JUGA in der ZfG
Die JUGA gestalten einen Bereich in der monatlich erscheinenden Zeitschrift für Gastroenterologie. Hier findet Ihr eine Auswahl der erschienenen Beiträge.
Die Gastroenterologie steht an einem Wendepunkt: Wir betreten eine Phase, in der digitale Technologien, künstliche Intelligenz (KI) und multimodale Datenanalysen die klinische Entscheidungsfindung grundlegend verändern. Trotz enormer Datenmengen fließt nur ein Bruchteil in klinische Entscheidungen ein, eine der größten ungenutzten Ressourcen unseres Fachs (nur 3 von 30% Gesundheitsdaten[1]). Die Diskrepanz zwischen Potenzial und tatsächlicher Nutzung ist eine der größten unerschlossenen Ressourcen unseres Fachs.
In China wurde 2025 das erste nahezu vollständig KI-gesteuerte Krankenhaus gestartet, mit 14 KI-Ärzt*innen und robotergestützten Abläufen, sodass täglich bis zu 10.000 Patientenfälle bearbeitet werden können. Diese Entwicklungen faszinieren und irritieren zugleich; sie zeigen, was technologisch möglich ist, wenn Regulierung, Datenschutz und ärztliche Verantwortung anders gewichtet werden. Unser Weg in das Jahr 2050 soll ein anderer sein: stärker ethisch gerahmt, intensiver ärztlich verantwortet und stärker patientenzentriert.
Gleichzeitig sitzen wir in einem Zug, dessen Gewicht durch demographischen Wandel, finanzielle Engpässe und Fachkräftemangel zunimmt. KI, Robotik und Telemedizin sind notwendige Energiequellen – doch am Steuer bleiben die Ärztin bzw. der Arzt – als Koordinierende einer wachsenden Informationslandschaft, als Navigator zunehmend komplexer Versorgungspfade und als Hütende einer medizinischen Ethik.
Zahlreiche Entwicklungen zeigen, dass KI nicht mehr Zukunftsmusik, sondern klinische Realität ist. KI verbessert nachweislich die Adenomdetektion; eine aktuelle Metaanalyse zeigt eine um 20% höhere ADR und 55% weniger übersehene Adenome, unabhängig von der Erfahrung der Untersuchenden [2]. Damit verschiebt sich unsere Rolle: Weg von der reinen Detektion hin zur Interpretation und Integration KI-generierter Informationen. Diese Entwicklung bleibt von Patientinnen und Patienten akzeptiert, solange die ärztliche Verantwortung klar erkennbar bleibt. Die Medizin entwickelt sich zur datengetriebenen Präzisionsmedizin. Genomik, Mikrobiomik und Echtzeit-Metabolomik ermöglichen individualisierte Therapien. Ärztinnen werden zunehmend zu Kontextinterpret*innen einer komplexen Informationslandschaft.
Auch die Versorgung selbst wird sich verändern. Telemedizin hat sich vom pandemieinduzierten Notfallinstrument zu einem zentralen Bestandteil gastroenterologischer Versorgung entwickelt. PatientInnen berichten von hoher Zufriedenheit (89%), geringeren Ausfallzeiten und geringeren Kosten pro Konsultation; gleichzeitig verbessern digitale Navigation, App-basierte Vorbereitung und Remote Monitoring nachweislich die Adhärenz und die Detektion früher Komplikationen [4][5]. In der Summe entstehen Versorgungspfade, die kontinuierlich, prädiktiv und hochgradig personalisiert sind und damit der wachsenden Komplexität multimorbider Patientengruppen deutlich besser gerecht werden.
Mit dieser Transformation entstehen neue Anforderungen an unsere Profession. Data Literacy, das kritische Verständnis algorithmischer Entscheidungsprozesse, digitale Kommunikation und ethische Kompetenz werden zu Grundpfeilern ärztlichen Handelns. Gleichzeitig müssen Risiken wie Algorithmic Bias, Deskilling und Alert Fatigue adressiert werden [6][7]. KI ist kein autonomes Diagnostiksystem, sondern ein Verstärker ärztlicher Kompetenz und damit untrennbar verknüpft mit klinischer Verantwortung.
Die folgende Vision der Gastroenterologie 2050 soll weniger vorhersagen, wie die Zukunft wird, sondern verdeutlichen, welche strukturellen Entscheidungen wir heute treffen müssen, um den wachsenden Herausforderungen des Systems zu begegnen.
Die klassische Idee des Krankenhauses als zentraler Ort der Diagnostik und Behandlung verliert an Bedeutung.
2050 ist die Versorgung kein Ort mehr, sondern ein Netzwerk. Kontinuierliche Datenströme ermöglichen Entscheidungen noch vor Symptomen. Die Logik der Versorgung verschiebt sich: Digital > ambulant > stationär. Stationäre Aufenthalte bleiben Ausnahmefällen vorbehalten – für schwerste Krankheitsbilder und hochkomplexe Interventionen.
Wo werden wir also arbeiten? Stationäre Versorgung bleibt an Universitäten und großen, spezialisierten Krankenhäusern, welche jeweils weiterhin ambulante Spezialzentren vorhalten werden. Der zweite Pfeiler wird durch ambulante, interdisziplinäre Versorgungszentren konstituiert mit einem breiten Angebot ambulanter endoskopischer Eingriffe. Ausgehend von diesen beiden Pfeilern findet die Versorgung der Patienten jedoch zunehmend auch in virtuellen Räumen (Telemedizin, Telemonitoring) statt. Als weiteres neues Modul der Versorgung entwickelt sich das „Hospital-at-home“, womit eine neue Ära der Patientenzentriertheit erreicht wird. Hier bedient sich die Versorgung von Patienten in ihrem häuslichen Umfeld an den Vorteilen der Telemedizin inkl. Videovisiten, dem Telemonitoring (über Wearables etc.), „point-of-care“-Module und wird künftig ergänzt durch mobile Hauspflege und Hausroboter.
