tenofovir on Hepatitis Delta Virus Replication in the Swiss Human Immunodeficiency Virus Cohort Study. Clinical Infectious Diseases 2017; 64: 1275-1278

[8]

Murata, Kazumoto, Asano, Mai, Matsumoto, Akihiro, Sugiyama, Masaya, Nishida, Nao, Tanaka, Eiji, Inoue, Taisuke, Sakamoto, Minoru, Enomoto, Nobuyuki, Shirasaki, Takayoshi, Honda, Masao, Kaneko, Shuichi, Gatanaga, Hiroyuki, Oka, Shinichi, Kawamura, Yuki I., Dohi, Taeko, Shuno, Yasutaka, Yano, Hideaki, Mizokami, Masashi. Induction of IFN-λ3 as an additional effect of nucleotide, not nucleoside, analogues: a new potential target for HBV infection. Gut 2016; 67: 362-371

[9]

Kamal, Habiba, Westman, Gabriel, Falconer, Karolin, Duberg, Ann‐Sofi, Weiland, Ola, Haverinen, Susanna, Wejstål, Rune, Carlsson, Tony, Kampmann, Christian, Larsson, Simon B., Björkman, Per, Nystedt, Anders, Cardell, Kristina, Svensson, Stefan, Stenmark, Stephan, Wedemeyer, Heiner, Aleman, Soo. Long‐Term Study of Hepatitis Delta Virus Infection at Secondary Care Centers: The Impact of Viremia on Liver‐Related Outcomes. Hepatology 2020; 72: 1177-1190

[10]

Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, Hardtke, Svenja, Deterding, Katja, Port, Kerstin, Westphal, Max, Manns, Michael P., Cornberg, Markus, Wedemeyer, Heiner. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology 2016; 65: 414-425

[11]

Heidrich, B., Deterding, K., Tillmann, H. L., et al. Virological and clinical characteristics of delta hepatitis in Central Europe. Journal of Viral Hepatitis 2009; 16: 883-894

[12]

Sureau, Camille, Negro, Francesco. The hepatitis delta virus: Replication and pathogenesis. Journal of Hepatology 2016; 64: S102-S116

Konsensbasierte Empfehlung 8.5

Modifiziert 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose oder akuter fulminanter Hepatitis D sollen für eine Lebertransplantation evaluiert werden.

Bei welchen Patienten mit HBV/HDV-Infektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Ist aufgrund einer fortgeschrittenen Leberzirrhose mit entsprechenden Komplikationen keine antivirale Therapie mit PEG-IFN oder mit neuen antiviralen Therapien möglich, bleibt nur die Lebertransplantation als Therapieoption. Patienten, die aufgrund einer Hepatitis D lebertransplantiert werden müssen, haben im Vergleich zu anderen Indikationen eine sehr gute Prognose nach einer Lebertransplantation * Roche, Bruno, Samuel, Didier, Liver Transplantation in Delta Virus Infection. Seminars in Liver Disease, 2012. 32(03): p. 245-255., http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1323630. Reinfektionen mit HBV und HDV können mittels passiver Immunisierung gegen HBV und gleichzeitiger Gabe von NA gegen HBV verhindert werden (siehe „Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion nach LTx? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe?“).

Literatur

[1]

Roche, Bruno, Samuel, Didier. Liver Transplantation in Delta Virus Infection. Seminars in Liver Disease 2012; 32: 245-255

8.2. Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 8.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Eine replikative Hepatitis C (HCV-RNA positiv) soll bei allen HBsAg-positiven Personen antiviral behandelt werden. Die Auswahl des Therapieregimes erfolgt analog zur HCV-Monoinfektion. Die Indikation zur Therapie der HBV-Infektion erfolgt analog zur Therapieindikation bei der HBV-Monoinfektion (siehe „Chronische Hepatitis-B-Virusinfektion (Monoinfektion): Welche Patienten sollen therapiert werden?“).



[Leitlinienadaptation DGVS HCV-Leitlinie]

Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Analog der S3-Leitline zur Hepatitis C, sollen alle Patienten mit replikativer Hepatitis C behandelt werden. * Sarrazin, Christoph, Zimmermann, Tim, Zeuzem, Stefan, Addendum zur S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus-Infektion“. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2020. 58(11): p. 1107-1108., http://dx.doi.org/10.1055/a-1226-1841 Dazu gehören auch HBV/HCV-koinfizierte Patienten.
Eine gleichzeitige, chronische Infektion mit HBV und HCV bedingt eine signifikant schlechtere Prognose der resultierenden Lebererkrankung. Bei der Behandlung bzw. Überwachung dieser Patienten sollen daher beide Infektionen berücksichtigt werden. * Sarrazin, Christoph, Zimmermann, Tim, Zeuzem, Stefan, Addendum zur S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus-Infektion“. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2020. 58(11): p. 1107-1108., http://dx.doi.org/10.1055/a-1226-1841

In Australien war die Wahrscheinlichkeit, an einer Lebererkrankung zu versterben 32,9-fach erhöht für Patienten mit einer HBV/HCV-Koinfektion (95% Konfidenzintervall 23,1-46,7). Das war deutlich erhöht im Vergleich zu Patienten mit den jeweiligen Monoinfektionen (12,2-fach für Hepatitis B bzw. 16,8-fach für Hepatitis C) (Evidenz 2b) * Amin, Janaki, Law, Matthew G., Bartlett, Mark, Kaldor, John M., Dore, Gregory J., Causes of death after diagnosis of hepatitis B or hepatitis C infection: a large community-based linkage study. The Lancet, 2006. 368(9539): p. 938-945., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(06)69374-4

Die HBV-HCV-Ko-Infektion führt zu einem höheren Risiko, im weiteren Verlauf ein Leberzellkarzinom (HCC) zu entwickeln als die Infektion mit einem der beiden Hepatitisviren allein (Evidenz 2a) * Shi, J., Zhu, L., Liu, S., Xie, W. f, A meta-analysis of case–control studies on the combined effect of hepatitis B and C virus infections in causing hepatocellular carcinoma in China. British Journal of Cancer, 2005. 92(3): p. 607-612., http://dx.doi.org/10.1038/sj.bjc.6602333* Donato, Francesco, Boffetta, Paolo, Puoti, Massimo, A meta-analysis of epidemiological studies on the combined effect of hepatitis B and C virus infections in causing hepatocellular carcinoma. International Journal of Cancer, 1998. 75(3): p. 347-354., http://dx.doi.org/10.1002/(sici)1097-0215(19980130)75:3<347::aid-ijc4>3.0.co;2-2.
Es gibt hier allerdings auch ein systematisches Review, das kein erhöhtes HCC-Risiko für HBV/HCV-Koinfizierte im Vergleich zu Patienten mit einer Monoinfektion nachweisen konnte * Cho, Lisa Y., Yang, Jae Jeong, Ko, Kwang‐Pil, Park, Boyoung, Shin, Aesun, Lim, Min Kyung, et.al. Coinfection of hepatitis B and C viruses and risk of hepatocellular carcinoma: Systematic review and meta‐analysis. International Journal of Cancer, 2010. 128(1): p. 176-184., http://dx.doi.org/10.1002/ijc.25321.

Da das Risiko aber auch nicht vermindert ist und die meisten Daten ein erhöhtes HCC-Risiko dokumentieren, sollte bei fortgeschrittener Fibrose (Metavir F3 und F4) frühzeitig eine regelmäßige Tumorsurveillance mittels halbjährlicher Ultraschalluntersuchung der Leber eingeleitet werden * Sarrazin, Christoph, Zimmermann, Tim, Zeuzem, Stefan, Addendum zur S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus-Infektion“. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2020. 58(11): p. 1107-1108., http://dx.doi.org/10.1055/a-1226-1841.

Eine serologisch ausgeheilte Hepatitis B (HBsAg negativ/Anti-HBc positiv) war in einigen aber nicht allen Studien mit einem erhöhten Risiko für ein HCC bei Hepatitis C Patienten assoziiert. Allerdings variiert der Effekt sehr stark zwischen verschiedenen Kohorten, Regionen und Komorbiditäten * Mak, Lung-Yi, Wong, Danny Ka-Ho, Pollicino, Teresa, Raimondo, Giovanni, Hollinger, F. Blaine, Yuen, Man-Fung, Occult hepatitis B infection and hepatocellular carcinoma: Epidemiology, virology, hepatocarcinogenesis and clinical significance. Journal of Hepatology, 2020. 73(4): p. 952-964., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.05.042* Raimondo, Giovanni, Locarnini, Stephen, Pollicino, Teresa, Levrero, Massimo, Zoulim, Fabien, Lok, Anna S., et.al. Update of the statements on biology and clinical impact of occult hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2019. 71(2): p. 397-408., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.03.034.

Bei HBV/HCV-koinfizierten Patienten ist in der Mehrzahl der Fälle das HCV dominant, die HBV-Virusreplikation ist häufig unterdrückt * Wiegand, S. B., Jaroszewicz, J., Potthoff, A., Höner zu Siederdissen, C., Maasoumy, B., Deterding, K., et.al. Dominance of hepatitis C virus (HCV) is associated with lower quantitative hepatitis B surface antigen and higher serum interferon-γ-induced protein 10 levels in HBV/HCV-coinfected patients. Clinical Microbiology and Infection, 2015. 21(7): p. 710.e1-710.e9., http://dx.doi.org/10.1016/j.cmi.2015.03.003* Sagnelli, E, Sagnelli, C, Macera, M, Pisaturo, M, Coppola, N, An update on the treatment options for HBV/HCV coinfection.. Expert Opin Pharmacother, 2017. 18 (16)(16): p. 1691-1702., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29081251/. Grundsätzlich wird die antivirale Wirksamkeit der Substanzen gegen HBV bzw. HCV nicht durch die jeweils andere Koinfektion beeinflusst. Für HBsAg-positive Patienten sind sehr hohe Ausheilungsraten einer HCV-Infektion mit neuen direkt antiviralen Substanzen gegen HCV beschrieben, die sich nicht von HCV-Monoinfizierten unterscheiden * Liu, Chun-Jen, Chuang, Wan-Long, Sheen, I. Shyan, Wang, Horng-Yuan, Chen, Chi-Yi, Tseng, Kuo-Chih, et.al. Efficacy of Ledipasvir and Sofosbuvir Treatment of HCV Infection in Patients Coinfected With HBV. Gastroenterology, 2018. 154(4): p. 989-997., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.11.011. Umgekehrt sind NA gegen HBV auch im Kontext einer HCV-Infektion effektiv * Sagnelli, E, Sagnelli, C, Macera, M, Pisaturo, M, Coppola, N, An update on the treatment options for HBV/HCV coinfection.. Expert Opin Pharmacother, 2017. 18 (16)(16): p. 1691-1702., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29081251/. Damit können die Substanzen analog zu jeweiligen Monoinfektion ausgewählt werden.

Die Indikationsstellung für eine antivirale Therapie der jeweiligen Infektion sollte analog zu den Monoinfektionen erfolgen. D.h., dass jeder HBsAg-positive Patient mit Nachweis einer HCV Replikation prinzipiell bezüglich einer antiviralen Therapie gegen HCV evaluiert werden sollte.

Umgekehrt ist die Indikation für eine NA-Therapie gegen HBV bei HCV-koinfizierten Patienten, bei allen Patienten mit einer Leberzirrhose und nachweisbarer HBV-DNA und bei nicht zirrhotischen Patienten mit einer HBV-DNA von >2000 IU/ml zu prüfen.

*Die S-3 Leitlinie Hepatitis C (2018) empfiehlt: „Eine antivirale Therapie der chronischen Hepatitis C bei HBV/HCV-Ko-Infektion sollte aufgrund der erhöhten Morbidität angestrebt werden (II/B).“ Im Addendum der Leitlinie (2020) wird empfohlen: „Alle Patienten mit einer replikativen HCV-Infektion (HCV-RNA nachweisbar) sollen antiviral behandelt werden (A).“ Aufgrund der erhöhten Mortalittät bei HCV/HBV Koinfektion und sehr guter Verträglichkeit und Erfolgsrate einer DAA-Therapie zur HCV Behandlung wurde der Empfehlungsgrad A ausgesprochen.

Literatur

[1]

Sarrazin, Christoph, Zimmermann, Tim, Zeuzem, Stefan. Addendum zur S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus-Infektion“. Zeitschrift für Gastroenterologie 2020; 58: 1107-1108

[2]

Amin, Janaki, Law, Matthew G., Bartlett, Mark, Kaldor, John M., Dore, Gregory J.. Causes of death after diagnosis of hepatitis B or hepatitis C infection: a large community-based linkage study. The Lancet 2006; 368: 938-945

[3]

Shi, J., Zhu, L., Liu, S., et al. A meta-analysis of case–control studies on the combined effect of hepatitis B and C virus infections in causing hepatocellular carcinoma in China. British Journal of Cancer 2005; 92: 607-612

[4]

Donato, Francesco, Boffetta, Paolo, Puoti, Massimo. A meta-analysis of epidemiological studies on the combined effect of hepatitis B and C virus infections in causing hepatocellular carcinoma. International Journal of Cancer 1998; 75: 347-354

[5]

Cho, Lisa Y., Yang, Jae Jeong, Ko, Kwang‐Pil, Park, Boyoung, Shin, Aesun, Lim, Min Kyung, Oh, Jin‐Kyoung, Park, Sohee, Kim, Yoon Jun, Shin, Hai‐Rim, Yoo, Keun‐Young, Park, Sue K.. Coinfection of hepatitis B and C viruses and risk of hepatocellular carcinoma: Systematic review and meta‐analysis. International Journal of Cancer 2010; 128: 176-184

[6]

Mak, Lung-Yi, Wong, Danny Ka-Ho, Pollicino, Teresa, Raimondo, Giovanni, Hollinger, F. Blaine, Yuen, Man-Fung. Occult hepatitis B infection and hepatocellular carcinoma: Epidemiology, virology, hepatocarcinogenesis and clinical significance. Journal of Hepatology 2020; 73: 952-964

[7]

Raimondo, Giovanni, Locarnini, Stephen, Pollicino, Teresa, Levrero, Massimo, Zoulim, Fabien, Lok, Anna S., Allain, Jean-Pierre, Berg, Thomas, Bertoletti, Antonio, Brunetto, Maurizia Rossana, Bruno, Raffaele, Chen, Ding-Shinn, Coppola, Nicola, Cornberg, Markus, Craxì, Antonio, Dandri, Maura, Di Marco, Vito, Ferrari, Carlo, Gaeta, Giovanni Battista, Glebe, Dieter, Guidotti, Luca G., Kramvis, Anna, Lampertico, Pietro, Li, Chengyao, Liang, Jake, Marzano, Alfredo, Michalak, Thomas I., et al. Update of the statements on biology and clinical impact of occult hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology 2019; 71: 397-408

[8]

Wiegand, S. B., Jaroszewicz, J., Potthoff, A., et al. Dominance of hepatitis C virus (HCV) is associated with lower quantitative hepatitis B surface antigen and higher serum interferon-γ-induced protein 10 levels in HBV/HCV-coinfected patients. Clinical Microbiology and Infection 2015; 21: 710.e1-710.e9

[9]

Sagnelli, E, Sagnelli, C, Macera, M, Pisaturo, M, Coppola, N. An update on the treatment options for HBV/HCV coinfection.. Expert Opin Pharmacother 2017; 18 (16): 1691-1702

[10]

Liu, Chun-Jen, Chuang, Wan-Long, Sheen, I. Shyan, Wang, Horng-Yuan, Chen, Chi-Yi, Tseng, Kuo-Chih, Chang, Ting-Tsung, Massetto, Benedetta, Yang, Jenny C., Yun, Chohee, Knox, Steven J., Osinusi, Anu, Camus, Gregory, Jiang, Deyuan, Brainard, Diana M., et al. Efficacy of Ledipasvir and Sofosbuvir Treatment of HCV Infection in Patients Coinfected With HBV. Gastroenterology 2018; 154: 989-997

Evidenzbasierte Empfehlung 8.7

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Bei allen HBsAg-positiven Patienten soll während und nach der HCV-Therapie eine Überwachung der HBV-DNA und ALT durchgeführt werden. 

Evidenzbasierte Empfehlung 8.8

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0

Starker Konsens


Eine prophylaktische Therapie zur Verhinderung einer HBV-Reaktivierung braucht i.d.R. nicht zu erfolgen.

Evidenzbasierte Empfehlung 8.9

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad B

Starker Konsens


Eine antivirale Therapie der HBV-Infektion sollte bei einer klinisch relevanten Reaktivierung erfolgen.

Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Prinzipiell kann eine Ausheilung einer HCV-Infektion bei HBsAg-positiven Patienten zu einem Anstieg der HBV-DNA führen. Dies ist bereits im Kontext von Behandlungen mit PEG-IFN gezeigt worden * Potthoff, A., Berg, T., Wedemeyer, H., Late hepatitis B virus relapse in patients co-infected with hepatitis B virus and hepatitis C virus after antiviral treatment with pegylated interferon-a2b and ribavirin. Scandinavian Journal of Gastroenterology, 2009. 44(12): p. 1487-1490., http://dx.doi.org/10.3109/00365520903329585.
Der Einsatz von direkt-antiviralen Substanzen gegen HCV ist in Fallberichten mit einer Steigerung der HBV Replikation assoziiert worden, die zu deutlichen Transaminasenanstiegen geführt haben * Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., Coppola, Nicola, Preda, Carmen M., Yeh, Ming-Lun, et.al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2018. 3(3): p. 172-180., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30002-5* Chen, Guofeng, Wang, Cheng, Chen, Jing, Ji, Dong, Wang, Yudong, Wu, Vanessa, et.al. Hepatitis B reactivation in hepatitis B and C coinfected patients treated with antiviral agents: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(1): p. 13-26., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29109. In Einzelfällen hat eine HBV-Reaktivierung zu Leberversagen mit der Notwendigkeit von Lebertransplantationen geführt * Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., Coppola, Nicola, Preda, Carmen M., Yeh, Ming-Lun, et.al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2018. 3(3): p. 172-180., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30002-5.

Als klinische relevante Reaktivierung der Hepatitis B kann ein Anstieg der HBV-DNA angesehen werden, der eine Therapieindikation einer Monoinfektion nahelegen würde. Das bedeutet, dass für Anstiege auf >2.000 IU/ml bei nicht-zirrhotischen Patienten und bei jedem Nachweis einer HBV-DNA bei Patienten mit Leberzirrhose eine NA-Therapie evaluiert werden sollte.

Eine prospektive Studie aus Taiwan hat eine Sofosbuvir/Ledipasvir-Behandlung bei HBsAg-positiven Patienten untersucht. Hier zeigte sich in 39 von 74 Fällen ein Anstieg der HBV-DNA im Verlauf der Therapie. Allerdings entwickelten in diesem Zusammenhang nur 5 Patienten einen ALT-Anstieg auf das Zweifache des oberen Normwertes, von denen wurde bei 3 Patienten eine antivirale Therapie gegen Hepatitis B eingeleitet. (Evidenz 2b) * Liu, Chun-Jen, Chuang, Wan-Long, Sheen, I. Shyan, Wang, Horng-Yuan, Chen, Chi-Yi, Tseng, Kuo-Chih, et.al. Efficacy of Ledipasvir and Sofosbuvir Treatment of HCV Infection in Patients Coinfected With HBV. Gastroenterology, 2018. 154(4): p. 989-997., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.11.011

Diese Beobachtung ist in Übereinstimmung mit weiteren kleineren Fallserien. In einer Metanalyse wurde das Risiko für eine HBV-Reaktivierung im Kontext einer interferon-freien Therapie gegen HCV analysiert. HBV Reaktivierungen scheinen während oder nach einer Inferferon-freien HCV-Therapie zeitlich früher aufzutreten als bei Interferon-haltigen Therapien * Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., Coppola, Nicola, Preda, Carmen M., Yeh, Ming-Lun, et.al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2018. 3(3): p. 172-180., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30002-5* Chen, Guofeng, Wang, Cheng, Chen, Jing, Ji, Dong, Wang, Yudong, Wu, Vanessa, et.al. Hepatitis B reactivation in hepatitis B and C coinfected patients treated with antiviral agents: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(1): p. 13-26., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29109. Das Risiko für HBV Reaktivierungen bei HBsAg-positiven Patienten wurde in einer anderen Metaanalyse mit 24% angegeben (95% Konfidenzintervall 19%-30%) (Evidenz 2a) * Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., Coppola, Nicola, Preda, Carmen M., Yeh, Ming-Lun, et.al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2018. 3(3): p. 172-180., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30002-5.
Zusammenfassend besteht keine Notwendigkeit einer generellen prophylaktischen NA-Therapie gegen HBV, wenn bei HBsAg-positiven Patienten (ohne sonstige Therapieindikation) eine Hepatitis-C-Therapie durchgeführt wird. Allerdings sind Anstiege der HBV-DNA häufig und in Einzelfällen können Transaminasenanstiege auftreten. Sollte eine Therapieindikation für die Hepatitis B bestehen, sollte die Anti-HBV-Therapie dann möglichst vor Beginn einer Hepatitis C Behandlung eingeleitet werden.

Literatur

[1]

Potthoff, A., Berg, T., Wedemeyer, H.. Late hepatitis B virus relapse in patients co-infected with hepatitis B virus and hepatitis C virus after antiviral treatment with pegylated interferon-a2b and ribavirin. Scandinavian Journal of Gastroenterology 2009; 44: 1487-1490

[2]

Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., et al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology 2018; 3: 172-180

[3]

Chen, Guofeng, Wang, Cheng, Chen, Jing, Ji, Dong, Wang, Yudong, Wu, Vanessa, Karlberg, Johan, Lau, George. Hepatitis B reactivation in hepatitis B and C coinfected patients treated with antiviral agents: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2017; 66: 13-26

[4]

Liu, Chun-Jen, Chuang, Wan-Long, Sheen, I. Shyan, Wang, Horng-Yuan, Chen, Chi-Yi, Tseng, Kuo-Chih, Chang, Ting-Tsung, Massetto, Benedetta, Yang, Jenny C., Yun, Chohee, Knox, Steven J., Osinusi, Anu, Camus, Gregory, Jiang, Deyuan, Brainard, Diana M., et al. Efficacy of Ledipasvir and Sofosbuvir Treatment of HCV Infection in Patients Coinfected With HBV. Gastroenterology 2018; 154: 989-997

Evidenzbasierte Empfehlung 8.10

Neu 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A


Wird eine antivirale Therapie der HCV-Infektion bei Anti-HBc-positiven/HBsAg-negativen Personen durchgeführt, soll eine HBV-DNA-Testung bei Verdacht auf eine HBV-Reaktivierung erfolgen.

Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Einzelne Fallberichte von HBV-Reaktivierungen wurden im Zusammenhang mit einer direkt antiviralen Therapie von HCV-Infektionen bei HBsAg-negativen/Anti-HBc-positiven Patienten beschrieben. Andere Kohortenstudien haben keine oder nur sehr wenige HBV-Reaktivierungen beobachtet. Das Risiko für eine HBV-Reaktivierung bei HBsAg- negativen/Anti-HBc-positiven Patienten ist daraufhin in Metanalysen untersucht worden. Insgesamt ist das Risiko für eine HBV-Reaktivierung gering und beträgt zwischen 1% und 2% während und nach einer HCV-Therapie bei HBsAg-negativen/Anti-HBc-positiven Patienten (Evidenz 2a). * Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., Coppola, Nicola, Preda, Carmen M., Yeh, Ming-Lun, et.al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2018. 3(3): p. 172-180., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30002-5* Chen, Guofeng, Wang, Cheng, Chen, Jing, Ji, Dong, Wang, Yudong, Wu, Vanessa, et.al. Hepatitis B reactivation in hepatitis B and C coinfected patients treated with antiviral agents: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(1): p. 13-26., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29109.

Besteht ein klinischer Verdacht auf eine HBV-Reaktivierung, z. B. aufgrund einer fehlenden Normalisierung oder sogar eines Anstiegs der ALT- und/oder AST-Werte im Verlauf der Hepatitis-C-Therapie, soll eine Untersuchung auf HBV-DNA folgen, mit möglicherweise anschließender Einleitung einer antiviralen Therapie gegen Hepatitis B. Es gibt jedoch keine Evidenz für eine generelle prophylaktische Anti-HBV-Therapie, wenn bei HBsAg- negative/Anti-HBc-positiven Patienten eine Hepatitis-C-Therapie eingeleitet wird.

Literatur

[1]

Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., et al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology 2018; 3: 172-180

[2]

Chen, Guofeng, Wang, Cheng, Chen, Jing, Ji, Dong, Wang, Yudong, Wu, Vanessa, Karlberg, Johan, Lau, George. Hepatitis B reactivation in hepatitis B and C coinfected patients treated with antiviral agents: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2017; 66: 13-26

Konsensbasierte Empfehlung 8.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Bei Anti-HCV-positiven/HCV-RNA negativen Personen soll die Indikationsstellung zur Therapie der HBV-Infektion analog zu Anti-HCV-negativen Personen erfolgen.

Bei welchen Patienten mit HBV/HCV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie durchgeführt werden?

Hintergrund

Ein Zustand nach Hepatitis C (Anti-HCV-positiv/HCV-RNA-negativ) hat keinen Einfluss auf die Indikationsstellung und Durchführung einer antiviralen Therapie gegen Hepatitis B. Patienten, die die HCV-Infektion spontan ausgeheilt haben, haben kein signifikantes Rückfallrisiko und auch eine normale Lebenserwartung * Omland, Lars Haukali, Christensen, Peer Brehm, Krarup, Henrik, Jepsen, Peter, Weis, Nina, Sørensen, Henrik Toft, et.al. Mortality among Patients with Cleared Hepatitis C Virus Infection Compared to the General Population: A Danish Nationwide Cohort Study. PLoS ONE, 2011. 6(7): p. e22476., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0022476. Rückfälle nach Ausheilung einer chronischen Hepatitis C mit neuen direkt antiviralen Substanzen gegen Hepatitis C sind ebenfalls extrem selten mit einer Häufigkeit von <1% nach mehr als 24 Wochen nach Therapieende * Sarrazin, Christoph, Isakov, Vasily, Svarovskaia, Evguenia S., Hedskog, Charlotte, Martin, Ross, Chodavarapu, Krishna, et.al. Late Relapse Versus Hepatitis C Virus Reinfection in Patients With Sustained Virologic Response After Sofosbuvir-Based Therapies. Clinical Infectious Diseases, 2016. 64(1): p. 44-52., http://dx.doi.org/10.1093/cid/ciw676. Dementsprechend ist eine Einleitung einer Hepatitis B-Therapie bei Patienten mit Zustand nach Hepatitis C unbedenklich. Es besteht kein Risiko für HCV-Reaktivierungen. Aufgrund der zuvor bestandenen Koinfektion und dem damit verbundenen erhöhten Risiko für die Ausbildung von klinischen Komplikationen sollte eine HBV-Therapie in jedem Fall auch nach Ausheilung einer Hepatitis C erfolgen, um das Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose und eines HCC zu reduzieren.

Literatur

[1]

Omland, Lars Haukali, Christensen, Peer Brehm, Krarup, Henrik, Jepsen, Peter, Weis, Nina, Sørensen, Henrik Toft, Obel, Niels. Mortality among Patients with Cleared Hepatitis C Virus Infection Compared to the General Population: A Danish Nationwide Cohort Study. PLoS ONE 2011; 6: e22476

[2]

Sarrazin, Christoph, Isakov, Vasily, Svarovskaia, Evguenia S., Hedskog, Charlotte, Martin, Ross, Chodavarapu, Krishna, Brainard, Diana M., Miller, Michael D., et al. Late Relapse Versus Hepatitis C Virus Reinfection in Patients With Sustained Virologic Response After Sofosbuvir-Based Therapies. Clinical Infectious Diseases 2016; 64: 44-52

8.3. Wie sollte die antivirale Therapie bei HBV/HCV/HDV-Dreifach-Infektionen durchgeführt werden?

Konsensbasiertes Statement 8.12

Geprüft 2020

Starker Konsens


Die Therapie orientiert sich an der dominanten Virushepatitis und entspricht den bei HBV/HDV- und HBV/HCV-Doppel-Infektionen etablierten Prinzipien.

Wie sollte die antivirale Therapie bei HBV/HCV/HDV-Dreifach-Infektionen durchgeführt werden?

