Innovationsfondsprojekte

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz erhielt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen, und Versorgungsforschungsprojekte, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet sind, zu fördern. Übergeordnetes Ziel des Innovationsfonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Die DGVS ist mit mehreren Projekten am Innovationsfonds beteiligt.

CEDBIO-ASSIST: Bessere Versorgung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen durch die Delegation von ärztlichen Leistungen an eine Biologika-Nurse

Der Innovationsfond des G-BA hat Ende 2018 einem Studienantrag des Kompetenznetz Darmerkrankungen (Medizinischer Leiter: PD Dr. B. Bokemeyer) zur Förderung zugestimmt, um in einer großen zweiarmigen Studie den Effekt einer speziell ausgebildeten Biologika-Nurse in der Behandlung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) unter einer Biologika-Therapie zu untersuchen. Aufgrund der hohen körperlichen Beeinträchtigungen und der oft auch zusätzlich bestehenden psychosozialen Belastung dieser CED-Patienten unter einer  Biologika-Therapie sowie den begrenzten Ressourcen in den betreuenden Einheiten für die Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hat schon heute hier das ärztliche Assistenzpersonal häufig eine wesentliche Rolle in der Unterstützung der ärztlichen Therapie. In dieser Studie CEDBIO-ASSIST soll jetzt überprüft werden, ob durch eine speziell weiter gebildete Biologika-Nurse hier ein wesentlicher Zusatznutzen durch die Delegation der ärztlichen Leistungen in der Betreuung dieser Patienten in einer randomisierten Studie darzustellen ist. Der G-BA fördert dieses Projekt CEDBIO-ASSIST des Kompetenznetzes Darmerkrankungen mit 5,4 Mio. Euro über 4 Jahre. Konsortialpartner sind der bng, die FA-CED, die TK, das Hamburger Institut für Gesundheitsökonomie und das Institut für Sozialmedizin in Lübeck, sowie das Universitätsklinikum in Kiel.

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CED-KQN – Big Data - eHealth: Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

In der Patientenversorgung spielen Big Data und E-Health eine immer größere Rolle. Eines der größten Patientenregister ist ein Register mit Daten von Kindern und Jugendlichen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung (CEDATA-GPGE). Ziel des Projekts CED-KQN – Big Data – eHealth: Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist das Register weiter auszubauen, um einen erfolgreichen Übergang in die Erwachsenenmedizin zu gewährleisten und eine Verbesserung der Versorgung durch bereitstehende Daten zu ermöglichen. Dazu werden zur klinischen Entscheidungsunterstützung registerbasierte Algorithmen konzipiert und eine Anpassung der zugrunde liegenden Informationstechnologie angestrebt. Gefördert wird das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit ca. 1,3 Millionen Euro.

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EDIUM - Ergebnisqualität bei Darmkrebs: Identifikation von Unterschieden und Maßnahmen zur flächendeckenden Qualitätsentwicklung

Das Projekt EDIUM – Ergebnisqualität bei Darmkrebs: Identifikation von Unterschieden und Maßnahmen zur flächendeckenden Qualitätsentwicklung untersucht in einzelnen darmkrebsbehandelnden Krankenhäusern in Deutschland den Behandlungserfolg. Je nach Krankenhaus kann die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs – eine der am häufigsten auftretenden Krebsarten, erheblich variieren. Mit Hilfe der Studie sollen mögliche Versorgungsunterschiede und mögliche Unterschiede in den Behandlungsergebnissen identifiziert werden, um die Behandlung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs zu verbessern.

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FARKOR - ein vielseitiges Modellprojekt in Kooperation mit der DGVS

Am 1. Oktober 2018 startete FARKOR in den bayerischen Praxen – ein vom Innovationsfonds gefördertes Modellprojekt mit dem Ziel, die Sterblichkeit von Darmkrebs bei unter 50-Jährigen zu senken. FARKOR steht für „Vorsorge bei familiärem Risiko für das kolorektale Karzinom“. Etwa zehn Prozent der jährlichen Darmkrebs-Neuerkrankungen werden in Deutschland vor dem 50. Lebensjahr erkannt; diese Altersgruppe zeigt eine steigende Inzidenz. Einem Großteil dieser Fälle liegt ein familiäres oder erbliches Darmkrebsrisiko zugrunde.