Die Zukunft der Endoskopie ist ambulant, unterstützt durch Robotik & KI, qualitativ zentriert und zunehmend geografisch entkoppelt. Routineuntersuchungen finden in KI-supervidierten Endoskopie-Zentren statt, wohnortnah und standardisiert. Komplexe Eingriffe werden dagegen in wenigen spezialisierten High-Volume-Zentren von ExpertInnen durchgeführt, teilweise teleoperiert und unterstützt von multimodalen Assistenzsystemen. Standardisierte Postinterventionspfade und Tele-Nachsorge ermöglichen die Erfassung von Komplikationen, sodass auch Hochrisikoprozeduren ambulant angeboten werden können.
Diese Vision ist bewusst überspitzt, doch sie macht eines klar: Die Technologie darf nicht bestimmen, wie die Gastroenterologie aussieht – wir werden es tun.
Die Fachgesellschaften stehen vor der Aufgabe, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Besonders hervorzuheben ist der Schritt der JUGA, die eine eigene KI-Taskforce etabliert, um genau diese Zukunftsthemen strukturiert zu adressieren. Die Einbindung einer jungen, technologieaffinen Generation in diese Debatte ist entscheidend, denn die kommenden 25 Jahre werden die Medizin stärker verändern als die letzten 100. Die JUGA setzt damit ein klares Zeichen: Die Transformation der Gastroenterologie wird nicht passiv abgewartet, sondern aktiv gestaltet: multidisziplinär, evidenzbasiert und patientenzentriert.
Auch Nachhaltigkeit wird integraler Bestandteil: Digitale Prozesse reduzieren Ressourcenverbrauch, wiederverwendbare Endoskope verbessern Ökobilanz und KI-basierte Kapazitätsplanung optimiert Abläufe. Die Herausforderung besteht nicht in der Technologie selbst, sondern in unserer Bereitschaft, sie verantwortungsvoll, kritisch und mutig zu integrieren. Die Gastroenterologie der Zukunft ist datengetrieben, personalisiert, global vernetzt und – zugleich – menschlicher denn je.
[1] Thomason, J., 2024. Data, digital worlds, and the avatarization of health care. Global Health Journal, 8(1), pp.1-3.
[2] Makar, J., Abdelmalak, J., Con, D., Hafeez, B. and Garg, M., 2025. Use of artificial intelligence improves colonoscopy performance in adenoma detection: a systematic review and meta-analysis. Gastrointestinal Endoscopy, 101(1), pp.68-81.
[3] Iacucci, M., Santacroce, G., Yasuharu, M. and Ghosh, S., 2025. Artificial Intelligence–Driven Personalized Medicine: Transforming Clinical Practice in Inflammatory Bowel Disease. Gastroenterology.
[4] Dobrusin, A., Hawa, F., Gladshteyn, M., Corsello, P., Harlen, K., Walsh, C.X., Alaparthi, L., Weinstein, M., Baig, N., Sousa, A. and Gunaratnam, N.T., 2020. Gastroenterologists and patients report high satisfaction rates with telehealth services during the novel coronavirus 2019 pandemic. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 18(11), pp.2393-2397.
[5] Gellad, Z.F., Diamond, S., Crockett, S.D. and Cross, R.K., 2023. AGA clinical practice update on telemedicine in gastroenterology: commentary. Gastroenterology, 164(4), pp.690-695.
[6] Gao, B., 2025. Opportunities and challenges for young physicians in the era of artificial intelligence: current status and future perspectives. Postgraduate Medical Journal, p.qgaf052.
[7] Abdelwanis, M., Simsekler, M.C.E., Gabor, A.F., Sleptchenko, A. and Omar, M., 2026. Artificial intelligence adoption challenges from healthcare providers’ perspectives: A comprehensive review and future directions. Safety Science, 193, p.107028.
Ein Beitrag von Nada Abedin, Frankfurt a.M. und Benjamin Moser, Berlin
© 2026
Die Blockchain ist out – Künstliche Intelligenz (KI) ist in! Und wie immer, wenn eine neue Technik den Markt erobert, ist die Euphorie erstmal groß. Im klinischen Alltag trifft man jedoch den Analog-Digital-Wandler-Assistenzarzt, der Medikationspläne vom Papier ins digitale Format überträgt, noch häufiger an als seinen KI-unterstützt effizienzgesteigerten Kollegen. Das liegt nicht nur daran, dass viele Anwendungsfälle noch nicht die Reife für den Einsatz am Patienten haben, sondern auch an ungeklärten ethischen und rechtlichen Fragen. Wir wollen euch ein paar Tools vorstellen, die man in der Klinik und Forschung heute schon sinnvoll einsetzen kann. KI ist ein dynamisches und exponentiell wachsendes Feld, die hier vorgestellten Tools sind zwangsläufig nur eine kleine Auswahl der vielfältigen verfügbaren Tools – wir hoffen, dass für jeden Leser etwas dabei ist.
