Leitlinienprogramm der DGVS 2022

Die Entwicklung von Leitlinien ist eine der zentralen Aufgaben der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) [1]. Mit der Veröffentlichung des DGVS Leitlinienprogramms 2013 und 2017 wurde die Grundlage für eine einheitliche, transparente und methodisch hochwertige Leitlinienentwicklung geschaffen [2, 3].
Um den Leitlinienprozess weiter zu optimieren und zu veranschaulichen, wurde das Leitlinienprogramm auf Basis des AWMF Regelwerks 2.0 [4], das seit März 2021 gültig ist, grundlegend überarbeitet und in die fünf Schritte Initiierung, Evidenzsynthese, Leitlinienerstellung, Finalisierung und Implementierung gegliedert.
Das Leitlinienprogramm der DGVS soll als Leitfaden bei der Leitlinienerstellung dienen.

Download Leitlinienprogramm 3.01 der DGVS 2022

Finanzierung der Leitlinienentwicklung

Die Leitlinienentwicklung wird von der DGVS finanziert. Eine Finanzierung über die Industrie ist ausgeschlossen. Folgende Kosten können übernommen werden:

  • Kosten für ein Kickoff-Treffen, inkl. Reisekosten nach den Reisekostenbestimmungen der DGVS
  • Kosten für die Konsensuskonferenz, inkl. Reisekosten nach den Reisekostenbestimmungen der DGVS
  • Ggf. weitere Personalkosten nach Rücksprache
  • Ggf. Kosten für eine englische Übersetzung

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten:

Eine Ausnahme von der oben genannten Finanzierung stellen die onkologischen S3-Leitlinien dar, die über das onkologische Leitlinienprogramm der Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der Deutsche Krebshilfe (DKH) finanziert werden können. Hierzu muss ein Antrag auf Finanzierung gestellt werden. Bei einer Finanzierung über das onkologische Leitlinienprogram ist eine Antrags- und Mittelbewilligung durch die Partner des onkologischen Leitlinienprogramms erforderlich.

S3-Leitlinienfinanzierungen sind gesetzlich seit 2020 weiterhin über den Innovationsausschuss am Gemeinsamen Bundesausschuss möglich. Die jährlichen Ausschreibungen sind themengebunden. Eine Unterstützung von S3-Leitlinien ist laut Gesetz seit 2020 darüber hinaus durch Evidenzberichte möglich, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) zu ca. sechs Fragestellungen einer S3-Leitlinie erstellt. Die AWMF ruft jährlich zur Interessebekundung auf. Anträge können nach den aktuellen Ausschreibungen gestellt werden. Weitere Auskünfte gibt die Geschäftsstelle der DGVS.

Autorenschaften

Alle an der Leitlinie beteiligten Expert*innen werden als Autor*innen oder Kooperationspartner*innen benannt und sind zitierfähig in Pubmed gelistet. Voraussetzung für die Autorenschaft ist das Hinterlegen der Interessenerklärung (s. Initiierung > Interessenerklärungen und Interessenkonfliktmanagement). Das Weißpapier „Regelung der Autorenschaft bei Leitlinien“ gibt detaillierte Auskünfte zu den genauen Reglungen (s. Weißpapier).

Ausblick

Die Digitalisierung hat in nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens Einzug gehalten und ist auch in der modernen Gesundheitsversorgung ein allgegenwärtiges Thema. Um Leitlinien noch mehr in den Alltag integrieren zu können und ein „schnelles Nachschlagen“ zu ermöglichen, werden die Leitlinien in Zukunft digitaler gestaltet werden.

 


Literatur

  1. Lammert F, Lynen-Jansen P, Lerch MM. Weißbuch Gastroenterologie 2020/21. Berlin De Gruyter-Verlag, 2019.
  2. Lynen Jansen P, Preiß JC, Muche-Borowski C, et al. The guidelines program of the DGVS. Z Gastroenterol 2013;51:643-50.
  3. Lynen Jansen P, Siegmund B, Nothacker M, et al. Das Leitlinienprogramm der DGVS 2017. Z Gastroenterol 2017;55:39-49.
  4. Nothacker M, Blödt S, Muche-Borowski C, et al. Das AWMF-Regelwerk Leitlinien – Version 2.0: AWMF, 2020.
  5. Fakultätentag M. Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM). Volume 2015. Berlin, 2015.