In dem umfangreichen Projekt sollen daher Menschen, die direkte Verwandte mit Darmkrebs und dadurch ein familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, früh identifiziert werden und risikoangepasste Vorsorgemöglichkeiten erhalten. Die Identifikation der Risikopatienten erfolgt durch die Erhebung einer strukturierten Familienanamnese, bei der Patienten im Alter von 25 bis unter 50 Jahren von Ärzten in bayerischen Praxen nach Darmkrebserkrankungen in der Familie gefragt werden. Um diese Zielgruppe noch besser zu erreichen werden zusätzlich neu an Darmkrebs erkrankte Personen (Indexpatienten) durch ihre Krankenkasse schriftlich über das erhöhte Risiko ihrer Verwandten informiert., Außerdem können sich Interessierte über eine eigens eingerichtete Informationswebsite mit Risikorechner auch selbst über ihr individuelles Erkrankungsrisiko informieren.

FARKOR – Umsetzung in der ärztlichen Praxis

Teilnehmende Ärzte können jede Person zwischen 25 und 49 Jahren durch Erhebung der ersten Familienanamnese in das Projekt einschließen. Diese erste Leistung kann auch dann abrechnet werden, wenn sich kein familiäres Darmkrebsrisiko herausstellt. Wird eine Person als Risikopatient identifiziert, wird ihr erstmals die Möglichkeit geboten, Leistungen entsprechend der wissenschaftlichen Leitlinie in Anspruch zu nehmen – hierzu zählen unter anderem die Teilnahme an einer Früherkennungskoloskopie oder alternativ an einem iFOBT. So steht Risikopersonen innerhalb von FARKOR ein regelhaftes Darmkrebsvorsorgeprogramm vor dem Alter von 50 Jahren offen. Alle im Rahmen des Modellvorhabens erbrachten Leistungen werden extrabudgetär vergütet.

Das Projekt richtet sich an einen großen Teilnehmerkreis, denn es sind Hausärzte, hausärztlich sowie fachärztlich tätige Internisten, Gynäkologen, Urologen, Gastroenterologen, Hämatologen/Onkologen, Humangenetiker, Laborärzte, Pathologen, Dermatologen sowie Ärzte mit der Genehmigung zur Erbringung bestimmter EBM-Leistungen (01737, 01738, 01741, 01742, 01743, 13421, 13422, 13423) teilnahmeberechtigt. Fast alle Krankenkassen beteiligen sich an diesem Programm

Wenn Sie sich für eine Teilnahme an FARKOR interessieren finden Sie alle Informationen unter www.kvb.de/abrechnung/verguetungsvertraege/farkor/.

Nach erfolgreicher Einschreibung erhalten die teilnehmenden Ärzte ein Starter Kit mit Flyern, Aufstellern für die Flyer sowie ein Poster für den Aushang in der Praxis, so dass sie auch Ihre Patienten aktiv über FARKOR informieren können Versicherte und Ärzte haben weiterhin die Möglichkeit, über die Eingabe ihrer Postleitzahl oder ihres Ortes nach Ärzten in ihrer Nähe zu suchen, die sich an FARKOR beteiligen. Einen Baustein des Projekts bilden zwei für das Projekt entwickelte ärztliche Fortbildungen zu den Themen familiäres Darmkrebsrisiko und vertiefte Familienanamnese, welche die KVB auf ihrer Online-Fortbildungsplattform (CuraCampus) anbietet. Diese Fortbildungen sind je nach angebotener ärztlicher Leistung und Fachgruppe Voraussetzung zur Vertragsteilnahme.

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Infos zur Teilnahme bei der KVB

KOL-OPT_UH – Fehlversorgung bzgl. Kontroll-Koloskopien in Deutschland: Ausmaß, Determinanten und Konzipierung von Lösungsansätzen

Das Projekt KOL-OPT_UH – Fehlversorgung bzgl. Kontroll-Koloskopien in Deutschland: Ausmaß, Determinanten und Konzipierung von Lösungsansätzen untersucht die mögliche Fehlversorgung der Kontrollkoloskopie.