Klinik
KIs zur Polypenerkennung (Computer aided detection, CADe) stellen die ersten in der Breite sichtbaren KIs in der Gastroenterologie dar und werden mittlerweile von den großen Endoskop-Herstellern angeboten. In einer Meta-Analyse zeigt sich eine Steigerung der Adenom-Detektions-Rate von 10,8% [1]. Da vornehmlich kleine Polypen unter 5mm zusätzlich erkannt werden, wird sich der Stellenwert von CADe in Abhängigkeit von nationalen Vorsorgestrategien noch zeigen müssen. Wer CADe selbst ausprobieren möchte, der kann die CEDe KI von Alexander Hann und Kollegen ausprobieren. Kosten fallen nur für die anzuschaffende Hardware an [2]. Der nächste Schritt, die Polypenklassifikation (Computer aided diagnosis, CADx) wird mittlerweile auch angeboten, beispielsweise im CAD-EYE von Fujifilm. CADx könnte dazu führen, den Leave-in-situ und Resect-and-Discard Strategien neues Leben einzuhauchen. Eine gute Datenbasis dafür fehlt aber noch.
Darüber hinaus ist das Feld von KI in der Gastroenterologie überschaubar: Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat ClinicalTrails.gov nach KI-Projekten in der Gastroenterologie durchsucht und 103 registrierte Studien gefunden [3]. In 74% davon wird KI in der Endoskopie eingesetzt, tatsächlich dreht sich die Hälfte aller Projekte um CADe und CADx. Die Forschergemeinschaft sucht anscheinend noch nach sinnvollen Anwendungsfällen in der Gastroenterologie…
Generative KI
In Abwesenheit spezifischer KI-Lösungen bleibt nur der Blick auf allgemeiner anwendbare generative KI wie OpenAIs ChatGPT, Googles Bard und META AIs Llama 2. In der Medizin und Forschung wirft der Einsatz von KI-Tools gleichermaßen widersprüchliche Gefühle auf. Während einige großes Potential von ChatGPT & Co. in der Anwendung als Schreibassistent, Übersetzer bis zur Projektplanung sehen, stehen diesen berechtigte Bedenken zu Datenschutz und Sicherheit gegenüber. Sensible Patientendaten auf ausländische Server privatwirtschaftlicher Unternehmen hochzuladen, verbietet sich aus Gründen des Datenschutzes, was den Einsatz generativer KI in der Klinik einschränkt. Die einfache und schnelle Zugänglichkeit von ChatGPT & Co. auf medizinische Fragen im schnellen Klinikalltag ist verlockend, jedoch kann die Qualität und Verlässlichkeit nicht geprüft werden. Dazu kommt die Neigung dieser Modelle zur Halluzination, also zum Erfinden von Informationen: Sucht man beispielsweise nach einem Paper zu einem bestimmten Thema, bekommt man auch eines – nur ob es wirklich existiert, ist fraglich. Ein schönes dokumentiertes Beispiel für diese Halluzination sind ausgedachte Gerichtsurteile, die einen New Yorker Anwalt in Bedrängnis brachten [4].
Um die Stärken und Schwächen von KI-Tools zu verstehen, muss man sich die Basis der zugrundeliegenden Systeme anschauen. Diese sogenannten Large Language Models (LLMs) sind große generative Sprachmodelle, welche auf Basis von gigantischen Datensätzen trainiert werden. Die Qualität und der Wissensschwerpunkt des Trainingsdatensatzes bestimmt die Qualität des Outputs der LLMs. Basierend auf diesem Trainingsdatensatz bauen LLMs ihre Antwort aus Wörtern und Phrasen – ohne eigenes Bewusstsein – nach den wahrscheinlichsten Kombinationsmöglichkeiten zusammen. Diese Antwort muss weder richtig noch auf Basis tatsächlicher Fakten basieren und ist zudem direkt abhängig von der Genauigkeit unserer Fragestellung. Generell gilt, je klarer und präziser die Aufgabe (“Kürze diesen Abstract um 4 Worte”), desto besser sind die Ergebnisse. Diese lassen sich weiter verbessern, indem kontextuelle Informationen mitgeliefert werden: Welche Rolle hat der Fragesteller? In welcher Form wird die Antwort gewünscht? Sollen bestimmte Dokumente für die Antwort berücksichtigt werden? Die systematische Verbesserung der Eingabeaufforderungen nennt sich Prompt Engineering und hat wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Ergebnisse. Unter diesem Stichwort finden sich zahlreiche Tipps im Internet [5].
Auch wenn die Hersteller über die genaue Herkunft der Trainingsdatensätze schweigen, ist bekannt, dass die größten LLMs, wie ChatGPT & Co. mit sehr breit aufgestellten Wissensquellen trainiert wurden [6]. Das macht diese LLMs stark in der breiten Beantwortung von Wissensfragen und Anwendungen, jedoch fehlt es ihnen teilweise an Tiefenschärfe in spezialisierten Wissensgebieten, wie der Medizin und Forschung [7].
Hier bieten Medizin-spezifische Generative KIs großes Potential. Med-PaLM 2 von Google besteht in internen Benchmarks das Mediziner-Staatsexamen in den USA (USMLE) zuverlässig
. Leider steht es der Öffentlichkeit ebenso wie sein Vorgänger noch nicht zur Verfügung. Wer dennoch generative KI in der Klinik nutzen möchte, kann Glass AI (https://glass.health/ai/) ausprobieren. Durch Limitierung des Funktionsumfang (Fallzusammenfassung, Differentialdiagnose und Behandlungsplan) und klare Anweisung für den Promptaufbau, sowie weiteres Prompt Engineering im Hintergrund vor Eingabe in GPT-4 und einer (nicht KI-lichen) Qualitätsprüfung werden durchaus nützliche Informationen generiert, die sich in eigenen Versuchen etwa auf der Ebene eines Alt-Assistenten oder jungen Facharztes bewegen.