Hintergrund

Bei einer HBV/HDV/HCV-Koinfektion dominierte in der Mehrzahl der Studien die HCV-Infektion oder HDV-Infektion (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/)
Der virologische Status ist allerdings nicht stabil und kann einer dynamischen Entwicklung unterliegen. Daher sind sequenzielle Verlaufskontrollen für eine Charakterisierung des jeweiligen Infektionsmusters notwendig. Obgleich Querschnittuntersuchungen belegen, dass bei HIV-infizierten Patienten HBV und HDV inhibitorische Effekte auf die HCV-Replikation ausüben, ist die Gefahr einer HCV-Reaktivierung bei suffizienter HIV/HBV-Therapie gering (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

8.4. Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Evidenzbasierte Empfehlung 8.13

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die chronisch-replikative Hepatitis B (HBV-DNA positiv) soll bei HIV-Koinfizierten antiviral behandelt werden.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Hintergrund

Weltweit sind mehr als drei Millionen Menschen mit HIV und HBV infiziert * Leumi, Steve, Bigna, Jean Joel, Amougou, Marie A., Ngouo, Anderson, Nyaga, Ulrich Flore, Noubiap, Jean Jacques, Global Burden of Hepatitis B Infection in People Living With Human Immunodeficiency Virus: A Systematic Review and Meta-analysis. Clinical Infectious Diseases, 2019. 71(11): p. 2799-2806., http://dx.doi.org/10.1093/cid/ciz1170.
Die deutsch-österreichischen HIV-Leitlinien sowie die europäischen HIV und EASL Hepatitis B-Leitlinien empfehlen eine antiretrovirale Therapie (ART) bei HBV/HIV-Koinfektion unabhängig von der CD4-Zellzahl im Blut aufgrund eines erhöhten Risikos einer Fibroseprogression bis zur Leberzirrhose und Entstehung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC). Umgekehrt sollte gemäß diesen Leitlinien auch die HBV-Infektion entsprechend antiviral behandelt werden * L’age-Stehr, J., Helm, E. B., Peters, H. D., Nolde, L., Deutsch-Österreichische Richtlinien zur Antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion (Juli 2002)Springer Berlin Heidelberg. AIDS und die Vorstadien, 2003. p. 59-87., http://dx.doi.org/10.1007/978-3-642-85512-2_4* Clumeck, N., Pozniak, A., Raffi, F., European AIDS Clinical Society (EACS) guidelines for the clinical management and treatment of HIV‐infected adults. HIV Medicine, 2008. 9(2): p. 65-71., http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1293.2007.00533.x* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

Literatur

[1]

Leumi, Steve, Bigna, Jean Joel, Amougou, Marie A., Ngouo, Anderson, Nyaga, Ulrich Flore, Noubiap, Jean Jacques. Global Burden of Hepatitis B Infection in People Living With Human Immunodeficiency Virus: A Systematic Review and Meta-analysis. Clinical Infectious Diseases 2019; 71: 2799-2806

[2]

L’age-Stehr, J., Helm, E. B., Peters, H. D., et al. Deutsch-Österreichische Richtlinien zur Antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion (Juli 2002). AIDS und die Vorstadien 2003; : 59-87

[3]

Clumeck, N., Pozniak, A., Raffi, F.. European AIDS Clinical Society (EACS) guidelines for the clinical management and treatment of HIV‐infected adults. HIV Medicine 2008; 9: 65-71

[4]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

Evidenzbasierte Empfehlung 8.14

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A

Starker Konsens


Die HBV-Therapie soll im Rahmen einer antiretroviralen HIV-Therapie erfolgen. Die antiretrovirale Therapie soll Tenofovir (TDF oder TAF) enthalten.



[Leitlinienadaptation EASL Clinical Practice Guideline HBV 2017]

Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Hintergrund

Bei Personen mit HIV-Koinfektion soll die Behandlung von HBV mit der HIV-Therapie koordiniert werden, da mehrere HBV-Medikamente eine Anti-HIV-Wirkung haben * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/.
Eine Tenofovir (TDF oder TAF) enthaltende ART ist sowohl gegen HIV als auch HBV wirksam. Mit Beginn der Behandlung sollten mögliche Nebenwirkungen überwacht werden (siehe Empfehlung 5.4-5.5). Eine Therapieumstellung von TDF auf TAF ist bei Nebenwirkungen (Niereninsuffizienz und Knochenstoffwechselstörungen) empfohlen.

Bei einem Wechsel der ART von einem TDF- auf ein TAF-haltiges ART-Regime bei Patienten mit supprimierter HIV- und HBV Viruslast blieben mehr als 90% der Patienten virologisch für beide Infektionen supprimiert. Dabei verbesserten sich Surrogatmarker der Nierenfunktion und die Knochendichte nach Wechsel zu einer TAF enthaltenden ART * Gallant, Joel, Brunetta, Jason, Crofoot, Gordon, Benson, Paul, Mills, Anthony, Brinson, Cynthia, et.al. Brief Report: Efficacy and Safety of Switching to a Single-Tablet Regimen of Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabine/Tenofovir Alafenamide in HIV-1/Hepatitis B–Coinfected Adults. JAIDS Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes, 2016. 73(3): p. 294-298., http://dx.doi.org/10.1097/qai.0000000000001069.

Nach Einleitung einer ART bei schlechtem Immunstatus und einer Leberzirrhose kann ein Immunrekonstitutionssyndrom mit dem Risiko eines hepatitischen „flare“ und Leberdekompensation auftreten. Diese Patienten benötigen in den ersten Monaten eine engmaschige Überwachung. Eine Unterbrechung der Therapie mit TDF oder TAF sollte aufgrund einer möglichen Reaktivierung der HBV-Infektion mit dem Risiko eines hepatitischen „Flare“ und Leberdekompensation vermieden werden. Bei Kontraindikation gegen TDF oder TAF besteht die Möglichkeit der Gabe von Entecavir (ETV), welches nur eine schwache antiretrovirale Wirksamkeit gegenüber HIV hat. Vorbehandlungen mit Lamivudin (3TC) oder Emtricitabin (FTC) müssen berücksichtigt werden. Bei Wechsel von TDF/TAF auf Wirkstoffe mit niedrigerer genetischer Barriere wie ETV, besteht das Risiko eines viralen Durchbruchs, insbesondere bei Patienten mit einer 3TC/FTC Vorbehandlung und Leberzirrhose.

Bei günstigen Voraussetzungen (HBV-Genotyp A, hohe ALT, niedrige HBV-DNA) kann eine Therapie mit pegyliertem Interferon alpha versucht werden (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[2]

. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol 2017; 67 (2): 370-398

[3]

Gallant, Joel, Brunetta, Jason, Crofoot, Gordon, Benson, Paul, Mills, Anthony, Brinson, Cynthia, Oka, Shinichi, Cheng, Andrew, Garner, Will, Fordyce, Marshall, Das, Moupali, McCallister, Scott. Brief Report: Efficacy and Safety of Switching to a Single-Tablet Regimen of Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabine/Tenofovir Alafenamide in HIV-1/Hepatitis B–Coinfected Adults. JAIDS Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes 2016; 73: 294-298

[4]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Konsensbasierte Empfehlung 8.15

Geprüft 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Therapieüberwachung und Therapieanpassungen sollten unter Beachtung der HIV-Koinfektion entsprechend den Empfehlungen bei HBV-Monoinfizierten durchgeführt werden.

Bei welchen Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion soll eine Therapie durchgeführt werden? Wie soll die antivirale Therapie bei Patienten mit HBV/HIV-Koinfektion durchgeführt und überwacht werden?

Hintergrund

Die Überwachung der HBV-Therapie unterscheidet sich bei HIV-Koinfizierten nicht von Patienten mit einer HBV-Monoinfektion. Sollte es zu einem Progress der Lebererkrankung kommen, kann auch die Lebertransplantation eine therapeutische Option sein (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

9. Hepatitis-B-Virusinfektion im Kindes- und Jugendalter

S. Wirth, P. Gerner, G. Flemming, J. de Laffolie, T. Lang, M. Melter, W.D. Huber

S. Wirth, P. Gerner, G. Flemming, J. de Laffolie, T. Lang, M. Melter, W.D. Huber

Hepatitis-B-Virusinfektion im Kindes- und Jugendalter

Vorbemerkung

Die folgenden Ausführungen orientieren sich an den unter Abschnitt 9 ausgeführten Empfehlungen der von der AASLD 2016 publizierten Leitlinie zur Therapie der chronischen Hepatitis B. Es gibt keine wesentlichen Abweichungen in den Empfehlungen; es wurden allerdings die Zulassungskonditionen für die Medikamente an die europäischen Bedingungen angepasst. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156

Die akute Hepatitis B wird auf Grund häufig symptomarmer Verläufe bei Kindern relativ selten diagnostiziert. Die chronische Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter ist eine seltene Erkrankung. Auf Grund einiger Unterschiede im klinischen Verlauf und in Bezug auf Therapiemöglichkeiten ist es sinnvoll, diese Altersgruppe in einem Kapitel separat zu betrachten.

Literatur

[1]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

Epidemiologie und Verlauf der HBV-Infektion im Kindes- und Jugendalter

Epidemiologie und Verlauf der HBV-Infektion im Kindes- und Jugendalter

Von der Gesamtzahl der ca. 400.000 HBV-Träger in Deutschland werden nur etwa 5% für das Kindes- und Jugendalter geschätzt. Allerdings wird davon ausgegangen, dass fast 1/3 der Träger die Infektion im Kindesalter erworben hat. Hiervon sind besonders Migrantenkinder betroffen. Die Zahl der akuten Infektionen steigt im Alter zwischen 15 und 19 Jahren vor allem bei Männern deutlich an. Die sexuelle Transmission und die horizontale Übertragung in Wohngemeinschaften sind die häufigsten Übertragungswege. * Robert Koch-Institut. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in DeutschlandVirushepatitis B und D im Jahr 2014. Epidemiol Bull 2015; 29. 271–288. Im Internet: http://www.kiggs-studie.de, 2015. * Gunardi, Hartono, Iskandar, Melanie Y., Turyadi, Ie, Susan I., Dwipoerwantoro, Pramita G., Gani, Rino A., et.al. Hepatitis B virus infection in children of HBV-related chronic liver disease patients: a study of intra-familial HBV transmission. Hepatology International, 2016. 11(1): p. 96-104., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-016-9764-z

Bei hoher Konzentration von HBV im Blut reichen für eine Infektion minimale Blutmengen von 0,1 μl aus. Die Übertragung der Viren kann somit immer auch über Haut- und Schleimhautläsionen erfolgen. Das HBV kann durch medizinische und zahnärztliche Eingriffe, Tätowieren, Piercing etc. übertragen werden. Transfusionen und die Gabe von Blutprodukten (Gerinnungspräparate, Immunglobuline, Humanalbumin, tiefgefrorenes Frischplasma, etc.) stellen kein nennenswertes Risiko mehr dar. Eltern können mit ihren Kindern ganz normalen zärtlichen Kontakt pflegen.

Bei der vertikalen Transmission erfolgt die Infektion des Kindes in der Regel sub partu. Bis zu 5% der Neugeborenen infizierter Mütter werden intrauterin infiziert. Bei diesen Kindern kann bereits am 1. Lebenstag im Venenblut (nicht Nabelschnurblut) HBsAg und meist auch HBV-DNA und Anti-HBc-IgM nachgewiesen werden. Die intrauterine Infektionswahrscheinlichkeit kann mit einer replikationsmindernden Behandlung im letzten Schwangerschaftstrimenon signifikant reduziert werden (siehe „Welche Behandlungsempfehlungen werden für schwangere HBsAg-positive Patientinnen gegeben?“* Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2* Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302.

Die Infektionsrate sub partu der Neugeborenen HBeAg-positiver Mütter ohne perinatale aktiv/passive Immunprophylaxe beträgt 70-95%. Die Infektionsrate ist niedriger, wenn die Mütter HBeAg negativ (20-25%) bzw. Anti-HBe positiv (ca. 10%) sind. Ist die Mutter Anti-HBe positiv oder die HBeAg-Negativität mit der Präsenz einer Prä-Core-Mutante verbunden, kann bei einer Infektion beim Kind – typischerweise im Alter von 2-4 Monaten – eine fulminante Hepatitis auftreten * Ranger-Rogez, Sylvie, Denis, Fran¸ois, Hepatitis B mother-to-child transmission. Expert Review of Anti-infective Therapy, 2004. 2(1): p. 133-145., http://dx.doi.org/10.1586/14787210.2.1.133, * Tseng, Yu-Ru, Wu, Jia-Feng, Kong, Man-Shan, Hu, Fu-Chang, Yang, Yao-Jong, Yeung, Chun-Yan, et.al. Infantile Hepatitis B in Immunized Children: Risk for Fulminant Hepatitis and Long-Term Outcomes. PLoS ONE, 2014. 9(11): p. e111825., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0111825, * Chen, Jeng-Chang, Comparison of childhood hepatic malignancies in a hepatitis B hyper-endemic area. World Journal of Gastroenterology, 2005. 11(34): p. 5289., http://dx.doi.org/10.3748/wjg.v11.i34.5289.

Die Mütter von vertikal infizierten Kindern sind meistens asymptomatische chronische HBsAg-Träger; eine akute Hepatitis B liegt nur selten vor. Die Inkubationszeit beträgt etwa 90 Tage (40-180 Tage). In seltenen Fällen infizieren sich Kinder auch perinatal, wenn eine HBsAg-Mutante vorliegt, gegen die die Anti-HBs-Antikörper des HBIG nicht neutralisierend wirken * Lackner, Herwig, Moser, Andrea, Benesch, Martin, Deutsch, Johann, Kessler, Harald H., Kerbl, Reinhold, et.al. Serological and molecular response on combined antiviral treatment in children with chronic hepatitis B after pediatric malignancy. Journal of Clinical Virology, 2002. 25: p. 73-79., http://dx.doi.org/10.1016/s1386-6532(02)00189-0* Tabor, Edward, Infections by hepatitis B surface antigen gene mutants in Europe and North America. Journal of Medical Virology, 2006. 78(S1): p. S43-S47., http://dx.doi.org/10.1002/jmv.20606* Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella, Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology, 2003. 25(3): p. 184-192., http://dx.doi.org/10.1097/00043426-200303000-00002.

Literatur

[1]

. Robert Koch-Institut. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in DeutschlandVirushepatitis B und D im Jahr 2014. Epidemiol Bull 2015; 29. 271–288. Im Internet: http://www.kiggs-studie.de 2015; :

[2]

Gunardi, Hartono, Iskandar, Melanie Y., Turyadi, Ie, Susan I., Dwipoerwantoro, Pramita G., et al. Hepatitis B virus infection in children of HBV-related chronic liver disease patients: a study of intra-familial HBV transmission. Hepatology International 2016; 11: 96-104

[3]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia. Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology 2018; 18:

[4]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., et al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 319-333

[5]

Ranger-Rogez, Sylvie, Denis, Fran¸ois. Hepatitis B mother-to-child transmission. Expert Review of Anti-infective Therapy 2004; 2: 133-145

[6]

Tseng, Yu-Ru, Wu, Jia-Feng, Kong, Man-Shan, Hu, Fu-Chang, Yang, Yao-Jong, Yeung, Chun-Yan, Huang, Fu-Chen, Huang, I. Fei, Ni, Yen-Hsuan, Hsu, Hong-Yuan, Chang, Mei-Hwei, Chen, Huey-Ling. Infantile Hepatitis B in Immunized Children: Risk for Fulminant Hepatitis and Long-Term Outcomes. PLoS ONE 2014; 9: e111825

[7]

Chen, Jeng-Chang. Comparison of childhood hepatic malignancies in a hepatitis B hyper-endemic area. World Journal of Gastroenterology 2005; 11: 5289

[8]

Lackner, Herwig, Moser, Andrea, Benesch, Martin, Deutsch, Johann, Kessler, Harald H., Kerbl, Reinhold, Schwinger, Wolfgang, Dornbusch, Hans-Jürgen, Sovinz, Petra, Urban, Christian. Serological and molecular response on combined antiviral treatment in children with chronic hepatitis B after pediatric malignancy. Journal of Clinical Virology 2002; 25: 73-79

[9]

Tabor, Edward. Infections by hepatitis B surface antigen gene mutants in Europe and North America. Journal of Medical Virology 2006; 78: S43-S47

[10]

Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella. Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology 2003; 25: 184-192

Klinisches Bild

Klinisches Bild

Klinisch ist die chronische Hepatitis B von anderen Hepatitisformen nicht zu unterscheiden. Asymptomatische und subklinische Formen sind häufig. Das gilt besonders für das Neugeborenenalter. Extrahepatische Manifestationen wie z. B. Arthralgien, Exantheme (unter anderem Gianotti-Crosti-Syndrom), Myalgien, Vaskulitis, Kryoglobulinämie, Glomerulonephritis und Myo-Perikarditis können vorkommen. * homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952, 2013.

Literatur

[1]

. homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952 2013; :

Prognose

Prognose

Die Letalität der fulminanten Hepatitis nach HBV-Übertragung von einer HBeAg- negativen Mutter ist unbehandelt sehr hoch (bis 80%). Die Chronifizierungsrate bei Übertragung von einer HBeAg-positiven Mutter ist altersabhängig. Sie beträgt bei Infektion im Neugeborenenalter bis zu 95%, im Alter von ein- bis fünf Jahren etwa 25- 40% und im Schulkinder- und Erwachsenenalter ca. 5-10%. Ein kleiner Teil der chronisch infizierten Kinder entwickelt schon vor dem erwachsenen Alter eine Leberzirrhose oder sehr selten ein hepatozelluläres Karzinom. Darüber hinaus sind Patienten mit einer HBV-Infektion einschließlich der HBsAg-Träger durch eine Superinfektion mit HDV und einer damit verbundenen Progredienz der Krankheit gefährdet. * homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952, 2013.

Die chronische HBV-Infektion beginnt in der Regel mit einer „immuntoleranten“ HBeAg-positiven Phase mit normalen Transaminasen und sehr hoher Virämie (HBeAg-positive Infektion), die über viele Jahre stabil sein kann. Bei persistierendem HBeAg kann sie im Verlauf in die immunreaktive Phase mit erhöhten Transaminasen übergehen. Die Prognose der chronisch-aktiven Hepatitis B wird von der entzündlichen Aktivität bestimmt. Es gibt milde, progrediente Formen, die sich bessern, und Formen, bei denen bis zur Hälfte der Patienten eine Leberzirrhose mit weiteren Folgen wie Leberkoma und/oder primäres Leberzellkarzinom entwickelt. Nach Infektion in den ersten Lebensjahren dürfte das Leberzirrhoserisiko bis zum Erreichen des Erwachsenenalters in Deutschland kaum mehr als 5% betragen. * Kelly D. Viral hepatitis in children. Boston, MA: Springer, 2004. Im Internet: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-1-4419-8993-2_12, 2004.* Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, et.al. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology, 2006. 43(3): p. 556-562., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21077. Letztendlich wird die Prognose der chronischen Hepatitis vom Zeitpunkt der Serokonversion von HBeAg zu Anti-HBe bestimmt, deren Eintritt meist aus der immunreaktiven Phase im Einzelfall nicht prognostizierbar ist. Die spontane jährliche Serokonversion beträgt bei Kindern etwa 8-10 %, sie ist aber bei Individuen mit einer vertikalen Transmission und nach einer immunsuppressiven Therapie deutlich niedriger. Die ethnische Herkunft spielt dabei eine große Rolle. In einer umfangreichen kanadischen Untersuchung ergab sich bei rund 50% eine Anti-HBe-Serokonversion bis zum Alter von 19 Jahren im Langzeitverlauf. Die Serokonversionsrate war bei nicht asiatischen Patienten deutlich höher und lag bei ca. 70%, bei den Patienten asiatischer Herkunft bei ca. 40% * Popalis, C., Yeung, L. T. F., Ling, S. C., Ng, V., Roberts, E. A., Chronic hepatitis B virus (HBV) infection in children: 25 years' experience. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 20(4):, http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12019.

Eine spontane Serokonversion zu Anti-HBs und damit eine Heilung der chronischen Hepatitis wird bei weniger als 0,5 % der Kinder/Jahr beobachtet. In seltenen Fällen kann es bei serokonvertierten Kindern zu einer Reaktivierung von Anti-HBe zu HBeAg, meist mit Progredienz der Krankheit, kommen. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156* homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952, 2013.

Alkoholkonsum, hepatotoxische Medikamente und Drogen (Ecstasy) verschlechtern die Prognose der Erkrankung.
HBeAg-positive chronische HBsAg-Träger sollten im Kindes- und Jugendalter habjährlich kontrolliert werden. Nach Serokonversion zu Anti-HBe sind jährliche Untersuchungen ausreichend.

Literatur

[1]

. homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952 2013; :

[2]

. Kelly D. Viral hepatitis in children. Boston, MA: Springer, 2004. Im Internet: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-1-4419-8993-2_12 2004; :

[3]

Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, Morsica, Giulia, Moriondo, Maria, Gatta, Angelo. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology 2006; 43: 556-562

[4]

Popalis, C., Yeung, L. T. F., Ling, S. C., et al. Chronic hepatitis <scp>B</scp> virus (<scp>HBV</scp>) infection in children: 25 years' experience. Journal of Viral Hepatitis 2012; 20:

[5]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

9.1. Wie wird die Diagnose gestellt?

Konsensbasierte Empfehlung 9.1

Geprüft 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Die Diagnostik der Hepatitis B im Kindesalter soll sich an der Diagnostik im Erwachsenenalter orientieren (siehe Kapitel „Diagnostik der Hepatitis-B-Virusinfektion“) und mindestens die Bestimmung von HBsAg, HBeAg, Anti-HBe, Anti-HBc und HBV-DNA sowie der Transaminasen umfassen.

Evidenzbasierte Empfehlung 9.2

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad 0


Eine Leberbiopsie braucht nicht durchgeführt zu werden.

[NKLM]

Wie wird die Diagnose gestellt?

Hintergrund

Die Vorgehensweise zur Diagnose einer Hepatitis B unterscheidet sich im Kindes- und Jugendalter nicht wesentlich von der bei Erwachsenen (siehe „Diagnostik der Hepatitis-B-Virusinfektion“). In den ersten 3 bis 6 Monaten können wiederholte HBV-DNA-Bestimmungen sinnvoll sein, da eine passagere Virämie vorkommen kann. Die für die Praxis wichtigsten Marker der aktiven Virusreplikation und damit der Infektiosität sind HBeAg und HBV-DNA. Die chronische Hepatitis B ist durch eine HBsAg-Trägerschaft von mehr als 6 Monaten gekennzeichnet. In der frühen HBeAg- positiven Phase ist die Rate der Virusreplikation mit häufig >109 HBV-Genomen pro ml Serum hoch. In der späteren Anti-HBe-positiven Phase ist die Virusreplikation mit HBV-DNA-Titern zwischen 10 und 104 Genomen/ml niedriger. Der Zeitpunkt der Serokonversion von HBeAg zu Anti-HBe ist individuell nicht prognostizierbar und gewöhnlich begleitet von einer Normalisierung der Transaminasen, einer auf unterhalb von 105 HBV-Genomen/ml liegenden HBV-DNA-Konzentration und einer reduzierten entzündlichen Aktivität im Lebergewebe (Evidenz 4) * Popalis, C., Yeung, L. T. F., Ling, S. C., Ng, V., Roberts, E. A., Chronic hepatitis B virus (HBV) infection in children: 25 years' experience. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 20(4):, http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12019* Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, et.al. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology, 2006. 43(3): p. 556-562., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21077.

In dieser Phase ist die Infektiosität deutlich niedriger als vor der Serokonversion. Bei Anti-HBe- positiven, HBeAg-negativen Kindern mit erhöhten Transaminasen oder mit ausgeprägter Virämie besteht der Verdacht auf das Vorliegen von Prä-Core- oder Basal-Core-Promoter- („HBe-minus“-) Mutanten. Diese Patienten sind insgesamt selten, erkranken oft schwerer und zeigen manchmal eine rasche Progredienz zur Leberzirrhose. Eine „HBe-minus“-Mutante kann bei einem Patienten zusammen mit dem Wildvirus als Quasispezies gemeinsam vorkommen, so dass es – in dieser Altersgruppe allerdings ebenso selten – HBeAg-positive Konstellationen einer Infektion mit der Prä-Core-Mutante gibt (Evidenz 4) * Wintermeyer, Philip, Prevalence of hepatitis B virus precore stop codon mutations in chronically infected children. World Journal of Gastroenterology, 2006. 12(14): p. 2235., http://dx.doi.org/10.3748/wjg.v12.i14.2235.

Die Kriterien zur Beurteilung der Histologie unterscheiden sich nicht von denen Erwachsener und berücksichtigen neben der entzündlichen Infiltration und dem Ausmaß der Leberzellnekrose den Fibrosegrad.
Bei vollständiger „Immuntoleranz“ (neue Definition: chronische HBeAg-positive HBV-Infektion) bestehen keine wesentlichen histologischen Veränderungen. Diese Kinder weisen in der Regel hohe HBV-DNA-Konzentrationen im Serum auf. Die Untersuchung von Lebergewebe ist nicht obligatorisch, sondern empfiehlt sich bei Verdacht auf einen progredienten Verlauf. * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156

Literatur

[1]

Popalis, C., Yeung, L. T. F., Ling, S. C., et al. Chronic hepatitis <scp>B</scp> virus (<scp>HBV</scp>) infection in children: 25 years' experience. Journal of Viral Hepatitis 2012; 20:

[2]

Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, Morsica, Giulia, Moriondo, Maria, Gatta, Angelo. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology 2006; 43: 556-562

[3]

Wintermeyer, Philip. Prevalence of hepatitis B virus precore stop codon mutations in chronically infected children. World Journal of Gastroenterology 2006; 12: 2235

[4]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

9.2. Welche Therapiemöglichkeiten und -ziele bestehen bei einer Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter?

Konsensbasierte Empfehlung 9.3

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Eine akute Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter sollte nicht behandelt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 9.4

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Eine Ausnahme stellt die fulminante Hepatitis dar. Hier sollte eine Behandlung mit einem zugelassenen Nukleos(t)idanalogon erwogen werden.

Evidenzbasierte Empfehlung 9.5

Geprüft 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Eine Ausnahme stellt die fulminante Hepatitis dar. Hier sollte eine Behandlung mit einem zugelassenen Nukleos(t)idanalogon erwogen werden.

Welche Therapiemöglichkeiten- und ziele bestehen bei einer Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter?

Hintergrund

Für eine antivirale Therapie der akuten Hepatitis B liegen keine Daten vor. Es wird keine Behandlung empfohlen (Evidenz 5). * homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952, 2013.
Sollte sich im frühen Säuglingsalter eine schwere bzw. fulminante Hepatitis B entwickeln, besteht eine lebensgefährliche Erkrankung mit hoher Letalität. Es gibt Einzelberichte und Expertenerfahrung, dass der Verlauf bei sofortiger Behandlung mit einem Nukleosidanalogon positiv beeinflusst werden kann (Evidenz 4) * Tseng, Yu-Ru, Wu, Jia-Feng, Kong, Man-Shan, Hu, Fu-Chang, Yang, Yao-Jong, Yeung, Chun-Yan, et.al. Infantile Hepatitis B in Immunized Children: Risk for Fulminant Hepatitis and Long-Term Outcomes. PLoS ONE, 2014. 9(11): p. e111825., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0111825* Laubscher, B., Gehri, M., Roulet, M., Wirth, S., Gerner, P., Survival of Infantile Fulminant Hepatitis B and Treatment with Lamivudine. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2005. 40(4): p. 518-520., http://dx.doi.org/10.1097/01.mpg.0000144374.63230.44* Chen, Ching‐Yi, Ni, Yen‐Hsuan, Chen, Huey‐Ling, Lu, Frank Leigh, Chang, Mei‐Hwei, Lamivudine treatment in infantile fulminant hepatitis B. Pediatrics International, 2010. 52(4): p. 672-674., http://dx.doi.org/10.1111/j.1442-200x.2010.03110.x* Diamanti, Antonella, Sartorelli, Maria Rita, Alterio, Arianna, Comparcola, Donatella, Corsetti, Tiziana, Iacono, Anna, et.al. Successful Tenofovir Treatment for Fulminant Hepatitis B Infection in an Infant. Pediatric Infectious Disease Journal, 2011. 30(10): p. 912-914., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0b013e31821e23b3.

Literatur

[1]

. homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952 2013; :

[2]

Tseng, Yu-Ru, Wu, Jia-Feng, Kong, Man-Shan, Hu, Fu-Chang, Yang, Yao-Jong, Yeung, Chun-Yan, Huang, Fu-Chen, Huang, I. Fei, Ni, Yen-Hsuan, Hsu, Hong-Yuan, Chang, Mei-Hwei, Chen, Huey-Ling. Infantile Hepatitis B in Immunized Children: Risk for Fulminant Hepatitis and Long-Term Outcomes. PLoS ONE 2014; 9: e111825

[3]

Laubscher, B., Gehri, M., Roulet, M., et al. Survival of Infantile Fulminant Hepatitis B and Treatment with Lamivudine. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 2005; 40: 518-520

[4]

Chen, Ching‐Yi, Ni, Yen‐Hsuan, Chen, Huey‐Ling, Lu, Frank Leigh, Chang, Mei‐Hwei. Lamivudine treatment in infantile fulminant hepatitis B. Pediatrics International 2010; 52: 672-674

[5]

Diamanti, Antonella, Sartorelli, Maria Rita, Alterio, Arianna, Comparcola, Donatella, Corsetti, Tiziana, Iacono, Anna, Pizzichemi, Giuseppe, Nobili, Valerio, de Ville de Goyet, Jean, Torre, Guiliano. Successful Tenofovir Treatment for Fulminant Hepatitis B Infection in an Infant. Pediatric Infectious Disease Journal 2011; 30: 912-914

Evidenzbasierte Empfehlung 9.6

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 2

Empfehlungsgrad 0


Bei chronischer Hepatitis B kann eine Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaptation AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Konsensbasierte Empfehlung 9.7

Modifiziert 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Bei chronischer Hepatitis B kann eine Behandlung erfolgen [2, 0*]. Das primäre Therapieziel bei der Behandlung der chronischen Hepatitis B bei Kindern und Jugendlichen ist die Serokonversion zu Anti-HBe. In Europa sind Tenofovir (TDF) ab 12 Jahren und Entecavir ab 2 Jahren zugelassen. Mit pegyliertem Interferon (PEG-IFN) kann ab 3 Jahren behandelt werden.

Konsensbasierte Empfehlung 9.8

Modifiziert 2020

Empfehlung

Starker Konsens


Die Indikationsstellung zur Behandlung und deren Überwachung sollte von einem in diesem Gebiet erfahrenen Kinder-Gastroenterologen oder -Infektiologen erfolgen.

Evidenzbasierte Empfehlung 9.9

Modifiziert 2020

Evidenzlevel 4

Empfehlungsgrad B


Bei wiederholt normaler ALT sollte keine Behandlung erfolgen.



[Leitlinienadaptation AASLD Practice Guideline HBV 2016]

Welche Therapiemöglichkeiten- und ziele bestehen bei einer Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter?

