JUGA-CAJC Treffen zur Planung von NEXT GEN auf der Viszeralmedizin 2023

Die Viszeralmedizin ist geprägt von Interdisziplinarität, eine enge Zusammenarbeit zwischen Gastroenterolog*innen und Viszeralchirurg*innen ist essenziell, um unsere Patienten optimal zu behandeln. Dies gilt auch für Forschung, Lehre und die ärztliche Weiterbildung. Diesem gemeinsamen Leitbild folgend wird die „Viszeralmedizin“ seit vielen Jahren gemeinsam von der DGVS und DGAV gestaltet. 2022 fand erstmals am Kongressmittwoch der interdisziplinäre Nachwuchstag NEXT GEN von und für junge Viszeralmediziner*innen statt. In verschiedenen Workshops und Crashkursen wurden sowohl theoretische Kenntnisse als auch praktische Fertigkeiten etwa in der Sonographie, der Funktionsdiagnostik und der Laparoskopie vermittelt sowie Hilfestellungen für den Start in das Forscherleben präsentiert. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Dreifaltigkeit von Klinik, Lehre und Wissenschaft für zukünftige Ärztegenerationen waren wichtige Themen. Aufgrund der sehr positiven Rückmeldungen und komplett ausgebuchten Kursen war die Entscheidung schnell gefällt, das gemeinsame Konzept weiterzuentwickeln und den Fokus noch mehr auf die Interdisziplinarität in der Viszeralmedizin zu legen.  

Zur gemeinsamen Planung des NEXT GEN 2023 durch die AG Junge Gastroenterologie der DGVS (JUGA) sowie der Arbeitsgemeinschaft „Junge Chirurgie“ (CAJC) der DGAV fand am 12. und 13. November 2022 ein Planungstreffen in Berlin statt. Als Vertretende der JUGA waren Miriam Bittel, Viliam Masaryk, Sabrina Sulzer, Marcus Hollenbach, Jasmin Zessner-Spitzenberg, Johanna List, Sophie Schlosser und Jonas Staudacher am Start. Mit Maximilian Babucke, Maximilian Weniger, Florentine Hüttl, Nils Sommer, Verena Tripke und Tobias Huber von der CAJC wurden Umfragen unter den aktiven Mitgliedern beider AGs ausgewertet um NEXT GEN 2023 noch besser auf die Bedürfnisse der jungen Kolleg*innen ausrichten zu können. Die geplanten Workshops werden 2023 – soweit thematisch sinnvoll – immer interdisziplinär besetzt und der gesamte NEXT GEN 2023 als gemeinsame gastroenterologisch-viszeralchirurgische Veranstaltung geplant. Mit einer „backbone-session“ findet im Rahmen von Tandem-Vorträgen ein kleines interdisziplinäres Facharzt-Repetitorium statt, um das Angebot dieses Jahr zu erweitern und allen interessierten Viszeralmediziner*innen eine Teilnahme zu ermöglichen. Erstmals werden seitens der JUGA Endoskopie-Beginner-Workhops an Simulatoren bzw. Tiermodellen angeboten, um wichtige praktische Fertigkeiten beim Erlernen der Gastroskopie und Koloskopie zu vermitteln. Das bewährte Modell der Ultraschallkurse sowie ein Nahtkurs und Praktische Skills in der minimal-invasiven Chirurgie werden natürlich beibehalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Workshops zu sogenannten „soft-skills“ wie Karriereplanung, laterales Führen sowie der Umgang mit Fehlern und Komplikationen.  

Wir freuen uns, somit auch 2023 dem Nachwuchs einen interessanten Kongresstag mit abwechslungsreichen und thematisch anspruchsvollen Veranstaltungen präsentieren zu können.  

Neben der Planung von NEXT GEN  2023 wurden auch mehrere Ideen für weitere gemeinsame interdisziplinäre Projekte intensiv diskutiert. Zusätzlich zu Umfrage- und Vernetzungs-Vorschlägen fand die Projektskizze „Schwangerschaftskomplikationen bei Viszeralmediziner*innen“ ein starkes Echo, sowohl in JUGA als auch CAJC. Einer aktuellen Studie¹ nach sind Schwangerschaftskomplikationen bei Chirurginnen in Amerika etwa doppelt so häufig wie in der Normalbevölkerung. Die Übertragbarkeit der Daten ist aufgrund unterschiedlicher Arbeitsbedingungen und Gesundheitssysteme unklar. Diese Unsicherheit und der Mangel an Daten bei Viszeralmedizinerinnen in Deutschland wird von der CAJC und JUGA gemeinsam angegangen. Wir freuen uns auf zukünftige Treffen, um die konkrete Umsetzung dieses Projektes und weiterer interdisziplinärer Themen zu erarbeiten.  