Forschung
Auch in der Forschung gibt es eine enorme Entwicklung in KI-Tools, die speziell auf die Bedürfnisse in der Forschung zugeschnitten sind. Wer hat sich nicht schon gewünscht, während der Literaturrecherche, dem Lesen und Schreiben wissenschaftlicher Publikationen einen Begleiter an seiner Seite zu haben? Einen, der jederzeit für Brainstorming und Fragen zur Verfügung steht, der knappe, prägnante Zusammenfassungen liefert und Empfehlungen für weiterführende Literatur parat hat?
Persönliche KI-basierte Forschungsassistenten, wie SciSpace Copilot, stehen bei der Literaturrecherche und Lesen von Publikationen zur Seite. Die Chrome Erweiterung ermöglicht Echtzeit-Unterstützung bei der Zusammenfassung von Webseiten und wissenschaftlichen Artikeln und bietet Erklärungen zu enthaltenen Tabellen, Diagrammen oder Fachjargon direkt auf dem Bildschirm an.
Wissenschaftliche Chatbots wie Elicit.com und Scite.ai geben wissenschaftliche Antworten, basierend auf echter Literaturrecherche und Angabe hochwertiger Publikationen mit direkter Export-Möglichkeit zu etablierten Literaturverwaltungsprogrammen.
ResearchRabbit.ai, das “Spotify der Forschung”, hilft dabei auf dem Laufenden zu bleiben und visualisiert die wissenschaftliche Netzwerke hinter relevanten Papern. Mit
KI-gepowerten Suchmaschinen wie Sematic Scholar wird passende Literatur effizient aus über 200 Millionen wissenschaftlichen Publikationen gefunden. Für systematische Literaturrecherchen kann man mit Rayyan.ai oder SystemPro AI arbeiten. Automatische Zusammenfassungen einer oder mehrerer ausgewählter Paper generieren Humata.ai und Scholarcy.com. Mit Chat-Funktion kann man gezielt Informationen aus den Publikationen extrahieren.
Auch beim wissenschaftlichen Schreiben können eine Reihe von KI-Plattformen unterstützen. Vom Forschungsantrag (mit grantable.co), über die Literaturrecherche und Verfassung des ersten Manuskriptdrafts (mit Jenni.ai) bis zum Finden des richtigen Journals und Finalisierung des Manuskripts inklusive Korrekturlesen, wissenschaftlicher Tonanpassung, Kürzen, Prüfung der Referenzen, Konsistenz- und Plagiatscheck, sowie Einhaltung der regulatorischen Anforderungen vom Journal (mit Trinka.ai).
Englisch ist nicht deine Muttersprache? Übersetzungsplattformen, wie DeepL Translate oder direkte Sprachkorrekturassistent-Plugins in Word, wie Quillbot oder Grammarly, geben während des Schreibens direktes Feedback zur Rechtschreibung, Grammatik, aber auch Formulierungen.
Aber auch allgemeine KI-Tools für das optimierte Projekt- und Contentmanagement (mit Notion.ai oder Iris.ai), Meeting Notes (z.B. Fathom.video, Fireflies.ai), Präsentationen erstellen (mit z.B. decktopus AI, beautiful.ai oder slidesai.io) oder Bildgenerierung (Midjourney, Canva.com) können den Alltag in der Forschung effizienter gestalten.
So vielseitig die Einsatzmöglichkeiten von KI-Tools in der Forschung sind, dabei gilt immer: KI-Plattformen sollten immer ethisch und verantwortungsbewusst genutzt werden, um den Forschungsprozess zu unterstützen, aber können und sollen niemals die Originalität von Forschern ersetzen.
Fazit und Ausblick
KI bietet großes Potential für Klinik und Forschung. Dem steht insbesondere in der Klinik ein noch ungeklärter rechtlicher und ethischer Rahmen sowie Datenschutzbedenken entgegen. Generelle Generative KI wie ChatGPT & Co brillieren durch ihre schnelle Zugänglichkeit und breite Anwendung, aber auch durch die Gefahr für Falschinformationen und fehlende Tiefenschärfe. In den nächsten Jahren werden spezialisierte Medizin KI verfügbar werden, die den Stellenwert in der Patientenversorgung erst definieren.
KI ist als Helfer in der Forschung schon breiter einsetzbar als bei der Arbeit am Patienten und kann den Workflow von der Konzeption bis zur Veröffentlichung effektiv unterstützen. Mit einem tieferen Verständnis für KI können wir zum sicheren Einsatz dieser vielversprechenden Technologie beitragen.
Infobox:
KI birgt in Forschung und Klinik enormes Potenzial, doch Datenschutzfragen und der ethisch-rechtlich Rahmen sind noch ungeklärt. Spezialisierte KIs könnten bald die Klinik revolutionieren. In der Forschung bieten KI-Tools bereits leistungsstarke Assistenten für Literaturrecherche, Manuskripterstellung und sogar Brainstorming.
