Thannhauser Medaille
Auf dieser Seite finden Sie alle Ehrungen durch die DGVS mit der Thannhauser Medaille.
Preisträger der Thannhauser Medaille 2026
Mit der Verleihung der Thannhauser-Medaille ehrt die DGVS einen Wissenschaftler, dessen Arbeiten die moderne Hepatologie und Virologie über mehr als fünf Jahrzehnte geprägt haben: Professor Dr. Wolfram H. Gerlich.
Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit im Jahr 1970 widmete sich Wolfram Gerlich der Erforschung des Hepatitis-B-Virus. Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Biologie, Diagnostik, Prävention und Übertragung dieses weltweit bedeutsamen Erregers grundlegend verändert und die Hepatitisforschung nachhaltig geprägt. Bereits in den frühen 1970er-Jahren gelangen ihm wegweisende Beiträge zur Charakterisierung des Hepatitis-B-Oberflächenantigens. Mit der damals neuen SDS-Gelelektrophorese lieferte er die erste zutreffende Proteinanalyse des HBsAg. Einen Meilenstein stellte die Entdeckung der PräS-Proteine dar, die er gemeinsam mit Werner Stibbe und Klaus-Hinrich Heermann beschrieb. Insbesondere die Identifizierung des großen Hüllproteins mit der PräS1-Domäne eröffnete ein neues Verständnis der Virusstruktur und legte die Grundlage für spätere Arbeiten zur Aufnahme des Virus in Leberzellen.
Zu den bedeutendsten Leistungen seines wissenschaftlichen Lebenswerks zählt die gemeinsam mit William Robinson gemachte Entdeckung eines kovalent an das 5‘-Ende der viralen DNA gebundenen Proteins. Diese Arbeit enthüllte erstmals den Mechanismus der proteinvermittelten DNA-Replikation bei Hepadnaviren und gehört zu den klassischen Grundlagenarbeiten der modernen Virologie.
Prof. Gerlich beschränkte sich jedoch nie auf die Grundlagenforschung. Sein Werk steht beispielhaft für die erfolgreiche Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnis und medizinischer Anwendung. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Erprobung der ersten Hepatitis-B-Impfstoffe beteiligt und trug entscheidend dazu bei, deren Sicherheit und Wirksamkeit zu belegen. Millionen geimpfter Menschen weltweit profitieren bis heute von diesen Arbeiten.
Ebenso nachhaltig wirkte sein Engagement für die Diagnostik und Sicherheit von Blutprodukten. Über Jahrzehnte prägte er internationale Standards für Hepatitis-Virus-Marker und arbeitete eng mit nationalen und internationalen Referenzinstitutionen zusammen. Seine Untersuchungen zur Nukleinsäuretestung von Blutspenden führten zu einer deutlichen Verbesserung der Transfusionssicherheit und etablierten neue Maßstäbe für den Nachweis okkulter und früher Virusinfektionen. Damit leistete er einen unmittelbaren Beitrag zum Schutz unzähliger Patienten weltweit.
Als Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Hepatitis B und D, Sprecher eines Sonderforschungsbereichs, DFG-Fachkollegiat, Berater nationaler Gremien und Mitbegründer der Gesellschaft für Virologie hat er darüber hinaus die wissenschaftliche Infrastruktur Deutschlands entscheidend mitgestaltet. Die zahlreichen Auszeichnungen seines Wirkens – von der Ehrendoktorwürde der Universität Lettlands bis zur Loeffler-Frosch-Medaille und dem Distinguished Award in Hepatitis B Research – spiegeln die internationale Anerkennung seines Lebenswerks wider.
Prof. Wolfram Gerlich steht beispielhaft für wissenschaftliche Exzellenz, Beharrlichkeit und erfolgreiche Translation. Mit seinen Entdeckungen hat er die Hepatitisforschung weltweit geprägt, die Prävention von Lebererkrankungen verbessert und die Sicherheit der medizinischen Versorgung nachhaltig gestärkt.
Die DGVS verleiht ihm daher die Thannhauser-Medaille in Anerkennung seines herausragenden wissenschaftlichen Lebenswerks und seiner außergewöhnlichen Verdienste um die Hepatologie.
Preisträger*innen der Thannhauser Medaille seit 1969
| Jahr | Name | Stadt |
|---|---|---|
| 1969 | Artturi Ilmari Virtanen | Helsinki |
| 1972 | Norbert Henning | Erlangen |
| 1974 | H. Gülzow | Rostock |
| 1976 | Heinrich Bartelheimer | Hamburg |
| 1978 | Franz J. Ingelfinger | Boston |
| 1980 | Sheila Sherlock | London |
| 1982 | Gustav Adolf Martini | Marburg |
| 1984 | Hans Adolf Kühn | Freiburg |
| 1986 | Ludwig Demling | Erlangen |
| 1988 | Heribert Thaler | Wien |
| 1990 | Henri Sarles | Marseille |
| 1992 | Wolfgang Gerok | Freiburg |
| 1994 | Werner Creutzfeldt | Göttingen |
| 1996 | Alan Frederick Hofmann | San Diego |
| 1998 | Georg Strohmeyer | Düsseldorf |
| 2000 | Gustav Paumgartner | München |
| 2002 | Ernst-Otto Riecken | Berlin |
| 2004 | Christian Herfarth | Heidelberg |
| 2006 | Meinhard Classen | München |
| 2008 | Karl-Hermann Meyer zum Büschenfelde | Berlin |
| 2010 | Hermann Brenner | Heidelberg |
| 2012 | Eugene Pasquale DiMagno | Rochester |
| 2013 | Gregory J. Gores | Rochester |
| 2014 | Massimo G. Colombo | Mailand |
| 2016 | Werner Wilhelm Franke | Heidelberg |
| 2018 | Wolff Schmiegel | Hamburg |
| 2021 | Barbara Rehermann | Bethesda |
| 2022 | Dieter Häussinger | München |
| 2025 | Laurent Peyrin-Biroulet | Nancy |