Hintergrund

Da es nach wie vor keine effektive kausale Therapie der chronischen Hepatitis B (mit dem Ziel einer funktionellen Heilung) gibt, müssen bei der Beurteilung oder Festlegung der Indikationen für die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten die Ziele in Kenntnis des spontanen Verlaufs in dieser Altersgruppe besonders berücksichtigt werden. Da die Erkrankung in den ersten beiden Lebensdekaden in der Regel keine ausgeprägte Progredienz bei sehr hoher Virusreplikation aufweist, ist die Behandlung mit Lamivudin alleine über einen langen Zeitraum wenig hilfreich (Evidenz 4) * Hartman, Corina, Berkowitz, Drora, Eshach-Adiv, Orly, Hino, Bian, Rimon, Nurit, Satinger, Iehudith, et.al. Long-term Lamivudine Therapy for Chronic Hepatitis B Infection in Children Unresponsive to Interferon. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2006. 43(4): p. 494-498., http://dx.doi.org/10.1097/01.mpg.0000235982.34323.67.
Bei dieser Substanz ist mit einer hohen Resistenzrate zu rechnen, was die weiteren Behandlungsoptionen erschwert. Im Kindes- und Jugendalter muss das Therapieziel – wenn schon eine Serokonversion zu Anti-HBs kaum möglich ist – die Serokonversion von HBeAg zu Anti-HBe sein. Die wesentlichen prognostischen Parameter wie Höhe der Serumtransaminasen und das Virusreplikationsniveau müssen bei der Indikationsstellung berücksichtigt werden. Bei beiden Therapieoptionen, Interferon alfa und Nukleosid/Nukleotidanaloga kann bei Behandlung in der immunreaktiven Phase und einer sehr hohen Virusreplikation, mit einer Serokonversionsrate von 16 bis 26% pro Jahr gerechnet werden, bei einer Behandlungsdauer über 12 Monate zwischen 32 und 40% (Evidenz 1a) * Jonas, Maureen M., Chang, Mei‐Hwei, Sokal, Etienne, Schwarz, Kathleen B., Kelly, Deirdre, Kim, Kyung Mo, et.al. Randomized, controlled trial of entecavir versus placebo in children with hepatitis B envelope antigen–positive chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(2): p. 377-387., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28015, * Jonas, Maureen M., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., et.al. Antiviral therapy in management of chronic hepatitis B viral infection in children: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 307-318., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28278.

Mit zunehmendem Anstieg der Transaminasen wird die Ansprechrate besser. Die spontane HBeAg/Anti-HBe-Serokonversionsrate steigt ebenso mit der Höhe der entzündlichen Aktivität. Bei einer erfolgreichen Behandlung wird die Serokonversion zeitlich vorgezogen, in einer aktuellen Studie wurde die absolute Serokonversionsrate erhöht (Evidenz 2b) * Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, et.al. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology, 2006. 43(3): p. 556-562., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21077* Jonas, Maureen M., Kelley, Deirdre A., Mizerski, Jacek, Badia, Isabel B., Areias, Jorge A., Schwarz, Kathleen B., et.al. Clinical Trial of Lamivudine in Children with Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2002. 346(22): p. 1706-1713., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa012452* Vo Thi Diem, Hanh, Bourgois, Annick, Bontems, Patrick, Goyens, Philippe, Buts, Jean Paul, Nackers, Fabienne, et.al. Chronic Hepatitis B Infection: Long Term Comparison of Children Receiving Interferon Alpha and Untreated Controls. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2005. 40(2): p. 141-145., http://dx.doi.org/10.1097/00005176-200502000-00011* Hom, Xenia, Little, Nancy R., Gardner, Stephen D., Jonas, Maureen M., Predictors of Virologic Response to Lamivudine Treatment in Children With Chronic Hepatitis B Infection. The Pediatric Infectious Disease Journal, 2004. 23(5): p. 441-445., http://dx.doi.org/10.1097/01.inf.0000126412.93562.f5* Bortolotti, F., Long term effect of alpha interferon in children with chronic hepatitis B. Gut, 2000. 46(5): p. 715-718., http://dx.doi.org/10.1136/gut.46.5.715. Auf lange Sicht wird die absolute spontane Remissionsrate durch die antivirale Therapie nicht erhöht. Es ist daher Konsens, nur Patienten mit einer höheren Serokonversionswahrscheinlichkeit zu behandeln und die Therapie bei Patienten mit erhöhten Transaminasen zu indizieren * Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156.

Bei Kindern und Jugendlichen liegen Therapieerfahrungen mit alfa-Interferon, mit PEG-alfa- Interferon-2a, Lamivudin, Adefovir, Tenofovir (TDF) und Entecavir vor.
Anmerkung: TAF hat bislang (2020) für die Altersgruppe noch keine Zulassung. 

Interferon alfa:

Man kann eine chronische Hepatitis B mit Interferon alfa behandeln. Indikationen für eine Behandlung sind: HBeAg-positive chronische Hepatitis B mit Erhöhung der Serumtransaminasen sowie in Einzelfällen HBeAg-negative chronische Hepatitis B mit oder ohne Erhöhung der Serumtransaminasen und HBV-DNA >20.000 IU/ml (>105 Kopien/ml). Letztere Gruppe kann auch mit einem Nukleosid/Nukleotidanalogon behandelt werden. Anti- HBe-positive Kinder mit normalen Transaminasen und DNA-Werten < 2.000 IU/ml (<104 Kopien/ml) werden nicht behandelt. Als Kontraindikationen gelten Autoimmunerkrankungen, eine dekompensierte Leberzirrhose, ausgeprägte Thrombo-/Leukozytopenie und Gravidität. Die tägliche Dosis sollte 5 Mio. I.E./m2 KOF, maximal 10 Mio. I.E./Tag s.c., an 3 Tagen der Woche betragen. Die Dauer der Behandlung wurde mit 6 Monaten durchgeführt. Die Serokonversion von HBeAg zu Anti-HBe ist abhängig von der entzündlichen Aktivität vor Therapie und anderen Faktoren und kann je nach Kontrollzeitraum mit 25-45 % veranschlagt werden. Eine Ausheilung, d.h. Serokonversion zu Anti-HBs, wird bei 6-10% der Patienten erreicht [IIa] * Jonas, Maureen M., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., et.al. Antiviral therapy in management of chronic hepatitis B viral infection in children: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 307-318., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28278

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit chronischer Hepatitis B mit Standard (nicht- pegyliertem) Interferon alfa wird als obsolet angesehen. Eine 2018 publizierte kontrollierte klinische Studie mit Peginterferon-alfa-2a wurde über einen Therapiezeitraum von 48 Wochen durchgeführt. 24 Wochen nach Therapieende waren 25,7 % der Patienten zu Anti-HBe und 8 % zu Anti-HBs serokonvertiert. Die Therapie wurde 2018 von der EMA ab dem Alter von 3 Jahren zugelassen. Die Dosierung beträgt je nach Körperoberfläche zwischen 65 und 180 μg pro Woche über 48 Wochen. serokonvertiert (Evidenz 1b) * Wirth, Stefan, Zhang, Hongfei, Hardikar, Winita, Schwarz, Kathleen B., Sokal, Etienne, Yang, Weibo, et.al. Efficacy and Safety of Peginterferon Alfa‐2a (40KD) in Children With Chronic Hepatitis B: The PEG‐B‐ACTIVE Study. Hepatology, 2018. 68(5): p. 1681-1694., http://dx.doi.org/10.1002/hep.30050

Fast alle Kinder zeigen Nebenwirkungen. Meistens sind es grippeähnliche Symptome. Schwere Nebenwirkungen wie Neutropenie, Krämpfe und Epistaxis sind selten und klingen nach Absetzen von Interferon ab. Der Nachweis von Autoantikörpern ohne klinische Symptome einer Autoimmunkrankheit zwingt nicht zum Absetzen der Therapie. Auf die Schilddrüsenfunktion ist besonders zu achten; u.a. sollten TSH-Werte und Schilddrüsen- Autoantikörper wiederholt untersucht werden, da die Induktion einer Autoimmunthyreoiditis möglich ist. Unter der Behandlung kann es zu einer Reduktion der Wachstumsgeschwindigkeit kommen, die sich nach Absetzen der Medikation wieder normalisiert. Stimmungsschwankungen kommen häufiger vor, depressive Verstimmungen selten (Evidenz 4). * Kelly D. Viral hepatitis in children. Boston, MA: Springer, 2004. Im Internet: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-1-4419-8993-2_12, 2004.

Bei einer wirksamen Interferonbehandlung können die Transaminasen vorübergehend ansteigen. Danach folgt die Serokonversion von HBeAg zu Anti-HBe mit und ohne Verlust von HBsAg; Die HBV-DNA-Konzentration liegt in der Regel < 2.000 IU/ml (104 Kopien/ml), und es kommt zu einer histologischen Besserung. Bei einigen Patienten tritt die Serokonversion erst mehrere Monate nach Beendigung der Therapie ein (Evidenz 4) * Elzbieta, Sobaniec-Lotowska Maria, Histological outcome of chronic hepatitis B in children treated with interferon alpha. World Journal of Gastroenterology, 2005. 11(45): p. 7179., http://dx.doi.org/10.3748/wjg.v11.i45.7179.

Kinder mit einer vertikalen Transmission von HBV, geringer entzündlicher Aktivität im Lebergewebe, Patienten mit einer zusätzlichen HDV-Infektion und Kinder mit Immundefizienz sprechen schlechter auf die Therapie an (Evidenz 4) * Lackner, Herwig, Moser, Andrea, Benesch, Martin, Deutsch, Johann, Kessler, Harald H., Kerbl, Reinhold, et.al. Serological and molecular response on combined antiviral treatment in children with chronic hepatitis B after pediatric malignancy. Journal of Clinical Virology, 2002. 25: p. 73-79., http://dx.doi.org/10.1016/s1386-6532(02)00189-0* Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella, Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology, 2003. 25(3): p. 184-192., http://dx.doi.org/10.1097/00043426-200303000-00002.
Nach Beendigung der Interferontherapie kann es zu einer Reaktivierung (Wahrscheinlichkeit ca. 5%) kommen. Eine Zweitbehandlung mit einer Interferon alfa-basierten Therapie ist von geringerer Effektivität (Evidenz 4) * Saltik-Temizel, IN, Koçak, N, Demir, H, Lamivudine and high-dose interferon-alpha combination therapy for naive children with chronic hepatitis B infection.. J Clin Gastroenterol, 2005. 39 (1)(1): p. 68-70., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15599215/.

Nukleosid/Nukleotidanaloga:

Von den 6 für Erwachsene zugelassenen Nukleos(t)idanaloga sind für Kinder oder Jugendliche Lamivudin, Entecavir, Adefovir und Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF) von der FDA und Entecavir und Tenofovir (TDF) von der EMA in Europa zugelassen. Telbivudin ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Zu Tenofovir Alafenamid (TAF) gibt es noch keine publizierten Daten bei Kindern und Jugendlichen. Eine Studie läuft (NCT02932150). Lamivudin wurde bei Kindern (1 x 3 mg/kg/KG/Tag per os, max. 100 mg/Tag) in Europa „off label“ angewendet. Die Serokonversion zu Anti-HBe lag nach einem Jahr bei 23% (Evidenz 1b) * Jonas, Maureen M., Kelley, Deirdre A., Mizerski, Jacek, Badia, Isabel B., Areias, Jorge A., Schwarz, Kathleen B., et.al. Clinical Trial of Lamivudine in Children with Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2002. 346(22): p. 1706-1713., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa012452.

Bei einem Viertel der behandelten Patienten kam es innerhalb von 12 bis 18 Monaten zur Resistenzentwicklung (Evidenz 1b) * Defresne, Florence, Sokal, Etienne, Chronic hepatitis B in children: Therapeutic challenges and perspectives. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2017. 32(2): p. 368-371., http://dx.doi.org/10.1111/jgh.13459 Lamivudin gilt daher heute als obsolet.
Adefovir dipivoxil ist von der FDA ab 12 Jahren zugelassen, wird aber wie bei Erwachsenen nicht mehr empfohlen (siehe auch Empfehlung 5.6). Bei den jüngeren Kindern gab es keine signifikante Wirksamkeit im Vergleich zum Spontanverlauf. Bei den Jugendlichen lag die Anti-HBe- Serokonversionsrate nach 48 Wochen bei 15,9%. In der angeschlossenen Langzeitbeobachtung serokonvertierten nach weiteren 4,5 Jahren 34% der 162 eingeschlossenen Patienten (Evidenz 1b) * Jonas, Maureen M., Kelly, Deirdre, Pollack, Henry, Mizerski, Jacek, Sorbel, Jeff, Frederick, David, et.al. Safety, efficacy, and pharmacokinetics of adefovir dipivoxil in children and adolescents (age 2 to <18 years) with chronic hepatitis B. Hepatology, 2008. 47(6): p. 1863-1871., http://dx.doi.org/10.1002/hep.22250* Jonas, Maureen M., Kelly, Deirdre, Pollack, Henry, Mizerski, Jacek, Sorbel, Jeff, Frederick, David, et.al. Efficacy and Safety of Long-term Adefovir Dipivoxil Therapy in Children With Chronic Hepatitis B Infection. Pediatric Infectious Disease Journal, 2012. 31(6): p. 578-582., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0b013e318255ffe7.

Entecavir ist ein hochpotentes Nukleosidanalogon mit sehr geringer Resistenzentwicklung. Es ist von der EMA ab dem Alter von 2 Jahren zugelassen. In einer Studie mit 180 Kindern waren in der Verumgruppe nach 48 Wochen 24% zu Anti-HBe serokonvertiert. Nach 96 Wochen waren es 35,8% im Vergleich zu 18% im Spontanverlauf (Evidenz 1b) * Jonas, Maureen M., Chang, Mei‐Hwei, Sokal, Etienne, Schwarz, Kathleen B., Kelly, Deirdre, Kim, Kyung Mo, et.al. Randomized, controlled trial of entecavir versus placebo in children with hepatitis B envelope antigen–positive chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(2): p. 377-387., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28015.

Tenofovir (TDF) ist ein Nukleotidanalogon mit ebenfalls niedriger Resistenzentwicklung. Es ist ab 12 Jahre zugelassen. Von 52 behandelten Jugendlichen waren 21% nach 72 Wochen HBeAg negativ; in der Kontrollgruppe waren es 15%, womit ein signifikantes Resultat verfehlt wurde (Evidenz 1b) * Murray, Karen F., Szenborn, Leszek, Wysocki, Jacek, Rossi, Stephen, Corsa, Amoreena C., Dinh, Phillip, et.al. Randomized, placebo-controlled trial of tenofovir disoproxil fumarate in adolescents with chronic hepatitis B. Hepatology, 2012. 56(6): p. 2018-2026., http://dx.doi.org/10.1002/hep.25818. Tenofovir alafenamid (TAF) ist für die Altersgruppe bislang (2020) noch nicht zugelassen.

Grundsätzlich wird die Therapieindikation für Kinder und Jugendliche in der immunreaktiven Phase der chronischen Hepatitis B gesehen. Die meisten Studien definierten dieses Einschlusskriterium mit einer Transaminasenerhöhung über das 1 1/2-fache des oberen Normalwertes. Nach Abschluss der Studien waren nur 16-24% der behandelten Kinder und Jugendliche HBeAg negativ, bei Verlängerung wurde der Anteil deutlich höher mit 34-36%. Die Therapiedauer ist bisher nicht definiert, da es keine Langzeitdaten für Entecavir und Tenofovir über den Zeitraum von mehr als 2 Jahren gibt. Aus Sicht erfahrener Behandler muss die Behandlungsdauer mindestens 3-5 Jahre betragen, um eine deutlich höhere Serokonversionswahrscheinlichkeit zu erreichen. Dies muss mit den Patienten und Eltern besprochen werden, damit die Bereitschaft zur Compliance vor Therapiebeginn geklärt ist.

Kombinationstherapien:

Verschiedene Studien haben die Kombination eines Nukleosidanalogons mit Peg-Interferon alfa v.a. bei Kindern und Jugendlichen mit chronischer HBV-Infektion und immuntoleranten Merkmalen untersucht und hoffnungsvolle Ergebnisse dokumentiert. Eine Pilotstudie mit der Kombinationsbehandlung Lamivudin/alfa-Interferon dokumnetierte eine Anti-HBs- Serokonversionsrate von 5/23 (23%) (Evidenz 2b) * Carey, Ivana, D'Antiga, Lorenzo, Bansal, Sanjay, Longhi, Maria Serena, Ma, Yun, Mesa, Irene Rebollo, et.al. Immune and Viral Profile from Tolerance to Hepatitis B Surface Antigen Clearance: a Longitudinal Study of Vertically Hepatitis B Virus-Infected Children on Combined Therapy. Journal of Virology, 2011. 85(5): p. 2416-2428., http://dx.doi.org/10.1128/jvi.01449-10.

Eine weitere Pilotstudie mit der gleichen Kombination zeigte bei 11/28 (39%) immuntoleranten Patienten eine Serokonversion zu Anti-HBe und bei 6/28 (21%) eine Serokonversion zu Anti-HBs (Evidenz 2b) * Poddar, U., Yachha, S. K., Agarwal, J., Krishnani, N., Cure for immune-tolerant hepatitis B in children: is it an achievable target with sequential combo therapy with lamivudine and interferon?. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 20(5): p. 311-316., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12007.
Die antivirale Behandlung mit einer sequentiellen Kombination von alfa-Interferon/Lamivudin führte zu einer signifikanten Verbesserung der Raten der nicht nachweisbaren Serum-HBV- DNA (74%), der Serokonversion zu Anti-HBe (33%) und des HBsAg-Verlusts (22%) bei 46 Kindern mit chronischer HBV-Infektion und immuntoleranten Merkmalen. In der Kontrollgruppe erreichte nur ein Patient (4%) eine spontane Serokonversion zu Anti-HBe und keiner einen HBsAg-Verlust (Evidenz 2b) * Zhu, Shishu, Zhang, Hongfei, Dong, Yi, Wang, Limin, Xu, Zhiqiang, Liu, Weiwei, et.al. Antiviral therapy in hepatitis B virus-infected children with immune-tolerant characteristics: A pilot open-label randomized study. Journal of Hepatology, 2018. 68(6): p. 1123-1128., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.01.037.
Es wurde eine kontrollierte randomisierte klinische Studie mit Lamivudin/Entecavir in Kombination mit Peg-Interferon-alfa-2a bei immuntoleranten Kindern und Jugendlichen durchgeführt, mit dem Ziel, die Therapieindikation im Falle eines positiven Ergebnisses um die immuntoleranten Patienten zu erweitern (An Open-label Study of Pegasys in Combination With Lamivudine in Children With HBeAg-positive Chronic Hepatitis B in the Immune-Tolerant Phase; ClinicalTrials.gov Identifier: NCT02263079). Im Einzelfall könnte auch bei immuntoleranten Kindern eine antivirale Behandlung sinnvoll sein (z. B. Reduktion des Transmissionsrisikos, Vermeidung einer Stigmatisierung). Die Studie wurde 2018 abgebrochen, da sich keine höhere Anti-HBe-Serokonversion gegenüber der Kontrollgruppe ergab (Evidenz 1b) * Rosenthal, Philip, Ling, Simon C., Belle, Steven H., Murray, Karen F., Rodriguez‐Baez, Norberto, Schwarzenberg, Sarah J., et.al. Combination of Entecavir/Peginterferon Alfa‐2a in Children With Hepatitis B e Antigen–Positive Immune Tolerant Chronic Hepatitis B Virus Infection. Hepatology, 2019. 69(6): p. 2326-2337., http://dx.doi.org/10.1002/hep.30312. Aufgrund dieser Studie hat sich an der Empfehlung, Kinder mit HBeAg-positiver Infektion (immuntolerant) nicht zu behandeln, bislang nichts geändert.
Die Diskrepanz der Studiendaten kann durch das Studiendesign, die Auswahl der Patienten (unterschiedliches Alter) begründet sein, aber möglichweise könnte auch die Sequenz der Kombinationstherapie (zuerst IFN oder zeurst NA oder gleichzeitig) einen Einfluss haben.

Literatur

[1]

Hartman, Corina, Berkowitz, Drora, Eshach-Adiv, Orly, Hino, Bian, Rimon, Nurit, Satinger, Iehudith, Kra-Oz, Tzipi, Shamir, Raanan. Long-term Lamivudine Therapy for Chronic Hepatitis B Infection in Children Unresponsive to Interferon. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 2006; 43: 494-498

[2]

Jonas, Maureen M., Chang, Mei‐Hwei, Sokal, Etienne, Schwarz, Kathleen B., Kelly, Deirdre, Kim, Kyung Mo, Ling, Simon C., et al. Randomized, controlled trial of entecavir versus placebo in children with hepatitis B envelope antigen–positive chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 377-387

[3]

Jonas, Maureen M., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., et al. Antiviral therapy in management of chronic hepatitis B viral infection in children: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology 2015; 63: 307-318

[4]

Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, Morsica, Giulia, Moriondo, Maria, Gatta, Angelo. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology 2006; 43: 556-562

[5]

Jonas, Maureen M., Kelley, Deirdre A., Mizerski, Jacek, Badia, Isabel B., et al. Clinical Trial of Lamivudine in Children with Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine 2002; 346: 1706-1713

[6]

Vo Thi Diem, Hanh, Bourgois, Annick, Bontems, Patrick, Goyens, Philippe, Buts, Jean Paul, Nackers, Fabienne, Tonglet, Ren, Sokal, Etienne Marc. Chronic Hepatitis B Infection: Long Term Comparison of Children Receiving Interferon Alpha and Untreated Controls. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 2005; 40: 141-145

[7]

Hom, Xenia, Little, Nancy R., Gardner, Stephen D., Jonas, Maureen M.. Predictors of Virologic Response to Lamivudine Treatment in Children With Chronic Hepatitis B Infection. The Pediatric Infectious Disease Journal 2004; 23: 441-445

[8]

Bortolotti, F.. Long term effect of alpha interferon in children with chronic hepatitis B. Gut 2000; 46: 715-718

[9]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., et al. AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology 2015; 63: 261-283

[10]

Wirth, Stefan, Zhang, Hongfei, Hardikar, Winita, Schwarz, Kathleen B., Sokal, Etienne, Yang, Weibo, Fan, Huimin, Morozov, Vyacheslav, Mao, Qing, Deng, Hong, Huang, Yang, Yang, Lei, Frey, Nicolas, Nasmyth‐Miller, Clare, Pavlovic, Vedran, Wat, Cynthia. Efficacy and Safety of Peginterferon Alfa‐2a (40KD) in Children With Chronic Hepatitis B: The PEG‐B‐ACTIVE Study. Hepatology 2018; 68: 1681-1694

[11]

. Kelly D. Viral hepatitis in children. Boston, MA: Springer, 2004. Im Internet: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-1-4419-8993-2_12 2004; :

[12]

Elzbieta, Sobaniec-Lotowska Maria. Histological outcome of chronic hepatitis B in children treated with interferon alpha. World Journal of Gastroenterology 2005; 11: 7179

[13]

Lackner, Herwig, Moser, Andrea, Benesch, Martin, Deutsch, Johann, Kessler, Harald H., Kerbl, Reinhold, Schwinger, Wolfgang, Dornbusch, Hans-Jürgen, Sovinz, Petra, Urban, Christian. Serological and molecular response on combined antiviral treatment in children with chronic hepatitis B after pediatric malignancy. Journal of Clinical Virology 2002; 25: 73-79

[14]

Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella. Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology 2003; 25: 184-192

[15]

Saltik-Temizel, IN, Koçak, N, Demir, H. Lamivudine and high-dose interferon-alpha combination therapy for naive children with chronic hepatitis B infection.. J Clin Gastroenterol 2005; 39 (1): 68-70

[16]

Defresne, Florence, Sokal, Etienne. Chronic hepatitis B in children: Therapeutic challenges and perspectives. Journal of Gastroenterology and Hepatology 2017; 32: 368-371

[17]

Jonas, Maureen M., Kelly, Deirdre, Pollack, Henry, Mizerski, Jacek, Sorbel, Jeff, Frederick, David, Mondou, Elsa, Rousseau, Franck, Sokal, Etienne. Safety, efficacy, and pharmacokinetics of adefovir dipivoxil in children and adolescents (age 2 to <18 years) with chronic hepatitis B. Hepatology 2008; 47: 1863-1871

[18]

Jonas, Maureen M., Kelly, Deirdre, Pollack, Henry, Mizerski, Jacek, Sorbel, Jeff, Frederick, David, Mondou, Elsa, Rousseau, Franck, Sokal, Etienne. Efficacy and Safety of Long-term Adefovir Dipivoxil Therapy in Children With Chronic Hepatitis B Infection. Pediatric Infectious Disease Journal 2012; 31: 578-582

[19]

Murray, Karen F., Szenborn, Leszek, Wysocki, Jacek, Rossi, Stephen, Corsa, Amoreena C., Dinh, Phillip, McHutchison, John, Pang, Phillip S., et al. Randomized, placebo-controlled trial of tenofovir disoproxil fumarate in adolescents with chronic hepatitis B. Hepatology 2012; 56: 2018-2026

[20]

Carey, Ivana, D’Antiga, Lorenzo, Bansal, Sanjay, Longhi, Maria Serena, Ma, Yun, Mesa, Irene Rebollo, Mieli-Vergani, Giorgina, Vergani, Diego. Immune and Viral Profile from Tolerance to Hepatitis B Surface Antigen Clearance: a Longitudinal Study of Vertically Hepatitis B Virus-Infected Children on Combined Therapy. Journal of Virology 2011; 85: 2416-2428

[21]

Poddar, U., Yachha, S. K., Agarwal, J., et al. Cure for immune-tolerant hepatitis B in children: is it an achievable target with sequential combo therapy with lamivudine and interferon?. Journal of Viral Hepatitis 2012; 20: 311-316

[22]

Zhu, Shishu, Zhang, Hongfei, Dong, Yi, Wang, Limin, Xu, Zhiqiang, Liu, Weiwei, Gan, Yu, Tang, Hongmei, Chen, Dawei, Wang, Fuchuan, Zhao, Pan. Antiviral therapy in hepatitis B virus-infected children with immune-tolerant characteristics: A pilot open-label randomized study. Journal of Hepatology 2018; 68: 1123-1128

[23]

Rosenthal, Philip, Ling, Simon C., Belle, Steven H., Murray, Karen F., et al. Combination of Entecavir/Peginterferon Alfa‐2a in Children With Hepatitis B e Antigen–Positive Immune Tolerant Chronic Hepatitis B Virus Infection. Hepatology 2019; 69: 2326-2337

Konsensbasierte Empfehlung 9.10

Neu 2020

Empfehlung offen

Starker Konsens


Kinder und Jugendliche mit gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie können im Indikationsfall mit einem Nukleos(t)idanalogon behandelt werden.

Welche Therapiemöglichkeiten- und ziele bestehen bei einer Hepatitis B im Kindes- und Jugendalter?

Hintergrund

Kinder und Jugendliche mit gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie können im Indikationsfall z.B. zur Verringerung eines Reaktivierungsrisikos mit einem Nukleosid/Nukleotidanalogon (Entecavir oder Tenofovir (TDF) entsprechend der Zulassung) behandelt werden (Evidenz 4) * Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella, Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology, 2003. 25(3): p. 184-192., http://dx.doi.org/10.1097/00043426-200303000-00002 siehe 5.13

Literatur

[1]

Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella. Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology 2003; 25: 184-192

9.3. Welche prophylaktischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Konsensbasierte Empfehlung 9.11

Neu 2020

starke Empfehlung

Starker Konsens


Eine Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen oder eine Berufsausbildung/Berufsausübung (unter Berücksichtigung der Empfehlungen „Immunprophylaxe der Hepatitis-B“) soll im Regelfall nicht eingeschränkt oder verwehrt werden.

Welche prophylaktischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Hintergrund

Hygienische Maßnahmen verhindern die perkutane oder mukokutane Übertragung. Gefährdete Kinder sind daher frühzeitig zu einer sorgfältigen persönlichen Hygiene zu erziehen. Eine Isolierung des Patienten ist nicht notwendig. HBsAg-positive Kinder können Kindereinrichtungen besuchen. Ihre Ausgrenzung ist nicht zu tolerieren. Empfohlen wird, alle Gruppenmitglieder gemäß den STIKO-Empfehlungen aktiv zu immunisieren. Bei Kindern mit mangelnder Hygiene, Kinder mit aggressiven Verhaltensweisen (Beißen, Kratzen), immunsupprimierten Kindern, und Kindern mit einer vermehrten Blutungsneigung und entzündlichen Hautkrankheiten kann eine individuelle Entscheidung durch das Gesundheitsamt getroffen werden. Eltern und Betreuer sollten über ein bekanntes Infektionsrisiko gegebenenfalls informiert und auf die Wichtigkeit der Impfung besonders hingewiesen werden. Der Schulbesuch HBsAg-positiver Kinder ist in der Regel uneingeschränkt möglich (Evidenz 4) (keine Änderung zu * Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/).

Literatur

[1]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, Erhardt, A, Wirth, S, Sarrazin, C, Dollinger, MM, Schirmacher, P, Dathe, K, Kopp, IB, Zeuzem, S, Gerlich, WH, Manns, MP. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection – the German guideline].. Z Gastroenterol 2011; 49 (7): 871-930

Evidenzbasierte Empfehlung 9.12

Geprüft 2020

Evidenzlevel 1

Empfehlungsgrad A


Im Falle einer HBV-Infektion soll:

  • Eine Aufklärung zu Transmissionsrisiko und Übertragungswegen erfolgen.
  • Eine aktive Immunisierung der in Gemeinschaftseinrichtungen lebenden Gruppenmitglieder und des Betreuungspersonals gemäß STIKO-Empfehlungen erfolgen.
  • Bei HBsAg-positiven Müttern die aktive und passive Immunisierung des Neugeborenen innerhalb von 12 Stunden nach der Entbindung erfolgen.
  • Eine aktive Immunisierung von Personen (und Sexualpartnern), die im gemeinsamen Haushalt leben, und von engen Freunden durchgeführt werden.