Literatur:
[1] Sivananthan A, Nazarian S, Ayaru L, et Does computer-aided diagnostic endoscopy improve the detection of commonly missed polyps? A meta-analysis. Clin Endosc. 2022;55(3):355-364. doi:10.5946/ce.2021.228
[2] Lux TJ, Banck M, Saßmannshausen Z, et Pilot study of a new freely available computer-aided polyp detection system in clinical practice. Int J Colorectal Dis. 2022;37(6):1349-1354. doi:10.1007/s00384-022-04178-8
[3] Koleth G, Emmanue J, Spadaccini M, et al. Artificial intelligence in gastroenterology: Where are we heading?. Endosc Int 2022;10(11):E1474-E1480. Published 2022 Nov 15. doi:10.1055/a-1907-6569
[4][4]
https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/new-york-anwalt-blamiert-sich-mit-fake-urteilen-aus-ch
atgpt-a-8935d1c8-b6c2-4079-8ecd-1cf4c2d33259, abgerufen am 03.10.2023
[5] Ng , & Fulford I. (2023, May 30). ChatGPT prompt engineering for developers. DeepLearning.AI.
https://www.deeplearning.ai/short-courses/chatgpt-prompt-engineering-for-developers/
[6] Zandt (2023, May 11). Infografik: Womit werden ChatGPT & Co. trainiert? Statista Daily Data. https://de.statista.com/infografik/29968/kategorien-in-googles-c4-korpus/
[7] AlZaabi , ALAmri A., Albalushi H., Aljabri R., & AAlAbdulsalam, A.K. (2023). ChatGPT applications in Academic Research: A Review of Benefits, Concerns, and Recommendations. bioRxiv.
[8] Singhal K, Tu T, Gottweis J, et Towards Expert-Level Medical Question Answering with Large Language Models. https://arxiv.org/abs/2305.09617
Ein Beitrag von Miriam Bittel, Bamberg und Jakob Garbe, Halle
© 2023
Als AG Junge Gastroenterologie (JUGA) sehen wir uns als Heimat und Fürsprecher für den gesamten Nachwuchs der Gastroenterologie, unabhängig von Profession und Arbeitsstelle. Nur durch die enge Zusammenarbeit von Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen, Angehörigen der Pflegeberufe sowie Mitgliedern weiterer Fächer wie zum Beispiel der Ökotrophologie und durch die enge und lückenlose Zusammenarbeit des stationären und ambulanten Sektors können wir unseren Patient*innen die moderne hochqualitative Versorgung garantieren, die sie verdienen.
Am Rande des Treffens der Arbeitsgemeinschaft universitäre Gastroenterologie (AUG) trafen sich zum ersten Mal Vertreter des Nachwuchses von zwanzig universitären gastroenterologischen Abteilungen aus Deutschland. Hier wurde zum einen das Konzept der Leadership Academy durch Dr. S. Sulzer und Dr. C. Dietz-Fricke vorgestellt. Durch diese wollen wir als JUGA die Führungskräfte der Zukunft durch Vernetzung und über Soft-Skill Training auf die Herausforderungen der neuen Positionen vorbereiten. Auch wurde das erste gemeinsame wissenschaftliche Projekt der JUGA Studiengruppe, eine multizentrische retrospektive Untersuchung zum Stellenwert der Plasmapherese in der akuten hypertriglyceridämie-induzierten Pankreatitis initiiert. Diese Studie sehen wir als erste von hoffentlich vielen gemeinsamen wissenschaftlichen Untersuchungen aus dem gastroenterologischen Nachwuchs zur Beantwortung von klinisch relevanten Fragestellungen. Zentral war jedoch die gemeinsame Erarbeitung des ersten Positionspapiers zur universitären Aus- und Weiterbildung in der Gastroenterologie. Das Positionspapier, welches gemeinsam von den Teilnehmenden publiziert wird, soll als Diskussionsgrundlage zur weiteren Verbesserung der universitären Ausbildung und damit Stärkung der Gastroenterologie als Ganzes dienen. Gemeinsam mit Herrn Prof. H. Kroemer und Frau Prof. J. Allmendinger und der AUG diskutierten die Teilnehmenden auch über die Zukunft der Universitätsmedizin aus Sicht der Universitätsmedizin und aus Sicht der Gesellschaft. Die JUGA bedankt sich ausdrücklich für die großzügige Einladung der AUG, welche die Vernetzung des universitären Nachwuchses deutlich vorangetrieben hat. Die Einladung steht exemplarisch für die starke Unterstützung, welche wir als nächste Generation der Gastroenterologie durch die universitäre Führung genießen.

Teilnehmende des Treffens zwischen dem gastroenterologischen Nachwuchses der DGVS und der AUG
Durch die geplanten Reformen des Bundesministers für Gesundheit Karl Lauterbach werden sich Leistungen in der medizinischen Versorgung in Deutschland vom stationären in den ambulanten Sektor verschieben. Dies kann ohne Übertreibung als Zeitenwende benannt werden. Hierdurch wird die Zusammenarbeit der Sektoren noch zentraler, als diese bislang schon war. Auf Einladung des Berufsverbandes für niedergelassene Gastroenterologen (BNG) und durch die Unterstützung durch Stipendien kam es zum ersten Mal zu einem ausführlichen Austausch zwischen JUGA und BNG am Rande der Jahrestagung in Erfurt. In einer gemeinsamen Session diskutierte die JUGA mit den niedergelassenen Kolleg*innen nach Impulsvorträgen von Dr. F. Seither und PD M. Knabe sowie PD G. Wölfel und PD M. Reichert über Zukunftsmodelle in der Niederlassung und Chancen der Ambulantisierung. Ein reger Austausch zeugte hier von gegenseitigem Interesse der weiteren Kooperation, wobei auch Herausforderungen angesprochen wurden. Da die Weiterbildung in den politischen Reformen leider bislang unzureichend mitgedacht ist, gibt es noch keine Konzepte, wie die klinische und endoskopische Ausbildung auch in Zukunft hochqualitativ gewährleistet werden kann. Aus unserer Sicht sind strukturierte Programme sowie die Schaffung von Weiterbildungsverbünden zu begrüßen, wobei hier Fragen etwa der Finanzierung noch offen sind. Um die Gefahr einer Ausbildungslücke für Kolleg*innen in Weiterbildung zu vermeiden, ist es wichtig, dass alle Beteiligten hier nicht nur Lösungen gemeinsam erarbeiten, sondern die Konzepte auch zeitnah auf den Weg bringen. Auch die Schwierigkeiten, Nachfolger für Einzelpraxen jenseits der Ballungsräume zu finden wurde diskutiert, wobei aus unserer Sicht auch hier die frühzeitige Einbindung von Kolleg*innen aus dem Nachwuchs mit einem persönlichen Einblick in das tägliche Arbeiten und die Strukturen essenziell ist, um diese für dieses Setting zu begeistern. Das Vorurteil, dass die Niederlassung von der ‘langweiligen’ Vorsorgekoloskopie dominiert ist und interessante klinische und endoskopische Herausforderungen nicht selbst behandelt werden können, hält sich. Der Realität der ambulanten Gastroenterologie entspricht dies jedoch nicht. Um die Durchlässigkeit der Ausbildung zwischen ambulanten und stationären Sektor zu verbessern, wurde vereinbart, eine gemeinsame Datenbank mit ambulanten Ausbildungsstätten aufzubauen. Durch ein einfacheres und passenderes Zusammenbringen von motivierten Ausbildern und Auszubildenden mit Interesse am Arbeiten in der Niederlassung sehen wir die Möglichkeit, schnell und unkompliziert einen Gewinn für alle Beteiligten gewährleisten zu können. Wir sind dankbar für die Einladung des BNG und sehen die Ambulantisierung und die hierdurch bedingten Änderungen der Weiterbildung als Chance.