1 Rangel et al. Incidence of Infertility and Pregnancy Complications in US Female Surgeons JAMA Surg. 2021;156(10):905-915. doi:10.1001/jamasurg.2021.3301 

 

PD Dr. med. Marcus Hollenbach

Klinik und Poliklinik für Onkologie, Gastroenterologie,
Hepatologie, Pneumologie und Infektiologie
Universitätsklinikum Leipzig

 

Dr. med. Verena Tripke

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Universitätsmedizin Mainz

 

Wie führe ich meine*n Chef*in?

Meckern hilft nicht. Läufts nicht, sollte man versuchen, seinen Einfluss geltend zu machen. Doch wie führe ich meine*n Chef*in?

Chefärzt*innen werden zwar allerhand Eigenschaften zugesprochen – über die Fähigkeit, Wünsche von den Lippen abzulesen, wird aber eher selten berichtet. Um die eigenen Anliegen platziert zu bekommen, ist es essentiell, von den Vorgesetzten überhaupt wahrgenommen zu werden. Dies kann zum Beispiel mit gezielten Rückfragen zu Arbeitsaufträgen bei den gemeinsamen Besprechungen oder der Visite erreicht werden. Denselben Zweck kann das Einfordern von (Therapie-)Entscheidungen erfüllen. Auch die Unterstützung der / des Vorgesetzen bei dessen eigenen Projekten kann hierzu beitragen. Führung ist immer ein Beziehungsgeschehen. Da bei der Führung von unten nach oben in der Regel Einfluss auf eine Einzelperson genommen werden soll, kann man sich hier besonders gut auf die Eigenheiten der / des Vorgesetzten einstellen.

Sind Missstände zu benennen, sollte dies in konstruktiver Weise vorgetragen werden. Gegebenenfalls können Alternativen aufgezeigt werden. Genauso müssen eigene Wünsche geäußert werden, denn nur so werden Vorgesetze darauf reagieren können. Ob es die Teilzeitstelle nach der Elternzeit oder der Fernseher im Dienstzimmer sein mag, die Wünsche müssen ausgesprochen werden. Dies setzt eine offene und vertrauensvolle Kommunikation voraus. Ein idealer Zeitpunkt und Ort kann hierfür das regelmäßig stattfindende Weiterbildungsgespräch sein.

Nach entsprechender gedanklicher Vorbereitung sollten die Forderungen klar und offen formuliert werden. Bei allem Eifer darf aber die Selbstreflektion und -kritik nicht außen vor bleiben. Nur wenn Forderungen angemessen sind und respektvoll vorgetragen werden, besteht Aussicht auf Erfolg. Dabei spielen der aktuelle Aus- und Weiterbildungsstand sowie Vorkenntnisse eine herausragende Rolle. Hier ist eine Selbstkontrolle essentiell – schaffe ich das? Bei allen Forderungen gilt es zudem zu bedenken, dass auch Vorgesetzte eigene Ziele verfolgen und gewissen Zwängen unterliegen. Zudem lassen sich Veränderungen eher in kleinen Schritten erreichen. Bereits bei der Zielsetzung sollte mit einbezogen werden, wie sich mit geringem Aufwand der größtmögliche Effekt erreichen lässt. Darüber hinaus können bestimmte Ziele in Vorgesetzten auch Ängste auslösen, z.B. Verlust von Mitarbeitenden Loyalitätskonflikte, oder sogar die Angst, durch Mitarbeitende ersetzt zu werden.

Aber auch Vorgesetzte können von dieser Strategie profitieren. Ideen und Vorschläge zur Optimierung der Abläufe und Strukturen können direkt von den Mitarbeitenden eingefordert werden. Hierzu können gezielt Anreize geschaffen und die Kommunikation, z.B. mit der Themensetzung in einer offenen Runde, ohne Zeitdruck erleichtert werden. Denn oft fehlen Führungspersonen Rückmeldungen aus dem Team, welche auch teuer bezahlte Unternehmensberater nicht beisteuern können.

Gelingt es auch wiederholt nicht, die eigenen Wünsche mit denen des Vorgesetzten in Einklang zu bringen, darf auch über einen Wechsel nachgedacht werden. Zuvor sollten aber alle kommunikativen Mittel ausgeschöpft werden.