Leitlinienprogramm der DGVS 2022: Leitlinienerstellung

Leitlinienerstellung

Erstellung der Empfehlungen/Statements

Die Empfehlungen werden auf Basis der individuell (S2k) oder systematisch (S3) recherchierten Literatur erstellt/überarbeitet. Hierbei sollte Folgendes beachtet werden:

  • Einheitliche Formulierung
  • Die Empfehlungen sollten versorgungsrelevant, praxisorientiert und umsetzbar sein.
  • Jede Definition, Statement oder Empfehlung wird mit einem entsprechenden Hintergrundtext und Literaturverweisen versehen.
  • Auf Statements sollte möglichst verzichtet werden. Es empfiehlt sich eine Unterscheidung zwischen Statement und Empfehlung:

Statements

Als Statements werden Darlegungen oder Erläuterungen von spezifischen Sachverhalten oder Fragestellungen ohne unmittelbare Handlungsaufforderung bezeichnet. Sie können entweder auf Studienergebnissen oder auf Expertenmeinungen beruhen. Cave: Statements als „Ist-Aussagen“ sind u.U. justiziabel.

Empfehlungen

Empfehlungen sind versorgungsrelevante und praxisorientierte Handlungsaufforderungen.

Eine Vorlage für die Erstellung der Empfehlungen steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

siehe auch Leitlinienentwicklung in der Leitlinienmediathek

Erstellung Hintergrundtext

  • Eine Erläuterung und Begründung der Empfehlung sollte in einem Hintergrundtext zur Empfehlung mit Abwägung von Nutzen und Schaden und ggf. weiterer Kriterien (siehe Erstellung der Empfehlungen) dokumentiert werden.
  • Der Hintergrundtext sollte nicht länger als eine halbe Seite sein.
  • Die Hintergrundtexte können auch noch nach der Konsensuskonferenz finalisiert werden, sollten jedoch bis zur Delphi-Abstimmung zumindest stichpunktartig vorliegen

Delphi-Abstimmung

Alle Empfehlungen, auch die Empfehlungen, die unverändert aus einer alten Leitlinie übernommen werden, werden vor Konsensuskonferenzen in einem Delphiverfahren mittels Online-Survey von allen Leitlinienmitgliedern mithilfe einer 3-stufigen Entscheidungsskala unter Beachtung des Interessenkonfliktmanagements abgestimmt (ja, nein, Enthaltung).

Zu Empfehlungen, die nicht mit ja abgestimmt werden, muss ein begründender Kommentar hinterlegt werden. Empfehlungen, die zu über 95% mit ja abgestimmt wurden, gelten als verabschiedet. Alle anderen Empfehlungen müssen überarbeitet und in der Konsensuskonferenz erneut abgestimmt werden.

Die Kommentare und Änderungsvorschläge aus der Delphi-Abstimmung werden den Koordinierenden und der AG-Leitung zur Überarbeitung zur Verfügung gestellt.

Um den Umfang der in der Konsensuskonferenz abzustimmenden Empfehlungen/Statements zu reduzieren, kann es sinnvoll sein, eine zweite Delphi-Abstimmung durchzuführen.

Konsensuskonferenz

In einer strukturierten Konsensuskonferenz (Online/Präsenz) unter unabhängiger Moderation werden die überarbeiteten Empfehlungen von der AG-Leitung vorgestellt. Die Empfehlungen werden nach den Prinzipien der National Institutes of Health Konferenz besprochen und abgestimmt: Präsentation im Gesamtplenum unter Berücksichtigung der Kommentare und ggf. Erläuterungen durch die AG-Leitung, Aufnahme von Stellungnahmen und ggf. Änderung, Abstimmung, bei Bedarf erneute Diskussion, Festschreiben des Ergebnisses.

Im Detail werden diskutiert und abgestimmt:

  • alle Empfehlungen, die in der Delphirunde weniger als 95 % Zustimmung erhalten hatten
  • Empfehlungen, die nach der Delphirunde nochmals inhaltlich verändert wurden
  • Empfehlungen, die bereits in der Delphirunde verabschiedet worden waren, aber aufgrund von Dopplungen oder zur Verbesserung der inhaltlichen Stringenz der Leitlinie in den Kommentar verschoben wurden
  • Empfehlungen, die in der Delphirunde nicht verabschiedet wurden und in den Kommentarteil verschoben werden sollen
  • neue Empfehlungen

Empfehlungen, die aus zeitlichen Gründen nicht in der Konsensuskonferenz abgestimmt werden können, können in einer abschließenden Delphi-Abstimmung abgestimmt werden.

Die Konsensusstärke wird gemäß der Tabelle festgelegt. Als angenommen gelten Empfehlungen im Konsens mit > 75 %.

 

Tabelle: Einteilung der Konsensstärke
Konsens% Zustimmung
Starker Konsens> 95
Konsens> 75 - 95
Mehrheitliche Zustimmung> 50 - 75
Keine mehrheitliche Zustimmung< 50

Wird für eine Empfehlung kein Konsens erzielt, gibt es die Möglichkeit der Dissensdarstellung.
In begründeten Einzelfällen kann auch bei verabschiedeter Empfehlung ein Sondervotum beantragt werden durch eine oder mehrere Fachgesellschaften.

Im Anschluss an die Konsensuskonferenz erfolgte die finale Überarbeitung der Hintergrundtexte durch die AG-Leiter*innen.

 

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Literatur

  1. Lammert F, Lynen-Jansen P, Lerch MM. Weißbuch Gastroenterologie 2020/21. Berlin De Gruyter-Verlag, 2019.
  2. Lynen Jansen P, Preiß JC, Muche-Borowski C, et al. The guidelines program of the DGVS. Z Gastroenterol 2013;51:643-50.
  3. Lynen Jansen P, Siegmund B, Nothacker M, et al. Das Leitlinienprogramm der DGVS 2017. Z Gastroenterol 2017;55:39-49.
  4. Nothacker M, Blödt S, Muche-Borowski C, et al. Das AWMF-Regelwerk Leitlinien – Version 2.0: AWMF, 2020.
  5. Fakultätentag M. Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM). Volume 2015. Berlin, 2015.