Welche prophylaktischen Maßnahmen sind sinnvoll?

Hintergrund

Passive Immunprophylaxe:
Die präexpositionelle Immunprophylaxe hat durch die Möglichkeit der Impfung erheblich an Bedeutung verloren.
Die postexpositionelle Immunprophylaxe sollte bei empfänglichen Personen immer sofort, spätestens innerhalb von 48 Stunden nach einer Inokulation mit virushaltigem Material erfolgen, so z. B. bei Blutkontakt der Schleimhäute (Auge, Verschlucken von Blut), bei Blutkontakt einer verletzten Haut (Beißen, Kratzen, Ekzem), nach Nadelstich oder Schnittverletzung, nach Sexualkontakt oder bei einer vermuteten vertikalen Transmission. Verwendet wird ein spezifisches Hepatitis-B-Immunglobulin, 0,06 ml/kg KG (maximal 5 ml) i. m. oder 0,12-0,2 ml bzw. 6-12 IE/kg KG (Neugeborene 0,4 ml/kg KG) i. v. Gleichzeitig sollte aktiv geimpft werden.
Im Falle einer Exposition bei früher geimpften Kindern (perkutaner oder mukokutaner Kontakt mit HBsAg-positivem Material) sollte die Anti-HBs-Konzentration bestimmt werden. Ist die Konzentration <10 IE/l, wird nachgeimpft, obwohl wahrscheinlich auch bei dieser Konstellation eine Immunität vorliegen dürfte. Ist die Immunreaktion nach der Impfung unbekannt oder ist eine Bestimmung des Anti-HBs-Gehaltes nicht innerhalb von 12 Stunden möglich, sollte das Kind ein Hepatitis-B-Immunglobulin entweder i.v. (0,6 – 2 ml/kg KG, maximal 5 ml, z.B. Hepatect R) oder i.m. (30-100 IE/kg (üblicherweise 1ml), z.B. Hepatitis-B-Immunglobulin Behring)), erhalten. Überflüssiges Immunserum sollte nicht verworfen, sondern kann bis zu einer Dosis von 0,5 ml/kg KG injiziert werden. Bekannte Hypo- und Nonresponder erhalten das Hepatitis-B-Immunglobulin sofort.

Aktive Immunprophylaxe:

Hierzulande werden vorwiegend Gen-H-B-Vax-K (5 μg HBsAg/0,5 ml) und Engerix-B Kinder (10 μg HBsAg/0,5 ml) verwendet. Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen, die i. m. in den Oberarm oder bei Säuglingen in den lateralen Anteil des Oberschenkels verabreicht werden. Der Impfstoff darf nicht ins Fettgewebe und nicht intradermal injiziert werden. Deshalb ist die Glutaealregion als Impfort nicht geeignet. Außerdem gibt es einen Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B (TWINRIX Kinder®) für Kinder nach dem 1. Lebensjahr. Die HBV-Impfung ist in den Routineimpfplan für Säuglinge und Kleinkinder integriert und wird im Rahmen einer 6-fach Impfung im ersten Lebensjahr verabreicht. Bei den Schuleingangsuntersuchungen des Jahres 2018 hatten 87,2% (78,4 in Baden-Würtemberg bis 94,1% in Sachsen-Anhalt) der Kinder eine vollständige Grundimmunisierung * Robert Koch-Institut. Impfstatus der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, STIKO: Influenzaimpfungen in der COVID-19-Pandemie. Epidemiol Bull 2020; 32/33: 12. Im Internet: www.rki.de/epidbull, 2020.. Postvakzinale Titerbestimmungen sind nur bei Risikopatienten indiziert. Bei über 95% der Kinder und Erwachsenen tritt eine Serokonversion mit einem Anti-HBs-Antikörperspiegel >10 IE/l ein. Der Impfschutz hält im Regelfall über 10 Jahre an und wird auch von der zellulären Immunität getragen. Bei Hypo- oder Non-Respondern ist entweder von vornherein die Einzeldosis zu verdoppeln, so z.B. bei immundefizienten Kindern und Hämodialysepatienten, oder eine zusätzliche Impfung vorzunehmen. Kinder, die Antikörperspiegel zwischen 10 und 100 IE/l entwickeln, sollten eine weitere Impfung erhalten. Kinder, die keine Antikörper bilden, können bis zu dreimal zusätzlich geimpft werden. Nach der Impfung sind bei Hyporespondern die Antikörpertiter etwa jährlich zu untersuchen. Bei Werten von < 10 IE/ml sollte nachgeimpft werden.

Nebenwirkungen der Impfung treten bei etwa 5% der geimpften Kinder auf. Sie sind gewöhnlich leicht: Temperaturerhöhung, Unwohlsein, lokale Reaktionen. Ein Kausalzusammenhang zwischen Hepatitis-B-Impfung und demyelinisierenden Krankheiten einschließlich multipler Sklerose und Erblindung ist nicht bewiesen (siehe „Gibt es Sicherheitsbedenken oder Kontraindikationen gegen eine Hepatitis-B- Impfung?“).

Impfindikation:

Die Hepatitis-B-Impfung ist eine empfohlene Impfung für alle Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus sind Risikogruppen zu impfen (siehe Empfehlungen der STIKO, siehe „Wer soll gegen Hepatitis B geimpft werden?“). Die Immunisierung bereits immuner Kinder oder Individuen mit einer nicht bekannten chronischen HBV-Infektion ist nutzlos, aber unschädlich. Eine Schwangerschaft ist keine Kontraindikation. Die aktiv-passive Simultanimpfung sollte immer dann vorgenommen werden, wenn eine passive Immunprophylaxe unumgänglich erscheint. Neugeborene HBsAg-positiver Mütter erhalten sofort nach der Geburt (siehe „Wie ist die Postexpositionsprophylaxe bei Neugeborenen durchzuführen?“), am besten noch im Kreißsaal bzw. innerhalb von 12 Stunden postnatal, ein spezielles Immunglobulin, 1 ml (bzw. 0,5 ml/kg KG) i. m. oder 0,4 ml/kg KG i. v., und kontralateral die 1. Impfdosis. Darüber hinaus sollte bei jedem Neugeborenen einer HBsAg-positiven Mutter HBsAg und HBeAg untersucht werden, um eine intrauterine Infektion auszuschließen. Die alleinige passive Immunisierung Neugeborener von HBsAg-positiven Müttern ist obsolet (Evidenz 1a) * Lee, Chuanfang, Gong, Yan, Brok, Jesper, Boxall, Elizabeth H., Gluud, Christian, Effect of hepatitis B immunisation in newborn infants of mothers positive for hepatitis B surface antigen: systematic review and meta-analysis. BMJ, 2006. 332(7537): p. 328-336., http://dx.doi.org/10.1136/bmj.38719.435833.7c.

Eine akute Hepatitis B in der Frühschwangerschaft stellt für Mutter und Kind kein erhöhtes Risiko hinsichtlich der Schwangerschaft dar. Eine akute Erkrankung in der Spätschwangerschaft kann die Frühgeburtenrate erhöhen und ebenso wie eine chronische Hepatitis B zu einer vertikalen Transmission der Viren führen.

Bei Frühgeborenen ist die Serokonversionsrate niedriger als bei Reifgeborenen. Durch Anwendung eines Impfschemas mit 4 Dosen (Zeitpunkt: 0 – 1 – 5 – 9 Monate) konnte die Erfolgsrate von 76 auf 90% gesteigert werden. Nach Abschluss der Grundimmunisierung sollte eine Kontrolle von Anti-HBs und Anti-HBc erfolgen. Ist der HBsAg-Status der Mutter bei der Geburt nicht bekannt, sollte immer sofort, spätestens innerhalb von 12 Stunden post natum, das Neugeborene aktiv immunisiert und der HBsAg-Status der Mutter bestimmt werden. Fällt der Befund positiv aus, wird dem Kind nachträglich baldmöglichst Hepatitis-B-Immunglobulin verabreicht. Geimpfte Neugeborene können gestillt werden. 

Patienten mit einer chronischen Hepatitis B und fehlender Immunität gegen Hepatitis A sollten gegen Hepatitis A geimpft werden.

Literatur

[1]

. Robert Koch-Institut. Impfstatus der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, STIKO: Influenzaimpfungen in der COVID-19-Pandemie. Epidemiol Bull 2020; 32/33: 12. Im Internet: www.rki.de/epidbull 2020; :

[2]

Lee, Chuanfang, Gong, Yan, Brok, Jesper, Boxall, Elizabeth H., Gluud, Christian. Effect of hepatitis B immunisation in newborn infants of mothers positive for hepatitis B surface antigen: systematic review and meta-analysis. BMJ 2006; 332: 328-336

10. Literaturverzeichnis

[1]

Scheiblauer, Heiner, Soboll, Heidemarie, Nick, Sigrid, Evaluation of 17 CE-marked HBsAg assays with respect to clinical sensitivity, analytical sensitivity, and hepatitis B virus mutant detection. Journal of Medical Virology, 2006. 78(S1): p. S66-S70., http://dx.doi.org/10.1002/jmv.20611

[2]

Westhoff, Timm H., Jochimsen, Friederike, Schmittel, Alexander, Stöffler-Meilicke, Marina, Schäfer, Jürgen H., Zidek, Walter, et.al. Fatal hepatitis B virus reactivation by an escape mutant following rituximab therapy. Blood, 2003. 102(5): p. 1930-1930., http://dx.doi.org/10.1182/blood-2003-05-1403

[3]

Awerkiew, Sabine, Däumer, Martin, Reiser, Marcel, Wend, Ulrike C., Pfister, Herbert, Kaiser, Rolf, et.al. Reactivation of an occult hepatitis B virus escape mutant in an anti-HBs positive, anti-HBc negative lymphoma patient. Journal of Clinical Virology, 2007. 38(1): p. 83-86., http://dx.doi.org/10.1016/j.jcv.2006.10.006

[4]

Brown, Robert S., McMahon, Brian J., Lok, Anna S. F., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Mouchli, Mohamed A., et.al. Antiviral therapy in chronic hepatitis B viral infection during pregnancy: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 319-333., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28302

[5]

Li, Wenhui, Jia, Li, Zhao, Xin, Wu, Xiaoyuan, Tang, Hongxia, Efficacy and safety of tenofovir in preventing mother-to-infant transmission of hepatitis B virus: a meta-analysis based on 6 studies from China and 3 studies from other countries. BMC Gastroenterology, 2018. 18(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12876-018-0847-2

[6]

Hyun, M. H., Lee, Y. ‐S, Kim, J. H., Je, J. H., Yoo, Y. J., Yeon, J. E., et.al. Systematic review with meta‐analysis: the efficacy and safety of tenofovir to prevent mother‐to‐child transmission of hepatitis B virus. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2017. 45(12): p. 1493-1505., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14068

[7]

Pan, Calvin Q., Duan, Zhongping, Dai, Erhei, Zhang, Shuqin, Han, Guorong, Wang, Yuming, et.al. Tenofovir to Prevent Hepatitis B Transmission in Mothers with High Viral Load. New England Journal of Medicine, 2016. 374(24): p. 2324-2334., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa1508660

[8]

European Association for the Study of the, Liver, Corrigendum to: “EASL clinical practice guidelines: Management of chronic hepatitis B virus infection” [J Hepatol 2012;57:167–185]. Journal of Hepatology, 2013. 58(1): p. 201., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.09.013

[9]

Terrault, Norah A., Bzowej, Natalie H., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., Murad, M. Hassan, AASLD guidelines for treatment of chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(1): p. 261-283., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28156

[10]

World Health, Organization, Hepatitis B vaccines: WHO position paper, July 2017 – Recommendations. Vaccine, 2019. 37(2): p. 223-225., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2017.07.046

[11]

Jourdain, G., Ngo-Giang-Huong, N., Harrison, L., Decker, L., Khamduang, W., Tierney, C., et.al. Tenofovir Versus Placebo to Prevent Perinatal Transmission of Hepatitis B. Obstetric Anesthesia Digest, 2018. 38(3): p. 151-152., http://dx.doi.org/10.1097/01.aoa.0000542373.42105.69

[12]

Lin, Yayun, Liu, Yan, Ding, Guifeng, Touqui, Lhousseine, Wang, Weimin, Xu, Na, et.al. Efficacy of tenofovir in preventing perinatal transmission of HBV infection in pregnant women with high viral loads. Scientific Reports, 2018. 8(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-018-33833-w

[13]

():, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32833415/

[14]

Walz, Alexander, Wirth, Stefan, Hucke, Jürgen, Gerner, Patrick, Vertical Transmission of Hepatitis B Virus (HBV) from Mothers Negative for HBV Surface Antigen and Positive for Antibody to HBV Core Antigen. The Journal of Infectious Diseases, 2009. 200(8): p. 1227-1231., http://dx.doi.org/10.1086/605698

[15]

Robert Koch-Insitut. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in Deutschland: Virushepatitis B, C und D im Jahr 2009.. Epidemiol Bull 20/2009: 177–190 Im Internet: www.rki.de/degs, 2009.

[16]

Ganem, Don, Prince, Alfred M., Hepatitis B Virus Infection — Natural History and Clinical Consequences. New England Journal of Medicine, 2004. 350(11): p. 1118-1129., http://dx.doi.org/10.1056/nejmra031087

[17]

McMahon, Brian J., Natural History of Chronic Hepatitis B. Clinics in Liver Disease, 2010. 14(3): p. 381-396., http://dx.doi.org/10.1016/j.cld.2010.05.007

[18]

Veldhuijzen, Irene K., Toy, Mehlika, Hahné, Susan J. M., De Wit, G. Ardine, Schalm, Solko W., de Man, Robert A., et.al. Screening and Early Treatment of Migrants for Chronic Hepatitis B Virus Infection Is Cost-Effective. Gastroenterology, 2010. 138(2): p. 522-530., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2009.10.039

[19]

Cornberg, M, Protzer, U, Petersen, J, Wedemeyer, H, Berg, T, Jilg, W, et.al. [Prophylaxis, diagnosis and therapy of hepatitis B virus infection - the German guideline].. Z Gastroenterol, 2011. 49 (7)(7): p. 871-930., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21748700/

[20]

EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection.. J Hepatol, 2017. 67 (2)(2): p. 370-398., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28427875/

[21]

Colloredo Mels, G., Bellati, G., Leandro, G., Brunetto, Maurizia Rossana, Vicari, O., Piantino, P., et.al. Role of IgM antibody to hepatitis B core antigen in the diagnosis of hepatitis B exacerbationsSpringer Vienna. Research in Chronic Viral Hepatitis, 1993. p. 203-211., http://dx.doi.org/10.1007/978-3-7091-9312-9_20

[22]

Chen, Chien-Jen, Risk of Hepatocellular Carcinoma Across a Biological Gradient of Serum Hepatitis B Virus DNA Level. JAMA, 2006. 295(1): p. 65., http://dx.doi.org/10.1001/jama.295.1.65

[23]

Iloeje, Uchenna H., Yang, Hwai–I, Su, Jun, Jen, Chin–Lan, You, San–Lin, Chen, Chien–Jen, Predicting Cirrhosis Risk Based on the Level of Circulating Hepatitis B Viral Load. Gastroenterology, 2006. 130(3): p. 678-686., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2005.11.016

[24]

Chen, Gang, Lin, Wenyao, Shen, Fumin, Iloeje, Uchenna H., London, W. Thomas, Evans, Alison A., Past HBV Viral Load as Predictor of Mortality and Morbidity from HCC and Chronic Liver Disease in a Prospective Study. The American Journal of Gastroenterology, 2006. 101(8): p. 1797-1803., http://dx.doi.org/10.1111/j.1572-0241.2006.00647.x

[25]

Yang, Hwai- I., Lu, Sheng-Nan, Liaw, Yun-Fan, You, San-Lin, Sun, Chien-An, Wang, Li-Yu, et.al. Hepatitis B e Antigen and the Risk of Hepatocellular Carcinoma. New England Journal of Medicine, 2002. 347(3): p. 168-174., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa013215

[26]

Cornberg, Markus, Wong, Vincent Wai-Sun, Locarnini, Stephen, Brunetto, Maurizia, Janssen, Harry L. A., Chan, Henry Lik-Yuen, The role of quantitative hepatitis B surface antigen revisited. Journal of Hepatology, 2017. 66(2): p. 398-411., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2016.08.009

[27]

Tseng, Tai-Chung, Liu, Chun-Jen, Yang, Hung-Chih, Su, Tung-Hung, Wang, Chia-Chi, Chen, Chi-Ling, et.al. Serum hepatitis B surface antigen levels help predict disease progression in patients with low hepatitis B virus loads. Hepatology, 2012. 57(2): p. 441-450., http://dx.doi.org/10.1002/hep.26041

[28]

Wedemeyer, Heiner, Manns, Michael P., Epidemiology, pathogenesis and management of hepatitis D: update and challenges ahead. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology, 2010. 7(1): p. 31-40., http://dx.doi.org/10.1038/nrgastro.2009.205

[29]

Bremer, Birgit, Anastasiou, Olympia E., Ciesek, Sandra, Wedemeyer, Heiner, Automated Nucleic Acid Isolation Methods for HDV viral Load Quantification can Lead to viral Load Underestimation. Antiviral Therapy, 2018. 24(2): p. 117-123., http://dx.doi.org/10.3851/imp3281

[30]

Greten, T., Malek, N., Schmidt, S., Arends, J., Bartenstein, P., Bechstein, W., et.al. Diagnostik und Therapie des hepatozellulären Karzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2013. 51(11): p. 1269-1326., http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1355841

[31]

Heese, F., Görg, C., Diagnostische Wertigkeit einer internistischen Referenzsonographie (DEGUM-Stufe 3). Ultraschall in der Medizin - European Journal of Ultrasound, 2006. 27(03): p. 220-224., http://dx.doi.org/10.1055/s-2006-926665

[32]

Sheu, Jin-Chuan, Sung, Juei-Low, Chen, Ding-Shinn, Yang, Pei-Ming, Lai, Ming-Yang, Lee, Chue-Shue, et.al. Growth rate of asymptomatic hepatocellular carcinoma and its clinical implications. Gastroenterology, 1985. 89(2): p. 259-266., http://dx.doi.org/10.1016/0016-5085(85)90324-5

[33]

Trinchet, Jean-Claude, Chaffaut, Cendrine, Bourcier, Valérie, Degos, Françoise, Henrion, Jean, Fontaine, Hélène, et.al. Ultrasonographic surveillance of hepatocellular carcinoma in cirrhosis: A randomized trial comparing 3- and 6-month periodicities. Hepatology, 2011. 54(6): p. 1987-1997., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24545

[34]

Barbara, Luigi, Benzi, Giovanna, Gaiani, Stefano, Fusconi, Fabio, Zironi, Gianni, Siringo, Sebastiano, et.al. Natural history of small untreated hepatocellular carcinoma in cirrhosis: A multivariate analysis of prognostic factors of tumor growth rate and patient survival. Hepatology, 1992. 16(1): p. 132-137., http://dx.doi.org/10.1002/hep.1840160122

[35]

Wang, Jing-Houng, Chang, Kuo-Chin, Kee, Kwong-Ming, Chen, Pao-Fei, Yen, Yi-Hao, Tseng, Po-Lin, et.al. Hepatocellular Carcinoma Surveillance at 4- vs. 12-Month Intervals for Patients With Chronic Viral Hepatitis: A Randomized Study in Community. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(3): p. 416-424., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2012.445

[36]

Sarri, G., Westby, M., Bermingham, S., Hill-Cawthorne, G., Thomas, H., Diagnosis and management of chronic hepatitis B in children, young people, and adults: summary of NICE guidance. BMJ, 2013. 346(jun26 3): p. f3893-f3893., http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f3893

[37]

Singal, A., Volk, M. L., Waljee, A., Salgia, R., Higgins, P., Rogers, M. A. M., et.al. Meta‐analysis: surveillance with ultrasound for early‐stage hepatocellular carcinoma in patients with cirrhosis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2009. 30(1): p. 37-47., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2009.04014.x

[38]

Sarin, S. K., Kumar, M., Lau, G. K., Abbas, Z., Chan, H. L. Y., Chen, C. J., et.al. Asian-Pacific clinical practice guidelines on the management of hepatitis B: a 2015 update. Hepatology International, 2015. 10(1): p. 1-98., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-015-9675-4

[39]

KASL clinical practice guidelines: management of chronic hepatitis B.. Clin Mol Hepatol, 2016. 22 (1)(1): p. 18-75., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27044762/

[40]

Park, Yeon Hee, Kim, Tae-Yong, Kim, Gun Min, Kang, Seok Yun, Park, In Hae, Kim, Jee Hyun, et.al. Palbociclib plus exemestane with gonadotropin-releasing hormone agonist versus capecitabine in premenopausal women with hormone receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer (KCSG-BR15-10): a multicentre, open-label, randomised, phase 2 trial. The Lancet Oncology, 2019. 20(12): p. 1750-1759., http://dx.doi.org/10.1016/s1470-2045(19)30565-0

[41]

Thiele, Maja, Gluud, Lise Lotte, Fialla, Annette Dam, Dahl, Emilie Kirstine, Krag, Aleksander, Large Variations in Risk of Hepatocellular Carcinoma and Mortality in Treatment Naïve Hepatitis B Patients: Systematic Review with Meta-Analyses. PLoS ONE, 2014. 9(9): p. e107177., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0107177

[42]

Galle, Peter R., Forner, Alejandro, Llovet, Josep M., Mazzaferro, Vincenzo, Piscaglia, Fabio, Raoul, Jean-Luc, et.al. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. Journal of Hepatology, 2018. 69(1): p. 182-236., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.03.019

[43]

Trevisani, Franco, D'Intino, Paola Emanuela, Morselli-Labate, Antonio Maria, Mazzella, Giuseppe, Accogli, Esterita, Caraceni, Paolo, et.al. Serum α-fetoprotein for diagnosis of hepatocellular carcinoma in patients with chronic liver disease: influence of HBsAg and anti-HCV status. Journal of Hepatology, 2001. 34(4): p. 570-575., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(00)00053-2

[44]

Papatheodoridis, George, Dalekos, George, Sypsa, Vana, Yurdaydin, Cihan, Buti, Maria, Goulis, John, et.al. PAGE-B predicts the risk of developing hepatocellular carcinoma in Caucasians with chronic hepatitis B on 5-year antiviral therapy. Journal of Hepatology, 2016. 64(4): p. 800-806., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2015.11.035

[45]

EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis.. J Hepatol, 2015. 63 (1)(1): p. 237-64., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25911335/

[46]

Castera L, Yuen Chan HL, Arrese M, Afdhal N, Bedossa P, Friedrich-Rust M, Han KH, Pinzani M. EASL-ALEH Clinical Practice Guidelines: Non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. J Hepatol; 63: 237–264, 2015.

[47]

Wong, GL, Wong, VW, Choi, PC, Chan, AW, Chan, HL, Development of a non-invasive algorithm with transient elastography (Fibroscan) and serum test formula for advanced liver fibrosis in chronic hepatitis B.. Aliment Pharmacol Ther, 2010. 31 (10)(10): p. 1095-103., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20180785/

[48]

Wong, GL, Chan, HL, Choi, PC, Chan, AW, Yu, Z, Lai, JW, et.al. Non-invasive algorithm of enhanced liver fibrosis and liver stiffness measurement with transient elastography for advanced liver fibrosis in chronic hepatitis B.. Aliment Pharmacol Ther, 2014. 39 (2)(2): p. 197-208., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24261924/

[49]

Wong, Grace L‐H, Wong, Vincent W‐S, Choi, Paul C‐L, Chan, Anthony W‐H, Chim, Angel M‐L, Yiu, Karen K‐L, et.al. Increased liver stiffness measurement by transient elastography in severe acute exacerbation of chronic hepatitis B. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2009. 24(6): p. 1002-1007., http://dx.doi.org/10.1111/j.1440-1746.2009.05779.x

[50]

Papatheodoridis, George V., Manolakopoulos, Spilios, Liaw, Yun-Fan, Lok, Anna, Follow-up and indications for liver biopsy in HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection with persistently normal ALT: A systematic review. Journal of Hepatology, 2012. 57(1): p. 196-202., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.11.030

[51]

Cornberg, M., Protzer, U., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., Jilg, W., et.al. Aktualisierung der S 3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2011. 49(07): p. 871-930., http://dx.doi.org/10.1055/s-0031-1273462

[52]

Kumar, M., Satapathy, S., Monga, R., Das, K., Hissar, S., Pande, C., et.al. A randomized controlled trial of lamivudine to treat acute hepatitis B. Hepatology, 2006. 45(1): p. 97-101., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21486

[53]

Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Zhao, Yong-Hua, Kang, Peng, Li, Shu-Chen, The Study of Efficacy of Lamivudine in Patients with Severe Acute Hepatitis B. Digestive Diseases and Sciences, 2009. 55(3): p. 775-783., http://dx.doi.org/10.1007/s10620-009-1060-5

[54]

Wiegand, J., Wedemeyer, H., Franke, A., Rößler, S., Zeuzem, S., Teuber, G., et.al. Treatment of severe, nonfulminant acute hepatitis B with lamivudine vs placebo: a prospective randomized double‐blinded multicentre trial. Journal of Viral Hepatitis, 2013. 21(10): p. 744-750., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12210

[55]

Mantzoukis, Konstantinos, Rodríguez-Perálvarez, Manuel, Buzzetti, Elena, Thorburn, Douglas, Davidson, Brian R., Tsochatzis, Emmanuel, et.al. Pharmacological interventions for acute hepatitis B infection. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017. 2017(4):, http://dx.doi.org/10.1002/14651858.cd011645.pub2

[56]

Jochum, C., Maischack, F., Anastasiou, O., Verheyen, J., Timm, J., Bechmann, L., et.al. Treatment of fulminant acute Hepatitis B with nucles(t)id analogues is safe and does not lead to secondary chronification of Hepatitis B. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2016. 54(12): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-120418

[57]

Tillmann, H. L., Hadem, J., Leifeld, L., Zachou, K., Canbay, A., Eisenbach, C., et.al. Safety and efficacy of lamivudine in patients with severe acute or fulminant hepatitis B, a multicenter experience. Journal of Viral Hepatitis, 2006. 13(4): p. 256-263., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2893.2005.00695.x

[58]

Yu, Jian-Wu, Sun, Li-Jie, Yan, Bing-Zhu, Kang, Peng, Zhao, Yong-Hua, Lamivudine treatment is associated with improved survival in fulminant hepatitis B. Liver International, 2011. 31(4): p. 499-506., http://dx.doi.org/10.1111/j.1478-3231.2011.02450.x

[59]

Terrault, Norah A., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Chang, Kyong‐Mi, Hwang, Jessica P., Jonas, Maureen M., et.al. Update on prevention, diagnosis, and treatment of chronic hepatitis B: AASLD 2018 hepatitis B guidance. Hepatology, 2018. 67(4): p. 1560-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29800

[60]

Brunetto, Maurizia Rossana, Oliveri, Filippo, Coco, Barbara, Leandro, Gioacchino, Colombatto, Piero, Gorin, Juliana Monti, et.al. Outcome of anti-HBe positive chronic hepatitis B in alpha-interferon treated and untreated patients: a long term cohort study. Journal of Hepatology, 2002. 36(2): p. 263-270., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(01)00266-5

[61]

Kumar, Manoj, Sarin, Shiv K., Hissar, Syed, Pande, Chandana, Sakhuja, Puja, Sharma, Barjesh Chander, et.al. Virologic and Histologic Features of Chronic Hepatitis B Virus-Infected Asymptomatic Patients With Persistently Normal ALT. Gastroenterology, 2008. 134(5): p. 1376-1384., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2008.02.075

[62]

Lai, Michelle, Hyatt, Benjamin J., Nasser, Imad, Curry, Michael, Afdhal, Nezam H., The clinical significance of persistently normal ALT in chronic hepatitis B infection. Journal of Hepatology, 2007. 47(6): p. 760-767., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2007.07.022

[63]

Papatheodoridis, George V., Manesis, Emanuel K., Manolakopoulos, Spilios, Elefsiniotis, Ioannis S., Goulis, John, Giannousis, John, et.al. Is there a meaningful serum hepatitis B virus DNA cutoff level for therapeutic decisions in hepatitis B e antigen-negative chronic hepatitis B virus infection?. Hepatology, 2008. 48(5): p. 1451-1459., http://dx.doi.org/10.1002/hep.22518

[64]

Tsang, Philip S. Y., Trinh, Huy, Garcia, Ruel T., Phan, Jeanine T., Ha, Nghiem B., Nguyen, Huy, et.al. Significant Prevalence of Histologic Disease in Patients With Chronic Hepatitis B and Mildly Elevated Serum Alanine Aminotransferase Levels. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2008. 6(5): p. 569-574., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2008.02.037

[65]

Wu, I. Chin, Lai, Ching-Lung, Han, Steven-Huy Bui, Han, Kwang-Hyup, Gordon, Stuart C., Chao, You-Chen, et.al. Efficacy of entecavir in chronic hepatitis B patients with mildly elevated alanine aminotransferase and biopsy-proven histological damage. Hepatology, 2009. 51(4): p. 1185-1189., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23424

[66]

Chen, Jin–De, Yang, Hwai–I, Iloeje, Uchenna H., You, San–Lin, Lu, Sheng–Nan, Wang, Li–Yu, et.al. Carriers of Inactive Hepatitis B Virus Are Still at Risk for Hepatocellular Carcinoma and Liver-Related Death. Gastroenterology, 2010. 138(5): p. 1747-1754.e1., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2010.01.042

[67]

Kim, Jung Hee, Sinn, Dong Hyun, Kang, Wonseok, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, Choi, Moon Seok, et.al. Low‐level viremia and the increased risk of hepatocellular carcinoma in patients receiving entecavir treatment. Hepatology, 2016. 66(2): p. 335-343., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28916