Wir freuen uns, so viel Unterstützung für unser Arbeiten zu erhalten und streben weiterhin eine enge Zusammenarbeit an. Zeiten der Veränderung mit Umbrüchen sind stets Chancen zur Gestaltung und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten ist das Fundament für eine Stärkung unseres Faches.
Ein Beitrag von Sophie Schlosser-Hupf, Regensburg und Jonas J. Staudacher, Berlin
© 2023
Die Viszeralmedizin ist geprägt von Interdisziplinarität, eine enge Zusammenarbeit zwischen Gastroenterolog*innen und Viszeralchirurg*innen ist essenziell, um unsere Patienten optimal zu behandeln. Dies gilt auch für Forschung, Lehre und die ärztliche Weiterbildung. Diesem gemeinsamen Leitbild folgend wird die „Viszeralmedizin“ seit vielen Jahren gemeinsam von der DGVS und DGAV gestaltet. 2022 fand erstmals am Kongressmittwoch der interdisziplinäre Nachwuchstag NEXT GEN von und für junge Viszeralmediziner*innen statt. In verschiedenen Workshops und Crashkursen wurden sowohl theoretische Kenntnisse als auch praktische Fertigkeiten etwa in der Sonographie, der Funktionsdiagnostik und der Laparoskopie vermittelt sowie Hilfestellungen für den Start in das Forscherleben präsentiert. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Dreifaltigkeit von Klinik, Lehre und Wissenschaft für zukünftige Ärztegenerationen waren wichtige Themen. Aufgrund der sehr positiven Rückmeldungen und komplett ausgebuchten Kursen war die Entscheidung schnell gefällt, das gemeinsame Konzept weiterzuentwickeln und den Fokus noch mehr auf die Interdisziplinarität in der Viszeralmedizin zu legen.
Zur gemeinsamen Planung des NEXT GEN 2023 durch die AG Junge Gastroenterologie der DGVS (JUGA) sowie der Arbeitsgemeinschaft „Junge Chirurgie“ (CAJC) der DGAV fand am 12. und 13. November 2022 ein Planungstreffen in Berlin statt. Als Vertretende der JUGA waren Miriam Bittel, Viliam Masaryk, Sabrina Sulzer, Marcus Hollenbach, Jasmin Zessner-Spitzenberg, Johanna List, Sophie Schlosser und Jonas Staudacher am Start. Mit Maximilian Babucke, Maximilian Weniger, Florentine Hüttl, Nils Sommer, Verena Tripke und Tobias Huber von der CAJC wurden Umfragen unter den aktiven Mitgliedern beider AGs ausgewertet um NEXT GEN 2023 noch besser auf die Bedürfnisse der jungen Kolleg*innen ausrichten zu können. Die geplanten Workshops werden 2023 – soweit thematisch sinnvoll – immer interdisziplinär besetzt und der gesamte NEXT GEN 2023 als gemeinsame gastroenterologisch-viszeralchirurgische Veranstaltung geplant. Mit einer „backbone-session“ findet im Rahmen von Tandem-Vorträgen ein kleines interdisziplinäres Facharzt-Repetitorium statt, um das Angebot dieses Jahr zu erweitern und allen interessierten Viszeralmediziner*innen eine Teilnahme zu ermöglichen. Erstmals werden seitens der JUGA Endoskopie-Beginner-Workhops an Simulatoren bzw. Tiermodellen angeboten, um wichtige praktische Fertigkeiten beim Erlernen der Gastroskopie und Koloskopie zu vermitteln. Das bewährte Modell der Ultraschallkurse sowie ein Nahtkurs und Praktische Skills in der minimal-invasiven Chirurgie werden natürlich beibehalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Workshops zu sogenannten „soft-skills“ wie Karriereplanung, laterales Führen sowie der Umgang mit Fehlern und Komplikationen.
Wir freuen uns, somit auch 2023 dem Nachwuchs einen interessanten Kongresstag mit abwechslungsreichen und thematisch anspruchsvollen Veranstaltungen präsentieren zu können.