Mit Hilfe der Koloskopie können Krebsvorstufen entfernt und Darmkrebs vorgebeugt werden. Um weiterhin gegen Darmkrebs vorzubeugen, müssen Kontroll-Koloskopien in regelmäßigen Zeitabständen durchgeführt werden. Oft wird der empfohlene Zeitabstand nicht eingehalten und das Risiko für Darmkrebs wieder erhöht. Untersuchungen sollen zeigen, welche Faktoren Einfluss auf eine Fehlversorgung in der Kontroll-Koloskopie haben und wie hoch das Ausmaß der Fehlversorgung ist.

Um auch in Zukunft der Fehlversorgung entgegenzuwirken und das Potenzial der Darmkrebsfrüherkennung weiter auszuschöpfen, werden darauf aufbauend Konzepte entwickelt. Gefördert wird das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit ca. 643.000 Euro.

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SEAL – Strukturierte Früh-Erkennung einer Asymptomatischen Leberzirrhose in Rheinland-Pfalz und im Saarland

Das Projekt SEAL (Strukturierte Früh-Erkennung einer Asymptomatischen Leberzirrhose) erprobt, inwieweit ein Leberwert-Screening beim Hausarzt dabei hilft, den Anteil früh diagnostizierter Erkrankter zu erhöhen und wirksam zu behandeln. Allen über 35-jährigen AOK-Versicherten in Rheinland-Pfalz und im Saarland wird angeboten, sich im Zuge des regelmäßigen medizinischen Check-Up beim Hausarzt ihren persönlichen Leber-Risikowert ermitteln zu lassen. Bestätigt sich der Verdacht, übernimmt ein Leberzentrum die Absicherung der Diagnose und leitet die frühzeitige Behandlung ein. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 2,7 Millionen Euro gefördert. Im Erfolgsfall ist die neue Versorgungsform auf andere Regionen übertragbar. Zudem kann die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten und Hochschulambulanzen beispielhaft auf andere Krankheitsgebiete übertragen werden. Ansprechpartner für das Projekt ist Prof. Peter Galle aus Mainz.

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SIGMO – Die Sigmoidoskopie als evidenzbasiertes Screeningverfahren für Darmkrebs – eine mögliche Option?

Ca. 60.000 Personen erkranken in Deutschland pro Jahr an Darmkrebs. Gesetzlich krankenversicherte Personen ab 50 Jahren können einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl durchführen lassen. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung haben die Versicherten außerdem Anspruch auf eine Darmspiegelung (Koloskopie). Darmpolypen, kleine Ausstülpungen der Darmschleimhaut, können bei dieser Untersuchung gegebenenfalls gleich entfernt werden. Dadurch wird verhindert, dass sie sich sonst möglicherweise zu Darmkrebs entwickeln.

Die „kleine“ Darmspiegelung (Sigmoidoskopie), in der nur die letzten 60 Zentimeter des Dickdarms angeschaut werden, gehört in Deutschland nicht zur Routine-Früherkennung von Darmkrebs. Dabei ist ihr Nutzen (Vermeidung von Darmkrebs, Senkung der Sterblichkeit an Darmkrebs) bereits in mehreren Studien bewiesen worden. Sie ist risikoärmer und weniger aufwändig als die Koloskopie: Die untersuchten Personen brauchen weniger häufig Betäubungsmittel und müssen am Vortag der Spiegelung nicht den Darm aufwendig entleeren.

Im Projekt „SIGMO“ soll deshalb untersucht werden, ob das zusätzliche Angebot der Sigmoidoskopie  mehr Versicherte zu einer Spiegelung ihres Darms motivieren kann. Dafür werden 50–60-jährige Versicherte der AOK Niedersachsen befragt, ob sie am Stuhltest, an einer klassischen Darmspiegelung oder an einer Sigmoidoskopie teilnehmen würden und welche Kriterien sie bei ihrer Entscheidung beeinflussen würden. Die Ergebnisse fließen in entscheidungsanalytische Modelle ein, die abschätzen können, wie sich ein zusätzliches Angebot der Sigmoidoskopie auf Teilnahme, Nutzen und Kosten der Früherkennung auswirken würde. Berücksichtigt werden bei der Berechnung auch weitere Parameter und Krebsregisterdaten von Darmkrebserkrankungen.

Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 574.000 Euro gefördert. Die Ergebnisse liefern den gesetzlichen Krankenversicherungen eine Entscheidungsgrundlage, ob sie künftig die Sigmoidoskopie alternativ zur regulären Darmspiegelung anbieten möchten.

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