[68]

Sinn, Dong Hyun, Lee, Junggyu, Goo, Juna, Kim, Kyunga, Gwak, Geum‐Youn, Paik, Yong‐Han, et.al. Hepatocellular carcinoma risk in chronic hepatitis B virus–infected compensated cirrhosis patients with low viral load. Hepatology, 2015. 62(3): p. 694-701., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27889

[69]

Zoutendijk, Roeland, Reijnders, Jurrien G. P., Zoulim, Fabien, Brown, Ashley, Mutimer, David J., Deterding, Katja, et.al. Virological response to entecavir is associated with a better clinical outcome in chronic hepatitis B patients with cirrhosis. Gut, 2012. 62(5): p. 760-765., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2012-302024

[70]

Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., Farah, Wigdan, et.al. Antiviral therapy for chronic hepatitis B viral infection in adults: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 284-306., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28280

[71]

Singal, A. K., Salameh, H., Kuo, Y. ‐F, Fontana, R. J., Meta‐analysis: the impact of oral anti‐viral agents on the incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2013. 38(2): p. 98-106., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12344

[72]

Huang, Gang, Li, Peng-peng, Lau, Wan Yee, Pan, Ze-ya, Zhao, Ling-hao, Wang, Zhen-guang, et.al. Antiviral Therapy Reduces Hepatocellular Carcinoma Recurrence in Patients With Low HBV-DNA Levels. Annals of Surgery, 2018. 268(6): p. 943-954., http://dx.doi.org/10.1097/sla.0000000000002727

[73]

Wong, J. S. W., Wong, G. L. H., Tsoi, K. K. F., Wong, V. W. S., Cheung, S. Y. S., Chong, C. N., et.al. Meta-analysis: the efficacy of anti-viral therapy in prevention of recurrence after curative treatment of chronic hepatitis B-related hepatocellular carcinoma. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2011. 33(10): p. 1104-1112., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2011.04634.x

[74]

Xia, Bo Wei, Zhang, You Cheng, Wang, Jun, Ding, Fang Hui, He, Xiao Dong, Efficacy of antiviral therapy with nucleotide/nucleoside analogs after curative treatment for patients with hepatitis B virus-related hepatocellular carcinoma: A systematic review and meta-analysis. Clinics and Research in Hepatology and Gastroenterology, 2015. 39(4): p. 458-468., http://dx.doi.org/10.1016/j.clinre.2014.12.003

[75]

Yin, Jianhua, Li, Nan, Han, Yifang, Xue, Jie, Deng, Yang, Shi, Jie, et.al. Effect of Antiviral Treatment With Nucleotide/Nucleoside Analogs on Postoperative Prognosis of Hepatitis B Virus–Related Hepatocellular Carcinoma: A Two-Stage Longitudinal Clinical Study. Journal of Clinical Oncology, 2013. 31(29): p. 3647-3655., http://dx.doi.org/10.1200/jco.2012.48.5896

[76]

Yuan, Peng, Chen, Peng, Qian, Yeben, Evaluation of Antiviral Therapy Performed after Curative Therapy in Patients with HBV-Related Hepatocellular Carcinoma: An Updated Meta-Analysis. Canadian Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2016. 2016: p. 1-11., http://dx.doi.org/10.1155/2016/5234969

[77]

He, Lingling, Liu, Xiaoli, Zhao, Yalin, Zhang, Shuan, Jiang, Yuyong, Wang, Xianbo, et.al. Efficacy of Nucleot(s)ide Analogs Therapy in Patients with Unresectable HBV-Related Hepatocellular Carcinoma: A Systematic Review and Meta-Analysis. Disease Markers, 2017. 2017: p. 1-10., http://dx.doi.org/10.1155/2017/7075935

[78]

Chen, V. L., Yeh, M. ‐L, Le, A. K., Jun, M., Saeed, W. K., Yang, J. D., et.al. Anti‐viral therapy is associated with improved survival but is underutilised in patients with hepatitis B virus‐related hepatocellular carcinoma: real‐world east and west experience. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 48(1): p. 44-54., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14801

[79]

Zhou, Yanming, Zhang, Zhansai, Zhao, Yanfang, Wu, Lupeng, Li, Bin, Antiviral Therapy Decreases Recurrence of Hepatitis B Virus-related Hepatocellular Carcinoma after Curative Resection: A Meta-analysis. World Journal of Surgery, 2014. 38(9): p. 2395-2402., http://dx.doi.org/10.1007/s00268-014-2586-z

[80]

Huang, Gang, Lau, Wan Yee, Wang, Zhen-Guang, Pan, Ze-Ya, Yuan, Sheng-Xian, Shen, Feng, et.al. Antiviral Therapy Improves Postoperative Survival in Patients With Hepatocellular Carcinoma. Annals of Surgery, 2015. 261(1): p. 56-66., http://dx.doi.org/10.1097/sla.0000000000000858

[81]

Reddy, K. Rajender, Beavers, Kimberly L., Hammond, Sarah P., Lim, Joseph K., Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Guideline on the Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 215-219., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.039

[82]

Sarmati, L, Andreoni, M, Antonelli, G, Arcese, W, Bruno, R, Coppola, N, et.al. Recommendations for screening, monitoring, prevention, prophylaxis and therapy of hepatitis B virus reactivation in patients with haematologic malignancies and patients who underwent haematologic stem cell transplantation-a position paper.. Clin Microbiol Infect, 2017. 23 (12)(12): p. 935-940., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28668466/

[83]

Chen, Jun-Ze, Liao, Zuo-Wei, Huang, Fei-Long, Su, Ru-Kui, Wang, Wen-Bo, Cheng, Xue-Yuan, et.al. Efficacy and safety of tenofovir disoproxil fumarate in preventing vertical transmission of hepatitis B in pregnancies with high viral load. Scientific Reports, 2017. 7(1):, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-017-04479-x

[84]

Glebe, Dieter, van Bömmel, Florian, Dudareva, Sandra, Gärtner, Barbara, Monazahian, Masyar, Roß, Stefan, et.al. Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2020. 63(2): p. 218-225., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-019-03084-9

[85]

Mazzaro, Cesare, Dal Maso, Luigino, Urraro, Teresa, Mauro, Endri, Castelnovo, Laura, Casarin, Pietro, et.al. Hepatitis B virus related cryoglobulinemic vasculitis: A multicentre open label study from the Gruppo Italiano di Studio delle Crioglobulinemie – GISC. Digestive and Liver Disease, 2016. 48(7): p. 780-784., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2016.03.018

[86]

Wang, Wan-ning, Wu*, Mei-yan, Ma, Fu-zhe, Sun, Tao, Xu, Zhong-gao, Meta-analysis of the efficacy and safety of nucleotide/nucleoside analog monotherapy for hepatitis B virus-associated glomerulonephritis. Clinical Nephrology, 2016. 85 (2016)(01): p. 21-29., http://dx.doi.org/10.5414/cn108648

[87]

Yang, Yue, Ma, Ye-ping, Chen, Da-peng, Zhuo, Li, Li, Wen-ge, A Meta-Analysis of Antiviral Therapy for Hepatitis B Virus-Associated Membranous Nephropathy. PLOS ONE, 2016. 11(9): p. e0160437., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0160437

[88]

Hui, Chee-Kin, Leung, Nancy, Yuen, Siu-Tsan, Zhang, Hai-Ying, Leung, Kar-Wai, Lu, Lei, et.al. Natural history and disease progression in Chinese chronic hepatitis B patients in immune-tolerant phase. Hepatology, 2007. 46(2): p. 395-401., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21724

[89]

Andreani, Tony, Serfaty, Lawrence, Mohand, Djamila, Dernaika, Salem, Wendum, Dominique, Chazouillères, Olivier, et.al. Chronic Hepatitis B Virus Carriers in the Immunotolerant Phase of Infection: Histologic Findings and Outcome. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2007. 5(5): p. 636-641., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2007.01.005

[90]

Chu, Chia-Ming, Hung, Shao-Jen, Lin, Justin, Tai, Dar-In, Liaw, Yun-Fan, Natural history of hepatitis b e antigen to antibody seroconversion in patients with normal serum aminotransferase levels. The American Journal of Medicine, 2004. 116(12): p. 829-834., http://dx.doi.org/10.1016/j.amjmed.2003.12.040

[91]

You, San‐Lin, Yang, Hwai‐I, Chen, Chien‐Jen, Seropositivity of hepatitis B e antigen and hepatocellular carcinoma. Annals of Medicine, 2004. 36(3): p. 215-224., http://dx.doi.org/10.1080/07853890310021580

[92]

Manno, Mauro, Cammà, Calogero, Schepis, Filippo, Bassi, Fabio, Gelmini, Roberta, Giannini, Francesco, et.al. Natural history of chronic HBV carriers in northern Italy: Morbidity and mortality after 30 years. Gastroenterology, 2004. 127(3): p. 756-763., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2004.06.021

[93]

Tseng, Tai-Chung, Liu, Chun-Jen, Chen, Chi-Ling, Yang, Hung-Chih, Su, Tung-Hung, Wang, Chia-Chi, et.al. Risk Stratification of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Virus e Antigen–Negative Carriers by Combining Viral Biomarkers. The Journal of Infectious Diseases, 2013. 208(4): p. 584-593., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jit209

[94]

Tseng, Tai–Chung, Liu, Chun–Jen, Yang, Hung–Chih, Su, Tung–Hung, Wang, Chia–Chi, Chen, Chi–Ling, et.al. High Levels of Hepatitis B Surface Antigen Increase Risk of Hepatocellular Carcinoma in Patients With Low HBV Load. Gastroenterology, 2012. 142(5): p. 1140-1149.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2012.02.007

[95]

Cornberg, Markus, Lok, Anna Suk-Fong, Terrault, Norah A., Zoulim, Fabien, Berg, Thomas, Brunetto, Maurizia R., et.al. Guidance for design and endpoints of clinical trials in chronic hepatitis B - Report from the 2019 EASL-AASLD HBV Treatment Endpoints Conference‡. Journal of Hepatology, 2020. 72(3): p. 539-557., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.11.003

[96]

Kim, Gi-Ae, Lim, Young-Suk, An, Jihyun, Lee, Danbi, Shim, Ju Hyun, Kim, Kang Mo, et.al. HBsAg seroclearance after nucleoside analogue therapy in patients with chronic hepatitis B: clinical outcomes and durability. Gut, 2013. 63(8): p. 1325-1332., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2013-305517

[97]

Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Chan, Henry Lik-Yuen, Tse, Yee-Kit, Lam, Kelvin Long-Yan, Lui, Grace Chung-Yan, et.al. HBsAg seroclearance further reduces hepatocellular carcinoma risk after complete viral suppression with nucleos(t)ide analogues. Journal of Hepatology, 2019. 70(3): p. 361-370., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.10.014

[98]

Yuen, Man–Fung, Wong, Danny Ka–Ho, Fung, James, Ip, Philip, But, David, Hung, Ivan, et.al. HBsAg Seroclearance in Chronic Hepatitis B in Asian Patients: Replicative Level and Risk of Hepatocellular Carcinoma. Gastroenterology, 2008. 135(4): p. 1192-1199., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2008.07.008

[99]

Wong, Grace Lai-Hung, Chan, Henry Lik-Yuen, Mak, Christy Wing-Hin, Lee, Stanley King-Yeung, Ip, Zoe Man-Yi, Lam, Andrew Ting-Ho, et.al. Entecavir treatment reduces hepatic events and deaths in chronic hepatitis B patients With liver cirrhosis. Hepatology, 2013. 58(5): p. 1537-1547., http://dx.doi.org/10.1002/hep.26301

[100]

Arends, Pauline, Sonneveld, Milan J., Zoutendijk, Roeland, Carey, Ivana, Brown, Ashley, Fasano, Massimo, et.al. Entecavir treatment does not eliminate the risk of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B: limited role for risk scores in Caucasians. Gut, 2014. 64(8): p. 1289-1295., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2014-307023

[101]

Papatheodoridis, George V., Lampertico, Pietro, Manolakopoulos, Spilios, Lok, Anna, Incidence of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B patients receiving nucleos(t)ide therapy: A systematic review. Journal of Hepatology, 2010. 53(2): p. 348-356., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2010.02.035

[102]

Kim, Soon Sun, Hwang, Jae Chul, Lim, Sun Gyo, Ahn, Seon Joo, Cheong, Jae Youn, Cho, Sung Won, Effect of Virological Response to Entecavir on the Development of Hepatocellular Carcinoma in Hepatitis B Viral Cirrhotic Patients: Comparison Between Compensated and Decompensated Cirrhosis. American Journal of Gastroenterology, 2014. 109(8): p. 1223-1233., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2014.145

[103]

Marcellin, Patrick, Gane, Edward, Buti, Maria, Afdhal, Nezam, Sievert, William, Jacobson, Ira M., et.al. Regression of cirrhosis during treatment with tenofovir disoproxil fumarate for chronic hepatitis B: a 5-year open-label follow-up study. The Lancet, 2013. 381(9865): p. 468-475., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(12)61425-1

[104]

Chang, Ting-Tsung, Liaw, Yun-Fan, Wu, Shun-Sheng, Schiff, Eugene, Han, Kwang-Hyub, Lai, Ching-Lung, et.al. Long-term entecavir therapy results in the reversal of fibrosis/cirrhosis and continued histological improvement in patients with chronic hepatitis B. Hepatology, 2010. 52(3): p. 886-893., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23785

[105]

Niederau, Claus, Heintges, Tobias, Lange, Stefan, Goldmann, Georg, Niederau, Christoph M., Mohr, Leonhard, et.al. Long-Term Follow-up of HBeAg-Positive Patients Treated with Interferon Alfa for Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 1996. 334(22): p. 1422-1427., http://dx.doi.org/10.1056/nejm199605303342202

[106]

Lin, Shi-Ming, Yu, Ming-Lung, Lee, Chuan-Mo, Chien, Rong-Nan, Sheen, I. Shyan, Chu, Chia-Ming, et.al. Interferon therapy in HBeAg positive chronic hepatitis reduces progression to cirrhosis and hepatocellular carcinoma. Journal of Hepatology, 2007. 46(1): p. 45-52., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2006.08.021

[107]

Yuen, M., Long-term follow-up of interferon alfa treatment in chinese patients with chronic hepatitis B infection: The effect on hepatitis B e antigen seroconversion and the development of cirrhosis-related complications. Hepatology, 2001. 34(1): p. 139-145., http://dx.doi.org/10.1053/jhep.2001.25273

[108]

Jacobson, Ira M., Washington, Mary K., Buti, Maria, Thompson, Alexander, Afdhal, Nezam, Flisiak, Robert, et.al. Factors Associated With Persistent Increase in Level of Alanine Aminotransferase in Patients With Chronic Hepatitis B Receiving Oral Antiviral Therapy. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2017. 15(7): p. 1087-1094.e2., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2017.01.032

[109]

Liang, Kung-Hao, Hsu, Chao-Wei, Chang, Ming-Ling, Chen, Yi-Cheng, Lai, Ming-Wei, Yeh, Chau-Ting, Peginterferon Is Superior to Nucleos(t)ide Analogues for Prevention of Hepatocellular Carcinoma in Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2015. 213(6): p. 966-974., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiv547

[110]

Lau, George K. K., Piratvisuth, Teerha, Luo, Kang Xian, Marcellin, Patrick, Thongsawat, Satawat, Cooksley, Graham, et.al. Peginterferon Alfa-2a, Lamivudine, and the Combination for HBeAg-Positive Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2005. 352(26): p. 2682-2695., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa043470

[111]

Marcellin, Patrick, Lau, George K. K., Bonino, Ferruccio, Farci, Patrizia, Hadziyannis, Stephanos, Jin, Rui, et.al. Peginterferon Alfa-2a Alone, Lamivudine Alone, and the Two in Combination in Patients with HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2004. 351(12): p. 1206-1217., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa040431

[112]

Sonneveld, Milan J., Zoutendijk, Roeland, Hansen, Bettina E., Janssen, Harry L. A., Pegylated Interferon Results in Higher Serological, but Not Virological, Response Rates When Compared to Continuous Entecavir. Antiviral Therapy, 2012. 17(8): p. 1605-1608., http://dx.doi.org/10.3851/imp2319

[113]

van Nunen, A. B., Durability of HBeAg seroconversion following antiviral therapy for chronic hepatitis B: relation to type of therapy and pretreatment serum hepatitis B virus DNA and alanine aminotransferase. Gut, 2003. 52(3): p. 420-424., http://dx.doi.org/10.1136/gut.52.3.420

[114]

Papatheodoridis, George V., Chan, Henry Lik-Yuen, Hansen, Bettina E., Janssen, Harry L. A., Lampertico, Pietro, Risk of hepatocellular carcinoma in chronic hepatitis B: Assessment and modification with current antiviral therapy. Journal of Hepatology, 2015. 62(4): p. 956-967., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2015.01.002

[115]

Dave, Shravan, Park, Sooyoung, Murad, M. Hassan, Barnard, Abbey, Prokop, Larry, Adams, Leon A., et.al. Comparative Effectiveness of Entecavir Versus Tenofovir for Preventing Hepatocellular Carcinoma in Patients with Chronic Hepatitis B: A Systematic Review and Meta‐Analysis. Hepatology, 2020. 73(1): p. 68-78., http://dx.doi.org/10.1002/hep.31267

[116]

Choi, WM, Choi, J, Lim, YS, Effects of Tenofovir vs Entecavir on Risk of Hepatocellular Carcinoma in Patients With Chronic HBV Infection: A Systematic Review and Meta-analysis.. Clin Gastroenterol Hepatol, 2021. 19 (2)(2): p. 246-258.e9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32407970/

[117]

Papatheodoridis, George V., Dalekos, George N., Idilman, Ramazan, Sypsa, Vana, Van Boemmel, Florian, Buti, Maria, et.al. Similar risk of hepatocellular carcinoma during long-term entecavir or tenofovir therapy in Caucasian patients with chronic hepatitis B. Journal of Hepatology, 2020. 73(5): p. 1037-1045., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.011

[118]

Voulgaris, Thodoris, Papatheodoridi, Margarita, Lampertico, Pietro, Papatheodoridis, George V., Clinical utility of hepatocellular carcinoma risk scores in chronic hepatitis B. Liver International, 2020. 40(3): p. 484-495., http://dx.doi.org/10.1111/liv.14334

[119]

Liaw, Yun-Fan, Raptopoulou-Gigi, Maria, Cheinquer, Hugo, Sarin, Shiv Kumar, Tanwandee, Tawesak, Leung, Nancy, et.al. Efficacy and safety of entecavir versus adefovir in chronic hepatitis B patients with hepatic decompensation: A randomized, open-label study. Hepatology, 2011. 54(1): p. 91-100., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24361

[120]

Shim, Ju Hyun, Lee, Han Chu, Kim, Kang Mo, Lim, Young-Suk, Chung, Young-Hwa, Lee, Yung Sang, et.al. Efficacy of entecavir in treatment-naïve patients with hepatitis B virus-related decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology, 2010. 52(2): p. 176-182., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2009.11.007

[121]

Chan, H. L. Y., Chen, Y. C., Gane, E. J., Sarin, S. K., Suh, D. J., Piratvisuth, T., et.al. Randomized clinical trial: efficacy and safety of telbivudine and lamivudine in treatment‐naïve patients with HBV‐related decompensated cirrhosis. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 19(10): p. 732-743., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2893.2012.01600.x

[122]

Liaw, Yun-Fan, Sung, Joseph J. Y., Chow, Wan Cheng, Farrell, Geoffrey, Lee, Cha-Ze, Yuen, Hon, et.al. Lamivudine for Patients with Chronic Hepatitis B and Advanced Liver Disease. New England Journal of Medicine, 2004. 351(15): p. 1521-1531., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa033364

[123]

Papatheodoridis, George V., Dimou, Evangelini, Dimakopoulos, Konstantinos, Manolakopoulos, Spilios, Rapti, Irene, Kitis, George, et.al. Outcome of hepatitis B e antigen-negative chronic hepatitis B on long-term nucleos(t)ide analog therapy starting with lamivudine. Hepatology, 2005. 42(1): p. 121-129., http://dx.doi.org/10.1002/hep.20760

[124]

Warner, Nadia, Locarnini, Stephen, Mechanisms of Hepatitis B Virus Resistance Development. Intervirology, 2014. 57(3-4): p. 218-224., http://dx.doi.org/10.1159/000360940

[125]

Zoulim, Fabien, Locarnini, Stephen, Hepatitis B Virus Resistance to Nucleos(t)ide Analogues. Gastroenterology, 2009. 137(5): p. 1593-1608.e2., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2009.08.063

[126]

Berg, Thomas, Zoulim, Fabien, Moeller, Bernd, Trinh, Huy, Marcellin, Patrick, Chan, Sing, et.al. Long-term efficacy and safety of emtricitabine plus tenofovir DF vs. tenofovir DF monotherapy in adefovir-experienced chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology, 2014. 60(4): p. 715-722., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2013.11.024

[127]

Lim, Young-Suk, Yoo, Byung Chul, Byun, Kwan Soo, Kwon, So Young, Kim, Yoon Jun, An, Jihyun, et.al. Tenofovir monotherapy versus tenofovir and entecavir combination therapy in adefovir-resistant chronic hepatitis B patients with multiple drug failure: results of a randomised trial. Gut, 2015. 65(6): p. 1042-1051., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2014-308435

[128]

Tenney, Daniel J., Rose, Ronald E., Baldick, Carl J., Levine, Steven M., Pokornowski, Kevin A., Walsh, Ann W., et.al. Two-Year Assessment of Entecavir Resistance in Lamivudine-Refractory Hepatitis B Virus Patients Reveals Different Clinical Outcomes Depending on the Resistance Substitutions Present. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, 2007. 51(3): p. 902-911., http://dx.doi.org/10.1128/aac.00833-06

[129]

Cathcart, Andrea L., Chan, Henry Lik-Yuen, Bhardwaj, Neeru, Liu, Yang, Marcellin, Patrick, Pan, Calvin Q., et.al. No Resistance to Tenofovir Alafenamide Detected through 96 Weeks of Treatment in Patients with Chronic Hepatitis B Infection. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, 2018. 62(10):, http://dx.doi.org/10.1128/aac.01064-18

[130]

Agarwal, Kosh, Brunetto, Maurizia, Seto, Wai Kay, Lim, Young-Suk, Fung, Scott, Marcellin, Patrick, et.al. 96 weeks treatment of tenofovir alafenamide vs. tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2018. 68(4): p. 672-681., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.039

[131]

Buti, Maria, Gane, Edward, Seto, Wai Kay, Chan, Henry L. Y., Chuang, Wan-Long, Stepanova, Tatjana, et.al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of patients with HBeAg-negative chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2016. 1(3): p. 196-206., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(16)30107-8

[132]

Chan, Henry L. Y., Fung, Scott, Seto, Wai Kay, Chuang, Wan-Long, Chen, Chi-Yi, Kim, Hyung Joon, et.al. Tenofovir alafenamide versus tenofovir disoproxil fumarate for the treatment of HBeAg-positive chronic hepatitis B virus infection: a randomised, double-blind, phase 3, non-inferiority trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2016. 1(3): p. 185-195., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(16)30024-3

[133]

Lampertico, P., Chan, H. L. Y., Janssen, H. L. A., Strasser, S. I., Schindler, R., Berg, T., Review article: long‐term safety of nucleoside and nucleotide analogues in HBV‐monoinfected patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(1): p. 16-34., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13659

[134]

Gane, Edward J., Deray, Gilbert, Liaw, Yun-Fan, Lim, Seng Gee, Lai, Ching-Lung, Rasenack, Jens, et.al. Telbivudine Improves Renal Function in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2014. 146(1): p. 138-146.e5., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2013.09.031

[135]

Cholongitas, E., Vasiliadis, T., Goulis, I., Fouzas, I., Antoniadis, N., Papanikolaou, V., et.al. Telbivudine is associated with improvement of renal function in patients transplanted for HBV liver disease. Journal of Viral Hepatitis, 2014. 22(7): p. 574-580., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12362

[136]

Ha, Nghi B., Ha, Nghiem B., Garcia, Ruel T., Trinh, Huy N., Vu, Andrew A., Nguyen, Huy A., et.al. Renal dysfunction in chronic hepatitis B patients treated with adefovir dipivoxil. Hepatology, 2009. 50(3): p. 727-734., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23044

[137]

Hui, A. Y., Chan, H. L. ‐Y, Cheung, A. Y. ‐K, Cooksley, G., Sung, J. J. ‐Y, Systematic review: treatment of chronic hepatitis B virus infection by pegylated interferon. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2005. 22(6): p. 519-528., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2005.02616.x

[138]

Liaw, Y. F., Jia, J. D., Chan, H. L. Y., Han, K. H., Tanwandee, T., Chuang, W. L., et.al. Shorter durations and lower doses of peginterferon alfa-2a are associated with inferior hepatitis B e antigen seroconversion rates in hepatitis B virus genotypes B or C. Hepatology, 2011. 54(5): p. 1591-1599., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24555

[139]

Sonneveld, Milan J., Hansen, Bettina E., Piratvisuth, Teerha, Jia, Ji-Dong, Zeuzem, Stefan, Gane, Edward, et.al. Response-guided peginterferon therapy in hepatitis B e antigen-positive chronic hepatitis B using serum hepatitis B surface antigen levels. Hepatology, 2013. 58(3): p. 872-880., http://dx.doi.org/10.1002/hep.26436

[140]

Chan, H. L. Y., Messinger, D., Papatheodoridis, G. V., Cornberg, M., Xie, Q., Piratvisuth, T., et.al. A baseline tool for predicting response to peginterferon alfa‐2a in HBeAg‐positive patients with chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 48(5): p. 547-555., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14862

[141]

Rijckborst, Vincent, Hansen, Bettina E., Ferenci, Peter, Brunetto, Maurizia R., Tabak, Fehmi, Cakaloglu, Yilmaz, et.al. Validation of a stopping rule at week 12 using HBsAg and HBV DNA for HBeAg-negative patients treated with peginterferon alfa-2a. Journal of Hepatology, 2012. 56(5): p. 1006-1011., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.12.007

[142]

Sheppard-Law, Suzanne, Zablotska-Manos, Iryna, Kermeen, Melissa, Holdaway, Susan, Lee, Alice, Zekry, Amany, et.al. Factors associated with HBV Virological Breakthrough. Antiviral Therapy, 2017. 22(1): p. 53-60., http://dx.doi.org/10.3851/imp3087

[143]

Colombatto, P, Oliveri, F, Leandro, G, Baldi, M, Capalbo, M, Rocca, G, et.al. Platelet and white blood cell counts during therapy with different types of alpha interferon in patients with chronic viral hepatitis. Investigators of the Alpha Interferon Study Group of Piemonte, Italy.. Ital J Gastroenterol Hepatol, 1997. 29 (5)(5): p. 441-7., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9494854/

[144]

Andrade, LJ, D'Oliveira, A, Silva, CA, Nunes, P, França, LS, Malta, AM, et.al. A meta-analysis of patients with chronic hepatitis C treated with interferon-alpha to determine the risk of autoimmune thyroiditis.. Acta Gastroenterol Latinoam, 2011. 41 (2)(2): p. 104-10., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21894723/

[145]

ter Borg, M. J., Hansen, B. E., Bigot, G., Haagmans, B. L., Janssen, H. L. A., ALT and viral load decline during PEG-IFN alpha-2b treatment for HBeAg-positive chronic hepatitis B. Journal of Clinical Virology, 2008. 42(2): p. 160-164., http://dx.doi.org/10.1016/j.jcv.2008.02.007

[146]

Wong, G. L. ‐H, Wong, V. W. ‐S, Chan, H. L. ‐Y, Combination therapy of interferon and nucleotide/nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Journal of Viral Hepatitis, 2014. 21(12): p. 825-834., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12341

[147]

Marcellin, Patrick, Ahn, Sang Hoon, Ma, Xiaoli, Caruntu, Florin A., Tak, Won Young, Elkashab, Magdy, et.al. Combination of Tenofovir Disoproxil Fumarate and Peginterferon α-2a Increases Loss of Hepatitis B Surface Antigen in Patients With Chronic Hepatitis B. Gastroenterology, 2016. 150(1): p. 134-144.e10., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2015.09.043

[148]

Qiu, K., Liu, B., Li, S. ‐Y, Li, H., Chen, Z. ‐W, Luo, A. ‐R, et.al. Systematic review with meta‐analysis: combination treatment of regimens based on pegylated interferon for chronic hepatitis B focusing on hepatitis B surface antigen clearance. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 47(10): p. 1340-1348., http://dx.doi.org/10.1111/apt.14629

[149]

Hongthanakorn, Chanunta, Chotiyaputta, Watcharasak, Oberhelman, Kelly, Fontana, Robert J., Marrero, Jorge A., Licari, Tracy, et.al. Virological breakthrough and resistance in patients with chronic hepatitis B receiving nucleos(t)ide analogues in clinical practice. Hepatology, 2011. 53(6): p. 1854-1863., http://dx.doi.org/10.1002/hep.24318

[150]

Yeo, Yee Hui, Ho, Hsiu J., Yang, Hwai- I., Tseng, Tai-Chung, Hosaka, Tetsuya, Trinh, Huy N., et.al. Factors Associated With Rates of HBsAg Seroclearance in Adults With Chronic HBV Infection: A Systematic Review and Meta-analysis. Gastroenterology, 2019. 156(3): p. 635-646.e9., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2018.10.027

[151]

van Vlerken, Lotte G., Arends, Pauline, Lieveld, Faydra I., Arends, Joop E., Brouwer, Willem Pieter, Siersema, Peter D., et.al. Real life adherence of chronic hepatitis B patients to entecavir treatment. Digestive and Liver Disease, 2015. 47(7): p. 577-583., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2015.03.024