Neben der Planung von NEXT GEN 2023 wurden auch mehrere Ideen für weitere gemeinsame interdisziplinäre Projekte intensiv diskutiert. Zusätzlich zu Umfrage- und Vernetzungs-Vorschlägen fand die Projektskizze „Schwangerschaftskomplikationen bei Viszeralmediziner*innen“ ein starkes Echo, sowohl in JUGA als auch CAJC. Einer aktuellen Studie¹ nach sind Schwangerschaftskomplikationen bei Chirurginnen in Amerika etwa doppelt so häufig wie in der Normalbevölkerung. Die Übertragbarkeit der Daten ist aufgrund unterschiedlicher Arbeitsbedingungen und Gesundheitssysteme unklar. Diese Unsicherheit und der Mangel an Daten bei Viszeralmedizinerinnen in Deutschland wird von der CAJC und JUGA gemeinsam angegangen. Wir freuen uns auf zukünftige Treffen, um die konkrete Umsetzung dieses Projektes und weiterer interdisziplinärer Themen zu erarbeiten.
1 Rangel et al. Incidence of Infertility and Pregnancy Complications in US Female Surgeons JAMA Surg. 2021;156(10):905-915. doi:10.1001/jamasurg.2021.3301
Ein Beitrag von Marcus Hollenbach, Leipzig und Verena Tripke, Mainz
© 2023
Viele Ärzt*innen bringen ein hohes Arbeitsethos mit. Sie sind bereit, lange Arbeitszeiten auf sich zu nehmen, die sie in eine gute Patientenversorgung und in ihre Ausbildung investieren wollen. Alle, die eine Facharztweiterbildung hinter sich haben oder gerade noch absolvieren, wissen, wie anstrengend der klinische Alltag sein kann. Für diejenigen, die an einer Universitätsklinik oder an einem Lehrkrankenhaus arbeiten, kommen häufig noch Lehre und Forschung als Zusatzaufgaben hinzu. Darüber hinaus existiert auch außerhalb der Klinik noch ein Leben mit all seinen Facetten. Das Spannungsfeld zwischen klinischer Versorgung, Lehre, Forschung und Privatleben führt zu physischen und psychischen Belastungen, die nicht unterschätzt werden sollten.
Das Modell der „Work-Life-Balance“ ist für viele Ärzt*innen nicht zutreffend und überholt, da Arbeit nicht prinzipiell allzeit negativ und Privatleben allzeit positiv behaftet sein müssen. Ebenso wenig müssen sich beide Bereiche in Balance befinden. Um privat und beruflich „ausgeglichen“ zu sein, scheint das Modell der „Work-Life-Integration“ zutreffender und moderner, aber nicht unbedingt einfacher umsetzbar. Es stellt Ärzt*innen täglich neu vor Herausforderungen.
Viele Ärzt*innen gründen trotz dieser Herausforderungen eine Familie, die dem Anspruch einer Work-Life-Integration noch einmal ganz andere Bedingungen unterwirft. Abbildung 1 stellt schematisch dar, welche „Hüte“ Mitarbeitende in der Klinik, Forschung, Lehre und Familie gleichzeitig innehaben und verdeutlicht, wie schwierig es ist, all diesen Rollen gerecht zu werden. Insbesondere Ärzt*innen und Studierende stellt die Familiengründung vor Herausforderungen. In einer bundesweiten Umfrage unter fast 800 Ärzt*innen und Studierenden, die nach Inkrafttreten des novellierten Mutterschutzgesetzes jedoch noch vor der Corona-Pandemie schwanger waren, stellte sich heraus, dass ca. 43 % bzw. 53 % Bedenken haben, ihre Schwangerschaft dem Arbeitgeber zu melden und melden sie vergleichsweise spät an (Studierende in der 19. SSW, Ärzt*innen in der 12. SSW). Denn viele befürchten eine Verzögerung in ihrer ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Nur 7 % konnte ihre Aufgabe unverändert weiterführen und für 63 % der Befragten bedeutet dies, dass sie nur 50 % der vorherigen Tätigkeit mit teilweise deutlichen Einschränkungen nachgehen konnten. Bei einem hohen Anteil von fast 17 % führte dies zu einem Beschäftigungsverbot. Durch die Pandemie hat sich die Lage noch weiter verschärft. Grundsätzlich sollen schwangere und stillende Frauen durch das Mutterschutzgesetz besonders geschützt werden und theoretisch soll einer beruflichen und finanziellen Benachteiligung während der Schwangerschaft oder Stillzeit entgegengewirkt werden. Diese Ziele werden im ärztlichen Bereich verfehlt: Voll- oder Teilbeschäftigungsverbote sind aktuell unumgänglich und damit beginnt für die betroffene Frau die Karriereeinbuße bereits mit Bekanntmachung der Schwangerschaft. Der im Jahr 1924 gegründete Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) setzt sich besonders für bessere berufliche Rahmenbedingungen für Frauen ein und führt auf ihrer Homepage eine Liste von Positivbeispielen, bei denen die Fortführung der patientennahen Arbeit, auch in chirurgischen Fächern, möglich war. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies sicherlich im Interesse aller Beteiligten und der Erfahrungsaustausch hilft neue Lösungswege zu beschreiten.
Ist das Kind auf die Welt gekommen, stehen viele vor der Frage „Wie geht es nun mit Kinderbetreuung und Arbeit weiter?“ Insbesondere Frauen stehen immer noch unter einem starken sozialen Druck, da Rollenbilder weiterhin stark in der Gesellschaft verankert sind. Aber auch für Männer ist es nicht einfach, die richtige Balance zwischen Arbeit und Familie zu finden. Die Aufgaben in Lehre und Forschung werden häufig in der Freizeit oder in den Abendstunden erledigt. Wenn ein Kind da ist, wird diese Zeit jedoch von der Familie beansprucht. Wie geht man hier vor?
