Ismar Boas-Medaille
Auf dieser Seite finden Sie alle Ehrungen durch die DGVS mit der Ismar Boas-Medaille.
Preisträger der Ismar Boas Medaille 2026
Mit der Verleihung der Ismar Boas-Medaille ehrt die DGVS einen Wissenschaftler, dessen Arbeiten unser Verständnis entzündlicher Erkrankungen grundlegend verändert und neue therapeutische Perspektiven eröffnet haben.
Stefan Rose-John studierte Biologie an der Universität Heidelberg und promovierte dort 1982. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Michigan State University führte ihn sein wissenschaftlicher Weg über das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg, die RWTH Aachen und die Johannes Gutenberg Universität Mainz schließlich an die Christian-Albrechts- Universität zu Kiel, wo er seit dem Jahr 2000 als Professor und Direktor des Biochemischen Instituts wirkte. Mit der Gründung und langjährigen Leitung des Sonderforschungsbereichs 877 „Proteolyse als regulatorisches Ereignis in der Pathophysiologie“
hat er zudem einen international sichtbaren Forschungsschwerpunkt geschaffen.
Sein wissenschaftliches Lebenswerk ist untrennbar mit der Erforschung von Zytokinen und ihrer Rolle bei Entzündung und Krebsentstehung verbunden. Von herausragender Bedeutung ist dabei seine Entdeckung des sogenannten Interleukin-6-Trans-Signaling. Prof. Rose-John konnte als Erster zeigen, dass Interleukin-6 über seinen löslichen Rezeptor nahezu alle Zellen des Körpers stimulieren kann und dass insbesondere dieser Signalweg die entzündungsfördernden Wirkungen von IL-6 vermittelt. Gleichzeitig gelang ihm der Nachweis, dass die klassische Signalübertragung über den membranständigen Rezeptor vor allem regenerative und protektive Funktionen erfüllt.
Diese Erkenntnisse haben das Verständnis der Zytokinbiologie nachhaltig geprägt und weltweit neue Forschungsfelder eröffnet. Noch bemerkenswerter ist jedoch die Konsequenz, mit der Prof. Rose-John seine Grundlagenforschung in klinische Anwendungen überführt hat. Mit der Entwicklung innovativer Designerproteine wie Hyper-IL-6 und insbesondere sgp130Fc schuf er Werkzeuge, um die biologischen Funktionen des IL-6-Trans-Signalwegs gezielt zu entschlüsseln. Aus dieser Forschung entstand schließlich ein neuartiger therapeutischer Ansatz. Das aus sgp130Fc entwickelte Medikament Olamkicept hemmt selektiv den entzündungsfördernden IL-6-Trans- Signalweg, ohne die physiologisch wichtigen Schutzfunktionen von IL-6 zu beeinträchtigen. Die erfolgreichen klinischen Studien bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen markieren einen seltenen und beeindruckenden Weg von der molekularen Entdeckung bis zur potenziellen Anwendung am Krankenbett.
Die internationale Bedeutung seiner Arbeiten spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen wider, darunter die Ernst-Jung-Medaille für Medizin in Gold, die Wahl in die Academia Europaea sowie der William E. Paul Award der International Cytokine and Interferon Society. Sie alle würdigen einen Wissenschaftler, dessen Erkenntnisse weit über die Grenzen einzelner Fachgebiete hinausreichen.
Prof. Rose-John steht beispielhaft für wissenschaftliche Kreativität, methodische Exzellenz und die erfolgreiche Translation von Grundlagenforschung in die klinische Medizin. Mit seinen Arbeiten hat er nicht nur die Immunologie und Entzündungsforschung geprägt, sondern auch der Gastroenterologie neue Wege eröffnet.
Die DGVS verleiht ihm daher die Ismar Boas-Medaille in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und seines nachhaltigen Beitrags zum Verständnis und zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen.
Ismar Boas Medaille – Preisträger*innen der DGVS (seit 1990)
| Jahr | Name | Stadt |
|---|---|---|
| 1990 | Herbert Falk | Freiburg |
| 1991 | Werner Creutzfeldt | Göttingen |
| 1992 | G. Sachs | Boston |
| 1993 | Hans Fromm | Washington |
| 1994 | Eugene Pasquale DiMagno | Rochester |
| 1995 | André Blum | Lausanne |
| 1996 | James L. Boyer | New Haven |
| 1997 | M. Cremer | Brüssel |
| 1998 | Jens Frederik Rehfeld | Kopenhagen |
| 1999 | John Andrew Wiliams | Ann Arbor |
| 2000 | Albert B. Lowenfels | New York |
| 2001 | J. Hugh Baron | London/New York |
| 2002 | Martin C. Carey | Boston |
| 2003 | Peter G. Isaacson | London |
| 2004 | Roberto Groszmann | West Haven |
| 2005 | Sidney Philipps | Rochester |
| 2006 | Mario Rizetto | Turin |
| 2007 | David Liebermann | Portland |
| 2008 | Warren Strober | Bethesda |
| 2009 | Jan Tack | Leuven |
| 2010 | Axel Ullrich | Martinsried |
| 2011 | Kentaro Sugano | Tokio |
| 2012 | Michael Camilleri | Minnesota |
| 2013 | Christian Bréchot | Lyon |
| 2014 | Snorri Thorgeirsson | Bethesda |
| 2015 | Ernst Kuipers | Rotterdam |
| 2016 | Timothy Cragin Wang | New York |
| 2017 | Ashok Saluja | Miami |
| 2018 | Emeran Mayer | Los Angeles |
| 2019 | Jessica Zucmann-Rossi | Paris |
| 2021 | Antonello Pietrangelo | Modena |
| 2022 | Michael Schemann | Freising |
| 2023 | Eran Elinav | Jerusalem |
| 2024 | Silvio Danese | Mailand |
| 2025 | Detlef Schuppan | Marburg |
Ismar Boas Medaille – Preisträger*innen der Gesellschaft für Gastroenterologie der DDR (1978 – 1989)
| Jahr | Name | Stadt |
|---|---|---|
| 1978 | Franziska Renger | Berlin |
| 1979 | Kothe | Leipzig |
| 1980 | Kurt Koelsch Wolfgang Teichmann Karel Herfort Holomán Winter | Magdeburg Rostock Prag Bratislava Berlin |
| 1981 | Konrad Seige | Halle |
| 1981 | Günther | Dresden |
| 1983 | H. Petzold | Leipzig |
| 1984 | Balthasar Wohlgemuth | Leipzig |
| 1986 | Kurt Predel Hans Berndt M. Jablonská | Bad Berka Berlin Prag |
| 1987 | G. Lisewski | Berlin |
| 1988 | Dieter Lohmann | Leipzig |
| 1989 | Rudolf Arendt | Rostock |
| 1989 | Hans Bosseckert Heinz Oetcke | Jena Bad Münder |