[152]

Lim, YS, Gwak, GY, Choi, J, Lee, YS, Byun, KS, Kim, YJ, et.al. Monotherapy with tenofovir disoproxil fumarate for adefovir-resistant vs. entecavir-resistant chronic hepatitis B: A 5-year clinical trial.. J Hepatol, 2019. 71 (1)(1): p. 35-44., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30876946/

[153]

Shirvani-Dastgerdi, Elham, Winer, Benjamin Y., Celià-Terrassa, Toni, Kang, Yibin, Tabernero, David, Yagmur, Eray, et.al. Selection of the highly replicative and partially multidrug resistant rtS78T HBV polymerase mutation during TDF-ETV combination therapy. Journal of Hepatology, 2017. 67(2): p. 246-254., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.03.027

[154]

Park, Eun-Sook, Lee, Ah Ram, Kim, Doo Hyun, Lee, Jeong-Hoon, Yoo, Jeong-Ju, Ahn, Sung Hyun, et.al. Identification of a quadruple mutation that confers tenofovir resistance in chronic hepatitis B patients. Journal of Hepatology, 2019. 70(6): p. 1093-1102., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.02.006

[155]

Lin, Yong, Pan, Fan, Wang, Yingchao, Chen, Ziqian, Lin, Chun, Yao, Lvfeng, et.al. Adefovir dipivoxil-induced Fanconi syndrome and its predictive factors: A study of 28 cases. Oncology Letters, 2016. 13(1): p. 307-314., http://dx.doi.org/10.3892/ol.2016.5393

[156]

Seto, Wai-Kay, Asahina, Yasuhiro, Brown, Todd T., Peng, Cheng-Yuan, Stanciu, Carol, Abdurakhmanov, Dzhamal, et.al. RETRACTION: Improved Bone Safety of Tenofovir Alafenamide Compared to Tenofovir Disoproxil Fumarate Over 2 Years in Patients with Chronic HBV Infection. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2018., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2018.06.023

[157]

Fong, Tse‐Ling, Lee, Brian T., Tien, Andy, Chang, Mimi, Lim, Carolina, Ahn, Aiden, et.al. Improvement of bone mineral density and markers of proximal renal tubular function in chronic hepatitis B patients switched from tenofovir disoproxil fumarate to tenofovir alafenamide. Journal of Viral Hepatitis, 2019. 26(5): p. 561-567., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.13053

[158]

Grossi, Glenda, Loglio, Alessandro, Facchetti, Floriana, Borghi, Marta, Soffredini, Roberta, Galmozzi, Enrico, et.al. Tenofovir alafenamide as a rescue therapy in a patient with HBV-cirrhosis with a history of Fanconi syndrome and multidrug resistance. Journal of Hepatology, 2018. 68(1): p. 195-198., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.08.020

[159]

Lim, S. G., Fatal hepatitis B reactivation following discontinuation of nucleoside analogues for chronic hepatitis B. Gut, 2002. 51(4): p. 597-599., http://dx.doi.org/10.1136/gut.51.4.597

[160]

Papatheodoridis, George, Vlachogiannakos, Ioannis, Cholongitas, Evangelos, Wursthorn, Karsten, Thomadakis, Christos, Touloumi, Giota, et.al. Discontinuation of oral antivirals in chronic hepatitis B: A systematic review. Hepatology, 2016. 63(5): p. 1481-1492., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28438

[161]

Chang, M. ‐L, Liaw, Y. ‐F, Hadziyannis, S. J., Systematic review: cessation of long‐term nucleos(t)ide analogue therapy in patients with hepatitis B e antigen‐negative chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(3): p. 243-257., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13272

[162]

Perrillo, Robert P., Gish, Robert, Falck-Ytter, Yngve T., American Gastroenterological Association Institute Technical Review on Prevention and Treatment of Hepatitis B Virus Reactivation During Immunosuppressive Drug Therapy. Gastroenterology, 2015. 148(1): p. 221-244.e3., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2014.10.038

[163]

Raimondo, Giovanni, Locarnini, Stephen, Pollicino, Teresa, Levrero, Massimo, Zoulim, Fabien, Lok, Anna S., et.al. Update of the statements on biology and clinical impact of occult hepatitis B virus infection. Journal of Hepatology, 2019. 71(2): p. 397-408., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.03.034

[164]

Stelma, F., van der Ree, M. H., Jansen, L., Peters, M. W., Janssen, H. L. A., Zaaijer, H. L., et.al. HBsAg loss after peginterferon‐nucleotide combination treatment in chronic hepatitis B patients: 5 years of follow‐up. Journal of Viral Hepatitis, 2017. 24(12): p. 1107-1113., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12738

[165]

Yip, Terry Cheuk-Fung, Wong, Grace Lai-Hung, Wong, Vincent Wai-Sun, Tse, Yee-Kit, Lui, Grace Chung-Yan, Lam, Kelvin Long-Yan, et.al. Durability of hepatitis B surface antigen seroclearance in untreated and nucleos(t)ide analogue-treated patients. Journal of Hepatology, 2018. 68(1): p. 63-72., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.09.018

[166]

Roushan, M. R. H., Mohammadpour, M., Baiany, M., Soleimani, S., Bijani, A., Time to seroconversion of HBsAg to anti-HBs in individuals who lost HBsAg during follow-up. Epidemiology and Infection, 2016. 144(12): p. 2648-2653., http://dx.doi.org/10.1017/s0950268816001217

[167]

Fung, James, Lai, Ching-Lung, Tanaka, Yasuhito, Mizokami, Masashi, Yuen, John, Wong, Danny Ka-Ho, et.al. The Duration of Lamivudine Therapy for Chronic Hepatitis B: Cessation vs. Continuation of Treatment After HBeAg Seroconversion. The American Journal of Gastroenterology, 2009. 104(8): p. 1940-1946., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2009.200

[168]

Chaung, Kevin T., Ha, Nghiem B., Trinh, Huy N., Garcia, Ruel T., Nguyen, Huy A., Nguyen, Khanh K., et.al. High Frequency of Recurrent Viremia After Hepatitis B e Antigen Seroconversion and Consolidation Therapy. Journal of Clinical Gastroenterology, 2012. 46(10): p. 865-870., http://dx.doi.org/10.1097/mcg.0b013e31825ceed9

[169]

Qiu, Yuan-wang, Huang, Li-hua, Yang, Wen-long, Wang, Zhen, Zhang, Bo, Li, Yi-guang, et.al. Hepatitis B surface antigen quantification at hepatitis B e antigen seroconversion predicts virological relapse after the cessation of entecavir treatment in hepatitis B e antigen-positive patients. International Journal of Infectious Diseases, 2016. 43: p. 43-48., http://dx.doi.org/10.1016/j.ijid.2015.10.019

[170]

Chi, H., Hansen, B. E., Yim, C., Arends, P., Abu‐Amara, M., van der Eijk, A. A., et.al. Reduced risk of relapse after long‐term nucleos(t)ide analogue consolidation therapy for chronic hepatitis B. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 41(9): p. 867-876., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13150

[171]

Jung, Kyu Sik, Park, Jun Yong, Chon, Young Eun, Kim, Hyon-Suk, Kang, Wonseok, Kim, Beom Kyung, et.al. Clinical outcomes and predictors for relapse after cessation of oral antiviral treatment in chronic hepatitis B patients. Journal of Gastroenterology, 2015. 51(8): p. 830-839., http://dx.doi.org/10.1007/s00535-015-1153-1

[172]

Chen, Y. C., Peng, C. Y., Jeng, W. J., Chien, R. N., Liaw, Y. F., Clinical outcomes after interruption of entecavir therapy in HBeAg-negative chronic hepatitis B patients with compensated cirrhosis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2015. 42(10): p. 1182-1191., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13409

[173]

Höner zu Siederdissen, Christoph, Hui, Aric Josun, Sukeepaisarnjaroen, Wattana, Tangkijvanich, Pisit, Su, Wei Wen, Nieto, Gerardo Enrique Guillén, et.al. Contrasting Timing of Virological Relapse After Discontinuation of Tenofovir or Entecavir in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 218(9): p. 1480-1484., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiy350

[174]

Höner zu Siederdissen, Christoph, Rinker, Franziska, Maasoumy, Benjamin, Wiegand, Steffen B., Filmann, Natalie, Falk, Christine S., et.al. Viral and Host Responses After Stopping Long-term Nucleos(t)ide Analogue Therapy in HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(10): p. 1492-1497., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiw412

[175]

Jeng, Wen-Juei, Chen, Yi-Cheng, Sheen, I. Shyan, Lin, Chih-Lang, Hu, Tsung-Hui, Chien, Rong-Nan, et.al. Clinical Relapse After Cessation of Tenofovir Therapy in Hepatitis B e Antigen–Negative Patients. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2016. 14(12): p. 1813-1820.e1., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2016.07.002

[176]

Kuo, Ming‐Te, Hu, Tsung‐Hui, Hung, Chao‐Hung, Wang, Jing‐Houng, Lu, Sheng‐Nan, Tsai, Kai‐Lung, et.al. Hepatitis B virus relapse rates in chronic hepatitis B patients who discontinue either entecavir or tenofovir. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 49(2): p. 218-228., http://dx.doi.org/10.1111/apt.15053

[177]

Su, Tung-Hung, Yang, Hung-Chih, Tseng, Tai-Chung, Liou, Jyh-Ming, Liu, Chen-Hua, Chen, Chi-Ling, et.al. Distinct Relapse Rates and Risk Predictors After Discontinuing Tenofovir and Entecavir Therapy. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 217(8): p. 1193-1201., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jix690

[178]

Berg, Thomas, Simon, Karl-Georg, Mauss, Stefan, Schott, Eckart, Heyne, Renate, Klass, Dietmar M., et.al. Long-term response after stopping tenofovir disoproxil fumarate in non-cirrhotic HBeAg-negative patients – FINITE study. Journal of Hepatology, 2017. 67(5): p. 918-924., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2017.07.012

[179]

Papatheodoridis, George V., Rigopoulou, Eirini I., Papatheodoridi, Margarita, Zachou, Kalliopi, Xourafas, Vassilios, Gatselis, Nikolaos, et.al. DARING-B: Discontinuation of Effective Entecavir or Tenofovir Disoproxil Fumarate Long-Term Therapy before HBsAg Loss in Non-Cirrhotic HBeAg-Negative Chronic Hepatitis B. Antiviral Therapy, 2017. 23(8): p. 677-685., http://dx.doi.org/10.3851/imp3256

[180]

Hadziyannis, Stephanos J., Sevastianos, Vassilios, Rapti, Irene, Vassilopoulos, Dimitrios, Hadziyannis, Emilia, Sustained Responses and Loss of HBsAg in HBeAg-Negative Patients With Chronic Hepatitis B Who Stop Long-Term Treatment With Adefovir. Gastroenterology, 2012. 143(3): p. 629-636.e1., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2012.05.039

[181]

van Bömmel, Florian, Stein, Kerstin, Heyne, Renate, Möller, Hjördis, Petersen, Jörg, Buggisch, Peter, et.al. Response to discontinuation of long-term nucleos(t)ide analogue treatment in HBeAg negative patients: Results of the Stop-NUC trial. Journal of Hepatology, 2020. 73: p. S118-S119., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(20)30755-8

[182]

Zimmer, CL, Rinker, F, Höner Zu Siederdissen, C, Manns, MP, Wedemeyer, H, Cornberg, M, et.al. Increased NK Cell Function After Cessation of Long-Term Nucleos(t)ide Analogue Treatment in Chronic Hepatitis B Is Associated With Liver Damage and HBsAg Loss.. J Infect Dis, 2018. 217 (10)(10): p. 1656-1666., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29471497/

[183]

Rinker, F, Zimmer, CL, Höner Zu Siederdissen, C, Manns, MP, Kraft, ARM, Wedemeyer, H, et.al. Hepatitis B virus-specific T cell responses after stopping nucleos(t)ide analogue therapy in HBeAg-negative chronic hepatitis B.. J Hepatol, 2018. 69 (3)(3): p. 584-593., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29758333/

[184]

Buster, Erik H. C. J., Hansen, Bettina E., Buti, Maria, Delwaide, Jean, Niederau, Claus, Michielsen, Peter P., et.al. Peginterferon alpha-2b is safe and effective in HBeAg-positive chronic hepatitis B patients with advanced fibrosis. Hepatology, 2007. 46(2): p. 388-394., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21723

[185]

Charatcharoenwitthaya, Phunchai, Sukeepaisarnjaroen, Wattana, Piratvisuth, Teerha, Thongsawat, Satawat, Sanpajit, Theeranun, Chonprasertsuk, Soonthorn, et.al. Treatment outcomes and validation of the stopping rule for response to peginterferon in chronic hepatitis B: A Thai nationwide cohort study. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2016. 31(11): p. 1874-1881., http://dx.doi.org/10.1111/jgh.13378

[186]

Campistol, Josep M., Esforzado, Nuria, Martínez, Joaquim, Roselló, Lluís, Veciana, Lluís, Modol, Josep, et.al. Efficacy and tolerance of interferon-α2b in the treatment of chronic hepatitis C virus infection in haemodialysis patients. Pre- and post-renal transplantation assessment. Nephrology Dialysis Transplantation, 1999. 14(11): p. 2704-2709., http://dx.doi.org/10.1093/ndt/14.11.2704

[187]

Chan, Tak Mao, Ho, Stephen K. N., Tang, Colin S. O., Tse, Kai Chung, Lam, Man Fai, Lai, Kar Neng, et.al. Pilot study of pegylated interferon‐alpha 2a in dialysis patients with chronic hepatitis C virus infection. Nephrology, 2006. 12(1): p. 11-17., http://dx.doi.org/10.1111/j.1440-1797.2006.00662.x

[188]

Coppolino, Giuseppe, Simeoni, Mariadelina, Summaria, Chiara, Postorino, Maria Concetta, Rivoli, Laura, Strazzulla, Alessio, et.al. The case of chronic hepatitis B treatment with tenofovir: an update for nephrologists. Journal of Nephrology, 2015. 28(4): p. 393-402., http://dx.doi.org/10.1007/s40620-015-0214-0

[189]

Liu, Jinfeng, Wang, Jing, Qi, Caijing, Cao, Furong, Tian, Zhen, Guo, Dandan, et.al. Baseline Hepatitis B Virus Titer Predicts Initial Postpartum Hepatic Flare. Journal of Clinical Gastroenterology, 2018. 52(10): p. 902-907., http://dx.doi.org/10.1097/mcg.0000000000000877

[190]

Shang, J., Wen, Q., Wang, C. C., Liu, K., Bai, L., Tang, H., Safety and efficacy of telbivudine for chronic hepatitis B during the entire pregnancy: Long‐term follow‐up. Journal of Viral Hepatitis, 2017. 24(S1): p. 43-48., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12785

[191]

Antiretroviral Pregnancy Registry Interim Report for 1 January 1989 – 31. http://www.apregistry.com 2020; Im Internet: http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0033354918800466., January 2020*.

[192]

Yang, Mei, Qin, Qin, Fang, Qiong, Jiang, Lixin, Nie, Shaofa, Cesarean section to prevent mother-to-child transmission of hepatitis B virus in China: A meta-analysis. BMC Pregnancy and Childbirth, 2017. 17(1):, http://dx.doi.org/10.1186/s12884-017-1487-1

[193]

Chen, Hong-Lin, Cai, Ji-Yu, Song, Yi-Ping, Zha, Man-Li, Qin, Gang, Vaginal delivery and HBV mother to child transmission risk after immunoprophylaxis: A systematic review and a meta-analysis. Midwifery, 2019. 74: p. 116-125., http://dx.doi.org/10.1016/j.midw.2019.03.024

[194]

Pan, Calvin Q., Zou, Huai-Bin, Chen, Yu, Zhang, Xiaohui, Zhang, Hua, Li, Jie, et.al. Cesarean Section Reduces Perinatal Transmission of Hepatitis B Virus Infection From Hepatitis B Surface Antigen–Positive Women to Their Infants. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2013. 11(10): p. 1349-1355., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2013.04.026

[195]

Wang, Ming, Bian, Qian, Zhu, Yunxia, Pang, Qiumei, Chang, Lingzhi, Li, Ran, et.al. Real‐world study of tenofovir disoproxil fumarate to prevent hepatitis B transmission in mothers with high viral load. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2018. 49(2): p. 211-217., http://dx.doi.org/10.1111/apt.15064

[196]

Hou, Jinlin, Wang, Guiqiang, Wang, Fusheng, Cheng, Jun, Ren, Hong, Zhuang, Hui, et.al. Guideline of Prevention and Treatment for Chronic Hepatitis B (2015 Update). Journal of Clinical and Translational Hepatology, 2017. 5(4): p. 297-318., http://dx.doi.org/10.14218/jcth.2016.00019

[197]

Hou, Jinlin, Cui, Fuqiang, Ding, Yang, Dou, Xiaoguang, Duan, Zhongping, Han, Guorong, et.al. Management Algorithm for Interrupting Mother-to-Child Transmission of Hepatitis B Virus. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2019. 17(10): p. 1929-1936.e1., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2018.10.007

[198]

Hu, Xiaotong, Wang, Liming, Xu, Fujie, Guides concerning tenofovir exposure via breastfeeding: A comparison of drug dosages by developmental stage. International Journal of Infectious Diseases, 2019. 87: p. 8-12., http://dx.doi.org/10.1016/j.ijid.2019.07.023

[199]

Ehrhardt, S., Xie, C., Guo, N., Nelson, K., Thio, C. L., Breastfeeding While Taking Lamivudine or Tenofovir Disoproxil Fumarate: A Review of the Evidence. Clinical Infectious Diseases, 2014. 60(2): p. 275-278., http://dx.doi.org/10.1093/cid/ciu798

[200]

Mofenson, Lynne M., Baggaley, Rachel C., Mameletzis, Ioannis, Tenofovir disoproxil fumarate safety for women and their infants during pregnancy and breastfeeding. AIDS, 2017. 31(2): p. 213-232., http://dx.doi.org/10.1097/qad.0000000000001313

[201]

Mugwanya, Kenneth K., John-Stewart, Grace, Baeten, Jared, Safety of oral tenofovir disoproxil fumarate-based HIV pre-exposure prophylaxis use in lactating HIV-uninfected women. Expert Opinion on Drug Safety, 2017. 16(7): p. 867-871., http://dx.doi.org/10.1080/14740338.2017.1338271

[202]

Shi, Zhongjie, Breastfeeding of Newborns by Mothers Carrying Hepatitis B Virus. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 2011. 165(9): p. 837., http://dx.doi.org/10.1001/archpediatrics.2011.72

[203]

Paul, Sonali, Dickstein, Aaron, Saxena, Akriti, Terrin, Norma, Viveiros, Kathleen, Balk, Ethan M., et.al. Role of surface antibody in hepatitis B reactivation in patients with resolved infection and hematologic malignancy: A meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(2): p. 379-388., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29082

[204]

Pérez-Alvarez, Roberto, Díaz-Lagares, Cándido, García-Hernández, Francisco, Lopez-Roses, Leopoldo, Brito-Zerón, Pilar, Pérez-de-Lis, Marta, et.al. Hepatitis B Virus (HBV) Reactivation in Patients Receiving Tumor Necrosis Factor (TNF)-Targeted Therapy. Medicine, 2011. 90(6): p. 359-371., http://dx.doi.org/10.1097/md.0b013e3182380a76

[205]

Voican, C. S., Mir, O., Loulergue, P., Dhooge, M., Brezault, C., Dréanic, J., et.al. Hepatitis B virus reactivation in patients with solid tumors receiving systemic anticancer treatment. Annals of Oncology, 2016. 27(12): p. 2172-2183., http://dx.doi.org/10.1093/annonc/mdw414

[206]

Mallet, Vincent, van Bömmel, Florian, Doerig, Christopher, Pischke, Sven, Hermine, Olivier, Locasciulli, Anna, et.al. Management of viral hepatitis in patients with haematological malignancy and in patients undergoing haemopoietic stem cell transplantation: recommendations of the 5th European Conference on Infections in Leukaemia (ECIL-5). The Lancet Infectious Diseases, 2016. 16(5): p. 606-617., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(16)00118-3

[207]

Barone, Michele, Notarnicola, Antonella, Lopalco, Giuseppe, Viggiani, Maria Teresa, Sebastiani, Francesco, Covelli, Michele, et.al. Safety of long‐term biologic therapy in rheumatologic patients with a previously resolved hepatitis B viral infection. Hepatology, 2015. 62(1): p. 40-46., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27716

[208]

Kirito, Keita, Sakamoto, Minoru, Enomoto, Nobuyuki, Elevation of the Hepatitis B Virus DNA during the Treatment of Polycythemia Vera with the JAK Kinase Inhibitor Ruxolitinib. Internal Medicine, 2016. 55(10): p. 1341-1344., http://dx.doi.org/10.2169/internalmedicine.55.5529

[209]

Caocci, G., Murgia, F., Podda, L., Solinas, A., Atzeni, S., La Nasa, G., Reactivation of hepatitis B virus infection following ruxolitinib treatment in a patient with myelofibrosis. Leukemia, 2013. 28(1): p. 225-227., http://dx.doi.org/10.1038/leu.2013.235

[210]

Lee, Pei-Chang, Chao, Yee, Chen, Ming-Huang, Lan, Keng-Hsin, Lee, I. Cheng, Hou, Ming-Chih, et.al. Risk of HBV reactivation in patients with immune checkpoint inhibitor-treated unresectable hepatocellular carcinoma. Journal for ImmunoTherapy of Cancer, 2020. 8(2): p. e001072., http://dx.doi.org/10.1136/jitc-2020-001072

[211]

Gane, Edward, Verdon, Daniel J., Brooks, Anna E., Gaggar, Anuj, Nguyen, Anh Hoa, Subramanian, G. Mani, et.al. Anti-PD-1 blockade with nivolumab with and without therapeutic vaccination for virally suppressed chronic hepatitis B: A pilot study. Journal of Hepatology, 2019. 71(5): p. 900-907., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.06.028

[212]

Godbert, Benoit, Petitpain, Nadine, Lopez, Anthony, Nisse, Yann-Eric, Gillet, Pierre, Hepatitis B reactivation and immune check point inhibitors. Digestive and Liver Disease, 2021. 53(4): p. 452-455., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2020.08.041

[213]

Ekpanyapong, Sirina, Reddy, K. Rajender, Hepatitis B Virus Reactivation. Clinics in Liver Disease, 2020. 24(3): p. 317-333., http://dx.doi.org/10.1016/j.cld.2020.04.002

[214]

Huang, Shengyu, Xia, Yong, Lei, Zhengqing, Zou, Qifei, Li, Jun, Yang, Tian, et.al. Antiviral Therapy Inhibits Viral Reactivation and Improves Survival after Repeat Hepatectomy for Hepatitis B Virus-Related Recurrent Hepatocellular Carcinoma. Journal of the American College of Surgeons, 2017. 224(3): p. 283-293e4., http://dx.doi.org/10.1016/j.jamcollsurg.2016.11.009

[215]

Jang, Jeong Won, Kim, Young Woon, Lee, Sung Won, Kwon, Jung Hyun, Nam, Soon Woo, Bae, Si Hyun, et.al. Reactivation of Hepatitis B Virus in HBsAg-Negative Patients with Hepatocellular Carcinoma. PLOS ONE, 2015. 10(4): p. e0122041., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0122041

[216]

Lao, Xiang-Ming, Luo, Guangyu, Ye, Liang-Tao, Luo, Cheng, Shi, Ming, Wang, Dian, et.al. Effects of antiviral therapy on hepatitis B virus reactivation and liver function after resection or chemoembolization for hepatocellular carcinoma. Liver International, 2013. 33(4): p. 595-604., http://dx.doi.org/10.1111/liv.12112

[217]

Yoo, Sun Hong, Jang, Jeong Won, Kwon, Jung Hyun, Jung, Seung Min, Jang, Bohyun, Choi, Jong Young, Preemptive antiviral therapy with entecavir can reduce acute deterioration of hepatic function following transarterial chemoembolization. Clinical and Molecular Hepatology, 2016. 22(4): p. 458-465., http://dx.doi.org/10.3350/cmh.2016.0054

[218]

Huang, He, Li, Xueying, Zhu, Jun, Ye, Sheng, Zhang, Hongyu, Wang, Wei, et.al. Entecavir vs Lamivudine for Prevention of Hepatitis B Virus Reactivation Among Patients With Untreated Diffuse Large B-Cell Lymphoma Receiving R-CHOP Chemotherapy. JAMA, 2014. 312(23): p. 2521., http://dx.doi.org/10.1001/jama.2014.15704

[219]

Zhang, Min-Yue, Zhu, Gui-Qi, Shi, Ke-Qing, Zheng, Ji-Na, Cheng, Zhang, Zou, Zhuo-Lin, et.al. Systematic review with network meta-analysis: Comparative efficacy of oral nucleos(t)ide analogues for the prevention of chemotherapy-induced hepatitis B virus reactivation. Oncotarget, 2016. 7(21): p. 30642-30658., http://dx.doi.org/10.18632/oncotarget.8907

[220]

Grossi, Glenda, Viganò, Mauro, Facchetti, Floriana, Labanca, Sara, Loglio, Alessandro, Dodero, Anna, et.al. Failure of long-term lamivudine prophylaxis in patients with resolved hepatitis B infection undergoing chemotherapy and allogenic hematopoietic stem cell transplantation for hematological malignancies: two case reports. Haematologica, 2017. 102(10): p. e423-e426., http://dx.doi.org/10.3324/haematol.2017.168609

[221]

Buti, María, Manzano, María L., Morillas, Rosa M., García-Retortillo, Montserrat, Martín, Leticia, Prieto, Martín, et.al. Randomized prospective study evaluating tenofovir disoproxil fumarate prophylaxis against hepatitis B virus reactivation in anti-HBc-positive patients with rituximab-based regimens to treat hematologic malignancies: The Preblin study. PLOS ONE, 2017. 12(9): p. e0184550., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0184550

[222]

Nakaya, Aya, Fujita, Shinya, Satake, Atsushi, Nakanishi, Takahisa, Azuma, Yoshiko, Tsubokura, Yukie, et.al. Delayed HBV reactivation in rituximab-containing chemotherapy: How long should we continue anti-virus prophylaxis or monitoring HBV-DNA?. Leukemia Research, 2016. 50: p. 46-49., http://dx.doi.org/10.1016/j.leukres.2016.09.014

[223]

Liaw, Yun-Fan, Sheen, I. Shyan, Lee, Chuan-Mo, Akarca, Ulus Salih, Papatheodoridis, George V., Suet-Hing Wong, Florence, et.al. Tenofovir disoproxil fumarate (TDF), emtricitabine/TDF, and entecavir in patients with decompensated chronic hepatitis B liver disease. Hepatology, 2010. 53(1): p. 62-72., http://dx.doi.org/10.1002/hep.23952

[224]

Jang, Jeong Won, Choi, Jong Young, Kim, Young Seok, Woo, Hyun Young, Choi, Sung Kyu, Lee, Chang Hyeong, et.al. Long‐term effect of antiviral therapy on disease course after decompensation in patients with hepatitis B virus–related cirrhosis. Hepatology, 2015. 61(6): p. 1809-1820., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27723

[225]

Peng, Cheng-Yuan, Chien, Rong-Nan, Liaw, Yun-Fan, Hepatitis B virus-related decompensated liver cirrhosis: Benefits of antiviral therapy. Journal of Hepatology, 2012. 57(2): p. 442-450., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.02.033

[226]

Burra, Patrizia, Germani, Giacomo, Adam, Renè, Karam, Vincent, Marzano, Alfredo, Lampertico, Pietro, et.al. Liver transplantation for HBV-related cirrhosis in Europe: An ELTR study on evolution and outcomes. Journal of Hepatology, 2013. 58(2): p. 287-296., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2012.10.016

[227]

De Simone, Paolo, Romagnoli, Renato, Tandoi, Francesco, Carrai, Paola, Ercolani, Giorgio, Peri, Eugenia, et.al. Early Introduction of Subcutaneous Hepatitis B Immunoglobulin Following Liver Transplantation for Hepatitis B Virus Infection. Transplantation, 2016. 100(7): p. 1507-1512., http://dx.doi.org/10.1097/tp.0000000000001171

[228]

Manini, Matteo A., Whitehouse, Gavin, Bruce, Matthew, Passerini, Matteo, Lim, Tiong Y., Carey, Ivana, et.al. Entecavir or tenofovir monotherapy prevents HBV recurrence in liver transplant recipients: A 5-year follow-up study after hepatitis B immunoglobulin withdrawal. Digestive and Liver Disease, 2018. 50(9): p. 944-953., http://dx.doi.org/10.1016/j.dld.2018.03.032

[229]

Zheng, Ji-Na, Zou, Tian-Tian, Zou, Hai, Zhu, Gui-Qi, Ruan, Lu-Yi, Cheng, Zhang, et.al. Comparative efficacy of oral nucleotide analogues for the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation: a network meta-analysis. Expert Review of Anti-infective Therapy, 2016. 14(10): p. 979-987., http://dx.doi.org/10.1080/14787210.2016.1220831

[230]

Cholongitas, E., Papatheodoridis, G. V., High Genetic Barrier Nucleos(t)ide Analogue(s) for Prophylaxis From Hepatitis B Virus Recurrence After Liver Transplantation: A Systematic Review. American Journal of Transplantation, 2013. 13(2): p. 353-362., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2012.04315.x

[231]

Choudhary, N. S., Saraf, N., Saigal, S., Mohanka, R., Rastogi, A., Goja, S., et.al. Low‐dose short‐term hepatitis B immunoglobulin with high genetic barrier antivirals: the ideal post‐transplant hepatitis B virus prophylaxis?. Transplant Infectious Disease, 2015. 17(3): p. 329-333., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12369

