Vorstellung des Kongresspräsidenten der DGVS

Prof. Dr. med. Christian Trautwein

Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, einen langjährigen Kollegen, Freund, Weggefährten und meinen ersten Doktoranden, Herrn Prof. Dr. med. Christian Trautwein, als Kongresspräsidenten 2021 der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vorzustellen.

Christian Trautwein wurde am 4. Juni 1960 in Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland, geboren. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann u. a. in Paris, dann von 1981 bis 1987 Studium der Humanmedizin, vor allem an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz (bis 1985) und dann für das praktische Jahr an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Die Promotion erfolgte 1987 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mit einem Thema zu Antimitochondrialen Antikörpern bei der Primär Biliären Zirrhose, einer Erkrankung, die heute als Primär Biliäre Cholangitis bezeichnet wird. Das Thema der Doktorarbeit spiegelt das Interessengebiet seines Doktorvaters auf dem Gebiet autoimmuner Lebererkrankungen wider. Im selben Jahr erfolgte auch die Approbation als Arzt.

Christian Trautwein begann im selben Jahr 1987 seine klinische Ausbildung als wissenschaftlicher Assistent an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. med. vet. Dr. h. c. Karl Hermann Meyer zum Büschenfelde. Er war von Beginn an wissenschaftlich aktiv in der von mir als Oberarzt geleiteten Arbeitsgruppe zur Immunpathogenese entzündlicher Lebererkrankungen, zu der u. a. damals auch Guido Gerken, Essen, und Ansgar Lohse, Hamburg, gehörten. Es bestand Einigkeit, dass Christian Trautwein eine klinisch-wissenschaftliche Karriere anstreben sollte, und wir beide waren der Überzeugung, dass dafür eine wissenschaftliche Grundausbildung im Rahmen eines DFG-Ausbildungsstipendiums in den USA der nächste wichtige Schritt sein sollte. Gemeinsam haben wir uns dann für die University of California San Diego (UCSD), La Jolla, entschieden, nicht zuletzt, weil diese Region im Süden Kaliforniens nördlich von San Diego nicht nur einer der schönsten Flecken unserer Erde ist, sondern weil La Jolla schon damals ein absolutes Hightech-Zentrum der biomedizinischen Forschung, mit der Scripps Clinic and Research Foundation, dem Salk Research Institute, den zahlreichen dort angesiedelten Biotech-Unternehmen und der University of California San Diego (UCSD), war. Christian Trautwein arbeitete dann mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Department of Pharmacology, Signal Transduction and Gene Transcription Laboratory unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Karin. Michael Karin war damals und ist heute immer noch ein absoluter Weltspezialist auf dem Gebiet der organspezifischen Transkription, vor allem bezogen auf Lebererkrankungen. Zahlreiche internationale Karrieren haben in seinem Labor begonnen. Damals begeisterten die Fragen: „Wie entsteht ein Organ mit seinen spezifischen Funktionen? Warum werden nach Ausdifferenzierung eines Organs nur einzelne Gene abgerufen bzw. genutzt, wenngleich jede Zelle die gleiche komplette Genausstattung beherbergt?“ Oder wissenschaftlicher und spezifischer ausgedrückt: „Wie funktioniert die organspezifische Gentranskription?“ Christian Trautwein hat in den USA im Labor von Michael Karin bahnbrechende Untersuchungen auf diesem Arbeitsgebiet als Post Doc geleistet, die sich u. a. in einer Originalpublikation in NATURE widerspiegelten.

1993 kehrte Christian Trautwein aus den USA nach Deutschland zurück und kam als wissenschaftlicher Assistent an die inzwischen von mir geleitete Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie am Zentrum Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Hier baute Christian Trautwein systematisch seine eigene Arbeitsgruppe zur organspezifischen Gentranskription auf. Seine in den USA erworbenen Kenntnisse auf dem damals besonders aktuellen Forschungsgebiet ermöglichten die Bearbeitung verschiedener Fragen aus mehreren Teilgebieten der Hepatologie unter Einschluss der Entzündungsforschung, der Fibrogenese, der Hepatitisinfektionen, der Onkologie und der Transplantationsmedizin. Christian Trautwein entwickelte sich zu einem Leitungsträger an der MHH Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und war wesentlich an der Neuausrichtung beteiligt.

Parallel wurde die klinische Ausbildung zum Internisten und Gastroenterologen in Hannover abgeschlossen. Die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin erfolgte 1995 und die Anerkennung der Teilgebietsbezeichnung Gastroenterologie 1996. Der Erwerb der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin 2011 rundete das klinische Ausbildungsspektrum ab. Logische Konsequenz war 2001 die Ernennung zum Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. 1996 erfolgte die Ernennung zum C2-Professor für Innere Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Von 2000 bis 2005 bekleidete Christian Trautwein die Position des Leitenden Oberarztes und ständigen Vertreters des Klinikdirektors, 2002 erfolgte die Beförderung zum C3-Professor für Innere Medizin.