Aus unserer Sicht hilft hier nur eine offene Kommunikation in der Familie, insbesondere über die Priorisierung der Zeit und Aufgabenverteilung. Das bedeutet, dass die Arbeit möglichst gut strukturiert vollzogen und häufiger pünktlich beendet wird. Ob nach dem Zu-Bett-Bringen die Arbeit erneut aufgenommen werden kann, sollte mit der*dem Partner*in abgesprochen werden. Zu beachten ist auch, dass ohne Zeit für eigene Erholung die Kraft ausgeht. Hilfe durch Freunde und Familie ist, soweit verfügbar, sehr wertvoll. Sie können helfen, die Kinderbetreuung in schwierigen Situationen (z.B. Facharztvorbereitung) zu sichern. Aber auch externe Dienstleister, wie Babysitter, Aupairs, Kinderfrauen, Haushaltshilfen, Gärtner*innen oder Lieferdienste, können helfen, den Spagat zwischen Kinderbetreuung, Arbeit und Haushalt zu minimieren. Wichtig ist es, möglichst viele Sicherheitsnetze in der Betreuung aufzubauen. Zweifelsohne muss man sich diese Hilfen finanziell erst einmal leisten können. Es ist zu erwarten, dass junge Bewerber*innen sich künftig ihre Stellen nicht mehr nach dem Renommee der Klinik aussuchen, sondern vielmehr nach Kinderbetreuung und Dienstmodellen. Die Zukunft wird es zeigen.

Abbildung 1: Schematische Darstellung der unterschiedlichen Rollen in der Familie, Klinik und Forschung
Ein Beitrag von Oscar Cahyadi, Bochum, Victoria Mücke, Frankfurt, Sophie Schlosser, Regensburg und Jonas Staudacher, Berlin.
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Meckern hilft nicht. Läufts nicht, sollte man versuchen, seinen Einfluss geltend zu machen. Doch wie führe ich meine*n Chef*in?
Chefärzt*innen werden zwar allerhand Eigenschaften zugesprochen – über die Fähigkeit, Wünsche von den Lippen abzulesen, wird aber eher selten berichtet. Um die eigenen Anliegen platziert zu bekommen, ist es essentiell, von den Vorgesetzten überhaupt wahrgenommen zu werden. Dies kann zum Beispiel mit gezielten Rückfragen zu Arbeitsaufträgen bei den gemeinsamen Besprechungen oder der Visite erreicht werden. Denselben Zweck kann das Einfordern von (Therapie-)Entscheidungen erfüllen. Auch die Unterstützung der / des Vorgesetzen bei dessen eigenen Projekten kann hierzu beitragen. Führung ist immer ein Beziehungsgeschehen. Da bei der Führung von unten nach oben in der Regel Einfluss auf eine Einzelperson genommen werden soll, kann man sich hier besonders gut auf die Eigenheiten der / des Vorgesetzten einstellen.
Sind Missstände zu benennen, sollte dies in konstruktiver Weise vorgetragen werden. Gegebenenfalls können Alternativen aufgezeigt werden. Genauso müssen eigene Wünsche geäußert werden, denn nur so werden Vorgesetze darauf reagieren können. Ob es die Teilzeitstelle nach der Elternzeit oder der Fernseher im Dienstzimmer sein mag, die Wünsche müssen ausgesprochen werden. Dies setzt eine offene und vertrauensvolle Kommunikation voraus. Ein idealer Zeitpunkt und Ort kann hierfür das regelmäßig stattfindende Weiterbildungsgespräch sein.
Nach entsprechender gedanklicher Vorbereitung sollten die Forderungen klar und offen formuliert werden. Bei allem Eifer darf aber die Selbstreflektion und -kritik nicht außen vor bleiben. Nur wenn Forderungen angemessen sind und respektvoll vorgetragen werden, besteht Aussicht auf Erfolg. Dabei spielen der aktuelle Aus- und Weiterbildungsstand sowie Vorkenntnisse eine herausragende Rolle. Hier ist eine Selbstkontrolle essentiell – schaffe ich das? Bei allen Forderungen gilt es zudem zu bedenken, dass auch Vorgesetzte eigene Ziele verfolgen und gewissen Zwängen unterliegen. Zudem lassen sich Veränderungen eher in kleinen Schritten erreichen. Bereits bei der Zielsetzung sollte mit einbezogen werden, wie sich mit geringem Aufwand der größtmögliche Effekt erreichen lässt. Darüber hinaus können bestimmte Ziele in Vorgesetzten auch Ängste auslösen, z.B. Verlust von Mitarbeitenden Loyalitätskonflikte, oder sogar die Angst, durch Mitarbeitende ersetzt zu werden.
Aber auch Vorgesetzte können von dieser Strategie profitieren. Ideen und Vorschläge zur Optimierung der Abläufe und Strukturen können direkt von den Mitarbeitenden eingefordert werden. Hierzu können gezielt Anreize geschaffen und die Kommunikation, z.B. mit der Themensetzung in einer offenen Runde, ohne Zeitdruck erleichtert werden. Denn oft fehlen Führungspersonen Rückmeldungen aus dem Team, welche auch teuer bezahlte Unternehmensberater nicht beisteuern können.
Gelingt es auch wiederholt nicht, die eigenen Wünsche mit denen des Vorgesetzten in Einklang zu bringen, darf auch über einen Wechsel nachgedacht werden. Zuvor sollten aber alle kommunikativen Mittel ausgeschöpft werden.
Ein Beitrag von Lukas Welsch, Hanau.
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