[232]

Fernández, I., Loinaz, C., Hernández, O., Abradelo, M., Manrique, A., Calvo, J., et.al. Tenofovir/entecavir monotherapy after hepatitis B immunoglobulin withdrawal is safe and effective in the prevention of hepatitis B in liver transplant recipients. Transplant Infectious Disease, 2015. 17(5): p. 695-701., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12434

[233]

Sripongpun, Pimsiri, Mannalithara, Ajitha, Kwo, Paul Y., Kim, W. Ray, Potential Benefits of Switching Liver Transplant Recipients to Tenofovir Alafenamide Prophylaxis. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2020. 18(3): p. 747-749., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2019.05.057

[234]

Lens, Sabela, García‐Eliz, María, Fernández, Inmaculada, Castells, Lluis, Bonacci, Martin, Mas, Antoni, et.al. Shorter hepatitis B immunoglobulin administration is not associated to hepatitis B virus recurrence when receiving combined prophylaxis after liver transplantation. Liver International, 2018. 38(11): p. 1940-1950., http://dx.doi.org/10.1111/liv.13858

[235]

Terrault, Norah, Editorial: Prophylaxis in HBV-Infected Liver Transplant Patients: End of the HBIG Era?. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(6): p. 949-951., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2013.122

[236]

Wang, Peijie, Tam, Ngalei, Wang, Haochen, Zheng, Huanwei, Chen, Philip, Wu, Linwei, et.al. Is Hepatitis B Immunoglobulin Necessary in Prophylaxis of Hepatitis B Recurrence after Liver Transplantation? A Meta-Analysis. PLoS ONE, 2014. 9(8): p. e104480., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0104480

[237]

Weber, Nicholas K., Forman, Lisa M., Trotter, James F., HBIg Discontinuation with Maintenance Oral Anti-viral Therapy and HBV Vaccination in Liver Transplant Recipients. Digestive Diseases and Sciences, 2009. 55(2): p. 505-509., http://dx.doi.org/10.1007/s10620-009-0999-6

[238]

Wong, Stephen N., Chu, Chi-Jen, Wai, Chun-Tao, Howell, Terese, Moore, Charles, Fontana, Robert J., et.al. Low risk of hepatitis B virus recurrence after withdrawal of long-term hepatitis B immunoglobulin in patients receiving maintenance nucleos(t)ide analogue therapy. Liver Transplantation, 2007. 13(3): p. 374-381., http://dx.doi.org/10.1002/lt.21041

[239]

Fung, James, Chan, See-Ching, Cheung, Cindy, Yuen, Man-Fung, Chok, Kenneth Siu-Ho, Sharr, William, et.al. Oral Nucleoside/Nucleotide Analogs Without Hepatitis B Immune Globulin After Liver Transplantation for Hepatitis B. American Journal of Gastroenterology, 2013. 108(6): p. 942-948., http://dx.doi.org/10.1038/ajg.2013.111

[240]

Idilman, Ramazan, Akyildiz, Murat, Keskin, Onur, Gungor, Gokhan, Yilmaz, Tonguc U., Kalkan, Cagdas, et.al. The long‐term efficacy of combining nucleos(t)ide analog and low‐dose hepatitis B immunoglobulin on post‐transplant hepatitis B virus recurrence. Clinical Transplantation, 2016. 30(10): p. 1216-1221., http://dx.doi.org/10.1111/ctr.12804

[241]

Karlas, T., Hartmann, J., Weimann, A., Maier, M., Bartels, M., Jonas, S., et.al. Prevention of lamivudine‐resistant hepatitis B recurrence after liver transplantation with entecavir plus tenofovir combination therapy and perioperative hepatitis B immunoglobulin only. Transplant Infectious Disease, 2010. 13(3): p. 299-302., http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-3062.2010.00591.x

[242]

Fox, Alyson N., Terrault, Norah A., Individualizing hepatitis B infection prophylaxis in liver transplant recipients. Journal of Hepatology, 2011. 55(3): p. 507-509., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2011.04.002

[243]

Cholongitas, E., Goulis, I., Antoniadis, N., Fouzas, I., Imvrios, G., Giakoustidis, D., et.al. Nucleos(t)ide analog(s) prophylaxis after hepatitis B immunoglobulin withdrawal against hepatitis B and D recurrence after liver transplantation. Transplant Infectious Disease, 2016. 18(5): p. 667-673., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12575

[244]

Roche, Bruno, Samuel, Didier, Liver Transplantation in Delta Virus Infection. Seminars in Liver Disease, 2012. 32(03): p. 245-255., http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1323630

[245]

Kasraianfard, Amir, Watt, Kymberly D., Lindberg, Lance, Alexopoulos, Sophoclis, Rezaei, Nima, HBIG Remains Significant in the Era of New Potent Nucleoside Analogues for Prophylaxis Against Hepatitis B Recurrence After Liver Transplantation. International Reviews of Immunology, 2014. p. 1-13., http://dx.doi.org/10.3109/08830185.2014.921160

[246]

Radhakrishnan, Kavita, Chi, Aileen, Quan, David J., Roberts, John P., Terrault, Norah A., Short Course of Postoperative Hepatitis B Immunoglobulin Plus Antivirals Prevents Reinfection of Liver Transplant Recipients. Transplantation, 2017. 101(9): p. 2079-2082., http://dx.doi.org/10.1097/tp.0000000000001786

[247]

Teperman, Lewis W., Poordad, Fred, Bzowej, Natalie, Martin, Paul, Pungpapong, Surakit, Schiano, Thomas, et.al. Randomized trial of emtricitabine/tenofovir disoproxil fumarate after hepatitis B immunoglobulin withdrawal after liver transplantation. Liver Transplantation, 2013. 19(6): p. 594-601., http://dx.doi.org/10.1002/lt.23628

[248]

Rosenau, Jens, Hooman, Nazanin, Rifai, Kinan, Solga, Therese, Tillmann, Hans L., Grzegowski, Edith, et.al. Hepatitis B virus immunization with an adjuvant containing vaccine after liver transplantation for hepatitis B-related disease: failure of humoral and cellular immune response. Transplant International, 2006. 19(10): p. 828-833., http://dx.doi.org/10.1111/j.1432-2277.2006.00374.x

[249]

Sánchez-Fueyo, Alberto, Rimola, Antoni, Grande, Luis, Costa, Josep, Mas, Antoni, Navasa, Miguel, et.al. Hepatitis B immunoglobulin discontinuation followed by hepatitis B virus vaccination: A new strategy in the prophylaxis of hepatitis B virus recurrence after liver transplantation. Hepatology, 2000. 31(2): p. 496-501., http://dx.doi.org/10.1002/hep.510310233

[250]

Stärkel, Peter, Stoffel, Michel, Lerut, Jan, Horsmans, Yves, Response to an experimental HBV vaccine permits withdrawal of HBIg prophylaxis in fulminant and selected chronic HBV-infected liver graft recipients. Liver Transplantation, 2005. 11(10): p. 1228-1234., http://dx.doi.org/10.1002/lt.20464

[251]

Margreiter, Raimund, Kramar, Reinhard, Huber, Christoph, Steiner, Ekkehard, Niederwieser, Dietger, Judmaier, Gerd, et.al. COMBINED LIVER AND KIDNEY TRANSPLANTATION. The Lancet, 1984. 323(8385): p. 1077-1078., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(84)91486-7

[252]

Ruiz, Richard, Long-term Analysis of Combined Liver and Kidney Transplantation at a Single Center. Archives of Surgery, 2006. 141(8): p. 735., http://dx.doi.org/10.1001/archsurg.141.8.735

[253]

Kirchner, Gabriele I., Rifai, Kinan, Cantz, Tobias, Nashan, Bjoern, Terkamp, Christoph, Becker, Thomas, et.al. Outcome and quality of life in patients with polycystic liver disease after liver or combined liver-kidney transplantation. Liver Transplantation, 2006. 12(8): p. 1268-1277., http://dx.doi.org/10.1002/lt.20780

[254]

Jalanko, Hannu, Pakarinen, Mikko, Combined liver and kidney transplantation in children. Pediatric Nephrology, 2013. 29(5): p. 805-814., http://dx.doi.org/10.1007/s00467-013-2487-7

[255]

Pöge, Uwe, Gerhardta, Thomas, Palmedo, Holger, Klehr, Hans-Ulrich, Sauerbruch, Tilman, Woitas, Rainer P., MDRD Equations for Estimation of GFR in Renal Transplant Recipients. American Journal of Transplantation, 2005. 5(6): p. 1306-1311., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2005.00861.x

[256]

Neumann, Ulf P., Lang, Martina, Moldenhauer, Anja, Langrehr, Jan M., Glanemann, Matthias, Kahl, Andreas, et.al. SIGNIFICANCE OF A T-LYMPHOCYTOTOXIC CROSSMATCH IN LIVER AND COMBINED LIVER-KIDNEY TRANSPLANTATION. Transplantation, 2001. 71(8): p. 1163-1168., http://dx.doi.org/10.1097/00007890-200104270-00025

[257]

Olausson, M., Mjörnstedt, L., Nordén, G., Rydberg, L., Mölne, J., Bäckman, L., et.al. Successful Combined Partial Auxiliary Liver and Kidney Transplantation in Highly Sensitized Cross-Match Positive Recipients. American Journal of Transplantation, 2007. 7(1): p. 130-136., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2006.01592.x

[258]

Hwang, Jessica P., Lok, Anna S. F., Management of patients with hepatitis B who require immunosuppressive therapy. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology, 2013. 11(4): p. 209-219., http://dx.doi.org/10.1038/nrgastro.2013.216

[259]

Kanaan, Nada, Kabamba, Benoit, Maréchal, Céline, Pirson, Yves, Beguin, Claire, Goffin, Eric, et.al. Significant rate of hepatitis B reactivation following kidney transplantation in patients with resolved infection. Journal of Clinical Virology, 2012. 55(3): p. 233-238., http://dx.doi.org/10.1016/j.jcv.2012.07.015

[260]

Loomba, Rohit, Liang, T. Jake, Hepatitis B Reactivation Associated With Immune Suppressive and Biological Modifier Therapies: Current Concepts, Management Strategies, and Future Directions. Gastroenterology, 2017. 152(6): p. 1297-1309., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.02.009

[261]

Shang, J., Wang, H., Sun, J., Fan, Z., Huang, F., Zhang, Y., et.al. A comparison of lamivudine vs entecavir for prophylaxis of hepatitis B virus reactivation in allogeneic hematopoietic stem cell transplantation recipients: a single-institutional experience. Bone Marrow Transplantation, 2016. 51(4): p. 581-586., http://dx.doi.org/10.1038/bmt.2015.328

[262]

Seto, Wai‐Kay, Chan, Thomas Sau‐Yan, Hwang, Yu‐Yan, Wong, Danny Ka‐Ho, Fung, James, Liu, Kevin Sze‐Hang, et.al. Hepatitis B reactivation in occult viral carriers undergoing hematopoietic stem cell transplantation: A prospective study. Hepatology, 2017. 65(5): p. 1451-1461., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29022

[263]

O'Grady, John, The immunoreactive patient: Rejection and autoimmune disease. Liver Transplantation, 2011. 17(S3): p. S29-S33., http://dx.doi.org/10.1002/lt.22413

[264]

Skagen, Catherine L., Jou, Janice H., Said, Adnan, Risk of de novo hepatitis in liver recipients from hepatitis‐B core antibody‐positive grafts – a systematic analysis. Clinical Transplantation, 2011. 25(3):, http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-0012.2011.01409.x

[265]

Huprikar, S., Danziger-Isakov, L., Ahn, J., Naugler, S., Blumberg, E., Avery, R. K., et.al. Solid Organ Transplantation From Hepatitis B Virus–Positive Donors: Consensus Guidelines for Recipient Management. American Journal of Transplantation, 2015. 15(5): p. 1162-1172., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.13187

[266]

Wright, A. J., Fishman, J. A., Chung, R. T., Lamivudine Compared With Newer Antivirals for Prophylaxis of Hepatitis B Core Antibody Positive Livers: A Cost-Effectiveness Analysis. American Journal of Transplantation, 2014. 14(3): p. 629-634., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.12598

[267]

Leong, Jennifer, Coty, Patrick, Fiel, M. Isabel, Chang, Charissa, Florman, Sander, Schiano, Thomas, Lamivudine resistance leading to de novo hepatitis B infection in recipients of hepatitis B core antibody positive liver allografts. Hepatology Research, 2013. 44(12): p. 1248-1252., http://dx.doi.org/10.1111/hepr.12249

[268]

Chang, Matthew S., Olsen, Sonja K., Pichardo, Elsa M., Stiles, Jessica B., Rosenthal-Cogan, Lori, Brubaker, William D., et.al. Prevention of De Novo Hepatitis B in Recipients of Core Antibody-Positive Livers With Lamivudine and Other Nucleos(t)ides. Transplantation, 2013. 95(7): p. 960-965., http://dx.doi.org/10.1097/tp.0b013e3182845f97

[269]

Chotiyaputta, Watcharasak, Pelletier, Shawn J., Fontana, Robert J., Lok, Anna S. F., Long-term efficacy of nucleoside monotherapy in preventing HBV infection in HBsAg-negative recipients of anti-HBc-positive donor livers. Hepatology International, 2010. 4(4): p. 707-715., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-010-9188-0

[270]

Verna, Elizabeth C., Vaccination to prevent de novo hepatitis B: Are there patients who do not need antiviral prophylaxis?. Liver Transplantation, 2017. 23(10): p. 1253-1254., http://dx.doi.org/10.1002/lt.24858

[271]

Wang, Shih‐Ho, Loh, Poh‐Yen, Lin, Ting‐Lung, Lin, Li‐Man, Li, Wei‐Feng, Lin, Yu‐Hung, et.al. Active immunization for prevention of De novo hepatitis B virus infection after adult living donor liver transplantation with a hepatitis B core antigen–positive graft. Liver Transplantation, 2017. 23(10): p. 1266-1272., http://dx.doi.org/10.1002/lt.24814

[272]

Yamashiki, Noriyo, Yoshizawa, Atsushi, Ueda, Yoshihide, Kaido, Toshimi, Okajima, Hideaki, Marusawa, Hiroyuki, et.al. The use of hepatitis B immunoglobulin with or without hepatitis B vaccine to prevent de novo hepatitis B in pediatric recipients of anti‐HBc–positive livers. Pediatric Transplantation, 2018. 22(5):, http://dx.doi.org/10.1111/petr.13227

[273]

Yang, Anli, Guo, Zhiyong, Ren, Qingqi, Wu, Linwei, Ma, Yi, Hu, Anbin, et.al. Active immunization in patients transplanted for hepatitis B virus related liver diseases: A prospective study. PLOS ONE, 2017. 12(11): p. e0188190., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0188190

[274]

Yoshizawa, Atsushi, Yamashiki, Noriyo, Ueda, Yoshihide, Kaido, Toshimi, Okajima, Hideaki, Marusawa, Hiroyuki, et.al. Long-term efficacy of hepatitis B vaccination as post-transplant prophylaxis in hepatitis B surface antigen (HBsAg) positive recipients and HBsAg negative recipients of anti-hepatitis B core positive grafts. Hepatology Research, 2015. 46(6): p. 541-551., http://dx.doi.org/10.1111/hepr.12586

[275]

Mahboobi, N., Tabatabaei, S. V., Blum, H. E., Alavian, S. M., Renal grafts from anti-hepatitis B core-positive donors: a quantitative review of the literature. Transplant Infectious Disease, 2012. 14(5): p. 445-451., http://dx.doi.org/10.1111/j.1399-3062.2012.00782.x

[276]

Manickam, P., Krishnamoorthi, R., Kanaan, Z., Gunasekaran, P. K., Cappell, M. S., Prognostic implications of recipient or donor hepatitis B seropositivity in thoracic transplantation: analysis of 426 hepatitis B surface antigen‐positive recipients. Transplant Infectious Disease, 2014. 16(4): p. 597-604., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12256

[277]

Satterthwaite, Roger, Ozgu, Isik, Shidban, Hamid, Aswad, Saleh, Sunga, Victor, Zapanta, Ramulfo, et.al. RISKS OF TRANSPLANTING KIDNEYS FROM HEPATITIS B SURFACE ANTIGEN-NEGATIVE, HEPATITIS B CORE ANTIBODY-POSITIVE DONORS1,2. Transplantation, 1997. 64(3): p. 432-435., http://dx.doi.org/10.1097/00007890-199708150-00011

[278]

Saidi, R. F., Jabbour, N., Shah, S. A., Li, Y. F., Bozorgzadeh, A., Liver Transplantation From Hepatitis B Surface Antigen-Positive Donors. Transplantation Proceedings, 2013. 45(1): p. 279-280., http://dx.doi.org/10.1016/j.transproceed.2012.05.077

[279]

Yu, Songfeng, Yu, Jun, Zhang, Wei, Cheng, Longyu, Ye, Yufu, Geng, Lei, et.al. Safe use of liver grafts from hepatitis B surface antigen positive donors in liver transplantation. Journal of Hepatology, 2014. 61(4): p. 809-815., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2014.05.003

[280]

Jiang, H., Wu, J., Zhang, X., Wu, D., Huang, H., He, Q., et.al. Kidney Transplantation from Hepatitis B Surface Antigen Positive Donors into Hepatitis B Surface Antibody Positive Recipients: A Prospective Nonrandomized Controlled Study from a Single Center. American Journal of Transplantation, 2009. 9(8): p. 1853-1858., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2009.02707.x

[281]

Chancharoenthana, W., Townamchai, N., Pongpirul, K., Kittiskulnam, P., Leelahavanichkul, A., Avihingsanon, Y., et.al. The Outcomes of Kidney Transplantation in Hepatitis B Surface Antigen (HBsAg)–Negative Recipients Receiving Graft From HBsAg-Positive Donors: A Retrospective, Propensity Score-Matched Study. American Journal of Transplantation, 2014. 14(12): p. 2814-2820., http://dx.doi.org/10.1111/ajt.12921

[282]

Magiorkinis, E., Paraskevis, D., Pavlopoulou, I. D., Kantzanou, M., Haida, C., Hatzakis, A., et.al. Renal transplantation from hepatitis B surface antigen (HBsAg)‐positive donors to HBsAg‐negative recipients: a case of post‐transplant fulminant hepatitis associated with an extensively mutated hepatitis B virus strain and review of the current literature. Transplant Infectious Disease, 2013. 15(4): p. 393-399., http://dx.doi.org/10.1111/tid.12094

[283]

Giaccone, Luisa, Festuccia, Moreno, Marengo, Andrea, Resta, Isabel, Sorasio, Roberto, Pittaluga, Fabrizia, et.al. Hepatitis B Virus Reactivation and Efficacy of Prophylaxis with Lamivudine in Patients Undergoing Allogeneic Stem Cell Transplantation. Biology of Blood and Marrow Transplantation, 2010. 16(6): p. 809-817., http://dx.doi.org/10.1016/j.bbmt.2009.12.533

[284]

Lau, George K. K., Lie, Albert K. W., Kwong, Yok Lam, Lee, Cheuk Kwong, Hou, Jinlin, Lau, Yu Lung, et.al. A case-controlled study on the use of HBsAg-positive donors for allogeneic hematopoietic cell transplantation. Blood, 2000. 96(2): p. 452-458., http://dx.doi.org/10.1182/blood.v96.2.452.014k13_452_458

[285]

Hui, Chee-kin, Lie, Albert, Au, Wing-yan, Ma, Shing-yan, Leung, Yu-Hung, Zhang, Hai-ying, et.al. Effectiveness of Prophylactic Anti-HBV Therapy in Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation with HBsAg Positive Donors. American Journal of Transplantation, 2005. 5(6): p. 1437-1445., http://dx.doi.org/10.1111/j.1600-6143.2005.00887.x

[286]

Franchello, Alessandro, Ghisetti, Valeria, Marzano, Alfredo, Romagnoli, Renato, Salizzoni, Mauro, Transplantation of hepatitis B surface antigen-positive livers into hepatitis B virus-positive recipients and the role of hepatitis delta coinfection. Liver Transplantation, 2005. 11(8): p. 922-928., http://dx.doi.org/10.1002/lt.20471

[287]

Kim, Kyun‐Hwan, Ahn, Sang Hoon, Chung, Hyo Young, Paik, Yong Han, Lee, Kwan Sik, Kim, Yu Seun, et.al. Hepatitis B virus infection after renal transplantation in the presence of antibody to hepatitis B surface antigen immunity. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2004. 19(8): p. 847-853., http://dx.doi.org/10.1111/j.1440-1746.2003.03303.x

[288]

Su, Wei-Ju, Ho, Ming-Chih, Ni, Yen-Hsuan, Chen, Huey-Ling, Hu, Rey-Heng, Wu, Yao-Ming, et.al. High-Titer Antibody to Hepatitis B Surface Antigen Before Liver Transplantation Can Prevent De Novo Hepatitis B Infection. Journal of Pediatric Gastroenterology & Nutrition, 2009. 48(2): p. 203-208., http://dx.doi.org/10.1097/mpg.0b013e3181819ad4

[289]

Gutierrez Domingo, I., Pascasio Acevedo, J. M., Alcalde Vargas, A., Ramos Cuadra, A., Ferrer Ríos, M. T., Sousa Martin, J. M., et.al. Response to Vaccination Against Hepatitis B Virus with a Schedule of Four 40-μg Doses in Cirrhotic Patients Evaluated for Liver Transplantation: Factors Associated with a Response. Transplantation Proceedings, 2012. 44(6): p. 1499-1501., http://dx.doi.org/10.1016/j.transproceed.2012.05.071

[290]

Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Epidemiol Bull 2020; 34. Im Internet: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/34_20.pdf?__blob=publicationFile, 2020.

[291]

Hilgendorf, Inken, Freund, Mathias, Jilg, Wolfgang, Einsele, Hermann, Gea-Banacloche, Juan, Greinix, Hildegard, et.al. Vaccination of allogeneic haematopoietic stem cell transplant recipients: Report from the International Consensus Conference on Clinical Practice in chronic GVHD. Vaccine, 2011. 29(16): p. 2825-2833., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2011.02.018

[292]

Kim, David K., Riley, Laura E., Harriman, Kathleen H., Hunter, Paul, Bridges, Carolyn B., Advisory Committee on Immunization Practices Recommended Immunization Schedule for Adults Aged 19 Years or Older — United States, 2017. MMWR. Morbidity and Mortality Weekly Report, 2017. 66(5): p. 136-138., http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm6605e2

[293]

Use of hepatitis B vaccination for adults with diabetes mellitus: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP).. MMWR Morb Mortal Wkly Rep, 2011. 60 (50)(50): p. 1709-11., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22189894/

[294]

World Health Organization. Global health sector strategy on viral hepatitis 2016-2021. Glob Hepat Program Dep HIV/AIDS 2016; 56, 2016.

[295]

Cornberg, M., Protzer, U., Dollinger, M., Petersen, J., Wedemeyer, H., Berg, T., et.al. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-(HBV-)Infektion: „Upgrade” der Leitlinie, AWMF-Register-Nr.: 021/011. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2007. 45(6): p. 525-574., http://dx.doi.org/10.1055/s-2007-963232

[296]

Heidrich, Benjamin, Cetindere, Ahmet, Beyaz, Mustafa, Stahmeyer, Jona T., Basaran, Michael M., Braynis, Boris, et.al. High prevalence of hepatitis markers in immigrant populations. European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 2014. 26(10): p. 1090-1097., http://dx.doi.org/10.1097/meg.0000000000000164

[297]

Poethko-Müller, C., Zimmermann, R., Hamouda, O., Faber, M., Stark, K., Ross, R. S., et.al. Die Seroepidemiologie der Hepatitis A, B und C in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2013. 56(5-6): p. 707-715., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-013-1673-x

[298]

Centers for Disease Control and Prevention. Immunization of Health-Care Personnel Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). Morbidity and Mortality Weekly Report. Mmwr 2011; 60: 1–46 Im Internet: http://www.cdc.gov/mmwr/cme/conted.html., 2011.

[299]

Huzly, D., Schenk, T., Jilg, W., Neumann-Haefelin, D., Comparison of Nine Commercially Available Assays for Quantification of Antibody Response to Hepatitis B Virus Surface Antigen. Journal of Clinical Microbiology, 2008. 46(4): p. 1298-1306., http://dx.doi.org/10.1128/jcm.02430-07

[300]

Brunskole Hummel, Irena, Huber, Barbara, Wenzel, Jürgen J., Jilg, Wolfgang, Markers of Protection in Children and Adolescents Six to Fourteen Years After Primary Hepatitis B Vaccination in Real Life. Pediatric Infectious Disease Journal, 2016. 35(3): p. 286-291., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0000000000000994

[301]

Schönberger, Katharina, Riedel, Christina, Rückinger, Simon, Mansmann, Ulrich, Jilg, Wolfgang, Kries, Rüdiger v, Determinants of Long-term Protection After Hepatitis B Vaccination in Infancy. Pediatric Infectious Disease Journal, 2013. 32(4): p. 307-313., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0b013e31827bd1b0

[302]

Middleman, Amy B., Baker, Carol J., Kozinetz, Claudia A., Kamili, Saleem, Nguyen, Chi, Hu, Dale J., et.al. Duration of Protection After Infant Hepatitis B Vaccination Series. Pediatrics, 2014. 133(6): p. e1500-e1507., http://dx.doi.org/10.1542/peds.2013-2940

[303]

Chiara, Federica, Bartolucci, Giovanni Battista, Mongillo, Michele, Ferretto, Luca, Nicolli, Annamaria, Trevisan, Andrea, Hepatitis B vaccination at three months of age: A successful strategy?. Vaccine, 2013. 31(13): p. 1696-1700., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2013.01.046

[304]

Dini, Guglielmo, Toletone, Alessandra, Barberis, Ilaria, Debarbieri, Nicoletta, Massa, Emanuela, Paganino, Chiara, et.al. Persistence of protective anti-HBs antibody levels and anamnestic response to HBV booster vaccination: A cross-sectional study among healthcare students 20 years following the universal immunization campaign in Italy. Human Vaccines & Immunotherapeutics, 2016. 13(2): p. 440-444., http://dx.doi.org/10.1080/21645515.2017.1264788

[305]

Bruce, Michael G., Bruden, Dana, Hurlburt, Debby, Zanis, Carolyn, Thompson, Gail, Rea, Lisa, et.al. Antibody Levels and Protection After Hepatitis B Vaccine: Results of a 30-Year Follow-up Study and Response to a Booster Dose. Journal of Infectious Diseases, 2016. 214(1): p. 16-22., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiv748

[306]

Harder, T., Remschmidt, C., Falkenhorst, G., Zimmermann, R., Hengel, H., Ledig, T., et.al. Background paper to the revised recommendation for hepatitis B vaccination of persons at particular risk and for hepatitis B postexposure prophylaxis in Germany. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2013. 56(11): p. 1565-1576., http://dx.doi.org/10.1007/s00103-013-1845-8

[307]

Immunization of health-care personnel: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP).. MMWR Recomm Rep, 2011. 60 (RR-7)(RR-7): p. 1-45., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22108587/

[308]

FitzSimons, David, Hendrickx, Greet, Vorsters, Alex, Van Damme, Pierre, Hepatitis B vaccination: A completed schedule enough to control HBV lifelong?. Vaccine, 2013. 31(4): p. 584-590., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2012.10.101

[309]

World Health Organization. Weekly epidemiological record. Wkly Epidemiol Rec 2009; 84, 40, 405–420. Im Internet: http://orton.catie.ac.cr/cgi-bin/wxis.exe/?IsisScript=KARDEX.xis%7B&%7Dmethod=post%7B&%7Dformato=2%7B&%7Dcantidad=1%7B&%7Dexpresion=mfn=003687, 2009.

[310]

David, MC, Ha, SH, Paynter, S, Lau, C, A systematic review and meta-analysis of management options for adults who respond poorly to hepatitis B vaccination.. Vaccine, 2015. 33 (48)(48): p. 6564-9., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26424603/

[311]

Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. Epidemiol Bull 2013; 36/37. 371–381. Im Internet: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2013/Ausgaben/36_37_13.pdf?__blob=publicationFile, 2013.

[312]

Stramer, SL, Wend, U, Candotti, D, Foster, GA, Hollinger, FB, Dodd, RY, et.al. Nucleic acid testing to detect HBV infection in blood donors.. N Engl J Med, 2011. 364 (3)(3): p. 236-47., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21247314/

[313]

Launay, O, Rosenberg, AR, Rey, D, Pouget, N, Michel, ML, Reynes, J, et.al. Long-term Immune Response to Hepatitis B Virus Vaccination Regimens in Adults With Human Immunodeficiency Virus 1: Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial.. JAMA Intern Med, 2016. 176 (5)(5): p. 603-10., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27064975/

[314]

Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiol Bull 2017; 34. 333–376. Im Internet: www.stiko.de, 2017.

[315]

Mouchet, Julie, Salvo, Francesco, Raschi, Emanuel, Poluzzi, Elisabetta, Antonazzo, Ippazio Cosimo, De Ponti, Fabrizio, et.al. Hepatitis B vaccination and the putative risk of central demyelinating diseases – A systematic review and meta-analysis. Vaccine, 2018. 36(12): p. 1548-1555., http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2018.02.036

[316]

Vogel, Gretchen, Europe's top court alarms vaccine experts. Science, 2017. 356(6345): p. 1320-1320., http://dx.doi.org/10.1126/science.356.6345.1320

[317]

Mertens T. GfV-Stellungnahme zum EU-Urteil HBV-Impfung-MS-3-2017-06-23. Online 2017. Im Internet: https://www.g-f-v.org/node/716, 2017.