Der nächste wesentliche Karriereschritt erfolge dann durch die Berufung auf die W3-Professur für Innere Medizin an der RWTH Aachen, verbunden mit der Übernahme der Position des Direktors der Medizinischen Klinik III für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Intensivmedizin. In Aachen folgten weitere erfolgreiche Jahre mit dem Aufbau verschiedener selbstständiger Arbeitsgruppen unter dem Dach der Medizinischen Klinik III. Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeitsgruppen unter Leitung von Prof. Trautwein waren molekulare Mechanismen akuter und chronischer Schädigungen der Leber, die Karzinogenese im hepatobiliären System, die Fibrogenese der Leber sowie Regelkreisläufe der Darm-Leber-Achse. Die Forschungen wurden kontinuierlich durch verschiedene Forschungsorganisationen gefördert, neben dem BMBF, der EU, der Deutschen Krebshilfe und der EASL vor allem auch durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Christian Trautwein erhält seit 1991 ununterbrochen Sachbeihilfen der DFG.

Darüber hinaus war und ist Christian Trautwein sehr aktiv bei zahlreichen Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Projektleiter, Vorstandsmitglied und Sprecher. In Hannover war er Projektleiter des SFB 265 „Immunreaktion und Pathomechanismen bei Organtransplantation“ und des SFB 566 „Zytokin-Rezeptoren und Zytokin-abhängige Signalwege als therapeutische Strukturen“. In diesem SFB war er nicht nur Teilprojektleiter, sondern auch Vorstandsmitglied. Nach seinem Wechsel an die RWTH Aachen wurde Christian Trautwein Mitglied im Vorstand und Teilprojektleiter des SFB 542 „Molekulare Mechanismen Zytokin-gesteuerter Entzündungsprozesse: Signaltransduktion und pathophysiologische Konsequenzen“, dann Teilprojektleiter, Mitglied des Vorstands und Sprecher des SFB/ TRR 57 „Organ Fibrosis: From mechanism of injury to modulation of disease“, schließlich Teilprojektleiter des SFB 975 „Funktionelle Mikrogele und Mikrogelsysteme“ sowie Teilprojektleiter und Mitglied des Vorstands des SFB 1382 „Die Darm-Leber-Achse – Funktionelle Zusammenhänge und therapeutische Strategien“ und außerdem Teilprojektleiter  des Graduiertenkollegs GRK  2375 „Tumor-Targeted Drug Delivery“.

Christian Trautwein hat selbst zahlreiche wissenschaftliche Preise erhalten. Dazu gehören der Boehringer Ingelheim Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Austauschs 1989, der Ludolph-Brauer-Preis der Nordwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin 1995, der Kussmaul-Preis der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie 1996, als Krönung der Thannhauser Preis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) 1999 und schließlich der Solko-Schalm-Preis 2013.

Christian Trautwein ist nicht nur Mitglied im Vorstand der DGVS und deren Kongresspräsident 2021, sondern auch Mitglied im Vorstand der Ackermann-Stiftung, Sprecher des Aachener Fakultätsfokus Entzündung und Konsequenzen und Sprecher der Ethik Kommission der European Association for the Study of the Liver (EASL). Er war Mitglied im Governing Board der EASL und Mitglied im Fachkollegiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Christian Trautwein ist Autor und Co-Autor von 590 Publikationen, seine Arbeiten wurden 26 242-mal zitiert. Sein H-Index ist 87.

Christian Trautwein blickt inzwischen auf 16 Jahre erfolgreicher Tätigkeit als Klinikdirektor zurück. Christian Trautwein ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Clinician Scientist“. Dabei hat er selbst mehrere Rufe bzw. Angebote für leitende Positionen anderer Universitäten erhalten, ist aber Aachen treu geblieben. Zahlreiche seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben inzwischen leitende Positionen in kommunaler oder konfessioneller Trägerschaft übernommen sowie auch im universitären Bereich. Zu erwähnen sind u. a. die Berufungen auf die W3-Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow und Campus Mitte, sowie auf die W3-Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Universität Düsseldorf. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben auch leitende akademische Positionen im Ausland erworben.

Mich persönlich erfüllt es mit Stolz, meinen ersten Doktoranden und langjährigen Weggefährten und Freund Christian Trautwein als Kongresspräsidenten 2021 der DGVS vorstellen zu dürfen. Er ist durch sein Wirken als Kliniker und „Clinician Scientist“ ein prominentes und international renommiertes Mitglied unserer Scientific Community. Er ist ein würdiger Kongresspräsident der DGVS und der „Viszeralmedizin 2021“. Dies ist nicht der erste, aber auch sicherlich nicht der letzte große Kongress unter seiner Leitung. Vom 13. bis 18. September 2021 findet er als Hybrid-Kongress statt, zuerst online und dann am 17. und 18. September 2021 als Präsenzveranstaltung in Leipzig.

Die SARS-Cov-2-/COVID-19-Pandemie der Jahre 2020–2021 stellt uns alle nun schon über ein Jahr vor besondere Herausforderungen. Ich bin aber überzeugt, dass trotz aller Herausforderungen diese Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zusammen mit ihrer Sektion Gastrointestinale Endoskopie und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) als „Viszeralmedizin 2021“ in Leipzig und im Netz wieder einen Meilenstein setzen wird.

Michael P. Manns