[318]

Sheffield, Jeanne S., Hickman, Ashley, Tang, Jennifer, Moss, Kristie, Kourosh, Atoosa, Crawford, Natalie M., et.al. Efficacy of an Accelerated Hepatitis B Vaccination Program During Pregnancy. Obstetrics & Gynecology, 2011. 117(5): p. 1130-1135., http://dx.doi.org/10.1097/aog.0b013e3182148efe

[319]

Raven, Stijn F. H., de Heus, Barry, Wong, Albert, Zaaijer, Hans L., van Steenbergen, Jim E., Fluctuation of Viremia in Hepatitis B Virus–Infected Healthcare Workers Performing Exposure-Prone Procedures in the Netherlands. Infection Control & Hospital Epidemiology, 2016. 37(6): p. 655-660., http://dx.doi.org/10.1017/ice.2016.49

[320]

Gerlich, Wolfram H., Prophylactic vaccination against hepatitis B: achievements, challenges and perspectives. Medical Microbiology and Immunology, 2014. 204(1): p. 39-55., http://dx.doi.org/10.1007/s00430-014-0373-y

[321]

Fattovich, G., Influence of hepatitis delta virus infection on morbidity and mortality in compensated cirrhosis type B. Gut, 2000. 46(3): p. 420-426., http://dx.doi.org/10.1136/gut.46.3.420

[322]

Miao, Zhijiang, Zhang, Shaoshi, Ou, Xumin, Li, Shan, Ma, Zhongren, Wang, Wenshi, et.al. Estimating the Global Prevalence, Disease Progression, and Clinical Outcome of Hepatitis Delta Virus Infection. The Journal of Infectious Diseases, 2019. 221(10): p. 1677-1687., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jiz633

[323]

Stockdale, Alexander J., Kreuels, Benno, Henrion, Marc Y. R., Giorgi, Emanuele, Kyomuhangi, Irene, de Martel, Catherine, et.al. The global prevalence of hepatitis D virus infection: Systematic review and meta-analysis. Journal of Hepatology, 2020. 73(3): p. 523-532., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.04.008

[324]

Fattovich, G., Boscaro, S., Noventa, F., Pornaro, E., Stenico, D., Alberti, A., et.al. Influence of Hepatitis Delta Virus Infection on Progression to Cirrhosis in Chronic Hepatitis Type B. Journal of Infectious Diseases, 1987. 155(5): p. 931-935., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/155.5.931

[325]

Alfaiate, Dulce, Clément, Sophie, Gomes, Diana, Goossens, Nicolas, Negro, Francesco, Chronic hepatitis D and hepatocellular carcinoma: A systematic review and meta-analysis of observational studies. Journal of Hepatology, 2020. 73(3): p. 533-539., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.02.030

[326]

Le Gal, Frédéric, Brichler, Ségolène, Drugan, Tudor, Alloui, Chakib, Roulot, Dominique, Pawlotsky, Jean‐Michel, et.al. Genetic diversity and worldwide distribution of the deltavirus genus: A study of 2,152 clinical strains. Hepatology, 2017. 66(6): p. 1826-1841., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29574

[327]

Su, Chien–Wei, Huang, Yi–Hsiang, Huo, Teh–Ia, Shih, Hsuan Hui, Sheen, I–Jane, Chen, Su–Wen, et.al. Genotypes and Viremia of Hepatitis B and D Viruses Are Associated With Outcomes of Chronic Hepatitis D Patients. Gastroenterology, 2006. 130(6): p. 1625-1635., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2006.01.035

[328]

Roulot, Dominique, Brichler, Ségolène, Layese, Richard, BenAbdesselam, Zahia, Zoulim, Fabien, Thibault, Vincent, et.al. Origin, HDV genotype and persistent viremia determine outcome and treatment response in patients with chronic hepatitis delta. Journal of Hepatology, 2020. 73(5): p. 1046-1062., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.038

[329]

Spaan, Michelle, Carey, Ivana, Bruce, Matthew, Shang, Dazhuang, Horner, Mary, Dusheiko, Geoff, et.al. Hepatitis delta genotype 5 is associated with favourable disease outcome and better response to treatment compared to genotype 1. Journal of Hepatology, 2020. 72(6): p. 1097-1104., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.12.028

[330]

Wranke, Anika, Wedemeyer, Heiner, Antiviral therapy of hepatitis delta virus infection — progress and challenges towards cure. Current Opinion in Virology, 2016. 20: p. 112-118., http://dx.doi.org/10.1016/j.coviro.2016.10.002

[331]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydìn, Cihan, Dalekos, George N., Erhardt, Andreas, Çakaloğlu, Yilmaz, Değertekin, Halil, et.al. Peginterferon plus Adefovir versus Either Drug Alone for Hepatitis Delta. New England Journal of Medicine, 2011. 364(4): p. 322-331., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa0912696

[332]

Wedemeyer, Heiner, Yurdaydin, Cihan, Hardtke, Svenja, Caruntu, Florin Alexandru, Curescu, Manuela G., Yalcin, Kendal, et.al. Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial. The Lancet Infectious Diseases, 2019. 19(3): p. 275-286., http://dx.doi.org/10.1016/s1473-3099(18)30663-7

[333]

Heidrich, Benjamin, Yurdaydın, Cihan, Kabaçam, Gökhan, Ratsch, Boris A., Zachou, Kalliopi, Bremer, Birgit, et.al. Late HDV RNA relapse after peginterferon alpha-based therapy of chronic hepatitis delta. Hepatology, 2014. 60(1): p. 87-97., http://dx.doi.org/10.1002/hep.27102

[334]

Yurdaydin, Cihan, Keskin, Onur, Kalkan, Çağdaş, Karakaya, Fatih, Çalişkan, Aysun, Kabaçam, Gökhan, et.al. Interferon Treatment Duration in Patients With Chronic Delta Hepatitis and its Effect on the Natural Course of the Disease. The Journal of Infectious Diseases, 2018. 217(8): p. 1184-1192., http://dx.doi.org/10.1093/infdis/jix656

[335]

Wranke, Anika, Serrano, Beatriz Calle, Heidrich, Benjamin, Kirschner, Janina, Bremer, Birgit, Lehmann, Patrick, et.al. Antiviral treatment and liver‐related complications in hepatitis delta. Hepatology, 2016. 65(2): p. 414-425., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28876

[336]

Kamal, Habiba, Westman, Gabriel, Falconer, Karolin, Duberg, Ann‐Sofi, Weiland, Ola, Haverinen, Susanna, et.al. Long‐Term Study of Hepatitis Delta Virus Infection at Secondary Care Centers: The Impact of Viremia on Liver‐Related Outcomes. Hepatology, 2020. 72(4): p. 1177-1190., http://dx.doi.org/10.1002/hep.31214

[337]

Niro, G. A., Smedile, A., Fontana, R., Olivero, A., Ciancio, A., Valvano, M. R., et.al. HBsAg kinetics in chronic hepatitis D during interferon therapy: on‐treatment prediction of response. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2016. 44(6): p. 620-628., http://dx.doi.org/10.1111/apt.13734

[338]

Yurdaydin, Cihan, Abbas, Zaigham, Buti, Maria, Cornberg, Markus, Esteban, Rafael, Etzion, Ohad, et.al. Treating chronic hepatitis delta: The need for surrogate markers of treatment efficacy. Journal of Hepatology, 2019. 70(5): p. 1008-1015., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.12.022

[339]

Wedemeyer, H, Yurdaydìn, C, Dalekos, GN, Erhardt, A, Çakaloğlu, Y, Değertekin, H, et.al. Peginterferon plus adefovir versus either drug alone for hepatitis delta.. N Engl J Med, 2011. 364 (4)(4): p. 322-31., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21268724/

[340]

Loglio, Alessandro, Ferenci, Peter, Uceda Renteria, Sara Colonia, Tham, Christine Y. L., van Bömmel, Florian, Borghi, Marta, et.al. Excellent safety and effectiveness of high-dose myrcludex-B monotherapy administered for 48 weeks in HDV-related compensated cirrhosis: A case report of 3 patients. Journal of Hepatology, 2019. 71(4): p. 834-839., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2019.07.003

[341]

Keskin, Onur, Wedemeyer, Heiner, Tüzün, Ali, Zachou, Kalliopi, Deda, Xheni, Dalekos, George N., et.al. Association Between Level of Hepatitis D Virus RNA at Week 24 of Pegylated Interferon Therapy and Outcome. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2015. 13(13): p. 2342-2349.e2., http://dx.doi.org/10.1016/j.cgh.2015.05.029

[342]

Heller, T., Rotman, Y., Koh, C., Clark, S., Haynes-Williams, V., Chang, R., et.al. Long-term therapy of chronic delta hepatitis with peginterferon alfa. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2014. 40(1): p. 93-104., http://dx.doi.org/10.1111/apt.12788

[343]

Yurdaydin, Cihan, Bozkaya, Hakan, Gürel, Selım, Tillmann, Hans L., Aslan, Nuray, Okçu-Heper, A., et.al. Famciclovir treatment of chronic delta hepatitis. Journal of Hepatology, 2002. 37(2): p. 266-271., http://dx.doi.org/10.1016/s0168-8278(02)00162-9

[344]

Niro, G. A., Ciancio, A., Tillman, H. L., Lagget, M., Olivero, A., Perri, F., et.al. Lamivudine therapy in chronic delta hepatitis: a multicentre randomized‐controlled pilot study. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2005. 22(3): p. 227-232., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2036.2005.02542.x

[345]

Kabacam, G., Onder, F. O., Yakut, M., Seven, G., Karatayli, S. C., Karatayli, E., et.al. Entecavir Treatment of Chronic Hepatitis D. Clinical Infectious Diseases, 2012. 55(5): p. 645-650., http://dx.doi.org/10.1093/cid/cis459

[346]

Soriano, Vincent, Vispo, Eugenia, Sierra-Enguita, Rocío, Mendoza, Carmen de, Fernández-Montero, José V., Labarga, Pablo, et.al. Efficacy of prolonged tenofovir therapy on hepatitis delta in HIV-infected patients. AIDS, 2014. 28(16): p. 2389-2394., http://dx.doi.org/10.1097/qad.0000000000000417

[347]

Béguelin, Charles, Friolet, Nicole, Moradpour, Darius, Sahli, Roland, Suter-Riniker, Franziska, Lüthi, Alexander, et.al. Impact of Tenofovir on Hepatitis Delta Virus Replication in the Swiss Human Immunodeficiency Virus Cohort Study. Clinical Infectious Diseases, 2017. 64(9): p. 1275-1278., http://dx.doi.org/10.1093/cid/cix125

[348]

Murata, Kazumoto, Asano, Mai, Matsumoto, Akihiro, Sugiyama, Masaya, Nishida, Nao, Tanaka, Eiji, et.al. Induction of IFN-λ3 as an additional effect of nucleotide, not nucleoside, analogues: a new potential target for HBV infection. Gut, 2016. 67(2): p. 362-371., http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2016-312653

[349]

Heidrich, B., Deterding, K., Tillmann, H. L., Raupach, R., Manns, M. P., Wedemeyer, H., Virological and clinical characteristics of delta hepatitis in Central Europe. Journal of Viral Hepatitis, 2009. 16(12): p. 883-894., http://dx.doi.org/10.1111/j.1365-2893.2009.01144.x

[350]

Sureau, Camille, Negro, Francesco, The hepatitis delta virus: Replication and pathogenesis. Journal of Hepatology, 2016. 64(1): p. S102-S116., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2016.02.013

[351]

Sarrazin, Christoph, Zimmermann, Tim, Zeuzem, Stefan, Addendum zur S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus-Infektion“. Zeitschrift für Gastroenterologie, 2020. 58(11): p. 1107-1108., http://dx.doi.org/10.1055/a-1226-1841

[352]

Amin, Janaki, Law, Matthew G., Bartlett, Mark, Kaldor, John M., Dore, Gregory J., Causes of death after diagnosis of hepatitis B or hepatitis C infection: a large community-based linkage study. The Lancet, 2006. 368(9539): p. 938-945., http://dx.doi.org/10.1016/s0140-6736(06)69374-4

[353]

Shi, J., Zhu, L., Liu, S., Xie, W. f, A meta-analysis of case–control studies on the combined effect of hepatitis B and C virus infections in causing hepatocellular carcinoma in China. British Journal of Cancer, 2005. 92(3): p. 607-612., http://dx.doi.org/10.1038/sj.bjc.6602333

[354]

Donato, Francesco, Boffetta, Paolo, Puoti, Massimo, A meta-analysis of epidemiological studies on the combined effect of hepatitis B and C virus infections in causing hepatocellular carcinoma. International Journal of Cancer, 1998. 75(3): p. 347-354., http://dx.doi.org/10.1002/(sici)1097-0215(19980130)75:3<347::aid-ijc4>3.0.co;2-2

[355]

Cho, Lisa Y., Yang, Jae Jeong, Ko, Kwang‐Pil, Park, Boyoung, Shin, Aesun, Lim, Min Kyung, et.al. Coinfection of hepatitis B and C viruses and risk of hepatocellular carcinoma: Systematic review and meta‐analysis. International Journal of Cancer, 2010. 128(1): p. 176-184., http://dx.doi.org/10.1002/ijc.25321

[356]

Mak, Lung-Yi, Wong, Danny Ka-Ho, Pollicino, Teresa, Raimondo, Giovanni, Hollinger, F. Blaine, Yuen, Man-Fung, Occult hepatitis B infection and hepatocellular carcinoma: Epidemiology, virology, hepatocarcinogenesis and clinical significance. Journal of Hepatology, 2020. 73(4): p. 952-964., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2020.05.042

[357]

Wiegand, S. B., Jaroszewicz, J., Potthoff, A., Höner zu Siederdissen, C., Maasoumy, B., Deterding, K., et.al. Dominance of hepatitis C virus (HCV) is associated with lower quantitative hepatitis B surface antigen and higher serum interferon-γ-induced protein 10 levels in HBV/HCV-coinfected patients. Clinical Microbiology and Infection, 2015. 21(7): p. 710.e1-710.e9., http://dx.doi.org/10.1016/j.cmi.2015.03.003

[358]

Sagnelli, E, Sagnelli, C, Macera, M, Pisaturo, M, Coppola, N, An update on the treatment options for HBV/HCV coinfection.. Expert Opin Pharmacother, 2017. 18 (16)(16): p. 1691-1702., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29081251/

[359]

Liu, Chun-Jen, Chuang, Wan-Long, Sheen, I. Shyan, Wang, Horng-Yuan, Chen, Chi-Yi, Tseng, Kuo-Chih, et.al. Efficacy of Ledipasvir and Sofosbuvir Treatment of HCV Infection in Patients Coinfected With HBV. Gastroenterology, 2018. 154(4): p. 989-997., http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.11.011

[360]

Potthoff, A., Berg, T., Wedemeyer, H., Late hepatitis B virus relapse in patients co-infected with hepatitis B virus and hepatitis C virus after antiviral treatment with pegylated interferon-a2b and ribavirin. Scandinavian Journal of Gastroenterology, 2009. 44(12): p. 1487-1490., http://dx.doi.org/10.3109/00365520903329585

[361]

Mücke, Marcus M., Backus, Lisa I., Mücke, Victoria T., Coppola, Nicola, Preda, Carmen M., Yeh, Ming-Lun, et.al. Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 2018. 3(3): p. 172-180., http://dx.doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30002-5

[362]

Chen, Guofeng, Wang, Cheng, Chen, Jing, Ji, Dong, Wang, Yudong, Wu, Vanessa, et.al. Hepatitis B reactivation in hepatitis B and C coinfected patients treated with antiviral agents: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2017. 66(1): p. 13-26., http://dx.doi.org/10.1002/hep.29109

[363]

Omland, Lars Haukali, Christensen, Peer Brehm, Krarup, Henrik, Jepsen, Peter, Weis, Nina, Sørensen, Henrik Toft, et.al. Mortality among Patients with Cleared Hepatitis C Virus Infection Compared to the General Population: A Danish Nationwide Cohort Study. PLoS ONE, 2011. 6(7): p. e22476., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0022476

[364]

Sarrazin, Christoph, Isakov, Vasily, Svarovskaia, Evguenia S., Hedskog, Charlotte, Martin, Ross, Chodavarapu, Krishna, et.al. Late Relapse Versus Hepatitis C Virus Reinfection in Patients With Sustained Virologic Response After Sofosbuvir-Based Therapies. Clinical Infectious Diseases, 2016. 64(1): p. 44-52., http://dx.doi.org/10.1093/cid/ciw676

[365]

Leumi, Steve, Bigna, Jean Joel, Amougou, Marie A., Ngouo, Anderson, Nyaga, Ulrich Flore, Noubiap, Jean Jacques, Global Burden of Hepatitis B Infection in People Living With Human Immunodeficiency Virus: A Systematic Review and Meta-analysis. Clinical Infectious Diseases, 2019. 71(11): p. 2799-2806., http://dx.doi.org/10.1093/cid/ciz1170

[366]

L’age-Stehr, J., Helm, E. B., Peters, H. D., Nolde, L., Deutsch-Österreichische Richtlinien zur Antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion (Juli 2002)Springer Berlin Heidelberg. AIDS und die Vorstadien, 2003. p. 59-87., http://dx.doi.org/10.1007/978-3-642-85512-2_4

[367]

Clumeck, N., Pozniak, A., Raffi, F., European AIDS Clinical Society (EACS) guidelines for the clinical management and treatment of HIV‐infected adults. HIV Medicine, 2008. 9(2): p. 65-71., http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-1293.2007.00533.x

[368]

Gallant, Joel, Brunetta, Jason, Crofoot, Gordon, Benson, Paul, Mills, Anthony, Brinson, Cynthia, et.al. Brief Report: Efficacy and Safety of Switching to a Single-Tablet Regimen of Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabine/Tenofovir Alafenamide in HIV-1/Hepatitis B–Coinfected Adults. JAIDS Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes, 2016. 73(3): p. 294-298., http://dx.doi.org/10.1097/qai.0000000000001069

[369]

Robert Koch-Institut. Zur Situation bei wichtigen Infektionskrankheiten in DeutschlandVirushepatitis B und D im Jahr 2014. Epidemiol Bull 2015; 29. 271–288. Im Internet: http://www.kiggs-studie.de, 2015.

[370]

Gunardi, Hartono, Iskandar, Melanie Y., Turyadi, Ie, Susan I., Dwipoerwantoro, Pramita G., Gani, Rino A., et.al. Hepatitis B virus infection in children of HBV-related chronic liver disease patients: a study of intra-familial HBV transmission. Hepatology International, 2016. 11(1): p. 96-104., http://dx.doi.org/10.1007/s12072-016-9764-z

[371]

Ranger-Rogez, Sylvie, Denis, Fran¸ois, Hepatitis B mother-to-child transmission. Expert Review of Anti-infective Therapy, 2004. 2(1): p. 133-145., http://dx.doi.org/10.1586/14787210.2.1.133

[372]

Tseng, Yu-Ru, Wu, Jia-Feng, Kong, Man-Shan, Hu, Fu-Chang, Yang, Yao-Jong, Yeung, Chun-Yan, et.al. Infantile Hepatitis B in Immunized Children: Risk for Fulminant Hepatitis and Long-Term Outcomes. PLoS ONE, 2014. 9(11): p. e111825., http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0111825

[373]

Chen, Jeng-Chang, Comparison of childhood hepatic malignancies in a hepatitis B hyper-endemic area. World Journal of Gastroenterology, 2005. 11(34): p. 5289., http://dx.doi.org/10.3748/wjg.v11.i34.5289

[374]

Lackner, Herwig, Moser, Andrea, Benesch, Martin, Deutsch, Johann, Kessler, Harald H., Kerbl, Reinhold, et.al. Serological and molecular response on combined antiviral treatment in children with chronic hepatitis B after pediatric malignancy. Journal of Clinical Virology, 2002. 25: p. 73-79., http://dx.doi.org/10.1016/s1386-6532(02)00189-0

[375]

Tabor, Edward, Infections by hepatitis B surface antigen gene mutants in Europe and North America. Journal of Medical Virology, 2006. 78(S1): p. S43-S47., http://dx.doi.org/10.1002/jmv.20606

[376]

Gigliotti, Anna Rita, Fioredda, Francesca, Giacchino, Raffaella, Hepatitis B and C Infection in Children Undergoing Chemotherapy or Bone Marrow Transplantation. Journal of Pediatric Hematology/Oncology, 2003. 25(3): p. 184-192., http://dx.doi.org/10.1097/00043426-200303000-00002

[377]

homas HC, Lok ASF, Locarnini SA, Zuckerman AJ (Hrsg.). Viral Hepatitis, 4th Edition | Wiley. Wiley-Blackwell, 2013. Im Internet: https://www.wiley.com/en-us/Viral+Hepatitis%2C+4th+Edition-p-9780470672952, 2013.

[378]

Kelly D. Viral hepatitis in children. Boston, MA: Springer, 2004. Im Internet: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-1-4419-8993-2_12, 2004.

[379]

Bortolotti, Flavia, Guido, Maria, Bartolacci, Samuela, Cadrobbi, Paolo, Crivellaro, Carlo, Noventa, Franco, et.al. Chronic hepatitis B in children after e antigen seroclearance: Final report of a 29-year longitudinal study. Hepatology, 2006. 43(3): p. 556-562., http://dx.doi.org/10.1002/hep.21077

[380]

Popalis, C., Yeung, L. T. F., Ling, S. C., Ng, V., Roberts, E. A., Chronic hepatitis B virus (HBV) infection in children: 25 years' experience. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 20(4):, http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12019

[381]

Wintermeyer, Philip, Prevalence of hepatitis B virus precore stop codon mutations in chronically infected children. World Journal of Gastroenterology, 2006. 12(14): p. 2235., http://dx.doi.org/10.3748/wjg.v12.i14.2235

[382]

Laubscher, B., Gehri, M., Roulet, M., Wirth, S., Gerner, P., Survival of Infantile Fulminant Hepatitis B and Treatment with Lamivudine. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2005. 40(4): p. 518-520., http://dx.doi.org/10.1097/01.mpg.0000144374.63230.44

[383]

Chen, Ching‐Yi, Ni, Yen‐Hsuan, Chen, Huey‐Ling, Lu, Frank Leigh, Chang, Mei‐Hwei, Lamivudine treatment in infantile fulminant hepatitis B. Pediatrics International, 2010. 52(4): p. 672-674., http://dx.doi.org/10.1111/j.1442-200x.2010.03110.x

[384]

Diamanti, Antonella, Sartorelli, Maria Rita, Alterio, Arianna, Comparcola, Donatella, Corsetti, Tiziana, Iacono, Anna, et.al. Successful Tenofovir Treatment for Fulminant Hepatitis B Infection in an Infant. Pediatric Infectious Disease Journal, 2011. 30(10): p. 912-914., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0b013e31821e23b3

[385]

Hartman, Corina, Berkowitz, Drora, Eshach-Adiv, Orly, Hino, Bian, Rimon, Nurit, Satinger, Iehudith, et.al. Long-term Lamivudine Therapy for Chronic Hepatitis B Infection in Children Unresponsive to Interferon. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2006. 43(4): p. 494-498., http://dx.doi.org/10.1097/01.mpg.0000235982.34323.67

[386]

Jonas, Maureen M., Chang, Mei‐Hwei, Sokal, Etienne, Schwarz, Kathleen B., Kelly, Deirdre, Kim, Kyung Mo, et.al. Randomized, controlled trial of entecavir versus placebo in children with hepatitis B envelope antigen–positive chronic hepatitis B. Hepatology, 2015. 63(2): p. 377-387., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28015

[387]

Jonas, Maureen M., Lok, Anna S. F., McMahon, Brian J., Brown, Robert S., Wong, John B., Ahmed, Ahmed T., et.al. Antiviral therapy in management of chronic hepatitis B viral infection in children: A systematic review and meta‐analysis. Hepatology, 2015. 63(1): p. 307-318., http://dx.doi.org/10.1002/hep.28278

[388]

Jonas, Maureen M., Kelley, Deirdre A., Mizerski, Jacek, Badia, Isabel B., Areias, Jorge A., Schwarz, Kathleen B., et.al. Clinical Trial of Lamivudine in Children with Chronic Hepatitis B. New England Journal of Medicine, 2002. 346(22): p. 1706-1713., http://dx.doi.org/10.1056/nejmoa012452

[389]

Vo Thi Diem, Hanh, Bourgois, Annick, Bontems, Patrick, Goyens, Philippe, Buts, Jean Paul, Nackers, Fabienne, et.al. Chronic Hepatitis B Infection: Long Term Comparison of Children Receiving Interferon Alpha and Untreated Controls. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2005. 40(2): p. 141-145., http://dx.doi.org/10.1097/00005176-200502000-00011

[390]

Hom, Xenia, Little, Nancy R., Gardner, Stephen D., Jonas, Maureen M., Predictors of Virologic Response to Lamivudine Treatment in Children With Chronic Hepatitis B Infection. The Pediatric Infectious Disease Journal, 2004. 23(5): p. 441-445., http://dx.doi.org/10.1097/01.inf.0000126412.93562.f5

[391]

Bortolotti, F., Long term effect of alpha interferon in children with chronic hepatitis B. Gut, 2000. 46(5): p. 715-718., http://dx.doi.org/10.1136/gut.46.5.715

[392]

Wirth, Stefan, Zhang, Hongfei, Hardikar, Winita, Schwarz, Kathleen B., Sokal, Etienne, Yang, Weibo, et.al. Efficacy and Safety of Peginterferon Alfa‐2a (40KD) in Children With Chronic Hepatitis B: The PEG‐B‐ACTIVE Study. Hepatology, 2018. 68(5): p. 1681-1694., http://dx.doi.org/10.1002/hep.30050

[393]

Elzbieta, Sobaniec-Lotowska Maria, Histological outcome of chronic hepatitis B in children treated with interferon alpha. World Journal of Gastroenterology, 2005. 11(45): p. 7179., http://dx.doi.org/10.3748/wjg.v11.i45.7179

[394]

Saltik-Temizel, IN, Koçak, N, Demir, H, Lamivudine and high-dose interferon-alpha combination therapy for naive children with chronic hepatitis B infection.. J Clin Gastroenterol, 2005. 39 (1)(1): p. 68-70., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15599215/

[395]

Defresne, Florence, Sokal, Etienne, Chronic hepatitis B in children: Therapeutic challenges and perspectives. Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2017. 32(2): p. 368-371., http://dx.doi.org/10.1111/jgh.13459

[396]

Jonas, Maureen M., Kelly, Deirdre, Pollack, Henry, Mizerski, Jacek, Sorbel, Jeff, Frederick, David, et.al. Safety, efficacy, and pharmacokinetics of adefovir dipivoxil in children and adolescents (age 2 to <18 years) with chronic hepatitis B. Hepatology, 2008. 47(6): p. 1863-1871., http://dx.doi.org/10.1002/hep.22250

[397]

Jonas, Maureen M., Kelly, Deirdre, Pollack, Henry, Mizerski, Jacek, Sorbel, Jeff, Frederick, David, et.al. Efficacy and Safety of Long-term Adefovir Dipivoxil Therapy in Children With Chronic Hepatitis B Infection. Pediatric Infectious Disease Journal, 2012. 31(6): p. 578-582., http://dx.doi.org/10.1097/inf.0b013e318255ffe7

[398]

Murray, Karen F., Szenborn, Leszek, Wysocki, Jacek, Rossi, Stephen, Corsa, Amoreena C., Dinh, Phillip, et.al. Randomized, placebo-controlled trial of tenofovir disoproxil fumarate in adolescents with chronic hepatitis B. Hepatology, 2012. 56(6): p. 2018-2026., http://dx.doi.org/10.1002/hep.25818

[399]

Carey, Ivana, D'Antiga, Lorenzo, Bansal, Sanjay, Longhi, Maria Serena, Ma, Yun, Mesa, Irene Rebollo, et.al. Immune and Viral Profile from Tolerance to Hepatitis B Surface Antigen Clearance: a Longitudinal Study of Vertically Hepatitis B Virus-Infected Children on Combined Therapy. Journal of Virology, 2011. 85(5): p. 2416-2428., http://dx.doi.org/10.1128/jvi.01449-10

[400]

Poddar, U., Yachha, S. K., Agarwal, J., Krishnani, N., Cure for immune-tolerant hepatitis B in children: is it an achievable target with sequential combo therapy with lamivudine and interferon?. Journal of Viral Hepatitis, 2012. 20(5): p. 311-316., http://dx.doi.org/10.1111/jvh.12007

[401]

Zhu, Shishu, Zhang, Hongfei, Dong, Yi, Wang, Limin, Xu, Zhiqiang, Liu, Weiwei, et.al. Antiviral therapy in hepatitis B virus-infected children with immune-tolerant characteristics: A pilot open-label randomized study. Journal of Hepatology, 2018. 68(6): p. 1123-1128., http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2018.01.037

[402]

Rosenthal, Philip, Ling, Simon C., Belle, Steven H., Murray, Karen F., Rodriguez‐Baez, Norberto, Schwarzenberg, Sarah J., et.al. Combination of Entecavir/Peginterferon Alfa‐2a in Children With Hepatitis B e Antigen–Positive Immune Tolerant Chronic Hepatitis B Virus Infection. Hepatology, 2019. 69(6): p. 2326-2337., http://dx.doi.org/10.1002/hep.30312

[403]

Robert Koch-Institut. Impfstatus der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, STIKO: Influenzaimpfungen in der COVID-19-Pandemie. Epidemiol Bull 2020; 32/33: 12. Im Internet: www.rki.de/epidbull, 2020.

[404]

Lee, Chuanfang, Gong, Yan, Brok, Jesper, Boxall, Elizabeth H., Gluud, Christian, Effect of hepatitis B immunisation in newborn infants of mothers positive for hepatitis B surface antigen: systematic review and meta-analysis. BMJ, 2006. 332(7537): p. 328-336., http://dx.doi.org/10.1136/bmj.38719.435833.7c